%Ä fir. 281.
Zweites Blatt
Dienstag, den 2. Dezember 1902.
11. Iabraang.
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Ävfeetio»SvreiS : Die einspaltige Petitreile für Gießen wie ganz Oberbessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg., Xe flamen die Petilzeile 30 resp 40 Pfg
PostzeiwngSliste 9io. 3032.
Redakt'on und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.
Ferusprechanschluß Nr. 362.
WeueUe Hachrichten
’y'M^ «Kießener Dageörati) Unabhängige Tageszeitung (Gießener Zeitung)
^L für Oberhefseir und die Kreise Marburg und Wetzlar: Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
1 förS^^ alle^amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und solche der Grosch. Provinzialdirektion von Oberhessen
i GrosseMätt alle^amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und solche der Großh. Provinzialdirektion
w>w Marmorkamin, den Papst Ptüs vn~ ’ auch für die Schön!
Ä Hnni^ Die (Uleae eine» nauvrrviu?». dein staner gelegentlich der Krönung geschenkt hatte, in n»d, die dem Geige Erdal-ing i ^_*''nltr; „„- heut 5diloii Malmaison. — I™l- n?^ en'‘‘ ^»,"" ., Bcrjchw» nden sind die Kameen, die Französin hingegangen, liin die
chvnheittn der Kunst cnipfdtiglid)
■^jLlrr - Erinnerungen aus dem Sd)lo6 Malmaison.
(Nachdruck verboten.) event mit
’ lÄWl I Tie französische Regierung hat sich soeben bereit er
m !.•'*««,. na« Zchlos, Malmaison bei Versailles von dem letzi- ^HSr^^li miner, Sn-rrn Lsiris, der es sorgfältig hat reftanric. "'^lÄbMr V^ifi (eisen, als lbcschenk anzunehmen. Das schloß, ernst wf, «.fe^e --' biinqsanfenthalt der Kaiserin Jofephine, ist letzt 9^(Ä t; vorhanden sind eigentlich nur noch
tonÄSLJl^ Mauern, die nngesahr so wiederhergestellt wur- 4i»,i?'"âee- üX ,,jt. sie ii„ Zahre 1814, zur Zeit von Josephines Tobe, ff "^MttiiniX"1 Par tu nein besuchte die Exkaiserin Eugenie dieses V l^ ixiv sozusagen die Wiege des Kaiserreichs war; w£btrimat^ trübe Gedanken gewesen sein, die beim ^lu- —. n fnhlen Wände ihren Geist durchzogen, denn
versichern, daß sie bitterlich meinte.
—„ ^^marfür. 17; £je erste Kaiserin der Franzosen hatte keine Kinder n möbl. ZimmerM^n il rem königlichen Gemahl, nnd das war ihr Unglück. M V phine war, wie allgeinein bekannt ist, fein Tugend-
—' yo^ aber sie war gut und edelmütig, eine sorglos in den , Atrcolin, die nicht haushalten kann,
»31, \W m ^ und überall verschwendete, sich schrankenlos dem
...... ' '
Verschwunden sind die Kameen, di. Mosarten, die WiebaiKon* und die geschnittenen Steine die ihn schmückten; sie sind nach und nach von den Besuchern oder ungetreuen Aufsehern entfernt worden Es folgt der Musiksaal, wo sich eine Bühne für Talma und die anderen nach Malmaison befohlenen Schauspieler und Sänger befand. Mehul, der Komponist der Oper Iosevb in Aegypten", leitete die Konzerte. Endlich die Bibliothek Napoleons Privat-Domaine. Auf einer geheimen Treppe' die iioch vorhanden ist, kam er frühmorgens hinunter und ging daun von hier aus in die rechte Allee des Parkes die ausschließlich für ihn reserviert war. Am Eiide dieser Allee befindet sich noch heute ein Kiosk, wo er oft stunden lang allein verweilte. Tas Zimmer der ersten Kaiserin erinnert nur an ihren Tod, der bald nach dem Einzug der Verbündeten in Paris erfolgte. Josephine war mit dem Kaiser Alexander von Rußland spazieren gefahren und soll sich wahrend der Spazierfahrt erkältet haben: ihr Tod trat fast plötzlich ein.
