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Nr. 151.

Erstes Blatt.

Donnerstag, den 3. Juli 1902.

Abo««eme«tsprelS: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg-. in'S Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 1-50.

Gratisbeilage« Lberhesfifche Samitte«zett««g (täglich) Lberhefsische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst»«d Gartenbau, sowie die Gieße«er Seife»blafe« wöchentlich). Das Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittags.

Gießener

____________11. Jahrgang.

JusertiovSvreiS : Die einspaltige Petit,eile für Gießen wie, ganz Oberbessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Nedaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.

Neuelle Aachrichten

(«Lietzener Uagevtatt) Htnaöhängige Tageszeitung (Hietzener Zeitung)

für Oberhesien und die Kreise Marburg nnd Wetzlar; Lokalanzeiger für Gietzcn und UmMbung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'fche Buchdruckerei, (gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen

Politische nachrichten.

* Berlin, 2. Juli. Eine polizeiliche Haussuchung fand gestern in der Druckerei des hiesigen PolenblatteS Dziennik Berlinski, sowie in der Privatwohnung deS Herausgebers des Blattes statt. Sämtliche Exemplare des im Verlage des Blattes erschienenen Sokel-Liederbuches sind auf An­ordnung der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden.

In der Zo lltarif-Commis sion hofft man die erste Lesung deS Tarifs am 8. August fertig stellen zu können. Sodann soll eine zweiwöchentliche Pause eintreten und die zweite Lesung gegen den 22. August beginnen. Man will durchschnittlich 25 bis 30 Positionen täglich zur Erledigung bringen.

Die Germanisirung in Posen.

* Berlin, 3 Juli. Nach Meldungen aus Posen antworten jetzt in Dreschen ein großer Teil der Schulkinder deutsch in der Religionsstunde, da die Kinder in Masse den Eltern durch Militär genommen und in Zwangs- Erziehung gegeben werden sollen.

Zur Förderung des Deutschtums.

Die Regierung hat den Professor oer National- Oekonomie an der Berliner Universität Dr. Ernst von Halle zu einer auf mehrere Monate berechneten Infor­mations-Reise nach Posen entsandt. Prof. von Halle ist mit eingehenden Special-Studien über das wirt­schaftliche und geistige Leben in der Provinz Posen be­traut, als deren Ergebnis neue Anregungen für die Förderung der deutschen Arbeit und des deutschen Ge­meinlebens im Osten, sowie für die zweckmäßige Ver­wendung des neuen Ansiedelungsfonds erwartet werden.

* Die Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes. Ueber die Durchführbarkeit von Maßregeln zur Ent­lastung hoch verschuldeter landwirtschaftlicher Besitzungen hat der preußische Landwirtschaftsminister den Ober- vräsidenten eine Denkschrift überreicht. Nach ihr sollen Die Oberpräsidenten mit den Landwirtschaftskammern, mit den landschaftlichen Kreditanstalten, den provinzial- (kommunal-)ständischen Grundkreditanstalten, sowie mit den Provinzialhilfskassen in Verhandlung treten und sie zu einer Aeußerung darüber auffordern, ob sie eine Schuldentlastung in der erörterten Art für durchführbar und im öffentlichen Interesse wünschenswert erachten. Im Falle der Bereitwilligkeit werden sie sich darüber zu äußern haben, in welcher Weise die zur Ablösung der Nachhypotheken erforderlichen Mittel aufzubringen sind. Daneben kommt als wichtiges Mittelnder Schuld­entlastung die stärkere Pflege der unkündbaren!Amorti-

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Geerteerd.

Novelle von E. V e l y.

98] (Nachdruck verboten.)

8.

Gut, daß die Race aussterben will, sagen die Insulaner, wenn sie an Maniel Hay's Hause vorbeigehen, wo Geerteerd hinter den geschlossenen Läden schwer krank liegt, lange Wochen ohne Besinnung. Maniel Hay sitzt an dem einen Fenster, wo er seine hölzerne Meergöttin am deutlichsten sieht, n d öffnet ey, wenn all die klugen Frauen mit Rathschlägen und Hausmitteln kommen, aber zu ihr läßt er nur Eine Reick.

Tai? die ihm jetzt über die Schwelle geht, ist freilich nicht zum Verwundern, weil er ihr denJo" wiedergebracht hat. In der Achtung der Insulaner ist Maniel darum aber nicht hoher gestiegen einander auf bem Meere beizustehen, ist Seemanns Pflicht und Gesetz.

Einmal ist Reick nach ihrem Krankenbesuche an Maniel's Stuhl getreten und hat ihm ihr stilles Gesicht zugewandt, mit einem Lächeln drauf.

Bin nicht mehr von Rothen, Maniel Hay!

Oho oho!

Kannst's glauben.

Er hat die Pfeife aus dem Munde genommen und nach V dem Schlasraum der Tochter gedeutet.

