Einzelbild herunterladen
 

Ärmliches Verkilndigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

Rr. 278

Die „Dbetbelhlttje Bei tun erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis menrtlich ohne Zustellung 6.50 Mk„ durch die Bost 7.50 Mk. Für ausfallende Nummern infolge Streiks ooer elementarer Ereigniste kein Eriatz. — Deriag von Dr. C. Hitzeroth. — Druck der Univ.-Buchdruckerei von Jod. Aua. Koch, Markt 21 23 — Fernsprecher 55, Voltscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg ÄnlM, 6fll 28. MmbN Sksbelung.

Der Anzeigenpreis beträgt für die 9 gesp. Tolonelzeile oder deren Raum 1.80— Mk., amtlich« und auswärtige 1.60 Mk. Andere Spaltenbreite« nach entsprechender Berechnung. Spät einlaufend« oder d«n Raum über l/- Seit« einnehmende An­zeigen stnv wir berechtigt, nach der Tertspaltenbreite zu setzen und zu berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir die Zeile mit 4.50 Mk. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Auskunft durch die Geschäftsstelle und Vermittlung der Ange­bote 1 Mk. Sondergebühr.

55. Wrg.

1921

Die WMWiMk Misere«;.

Einladung Deutschlands und Rußlands?

Wie illusionsfreie und politisch einigermaßen geschulte Beobachter nicht anders erwartet haben, jjitb bei der Washingtoner Konferenz zur Veschrän- der Rüstungen nicht viel, vielleicht gar nichts z-rauskommen. Letzten Endes handelt es sich ja ,uch nur um die Frage der Verteilung der Macht gfrer .die Erde zwischen den zur Zeit maßgebenden Eroßstaaten. Daß da Neid und Eifersucht Ver­stimmungen unter den bisher Verbündeten und Befreundeten verursachen, leuchtet ohne weiteres ein. Die angelsächsischen Mächte England und Amerika möchten Japan zurückdrängen und iso­lieren! das wehrt sich natürlich dagegen. England mag die U-Boote nicht, umso lieber die Eroßkampf- i schiffe: Frankreich umgekehrt, fordert im übrigen eine Japan ebenbürtige Flotte und Beibehaltung fsiines ganzen Heeres: Italien möchte eine ebenso starke Flotte wie Frankreich und Verringerung der Heere Frankreichs und seiner Trabanten (Polen, Tschechen und Südslawen): China will ife fremde Bevormundung loswerden. Eine ge­wisse Einmütigkeit hat sich nur insofern gezeigt, als die anmaßende Haltung Frankreichs Unwillen bei allen Teilnehmern hervorgerufen hat, beson­ders bei Italien, was sich in franzosenfeindlichen Kundgebungen in Turin und auch in Neapel ge­säubert hat. Man bat aber in Washington nichts -Men den französischen Militarismus untcrnom- ;b$i, vielmehr hat Driand einen unbestreitbaren Mfvlst daoongetragen: die Frage der Einschränkung der Heere wird nicht weiter erörtert werden. Zrankreich behält fein Heer und die andern Nächte wahrscheinlich ihre Flotten. Und im nächsten Jahre wird man weiter sehen. Harding »ill sogar j e.d e s Jahr solche Konferenzen ad- halten, dazu auch Deutschland und R u ß - ;Ia»b einlanden, vielleicht noch zu der jetzigen. Meiler soll in Paris oder London nächstes Jahr eine finanz- und wirtschaftspolitische Konferenz siattfindcn, vielleicht auch unter Zuziehung Deutsch­lands. Da muß doch schließlich etwas heraus- kommen!

e *

Str deutsche Geschäftsträger über eine Einladung Deutschlands.

London, 27. Nov. Nach einer Havas-Depesche aus Washington an die Zeitungen soll der deutsche Eeschäftsträger gestern eine Unterredung mH einem Beamten des Staatsdepartements gehabt haben, m der gefragt worden sei, ob die Deutschen eine Einladung der Vereinigten Staaten zur Konferenz ««nehmen würden. Es wird versichert, daß Deutsch­land die Frage der Entschädigungen und der Ab­rüstung der Landarmeen gern auf amerikanischem Beben besprechen würde. In der Frage der Ent­schädigungen hoffe es, eine Revision der Be­dingungen zu erlangen. Die deutschen Delegierten vürden außerdem ermächtigt werden, die von Briand geforderten Sicherheiten gegen einen An- -riff zu geben.

