ArtMches VerWndigungsblatt des Kreises Marburg.
ft. 272
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früher kurhessische) Oberhessen
Marburg MoutaZ, de» 21. November
Nebelung.
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56. Mg.
1921
Sie Mingtoner KMkenz.
Der Sturmlauf gegen Japan.
London, 20. Nov. Der Sonderberichterstatter' der »Eunday Times" auf der Wahingtoner Konferenz kabelt seinem Blatte, die Mitteilung der Amerikaner, unbeugsam zu dem Verhältnis von 5 zrr 8 zu stehen, sei in einer Art erfolgt, die unzwei- feHaft nach einem Ultimatum schmecke. Der Eindruck v«rti^,sich, daß die Lage sich rasch auf einen Pmrkt hin kryftalliere, wo England und Ame- tÄa eine vereinigte Front zugunsten des Programms »en Hughes Gegenüber dem Beharren Za- pans auf Abänderung bilden werden.
V' L onben, 21. Nov. Der Sondcrberichterstatt^ des „Obseeveist" in Washington meldet, die Schnellig- feii, mit der sich die Konferenz ihrem Ende nähere, gehe über affe Erwartungen hinaus. Man könne den SHbisi der Konferenz wohl innerhalb von drei Wochen totoatieiL Dies sei zum größten Teil auf die Politik des Staatssekretärs Hughes zurückzuführcn, der sich sch«; Versuch, zu feilschen, widersetze.
Trotz der Warnung der Vereinigten Staaten, daß sie auf der Durchführung der Hanplv'inftr der HughrS- . schon Vorschläge bestehen, stellte sich Japan auf den ..ktimdpuukt, daß seine Großkampftonnagr 70 P ozent statt der von Amerika vorgeschlagenen 60 Prozent b etragen solle.
‘ London, 20. Nov. Ter Sonderberichterstatter te5 Rmtersiüros in Washington erfährt von maß- gchcuder Seite, Japan werde in seinem Vorschläge MC btioos größere Tonnage im Verhältnis von 70 Prozent verlangen.
Paris, 20. Nov. Philippe Millet meldet dem „Prrit ParPm" ans Washington: Amerika werde Sug„ teib in der Frage der Untcrfeebootr und Japan in der Frage der Verhältniszisfer für die .Stärke des Marine Widerstand entgegensetzen.
:■ X Was Briand sagen wirv.
Wash'in gto n, 19. Nov. Staatssekretär Hughes hat für den 21. November eine Vollsitzung der Ab- rtzÄmgÄkmfercnz einberufen. Man glaubt, daß in dieser Atzsng Briand den Standpunkt Frankreichs in der Frage der Rüstungen zu Lande darlegen wird. Er trick die Lage Europas darstellen. Rußland besitze c'.äecchalb Millionen Menschen unter Waffen. Was wurde geschehen, wenn Rußland neneiÄings Polen iwgreifen und in Deutschland dann eindringen würde? Frankreich müsse seine Armee behalten, so lange die Drduung in Europa nicht wieder heraestellt sei.
Lenden, 20. Nov. Das NorthclifMatt „Wc-kly TiSpaich" meldet ans Washington, eines der größten. Ereignisse kr Mrnferenz stehe jetzt bevor, nämlich die Abreise Briands nach Frankreich. Der fran- zöfische Premierminister sei ganz zweifellos sehr e n t - täuscht. Er sei nach Washington gekommen in der HosfülMG daß die Konferenz etwas für Frankreich tun tverd«. Er habe jedoch ein Amerika vorgefunden, da' Europa den Rucken kehre und sein Gesicht nach dem Stille« Ozean gewandt habe. Briand sei der Ansicht, daß Frankreich im Augenblick von dem Ab- rüst.ngsvorschlag Hughes' nicht besonders berührt werde, beim Frankreich habe seit 1912 keine Flotten- banlen vorgcnommen und die einzige Wirkung der An- #o6tnf des amerikanischen Verminderung'p'anrs werde für Frankreich die Veranlassung sein, mit dem Bau von neuen Schiffen zu beginnen, um seine Flotte auf den von der Konferenz als angemessen erklärten Maßstab zu bringen. .
