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Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

Di« ^L>b«rhe!fiich« Zettun- erscheint sechsmal wöchentlich. Ke,u,rvreir »»aatlich 6 Mk durch die Post 6.15 Mk. Für ausfallende Nummern infolge Streik» ooer elementarer Treigniss« kein Ersatz. Verlag von Dr. C. Hitzer»tb. Druck der rlniv.»Buchdruckerei von Job. Ang. Koch, Markt 2128 Fernsprecher 5% Post» fcheckkonto: Nr. 5015 Amt Franks»nt a. Mai».

Marburg

Stotog, 6m 22. tomtet

Rebel««.

Der Anzeigenpreis deträgt für die 9 geso. Colonel,eil« oder deren Raum 1. Mk. amtliche und auswärtige 1.30 Mk. Andere Spaltenbreiten nach entsprechender Berechnung. Spät einlausende oder den Raum über Seit« einnehmende An­zeigen sind wir berechtigt, nach der Textspaltenbreite zu setzen und zu berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir die Zeile mit 4 Mk. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Sei Auskunft durch die Geschäftsstelle und Vermittlung der Ange­bot« 75 Psg. Sondergebühr.

513M 1921

Sie MWMn Konsmliz.

Eine@ro6=entcnte.

Warts, 21. Nov. Nach einer Havasmeldung aus Kofhtngton macht sich in französischen Kreisen in Be- M ewf den fernen Osten der Gedanke geltend, daß dir ttewietetti ihren Abschluß durch die Bildung einer Art ^otz-Ent«nte" finden sollte. Diese Entente miisie (fit beteiligten Mächte umschließen, die sich verpflich- ttK würden, gemeinsam die auf der Washingtoner Aovferen, nicht behandelten oder später auftauchenden gteaw Lu lösen.

6 5:5:3.

Parts, 21. Nov. Nach einer Havasmeldung aus WsHhtngton wird aus amerikanischer Quelle bekannt, dich England im Anschluß an die Unterredung Hughes' nüt Balfour und Kmo das Verhältnis von 5 zu 5 zu 3 brS HngtzeSschen Planes für die Flotten der drei M»der annahm. Diese Annahme sei allerdings nur Mndfählicher Art; denn die englische Abordnung WWtMx die vorgeschlagene Abänderung der Annahme (B Bezug auf die U-Boote und den Floltenbau RRchMfetzen.

Die Flotten Frankreichs und Italiens.

B « b o tt, 21. Nov.Daily Expreß' berichtet auS NnMngton, die Floticngrcnze für Frankreich und gyrfittt für Grosikampfschlfse werde wahrscheinlich auf £ 283 000 Tonnen festgesetzt. Die Zustimmung Jta-, ItgiS dazu lxi sicher, die Frankreichs wahrscheinlich.

BriandS Rede.

' Paris, 21..Nov. Ter Sonderberichterstatter ^ber AgMtne LavaS nreldet aus Washington: In der gestrigen L»ies»ng der Konferenz berichtete Staatssekretär !öugfr$ #tc iüe Arbeiten der Konferenz und über die Fortschritte die feit der letzten Sitzung in der Frage der Entwaffnung Mr See und in der Fraar d-S fernen Ostens erzielt Mkd« feien. Hughes ging dann zu der Frage der Wt'Masf»ung zu Lande über und erklärte, für die Ber- rmipten Staaten werde diese Frage nicht gestellt werden, bam sie hätten, nachdem sic bei Abschluß de? Krieges 3838000 Mann den Waffen gehalten hätten, zur HeL wtr 160000 Mann reguläre Streiikrmte. Tie swvTwcten Staaten legten sich aber Rechenschaft, von den Schwierigkeiten und de» 5uüi|f i'n anderer Länder ab und ^irrr bereit, sich vor- jeder Rücksicht auf die nationale Sichmcheit zu beugen. Darauf ergriff Briand das gg#gt Nachdem er seinen Kollegen gedankt hatte, daß 9t be* Vertreter Frankreichs gestatten, die Lage seines LuidcS vor ihren Augen und vor den Augen der ganzen WM in ihrer wirklichen Gestalt zu schildern, erklärte er, Frankreich sei mehr als jedes andere Land geneigt, der WeL den endgiltigen Frieden zu sichern. Er wäre erfreut wen» er sagen könnte: Wir finden unsere Sicherheit in im? selbst. Wir legen die Waffen nieder, und wir sind glitMch, durch diese Tat zur Wiederherstellung des end- giitigen Friedens beitragen zu können. UnMcklicher- jerise können wir daS aber nicht, fuhr Briand fort. Un- zkickkicherweise haben wir dazu n'cht d-rs Recht. Ich werde sie augenblickliche Lage Frankreichs erläutern. Um Frie­ren ;» schließen, Muß man zu zweien sein. Man muss Le Nachbarn betrachten. ES genügt nicht, daß man das Kriegsmaterial vermindert: denn es gibt eine andere Rücksicht, die man nicht vernachlässigen darf und die für den Fricke» vital ist. Es ist notwendig, daß im Lande eine Atmosphäre des Friedens herrscht. Die Entwaffnung Wirb nicht nur materiell, sondern auch moralisch erfolgen. Es bestehen noch Verhältnisse, die Frankreich verpflichten, fie im Interesse seiner Sicherheit in Betracht zu ziehen.