sind, die dem Geiste Erholung verschaffen
Ich bin als
dramatische Kunst mei
ues Landes zum TriumpO zu führen, und es iß mir gelungen, ich habe gesiegt Ich habe „Pyüdri" gespielt. Das war ein Triumph Man verlangte ,,Magda" von
nur Ta- erbittlich.
ich abgelehnt, und dann war ich an
ach ivar nach
die französische Miu ist zunt
Deutschland gegangen, um nur I Siege zu führen." Die Phan-
ires Gatten hingegeben hatte, und für ihn viel- nso viel getan hat, als er für sie tat. Vor dem
. pcrân ^'^^^rlcoir oft die Regungen der Eifersucht; nachdem er aber Mân» geworden, war die Eifersucht eher bei seiner Gattin ""■ q Ji " '^Mh.mdcn. Obtvohl ihr der Kaiser nach der Scheidung «e » o'MMerw^ Malmaison einen kleinen Hofstaat eingerichtet hatte, Qeu™ «uW^ er ihr eine Dotation von drei Millionen jährlich BMyvfnr. 2. Lâ^^^^f hatte, und außerdein noch häufig ihre nicht all- *” uiobliM Zimiiic p inen laufenden Schulden bezahlte, obwohl er sie nicht Mn in Malmaison besuchte, litt sie doch in der Zeit —' lâWlüh 8m^„ igio pis 1814 ganz fürchterlich in diesem Schlosse, 6er Heller üetew alles sie an ihren einem Meteor gleich auftauchenden »er ohne Wohnung st Mirksstern und an ihren ebenso plötzlichen Sturz er- csrelcher Lage per fofo. lern mußte
zu vermieten. . Aon der Geschichte des Schlosses Malmaison ist wenig W. MstâühA sagen. Kurz vor der Revolution erbaut, wurde es zu selbst „sind zwei, M ^inu des Konsulats von Josephine gekauft und durch ^flhranke mit Wip, neu angebaute Flügel vergrößert. Im Jahre 1814 Sânebtburen zu W".^,, eg P^^nz Eugen, der es 1820 an den schwedischen -4-IimMtrwolMlSanlier Hagermann verkauft, von dem es 1842 die Ko- )t0lk, sofort zu «le itißin Christine kauft. Tiefe läßt einige Veränderungen iWOhr^ und 11. a. eine gothische Kapelle bauen, die er-
tlttT^amWcßÄ Mett werden konnte, weil sie sich außerhalb des Schlosses fort zu venniäen. kein bet. Es ist nicht uninteressant, daß man hier neben M. Tielenwea ^>n Srinuerunaen aus der Kaiserzeit das Wappenschild mit bin drei Lilien der Bourbonen sieht. Im Jahre 1861 B-Zlmmerwohunng Kiste Napoleon III. Malmaison für den Preis von e per sof. ev. Wer ß' l i^ o(X) Francs, um dort die Erinnerungen an seine jh, Südavlaae 10 1^ Ji itter und an seine Großmutter unterzubringen. Ter fräumige MansardeMl' film des Kaisers blieb jedoch unausgeführt. Ter Krieg ^vermieten- urb bie Kommune machten aus Malmaison eine Ruine, ih. Südanloge Nr. i^. Eine Gesellschaft kaufte die Herrschaft und parzellierte j^Dohnimg, 2 Mt; die Herzogin von Albufera kaufte das Schloß und nebst .Ä sofort iu sjudln Hektar Park, und diese kleine Besitzung kaufte Herr âh. MtbiHitwj^ Diri-? im Jahre 1896 in öffentlicher Versteigerung für eine^mèbl. Am drn Preis von 132 000 Francs.
