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Ärmliches Verkündigungsblatt des Kreises Marbmg.

Anzeiger sür (das früher kurhessische) Oberhesseu

Rk. M

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Di«Oberhejsijche Zeitun-' erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 6 Mk durch die Potz 6.15 Mk. Für ausfallende Nummern infolge Streik» ooet elementarer Ereignisse teilt Ersatz. Verlag von Dr. LHitzeroth. -5- Druck der llntv^Buchdruckerei von Job. Aug. Koch. Markt 21.23 Kernsprecher 55, Post­scheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg Donnerstag, Den 10. toeitier Nebelung.

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5$. Ä 1921

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- Vorschläge RittiS.

D« italienische Staatsmann Nitti hat unmittel­bar totro Beginn der Verhandlungen in Washington täte Studie über das friedlose Europa veröffentlicht. Es ist nichts mehr und nichts weniger als ein Versuch, hie Verbündeten zu einer Na chprü fung des Ver­sailler Vertrages zu veranlassen. Nitti ist treu Hause aus Volkswirtschaftler. Als solcher hat er ein Urteil über die finanziellen und wirtschaftlichen Zusammenhänge der Krise. Ms Nitti Minister­präsident toai; hat er ähnliche Auffassungen wieder­holt In Reden und Kundgebungen vertreten. Es sei außerdem erinnert, daß er als Voraussetzung der wirtschaftlichen und politischen Gesundung Europas ben Wiederaufbau Deutschlands und Rußlands be- zrichuet. Indessen gelang es Nitti nicht, in San Kemo mit seinen Anschauungen durchzudriugen. Ms die ^aatsmnnner der Verbündeten in Spaa zu- sernmentraten, war Mtti schon gestürzt. An seiner Nelle wirkte Graf Sforza mit, Deutschland das Kchlenabkommen mifzuzwiugen. Nitti.sieht die Ur­sache« der euwpZischen Krise heute noch schärfer als bo» anderthalb Jahren. Er sagt es rund heraus, daß es Frankreichs Politik gegenüber Deutschland sei, die das europäische Elend ver- Iifache. Frankreich will aus Furcht Deutschland zer­st ükkeln und seine Einheit zerbrechen Das hat ja auch Briand mit anderen Worten gesagt, ehe er den Bade« der Vereinigten Staaten betrat. Frankreich lebt oder fiebert in einem Zustand von Angst und Sorge, der im Gegensatz steht zu seinen imperaiistiscken Mele«. Der Versailler Vertrag hat Frankreich nicht «iS Mel gebracht: das heißt, er hat ihm nicht dir Rtzeingrenje gesichert. Als Ersah dafür verlangt Frankreich eine Organisation, die es gegen jeden Uebersall schützt. Nitti schlägt vor. dir B c s a tz u u g s- t<irppe« zurückzuziehen, ebenso die zahllo'cn »uffichtsorgane der Verbündeten in Deutsch- $6»b. Äc alle kosten Geld, soviel, daß für die Wied-r- DechMung nichts mehr übrig bleibt. Nitti schlägt Weiter bot; die Kriegsschulden «in für allemal fest- znsetze« Die Verbündeten sollen ihre Schulden -i',,:nseitig niederschlagen. Andererseits soll die keruld Deutschlands im Rahmen seiner tatsächlichen Leistungsfähigkeit festgesetzt werden. Dru.schland b'cibt entwaffnet, und Frankreich erhält militärische Bürg- -jchasten von Italien und England.

