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Aikltiiches VeMndigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger jür (das früher kurhessische) Oberhessen

M. 281

DieOberheMlche Seitum" ttfdjelnt feSsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich ohne Zustellung G.50 SJTt, durch die Post 7.50 Mk. Für ausfallende Stummem infolge Streits oder elementarer Ereignisse kein Eriag. Verlag von Dr. T. Hicheroth. Druck der Univ.-BuLdruckerei von Job. Au,. Koch. Markt 2123 Fernsprecher 56, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg

DwtM d» I. Dezmin

Zulmand.

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55.3M M

LmSonn 8kIMk.

Nachdem Hugo Stinnes aus London' zurück- gekchrt ist, hat sich Dr. Walter Rathen an, der vormalige und wohl immer nochgeheime" deutsche Weberausbauminister dorthin aufgemacht, um mit den führenden Kreisen Englands allerlei Besprechungen ab- zuhalten. Dr. Rathenau ist der Präsident der größten deutschen Elektrizitätsgesellschaften, und in dieser Eigenschaft hat er bei der gegenwärtigen Wirtschairs- fage gewiß zureichenden Grund, mit den Wirtschafte kreisen des Auslandes Fühlung zu nehmen. Unter hem Druck des Abkommen? von Spaa, der Genfer ifntscheidung und des Londoner Ultimatums ist aber die deutsche Wirtschaft, will sie nicht ganz vor die Hunde gehen, gezwungen, sich höchst eingehend mit politischen Geschäften zu befassen. Es liegt deshalb aus der Hand, daß sowohl die Reise von Hugo Stinnes als auch die Reise Dr. Rathenaus von höchster poli­tischer Bedeutung ist und irgendwie mir den dringen­den schwebenden Fragen der Entschädignngsleistnng, der Abdeckung der nächsten Raten und der Möglich­keit eines Zahlungsaufschubs in Verbindung stehen.

Die Londoner Gespräche haben zum mindesten den Anstoß zu einem heftigen Meinungsstreit zwischen der französischen und der englischen Presse über die Frage der deutschen Leistungen gegeben, 'und in diesem Meinungsstreit werden eine ganze Reihe bisher sorg­lich gehüteter interalliierter Gcheimabmachungen aiq- gedeckt. Im einzelnen darauf «nzugehen erübrigt sich dadurch, daß wir gar nicht mehr die Zeit haben, uns den Luxus historischer Betrachtungen zu gönnen. Uns steht das Wasser an der Kchlc. Erreichen wir es wirklich durch ein bereitwilliges Beispringen der deutschen Industrie, daß wir die Zauuarverpflichtunger! erfüllen, so sind wir dann aber mit hoher Wahr­scheinlichkeit dem finanziellen Bankerott ausgeliefert, wenn nicht auf der Gegenseite die Stimme dec Vcr- mmft Sieger bleibt. Die Stimme der Vernunft aber wird auch auf der Gegenseite n icht von Politikern, fondern von Wirtschaftlern erhoben, und man kann nur hoffen, daß sie in England und vielleicht strgar in Frankreich den notwendigen Einfluß ge­pinnt, wenn wir uns selbst dazu entschließen, unter Hintansetzung aller Parteipolitik sie zu hören.

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Zu den Blättermeldungen über die Präsidialsitzung des Reichs Verbandes der deutschen Industrie erklärt der Reick s- berimnd, daß das Präsidinm sich mit der Frage der im Ausland auszunehmrnden Kredite und den von dem Keichsverband für die Aufbringung dieser Kredite ge- ssrdertrn Voraussetzungen übarhaupt nicht befaßt habe, insbesondere habe auch Hugo Stinnes über sein«! Aufenthalt in London mit keinem Worte gesprochen. Die Tagung des Präsidiums habe vielmehr der Er kckignng laufender Geschäfte gegolten. Der Ausschuß für Kredithilfc des Reichsverbandes habe sich gemäß den vom Reichskanzler ihm übermittelten Wünschen mit der Wahl ttoii Aussckußmitgliedern beschäftigt. Es wurden bi: Herren Bücher, Silber berg und Krämer ge­wählt. Der Ausschuß wird weiterhin aus dem Reichs- ionkpräsidenten Havenstein und je einem Regü- tzirrungs- und Arbeitervcrtreter bestehen.

