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Paris, 8. De». Nach einet Havasmeldnnz aus Oppeln hat General Le Rond sich nach Paris be-- gei'en, wo er am Freitag eintrefsen wird.

Aus dem besetzten Gebiet.

Der Sonderbündler Smeets auf freiem Fuß.

Paris, 8. Dez. Die Havasagentur veröffent­licht folgend, Nachricht aus Koblenz: Auf Borschlag des französischen Oberkommissars und nach gründ­licher Erörterung habe die Oberkommission, die gestern das Ersuchen des Vorsitzenden der rheini­schen Separatistenpartei um Freilassung er­halten habe, einmütig beschlossen, bei den deutschen Behörden die sofortige Freilassung von Smeets bis zur endgiltigen Entscheidung anzuordnen.

Berlin, 9. Dez. Wie die Blätter aus Köln melden, ist Smeets auf Anordnung der Inter­alliierten Rheinlandkommission wieder aus der Haft entlassen worden.

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Räte-RrMand.

Die Kasernen politisch« Schulen. '

Kopenhagen, 9. Dez. Nach einem Telegramm aus Helsingfors ordnete die Sowsetregiernng eine Agitationswoche zu Gunsten des bolschewistischen Heeres an, um die Lebensbcdingnngen der Soldaten zu ver­bessern. Der Chef des bolschewistischen Militärrates Gusew veröffentlicht in der „Krasnasa Gazeta" einen Aufruf, in dem er daran erinnert, daß Rußland noch vor einigen Wochen sich vor einem neuen Krieg mit Polen befunden habe. Die Kasernen sollten zu politischen Schulen gewacht werden. Dann würde Rußland ein rotes Heer erhalten, das bereit wäre zu einem revolutionären Angriffs« und Ver« teidiaungskrieg.

919 864 Analphabeten in einem Gouvernement.

Zu den Gebieten, auf denen die Sowjetregiecung vergibt, außerordentlich viel geleistet zu haben, gehört neben der Slektrifijicrung Sowjetrußlands fenft un>

Aufruf zum Freiheit-kampf Aegyptens.

London» 8. Dez. Nach einer Reutermeldung ans Kairo erließ der nationalistische Führer Zaglul Pascha einen Aufruf an die Eingeborenen, worin erklärt wird, England nehme jetzt die Maske vom Gesicht und erkläre, Aegypten sei unentbehrlich für sein Interesse und fordert, daß Aegypten einen Teil de« britischen Reiches bilde. Zaglul fordert zum nationalen Kampfe auf und appelliert an die ägyptischen Freaun uird Männer, ihre ganze Kraft für die Befreiung Aegyptens einzusetzen.

Die nächste Sttzun« des Reichstages findet am 13. ♦wembcr, nachmittags 3 Uhr, statt. Auf der Tages­ordnung fielen anker mehr alS 30 Nrinrrrn Anfragen, die erste und zweite Beratung einer Anzahl Gesetz­entwürfe wie die Berordnun« über Lohnpfändung und Abänderung deS BSrsengesetzcs.

Unruhen in Chicago.

^London, 8. Dcz. Aus Chicago werden er­neut Unruhen gemeldet. Bei Zusammenstößen zwischen einer Menge von angeblich 100 000 Men­schen und der Polizei wurden neun Personen er­schossen. Die Unruhen dehnen sich weiter aus. Dis Polizei wurde sehr behindert durch Banden von Frauen, die den Beamten Pfeffer in die Augen warfen, so daß zahlreich« Polizisten geblendet weg- Aetraqen werden mußte«.

. Frankreichs farbige Truppen.

Paris, 8. Dez. Nach einer Mitteilung des •Soutudl“ werden unter den 818 000 Soldaten, über die Frankreich am 1. 10. verfügt, 117 000 Ein- Pöorene aus Nordafrika und 130 000 Mann aus «lderen Kolonien, im ganzen 247 000 Kolonial­isten sich befinden.

Barthon hat gestern der Kammer einen Eefetz- kdtwurf über die Umbildung der marokkanischen öilfstruppen in reguläre Truppen vorgelegt.

Entwurf sagt in seiner Begründung, die Jn- iigeriz und die kriegerischen Tugenden bet Ma- rEuner und die Zuneigung, die sie Frankreich be-- »iesen hätten, sowie der ruhmreiche Anteil, den am Kriege gegen Deutschland genommen hätten, in maßgebend dafür, warum die Einreihung die- k schönen Truppen in die nationale Armee als Akt ”5 Gerechtigkeit und der militärkschen Zweckmäß g- E>t geboten erscheine.

