Ärmliche? Vertündigungsblart des Kreises Marbmg.
Änzeigsr für (das früher kurheMchej Oberhessen
fit. 305
Tie „£>berbeiii|*e Zeltun ' ettoeint iecbemal »ödentli*. — $t)ugeptet9 monaflttä ohne Zustellung 8.50 Mk„ durch di« Veit 9.50 Mk. flut cM»f»B«nt>e Nummern infolg« Streits oder elementarer Ereianiüe fein Ermtz. — Verlag von Tr. t. ftteeietb. — Druck der Univ.«Buchdruckerei een Jod. Bu«. Korb, 21 23 — lZerujpreiher 55, Po!t>Leckto«t«: Nr. 5015 lat Stanffert c. Main.
Marbrrvg FreiiH, öen 30. DezmLtt 3ulmonl.
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Englische und amerikanische Kritik.
Sond - n, 29. Dez. Die SBcicmina Frankreichs IK Wallik-,ton, seine U-Boote zu beschränken, erregt hier grotzmi Ausleben. Tie Blätter heben tibereinstimmend den schlechten Eindruck hervor, den diese Haltung aus vte Vereinigten Staaten machen könne. »Dailh Gbrontcfe* schreibt in einem .Frankreich alS Friedensbrecher- überschriebenen Aussatz, der eigensüchtige Militarismus Frankreichs habe einen großen Teil der Hoffnungen der Welt auf Verminde- ntnt ver Ausgaben für die Rüstungen znr See und auf Beseltigung der Gefahren des Rüstungswetlbe- Werbs zun» Scheitern gebracht. . Frankreich fei in DeurbVlemdS Fusstapfen getreten. Diese Frage berühre die Wurzel des englisch-französtschen Zusammenwirkens. Großbritannien könne unmöglich weitere finanzielle Ovfer bringen, nm Frankreich auS seiner mißliche« Lage berouSzubelfen, wenn Frankreich daS fo erbalkene Geld zum Dau von Unterieebootcn gegen den Frieden der Welt verwende. Der französische Flottengrößenwahn stehe jedoch vorläufig nur auf dem Panier. Es seien liberale Kräfte in Frankreich vorhanden, die sich vielleicht Geltung verschaffen vürden geaenüber einer so katastrophalen Torheit. Mit einem friedlichen, nichtaggrcssiven Frankreich würde Großbritannien durch außerordentlich starke Bande verknüpft sein. Aber keine Ration, auch Franfteich nicht, könne die Zuneigung Englands besitzen, wenn sie fortsadre. gegen die Sicherheit Englands, gegen die Freiheit Europas und gegen den Frieden der Welt Komplotte zu schließen. Auch die „TimeS" bedauert den Beschluß Frankreichs. Er könne ei”* unglückliche Wirkung auf die amerikanische Oesfentftchkeit ausüben. Die Enttäuschung in den Vereinigten Staaten werd» groß fein «nd vielleicht xiuen unliebsamen Einfluß ans die Haltung b»5 amerikanischen Volkes gegenüber zahlreichen wichtigen Problemen haben. Der Schritt Frankreichs werde unvermeidlich die amerikanischen Svm- patüien für Frankreich schwächen. Die ..Westminster Gazette" fleht aus der Haltung Frankreichs ernste Folgen für Frankreich, England und die gesamte Welt entstehen. Präsident Harding werde diese Abweisung nicht hinnebmen und sich wegen einer europäischen Macht, die anderer Ansicht sei, nicht geschlagen erklären. Die Washingtoner Konferenz werde wenigstens zu einem Zusammenschluß der englisch sprechende« Völker führen. Frankreich könne sich nicht beklagen, wenn es setzt sowohl moralisch wie materiell isoliert werde.
