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so. m 1921

Anzeiger für (Vas früher kurhessische) Oberhessen

M.271

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LW sei Stieeti.

** Berlin, 22. Nov. In manchen politischen Kr.-ist«. nicht nur Dentschlanos, ist Vie Mitteilung von der Reise, die Hugo Stinnes nach London angetreten hat,' mit großer Ueberraschung ausgenommen worden. Es ist merkwürdig, wie übereinstimmend d:e deutschen Links- radikalen und die Franzosen sich alsbaid beeilten, ihrem ungezügelten Haß und Mißtrauen Stinnes gegenüber ji:m Ausöruck zu bringen, als sie von dem Besuch in London erfuhren. Nichts ist auch bezeichnender für die Etimmung zwischen Frankreich und England, als die Ausnahme eines solchen Schrftkcs in Varis, wie man vorher in London den Verhandlungen zwischen Nathenau vnb Loucheur mit Argwohn gegenüberstand. Man könnte daraus den Schluß ziehen, daß es dem einen unangenehm K, ioeun der andere irgendwelche Fäden mir der industriel- ka Welt Deutschlands anknüpft, gleichgültig, ob das s Deutschland zum Vorteil oder Nachteil aiis>chlägt.

i i Es ist heute > kein Geheimnis mehr, daß die Reue i von Hugo Stinnes nach London ans Anregung - von England hin erfolgt ist, weil sich Lloyd George dmch eine direkte Aussprache mit dem überragendsten Äaiw des deutschen Wirtschaftslebens über das uuterrich- I ten iE was wirklich in Deutschland vorgeht, und was t» ciwaricn ist. Daß er von Stinnes die gewünschte Auskunft In vollster Deutlichkeit erhalten wird, kann für . Ken, der den Führer der deutschen Industrie, kennt, keinem. Zweifel unterliegen. Fraglich aber ist es, ob der v britische Premierminister ans dem, waS ihm Hugo Stinnes yt sagen hat, die erforderlichen Schlüsse ziehen wird. K-ic haben ^gar zu oft die Erfahrung gemacht, daß in Zeiiea der Spannung zwischen England und Frankreich, ramerttlich dann, wenn England bei Frankreich irgend etwas durchsetzen wollte. , die englische Regierung sich f besonders freundlich zu Deutschland zu stellen schien und tot Eindruck zu erioecken verstand, als werde sie für Teutjchland gegen Frankreich Partei ergreifen. Das hat A sidc-änal irr Deutschland weitgehende und überschwänglich:

? Hoffnung«! erweckt, die ebenso regelmäßig enttäuscht i werde« sind. Es wäre nicht unmöglich, daß Lloyd George : euch jcht wieder die Besprechungen mit Stinnes als eine Art Druckmittel benutzt, um Frankreich gc- s fügsher zu machen und daran zu cnnnern, daß England verschiedcue Pfeile in seinem politischen Köcher trägt. Immerhin darf man annehmen, daß aus Besprechungen bkn zwei Mannern wie Hugo Stinnes und Llohd George , hoch etwas mehr herauskommt als lediglich einige Züge auf dem politischen Schachbrett. Stinnes ist auch t fch>verlich der Mann, um sich nur als Werkzeug Llovd s GcorgeS mißbrauchen zu lassen. Wir werden also hoffen dürfe», daß manches erreicht werden wird, dessen Frucht sich vielleicht erst in einiger Zeit bemerkbar machen wird. Trotzdem wäre es falsch, auch diesmal wieder in ; das entgegengesetzte Extrem zu verfallen und zu glauben, f daß nuuniehr alles glatt gehen müsse.

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Sriaei 86er dirdrWe AW".

Dasgerüstete" Deutschland.

Aus der Rede Briands zur Brrleidigung der Hccccs- rüstunZ Frankreichs geben,-wir noch folgende Stellen über die angeblich von Deu'fchlüAd drohende Gefahr lriedcr:

Briand erklärte: Man dürfe den Wert des deutschen 6oioatrn nicht unterschätzen. Die französisch.'!^ Sol- taten wüßten, mit welchem Heldenmut liefe 6sfc»ten fähig seien, zu kämpfen. Biele Mlliouea, die aus dem Kriege hervpcgegangen seien, seien vor­handen. Sie ^eicn zwar nicht in Regimenter ein- Dktcilt, aber es sei möglich, sie morgen zu mobilisieren.

