Amtliches VerWndigungsblatt des Kreises Marburg.
ÄnZeigee jur (das früher kurhessische) Oherhessen
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Donnerstag, heu 29. Sejemhet
Iulmond.
55.3M
1921
Der Anzeigenpreis beträgt für die 9 gesp. Zeile ober deren Raum 60 Pfg. für den Millimeter, amtliche und auswärtige 80 Pfg. Andere Spaltenbreiten nach entsprechender Berechnung. Spät einlaufende oder den Raum über */, Seite einnehmende An- ^igen lind wir berechtigt, nach der Tertipalteubreite zu setzen und zu berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir die Lol.-Zeile mit 6.00 Mk. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Sei Auskunft durch die Hejchäii-äelte und Vermittlung der Angebote 1 Mk. Scnbergebübr.
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ruht auf freier Erfindung. Von neuen EntlalkungS- Forderungen des Generals Rollet ist im Reichswehr- Ministerium nichts bekannt. Es ist deshalb auch nicht gut möglich, daß die erwähnten Verabschiedungeil auf seinen Befehl zurückzuführen seien.
Die Mm les Msien M«.
Die Frage einer internationalen Konferenz.
Paris, 28. Dez. Briand richteie an die Negierungen von Großbritannien, Italien, Amerika, Japan und Belgien eine Einladung, sich auf der rächst»« Sitzung des Obersten Rates, die am 6. Januar in Cannes stattfinden wird, vertreten zu lassen. Auf dem Programm stehen zwei Punkte: L die Entschädigung, 2. die Einberufung einer internationalen Konferenz.
Nach dem Pariser Berichterstatter der „Mor- ning Post" in Paris gewinnt die Ansicht Boden, daß aller Wahrscheinlichkeit nach die während der letzten Londoner Beratungen gefaßten grundsätzlichen Beschlüsie vom Obersten Rat in Cannes praktisch abgeändert werden. Es sei mehr als möglich, daß sich Deutschland in Cannes von neuem Gläubigern gegcgenübcrgestellt sehen werde, die darauf bestehen werden, daß Deutschland zahlen könne und müsse,
Paris, 28. Dez. Rach einer Meldung der Havasagentur finden die Stznugen des Obersten Rates in dem Saale einer Rudergefellschaft in Cannes statt. Die erste Sitzung ist auf den 6. Januar anb räumt. Für dir Verhandlungen sind etwa acht Tage vorgesehen. Im Ganzen werden für die Verhandlungen fetwa 200 Personen erwartet.
London, 28. Dez. Dern ParlamentZbericht- erstatter des „Daily Telegraph" zufolge rechnet man in Regierungskreisen mit der sicheren Walmchsinlich- teit, das; die verbündeten Staatsmänner in Tannes die Einberufung einer europäischen Wirtschafiskonferenz beschließen werden.
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Angebliche ungenügende Kolslieferung.
Berlin, 28. Dez. Französische Blätter teilen mit, daß der Entschädigungsausschuß sich heute mit einem -angeblichen Verzug Deutschlands in der Lieferung von Koks zu beschäftigen habe. Die regelmäßige SieL’mng von 15 000 Tonnen täglich sei seit dem 15. Dezember auf 9000 bis 10000 Tonnen zuruckgegangen. Die Mitteilung spricht von einer dritten Verfehlung Deutschlands, die, hierdurch festgestellt werde. Die erste Verfehlung datiere vom Juni 1920 vor der Konferenz von Stea, die zweite gehe auf den Monat März 1921 zurück, als die deutsche Regierang die erste Milliarde Goldmark, die aus Grund des Versailler Vertrages als Abschlagszahlung der Summe von 12 Milliarden verlangt wurde, nicht bezahlt habe. Das „Echo de Paris" fügt der Nachricht hinzu, cs erscheine ihm angebracht, am Bombend der Konferenz von Cannes den schlechten Willen Deutschlands noch einmal feierlich festzustellen.