Die Furcht vor der Wiedcrerstcrkung Deutschlands und Rußlands.
s London, 20. Nov. „Observer" schreibt, die Rüstungen zu Lande könnten von den Rüstungen -«r e« nicht getrennt werden. Wenn die Land- ifceiilräfte nicht ebenfalls vermindert würden, be- deue dies unvermeidlich nicht eine Verminderung. Jonfceüi eine Förderung des Krieges! Ruß- stand habe bereits eine ansehnliche Flotte, und 'Dcut-chland besitze ein großes geschultes Personal. Leide, Länder würden vielleicht vor Ablauf von .äkhu fahren wieder Großmächte werden und .dann möglicherweise verbündet sein. Die Washing- toner Konferenz werde daer nur etwas für den
. *en Eun, wenn sie auch das deutsche und das vliufch« Problem ins Auge faste.
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Rorthcliffe gegen Jap«.
Peking, 19. Nov. In einer Ansprache im eng- .*ucy amerikanischen Verein erklärte Lord North- 1H c, keiner Zeit sei die englisch-amerikanische xremidschaft nötiger gewesen als im Augenblick. Die Javaner seien augenblicklich in einer ähnlichen Lage r*e Deutschland vor dem Kriege. Dem Namen nach P®n Demokratie, werde Japan absolut regiert von vier »Dannern, deren Absichten man verurieilen müsse, E*,ut >nan auf die dauernden Veränderungen der Marie des Kernen Ostens und auf die riesenhafte Aus- ,C1J; rrug der tapanlichen Rüüuuae» blick--. Da« di«
Regiervsg M WMWWWS-ÄsIAtz.
8-mbeii te ftWW'en.
Beweis des „guten Wiklens".
Berlin, 19. Nov. Der Reichskanzler übergab heute dem EntfchäviL-ung-ausschutz vor seiner Abreise folgendes Schreiben:
Die deutsche Regierung geht davon aus, datz es an und für sich nicht dem Sinne der Bestimmungen des Zahlungsplanes von London enifpricht, zur Aufbringung der Iabresannuitäten zu dem Mittel des Kredits zu greifen. Sie ist aber, um den Beweis des guten Willens zu geben, bereit, eine folche Kreditoperation vorzunehmen. Für die Frage, unter welchen Bedingungen der Kredit angenommen würde, kommt es in erster Linie auf die Vorschläge desjenigen an, der das Geld herleihen soll. Di,e deutsche Regierung ist bereit und tat auch bereits Schritt«, um sich Kredit zu verschaffen. Eie bittet den Entschädigungsaus- schutz, sie hierbei unterstützen zu wollen, fühlt sich jedoch verpflichtet, ihn schon jetzt darauf aufmerksam zu machen, datz für die Zeit der Rückzahlung des Kredits eine autzerordentlich schwierige Lage mit Rücksicht auf die sonstigen Verpflichtungen des Reiches entstehen wird. Sie erwartet von dem Entschädigungsausschutz, * datz er dieser besonderen Lage Rechnung tragen wirb.
-e.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" schrot dar«: Die Hoffnung, datz sich schon aus den jetzigen Berliner Verhandlungen «irre Stundung sür die nächsten Zab- lungen erreichen lassen werde, keine Hofsnung, die sich durch einsichtige Stimmen in der össentlichen Meinung auch feindlicher Länder al- möglich dargestelli haue, erwies sich als trügerisch. ES hat sich hcrauSge- ftellt, datz die Zahlungen der nächsten ReparaiionS- raten, also die am 15. Januar und 15. Februar fälligen Summen, die Voraussetzung sind für eine von außenpolitischen Reibungen freie Wetterführung der Politik. Dieser Erkenntnis gilt cs, ohne Illusionen und nüchtern gegenüberzurrelen. Di« Reichsregierung hat sich dem nicht verschloffen nnd in ihrer Antwort bereits zum Ausdruck gebracht, daß sie zur Ausbringung der nächsten Zahlungen die dazu geeigneten Maßnahmen ergreifen wird. Das einzige Mittel, das ihr hierzu zur Verfügung steht, ist die Inanspruchnahme von Krediten. Sie ist bereit, diesen Weg zu beschreiten, aber sie weist zugleich darauf hin, datz c5 nicht von ihrem guten Willen allein abhänge, Kredit zu erhalten, sondern sie dabei vor allen Dingen auf den guten Willen des kreditgebenden Auslandes angewiesen