London, 8. Dez. Der „Times" zufolge jcheiucn bi; amtlichen und anderweitigen Bemühungen Deutsch- <onds. Kredite von Londoner Bankhäusern zu erlangen, bisher über das Stadium der Erörterungen nicht hinaiikgekommcu zu sein. Die massgebenden Vankkreise seien der Ansicht, daß ein wesentlicher Kredit mit Hilfe ausländischer Devisen oder sonstiger deutscher Guthaben im Ausland als Sicherheit zustandekommen könnte. ,R a t h e n a u hatte der „Times" zufelge g'stcrn wieder eine Unterredung mit führenden Ban­kiers. Es verlautet, daß die britische-Regierung nichts tun irerbe, tim irgendeine vernünftige Mmachung, durch die Deutschland in den Stand gesetzt werde, die im Januar fällige Rate ztt bezahlen, zu behindern.

Reuter erfahrt, daß bisher keine Entscheidungen vom Finanzausschuß des Kabinetts über die veutschen Entschädigungen erreicht worden sind. Eine weitere Zusammenkunft, bereit Zeitpunkt noch nicht festgesetzt ish werde stattfinden.

Berlin, 8. De-. Wie der „L A." mittet!t, fand heute zwischen dem Reichskanzler, dem Neichsstnsnz. Minister, dem ReichSwirtschastsminister, dem Reichs- Sankpräsidenten und dem deutschen Botschafter in Paris eine Besprechung über die EntschädignngSsrage statt.

. Ter erste Transport der für tote VoNSrws-uurnung ■ Sedenvurg beorderten internationalen Truppen ist »rt eiuäetroffcu.

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Der englisch-irische Ausgleich.

London, 8. Dez. Der König hielt gestern im Buckingham-Palast einen Kronrat ab, an den- die Mit- glioder der Regierung teilnahmen. Der König unter­zeichnete einen Erlaß, durch den das Parlament für nächsten Mittwoch zur Ratifikation der irischen Re­gelung einberufen wird.

Der Premierminiestr von Ulster, Str James Craigh, hat mitgeteilt, seiner Ansicht nach könne jetzt Frieden in Irland Jet».

London, 8.Dez. „Star" will wissen, daß der Herzog von Port möglicherweise eingeladen werden wird, der erste Generalgouverneur des irischen Frei­staats zu werden.

Amnestie für die Iren.

London, 8. Dez. Laut „Daily Expreß" be­trägt die Zahl der irischen Internierten, die unver­züglich freigelassen »erden, ungefähr 4000. Eine allgemeine Amnestie werde folgen.

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Beginn der deutsch-polnische» Ausfchußvrrhand- lunge«.

Beuthen, 8. Dez, Die deutschen Abordnungen ftr die Uuterkommissionen für die deutsch-polnischen Verhandlungen trafen gestern in Benthen ein.

B e u t h e n, 8. Dez. Heute vormittag trafen sämt­liche Mitglieder der deutschen Abordnung zu einer korbesprechung zusammen, wobei Reichsminister a. D. Schiffer eine eingehende Darlegung aller Fr tgen gab, die für die morgen beginnenden Verhandlungen zur Erörterung stehen.

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Loucheur in London.

London, 8. Dez. Loucheur ist heute in Lon­don eingetroffen, um das Entschädigungsproblem mit Mitgliedern der britischen Regierung zu er­örtern. Unmittelbar nach seiner Ankunft begab er sich nach dem Schatzamt, wo er eine zweistündige Beratung mit dem Schatzkanzler Sir Robert Home, Sir John Bradbury und B l a ck e t t hatte. Loucheur setzte seine Ansicht über die Frage der deutschen Zahlungen in Waren, die das Wies­badener Abkommen vorsieht, auseinander und gab Gründe dafür an, weshalb Frankreich diesen Weg eingeschlagen habe.

Paris, 8. Dez. „Journal des Dubais" schreibt, offenbar halbamtlich beeinflußt, die Lon­doner Besprechungen dienten dazu, einen Aus­gleich zweier entgegengesetzter Standpunkte zu be­werkstelligen, der denn auch nicht unwahrscheinlich sei. In der Tat sei es möglich, daß es den Finanz­kreisen Frankreichs und Englands mit Hilfe ver­bundener Operationen, einer Kombination des An­leihesystems mit einem kurzen Zahlungsaufschub, gelingen werde, die Zahlungsfähigkeit Deutschlands zu erhöhen und dabei gleichwohl die Interessen Frankreichs ebenso gut zu wahren, wie es durch das Zahlungsstatut geschehen wäre.