l Von unterrichteter Seite wird hierzu folgendes bemerkt: Im Verfolg des Ende November einsetzenden starken Frostes sind befinmtlich erhebliche Störungen in der Wagengestellung im Ruhrrevier eingetreten, ine zu einem ungewöhnlichen Anwachsen der Halden- bestände und zu außerordentlichen Erschwerungen der lausenden Kohlenversorgung auch des Inlandes geführt haben. Hiermit hängen auch die trotz des WeihnachtS- Verkebrs in einigen Bezirken getroffenen Einschränkungen int Personenverkehr zusammen. Die Rückwirkung dieser lediglich durch höhere Gewalt herbeigesührten Verhältnisse auf die Pflichtkvhlenlicferungcn an die Verbündeten konnte nicht ausbleiben. Es mußten davon auch die auf Wunsch der französischen Industrie seit dem \ Herbst in verstärktem Maße angeforderten Koksliefe- ; ntngen betroffen werden. Tie tatsächlichen Koksliefe- : rangen seit dem 15. Dezember erreichen jedoch fast 12 000 f Tonnen neben rund 30 000 Tonnen Kohlen täglich. !Die zuständigen Reichsministerien haben, sofort einge- j griffen. Die getroffenen Maßnahmen, namentlich die ^Zurückstellung anderer Lieferungen auf die Griabr von i Arbeitseinstellungen in der heimischen Industrie, Gestellung von Transportmitteln, Feiertagsarbeiten usw.
: haben wach den heute vorliegenden Meldungen den ! Erfolg gehabt, daß das Liefersoll an Koks im Durch- ! schnitt des 25., 26. und 27. -Dezember voll erreicht ist. . Am 27. Dezember sind nicht weniger als 43 298 Tonnen Koks verladen worden. Der Entschädigungsausschuß ist durch die deutsche Kriegslastenkommission über die Bemühungen der deutschen Regierung, die vorliegenden Schwierigkeiten zu überwinden, fortlaufend unterrichtet ■toerben. Es wird überdies Gelegenheit fein, auf den ifür bett 3. Januar in Aussicht genommenen Verhandlungen über die weiteren Lieserprogramme und über die Ausfnhrfrage noch etwa gewünschte Ansllärung zu gebe». ,®te Versuche, eine vernünftige Lösung der Entschädigungs- ifragen, um die sich gegenwärtig alle beteiligten Mächte (bemühen, nach dem Vorbilde von Svaa durch Sckaff- ;Mng von Schwierigkeiten in der Kohlenfrage zu stören, (dürste daher ohne Erfolg bleiben. Von Deutschland sind Much die beiden ersten angeblichen Verfehlungen n i e - Mals ane rkannt worden. Von einer dritten fehlnug kann somit weder fachlich noch formell d? Stet- Irin.
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Rattzenau in Paris.
Berlin, 29. Dez. Wie die Blatter e:fahren, ist Dr. Rath en au gestern von Berlin nach
Ätanti 6« MMim FsldmüM.
Elberfeld, 28. Dez. Seit heute Mittag ruht der gesamte Personen- und Güterverkehr. Tie Züge werden in den Vorortbahnhöfen von den Ausständigen abgefangen und nicht weiter gelassen. Auch heute Abend war der Verkehr noch nicht wieder hergestcllt, und es ist nicht vorauszusehen, wann der Betrieb wieder durchgeführt werden kann. Schupo ist ausgeboten worden, um die Ordnung wieder herzustellen. Der Eisenbahndirektionspräsident erließ einen Aufruf, in dem er erklärt, die Arbeitseinstellungen, die sogar zu gewalttätigen Eingriffen in den Betrieb geführt hätten, seien wilde Ausstände, die mit allen Mitteln zu bekämpfen seien. Er erwarte, daß die Beamten in Gemeinschaft mit den arbeitswilligen Arbeitern alles aufbieten werden, um die ein- getretenen Störungen zu beseitigen.
Berlin, 29. Dez. Das Reichskabinett hat sich gestern mit der Arbeitsniederlegung der Eisenbahn- it Leiter in einzelnen Be irken des rheinisch-westfälischen Industriegebiets beschäftigt. Der RcichsverkebrS- Minister berichtete über die durch das Ultimatum d-r Funftionäre des Deutschen Cisrnbohnrrverbanbei? der Direkiionsbezi.ke Elberfeld, Köln und Essen geschaffene Loge. Das Kabinett hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß die ultimativ gestellten Forderungen nicht zu bttvilligen feien, und daß die Regelung der Be- soldung der Eisenbahnarbeiter, die vor Weihnachten getroffen worden M mit Rücksicht auf die gesamte Lage des Reiches weiter aufrocht erhalten bleiben müsse.
Paris abgereist. Der „Deutschen Allg. Ztg." zufolge ist die Reise aus eine Aufforderung von autoritativer Seite der Verbündeten erfolgt. Laut „Voss. Ztg." wird Rathenau in Paris nicht in offizieller amtlicher Eigenschaft und nicht im Auftrag der deutschen Regierung tätig sein.