F Die Fassung dieser Nachricht ist mit Vorsicht? aufzunehmen, da sie wahrscheinlich nur zu dem Zweck lanicert wurde, um die deutschen Interessen

Amerika zu schädigen.

„Kühl (lufgemnnmett".

Berlin, 26. Nov. (Funkspruch.) Rach einer Reibung der «Newtzork Tribüne" aus Washington ist i» Weitzen Hause zum Ausdruck gebracht worden, daß die Anregung, Deutschland möchte zur Teilnahme an den Schlußphasen der Konferenz hinzugezogen wer­den, im .Hauptquartier der französischen Abordnung kühl ausgenommen worden ist. — Selbstver- «ndlich. Der deutsche Vertreter mützic und würde «Erlich das Briandfche Lügengeivebe zerreitzen.

Dr. Wirth gegen Briands Anschuldigungen, h Berlin, 27. Nov. Wie die „Germania" hört, Dird im Auswärtigen Ausschuß des Reichstags am Bkontag der Reichskanzler die Gelegenheit wahr- Rti)men, um gegen die Anschuldigungen Briands 66? der Washingtoner Konferenz gegen Deutschland Stellung zu nehmen.

Nach einer Parisxr Meldung aus Berlin habe Reichskanzler davon Abstand genommen, driand in einer Rede zu antworten. Dafür sei ”0^ Kabinettt beschlossen worden, dem amerikani- ^cn Geschäftsträger Dresel zur Uebermittlung an dkn Staatssekretär Hughes, dem Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz, eine Note zu übergeben. In .mefer Note protestiert Deutschland gegen die Rede Irlands, insbesonder gegen die von Briand aufgs- jteüte Behauptung über angeblich in Deutschland gehende militärische Eeheimorganisatiönen.

-— -------------------------«--

DMA LMWmM.

Schwache Mehrheit der bisherigen Koalitions­parteien.

D a r m st a d t, 28. Nov. Nach dem vorliegenden Gesamtergebnis der Landtagswahlen wurden ins­gesamt abgegeben 452 981 Stimmen. Davon er­hielten:

Sozialdemokraten 148 579 (273 468), Deutsch­nationale Volkspartei 24 006 (45 758), Deutsche Volkspartei 68 308 (62 072), Hessischer Bauern­bund 64 301 (0), Demokraten 33 660 (116 252), Zentrum 78 914 (108 539), U.S.P. 15 797 (9077), Kommunisten 18 764 (0). Die übrigen Stimmen sind zersplittert.

Dir Mandate verteilen sich wie folgt: Sozi 23 (31), Drntschnat. Dpt. 4 (5), Deutsche Bpt. 11 (7), Hess. Baüernb. 10 (0), Demokraten 5 (13), Zentr. 12 (13), U. S. P. 2 (1), Kommunisten 3 (8).

Danach verfügen die Koalitionsparteien über eine Mehrheit von 5 Stimmen gegen bisher 22. Sie haben 40 Mandate gegenüber 30 der anderen Parteien erhalten. Ueberraschend ist das Ergebnis insofern, als der Bauernbund, der bisher nicht vor­handen war, 10 Mandate erhielt. Die Wahlbetei­ligung war geringer als bei der letzten Wahl.

• • *

Von den bürgerlichen Parteien haben yt erster Linie die Demokraten verloren, die schon bei den letzten Reichstagswahlen um 30—40 % zurückge- gangen sind. Die Deutsche Volkspartei kehrt ver­stärkt in den Landtag zurück. Die Hessische Volke- partei (deutschnational) hat 1 Mandat verloren, man muß aber berücksichtigen, daß der Bauern­bund mit 10 Mandaten zum großen Teil zur Deutschnationalen Volkspartei gehört.

EinzclergcLnisse.

Gießen: Deutschn. 2238 (1840), 9 Volks». 4240 (49.80), SWrn&nn» 20 (0), Zentrum 702 (767), Dem. 1542 (2263), Mehrheitssoz. 3005 (2798), Unabh. 1427 (3076), Komm. 451 (341).

Friedberg: Me-rheitssoz. 1586, Zcnlr. 411, Dem. 490, D. Volks». 907. Deutsch». 481, Unabh 166, komm. 159, Bauernbund 153 Stimmen.

Bad-Rau heim: Mckrheitsloz. 1000, Zentr. 234, D-m. 315, D. Volks». 782, Deutsch». 808, Unabh. 105.. Komm. 134, Bauernbund 53 Stimmen.