Auch die Washingtoner Berichterstatter der englische» Blätter geben ihrem Bedauern über die Haltung Frankreichs Ausdruck. Der Korrespondent der .Times- schreibt, sicher habe Frankreich erkannt, daß die amerikanischen Sympathien für Frankreich eine Schwächung erfahren haben. Frankreich habe die Wahl zwischen einer Verminderung des amerikanischen Vertrauens und der Preisgabe einer Machtguelle, die es mit Erfolg bei der Regelung der englisch-französischen Differenzen, die sich nicht mehr lana« aüfschieben lasse». I« verwenden hoffe. Auch der Berichterstatter der.Moruiug Post- weist auf die Möglichkeit bin. daß Frankreich versuche, eine Nebereinsiimmung mit England über die gegenwärttg zwischen beiden Ländern sck-webenden Fragen herbeizuftibren und dabei die UnterseebootSirage alS Watte zu benutzen. Hardina «nd Hughes seien sehr darüber beunruhigt, daß Frankreich die Washingtoner Konferenz benutzen wolle, um europäische politische Fragen dabei als HandelS- oblekl zu benutzen. Der Washingtoner Berichterstatter des .Daily Telegraph- schreibt. Frankreich habe den Weg für die Lösung, die Amerika. England und Jovan brrboizufübren wünschten, versperrt. Zahlreiche Atnzeichetresvrächen dafür, daß starker Unwille in den Ver^ltttoteW'Mggl-m geoen Frankreich herrsche. Von offen Seiten erheben sich Vorwürfe gegen den srauzSsischen MiliiariSmus. Die Franzosen seien dagegen durch den Gang der Ereignisse sehr gereizt und sogar erbittert und erklärten, die' Amerikaner verständen die politische Lage in Paris nicht.
Erklärung BalsourS in Washington.
Baris, 29. Dez. Nach einer Havasnachc'cht aus Kgs-nigkon hat der Delegierte Frankreichs Sarraut dir offenbar endgültige Erklärung abgegeben, daß Frankreich feine geringere Tonnage als 330000 Tonnen für die Großkampischiffe und 99090 Tonnen Ki’ die Unterseeboote annehmen werde. S^a.ftsb>?retär Jy u 3 & c 3 dankte Frankreich» daß eS bezüglich der Großkampsschiffe Opfer auf sich genommen habe. Er sprach aber sein Bedauern auS, daß Frankreich ürine großen Opfer betreffend die U-Boote und die Hilssschiffe auf sich genommen habe. Balfo.tr ftirach sich in ähnlichem Sinne aus und wiederholt, daß nach Auffassung der britischen Delegierte!' die U-Boote nicht den praktischen Nutzen hätten, der ihnen von der französischen Delegation zngeschrieben werde. Die U-Boote hätten gegen die Großkampsschisse keine vssenfwe Bedeutung. Sie würden lediglich eine Gefahr für die Hondelsflotte sein. DaS von Frankreich ins STuge gefaßte Programm erscheine alS eine Be- drohungfürEngland. England würde infolgedessen eine Verteidigungsstreitmacht gegen die Flott von U-Booten bauen müsse», die in nächster Nähe seine? Gebiets errichtet lverden würde.
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W EMMW Wer -je MWn Merke.
Berlin, 29. Dez." Tie Zotschaflerksirferertz befaßte sich am 28. Dezember mit der Angelegenheit ter Deutschen Mrke. Die von ihr gtrroftene Ent-
Der wilöe EWchmkusW im Men.
$85 fflirWtsMr 1921.
Von Tr. Otto Hugo, Mitglied deS Reichstags u. deS NeichswirtschastsrateS
Seine Seleiliswi der Beraten.
Berlin, SO. Dez. Wt die Blätter mitteilen, haben gestern im Reichstzerkehrsministerium keinerlei Verhandlungen mit den ausständ'grn Eisenbahnern stattgefunden, da man dort nach wie vor auf dem Standpunkt steht, daß die Teilakiion der Eitnbcchner in Westdeutschland einen Tarifbruch bedeutet. Das Reichsverkchrsnrinislerium trtrb veriucken einen wenn auch beschränkten Pcrsone"verbhr mit den bestreikten Bezirken einzurichten. Zum Schutz der Bahnstrecke usw. wich ein ausgedehnter Schutzdienst eingerichtet werden.