Was l-eifttChina"?

Paris, 21. Rov. Philippe Millet kabelt dem »Petit Parisien", eS sei notwendig, festzustellen, datz die Kommission über den Fernen Osten ihre Arbeiten Nicht voranbringen könne. Die ganze chinesische Frage sei an einer Hauwfrage fe st gefahren. Es handle sich darum, zu wissen, wenn man von der terri- tm taten Integrität Chinas spreche, ob man darunter die 18 Provinzen, die das eigentliche China darstellten, verstehe, oder auch die Mandschurei, Mongolei und Tibet. Im ersteren Falle wäre leicht ein Abkommen zu et$telen, im zweiten dagegen würde sich Japan in feine« vitalen Jnlereffen, die es in der Mandschurei ui* Mongolei besitze, bedroht fühlen. Die Frage der Abrüstung zur See werde heikel bleiben, wenn in der chinesischen Fragil ein ernstes Mißverständnis bestehen bleibe« würde.

3er WM men dir 3|it*ttWL

Wachsende Erfolge gegen die Bolschewisten.

Kopenhagen, 21. Nov. Wie derBerllngske tibende" aus Helsingsors telegraphiert wird, hat brr dortige ukrainische Vertreter die Mitteilung erhalten, datz die Erhckimg in der Ukraine gegen die Bolsche­wisten große Fortschritte macht. Die Bolschewisten 6ötten die ganze Dnjestr-Linie räumen müssen. Jin Gouvernement Tschernigow sei ein Aufruhr auS- gri»rochen, durch beit die Rückzugs lr nie der Bol- ßhetsisten von Kiew bedroht werde.Berlingske Tidende" meldet weiter, daß auch die Erhebung der Bevölkerung in Karelien an Umfang zunehme. Die Karelier hätten sich in den Besitz der Stadt Kem gesetzt, wo die Bevölkerung sich fast einstimmig ihnen augeschlossen habe. In Olonetz sei ein Aufruhr aus- geboochen. Die bolschewistische Sirafexpcdition, die die Ordnung wieder Herstellen sollte, fei überrumpelt und bis auf den letzten Mann niedergemacht worden. Die Ets-rckahnbrück« über den Fluß Swir sei in die Lust ^wengt worden, sodaß die Verbindung mit Peters- bur^unterbrochen sei. . .i».

Der Wlg des EkiUiid'iMWS-MHEes.

mit dem Entwurf des Gesetzes betreffend die ArbeltS zeit gewerblicher Arbeiter, der als Norm die achmnd- vierzigstündige Arbeitswoche festlcgt. Die Arbeitgeber lehnten die gesetzliche Festlegung deS achtstündigen Arbeitstages ab. Die Arbeitnehmer stimmten mkt dez.

allem mehr dienen als dem inneren

Berfaffer will, gebt schon daraus hervor, dem Tage der Ermordung Erzbergers diese Tat einen politischen Meuchelmord

Wie derTempS" mitteilt, ist der französische Vor« sitzende deS Entschadigungsausschusses Louis Dubois, heute von dem Präsidenten Millcrand und dem zeit­weiligen Ministerpräsidenten Bennevah empfangen worden. Er wirb ihnen das Ergebnis der Mission in Berlin auseinandersetzen. DerTemps" glaubt be­haupten zu können, daß nach gewissen Nachrichten die Mitglieder darüber einig gewesen seien, von Deutsch­land die Regelung bet nächstfälligen beiden Zahlungen am 15. Januar und 15. Februar in vollem Umfange und zum festgesetzten Tag zu verlangen. ES sei jede Er­örterung mit der deutschen Negierung hierüber ebenso wie über die Möglichkeit einer Revision des Zahlungs- statuts nach Ablauf der beiden Fälligkeitstage abge- lehnt worden.