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Die ®fll6i*er fixieren}.

HardingS Gesellschaft der Rationen.

Paris, 30. Nov. Nach dem Washingtoner Sonderberichterstatter der H avas-Agentur wird in Kreisen des Weißen Hauses versichert, Präsident H-'ar- anp beabsichtigt, die im Gange befindlichen Ver­handlungen über die Abrüstung und des fernen Ostens nicht dadurch zu komplizieren, daß er der Konferenz den Plan einer künftigen Gesellschaft der Nationen »orlege. Immerhin hoffe er, daß es nach Lösung dieser Fragen zu späteren ähnlichen Konferenzen kommen werd«. Die Frage der Finanzen in der ganzen Welt, Namentlich die der Kriegsschulden, scheine in dieser Beziehung besonders dringlich zu sein. Nach Ansicht .dr? Präsidenten werde diese neue Gesellschaft nicht den ,Charakter einer mit dem Völkerbund konkurrierenden Organisation tragen.

Frankreichs und Italiens Flottenforderungen.

Paris, 30. Nov. Der Berichterstatter desMa- ttu üt Washington berichtet, Viviani habe Staats­sekretär Hughes die Forderungen Frankreichs in Ve- sug auf seine Marine übermittelt. Frankreich verlange 800 000 Tonnen Großschiffe, die saft ausschließlich leichte und rasche Kreuzer seien, und 90 000 Tonnen Unterseeboote. Italien wolle eine ähnliche Forderung stellen und Vivianis Verlangen nnterstützen. Die Rn- stcht wurde vertreten, daß in ungefähr drei Wochen die Konferenz ihre Arbeiten tn den großen Linien beendet haben werde.

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Frankreichs 800 000 Mann-Heer.

Paris, 30. Nov. Nach dem Bericht des Heeres- Av-schusses der Kammer wird Frankreich mit seinen Kolonien am 1. Januar 820 GOO Mann unter den Fab- ÄtU habe», nach der Entlassung des ersten Kontingen's ter Jahresilape 1920 049000 Man«, im Mai «ach der

Das Entschadigrmgsproblern.

Die Sraonate. ZMmMWS?

Vergebliche deutsche Bemühungen um eine Anleihe in England.

London, 30. Nov. LautDaily Telegraph" sind die bisherigen Versuche der deutschen 'Regierung, von Londoner Banken eine Anleihe von 20 »der 30 Millionen Pfund Sterling zu erhalten, um die am 15. Januar fällige Entschädigungszahlung zu erkeich- trm, vergeblich gewesen.