Die Reichsgewerkschast deutscher Eitnbabnbeamter hat gestern in einer Vorstandssitzung beschlossen, eine' abwartende Haltung einzunehmen «nd die letzten Ent- schlösse wenigstens solange zu rückzn stellen, bis eine anc-estredt Beständig!!ng zwischen dem Deutschen Beamtenbund, ter höchsten Vertretung der Beamtenschaft, und bem Reichsfinanzw.inistenum posttive Er. aebnisse gebracht hat. Die Gewerkschaft hat drei Vorstandsmitglieder nach den Bezirken fföln, C'b-rstld und -Essen beordert, um dort genaue Informationen ein« zuziehen, und um auch rote das „Berk. Tagebl." mit« teilt, dahin zu wirken, daß sich die Beamtenschaft aus keinen Fcckl an dem Ausstand beteiligt. — Nach ein’: weit'ven Meldung deS „B. T." baten die Eiseubabn« beamten in dem Bezirk Elberfeld der Aufforderung deS Eis-nbahnprZsiden'en, zusammen mit den arbe'tV willigen Arbeitern Notstands arbeiten zu verrichten, nicht Folg e geleistet. - - - ——--_
Wättermeldungen auS Dresden zufolge haben die Dresdner Eisenbahnwerkstättenarbe-ter in einer Versammlung zunächst den Ausstand abaelehnt. nachdem sich auch die Gewerkschaftsführer gegen den Streik ausgesprochen hatten.
Berlin, 29. De». Der Berliner Hanptvorstaud deS Deutschen Eisenbahnerrerbandes nahm dem „Vvr- roart«" zufolge heute zu der ablehnenden Haltung deS Neichskabinetts in der Frage der Eiseubahnerforde- rungen Stellung und beschloß nochmals an die 8lr- g ernnz h rantnt'B en, um au' be u W g von Verhon' - lungen eine Verständigung herbeizuführen. Tie Gewerkschaft deutscher Ei enbohnkeamten und Anwärt-r veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt: „Tie Bewegung im Westen ist alS eine wilde Bewegung anzusehen. Die Zenliallei'ung der Gewerkschaft lehnt ihre Teilnahme «b. Die Gewerkschaft befindet sich mit dem ReichSver? hrsmin.ifterium im S'ad'nim von Verhandlungen mit dem Z el eine vernünf ige Dr 8t cf "en- e nteiluna für die Arbeiter mit rückwirkender Kraft und Gleichstellung mit den in der Pr'vatindustrie g zahlten Löhnen zu scbaff-n. ■ Erft wenn das Erg b t:5 der Verhandlungen votzl egß kann von der Geuerfches 8 t tung ein endgültiger Beschluß gefaßt werden, ob weiiere Schritte zu «greifen sind. Während den noch im
I——S-.MM—ü.
Gange befindlichen Verhandlungen Sireikektionen einzuleiten, wird als nngewerksch aftlich zurückgewiesen." Auch der Allgemeine Eisentehnerverba-'b wies seine llnteibezirke an, lediglich den Weisungen bet Berliner Zentrale zu folgen und keinesfalls sich örtlichen Aktionen anzuschliehen.
Berlin, 29. Dez. Im Bezirk Elberfeld wird in Hagen und auf dem Bahnhof Vorhalle g'streikt. An verschiedenen Stellen wurde der Betrieb durch die AuSständ’gen behindert, lieber die Verwendung der Schutzpolizei liegen bisher keine Nachrichten vor. Die Beamten beledigen sich an dem Ausstand nicht.
Düsseldorf, 29. Dez. Zum EisenbahnerauS- stand melden die „Düsseldorfer Nacht." aus Elberfeld, daß infolge Zugvethindetung durch AuSpändige in Barmen Rsttershausen gestern der gesamte Z g t kehr stillgelegt werden mußte. In den Nachmittagsstunden erfuhr die Lage eine Verschärfung. Der Reiseverkehr zwischen Elbeiseld und Düsseldorf war gegen Abend vollständig unterbunden. Auch auf der Strecke Elberfeld -Hagen stockt der Verkehr. Viele Rriseude waren zu unfreiwilligem Aufenthalt in den Wz'pperstäbtcn gezwungen. Auch im Versand und der Anfuhr »en Gütern machte sich der stockende Verkehr empfindlich bemerkbar. Die Interalliierte Kommission ersuchte die Ansstandsl-itung, ihre Transporte restlos u«S- zufühten, was ihr zugestanden wurde.
Elberfeld, 29. Dez. Die ausständigen Esten- bahner gaben nacht» die Parole aus, den Ausstand mit aller Scharfe durchzuführen. Nut Ttansvorie ter Inttrailfietten Kommission sollen befördert h.trben.