Kaders bezeichnete Briand die deutschen Polizei- lrhft« und die Reichswehr. Die Reichswehr bestehe « 1OOOOO Mann, aber aus solchen Männern, die säst alle als Unteroffiziere und -Offizier: in der alten ri-iee standen. Diese Armee beschäftig: sich, wie der Fri.eeusvertrag sie verpflichte, einzig und allein mit den Funktionen der Polizei? In den geheimen In- Attckuvnen des Kriegsministeriums werde die Ans- tstö -ug für daZ Heer vorausgesetzt. Aber noch mehr: kci: -ecm 5kriege habe Deutschland Einwobncr-

w c f. l n in einer solchen Zahl und mit einer solchen ;ke- jiiKs.g ii!-:crhalten, daß es des Ulstmatnms von k »! bedurft habe, nm sie aufzulösen. Der bayrische D.Ü. sterpräsident habe jüngst sagen können, daß er »ine Armee von 300000 Mann zur Verfügung habe, die mit ausreichendem Kriegsmaterial versehen sei. Atkerdings seien diese Wehren jetzt aufgelöst.

Briand sprach dann von der Sicherheits- peiizci, die aus 150000 Mann bestehe, fast aus- sÄießlich zusommeng'setzt ans Berufsoffizieren. Man hebe ihre Auslösung verlangt, aber sofort sei mit denselben Kadres die S ch u tz p o l i z e i gebildet worden. .Dru.schland habe also insgesamt 250 000 Mann zur .Verfügung. Deutschland könne also jeden Tag (ken ierieft aufs neue beginnen. Avrr noch .wehrt Diese sieben Millionen Mann, die ins Zivil- De«_zurü«kL?kckrt seien, seien in Organisationen oder . tiger Kriegsteilnehmer zusamuiengefaßt, sich bei jeder Gelegenheit zu Festen und Jahres- kagcn vensammelten. Tie Franzosen wüßten das alles, die yberschtesische Angelegenheit einen bedrohlichen iharakter angenommen habe, habe sich in wenigen

3er MskMr üier hie AWaiilWgssordeMg

ikgieraag aal Müslilm.

Dir Enttäuschten.

Berlin, 22. Nov. Im Stk-ieraussch- des Reichs- taaes berichtete heute vor Reichskanzler über die Ent- tchädigungSsrage und führte aus:

Die Reparationskommisswn kam ausschließlich nach Berlin, um die Sicherheiten für die Goldzahlunaen vom, Januar und Februar festzustelleil. Alle d-ejenigen, dazu zählen auch to t r, die meinten, daß das große Problem der Reparation, welches das Weltw'rtschaftsproblem ist, erörtert werden müßte, sind enttäuscht.. Auch über ein Moratorium zu verhandeln, lehnte die Repara- tionskommission ab und zwar auch über die Frage eines bedingten Moratoriums, wenn die Januar-- und Februar- »ahlimgen geleistet wären- lieber alle diese großen Fragen wurde nicht verhandelt. Die Reparationskommisswn »erfolgte mit außerordentlicher Austnerkfamkeit die Krrdit- aktion der deutschen Industrie. Sie wünschte wiederholt Definitives darüber zu erfahren. Di-' Erklärung, .daß eine positive Aenßerung noch nicht gegeben werden könnte, wirkte auf die RrparalionSkommissivn enttäuschend- Der Reichskanzler wies auf die überaus große Tragweite hin, welche bei Entschädigungsausschuß der Aktion der deut­schen Industrie beilege. Ec erwähnte die von der In­dustrie gestellten Bedingungen, wozu die Regie- rnug in rvcnrge» Tagen Stellung ?u nehmen gedenke. $5 sei unmöglich, die Vcdiilgungen mit der Bemerkung ab- zutun, sie seien politische Unmöglichkeiten. Die Regie­rung werde positive Maßnahmen mitteiien, an: liebsten in einer Vollsitzung dis Reichstages. Die Regierung habe auch sie Kreditaktion nach zwei Seiten gefördert;- nämlich durch ihre Bernt-viltigkeil' gewisse Bürgschaft;« zu übernehmen nuo durch die Sondierung de? Geld markte-' bezüglich eines langfristigen Kredites. Diese Schritte seien noch nicht abgeschlossen. Die Kreditaktion werde, durch die Vetouung nud die Vertiefung der Bedingungen, die die »Industrie stellte, nicht erleichtert. Tie Regie­rung stelle das Positive, nämlich das EntschädigungS- vroblcm, in den Lsrdergrund. Die Kreditfrage fei ver­knüpft mit dem Ausgange der Washingtoner Kon- fercnz. Es handle sich darum, daß die freien Gelder auf dem Weltmärkte nicht tu den großen Abgrund deS Wettrüstens hineiurutschten. Weiter crklärie der Reichskanzler, daß er der Kreditaktion auf lange sicht mit gewisser Zuversicht enigegenfehe. Falls in Washing­ton eine Klärung möglich sei, sei die Regierung bereit, auch einen Mittelweg zu gehen zwischen langfristigen v>'. kurzfristigen Krediten. In Frage komme, daß die In­dustrie vielleicht unter gleichzeitiger Förderung dcr Ärtbii- aktion auf lange Sicht einen Vorschuß erhalten könne, der zur Abdeckung der Januar- uns Februarverpslich- tungen herangrzogen werden könnte. Der Rcichskanzter rechtfertigte es, daß die Regierung in der Vergangenheit einen kurzfristigen Kredit von 270 Millionen ausgenom­men habe. Gerade diese Aktion habe die Erkenntnis der weltwirtschastlichen Folgen vertieft. Für die Zu­kunft sei dieser Weg der kurzfristigen Kredite nach der eingetreteneru-großen Katastrophe für die deutsche Mark fetzt nicht mehr möglich. Wenn wir Kredit zur Zahlung der Januar- und Februarrate, falls sie in Gold gezahlt tverben müßte, mit einer Rückzahlungsfrist von nur zwei bis drei Monaten aufnehmen müßten, wäre das für unsere Wärung absolut ryrinös. Tie Erkenntnis, daß ein. solcher Kredit nichts bedeute, sondern im Gegenteil nur Ruin schasse, sei auch Sei dem Entschädigungsausschuß vorherrschend- Der Reichskanzler erklärte, er sehe bett Entscheidungen und Besprechungen mit großer Spannung entgegen, und er wolle die Kreditaktton mit der Industrie gemeinschaftlich führen. Er sei nicht in der Lage, das Problem dcr Krcditaktiou mit den übrigen der In­dustrie gestellten Fragen in Verbindung zu bringen. Tie Reichsregierung werde ihren Weg gehen, auch wenn die Industrie nicht folgen tollte. Tie Regierung nehme aber au, daß die Industrie neben ihr marschieren werde auf dem Wege zu einem Kredit, wenn auch nicht auf lange Sicht, so doch zu solchen Bedingungen, die nach mäa

menschlicher Voraussicht eine ökonomische Grundlage haben. Die Negierung weiche damit die Politik fortsetzen, die sie bisher betrieb.

Dr. Hertz kam auf die Londoner Reis: von Stinnes zu sprechen, die er ein sehr gefährliches Beginnen nannte, denn Stinnes sei der Brater der die Kreditaktion erschweren­den Bedingungen, und er habe die Kreditaktion dadurch vereitelt. Dr. Spahn glaubt nicht, daß unsere Schwie­rigkeiten so groß wären, daß wir schon jetzt unsere Lei- stungsunfähigkeit erklären müßten. Ter Reichskanzlei warnte davor, die Katastrophe von heute auf moraeu attzukündigen. In allen Privatgesprächen mit Mit- gliod-rn des EnstchädigungSausschusseS sei die Ansicht von dcr Prosperität dcr deutschen Wirtschaft und der deutschen Industrie zu Tage getreten. Ein Mitglied erklärte, es müsse für die deutsche Industrie ein Leichtes feilt, durch ihre Guthaben int Auslände den fraglichen Betrag von 500G00 Millionen Mark sofort zu ent­richten. Der Kanzler totcS-dLnrgsgeuüber auf die.Schwie­rigkeiten hin, diese Guthaben festzustellen. Er habe an­geregt, daß die Industrie ourch eine freiwillige Tat ihren Kredit zur VersüguuL stellt. Nur ein sol­ches deutlich sichtbares Opfer könne nach seiner Aus- fafsuuz auch zur Beruhigung der iuu-rpolitischen Lage beitragen. Dir Reise Stim-.cs' pach London sei die Reise einer Privatperson,' aus die die Reichsregierung natürlich keinen Einfluß habe.