Darmstadt: T. Velksp. 16169 (10 291), Dentfchn 3385 (8W>. Mebrb«tchch. 11 294 (15 474), Dem. 3599 (12 209), Zentr. 2806 (3207), Unabh. 335 (350), Komm. 1436 (0) Slimmeu.

Gefemlergebnis aus der Provinz Oberhessen: Mehrheitssoz. 24 092 (63 324), Teuifchn. 8519 (32 449), D. Volks». 9410 (9469), Hessischer Bauernbund 32 734 (0), Dem. 5302 (30 756), Zentrum 2383 (8325). Unabh. 5278 (3088), Komm. 1803 (0).

Gesamtergebnis <,i,z her Provinz Rheinhessen: Mehrheitssoz. 38 889 (64 996), DeutsHn. 3566 (1058), D. Volks». 24 750 (25 550), Hessischer Bauernbund 5004 (0), Dem. 14 355 (38 578), Zentrum 40 907 (54597), Unabh. 3642 (453), Komm. 2961 (0).

Eis Wliitzsr IsrkoMrmer in Serlin.

Für Stundung der Zahlungen Deutschlands.

B e r l i n, 28. Nov. Der „Berl. Lokalanz." und die „Montagspost" veröffentlichen Unterredungen mit dem englischen Unterhausmitglied Kenn- worthy, der gegenwärtig in Berlin weilt. Kenn- worthy erklärte, der einzig mögliche Ausweg aus dem wirtschafttichen Chaos in Europa bestehe in der Schaffung der „Bereinigten Staaten von Europa". Dieser Gedanke stoße freilich bei den Re­gierungen und bei den breiten Massen der Völker noch immer auf den heftigsten Widerstand. Was aber wohl heute schon erreichbar sein müsse, das wäre der internationale Zusammenschluß von Ge­schäfts- und Finanzleuten zu einer gemeinsamen planmäßigen Sanierungsaktion. Für be­sonders nötig hält Ksnnworthy ein gemeinsames Vorgehen in Rußland, um die reichen Boden­schätze dieses Landes, insbesondere auch Sibiriens, zu heben. Rußland sei ohne Zweifel auch ein Markt von unbegrenzter Aufnahmefähigkeit, namentlich für Produkte der Maschinenindustrie, Lokomotiv- und anderes Transportmaterial sowie für land­wirtschaftliche Geräte, lleber die wirtschaftliche Lage Deutschlands äußerte sich Kennworthy sehr zu­rückhaltend. Er glaubt nicht, daß Deutschland über die Januar- und Februarrate hinaus Zahlun­gen werde leisten können. Auch im eigenen Inter­esse der Gläubiger müsse man daher Deutschland eine angemessene Stundung bewilligen.

RMkttim»» uni lene«.

Scharfe Bekämpfung des Wuchers.