Köln, 29. Tez. Der Deutsche Eiseubahnerverbaod bat den Ausstand für Köln-Ost auf heute Nachmittag 2 Nhr und für Köln-Bezirk ans heute Abend 10 Nhc anSgctufen. Die Arbeiter in Köln-Ost sind daraufhin heute Nachmittag 2 Uhr in den Ausstand getreten. Es ist bisher gelungen, den Personenverkehr im all- gemeinen glatt abznwickeln, jedoch sind im Gütet- Krk.'hr bereits erheblich« Behinderungen eiryefteten.
AuSstandsvcrbot in dem neubesetzten Gebiet.
Düsseldorf, 29. Dez. Der hiesige Deutsche Eisenbahnerverband teilt mit: Die Verhandlungen mit ter Interalliierten Lomrnissi»» gelangten heute zum Abschluß. Das Endergebnis war, daß die Delegierten des Deutschen EisenbahnerverbandeS die Erklärung «bgaben, daß sie sich unter Protest der Gewalt der Be fatznngsbebörbe fügen würden. Die Vesatzu-gbebörde verlangt in den neubesetzten rheinisch-n Gebi.len die Beacvtung der Bestimmungen deS Belagermigszu- standes. Die altbesetzten rheinischen Gebiete werden von der Anordnung der Besatzungsbehörde nicht betroffen. Dort können somit die Eisenbahner unte- bindert streiken. Die sämtlichen Knotenpunkte dcS Eisenbahndirekiionstezirks Elberfeld sind völlig still« gelegt, sodaß jeder Verkehr unmöglich ist.
Reibung wird brr deutschen Regierung durch bk interalliiert« Milkt3rko»tr»!lkommis'ion mi ze erlt arr- drn. lieber ben Inhalt der Entscheidung ist an zuständiger Steile bisher nichts bekannt.
Dir Note, die sehr umfangreich ist und die technisch« und sonstge kinzelfragen erschöpfend behandelt, wich zurzeit noch »on einem Ausschuß der Botschaster- konferenz parographiert nnd ergänzt- Im übrigen kommt daS Schriftstück zu dem Schluß, daß die Verbündeten nicht auf der Zerstörung, sondern auf einen Umbau der Deutschen Werke bestehen, der die Sicherheit und Garantie dafür bietet, daß die Deutschen Werke in Zukunft keinerlei Kriegsmaterial mehr her- stilln, können Man glaubb daß die Note übermorgen in Berlin eintreffen wirb.
Jlt SnhmdlAM mit hem SnHWoiiMS- AMstz.
Keine Prüfung der «tt'.ndungsfarvrruns vor Beantwortung der gestellt«« Fragen.
Paris, 29. Dez. Ter Entschädig»ngsauSscküiß hat heut« den Vertretern ter deutschen Regierung erklärt, daß die benische Regierung allein über die Zweckmäßigkeit ;n entscheiden hätte, die eS für sie haben könne, aus den Brief tet EntschLdigungsauSschusses vom IG. Dezember sofort »der später zu antworten, jedoch könne die Fordern»g auf ZahlungSmiffchub. die t-cn der deutsche:: Regierung in ihrem Briefe vom 14. Dezember »estellt worben sei, von dem En^'chädi- giingsatisichuß nicht geprüft werten, bevor dieser nicht die in bem Briefe von» IG. Dezeucker angegebenen nähiren AuZkünsce erhalten habe. Die deutschen Tele- gicrten baten bann, die Weiteren Verhandlungen bis «r.orgcq «der ijetefot-je« «szuschietzeu.
Seine Amine MM des MnnsÄMr in Sennes.
London, 29. Dez. Wie „Tcn'lh Erpreß" f'frribt, steht eine allgemeine Revision deS Londoner ZMung--- vlau.es augenblicklich nicht a»f dem Progrrmit der Kouierenz von EanncS. Dem Werd: sich im gegen- wärtigen Stadium Frankreich bis zum äußersten widerfetzen, möglicherweise auch Belgien Dee Oberste Rat werde jedoch in Cannes zu entscheiden haben, maS Tcutschland in bat oder ’n naturu lrähcenü deS Jahre» 1922 zu zahlen haben Wirb.