^v Fahrzeug abgetakelt was? Hätte doch am Ende Einen 2;on drüben holen sollen.

eini Reick hatte ihren Kops geschultes sie will vorsichtig mit gelihrer Nachricht sein.

des Glaube auch nicht an Medizin, brummt der Alte.

Er hat. aufstehen wollen, aber eine seltene Kraftlosigkeit n steint ihm in die Beine gefahren, er kann's nicht.

sationshypothek in Betracht, wobei es besonders darauf ankommen wird, die jetzt vielfach mangelhaften Be­stimmungen über die Amortisation im Sinne einer wirklichen Schuldentilgung wirksam zu verschärfen.

* König Georg von Sachsen hat sich als Hüter der Evangelischen erklärt. In der Diöcesen-Versammlung der Ephorie Dresden-Land teilte Consistorialrat Benz mit, König Georg habe ihm die Versicherung gegeben, daß es die evangelische Kirche unter seiner Regierung ebenso haben solle wie unter seinem Vorgänger.Das sollen", habe der König hinzugefügt,nicht bloß Worte, sondern auch Thaten sein. Verlassen Sie sich auf mich."

Die Wiedereinbringung derKanalvorlage in der nächsten Tagung des Landtags ist sicher. Die in Betracht kommenden technischen Dienststellen seien bereits beauftragt worden, die noch notwendig erscheinenden Vervollständigungen der Vorlage, nament­lich in Bezug auf die Frage der Kompensationen in beschleunigter Weise zu bewirken.

* München. Der Lokal-Anzeiger meldet aus München: Der bayrische Kultusminister Dr. Landmann, gegen den die Universität so auffällig demonstrirt hatte, hat heute Mittag dem Prinz-Regenten seine Entlassung eingereicht, die jedoch nicht angenommen wurde.

London, 3. Juli. Der gestern Abend erlassene Krankheitsbericht lautet: Der König wahrte denselben stetigen Fortschritt. Der örtliche Schmerz ist geringer. Die Tage werden mit mehr Behaglichkeit zugebracht.

Die Krönung des englischen Königs wird durch die Vertagung eine Aenderung erfahrenund soll besonders einen mehr religiösen Charakter tragen, während die Festlichkeiten weniger geräuschvoll gefeiert werden sollen. So wird die Zahl der Eingeladenen vermindert werden und man wird sich auf diejenigen Persönlichkeiten beschränken, welche mit dem englischen Hofe verwandt oder eng befreundet sind. Die Festlich­keiten sollen bereits während der Krankheit des Königs stattfinden, da der König denselben wegen der damit verbundenen Ermüdung doch nicht beiwohnen könne.

Zur Erkrankung König Eduards.

Nach demStandard" wird im Unterhause bereits die Möglichkeit erwogen, daß eine Krönungsfeier noch während der laufenden Tagung also etwa in der dritten August-Woche stattsinden könne.

Am nächsten Samstag werden eine halbe Million Arme'Londons gespeist. 1500 Künstler werden durch Vor- trägeUdie verschiedenen Gesellschaften unterhalten. Einige DinerS^werden auch von den verschiedenen Mitgliedern der

Ganz allein wird mir schroer fallen, Reick, sagt er. Erst das Weib drüber bin ich ()hi aber nun auch die Teern.

Seine Lippen zucken, doch Reick schreit zu gleicher Zeit aus.

Was meinst Du denn? Sie ist nicht todt, sie wird wieder

Daniel schließt sein eines Auge, legt die Pfeife nieder und loiederholt:

Sie wird wieder dann ist es ein paar Minuten still um die Beiden und endlich fragt er, zweifelnd und leise: Reick woran willst Tu's wissen? Elend genug ist fiel

Dadran, erzählt die Wittwe, daß Du nun allein die Pflege übernehmen mußt. Sie hat mich erkannt und weg­geschoben verzürnt ist sie auf mich, das ist ein gutes Zeichen.

Run nickt Maniel auch, das leuchtet ihm ein.

Ter Kopf ist klar, spricht Reick weiter, nun helfen wir den Kräften nach. Aber sehen darf sie mich nicht.

Nein!

Sie lächelt wieder auf das faltige Gesicht des Mannes, der ihr Todfeind gewesen ist, herunter.

Kannst doch noch Hochzeit erleben und auch Enkel, Maniel Hap!

O je! macht er, Freier sind rar Fritz West hat sich auch gleich davon genieldet und ist ohne Lebewohl weg.