Berlin, 26. Nov. Das R-ichSkabmett befaßte sich in den letzten Tagen wiederholt eingehend mit den durch die gegenwärtige Teuerung verursachten Miß­ständen auf dem Gebiete der Bolksernährung. Die Steigerung der Preise beruht in der Hauptsache auf der Entwertung der deutschen Mark, die ihrerseits tmeber im wesentlichen durch die den Friedensvertrag uns auferlegtrn Lasten herbeigcführt ist. Der wucheri­schen Ausbeutung dieser Sachlage muß aber mit aller Energie entgegengelreten werden. Eine Handhabe hierzu bietet die Verordnung gegen die Preistreiberei, die 1919 durch die WuchergerichtSverordnung und im Dezember 1920 durch ein weiteres Gesetz bis zur äußersten Grenze verschärft worden sind. Nach diesen Bestimmungen besteht die Möglichkeit, gegen die Wucherer und Schieber mit den strenLsten Strafen vor­zugehen; Zuchthaus und Geldstrafe in unbeschränk­ter Höhe, Ehrverlust, Polizeiaulsicht, Untersagung der Handelsbetriebe, Einziehung der Waren und des wucherischen Gewinns, sowie Brandmarkung des Täters durch Urkeilsveröffentlichung sind vorge­sehen. Auch die Zurückhaltung von G-geustänben des täglichen Bedarfs fällt unter diese Strafdrohungen. Unabhängig vom Ärafverfahren können Waren, die zurückaehalten werden, enteigne! und der All­gemeinheit zugeführt werden. Unzuverlässige Personen können vom Handel au-gefchloffen loerden. Eine be­sondere Aufmerksamkeit erforderten die Auswüchse auf dem Kartoffelmarkt. Hier erließ der Rcichs- mrnister für Ernährung und Landwirtschaft kürzlich eine neue Verordnung. Danach wird der Aufkauf von Kartoffeln beim Landwirt, soweit er nicht für den eigenen Bedarf erfolgt, von einer besonderen be­hördlichen Erlaubnis abhängig gemacht. Sie darf nur hinreichend sachverständigen und zuverlässigen Personen erteilt werden. Tie Reichsre-rierung und die Landesregierungen haben anläßlich der gegen­wärtigen Teuerungswelle Nachgeordnete Stellen mit Nachdruck auf die Notwendigkeit der schärfsten Durchführung der Borschristen gegm die Preis- treiherei hingewiesen. Erfahrungsgemäß macht bei An­wendung der Preiswuchervorschrift die Feststellnrig eines angemessenen Preises Schwierigkeiten. Für das Gebiet der Kartoffelversorgung hat deshalb der Reichs» ministec für Ernährung und Landwirtschaft durch ein neues Rundschreiben an die Landesog ernugm die B<- bttng besonderer Ausschüsse au5 Vertretern der Land­wikischaft, des HandKs und der Brbra^chcc ang-regt Diese Ausschüsse soll«! unter behördlichem Borsitz und unter Hinzuziehung von SSerScetern der Slrafoerso!- gongNbehorden, die für die ei:»zclncn Bezirke anze- messenen Kartosfelprcise an Hand bestimmter Richtlinie ermitteln und so den StrafverfolgungSbehörden die nötigen Grundlagen für fljr Einschreiten schasse». Außerdem sollen sie bei Abschluß von Liesernngs- verlrägen zu den von ihnen ermittelten Preisen mit« wirken. Die Kontrolle zur Verhindernng der ver- botenen Ausfuhr wird in schärfster Weise durch» gesührt. Das ReichÄkabinett wird nächsten Dienstag seine Beratung über die durch die gegenwärtige Teue- rimg geschaffene Lage forisetzen.

MkWWl!.

Abschluß der Genfer Konferenz.

Genf, 26. Nov. Die erste Genfer Tagung der deutsch-polnischen Konferenz, die die formellen Vor­arbeiten zu erledigen hatte, nahm heute ihr Ende. Für die Wahl der Verhandlungen der Unteraus­schüsse sollen rein sachliche Erwägungen maßgebend sein, so daß z. B. der Ausschuß für das Eisenbahn­wesen in Kattoroitz, der Ausschuß für das Tcleson- und Telegraphenwesen in Oppeln zusammentreten wird. Der Zusammenhang zwischen den Unter­ausschüssen und dem Präsidenten .der Konferenz wird durch die Bevollmächtigten Schiffer und Olszewski aufrecht erhalten. Sie sind verpflichtet, dem Präsidenten spätestens bis 15. Januar den Abkommensentwurf zu unterbreiten. Der end­gültige Wortlaut des Abkommen- wird in Genf aufgesetzt und unterzeichnet werden .

Der Uebcrgang der Industrieanlagen an ausländische Kapitalisten.

Breslau, 26. Nov. Die Ueberlcimng der an Polen fallenden oberschleflschen Jndusirtcanlagen in die Hände ausländischer Kapiralisten wird immer leb­hafter betrieben. Das französische Kavilal soll bereits 500 Millionen Franken ausgebracht haben als Anzah­lung für Polen auf die geplante Uebernavme der bis­her preutzischen StaatSgruben. Wie man sagt, ist Kö­nigshütte schon so gut wie ganz im Besitz französischer Hände übergegangen. Auch englisches Kapital sucht sich in den Kreisen Pletz und Nybnll festzusetzen. Auch Italien har bereits zwei Gruben durch Ankauf der Aktien in sein« Besitz gebracht, 7 _ .

MMM als Wellikdeiln.