ist. Sie brachte ferner zum Ausdruck, daß dieser Kredit, wenn er ausgevrachi werden kann, eine grundsätzliche Beslcrrurg der gesamten Reparationslage nur dann bringen kann, wenn nach Zahlung der nächsten fälligen Sloten diejenige Schonung der deutschen Leistungsfähigkeit einnitt, welche die Re- parationskommission jetzt nicht bewilligen zu können glaubte. Dieser klaren Erkenntnis werden sich auch die alliierten Regierungen nicht verschließen können, sofern bei ihnen überhaupt die Neigung besteht, aus dem unlösbaren Dilemma der Reparationsfrage heranszu- kommen. Die Antwort der deutschen Regierung bildet daher insofern einen Ausweg, als sie einerseits dem kreditfähigen Ausland Gelegenheit gibt, durch Gewährung von Krediten die Zahlung der nächsten Raten durch Deutschland zu ermöglichen und andererseits die Verbündeten Regierungen in die Lage versetzt, Deutschland nach den geleisteten Zahlungen die nötige Atempause zu gewähren. Deswegen wird das Echo, das die deutsche Antwort bei den fremden Kreditgebern in finanzieller Hinsicht und bei den alliierten Regierungen in politischer Hinsicht finden wird, ein Prüfstein dafür sein, ob wir im nächsten Jahr zu einer Entwirrung der schon durch die teilweise Erfüllung des Londoner Ultimatums ins Absurde geführten weltwirtschaft- lichen Verhältnisse kommen werden, oder ob die zu fürchtende Katastrophe doch poch über Deutschland und damit auch über die Welt hereinbrechen wird. ES gilt also zunächst, den Erfolg der von der deutschen Regierung eingeleiteten Kreidtaktion abzuwarten und bis dahin die Regierung mit allen Kräften darin zu unterstützen, datz alle politischen und wirtschaftlichen Kräfte Deutschlands zusammengesatzt werden müssen, und doch noch der wirtschaftlichen Vernunft zum Siege über die politischen Zerstörungspläne zu verhelfen.
Die Mm Des MWH«.
Vorläufig keine Antwort.
Paris, 20. Nov. Zules Sauerwein berichtet dem „Maiin" aus Berlin: Zn der gestrigen Sitzung des Entschädigungsnnsschusies wurde eine Einigung über die Deutschland gegenüber einzunehmende Haltung nicht erzielt. Der Vertreter Frankreichs, Louis Dubois, hatte die vier anderen Mitglieder gegen sich. Der belgische Delegierte Delacroix vertrat den Standpunkt, datz auf die gestrige Erklärung der deutschen Regierung augenblicklich keine Antwort zu erteilen sei. Es handele sich um eine Zahlung, die in acht Wochen, aber nicht in acht Tagen zu erfolgen ab«. Wenn man jetzt Deutschland eme ernste Rote übersende, laufe man Gefahr, denen einen guten Vorwand zu liefern, die die Verbündeten anklagten, die vorgesehen« Anleihe zu einem Mißerfolg zu führset. Dubois meinte, Deutschland versuchte, durch den Vorwand einer außerordentlichen Anleihe sich seinen Berpflichtun- gen zu entziehen. Infolgedessen schlug er vor, ihm eine sehr ernste Verwarnung zukommen zu lassen. Gs wurde nicht dementsprechend entschieden.
Abreise des Eirt>chSdig«ngsa«sfchuffes.
Berlin, 21. Nov. Wie der „Lokalanz." erfährt, haben die Mitglieder des Entzschädigun-s- ausfchusfes zum größten Teil Berlin verlaßen. Dubois ist in der Nacht zum Sonntag, abgererft, während der größte Teil feiner Kollegen ihm im Lause des Sonntage gefolgt find.
Der Plan zur Gesundung der Eisenbahnen.
Keine Ueb.rführung in Privatbesitz.
Berlin, 19. Nov. Die Industrie- hat zur Eisen- bahnsragc nunmehr erklärt, daß sie sich nicht unbedingt^ auf die Privatisierung der Reichseisenbahn,n versteifen wolle, daß sie vielmehr zufrieden sein würde, wenn Mittel gesund«! würden, um tatsächlich das jetzig-' Defizit der Reichseifenbahuen zu beseitigen, und sie auf eine gesunde Basis zu stellen. Es hat sich dabei gezeigt, daß die christlichen Gewerkschaften den Vorschlägen der Industrie nicht unbedingt ablehnend gegenübei-stehcu.