Die erste Frage, mit der sich das Kabineit be- safscn wüste, sei die Ansicht der Sachverständigen darüber, ob mangels einer solchen Annahme Deutsch­land imstande sein werde, die Januarrate zu bezahlen. Di» Ansicht der Sachverständigen geht dem Berichterstatter desDaily..Telegraph" zufolge dahin, daß Deutschland unter solchen Umständen die Jw'varrate entweder gar nicht oder höchstens zum Teil entrichten kann. Es wird versichert, daß die deutsche Regierung keineswegs Mangel an gutem Willen gezeigt hat, indem sie sich zu mehr oer- p fl i ch t e t hab», als sie zu diesem Zeitpunkt aus- führen kann. Allgemein wird der Ansicht Ausdruck gegeben, daß der auf der Brüsseler Konferenz aus- gearbeitete Zahlungsplan, der von dem Obersten Rat zugunsten des Londoner Abkommens getroffen wurde, das Maximum der Leistungsfälligkeit Deutschlands während der ersten Jahre darstelltc. Man ist der Ansicht, daß Deutschland zu einem späteren Zeit­punkt in der Lagr sein muß, in sehr beträchtlichem Maße Entschädigungen zu leisten, und zwar in der Höhe des im Londoner Abkommens angesetzten Be­trages, vorausgesetzt, daß die Zahlungen hauptsäch­lich in Waren stattfinden. Von zuständiger Seite wird hinzngefügt, daß die deshalb gehegten Befücch tnngen, daß dir deutschen Bezahlungen in Waren in Großbritannien und England den Industrie-Jule- ressenteu schweren Schaden zusügen würden, unbe­gründet seien. Tic englische Negierung werde kant Daily Telegraph" beschließen müssen, ob sie den Verbündeten Vorschlägen solle, Deutschland mit Bezug on? bi» im Januar und Februar fälligen Zahlungen einen Aufschub zu gewähren, oder ob sie auf den Zahlungen bestehen sollen, was aber unwahrschein­lich sei. Außerdem würde die englische Regierung zu beschließen haben über die vorgeschlagene Dauer für den Zahlungsaufschub ober ob sie ein, zwei ober drei Jahre warten walle. An dritter Stelle wird sie die Bedingungen zu erwägen haben, unter denen ein solcher Zahlungsaufschub gewährt werden wird. In dieser Frage herrscht allgemein die Ansicht, daß von der deutschen Regierung gefordert werden soll, daß sie den deutschen Haushalt in Ordnung bringt und der augenblicklichen Inflation Einhalt gebietet. Nur auf dwft Weise Könne eine relative Stabilität der Währung gesichert werden.

Paris, 30. Nov. Der Londoner Berichterstatter desTemps" weist darauf hin, daß die britische Ne­gierung sich der Meinung von Sir John Bradbury, des Vertreters Englands im Entschädigungsausschuß angeschlossen zu haben scheine, Deutschland nach der ersten ober 2. Zahlung ein Zahlungsaufschub von 2 oder 3 Jahren zu gewIhren.

Ein Vorschlag Danderltps.

Paris, 30. Nov. Nach einem Bericht derChicago Tribüne'" aus Newvork war ein Vortrag Vanderllvs

aus dem Gedanken aufgebaut: Es ist für die Verbündeten ebenso unmöglich, ihre Schulden bei den Ver­einigten Staaten zu zahlen, wie es für Deutschland un­möglich ist, btc Verbündeten zu be$a6len. Vanderlip hat nach dem Bericht vorgeschlagen:

1. Daß die Verbündeten den gereckten Charakter ihrer Schulden bei den Vereinigten Staaten in gesetzlicher und moralischer Hinsicht anerkennen sollten.

2. Daß die Vereinigten Staaten zwar die Bezahlung der Sum«re verlangen, aber sich gleich;eitig zu einem Verzicht auf den gefamten Betrog bereit erklären soll­ten. Derjenige Betrag, der bann tatsächlich ringe he, sollte nach dem Vorschlag Banderlips zum Wiederausbau der europäischen Zivilisation und des europäischen Ge- schäftslcbens sowie für die Anleihe an fremde Staaten ju besonderen Zwecken verwendet werden, z. B. zur Ver­besserung des europäischen Transportwesens und zur Er­leichterung wissenschaftlicher Forschungen.

Jeder in« nn, äußerte Vanderlip im Verlaufe seines Vortrages, abgesehen von Frankrrich, gebe zu, daß der Entschädigungsplan in seiner jetzigen Gestalt unmög­lich« uszuführen sei, und daß Deutschland sinanziell zusammen brechen tverde, wenn die Zahlungsbe­dingungen nicht abgeändert würden.

Nach einer Meldung derChicago Tribüne"" aus Washington hat Präsident Holding auf die Frage der Anuahme betreffend die Borschläge Vanderlips erklärt, die Bereinigten Staaten beabsichtigten, dir Frage der Schul­den und ihr« Bezahlung jetzt nicht anzuschneiden. Auch von irgendeiner anderen Regierung sei die Frage nicht zur Sprache gebracht worden.