Die am Freitag veröffentlichte Denkschrift der eng­lischen Industriellen über die Frage der deutschen Entschädigung konnte zunächst den Eindruck erwecken, als ob man in maßgebenden Kreisen der englischen Industrie die Unmöglichkeit der Erfüllung der an Deutschland gestellten Forderungen eingefehm habe und für deren Herabsetzung eintrete. Das ist aber nicht der Kernpunkt der Denkschrift. Ter Plan läuft vielmehr auf nichts anderes heraus, als den Deutschen zum Weltä rb ei ter zu machen! DaS Programm verbindet äußerst rassiuiert eigen- und weltwirtschaftliche Interessen mit hochpolitischen Zielen. Dieses Programm ist nichts anderes, als ein neue- Dokument für den wirtschaftlichen Eigennutz der Engländer. ES scheint ihnen darum zu tun zu fein, das typische britische, merkantilistische Wirtschafts­system jetzt unter allen Umständen und zwar auf dem Boden der deutschen Wirtschaft zu verankern. Würden die Vorschläge der englischen Industriellen in diese? Form tatsächlich durchgesuhrt werden, so wäre Deutsch­land der Arbeitssklave ocr ganzen Welt. De, deutsche Arbeiter, mag er nun körperlich oder geistiz tätig sein, märe nichts anderes, als ein Glied der englischen Weltivittschastsmaschine. Die beittfdj» Wirtschaft und die deutsche Industrie würden nur noch die Vorarbeit für die Produkte des Welt- Marktes unter Rationierung und Kontrolle aus- ländischer Rohstoffe leisten dürfen. Deutsche Arbeiis- kcäfte wären gerade gut genug,, um in aller Welt nicht nur eine Wiederaufbau-, sondern auch eine ganz auf englische Interessen Angeschnittene Erueuenmzs- arbeit zu leisten. Mit diesem Programm und seiner Ausführung würde allerdings England so gründlich wie nur möglich jegliche wirtschaftliche Konkurrenz­fähigkeit Deutschlands aus rotten. Die gefähr- lichste Bestimmung für die deutsche Jichustrie und die deutsche Arbeiterschaft ist die, daß die englischen In­dustriellen eine genaue Kontrolle über die deutsche Wirtschaft verlangen und sich bamit wie sie selber sagen „in den Stand setzen, einen beträchtlichen lEinsluß auf die Entwickelung und Leistung des deutschen Handels auszuüben". Tie englische Industrie will Deutschlaikd aus der Fertig- fabnkation vollständig au6 schalten und ihm nur noch gestatten, Rohstoffe und Halbfabrikate, die tim, von außen her, und zwar unter englischer Kontrolle ■ geliefert werden, nur so weit zu verarbeiten, daß die Fertigprodukte außerhalb Deutschlands, vor allem also in England, hergestellt iverdcn könnten. Die sämtlichen Zwischengcwiuue der weiter vcr- arbeitcnbni Industrie bis zu den Verfertigern des Fertig!abcikats würden also Deutschland entzogeik werden. AuS einem industrielle» Stammhaus würde die deutsche Wittschast nunmehr zu einer Zwischen- filiafe der Wellindustrie! Die hochwettigen deutschen Qualitätsprodukte, die der deutsche« Industrie den Weltruf verschosst habn^ würden ansgeschaltet. Kurz,. England hätte die deutsche Konkurrenz auf dem Weltmärkte erdrosselt. . #

Die Kohlennot.

Die Notwendigkeit vo« Ueberschichten.

Essen, 26. Nov. Unter der Ueberschrift „Äa, tasirophale Entwicklung der Kohlenlage" veröffent­licht die „Deutsche Bergwerkszeitung" einen Auf-, satz, in dem auf die Folgen hingewiefen wird, die. sich aus der außerordentlichen Verschärfung der Kohlanuot ergeben haben und sich noch ergeben müssen. Aus sämtlichen Industriezweigen häufen sich die Klagen übet Kohlenmangel. Die Zement- werke unb Papierfabriken werden in der nächsten Woche ihren Betrieb ganz oder teilweise stillegen müssen. Die Bestrebungen, eine Er­höhung der Eisenerzeugung herbeizuführen, schei­tern vollständig, weil die Hochofen keinen Koks er­halten. Die Verbündeten haben ihre Anforderun­gen an Koksbelieferungen erhöht und beanspruchen zudem in erster Linie die wertvollen Kokskohlen. Auf anderer Seite werden den deutschen Berg­arbeitern vom Reichsarbeitsminisier große Lohn­erhöhungen zugestanden, ohne daß daran die Be­dingung einer Mehrleistung geknüpft wurde. Das Blatt fordert vom Reichsarbeitsminisier die an»? vorzügliche Aufnahme von Verhandlungen zu, Herbeiführung von Ueberschichten. Diese leien ohne besondere Vergütung in Form der Wie­dereinführung des Achtstundentages zu regeln, zu­mal der deutsche Bergarbeiter schon heute hinsicht­lich der Entlohnung unverhältnismäßig besser gestellt ist, als die gesamten übrigen arbeitenden Volksschichten.

Zurück nutz Avignon. 9tad> icidrelanger französi­scher Gesangcntchajl sind In Mannheim wieder sieben deutsche Krtegsgciaugene au$ Avignon rtucrnwMA