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DieTägliche Rundschau" erklärt zu beit Ausführun­gen deS Reichskanzlers:Herr Dr. Joseph Wirth hat wieder einmal eine B a n k-e t o t te r kl ä r u n g von sich, gegeben, eine so große BankcrotlerkkäriMg, daß man selbst bei istrn rinisenis erstatt-»! ist, Es gibt nur rin Land, in dem rin solcher Mann hi; znm nächsten Morgen weiter» ioirtschasttu darf- Herr Joseph Wirth lebt in diesem Lande." i

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Die Eewerkschastsforderungen.

Berlin, 22. Nov. Der Reichskanzler empfing heute die Vertreter des Allgemeinen denischien Gcwerk- fchaftshuudes und des Allgemeine-! freien Augesiclltcn» vetbandes, welche die durch die Prisse bereits bekannt- gcgkbene Forderung zur Behebung d:r Finanznot des Reiches überreichten. Die Berireter der genannten Verbünd: crläuierten ihre Forderungen eingehend. Tic Stellungnahme der Rcichsvegierung wird in einer noch fest,zu sitzenden Sitzung belanntgegek eu werden.

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Ein Betriebsrätekonareß?

Rur eint große SiaatSumtvSlzung".

Berlin,. 23. Nov. Die in Berftn anwesendevV Arb«terdclegation?n, die bei dem Rcichsiustizminist^r Rad- bntch 4oeg-n der Freilassung der polctifchen Gcfaugeuc.i vorstellig geworden sind, haben sich nach derRoten Fahne" als provisorische Körperschaft konstituiert, um die gesamte btutirfa- Arbeiterschaft t-.imKampfe gegen das herrschende polftische System" auszurufen. Die Kon­ferenz beschloß, mit den sozialvcmokratikchen Parteien und dem Allgemeinen deutschen Getverkschastsbiind in Verbindung zu treten. Ferner sollen die Berliner Be­triebsräte zu einer Konferenz zusatnim nb.-rusen werden, in der von der Dcleaalion bcatttragi werden soll, einen allgem"'nen deutschen Bct riebsräte ko n groß ober einer. Kongreß von BctriebSvertretungen ans dem ganzen Reiche und sämtlicher Arbeitervartefen und Gewerkschaf­ten in kürzester Frist nach Berlin einzuberufen.

Tie fünf von den Kommunisten einbcrufeycn Veran­staltungen in Beriin, die sich mit den Berliner Plünde> enngsrevolten beschäftigten, verliefen ruhig. In den Versammlungen wurden die kleinen Teilaktionen der Ar- beiterschast verurteilt. Nur eine große Staats- Umwälzung könne zum Ziele führen.

Tagen ein FreiwilligenkorpS von 40000 Mann mit Gewehren, Maschinengewehren, Kanonen und Panzer- zügen gebildet. Das sei eine nachgeprüfte Tatsache. Nun sage man, so liege die Gefahr nicht, denn Deutsch­land habe kein M aterial mehr. Gewiß, die Kontrollkommission habe vieles getan. Man habe aber während des Krieges gesehen, in welcher iGeschwin- digkcit ungeheuere Heer? gebildet und mit Material ausgerüstetwordeu seien. Deutschland habe eine große Industrie, und seine Industrie habe während des Krieges voll gearbeitet und sich seitdem noch ent­wickelt. In Deutschland sei noch alles vorhanden, um Kanonen, Maschinengewehre und Gewehre zu sabri- -ieren. Während einer gespannten diplomatischen Lage, die man nach Wunsch um einige Wochen ver­längern könnte, könnten alle diese Fabriken sich wieder in Stand setzen und Knegsmalerial Herstellen. Man könne auch Kriegsmaterial im Auslände kaufe!!. Ein Schiff könne man nicht ohne Kenntnis der Wett auf einer Werst Herstellen, aber Flinten, Mitrailleuffu und Kanonen über ganz Deutschland verieileu. Wer könne das kontrollieren?