Eine englische SachvcrstSndtgenkouferenz.

Loudon, 30. Nov. Der Berichterstatter des Daily Telegraph" schreibt: Im Hinblick auf die Tat- fache, daß die vrilische Regierung der Ansicht sei, die gesamte Enlschädiaungssrage im Lichte der augenvlick- lichcn chaotischen Ftnanzverhültnisie zu erörtern, sand gestern im Schatzamt eine Konferenz von SachverjNin- digen statt, die über drei Stunden dauerte. Daran nähme» u. a. teil: cher Schatzkanzler, der bttttsche Bot- schaster in Berlin, Lord d'Abernon und Sir John Bradbury. Ein von diesem verfaßter Bericht luiybc eingehend erörtert und beraten und gewisse Vorschläge entworfen, die Amerika vorgclegi werden sollen.

Die Lieferungen der deutschen chemischen Industrie.

Paris, 30. Nov. Als Vertreter der Jrtteressen- «emeinschaften der deutschen chemischen Industrie vielt sich Geueratkouslil v. Weinberg aus Frankfurt «. M. mehrere Tage in Paris auf, nm mit den Bertte- tern des Enlschüdigungsausschunes über Lieferungen ilt verhandeln, die sich aus den Bestimmungen des Vertrages von Versailles für Ale deutsche chcnttkche und Farben-Jndnsttte ergeben.

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EMM jordklt Wlväuluug der militnrMen Mnlrolle.

Für Aufhebung der militärischen Zwangsmaßnahmen.

Paris, 30. Nov. Einer Nachricht desPetit Journal"" zufolge wirb sich die Botschafterkonfereuz am 2. Dezember mit ciuci Note »er englischen Regierung beschäftigen, in der von der Aufhebung bet ml- li IS r i s ch c n Zwangsmaßnahmen am Rhein und von bet Beschränkung bet militäri­sch tn Kontrolle tn Deutschlanb bie Rede ist.

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Vach Londoner Nachrichten ist kein Vorschlag an die Botschasterkonfercnz gemacht worben, ble militäri­schen Zwangsmaßnahmen am Rhein anfzubeben. Es verlautet, daß die ganze Frage lange erwogen worben sei, aber es wurde noch kein Schritt seitens der Bot- schafterkonferenz unternommen.

Ettwerufung der ersten Hälfte der Rekruten 777 00? Mann. Diese Anzahl fällt zeitweise nach ber Eni- lassung des ersten Teiles der Soldaten der Jahres- klasic 1920 auf 661 000 Mann und erreicht im Novem­ber nächsten Jahres die Stärke von 818000 Mann.

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Die mlmurtioMlt StüMguno dn DeuWn M.

? ~' Französische Feststellungen. - - -

Paris, 30. Nov. Der Sonderberichterstatter bks Peiiple", der die von den deutschen Gewerkschaften eingesadene Abordnung auf ihrer Reise durch Tcutsch- kand begleitete, teilt seinem Blatts ans Erfurt die Fest­stellungen der Mordnung unter bet Arbeiterschaft ber in Betracht kommenden Deutschen Werke mit. Alle hätten die gleiche Sprache geführt, welcher Partei sie auch angehörten. Alle habe cr den gleichen Willen bekunden hören, sich der Wiederaufnahme der ehe­maligen Fabrikation zu widersetzen, wie sie auch alle die Kommunisten so gut wie die anderen gegen die Forderungen der interalliierten Militärkontroll­kommission protestiert hätten. Wenn es wahr sei, fährt der Berichterstatter fort, daß di« Großindustrie für die Bedürfnisse der modernen Armeen furchtbare Kricgsmittcl liefern können fe gebe es doch nur eine

Alternative: entweder müsse man jede ttckustdcielle Entwicklung verbieten ober man müsse bei denen selbst, bie an dieser industriellen Tätigkeit beteiligt feien, die Garantie dafiir suchen, daß sie nicht mehr in den Dienst des Krieges gestalt werden. Die erste Hypothese sei unannehmbar. Es sei unmöglich anzunehmen, daß in dem gegenwärtigen Zustand der Welt ans die deutsche Industrieproduktion vernichtet werden könne, ebenso wie es absurd sei, einem Volk von Arbeitern die Unmöglichkeit zum Leben crufzuerlegen.