Die WMmtm? Snlmei.
Frankreich und bin U-Bootsfrage.
Washington, 28. Dez. Nach einer Havas- mcldnng tjat die franzöfsche töbordnung die Antwort der Regierung betreffs die U-Boote erhalten. In unterrichteten Kreisen wird geäußert, Frankreich werde den amerikanischen Vertrag, der die Beibehaltung des' stattis quo in Bezug auf die Unterseeboote anregt, zurückweisen. Die Franzosen belrachten die U-Boote als Verte'd gungswaffe. Die' fran ösischen Sachverständigen erklären, daß sie auf ihrer Stellung beharren. Sie sind der Ansicht, daß jedes Land das Recht habe, die Stärke der nötigen Streitkräfte unter Berücksichtigung der Länge seiner Küsten selbst fistzulegen.
Die Assoeiatck Preß meldet dagegen aus Washington: Nichtamtlich wird angedeutet, daß Frankreich möglicherweise dem stätus quo in der Begrenzung der Untersee-Streitkräfte z u st i m m e n würde, wenn die anderen Mächte sich einem Vertrage anschwss.'n, der es fick zur Aufgabe macht, den Frieden in den europäischen öiewässern zu erhalten. Die Signatarmächte für einen solchen Vertrag wären Frankreich, England, Italien und Deurschland.
London, 28. Dez. Wie „Daily Chwniele" berichtet, ruht augenblicklich die ganze Arbeit der Konserenz in Erwartung der Antworten von Daris und Tokio über die U-Boots- bezw. die Shantu-ig- Frage. Diese beiden Hauptstädte hätten es in ihrer Macht, den großen Hardingschen Plan der Rüstung? einschränkung -um Scheitern zu bringen. Wenn aber Frankreich oder Japan es tatsächlich ans die Spitze treiben sollten, so würden d'efe Lä der internationale Folgen zu gewärtigen hoben.
„Dailv Mail" meldet aus London, Präsident H a r» ding habe mitgeiriit, Wvß die Verhandlungen über eine neue umfassende Konferenz For schritte mache ttnb daß die diesbezüglichen Abmachungen beendet sein werden, bevor sich die augenblickliche Konferenz vertage. Der Zeitpunkt unb Ort für b e Konferenz werde in einer Note an die in Washing.on vertretenen Mächte behandelt. Harding sei für Abhaltung der neuen Konferenz in den Vereinigten Staaten.
Die Rnruhen in Aegypten.
VerSan:>.nnz Zsglnl Paschas nach Ceylon.
London, 23. Dez. In verschiedenen Orten klnlrr-Aegyptens wurde die Eisenbahn von Nationalisten abgesihnitk-n. In Kairo wurde die Stra-
Die Bewilligung der Forderungen würde für das Reich eine Mehraufwendung von mehreren Milliarden be» oralen. Die Blätter betonen, daß die Reichsrogi-rung nicht zuletzt aus Erwägungen außenpolitischer Natur um jeben Preis durch Tariferhöhungen die Staatsbetriebe rentabel zu machen bestrebt ist. Die ganze Anstrengung aber würde vergeblich fein, wenn eine neue Belastung des Eisenbahnhaushalts von mehreren Milliarden erfolgen würde.
Die für gestern angesetztcn Besprechungen der Eisenbahnorganisationen mit dem Reichsverkehrsminister sind infolge des Druckes, den die Eisenbahner in Westdeutschland durch das Ultimatum und die Teilausstände auSüben, vom Neichsverkehrsminister abgesagt worden. Um die Weitersührung der Verhandlungen zu ermöglichen, haben — anscheinend auf Anregung des Berliner Hauptvorstandes des Eisenbahner- Verbandes — die Wcrkstättenfunktionäre des rh ini'ch- westsälischen Industriegebietes ihre ursprünglich bis gestern befristeten Forderungen bis Freitag verlängert. Es sollen heute die Verhandlungen im Reichsverkehrs- ininisterium fottg.fühtt werden.
Berlin, 28. Dez. Dem „Achtuhr Abendblatt" zufolge hat im Verlaufe der Besprechung Zwischen den Cisenbahnervertretern und dem Neichsverkehrsminister dieser es abgelehnt, das Ultimamm der Bezirksorganisationen von Elberfeld, Köln und Essen anzunehmen, da er nicht in der Lage sei, ohne das Ein- Verständnis mit dem Reichsfinanzminister derartige Forderungen zu bewilligen. An der Aküon beteiligen sich die Mitglieder der Gewerkschaften deutscher Eisenbahnbeamter und -Anwärter nicht.