;eten. . Von den sehr interessanten Möbeln aus der Kaiser-
fatU Wtnbft Neustck hü waren darnals fast alle schon verteilt und zerstreut. ---XJJpL Pp« ließ das Schloß von dem Architekten Humbert aus- j / öimmtr mit ; die innere Dekoration restaurierte Jambon, der Demi. Dkkorateur der Großen Oper. Der Stil des Schlosses 32—^'^ uichts Bemerkenswertes. Josephine wollte aus dem ein zweites Trianon, eine Nachahmung des idylli- •n ^^blingsaufenthaltes der unglücklichen Marie An- ^(TIhI triiiette, machen; es wurde aber nichts weiter als eine er ^tf I- Bequeme Wohnung. Aber sie hatte jetzt tvenigstens ein Lolveâ Kiltes Heim, eine Wohnung, die weniger offiziell war «^misodk' WSaint-Cloud. Sie zog Künstler, berühmte Schriftsteller Jobs- 3ial1^ tj^mittir und Politiker in ihre Nähe; sie verstand es, ihnen zu schmei- r Pension »âtzstem^, hkln, und umgab sie mit einem Kranz von hübschen ^uuen, die die Zusammenkunft im Salon und im Park ® n 1 p . Mr heiter gestalteten. Eine Vorhalle in Form eines
lö Südanlage Nr. U ।
jüne Wohnung,
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eit.
nfÄJifh(Ill Uiegs^eltes wurde dem Schloß-Eingang angefügt. Ob dieses Bauwerk schon zu Napoleons Zeit bestand, ist schwer faule unb P sagen. Die große Vorhalle, die das Schloß in zwei L^jf^ "'^ teilt, macht nach der Restauration einen sehr frosti- lM^^j 4kv Eindruck mit ihren Stuccosäulen, die eine Granit- Mitation darstellen. Rechts befindet sich ein großer Solon, ber später ein Billard-Saal wurde Dort besuchte Inr Kaiser nach seiner Scheidung seine erste Gemahlin, Wb zwar nur dort, weil sich zwischen der Vorhalle und diesem Salon eine riesige Spiegelscheibe befand, durch welche bis Adjutanten alles sehen konnten, um nötigen Falls der Ruserin Marie Louise, die ob dieser Besuche des Kaisers ktivas eifersüchtig war, Bericht erstatten zu können.
Hinter dem großen Salon befindet sich ein viereckiger Salon, Weiß und Gold. Die Ornamente sind von Percier W’b Fontaine vollständig wiederhergestellt worden, aber ^ oufgefrischten Medaillons sind ein wenig geschmack-
rE' Kari-te.,
Gr. K-rM
Was wird nun aus Malmaison werden^ Osiris der für die Ausbesserung des Schlosses mehr als eine Million ausgegeben hat, wünscht, daß dort ein Napoleon-Museum eingerichtet ivird. Die Idee ist gut, es fragt sich aber ob der Staat die Millionen hergeben wird, die nötiâ waren, um die leeren Zimmer mit Möbeln und Erinne- cungszelchen aus der Zeit des ersten Kaiserreiches zi,
Vermischtes*
^ sWenn die Könige reisenZ Gelegentlich des Besuchs unseres Kaisers in England schreibt ein dortiges Blatt, daß diese Reise infolge des privaten Charakters nicht kostspielig sein dürfte; aber es kommt nicht oft vor, daß Könige billig reisen. Georg IV. mußte wegen der Unkosten eine Reise nach Berlin aufgeben, und man be- kommt einen Begriff von der Kostspieligkeit königlicher Reisen, wenn man hört, daß der frühere Schah von Persien im Jahre 1878 während eines sechsmonatlichen Auf- mthalies in Europa 4 Millionen Mk. ausgegeben hat. Seines Sohnes letzter Besuch in Europa soll 8 Millionen Mk. in bezahlten und unbezahlten Rechnungen gekostet haben; ein Sultan aber hat, wie erzählt wird, an einem Nachmittage in Paris 2 Millionen Mk. für Einkäufe bezahlt. Lord Lonsdale hat ein kleines Vermögen ausgege- ben, als er Kaiser Wilhelm als Gast bei sich sah. Als ber deutsche Kaiser 1891 Königin Viktoria besuchte, gab sie dafür 35 320 Mk. aus, und ein kurzer Besuch des