Ernste Lage in. Portugal.

, (Eingreifen ber Westmächte?

London, 30. Nov. DieTimes"" erfährt, daß die Lage in Portugal sehr ernst geworden sei, und daß such bolschewistische Wühlereien über das ganze Land verbreiteten. Tie Konservativen und ge­mäßigten Parteien erklärten, sie seien nicht in der Lage, der extremistischen Bewegung Herr zn werden. Tie meisten Gesandten der ausländischen Mächte haben derTimes" zufolge viele Briefe erhallen, in denen ihr Leben bedroht toirix Demselben Blatt zufolge, toitb die Frage eines ausländischen Ein­greifens in Form eines Mandats setzt ten den

Mächten ernsthaft erwogen. Frankreich, Italien »»8 Spanien sollen in Frage kommen zugunsten rinte Lösung der augenblicklichen Krisis.

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LreoMtt LMU.

77. Sitzung vom 30. Dezember.

Die Aenderung der Atisführtingsbestimmungen zum bürgerlichen Gesetzbuch wird angenommen. Das Haus fetzt dann die Aussprache über den Haushalt des Ministe­riums für Volkswo hlfahrt fort.

Abg. M e h c r - Solingen (Soz.) bittet, den 3B-o 6' n it n ß S 6 a n durch Aufhebung hemmender polizeilicher Bestimmungen zu fördern. Im übrigen tritt der Red­ner für Ausbau des Flachbaues anstelle des Stockwerk- bcueS rin.

Abg. Frau Dr. Lauer (Ztr.) bittet den Minister, auf dem bisherigen Wege der Fürsorge fottzufabreu. "Den Anträgen auf Erweiterung der Fürsorge stehe ihre Partei svmpathisch gegenüber.

Abg. Stuhrmann (Deutsch».) tritt für Professor Brunner in feinem Kampfe um eine neue Sittlich­keit ein. Di« Wohnungsnot fei nicht nur eine Mieternot, sondern auch eine Hausbciitzernot. Wenn daS Ministe­rium auf dem bisherigen Wege sortsahre. so müsse dieS zu riner Verelendung der Hausbesitzer führen. Bei der Ettverbsnot der Hand- und Kopfarbeiter handle es sich nicht bloß um ctit wirtfchaslliches, sondern auch um ein sittliches Problem, in dem ganze Familien zerrüttet iweiiden. Hier bilde sich rin fünfter sozialer Stand, (das wirkliche Proletariat, heraus und schasse ein neues Volksproblem für die soziale Fürsorge. Der Redner bricht eine Lanze für den christlichen Sozialismus.. Dieser, nicht der Marxismus sei das Ziel der Deutschnatimmlen,

Abg. Engberding (D. Bpt)?Da das im Grund« besitz angelegte Kapital unbedingt eine mäßige Ver­zinsung bringen muß, so müssen die Mieten unbedingt er­höht inerten.. Gegen die SoziallsierungSpläne des Abg. Mever erklär« cr sich entschieden. Der Miet errat mache dem Hausbesitzer sowieso schon das Leben schloer genug«

Abg. König (Komm) begründet die Anträge seiner Partei auf Beschlagnahme der Wohnungen, namentlich in Schlössern, Klöstern, Villen usw-, Sozialist«- titng der zur Beschaffung der Rohiiiaterialieu für Neu­bauten erforderlichen Betriebe und Errichtung von Woh­nungen auf Staatskosten im Gartcnhausstil unter Aus­schluß privater Unternehmer, eventuell Sozialisie­rung des Haus- und Grundbesitzes nstv.