Arbeitgebern in der Ansicht überein, datz auf die wirt» schafttichen Notwendigkeiten weitgehende Rücksicht ge­nommen werden müsse. Der Achtstundentag sei aber keine Schädigung der Wlrlschaft. Von der Negierung wurde ein Gesetzentwurf für die AngesteUlest baldigste Aussicht gestellt.

puppe« und Frieden.

Was der datz er mit zeichnet und

Helsingsors, 21. Nov. Die hiesigen Vertreter Kareliens haben erfahren, daß von russischer Seite nicht einmal ein ernster Versuch gemacht worden sei, den Vormarsch der Karelier entgegenzntreten. Die Bol­schewisten seien vollständig geschlagen.

Besuch General RackletS in bett Deutsche» Werken.

Berlin, 21. Nov. Um 9 Uhr vormittags erschien General Rollet In Begleitung seines Stabes in den Deutschen Werken, um sich persönlich zu orientieren. Die Vorstände beider Werke im Verein mit dem Ver­treter des Zeniraibetrtebsrats gaben Rollet und kei­nem Gefolge Gelegenheit, sich davon zu überzeugen, datz die von den Deutschen Werken erhobenen Be­schwerden in allen Teilen voll berechtigt sind. Rollet erklärte, datz er irgendeine Entscheidung nicht treffen könnte, und datz hierzu allein der Botschaster- rat ermächtigt fei.

In der Angelegenheit der Deutschen Werke werden nachmittags drei der deutschen Sachverständigen von dem Interalliierten MiUtärkomiiee in Parts empfangen. Den Vorsitz führt in Vertretung des Marschalls Fach General W e v g a n d.

Aus dem besetzten Kebiet.

Die gefährliche« RcgtmentSvereine.

Koblenz, 21. Nov. Der Reichskommissar für daS beschte rheinische Gebiet teilt mit: Die Inter- alliierte Rbeinlanbkommiss!on hat beschlossen, im be­setzten Gebiet die sogenannten Regiments- vereinezuverbieten, weil sie die S i ch e r h e i t gefährden und ocknet ihre Auflösung an. Wer an einer Versammlung eine? solchen aufgelösten Vereins teilnimmt ober zur Fortführung seiner Tätigkeit bei­trägt, kann zu einer Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr ober mit einer Geldstrafe bis zu 10900 Mark bestraf: werden.

abzielende« Bestrebungen mit größter Energie ent­gegentreten.

Auch die preußische Regierung hat sich, wie das B. T." au? parlamentarischen Kreisen ^hort, mit den Vorgängen der letzten Tage an? Anlaß bet gegen« tt artigen Teuerung beschäst'gt. Innerhalb des vrenßi- chen Kabinetts sieht man feint unmittelbare Gefahr in diesen Vorgängen und keinen Grund zu Besorg­nissen. Man erwäge Maßnahmen, di« nötigenfalls getroffen werden sollen, um die öffentliche Ordnung ausrechtzuerh alten.

Verbot von Umzüge«.

Berlin. 22. Nov. Wie daS .B. T." bört, ist aus Anlatz der Plünderungen t» Berlin vom,Polizei­präsidenten ein Verbot von Umzügen erlassen worden.

FMtzM dkk MMmm in AM.