Das Reichsvcrkehrsministerium hat jetzt dem Kabinett ein Gutachten über bi« Frage, ob die Reichs- eisenbabnev in ihrer jetzigen Form auf eine gesunde Grundlage gestellt werden können, zugchrn lassen. Das Gutachten erklärt, daß durch Annahme privatwirt-- schastlicher Grundsätze in der Organisation und in der Führung der Geschäfte der Gesundungsprozeß beschleunigt werden könne, ohne daß der Uebergang der Bahn in Privathäud« notwendig sein werde. Der Haushaltsplan 1922 soll das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben bringen, wenn keine weitere Steigerung der Ausgaben eintritt. Der-Haushalt der Eisenbahnen soll vom allgemeinen Haushalt getrennt, ferner ein VerwaltungSrat geschaffen werden, dem Männer der freien Wirtschaft angehöreu. Die Einstellung neuer Arbeitskräfte ist gesperrt worden, und der Verkehrsminister hat beantragt, daß die Deinobilmachungsvorschriflen, die bisher den Personalbestand der Eisenbahn ungeheuer erhöht haben, aufgehoben werden. Die Tarife sollen künftig schneller als bisher dem ivechsilnden Markwert angepaßt Werben, entsprechend dem Verfahren in der Industrie. Die Gütertarife werden nach der bevorstehenden Erhöhung das Zwanzigfache des Friedens- standes betregen. Be' den Tarifen für den Personenverkehr beträgt die Steigerung der 1. und 2. Klasse etwa das Zehnfache, der dritten und vierten Klaffe das Siebenfache des Frieoenspreises. Das Reichsverkehrsministerium ist davon überzeugt, daß ein privatwirtschaslliches Unternehmen im wesentlichen
1 nicht anders Vorgehen würde.
japanische Mtlitärpattet den Vereinigten Staaten feindlich gesinnt sei, könne man aus zahlreichen Veröffentlichungen von ihr schließen. Diese zeigten eine klägliche Erkenntnis der Vereinigten Staaten, seiner wirtschaftlichen Macht, -Flotte und Fähigkeit, Heere z« organisieren, ferner die völlige Unkenntnis der Stimmung in Australien. Großbritannien und Amerika müßten im Fernen Osten rufammengehen, da sie sonst früher oder später getrennt «nd gehängt würden.
7000 Wrangelsoldaten in Bulgarien. Nach einer Havasmeldung au§ Sofia ist 7000 russische» Soldaten der Armee Wraugel, die sich aus GallipoK aushalten, der Aufenthalt in Bulgarien ^gestanden worden.
Weitere Plünderungen in Berlin.
Berlin, 19. Nov. Heute kam es wieder an verschiedenen Stellen zu Ausschreitungen und Plünderungen. Vormittags wurde in der Gormannstraße ein Brotwagen vollständig ausgeplündert. In den Nach- imttagSftunben machten sich zahlreiche Erwerbslose in der Weberstraße und Straußberger Straße sowie am Stvauß- bcrger Platz bemerkbar. In einer Tuchhandlung hntrben Tuche und Mäntel gestohlen, in einer Bäckerei eine wertvolle Schaufensterscheibe zertrümmert und Backwaren für 5000 Mark und bares Geld gestohlen. Zusammenrottungen, die in der Alten Schönhauser Straße und in der Gegend des Woerther Platzes stattfauder^ wurden rechtzeitig von der Polizei zerstreut. , .
In der Danziger Straße drangen etwa 300 Peff fonen' in den Laden eines Schlächtermeisters, y» trümmerten die beiden großen Schaufenster im Wert» von 30 000 Mark und rafften alle erreichbaren Fleisch« und Wurstwaren zusammen. Als «ine Aatostreiie btf Schutzpolizei herankam, waren die Täter tzeflüchket.
In Neukölln drangen etwa 150 Personen in et» Lebensmittelgeschäft und entwendeten etwa 134 Zentner Butter und 7 Faß Marmelade. Beim Eintresse» der Polizei floh die Menge.
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, Mstii ober...!