Königs von Siam kostete sie 18800 Mk. Ihre eigenen Besuche im Auslande kosteten gegen 100 000 Mk., obgleich die Königin selten über Frankreich hinausging; 26 000 Mk. wurden allein von dem Oberstallnwister ausgegeben, und ein Herbstbesuch in Balmoral kostete der Königin einst über 200 000 Mk. Einer der indischen Fürsten, der zur Krö- nungsfeier kam, verbrauchte etwa 5 Millionen Mk. Ter letzte Besuch des Zaren in Frankreich soll nicht weniger als 10 Millionen Mk. gekostet haben. Die Ausgaben der französischen Regierung betrugen allein 2 480 000 Wf., und sie repräsentieren nur den geringsten Teil der Unkosten. Dünkirchen bezahlte seinen Preis für die Ehre, einen Zaren zum Frühstück zn haben, Rheims gab 3c hn taufenbe aus, und eine besondere Steuer ivurde in Compiègne erhoben, um die Kosten zur Bewirtung zu bulo' Als Königin Viktoria Bristol besuchte, haben allein die - Novationen 120 000 Mk. gekostet, und es scheint, als ob die Jetztzeit in solchen Dingen verschwenderischer geworden ist, als man früher war. Königin Anna besuchte ^rlstot vom Freitag bis zum Dienstag, und das kostete der ^tabt noch nicht 1000 Mk., darin ivaren 82 Mk. für die Emrrch- tung einer Laube für die Königin zürn Wassert port^ern- geschlossen. Cromwell besuchte die Stadt auf acht ^age und trug selbst die Unkosten, aber Karl II. und seine Gemahl kosteten Bristol 27 810 Mt 130 Goldstücke wurden der Königin in einer Börse überreicht. Ein Besuch der Königin Katharina im Jahre 166« loftcic M’j-i ' if. und der Prinz und die Prinzessin von Wales verursacytt n eine Rechnung von 20 000 Mk.
t sTic bekehrte Sarah. s Sarah Bernhardt fährt munter fort, ihre Erinnerringen an ihren deutschen Ausentyalr in Pariser Flattern auszup.rcken. Die einstige .V^ ßenfresserin hat sich jetzt aber zu einer Lobrednerin oer deutschen Barbaren bekehrt. U. a. sagte sie in einem - * titel: Ich habe meine Ansichten über Deutschland ""u über die Beziehungen, die die Franzosen mit diesem - am haben können, gründlich geändert. Die Zeiten sind ni mehr, wo man sich unerbittlich und unzugänglich zeig durfte, und das a is verschiedenen Gründen, me n ) nicht so kurz angeben lassen. Im liächsten xV“)11 1 ich nach Deutschland zurückkehren. Ich bin erstaaii, zückt von dem, wa- ich dort gesehen habe, »ach ymtse gekommen. Es ist ein wunderbares, mächtiger,, < t- kraftstrotzendes Land, dessen Bewohner, trotz ihrer uew
tu sie geht der guten Sarah etwas durch, wenn sie von überschwenglichen Triumphen redet. Es war doch im allgemeinen nur ein recht kühler Achtungserfolg.
';' fEine Zwergen Hochzeit, f Eine Hochzeit, wie man sie nicht alle Tage sieht, ist in Newyork gefeiert worden. 3wi Pygmäen, die, anfeinandcrgestellt, nicht mehr als 2,20 Meter messen, haben den Bund für's Leben ge- schlossen. Die beiden kleinen Wesen gehören einem Wanderzirkus als Mitglieder an. Ter junge Ehemann, Major Eriqui, ist in Newyork geboren, uni) jetzt 23 Jahre alt; die Braut, ein geborenes Fräulein Robinson, stammt aus Chicago, unt) ihre Mutter ist in ganz Amerika unter dem Wanten „die starke Frau" bekannt. Braut und Bräutigam wiegen je 53 Pfund. Frau Rvbinson, die Mutter der jungen Frau, bricht eiserne Ketten wie Strohhalme entzwei und zertrümmert große Steine mit der Faust, zu in größten Vergnügen des Publikunrs, das den Zirkusvorstellungen beiwohnt. Ter Vater des Majors Eriqui ist Hn 150 Kilo-Mann. Man sieht also, daß die Sprößlinge der beiden ganz aus der Art geschlagen sind.