ßenbahn zerstört. Zaglul Pascha soll auf Ceylon interniert werden.
Eingreifen von Bombenflugzeugen angekündigt.
London, 28. Dez. Reuter meldet über die Lage in Aegypten: In Suez ist bekanntgegeben worden, daß Flugzeuge auf Menschensammlungen Rauchbomben abwerfen werden. Wenn die Leute sich dann nicht zerstreuten, würden die Flugzeuge Granaten abwerfen und mit Maschinengewehren feuern. Der Postdienst ist wegen der gegenwärtigen Lage auf Kairo beschränkt worden. Die „Egyptian Gazette" und das Blatt „Zstakel"' sind verboten worden. Der Unterrichtsministep hat alle Regieruugsschulen geschloffen.
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SKWeßes.
Ka11owitz, 29. Dez. Die Eisenbahndircktion macht bekannt: Die für morgen von bei Eisenbahn- direktion Kattowitz angekündigten Einschränkungen des Personenverkehrs sind von der interalliierten Kommiffion nicht genehmigt worden. Sie gestattete nur den Ausfall von 4 Zugpaaren.
Ratibor, 28. Dez. Für heute war das Eintreffen der Erenzkommifsion in Hohenbirken angekündigt. Etwa 700 Einwohner hatten sich einge- fnnden, um der Grenzkommission die Wünsche des Ortes vorzutragen. Die Einwohner wollen unter keinen Umständen an Polen zngeteilt werden, weil Hohenbirken mit Ratibor unzertrennlich verknüpft sei.
Zur Erhaltung des Deutschtums in Polnisch- Oberschlesien.
Breslau, 28. Dez. Wie jetzt bekannt wird, bat sich im volniscb werdenden Teil Oberschkesiens bereits eine größere Anzahl von Bürgermeistern und leitenden Gemeindebeamten bereit erklärt, ihre Posten auch nach der Uebergabe des Landes an Polen beizubehalten. Anch eine Anzahl von deutschgcsinnten Lehrern, meist Tratsche, die der deutschen und polnischen Sprache mächtig sind, bat sich bereit erklärt, unter polnischer Herrschaft auszuharren. Dagegen ist kein einziger denttchcr Richter bisher zum Bleiben zu bewegen gewesen.
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M VttWMgMWW in dttRMM.
Berlin 28. Der. Zn der Meldung über Personal- Veränderungen teilt das ReichswehraAnisterium mit: Tic Veränderungen betreffen zunächst einen im dienstlichen Interesse liegenden, nach und nach beabsichtigten Austausch von Hauptleuten unb Stabsoffizieren, um die alten Verhältnisse wieder herzustellen, daß im allgemeinen Hauptleute die Kompagnien usw., Stabsoffiziere die Bataillone usw. führen. Die im Frühjahr 1922 zu. er» wartenden Verabschiedungen haben mit diesem Aus- iansch nichts zu tun. Sie beruhen lediglich auf dienst» lechen Erwägungen und halten sich in engen Grenzen. Tie davon betroffenen Offiziere sind bereits sämtlich benachrichtigt. Die erwähnte wcchrscheinliche Verabschiedung der Generäle v. Hammerstein unb Müller
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Das Elend der Wolgadeutschen.
Bon dem Hungerolend in Rußland sind auch die Deutschen an der Wolga in schrecklichster Weise ergriffen. Kostbares deutsches Blut geht in Massen zu Grunde, und die Regierung der deutschen Republik muß es sich zum Vorwurf machen lasten, nichts oder ko gut wie Nichts zur Rettung dieser deutschen Stammesbrüder zu tun. Jetzt erhebt der Reichstags» abgeordnele Wulle in seinem „Tratschen Tag blatt" öffentliche Anklage gegen die Reai-rang, namentlich das Reichsministerium des Acußcra, zu der eine amtliche Auslassung nicht wird ausbleiben können. Er schreibt u. a.:
„Deutschland ist das Dorado der Schieber acwarden. Infolgedessen hat es auch keinen Platz für deutsche Volksgenossen, die mit dem Sune er tobe ringen. An der polnisch-russischen Grenze stehen Tausende deutscher Wolga- kolonisten und bitten um Einlaß ins deutsche Vaterland. 15 0 000 Deutsche sind im letzten Jahr 'an der Wolga verhungert. Wer noch Pferde batte, floh, und Reste dieser Flüchtlinge wollen meist den Weg nach Amerika nehmen und zu diesem Zweck nach deutschen Häfen ziehen. Im Avril 1921 wurde in Berlin das „Hilfswerk der Wolgadeutschen" gegründet, zu dem Zweck, diese Volksgenossen vom Hungertode zu retten. Ilm dem notleidenden Deutschen Reiche'nicht ans der Tasche zu liegen, wandte sich das Hilfswerk an die in Süd- unb Nordamerika anfälligen Wolgadeutschen, ent» sandte Vertreter dorthin, unb btefe Hilferufe hatten vollen Erfolg. Am 16. Oktober ging bereits der erste Lebrasmitteltransport für bie Wolaakolonisten ab, unb am 30. Dezember kann ein zweiter Transpott abgelicn. Etwa 30 Prozent der geflüchteten Kolonisten find zu- nntnbe gegangen. Rund 4000 Personen stehen nun an der russisch-polnischen Grenze. Sie können riecht nach Deutschland, weil das Auswärtige Amt die Einreise verhindert."