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Die berufenen Vertretungen der Presse wenden sich jetzt in vielfachen Kundgebungen an die Oesfente lichkeit. Sie weisen darauf hin, daß der Sturz unseres Geldwertes zu einer Katastrophe für dis Presse werden kann, ja werden muß, wenn das deutsche Volk nicht die genügende Einsicht darin hat, was eine unabhängige, selbständige, nicht aus irgend- welchen dunklen Quellen gespeiste Presse für es politisch und wirtschaftlich bedeutet. Freilich trifft man immer wieder auf die merkwürdige Beob­achtung, daß das Publikum jede Behauptung über die Not der Presse mit einem ungläubigen Staunen empfängt. Einmal sieht es, daß die Zeitungen noch in tausenden von Exemplaren gelestn werden, folglich, so. meint es, kann es der Zeitung nicht schlecht gehen. Nach dem berühmten Grundsatz jenes Warenhausbesitzers, der erklärte, er setze zwar an jedem Artikel 10 Pfg. zu, aber dir Masse müsse es bringen.

Es steht, daß noch immer Anzeigen in der Zei­tung vorhanden sind; daß der Umfang ganz un­geheuerlich zurückgegangen ist, kann es als Laie ja nicht beurteilen. Hie und da begreift auch das Pu­blikum nicht, daß jedes Unternehmen, das sich nicht aus sich selbst erhält, auf die Dauer zum Untergang verurteilt ist, mag ein Kapital dahinter stecken so hoch es will. Es weiß auch nicht, wie schnell in einem Zeitungsbetrieb ungeheure Sum­men zugesetzt sind. Jeder Parteimann, der einmal mit Zeitungswesen etwas zu tun gehabt hat, könnte es ihm freilich sagen.

Die Presse ist nun in der merkwürdigen Lage, daß sie bisher alle Verteuerungen in der Hoffnung auf bessere Zeiten nicht in vollem Maße hat ab­wälzen können. Wenn die Zeitung täglich hohe Preise kritisiert, so hat sie ja von Natur selbst die Verpflichtung, ihre Preise so niedrig wie möglich zu halten. Aber auf die Dauer läßt sich das Miß­verhältnis natürlich nicht durchführen. Zur Zeit sind die Löhne auf das 15= bis 20fache des Friedens­preises gestiegen, das Papier auf das 21fache und soll im Januar auf das 30fache gehen, von allem anderen bis zum Bindfaden und den Kohlen ganz zu schweigen. Das Abonnement aller Zeitungen hat ungefähr die Steigerung auf das Zehnfache erfahren, und wenn nicht eine Einschränkung im Text eingetreten wäre, wäre dieser Zustand schon längst unerträglich gewesen. Jetzt stürzt das Kartenhaus der Preisbildung in der deutschen Presse zusammen. Bei 30fachern Papierpreis, un­erhörten Postgebühren, Frachten, erhöhten Umsatz­steuern u. s. f. sieht die Presse zweifellos vor einer Katastrophe. Denn sie ist nun einmal Massenartikel. Das ist ihr Beruf. Das liegt auch im vaterländi­schen Interesse. Sie muß und soll von möglichst vielen gelesen werden, sie soll daher möglichst billig sein. Sie kann sich aber nicht dem gefährlichen Sturz unseres Markkurses allein entgcgenstemmen.

Der Abgeordnete Buchhorn hat im Landtag eine eingehende Anfrage an die Regierung gestellt, was sie zu den auch im vaterländischen Sinne unhaltr baren Verhältnissen zu tun gedenkt. Man stellt sich nur vor, wie die großen Zeitungen, die die auswärtigen Korrespondenten halten müssen, unter den heutigen Verhältnissen leiden müssen, und welche Bedeutung es hat, daß wir unsere Ansichten über das Ausland durch diese Leute bilden können. Der Reichskanzler hat erst kürzlich noch von der immensen Bedeutung der Presse gesprochen, ja, cs gab eine Zeit, wo der früheren Unterschätzung der Presse in Deutschland, die nicht zuletzt unsere Kata­strophe mit herbeigesührt hat, eine nicht immer bequeme Ueberschätzung gefolgt mar. Heute sollten sich die Ansichten soweit geklärt haben, daß auch die Regierung an ihrem Teil mit dazu beiträgt, der deutschen Presse das Leben so sehr zu erleichtern, daß sie wenigstens atmen kann. Oder soll der deutsche Ausverkauf sich auch auf die Presse er­strecken? Eesährliche Anzeichen liegen dafür in deutschen Großstädten schon vor.