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Die geplante Wirtschaftökonferenz.
London, 29. Dez. Die Blätter melden, was den Vorschlag betreffe, eine WirtfchaftSkonferenz auf die Eutschädigungskonferenz folgen zu lasten und Deutschland sowie Rutzland znr Teilnahme etnzuladen, so sei eS sicher der Wnnsch und die Absicht Englands, eine allgemeine Konserenz über Wirtschastsfragen abzuhal- ten. Der Erfolg dieses Planes werde jedoch von den Beschlsisten des Obersten Rate» abhängen, und eS werde kein Versuch unternommen Werben, Deutschland und Rutzland etnzubezieben. wenn nicht der Oberste Rat alS Ganzes diesen Wunsch bestüttge.
Der Reirhs!unzler nnö die SteuerMlnW.
Berlin, 30. Dez. Der „Lokal-Ant Zerfährt aus parlamentarischen Kreisen, Reichskanzler Tr. Wirth werbe einige Tag« vor dem Wiederzusammentritt be? Reichstags die Führer ter Sozialdemokraten, des Zentrums, der Demokraten und der Deutschen Volks- Partei zu einer Besprechung riukaden, um ihnen nah»- zulcgcu, sich über ein Kompromiß über dir Stmer- vorlagen zu einigest. .. ..
DaS Wirtschafissahr 1921 ist zur Neige gegangen, und eS drängt sich von selbst die Frage aus: Was hat es dem deutschen Volke gebracht? Im Fluh der Revolution, in der sich die Welt befindet, war auch dieses Jahr wieder ein Stück sortschrettender Entwicklung. Aus der inneren Unruhe ist Deutschland mehr und mehr zu geordneteren, ungefährdeteren Zustände« gelangt. Ein großer Teil jener gewaltigen Hoisnum gen, die die Revolution ausgew»rsen hat und die Köpfe der Slrbeitermossen verwirrt hatten, ist zu kam« mengebrochen. Der Sozialismus hat als schöpferische Kraft versagt, und der Glaube an ihn ist stark erschüttert. Sozialisterungserperimente werden kaum noch von Sozialisten befürwortet. Praktisch ist sich jeder darüber klar, datz mit der Weiteren Vermehrung der Masten, die von der Allgemeinheit genährt werden, Schluft gemacht weredn mutz. Der Streit geht nicht darum, ob neue Betriebe sozialisiert werden sollen, sondern ob die soziattsierten Betriebe des Reiches nnd der Gemeinden nicht doch bester in privat» wirtschaftliche Letriebsform iiberfütirt werden sollen Der Staat ist zu arm, um unrentable Betriebe unterhalten zu können und zu unfähig, um sie in rentable Betriebe, in wirklich produktive Unternehmungen zu verwandeln. So klingt das Jahr 1921 ans mit der Naren Erkenntnis, datz die Steigerung bet Leistung da? höchste Gebot ist, und dah diese Steigerung der Leistung nicht durch Gemcinmirt'chast, sondern durch Persönlichkeitswirtschaft allein in ausreichendem Matze herbeigeführt werden kann. In den Hintergrund gerückt sind die sozialistischen Führer mit ihren Lehren von der Sozialisierung. Im Vordergrund stehen Männer wie StinneS mit dem schöpferischen Erfolg ihrer Persönlichkeit. Sie zeigen dem wirtschaftlichen Ausbau und Ausstieg an, sie prägen der Zeit ihren Stempel auf. Wenige Jahre nach der Revoluilon haben genügt, um den Glauben an den wirtschaftlichen Sozialismus restlos zu erschüttern und ihn.unwirksam zu machen.