Schließlich überwies die Konferenz die Frag, der Bewassnung zu Laude dein Ausschuß der Delegierten der fünf Großmächte, die schon mit der Frage der Secabrüstuug beschäftigt ist. >

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w' Englische Urteile.

London, 22. Nov. .Tailv Herald" bezeichnet die Rede Briands al? eine kalte Dusche für die Konferenz und schreibt, wenn Briand erklärte, daß das sranzöstsche Volk keinen Haß gegen das deutsche hege, weshalb verfolge dann die französische Regierung eine Politik, die da-s deutsche Volk mit Hunger und Sklaverei bcdrobt? ImTkaiiy Expreß" beißt cs, Briands Rede habe zweifellos Enttäuschung erzeugt- Sie biete wenig Ermutigung für die Leute, die gehofft hätten, das; sich Fraukreicb vorbehaltlos und praktisch auf die Seite der Idealisten stellen lverde. Wells kabelt der »Daily Mail" über seinen Eindruck bei dcr Rede Briands, Frankreich lerne nichts und vergesse nichts; das fei Frankreichs größtes Unglück. Es vlcibc die nackte Tatsache bestehen, daß Frankreich angesichts einer abgcrüsicten Welt ein gro­ßes Heer bctbctzcllic und daß cs sich, energisch aus ein neues kriegerisches Unternehmen in Europa vorbeccite. _ Um dies zu cutfckuldigen, habe

Briand eine mürchenhaste Darstellung übet Deutschlands Vorbereitungen für eine Erneuerung bei Feindseligkeiten gegebn. ,

Die Rüstungen derKleinen Entente".

Newhork, 22. Nov. Ein Funkspruch der Affo? ctated Preß meldet aus Washington: Dcr italienisch« Delegierte Schanzcr sagte auf der Konlernz: Die wei­tere Herabsetzung der italienischen Armee auf 175 00» Mann und 35 000 Mann farbiger Truppen ist bereit? geplant, obwohl wir schon die Rüstungen im größt­möglichsten Umfange herabsctztcn. Wir halten cs zur völligen Lösung des europäischen Rüstungsproblcms für notwendig, die Rüstungen dcr als Folgen Le? Krieges geschaffenen oder um gebildete» Länder ins Auge zu fassen. Das .ist ein ernste- und dringendes Problem, das feine Lösung in nicht zu ferner Zelt erfordert.

Die Flottcnfcage.

Newhork, 22. Nov. Wie dieNew Jork Times* aus Washington meldet, stellte Briand das Ersuche» an den BewafsnunoSansschuß, Frankreich zu gestatten, den Tonncngcbalt feiner Motte auf dieselbe Höhe zu setzen, tote den dcr Japaner. Eine solche franzö­sische Moitcnstärte überraschte einigeraßen.

Nciv Uork World" wird aus Washington ge­meldet, Japan habe zu verstehen gegeben, daß cs u i e- m a l s darin c'nwilligen werde, sich mit den von Eng­land und Amerika ilmi zugestandencu CO Prozent der Hauptgruppen von Schissen zu begnügen. Es habe ge­meint, es müsse 70 Prozent haben. ES denke, daß ihm sogar 75 Prozent zukommen müßten.

Der Ersah für daS englisch-japanische Bündnis.

London. 22. Nov. Der Sonderbericbterstaller deSDaily Expreß" auf der Wahtngtoncr Konferenz will wissen, das; die Frage einer englisch-ameri­kanischen Vcrstöndigung zum gemeinsamen Schutz Australiens, Nenseclauds, Kanadas und Chinas im Anstansch der Preisgabe des englisch japanischen Bündnisses in Washington viel erörtert werde als der einzige Wcg, durch den dcr Friede int Stillen Ozean gewährleistet socrdcn könne.