Berlin, 21. Nov. Heute Vormittag versammel­ten sich mehrere Hundert Arbeitslose in der Rosen- tfialer Straß- vor dem Warenhaus Wertheim, s"daß sich die Geschäftsleitung veranlaßt sah, dir Türen tu schließen und die Läden herunter zu lassen.' Tie Demonstranten zogen daraus weiter und hielten in den Sopbiensälen Versammlungen ab. Nachmittags zog ein Tri'pp vom Alexander vlatz durch die Königstroße. Er zertrümmerte die Schaufenster der Konditorei Gum- pert, riß die Auslagen ans dein Schaufenster und lief dann davon. Auch die Schaufensterauslaaen eines in demselben Hanse befindlichen Herrrnartile'geschisstes wurden geraubt. Ein Täter konnte festgenommen werden. Die Menge zog dann nach der Gertraudten- straße und plünderte dort ein Herrengarderobegefchä't Eine Anzahl der Plünderer kleidete sich in diesem Geschäft neu ein. Die Polizei konnte etwa 40 Plün­derer, gegen b:e das Publikum eine drohende Haltung einnahm, fest nehm en. D e Festg-nommenen wur­den in einem Polizeiauto zum Polizeipräsidium ge- bracht. Die Plünderer hatten bereits vorher in der Rosenstraße mehrere Läden ausgcräumt. Die Menge bestand durchweg an? jüngeren Leuten. Die Fest- genommenen sind meist wohnungs- und arbeitslos.

Sie HO MsMN-FMkW.

Paris, 21. Nov. Der Berliner Berichterstatter desPetit Parisien" weiß über die Ergebnisse der Reise des EntschädignngSauSschusseS nach Bersin zu melden:

Von Anfang an stimmte der Ausschuß darin über» eim von Deutschland als nächste Zahlung am 15. Januar 500 Missionen Goldmark und am 15. Februar 100 Millionen Goldmark zu fordern. Diese lieber ein» kimmuna ist um so bedeutungsvoller, als der Ausschuß in dem Augenblick in Berlin ankam, wo die inner« wlitische Lage Deutschlands sehr krisisch war und sich infolgedessen Meinungsverfchickenheiten in der Be urteilitng seiner tatsächlichen Finanzlage hätte ergeben fönren. In seinen Besprechungen mit dem Reichs­kanzler und dem Staatssekretär hat der Ausschuß b!e Veri'andlungm zwischen der deutschen Regiening und V. Großindustrie wicker aufleben lassen, die auf einem toten Prsukt angelangt waren. Wenn auch das Schreiben Wirths gewisse Vorbehalte macht, so ist man doch überzeugt, daß der Kanzler unverzüglich die notwendigen Krckitrnaßnahmen prüfen wird, um den 'Zahlungsterminen gerecht zu werd-n. In dieser Hinsicht ist zu bemerken, daß eine kurzfristige Anleihe zum Zwecke der Zahlung von 000 Millionen Goldmark für Januar und Februar wahrscheinlich bei der inter­alliierten Finanzwelt eine günstige Aufnahme finden wirb, uinb zwar zu weniger kostspieligen Bedingungen als eine langfristige Anleihe. >

Berlin, 21. Nov. Nach einer Meldnng des ,Lokalanz." plünderten in den gestrigen Abendstunden junge Burschen ein Schuhwarengeschäft gegenüber dem Neuköllner RathauS. Sie zerschlugen di: beiden großen Schmifensterschriben und raubten die ausgestellten Schuhe.

Wie die Blätter mtttetftn, ereigneten sich die gest­rigen Plünderungen im Anschluß an eine Erwerbs-' losenversarnmlung. Wie die polizeilichen Feststellun­gen ergaben, sind die Plünderungen von Lntten ver­anlaßt worben, die seit langem im Gegensatz zur orga­nisierten Arbeiterschaft stehen. Es handelt sich tun die gleichen Personen, btt vor einigen Wochen die Arbeits­losen zu gewaltsamem Vorgehen gegen die städtischen Arbeitsnachweise ausgehetzt haben. Der Hmivtbetei- l'gte, bet ehemalige Steinmetz Fichttnann, ist bereits vor einigen Tagen fefigenommen morbeit und wirb dem Gericht wegen Landfriedensbruchs vorgeführt werden. Die Feststellungen nach den weiteren Drahtziehern der PlündemngZaktion sind im Gange.

Aus den Ausschüssen.'