Auf der anderen Sette wird da? Jahr 192t beherrscht von jenen Gewalten, die von außen auf Deutschland wirken. Das Ultimatum von London sollte ein Sttick des Versailler Vertrages verwirklichen, der Raub von Oberschlesien das Werk der wirtschaftlichen Ausbeutung weiter verliefen. Im Zeichen der Unvernunft dieser Politik hat daS Deutschland des JahreS 1921 Unsagbares leiden müssen. Der Wert der Paptermark sank von 9 auf 1% Goldpfennig. xMeie haben zwar in der Entwickelung, dir die Wirtschaft durch die Entwertung der Mark hinsichtlich ihrer Ron* ftirr-nzsähigkeit im Auslande erfuhr, einen Vorteil er- blicken wollen. Bei dem niedrigen Goldwett der Löhne, für die man in Deutschland leben konnie. waren soviel Aufträge zu beschaffen, datz kein Arm 9«er» tag zu halten brauchte. Aber gerade die zweite Halste des Jahres 1921, die mit gewaltig niedergehender Mark arbci'eit musste, hat unS gezeigt, datz ein valuta- schwaches Land sich selbst wirtschaftlich bis zur Ver- armung aufzehrt und datz eS aus die Dauer tu einen hoffnungslosen Zustand der Konkurrenz» uuterlegenhelt gegenüber den hochvalutarischen Ländern versintt. In der Tat sind die Vorräte, die an Rohstoffen tn Deutfchlcmd aufgespeichert waren, aufgezehrt und verschlissen worden zu Preisen, za denen bei dem Stand der Mark 'ei" Ersatz be- schasst werden konnte. Der Golderttag der Wirtschaft sank mit der Entwertung der Markvosttta von Tag zu Taa. und auch die Anlagen der Wirtschaft verloren in Gold gerechnet mehr und mehr ihren alten Wert, -.as sind Ergcbnisie. deren Erkenntnis uns ir> her in dem Matze nicht aufgestiegen ist, alS es in der zweiten Hälfte deS JatzreS 1921 der Fall war. Zu dieser Erkenntnis tritt die Sorge, was werden mag. wenn unter der Wirkung der Markverbesternng die deutsche WM- schaft in einer, schweren Konknrrenzkamvf mit den hochvalutarischen, technisch und ökonomisch hervorragend auSgestatteten Industrieländern eintreten mutz.
«u dwser Sorge liegt alle Berechtimtng vor. Am Schlutz des Jahres sind Brland und George zusammengetreten, um über das deutsche. W’ttsrhcins- schickfal zu beraten. Ein batbeS Jahr des Tle>stan^ der deutschen Marklväh'ung hat ausgereicht, um der Welt zum Demutztsein »n bri^e”, b’ie sehr aus die -rauer die gesamte Weltwirtschaft leiden mutz, wenn so wichtige Abnehmer fehlen wie es die deutfche Volkswirtschaft nicht nur als Eigenveib^au- cber sondern auch als Verarbeiter ist. All uie Roh- stosse liefernden Länder der Welt werden in siatwem Matze tn Mitleidenschaft gezogen, wenn es nicht ge- lingt. wiederum Deutschland fo kaufkräftig zu "'--chen, baß Ihre Waren einen ausreichenden Absatz finden. Im letzten halben Jabr bat Dentschland icine ^vort- tällgkeit ganz erheblich einfchränken müstcn. So sind die Gründe der Erkenntnis reiflich vorhanden, daß eS auf die bisherige Welse nicht fortgebt, und datz man bem geschundenen und geschlagenen Deutsch.and L<> beusmSallchkelten borbleten mutz. Es macht sicv m auch die Welt garn'cht klar. waS alles aus Teuttw- land beransgevretzt ist. Allein die liguibierten Wette an beutsche» «uslanbrunternehrnungen nmsasieu be« Bettag^on 20 Milliarben Golbmark. eine Entschäbi- gmz^on einer Höbe, wie bk Wtttgeschichle sie noch »jjt gekannt hat. wozu noch ber Raub der deutsche« Handelsftotte, der Kolonien usiv. binzukommt.
Welcher Art die Verstänbiguna sein wirb, die man suchen unb finben wirb, kann zur Jahreswende noq niemand sagen. Tie Mitwittung beS Herrn e-n Ratbenau bei ber Gestaltung ber kommenden Ver. hältnlste flößt uns alles weniger als Vertrauen eins denn Rntdenau gehört nach seiner geistigen Einstellung zn ben Männern, bie vor lauter Entgegenkommen ge, genüber ben Vertragsgegnem jedes Augenmaß st« unsere Leistungsfähigkeit und Lebensnoiwendigleste» verlieren. Auch fall niemand glauben, daß bt| Erleichterungen, die uns gefchassen werben könmerz hUlts erkauft werde». DaS »atz <m Last, das uns „