Für die Jtttegriliit China-?.

London, 22. Nov. Reuter meldet aus Washing­ton, daß der Ausschuß für die Fragen des Stille» Ozeans und des fernen OstenS ciusiimmig eine Eni- schllestuna eingenommen habe, die sich für die tcrriio- riale und administrative Integrität Chinas ausspricht.

Der Papst fibrr die Washingtoner Konferenz. '

Rom, 22. Nov. Nach einer Stesanimeldung hielt der Papst tm heutigen Konsistorium eine Ansprache, kvorin er sagte; Er bedauere fcstsiellen zu müssen, daß dcr FriednSvertraa n i ch t von dem Geiste des Fric- dcits erfüllt sei und daß fast alle Nationen, besonders dlc europäischen, sich noch immer in so schwere» Kämpfen zerfleischten, das; man täglich mehr- empfinde, wle notwendig die Hilfe Gottes sek. Schließlich kam dcr Papst anl dic Einschränkung der Rüstungen zu sprechen. Er hege den innigen Wunsch, daß die Ar­beiten dcr Washingtoner Konserenz erfolgreich sein möckucn. Er fordere aber alle auf, Gott zu bitten, ihnen Beistand zu leisten, damit die Völler von der fast nnerlräglichen Last befreit würden und daß beson­ders die Gefahr neuer Kriege immer weiter entfernt werde

ZMkM in Zer teiÄH Kammer.

Anklage gegen die Regierung.

Pari?, 22. Nov. In der hcntigen Kammersitz- tt'.tg brachten die Kommunisten Interpellationen eilt, die ans die sofortige Freilassung zweier in Paris ge« wählten Munizipalrälc Bezug haben. Der stellver« treicndc Minister Brcunevah verlaugle, daß die Be­ratung dieser Jnterycllalionen stattfindcn solle, wen« dlc vorliegende Tagesordnung erledigt sei. Dagegen sprach Cackiin, nach ihm Bertbou, der die Behauvtung ausstcllt. dcr Präsident der Republik und die Regie­rung hätten einen illegalen Krieg gegen Rußland ge- fitiirf. Der Kammerpräsident verlangt, daß der Abg. Bcrtvou diele für die Mitglieder der Regierung be- lcidigcnden Worte zuiückziehe. Der Abgeordnete wei­gert sich; int Gegenteil er verstärkt seine Anklage. ES ivird deshalb ans Antrag des Kammervräsidcnlen die Zensur über ihn verhängt. In diesem Augenblick stimmen die Sozialisten die Internationale an. 400 Abgeordnete der büracrkichcn Parteien die Mar­seillaise, sodaß der Präsident gezwungen ist, die Sitzung ausznheben.

Die farbigen Truppen.

Pari?, °2. Nov. Pendle verlangt von der Re­gierung Auskunft über die ihm von vertrauenswürdi­ger Quelle suGegangene Nachricht, der zufolge das Kricgsministcrium zurzeit im Geheimen die Aus­stellung einer großen Armee farbiger Truppen vorbe­reite. die fast vollständig in Frankreich untergebracht werden solle.

Dazu bemerkt die HavaSagentur, in dieser Ange- legcnhcii gebe es kein Gehkimnis. Der Gesetzentwurf über den Ersatz der Armee besagt tatsächlich, daß bte Einschränkung der Dienstzeit mir möglich fei, wen« einerseits die Verminderung der Bestände ausge­glichen werde durch die Einstellung einer genügende« Zahl von Männern, die über die gesetzliche Zeit hinaus dienen und andererseits durch die Einstellung von schwarzen Truppen. Es Habe sich schon jetzt aI8 notwendig Herausgestcllt, mit der Organisation dieser Eingeborenentruppen zu beginnen, indem die IW Frankreich befindlichen Bestände vermehrt wurden.

Die Genfer Besprechungc». Die Vertreter bet Reichsregierung für die deutsch-polnischen Verhand­lungen sind in Gens eingetroffen. Die erste Be­sprechung der deutschen und polnischen Delegierte« findet hcittc unter dem Vorsitz CalonderS. im Völtt» bundpalast siair.-------- -----