, Es fragt sich nur, ob Frankreich geneigt sein wird, kicje Vorschläge anzuuehmen. Zunächst müßten die bereinigten Staaten gehört werden, ob sie zu dem Echuldennachlatz überhaupt bereit sind. Sie haben ->us Europa ungeheuere Gewinne gezogen, mehr geden- folls, als sie anderseits den Verbündeten zur Ver­fügung fbeUten. Mer damit ist noch nicht beantwortet, »b Frankreich zu einer grundsätzlichen Aenderung seiner Politik geneigt sein wird. Es will Pfänder und Sicher- heuen ohne Rücksicht darauf, daß diese Taktik zur 8"trümmerung der europäischen Wirtschaft führen muß. Was Mtti darlegt, hat ja auch Keynes Wiederholt getan. Indessen blieb die Wirkung aus. Lüiit einmal in England führten sie eine Wandlung ** der Gesinnung herbei. Frankreich steuert offen darauf los, Deutschland zahlungsunfähig zu »acheu. Daß, Europa diese Belastung wirtschast- lick» und politisch nicht tragen kann, sehen alle Sach- rcständigen in England, Italien und den Vereinigten Sm atm. Aber die Sachverständigen haben noch nicht

Wort.

Aus dem von HavaS verbreiteten Auszug geben Nir noch folgende Stelle wieder: .Deutschland ist zer- »rocheu, aber der Sieg hat Frankreich sein größtes Vrestige genommen, sein Prestige als demokratisches -and. Nunmehr bilden alle Demokraten der Welt mit Äip,trauen aus Frankreich. Gegenüber Deutschland dat Frankreich alle Grundsätze aufgegeben, auf die es sich berufen hatte; gegenüber Rußland ist vrankretch lediglich pluwkratischen Tendenzen gefolgt. Gegenüber einem nicht angrtffsfähtgen Deutschland hat Frankreich die größte Armee der Welt aufgestellt, durch farbige Truppen läßt es die kultiviertesten und am weitesten vorgeschrit- tMen Städte Deutschlands besetzen. Frankreich zeigt keine Achtung vor dem Nationalitäten - drlnzip und dem Grundsatz der Selbst- destimmung. Und doch ist Frankreich beunruhigt, seine Bevölkerung sich verringert. Unterdessen Gwferni sich Großbritannien immer mehr von dem sest- kundischen Europa, besten Organisation zerfällt; Ame­rika wiederum kehrt zur Monroedokirin zurück. Man *vtß die Wege zur Solidarität wieberfinden. Es be­hebt eine Gefahr: Dadurch, daß die Lage der besiegten Lauder sich immer mehr verschlimmert und die wirt- nhastliche Einheit Europas immer weiter zerfällt, rei- Bwr die besiegten Länder die Sieger in ihren ^lurz hinein, während die angelsächsischen Völ-

&:e außerhalb des europäischen Kontinents stehen, MV noch mehr von der festländischen Politik los­machen.»

Unruhen in Italien. In Rom ist es am Bahtchof M Schießereien zwischen Fascisten und Bahnarbeitern Ml mmen. Es gab mehrer« Verwundete.

Der Feindbund und Deutschlands Zahlungsunfähigkeit.

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Vorschläge des WiederherstelluugSauSschuffeS.

London, 9. Nov. Das britische Auswärtige Amt hat gestern den Bericht deS britischen Delegierten in dem EntschDigungsausschuß, Sir John Bradbury, über das Wiesbadener Abkommen vom 6. Oktober ver­öffentlicht. Es heißt darin, das Abkommen würde be­deuten, daß Deutschland zu der ihm unter dem Friedens­vertrag auferleaten Last noch eine neue über­nommen habe. Wenn man in Betracht ziehe, was in Deutschland gesagt und geschrieben worden sei, nicht nur vom allgemeinen Publikum, sondern von verantwort­lichen Mitgliedern der Regierung über die Schwierig­keit der Durchführung der Deutschland auferlegten finan­ziellen Verpflichtungen, so sei es bemerkenswert, daß Deutschland jetzt auS freien Stücken bereit sei, diese neue Last zu übernehmen. Zweifellos befinde sich unter den Gründen, welche die deutsche Re- aierüng dazu veranlaßten, der berechtigte Wunsch, die durch die Ruinen in Frankreich geschaffenen offenen Wunden zu beseitigen, sowie der (wahrscheinlich wohlbe­gründete) Glaub«, daß die industriellen und finanziellen Berbältnissc Deutschlands augenblicklich derart seien, daß es Vorteile habe, eine Erleichterung in der Beschaffung ausländischer Devisen selbst mittels einer mehr als gleich- wertiaen Verpflichtung, die durch die Ausfuhr von Waren erfüllt werden könne, zn erkaufen. Die Tatsache bleibe jedoch bestehen, daß der potentielle Umfang der hinzu- kommenden Lasten s o g ro ß sei, daß es unklug sein würde, anzunehmen, daß sie ohne Schaden für die Erfüllung der Deutschland durch den Zahlungsplan auferlegten Ver­pflichtungen ertragen werden könnte.