Das Wichtigste ist aber, daß das Publikum die Bedeutung der Presse anerkennt, nicht mit schönen Worten, wenn man sie für irgend etwas gebrauchen will, sondern durch die Tat. Gerade die mitt­lere Provinzpresse hat immer den schwersten Stand gehabt. Ihr fehlen die Rieseneinnahmen der Gene­ral-Anzeiger an Anzeigen. An sie werden fortge­setzt die größten Anforderungen gestellt, die Vertre­tung der Interessen der Berufsstände, der Parteien, der Heimat in politischer oder wirtschaftlicher Be­ziehung. Es ist notwendig, daß die Presse ihren seit?, wenn sie notgedrungen zu Preiesteigerungeik kommen muß, die ihr das Leben wenigstens ermög­lichen, sich auf die Treue ihrer alten Anhänger ver, lasse» kann. 1

Wissenschaft, Kindererziehung, auch die berühmte Liqui­dation des Analphabetentums. Zum Unglück für die offizielle Propaganda gelangen aber von Zeit zu Zell k>?rze Meldungen in die Sowjetpresse, die auf die Erfolge dieser Liquidation des Analphabetentums ein recht eigentümliches Licht werfen. Die Sowjetregieraug behauptete nicht nur im eigentlichen europäischen Rußland, sondern auch in de» entfernteren Land­gebieten außerordentlich erfolgreich das Analphabeten­tum bekämpft zu haben. Wie e5 in Wahrheit damit in Sibirien aussieht, geht aus einer Notiz der Maskauer „Jswestija" (Nr. 263) hervor. AuS Kroß- nojarsk wird nämlich berichtet, daß von den l 195637 Einwohnern des Gouvernements 919 86t Analphabeten sind. Ans 100 Einwohner entfallen somit 77,7 An- alpH ab et en. In den Städten ist das Verhältnis natür­lich günstiger, da hier von 100 Männern 81 und non 100 Frauen 62 zu lesen und zu schreiben verstehen. Auf dem Lande kommen aber auf 100 Männer 65 und aus 100 Frauen 87 Analphabeten.

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Amerika.

Keine Einladung Deutschlands nach Washington.

Paris 8. Dez. Wie Havas wissen will, habe Präsident Harding erklärt, es sei nicht angebracht, Deutschland zur Teilnahme an der Konferenz einzu- laben.

Tie .DberhelRW Bettun-' etidieint jechemal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich ohueZustellung 6.50 Mk., durch die Polt 7.50 Ml. Für ausfallende Nummern infolge Streits ooet elementarer ßieigntiie lein Stiaj. — Verlag von Dr. T. Hitz erstq. — Druck der Univ.-Buch»ruckerei d»x 3oi>. Aua. Koch, Markt 21.2a Fernsprecher 55, Postscheckkonti: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

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K Berlin, 8.Dez. Die Rede, die der französische *yH?r»rifibent im Senat über Deutschlands Zablangs- tgjjgfeit und Zahlungswittigkeit gehalten hat, ist von ijtt unverkennbaren Tendenz eingegeben. Wir kennen Stimmung in England und brauchen in diesem j oifajtinee«bang nur an die Rede zu erinnern, »ie der -ng- fgc Schatzkanzler in den letzten Tagen gehalten hat. q,: England herrscht nicht nur in Wirtschaft»-, sondern in Aegierungskreisen die Ansicht, daß Deutschland

-g beti nächsten Zahlungsverpflichtungen vor eine un- mDlichr Aufgabe gestellt ist. Für diese Wahrtzeit bat jtan in England offene Augen, weil die englische Regie- (ggg, tote tzer Schatzkanzler ausdrücklich erllärt hat, die rächen Zahlungen nicht als einen sicheren Faktor ia ieu englischen Haushalt einstellt, und infolgedessen Mchhängi« davon ist, ob die deutschen Zahlungen ge- Met werten oder nicht. Man spricht es deshalb in gegfenb such ganz offen aus, daß man kein große? ftrtereffe an der deutschen Zahlungsleistung im Januar nutz Februar habe. Man legt viel mehr Geimcht darauf, jajj die deutschen Finanzen »nieder in L rd - su«9 kämmen und rechnet damit, daß dann auch die deutsche Zahlungsfähigkeit wieder auf einen grünen Zweig z^ngt. Dis alles ist ganz einsichtig, nur hat man bis jetzt noch vergessen, die letzte Konseauen; aus der wirt- fSasÄiche» Einsicht zu ziehen, d. tz. die ganze deutsche Nhultzvertssichiung auf eine vernünftige und maßvolle Sambias? zu stellen. Denn ohne diese Maßnahme bleibt alles nur Notbehelf, der aus dem Jammer nicht heraus- Höst.