Das Dunkel, in dem der EnischäbigungsanSschuF in Berlin gewirkt hat, hat sich zugelilbfet, und eS zeigt sich das alte nur zu bekannte Antlitz der französischen Rache- und Gewaltpolitik. Der sranzösisch« Finanzminister Doumec hat in der Kammer über Deutschlands Finanzlage eine Rede gehalten, die ganz und gar den Geist atmet, der den Entschäbigungs- ausschuß als bas gefügige Werlzenz der französische» Politik erfüllt. Keinen Pfennig läßt Frankreich von den Lasten abziehen, die Deutsch'arck durch das letzte Ultimatum aiiferlegt worben sind. Nach Ansicht Donmers sind in Deutschland genug Vermögen vorhanden, mit denen gezahlt werben kann. Die deullch« Bankerotterktärung bedroht der französische Finanz- Minister-mit Maßnahmen, bst seiner Ansicht nach „baS Ende der deutschen Reichseinheit" 6ebeilten? Alle diese Ankündigungen nnd Drohungen. die Doumer in der französischen Kammer öffentlich geäußert hat, sind von dem EutschädigunasauZschuA i er deutschen R gstrimg vorgehalten worden. Die Herren find Weniger zu ernsthaften Untersuchungen nach Berlin g kommen, denn als die Träger schlimmer Botschaft. Nichts von Ermäßigungen, nichts von ZahttmgZaufschub! Der 15. Januar wirb, wenn er tie Zahlungsunfähigkeit Teutschlaubr evveisen sollte, keine Wende bringen, wie sie Dr. Wirth von seiner Erfüllungspolitik erhoffte, sondern einen neuen brutalen Faustschlag, neue Zwaugsmaß- nttfunen. Frankreich wäll die deutsche Zahlungsunfähigkeit herbeiführen, damit es endlich sein Ziel erreicht: Besetzung des Ruhrgebiets. Dir deutsche Regierung und bk brutsche Wirtschaft stehen vor der Alternative, den letzten Tropfen Blutes der deutschen Wirtschaft zur Bezahlung der nächsten Ent- tchädkgnngsrate herzugeb-n oder das Ruhrgebiet besetzen zu lassen. Für die Franzosen ist beides gleich Zählen die Deutschen am 15. Januar, dann bekommt Frankreich eben noch bares Geld, bevor es bas Ruhrgebiet besitzt. Mit dem Schreckgespenst der Besetzung des RnhrgebicieS hat die französische Politik bisher alles erpreßt, was sie haben wollte. Venn es nichts mehr zu erpressen gibt, bann kann Frankreich das Ruhrgebiet ruhig besetzen.
Wir stehen jetzt gerade so wie vor Annahme des Versailler und des Londoner Diktats. Nur, daß wir alles hingegeben haben, was zu geben war. Und was nun durch Unterwerfung vermeiden zu können glaubte, hat doch nicht vermieden werden können, wie von „KataHrophenpolitikern" vorausgesagt.
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Die neuen Steuern.
95 Milliarden Steuern.
Die Gesamtsumme der im Steuerausschuß des Reichstages vorgelegten Steuern wirb rund 95 Milliarden betragen, die Oesamtbelastung auf den Kopf 1583,80 M. Die künftige Belastung des Besitzes würde nach den Regierungsvorlagen rund 52}4 Mill.Vder 51,1 Prozent der Gesarntbclastung betragen. Tie Verbrauchsbelastnng durch Besteuerung entbehrlicher Eenußmittel würde fast sieben Milliarden oder 6,8 Prozent der Eesamt- belasiung ausmachen. Die Besteuerung des übrigen Verbrauchs würde einen Gesamtbetrag von 43 Milliarden oder 42,1 Prozent ergeben.
Helsserich über die Wirkungslosigkeit neuer Steuern.
Aus der Rede des Abg. Dr. Helsserich (Teutschn.) vom Freitag, die in der offiziellen Berichterstattung vollkommen unerwähnt geblieben ist, geben wir folgendes wieder: Die neue» Steuern greifen tiefer ins deutsch« Volksleben hinein als jemals zuvor. Manche Kreise wünschen die baldige Auflösung des Reichstages und Neuwahlen. Ms Kampfparole sollen dann dir neuen SteuerS dienen. Wenn die enormen Belastungen, die nicht tragbar sind, dem Volk auserlegt werben, muß man totfkn, was man erreichen will. Wir von der Rechten habe» uns nicht an den lebhaften Angriffen der mehrbeüS- sozialistischen Regierungspartei gegen deu Reichssinan»- minister beteiligt: denn der Minister HermeS hat bet der Aufstellung der Vorlage nicht mitgewirkt. Bon den neue» Steuern fürchten meine Freunde und ich, daß sie uns nicht zur Rettung der außenpolitischen Situation führe» können. Auch die Beseitigung des muere» DrsizitA ist nicht zu erwarte». Wcn» der Abg. Bernstri» dir Schioarzrnalcrci als Landesverrat brandmarkt, f» «ehe
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