Der Bericht fährt fortr Auf die Bezahlung der ersten Rate von einer Milliarde Goldmark trat eine starke Entwertung der Mark ein. Die Arbeiten des Garantieausschusses haben noch nicht einen Punkt erreicht, in dem die Bezahlung der übrigen Raten selbst kür das laufende Entschädigungsjahr als gesichert angesehen wer­den könne. Für den Fall. daß die deutsche Regierung wegen der darauf folgenden Rate in Schwierigkeiten kom­men sollte, sei es unvermeidlich (wis auch immer die Absichten des Augenülicks sind), daß die hinzukommenden. Frankreich gegenüber übernommenen Verpflichtungen nickt nur als Grund für eine Rücksichtnahme geltend gemacht werden würden, sondern daß die Verpflichtungen tatsächlich einen Beweisgrund zugunsten einer solchen Rückffckt- ziahmr darstellen würden, der von den verbündeten Regierungen nicht außer acht gelassen werden könnte. Die Folgen des Abkommens könnten sein, daß während eines sehr beträchtlichen Zeitraums eine Aenderung zu­gunsten Frankreichs und zum Nachteile anderer Verbündeter in der Verteilung der verfügbaren Entschädi­gungseinkünfte zwischen den Verbnüdeten erfolge. Wenn die anderen verbündeten Mächte nicht bereit seien, die mit Frankreich bestehenden Vertragsverpsblichtungen und interalliierten Vereinbarungen betreffend die Prioritäten hinsichtlich der Entschädigungseinkünfte abzuändern, so seien weitereBürg schäften erforderlich. Die Bürz- >chaften, die Bradbury und di« italienischen und bel­gischen Kollegen vorgeschlagen haben, sind erstens, daß nach Ablauf btS Aufschubs keine neue Aufschiebung des Debets gestattet sein soll, und daß die Abtragung oeS bestehenden aufgeschobenen Debets durch regelmäßige Raten begonnen werden soll.

Die genaue Dauer dieses Zeitraums soll bestimmt wer­den nach bet Zeit, die notwendig ist, um das Haupt- merl des Wiederaufbaues durchzuführen unter Berück­sichtigung der Zeit, die Deutschland benötigt, um die notwendigen Lieferungen auszuführcn. Der vorge'chla- gene Zeitraum soll sieben Jahre nicht über­schreiten. Zweitens darf unter keinen Umständen der Gesamtbetrag des aufgeschobenen Debets den gegenüber Frankreich vorgeschriebenen Betrag von etwa vier Mil­liarden Golbmark überschreiten. Drittens soll rite Be­stimmung eingefügt werden, derzusolge Frankreich von Zeit zu Zeit in das allgemeine Entschädigungskonto Be­träge einzahlt, tim den anderen Verbündeten ihren Anteil an den von Deutschland nach dem Zahlungsplan ge­schuldeten Beträgen zu sichern. Wenn diese Bürgschaften eingefügt werden, kann das Wiesbadener Abkommen zur Beschleunigung der Lösung des Entschadigungsproblems auf breiter Grundlage in einer für Frankreich vorteilhaften Mise beitragen, ohne daß dadurch die Interessen der anderen Mächte geschädigt werden.

Aus diesem Grunde hat der Entschädigungsausschuß bas Abkommen den verbütideten Regierungen einstimmig zur Prüfung empfohlen.

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Raihenau verteidigt das Wiesbadener Abkommen.