Der Hanpiansschuh des preußischen Landtages verhan­delte am Freitag über höhere Lehranstalten für die männlich« Jugend. Der Berichlerstakter Abg. Oelze lDeutschn.) trat für einen Ersatz der Abiturientenprüsimg durch eine Ausnahmevrüsuna auf der Universität ein. f?kt den ©titbienafiefforen sei es emv'ehlenswert, für Städte und Staat eine gemetnfimt Liste nach dem Be­dürfnis des Unterricht? mifznstellen. Z« verlangen sei eine gerechte Regelung der Pflichtstunden und die Gleich­stellung ter seminaristischen ©inbienbirffteren uit; Sfubienräte mit den akademischen. Abz. Dr. Gvtt- schalk (Dem.) forderte freiere Gestaltung des Unter­richts auf der Obersiuse sowie neue Lehrpläne und neue Ticnstanweikungen. Abg. £>a5le (Soz.l verlangt die vi-erjährigc Grundschule und die achtklaifige, nicht die nennklassige höhere Schule. Die Reckt« des Lehekörvers feien zu stärken, di« bc5 Direktors zu beschneiden. Mini­ster Boelitz betont, der Oderlehienlaick hab« sich bewährt. Sein Bestreben werde es fein, sich allen Schul­arten mit gleichem Interesse ziizuwenven. Mintsterinl- birettor Jahnke antwortete aus verschiedetie Anregun­gen. Die Reiseprüsilng solle nicht beseitigt, die Zahl der Drüfungsleistungen aber vermindert werden. DaS Urteil der Lehrer über Schulleistungen soll bei der Prüfung höhgr als bisher bewertet werden. Die Koe­dukation sei aozulehnen. Nur in Einzeliällen sollen dir Mädchen die Möglichkeit haben, btc höhere Knabenschule zu besuchen.

El» Arbeitszeilgrsetz. Der sorialpolittschc AuSiHutz des vorläufigen RelchswirtschastsrareS beschäft^^-^

Wie die Blätter hören, ist die Reichsrrgierung bereit, durch positive Maßnahmen die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Massen zu verbessern, um ihnen über den schweren Winter hinweg zu Helsen. Die Reichsrcgienmg wirb jedoch nicht dulden, daß die öffeniliche Ordnung uub Sicherheit durch Gewalt­akte wie die kürzlichen Plünderungen von Verkaufs« gischäfte» gestört werden. Sie wird allen daraus

Men mir im ZM1018 mitt* MM?"

Eine Antwort auf bie Flugschrift von Adolf Köster.

Seit einiger Zeit wird ganz Deutschland, auch unser Marburg, namentlich der Kreis der Naitoual- gesinnten, von einer kleinen Flugschrift in ttefigen Massen überschwemmt, die sich benennt: .Konnten wir im Herbst 1918 weiterkämpfen?" von Adolf Köster. Dk sie, wie auf dem Umschlag steht, durch den .Ausschutz für htr.tren Frieden" überreicht wird, trat die Frage auf, wer denn eigentlich hinter diefem Anssümtz stockt, von dem bisher garntchis bekannt war. Ter Verdacht kam auf, datz die Retchsregierung sich hinter der Sache verbarg. Richtig! Als am 8. November ein deutsch- nationaler Abgeordneter im Reichstag die Anfrag, stellte, ob diese Vermutung zutressond sei, mutzte von« Regierungstisch die Antwort erteilt werden, datz bU Verbreitung der Schrift von der Regierung veranlag worden sei und begünstigt werde. Wenn es nun fckon eine bede-rkttche Sache ist, datz solche Flugschriften mit ReichSmttteln in dieser Zett der Not und der Ver­schuldung vertrieben iverden, so ist es erst recht schlimm, wenn sie sich als richtig gehende Hetzschrift ent-

nennt, der dem beutschen Volke der Anlatz zu teuer Besinnung fein soll, die der Anfang feder Erkenntnis ist. Das Wesen der Schrift kennzcichnet sich mit fol­genden Sätzen des Vorwortes: .Die Legende von dem htnterlsstig erdolchten Heere ist die fpezifische Form« in der Deulschland Sclbstgerickt abhält. In anderen europäischen Ländern zieht das Volk nach einer Nie­derlage seine militärischen und politischen Führer zuk Rechenschaft. In Deutschland ist es den Generälen get Hingen, die Beschimpfung und Bezichtigung deS eige­nen Volkes zu organisieren. Die Legende von beut hinterlistig erdolchten Heere ist eine der bösartigste« »nd zugleich dümmsten Legenden, die gegen die Re­publik mobilisiert worden sind. Sie wird geglaubt werden, solange die Republik in sträflicher Nachlässig­keit die ausgiebige Verbreitting der Kenntnis jener uuumstötzlichen Tatsachen versäumt, an denen die Dolcbst«tzlegende früher oder später zerschellen mutz.