Reick sieht, daß dies Aufheiterungsmittel nicht verfangen will ist ja auch an der einen Freudenbotschaft genug für einen Tag gewesen

Jbr Jo ist bald nach jenem Sturmabend wieder mit einem Engländer fort und nun hat Reick die Erfahrung machen müssen, daß die blonde Meerie doch auch die Mutter nicht verleugnet es sitzen jetzt in Talke Möllers Hause Zwei, die seufzen und klagen. __

königlichen Familie besucht werden. Jedenfalls werden auch dte Majors der verschiedenen Bezirke den Essen beiwohnen. ' Die Freudenfeuer um London waren infolge des Regens kein großer Erfolg. Ungefähr 40 Feuer waren von dem großen Rade aus sichtbar Die Bevölkerung Londons, die zu Tausenden durch die Straßen zog, war enttäuscht, da keinerlei Illumination stattfand. Die erste offizielle Teil­nahme der Königin an einer öffentlichen Funktion seit der Operation des Königs gestaltete sich zu einer großen Ovation sür die Königin, die in halb-Gala umgeben von der königl. Familie und sämtlichen anwesenden königlichen Gästen der Parade beiwohnte. Die Königin sah sehr wohl aus. ES heißt, die Königin werde am Samstag der Speisung von 14 000 Armen in Fulham beiwohnen, zu welcher unter großen Zelten 2*/> Meilen Tische und 5 Meilen Bänke auf» gestellt^sind.

Spanien.

Die Regierung hatte gestern über 100 von Nonnen und Schwestern geleitete Schulen schließen lassen, weil dieselben sich den gesetzlichen Vorschriften der Regierung nicht gefügt hatten.

* Bern, 2. Juli. Der Senat der Berner Universität hat beschlossen, er bedauere aufs lebhafteste,daß die Rede, welche Professor Vetter als Abgeordneter dec Universität Bern b?i der Feier des Germanischen Museums zu Nürn berg gehalten hat, derart war;' daß sie Anlaß zu beklagens werten Mißverständnissen geben konnte." Seither hat Pro­fessor Vetter seine Demission als UniversitätSprosessor eingereicht.

* Paris, 2. Juli. Morgen Freitag beginnt in der Kammer die große Debatte über die Schließung der conc gregatistischen Schulen. Der Cabinetschef soll beabsichtigen, bei dieser Gelegenheit eine wichtige Erklärung über die religiöse Politik der Regierung abzugeben. Man befürchtet ernste Zwischenfälle.

* Der König von Italien reist amU. Juli über Berlin nach Petersburg, wo er am 13. Juli ankommt, drei Tage daselbst verbleibt, um dann direkt nach Italien zurück­zukehren. ES ist noch fraglich, ob die Königin ihren Ge­mahl begleiten wird. Dagegen wird Prinetti ihn begleiten.

* Die Neapeler Polizei erhielt Befehl zwei Anarchisten Namens Boni und Serri et zu verhaften, die eines Complotts gegen den Sultan verdächtigt sind.

China zahlt nicht.

Die chinesische Regierung weigert sich, die Julirate der Entschädigungssumme anders als zum Wechselkurse vom 1. April 1901 zu bezahlen. England schlägt jetzt vor, China die Zahlung >der Kriegsentschädiguna bis

Allgemach schreitet Geerteerd's Genesung fort, Vater Maniel entwickelt eine Art Talent zur Krankenpflege, das auch bisher unentdeckt an ihm geblieben ist.

Bald sitzt das bleiche Mädchen neben ihm am Fenster, endlich kann sie im Hause schaffen, als das Frühjahr kommt, in das Vorgärtchen gehen. Rur gegen das Meer und den Strand zeigt sie Widerwillen, und wenn Dorfleute in die Nähe des Hauses kommen, schlüpft sie hinein. Sie fragt nicht, was sich an jenem Abend und während ihrer Krankheit ereignet hat und Maniel ist nicht redselig, hat selbst noch nicht einmal Fritz West's Name genannt.

Daß er zur Tämmerstunde oder in aller Morgenfrühe gelegentlich Unterredungen mit Reick hat, verschweigt er ihr auch.

Ab und an hört Geerteerd, wie sich die Leute zurufen, als die Badezeit kommt, daß es ein wahrer Segen ist mit den Fremden, die in Haufen herbeiströmen. Auch davon sieht sie nichts, als einige Gestalten aus der ^erne Reick, ihre nächste Nachbarin, hält ja immer ihr vaus frei von Fremden.

An einem September-9(achmittag, als Vater und Tochter vor der Thür sitzen, Geerteerd immer der Schwelle am nächsten, kommt eine ungewohnte Erscheinung auf das Haus zu, der Postbote, und der Brief, welchen er abzugeben hat, ist an Fräulein Geerteerd Hay abtci'iuL

Das Mädchen zeigt keine Neugier, obwohl es diese den Boten so wichtig dünkende Thatsache vernommen hat, leidet's auch, daß der Vat^r das Schreiben in der Hand hin und her dreht und nach allen Seiten besieht.

Das soll mich aber wundern, sagt er endlich.

Mach's nur aus! entgegnet Geerteerd, die auch mit dem Alten geduldiger geworden ist fest ihrer Krankheit.

(Fortsetzung folgt.)