Ganz ,nders ist die Stimmung in Frankreich. «Bcd ist Shylock das Vorbild, der auf seinem Schein b-shmd, <* sein Opfer dabei zugrunde gehen musste oder ,Mt. Und wie immer stellt sich Briand, wenn er auch äußerlich der schärfsten nationalistischen Richtung ent- ritt, auf diese Stimmung seines Landes ein. Des- M behauptete er, Deutschland sei völlig in der Sage jt zahlen, und wenn es seinen Bankerott erkläre, ko sei das hin getoÄmlidier. sondern ein betrügerischer Bank-rott. Lrmnd steht also die Wirklichkeit nicht, weit er He nicht sehen will. Für ihn hat der Entschädigunisansichnß seine enbflflttige Entscheidung gefällt, und nun ist es an ÄAychlaich. das Seine zu tun. Es.soll sich die nötigen . Wkl veri«hassen. Ersparnisse machen, neue Steuern auf« krÄyen und was der guten Ratschläge, die Briand erteilt, «ehr sind. Der Ministerpräsideut gibt sich auch in imchstchlrter Absicht den Anschein, als glaube er garnicht Btt die Möglichkeit, baj das Kabinett Dr. Wirth bie Achtungen jemals einstellen könne. Er lobt die de-stichr Regierung und gibt damit zu erkennen, bafc Dr. Wirth Bsy gewiß auch diesmal alles tun werde, um f ".ne GÄckiger zu befriedigen.

Hiefe verbindliche Fvrm, in der Briand die Eat- sckäditzungSfruge behandelt, hat zweifellos eine aus^r- SkSenttich gefährliche Spitze gegen Deutschland. In ihr fegt die dvvhende Warnung: Täusche uns nur ja keine Zahlungsunfähigkeit vor, denn du kannst zahlen and bu visss, wenn du deiner Pflicht nicht nachkommst, dafür iü büßen haben. Es muß aber, mag die französische Gewallsrohnng auch noch so verschleiert sein, betont^ver- bei!, daß Deutschlands UnterwerfungSbercitsch«ft das Spiel FrqufrrichS außerordentlich erleichtert. So best-ht esch hier Wieder die Gefahr, daß das Kabinett Wirth sich auf bea französischen Leim locken läßt. Dr. Wirth hat betont, ob Deutschland zahlen »der nicht zahlen könne, ituge ganz davon ab, ob es im Ausland Kredit erhalte. Erhält es keinen Kredit, so Wäre die einzige Konseauenz He, haß Dr. Wirth dann, wie es die englische Auffassung ja auch zuttßt. die Unmöglichkeit deutscher Goldzahlungen Nfim ciuzesteht, um zum mindesten einen Aufschub zu «fangen. Läßt sich aber Dr. Wirth von Briand e:n- schüchtern, so greift er vielleicht zu dem »erzweis'llten : Älllll, aus der deutschen Wirtschaft noch einmal das Letzte heraAszupressen. Der sozialdemokratische Ruf nach ter Erfassung der sogenannten GoldWerte könnte ihn bar.n bestärken. Auf diese Möglichkeit ist die Rede Briands «ßersrdenllich geschickt berechnet.

Der Auzeigeupreis beträgt für die S gefp. Tolonelzeiie oder deren Raum 1.30 Mk^, amtltäie uw» auswärtige 1.80 Mk. Andere Spaltenbreiten nach entsprechender rß Tnfiwfi Berechnung Spät einlaufenbe ober den Raum über st. Seite einnehmende An» jy, y’llfly, -eigen find wir berechtigt, nach der-Tertspaltenbreite zu setzen und zu berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir die Zeile mit 4.50 Mk. Jeder Rabatt gilt als »arrabatt. «ei Auskunft durch die EeschäftssteUe und Vermittlung der Ange­bote 1 Mk. Sondergedühr.