Mg. Dr. Wehl (llnabh.): Der Minister hat Ver« ständniS für soziale Nöten und besitzt Forschheit und Gnf» schlossenhrit. Aber wenn er sein Programm durchführen bitt, muß er einen großen eisernen Besen zu Hilfe nehmen, sonst kommt er nicht durch. Der Redner de- (gründet einen Antrag auf Sozialisierung der ärztlichen Heiltätigkeit und aus Aushebung d«S Gesetzes übet bie ärztlichen Ehrengerichte und bittet ben neue» Minister, für die Einbringung eines neuen Hebammen« gefetzcS zu sorgen. Der Redner tritt für die Vermehrung der Kreisärzte rin.

Abg. Hövker-Aschosf (Dem.): Die Wohnungs» «hgabe ist notwendig, da nur so die Mittel für die Be­lebung der Bautätigkeit aufgebracht werden können. Der Redner begründet einen Antrag mit größter Beschleuni­gung den Entwurf zu einem Aussühtungsgesed »nm ReiÄtzheimstättengesetz vorzulcgen.

Abg. Dr. Qua atz (D. Bpt.) begründet zur Hebung der Volkswohlfahrt mehrere Anträge auf Hebung der kör­perlichen Ausbildung unferer Jugend, auf An­lage von Spielplätzen durch Kreise und Gemeinden mit Hilfe staatlicher Zuschüffe sowie auf Verwendung der im KapitelJugendwohlfahrt"" vorgesehenen Mittri «11.6 für nervöse Kinder. Der Rrimer erllärt sich gegen die Sozialisierung des AcrztestandeS, aber für die Er­haltung der privaten Fürsorgeanstalten.

Wg. Frau Ege (Soz.) begründet eine große An;aU von Anträgen, bie zum Teil in der Fürsorge für Kinder und Kranke noch über die Forderungen des Ansschuffe» hinausgeben.

'Mg. Frau Pöhlmann (D. Vpt.) legt dem Hanse zwei Anträge vor, deren einer 150 000 Mark zur Förde­rung der sozialen Fürsorge für die erwachsenen Fricdens- d lind en fordert.

Mg. Frau A t e n f e c (Komm.) begründet 32 Anträge,'

Minister Hir tfieser führt aus, Prof. Brunner bearbeite im Wohlfahrtsmiiüsterium einzelne Ziorige der Jugendpflege. Sein Kampf gegen den Schmutz in Wort und Bild falle unter die Kompetenz des $nncnminifterf unb des Berliner Polizeipräsidiums. Sollten sich wkS feiner Tätigkeit aus demReigen'"-Prozeß dienst'iche Vorbehalte nötig gemacht haben, so wäre es Sache tei Innenministers gewesen, dem Wohlsahttsminister ent« sprechende Mitteilungen zu machen. Das Hebammen- geketz iverde mit größter Beschlcunigung vorgelegt wer­den. Bei dem Mieterschutz müsse der Enwaicklung der tatsächlichen Verhältnisse Rechnung getragen werden, 1pi8 nicht lmßett solle, daß die Mieten bmaufklettern solldm,; wohl aber müßten die kommunalen Abgaben irzendwi« ausgeglichen lverden.

Abg. Frau Christmann (llnabh.) fordert für die Sozialrentner 100 Millionen als Beihilfe zur Linderung der herrschenden Not.

Abg. Frau Dönhoff (Dem.) meinte, der sittliche Niedergang unseres Volkes »rigc sich im monatelang andauernden großen Kassenerfvlge derRri- gen""-A'.lfführ!!ttg. Eine Besserung könne nur Selbst­hilfe bringen.

Wg. Ladendorsf (Mrt. P.) verlangt Hilfe für die kleinen Rentner und Aufhebung da WohussgS-