Anfang Augnst war eine Eingabe an das Reichs» Ministerium des Aenßern gerichtet worden mit der Bitte, 10000 Kinder der Wolgadeutschen nach Den.t''ch- land bringen zu dürfen. Am 12. August wurde >ie Eingabe dänin ergänzt, daß 15000 deutsche Kinder in russischen Dörfern untergcbracht werden feilten, also Gefahr bestände, daß diese dem Deutschtum verloren gingen. Bereits am 19. S'ptember genehmigte der Bevollmächtigte des Zentralkomitees des russischen Roten Kreuzes in Deutschland bie Einreise der deutschen Kinder. Bis zum heutigen Tag« ist das Hilsswerk ohne eine Antwort geblieben, ,a, der Empfang des Briefes ist. nicht einmal betätigt worden. Weiter schreibt Abg. Wnlle:
„Der deutsche Vertreter in Warschau hat sich etwa '600 Wolgadeutscher, die durch Bestechung Über die ®ren;e angekommen sind, angenommen. Er hat abe- den strengen Befehl erhalten, keine Flüchtlinge mehr n ach Deutschland zu leiten. Vor allem scheint das Reichsministerium des Innern Einspruch zu erbeben, unb zwar mit bet Begründung, daß die Flüchtlinge die Träger von Seuchen seien. Gewiß sind manche Flüchtlinge nach ihrer Einlieferung in die Baracken bei Frankfurt a. O. gestorben: die Art ober, ttne man sie in Deutschland in ungeheiztem, Wagen, zum Teil halbnackt, in die Baracken geleitet bat, läßt es verwunderlich erscheinen, daß nicht alle gestorben sind. Für 45 000 Bolschewisten hat man ordentliche Baracken in Deutschland übrig gehabt. Für 4000 deutsche Wolgakolonisten aber hat man nichts übrig. Herzzerreißende Hilfcruse gehen täglich beim Hilfswerk ein. Das Auswärtige Amt ob»r schweigt sich ans. Gewiß, das dcut'che Rote Kreuz entsendet eine HilfSezvedition nach Rußland. Die Wolgakolonisten atmen auf. Sie denken, nun kommt dir Rettung. Aber die deutsche Hilfserpckition beschränkt ihre Tätigkeit auf die Tataren unb anbere Nachbar« gebiete der Kolonien, und der Vertreter der deutschen Nrichsregierung in Rußland erklärt amtlich, daß die geplante Hilfe nicht den Wolgakolonisten gelte, fonbern Rußland. Die einzelnen Angaben sind so unerhört, daß wir eine umgehende Antwort der Regierung erwarten, daß wir ferner erwarten, daß die Regierung sofort Mittri und Wege findet, die Reste der deutschen Wolgakolo- msten zu retten, zumal der größte Tell der Kosten ja von Tratsch-Amerikanern getragen wird."
Abg. Wnlle hofft, daß sich dieses Mal alle Pattrien im Reichstage zusammen finden und die Negierung zwingen, endlich für unsere deutschen Brüder zu sorgen. Ter Reichstag tritt aber erst in drei Wochen zusammen; inzwischen ist kostbare Zeit verstrichen und das Unheil immer großer ge- worden. Die Senchengcfahr darf kein Grund fein, Deutsche im Elend verkommen zu lassen. Es kann nicht unmöglich sein, diese Gefahr wirksam zu b, kämpfen, wenn man will. Und wo für Hunderttausende Ausländer aus dem Osten Platz ist, muß stets Platz sein für ebensoviri Deutsche aus b--i“ Osten.