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Nr. 177.

Zweites Blatt

Samstag. den 2. August 19>2.

11. Jahrgang.

Gießener

(Gießener Gagevratt)

Ilnaößängige Tageszeitung

(Gießener Reifung)

Abo»»eme»tspreis : in Steven, abgeholt monatlich 50 Pfg., in'S HauS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viettel- jährlich Mk. 1 50.

«ratl-beilagea : Obe^-sfisckt F-«ttt-»z-tt»»q (täglich)

CberMftfUe Zeitschrift für L'»-wirtschaft, Cbtt Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblase* lwochenUlch). DaS Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Uermifcbies.

* Die strafrechtliche Untersuchung gegen Dc. Holz­apfel, dem Direktor des Technischen Instituts zu Köthen, ist eingestellt worden. Die Gecüchte über Ausstellung gefälschter Zeugnisse sind also unbegründet.

J»strtto«Spre1S x Die einspaltige Petitzeile für Gießen, wie lwnz Oberbessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst Pfg.; Reklame» die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Grvedition: Gießen Neuenweg 28.

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für Oberbefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiaer für Metzen und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Huchdruckerei (gegr 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein Gießen

Aus stellen und Mbar gebieten.

** Aus Oücrhcssen, 1. August. In Steinfurth wurde ein Kurgast aus Bad Nauheim festgenommen unter dem Verdacht, mittels Einsteigens einen Diebstahl in der Wohnung des Geflügelhändlers Reitz versucht zu haben. Der Mann stammt aus Leipzig.

8 Aus dem Kreise Wetzlar. Während die Vtehmärkle der beiden benachbarten Städte Gießen und Marburg im steten Zunehmen begriffen sind so macht sich bei den Märkten der Stadt Wetzer ein ganz auffälliger Rückgang bemerkbar. Am bedeutendsten innerhalb der letzten 10 Jahre war der M »rft im Monat März lö91, welcher einen Auf­trieb von 858 Stück Rinavieh zu verzeichnen hatte. Am niedrigsten bestellt war der April-Markt des Jahres 1900 mit nur 80 Stück. Auch bei den Sommermattten der letzten Jahre macht sich dieser schwache Auftrieb recht bemerkbar und läßt sich di.se Abnahme gar nicht gut erklären.

Fc Frankfurt a. M, 1. August. Aus Lebens­überdruß infolge langwieriger Krankheit erschoß sich der 67 Jahre alte ledige Plivatiec Wilhelm Geldmachec.

"Hanau. Der Landrath des hiesigen Kreises Bern­hard von Schenck ist zum Polizeipräsidenten von Wiesbaden ernannt worden. Herr von Schenck ist seit dem 15. Juli 1895 Landcat des hiesigen Kreises gewesen

" Die Strecke Wiesbaden-Nsedeclahnstein, die bisher zur Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M. gehörte, wird demnächst der Eisenbahndicektion Köln unterstellt.

Mainz, 1. August. Die hiesige Handelskammer warnt vor der Beschickung einer in Athenstattfindenden Internationalen Königlich Griechischen Ausstellung".

Bacharach a. RH., 1. August. Am 9. und 10. Sept, findet dahier die diesjährige Generalversammlung des deutschen Weinbauvereins dahier statt.

Von der Rhön, 1. August. Die nächstjährige Ge­neralversammlung des Rhünklubs findet voraussichtlich in Würzburg statt.

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Ansicht von Haiti.

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* Trauullgsgcbühren zur Conkursmasse angemclbct. Daß Trauungsgebühcen zur Conkursmasse angemeldet werden müssen, dürfte nicht oft Vorkommen. Bor einiger Zelt wurde in Al len stein (Ostpreußen) der Kunsthändler Willy H. mit dec Pflegetochter des Hoteliers F. in dec katholischen Kirche getraut. Die Gebühren blieb H. schuldig. Nach einigen Tagen wurde zugleich über das Vermögen des F. und des H. Conkurs eröffnet. Nun mußte Eczpriester Teschner bie Trau­ungsgebühcen mit 21 Mk. zuc Conkursmasse anmelden. Die Forderung wurde als bevorzugt unerkannt und zur Zahlung angewiesen.

* Für die Hinterbliebenen des auf derPrimus" Verunglückten sind in Hamburg und Altona bereits 95 238 Mk. 90 Pfg. gesammelt.

* Er wußte sich zu helfen. Arendsee (Rgsbz. Magdeburg), 30. Juli. Kurzen Pcozeß machte ein Gast­wirt in einem Dorfe bei Arendsee, um eine Anzahl Gäste, oie trotz seiner Aufforderung, das Lokal zu ver­lassen, gelegentlich einecITanzmusik noch über die Feier- abendstunde sitzen bleiben wollten, zu entfernen. Ec verließ die Gaststube, um nach kurzer Zeit mit einem Kasten zurückzukehren. Mit den Worten:Nu blivt so lange sitten, als Ji roiUV, schüttete er denLnhalt auf - den Tisch. Ein Summen erhob sich, ein, schleuniges Aufspringen der Gäste und das Verlassen des Lokals war eins. Im Zimmer trieb nämlich ein ganzer Schwarm Bienen sein Unwesen.