Moderne Kriminaltecbnik.
(Nachdruck verboten.)
w In Paris wurde vor kurzem, mie der Draht meldete, der Bediente eines Zahnarztes von diesem des Morgens bei Oeffnung des Ateliers tot auf der Erde liegend gefunden. Diè gesamten Möbelstücke innren erbrochen und beraubt, mit Ausnahme des Geldschrankes selber, an dem der Einbrecher vergeblich seine Kunst versucht hatte. Von diesem selbst fehlte anscheinend jede Spur. Ueber den Umgang des Ermordeten wußte der Zahnarzt nur ganz ungenaue Angaben zu machen, kurz, die Polizei hätte wieder einmal vor einem unlösbaren Rätsel gestanden, wenn Herr Bertillon ihr nicht aus der Not geholfen hätte.
Bertillon, der Direktor des Pariser anthropometrischen Instituts, ist bekanntlich der Erfinder der genialen, nach ihm benannten Meßmethode, die es ermöglicht, jeden Menschen nach bestimmten von ihm aufgenommenen Körpermaßen wieder zu erkennen. Das Bertillonsche Maßsystem wird von der Kriminalpolizei sänitlicher Kulturländer seit Jahren mit dem besten Erfolge benutzt. Auch diesmal half es Licht in die dunkle Affaire bringen.
Herr Bertillon nahm sich, wie immer bei so verzwickten Fällen in Paris, selber der Sache an. Für ihn bedurfte es dort, wo profane Augen nichts erblicken konnten, nur eines Fingerzeiges — und zwar wörtlich genommen — um der Wahrheit auf die Spur zu kommen.
Der Mörder hatte nämlich, um zu dem wertvollen Inhalt auf die schnellste Weise zu gelangen, einen Glas- schrank einfach eingeschlagen. Dabei war ein großes Stück Glas unten derart stecken geblieben, daß es ihn am Hineinlangen hinderte. Um es zu entfernen, faßte er es zwischen Taunien und Zeigefinger und schüttelte es hin und her, ohne daß es ihm jedoch gelang, es herauszunehmen: dafür aber waren seine Finger deutlich auf der Glasscheibe abgedrückt.
Dieser „Fingerzeig" genügte, wie gesagt, Herrn Ber tillon. Er nahm die Platte mit nach Hause, machte ver schiedene photographische Aufnahmen davon, und siehe da — es gelang ihm, aus den bloßen Fingerabdrücken sich den ganzen Menschen zu konstruieren. Tie feinen Striche der Haut an den Fingerspitzen sind nämlich bei den einzelnen Menschen so verschieden, daß man nacl) ihnen ganz genau auf die Identität einer Person schließen kann.
Nachdem Herr Bertillon ein genaues Bild der Fingerabdrücke erzielt hatte, sah er in den Meßkarten nach, die im anthropometrischen Institut von allen Verbrechern angefertigt und aufbewahrt werden, und fand nach kurzen Vergleichen, daß kein anderer als ein gewisser Schef fer ber Mörder sein könne, ein schon vielfach vorbestrafter Bursche.
Sofort spielte der Telegraph nach allen Richtungen, und es gelang, den mutmaßlichen Mörder in dem Augen blick zu fassen, als er sich gerade mit seinem Raube in Marseille an Bord eines Dampfers begeben wollte, um über das große Wasser zu flüchten. In seinem furchtbaren Schreck — er hatte nach den Zeitungsmeldungen angenommen, ganz sicher zu sein — gestand er alles ein und sieht jetzt seiner wohlverdienten Bestrafung entgegen.
Gegenüber dieser fast zauberhaft zu nennenden Fin- digteit der Wissenschaft im Dienste der Polizei muß es den Verbrechern allmählich banae werden.