Adolf Köster versucht, unter Ansgebot eines gewal­tigen Wustes von Zahlen, bte er tm Wesen'.Uchen beit französischen Werken der Generale Buat und Mangin entlehnt, den Nachweis zu erbringen, datz unsere Niederlage sich zunächst aus dem Mangel an Menschenersatz herleitet, indem wir mit den schwinden- den Kräften einfach nicht mehr in der Lq-e waren, der Mensckenäberlegenbeit der Feinde Widerstand zu leisten. .Mitte Aumsst 191» war die Gesamtzahl der Amerikaner aus 1400 000 gestiegen. Ohne datz ein eine ziges Transportschifs von deutschen N-Booten verienkt wurde, landeten von da ab monatlich 300 000 Ameri­kaner in Frankreich. Amerika hatte sich verpflichtet, vom 1. Juki 1919 ab 4 Millionen Mann in Frankreich stehen zu haben." Demgegenüber führt Köster an, da? das deutsche Westheer vom 18. Juli 615 zum 10. N» vember 1918 360 000 Mann, b. h. durchschnittttch für bcn Tag 10 000 Gefangene verloren hat. .Dazu ka« fast bas Doppelte an Toten und Verwundeten", fährt die Flugschrift fort. .Ueberschlägl man diese Rtescn- zisfern der Abgänge, so kann man sagen, datz da? deutsche Heer im Westen vom März bi? ,um November etwa auf die Hälfte seines Bestandes zusammenge- schmolzen war. Dieses 'war bte Armee, von der die Lnbrnborsf-Legende beule bebaupiet, datz ste nach 4 Monate lanaen RückzugSkämpsen den Ententeheerc« noch lange siegreich hätte widerstehen können." So­dann fflOrt die Schrill ai§ zweiten Wntnb der Nieder»- tage und der Unmöglichkeit des WeiterkämpfenS bet Mangel an Kampfgercit aus unserer Seile an. Eben­falls nach französischen Quellen gibt Köster unsere« Verlust an den Feind von Mitte Juli bis Anfang November 1913 auf 6217 Geschütze und 38 622 »Ja- schtnengewebre, bereit rechtzeitiger Ersatz wegen Man­gels an Rohstoffen auf wachscube Schwterigketle» flieh, ebenso wie wir dem Feinbe keine Kamvwanzer« wagen enigegenwersen konnten und ihm an Fing« zeugen mehr und mehr unterlegen wurden. _

Nachdem uns der Verfasser bleie Fülle erschüttern­der Tatsachen anseinandergewtzt hat, geht er ans den Kern seiner Sckrist, nämlich zur Verdammttn( Silben borff 5 tm strategischen Sinne über. Del Frage, ob Lnbeudorff wirklich zu dem grotzen Früh- sahrsangriff in Frankreich berechtigt war, weicht et aui. unseres Erachtens liegt aber bierin der Haupt- teil der Frage. Um sie zu beantworten, sei wa» Köster ganz unterläßt ein Blick auf bte Feindesfeit« geworfen. Unsere Riesenerfolge gegen Amiens und bat Kemmel brachten bcn Fetnb in bte verzweifelt« Soge, batz er mit höchster Nervosität bte Ankunft bet Amerikaner verlangte. Hätten nicht Eisenlövsige tok Clcmenecan und Lloyd George an der Spitze gestan­den und bie Fortsetzung bes Kampfe? unter Nieder- tverfnn« ledcr Zagdasttakett und Friebensstimmun, unter allen Umftftnben durcvgefetzt, so wären wir W bor dem Enbsiege, mindestens aber vor der Möglich- fett eine? wettigstens ehrenvollen Abschlusses gewesen. Gewitz rann man über die Entschlüsse Ludendorsfs. di« zu den Unglückslagen vom 18. Jutt und 8. August ge- fuhrt hoben, verschiedener Meinung sein, ebenso tou, »$ ssch durchaus darüber streiten tützt» ob der lang«