Eigenartiger Badegast. Am Dienstag vormittag spielte sich aus dem Ernst August-Platz in Hannover eine wunderbare Badeszene ab. Ecn angetrunkener Mann stand völlig bekleidet in dem mit Wasser angefüllten Bajsin des Springbrunnens vor dem Hotel Royal und ließ die herab­fallenden Wassermassen auf sein Haupt fallen. Von Zeit zu Zeit trank er aus einer Flasche Schnaps und sang, gegen das sich ansammelnde Publikum gewendet:So leben wir, usw" Schließlich stieg er aus dem Bassin heraus und wanderte fröhlich weiter.

* Ein Student als schwerer Einbrecher. Aus Leipzig kommt folgende Mtttellung:Am ^Sonntag gegen abenö überraschten mehrere Herren, die am Johannesp^atz wohnen, einen Menschen daber, wie er in em daselbst gelegenes Kolonialwarengeschäft einzudringen versuchte und auch schon ein Vorlegeschloß abgespcengt hatte Der Mensch flachrete

zwar zunächst, er wurde aber mit Hilfe mehrere Passanten emgeholt und der Polizei übergeben. Diese stellte in ihm den aus Hannover stammenden 28 Jahre alten Studenten, der nordischen Sprachen, Johann Philipp Wilhelm H., fest. Man wies ihm noch eine ganze Reihe Einbruch-dieb- stähle in hiesigen Wohnungen, Geschäftslokalen und Keller- abteilungen nach, bei denen dec Mensch Geld, Schmucksachen, Uhren, Waren und verschiedene Weine erlangt hatte. Zahl­reich-Nachschlüssel und Einbruchswerkzeuge, als Stemm- und Brecheisen sand man ebenfalls bei dem Festgenommenen vor. Bis jetzt sind dem Einbrecher bereit- 20 Diebstähle und Einbrüche nachgewiesen worden.

* Wie es ihm im Kriege ging. AuS London, 29. Juli, wird geschrieben: Dec glückliche Gewinner de- Königspreises bei dem Preisschießen in BiSley bringt zum ersten Male dasblaue Band" nach der Hauptstadt und dieser Umstand trägt nicht wenig dazu bei, Leutnant Johnson zum Helden des Tages zu machen, denn die gesamte Be­völkerung hat den Wettkampf mit dem größten Interesse von Anfang bis zu Ende verfolgt. Der Sieger hat eine mert- wüldige Geschichte hinter sich. Zu Beginn des Krieges hatte er sich, als das berühmte, im Felde allerdings nicht sehr erfolgreiche Regiment der LondonerCity Imperial BolunteerS" gegründet wurde, auch als Freiwilliger für diese Truppe ge­meldet, war aber zurückgewiesen worden, weil er angeblich nicht flott genug zu reiten vermochte. Das Urteil der Musterungsbeamten wurde von dem unternehmenden jungen Manne prompt des Unrechtes überführt, indem dieser auf eigene Faust nach Capstadt reiste und sich dort für daS Regiment derRough RiderS" anwerben ließ, in dem er längere Zeit mit Auszeichnung diente. Als Hauptmann Cholmondeley an dec Spitze derC. I. V." in Pretoria einrückte, war er nicht wenig erstaunt, dort feinen abge- wiesenen Untergebenen bereits vorzufinden. Leutnant Johnson ist aber nicht nur ein guter Schütze, sondern auch ein wahr­heitsliebender Mann und er bewies diese Eigenschaft auf daS Glänzendste, als Lord Roberts ihn bei der PrelSverteilung fragte, ob ihm seine Treffsicherheit im Kriege gut zu Statten gekommen sei. Anstatt die vom General ohne Zweifel er­mattete Antwort zu geben, erwiderte der Schütze:Ich habe überhaupt während der ganzen Gefechte keinen einzigen Buren zu Gesicht bekommen." Die Antwort verblüffte Lord Robert- nicht wenig.

Vom Schauplatz der 8L Delation ans Den Großen Antillen.

Der Hauptschauplatz der gegenwär­tigen revolutionären Unruhen auf Santo Domingo oder Haiti, der nächst Euba bedeutendsten Insel der Großen Antillen, ist die zweitgrößte Stadt und Hauptstadt des Norddepartements dec Negerr publik Haiti, welch letztere den westlichen, kleineren Teil der Insel umfaßt. Kap Haiti liegt an der Nordküste der Insel am Eingänge einer weiten, reich bewässerten und gut ausgebauten Ebene. Die Stadt besitzt einen der sichersten und be­quemsten Hafen des Landes. Ehemals war sie Hauptstadt der französischen Kolonie und enthielt viele schöne öffent­liche Gebäude, wurde aber 1795 nieder­gebrannt.Kaiser Christoph" baute den Ort wieder auf und machte ihn als Cap Henri zu seiner Hauptstadt.

Heute ist die Stadt der wich­tigste Handelsplatz der Insel und führt besonders Kaffee, Blauholz, Kakao und Häute aus. Handel und Schifffahrt sind hauptsächlich in den Händen deutscher (Hamburger) und nordamerikanischer Händler, doch hat der Verkehr in dem !ulcn der unsicheren polt« tischen Verhältnisse abgenommen. Die gegenwärtigen Unruhen bedrohen die ^tadt von neuem mit teilweiser Zer-

störung, fei es durch Bombardement von außen oder durch die Barbarei der far­bigen Bevölkerung.