Berlin, 9. Nov. Der Reparationsausschuß des Reichswirtschaftsrates beschäftigte sich in einer gemein­samen Sitzung mit dem Kohlenausschutz mit dem Raihenau-Loucheurschen Abkomtilen. Raihenau erläuterte und verteidigte das Abkommen in seiner Eigenschaft als Mitglied deS Reichswirtschaftsrates. In der Erörterung kam zum Ausdruck, daß es sich in erster Linie darum handle, ob eS möglich sei, ein Pro­duktionsprogramm aufzustellen, durch das Deutsch­lands Wirtschaft sich aus der konsumtiven in eine pro- duttive verwandle oder wenigstens eine Bilanzierung der Handelsbilanz ciiürete. Ohne Einschränkung des Luxusgüterverbrauchs in Deutschkand sei dieses Ziel nicht zu erreichen. Besonders günstig sei das Wiesbadener Abkommen dadurch, daß es der In­dustrie Beschäftigung ass lange Frist gewährleiste.

56oDlos6olhma nn Deutschlands Mur- ReichtiilNttll.

ErklSrungen im französischen Senat.

Paris, 9. Nov. In der gestrigen Senatssihung hat Senator I a p y eing-chend die Finanzlage Frank­reichs besprochen und erklärt, man dürfe sich nicht durch einen falschen Bankerott Deutschlands betören lassen. Man dürfe den Bankerott nicht anneh­men, sondern müsse sichdurchdie Naturreich­tümer Deutschlands schadlos h alten. Wmn man Deutschland verhindern wolle, Frankreich den Krieg zu erklären, müsse man alle strategischen Eisen­bahnlinien beseitigen und auch die Linien aus den beiden Rheinufern neutralisieren. Tas sei eine ernste Friedensgarantie und eine Frage, mit der der Völker­bund sich beschäftigen müsse. Der Senator verlangte auch, daß die Frage der französischen Schulden bei den Verbündeten festgesetzt Weichen. Er verlangte ferner eine internationale Anleihe bei den Neutralen, garan­tiert durch eine Hypothek auf das Vermögen Deutsch­lands. Nach einer Entgegnung des Handelsministers, der an die Wiederaufnahme der Geschäfte mit Deutsch­land glaubt, wurde eine Vcrlrauenstagesordnung ange­nommen, in der gesagt wird, man habe das Vertrauen zu der Regierung, daß sie nicht gestatten werde, daß Deutschland sich seinen Verpflich'ungen entziehe.

Im Verlaufe der Senatssitzuug machte der Han- delsmintster Weiler folgende Angabe über den Fort­schritt des denlich - < ranz? stschen Handels- verkLhrs: Die Einfuhr von Deutschland nach Frankreich betrug während der acht ersten Monate dieses Jahres 1758 Millionen Franken gegen 1500 Millionen Franken im gleichen Zetftaum des Vor­jahres. Die französische Ausfuhr nach Deutschland stieg in demselben Zeitraum von 812 auf 1622 Milli­onen Franken, verdoppelte sich also gegenüber der Ausfuhr in der gleichen Zeit des Vorjahres.

Äohttoffe her StenereilmhnW verlangt.

VariS, 9. Nov. In der heutigen Kammersihnng -rgriff bei der Beratung der Fmai^lage Frankreichs der Berichterstatter des Finanzausschusses, de Lafleyrie, daS Wort. Er erklärte, er spreche nur, um die Regierung »u fragen, welche Maßnahmen sie ins Ange fasse ange­sichts der Lag«, wie sie in Deutschland durch den mehr oder weniger gewollten Marksturz herbeiaeführt werde. Es sei nickt zweifelhaft, daß, wenn Deutschland seine Verpflichtungen erfüllt hätte, die schivcbenden Schulden Frankreichs um 60 Milliarden geringer wären. Der Sturz der Mark sei nicht auf die Entschädigungen zurück- zuführen. Frankreich habe nicht nur nicht? getan, um den Stur; herbeizuführen, es hab« im Gegenteil durch das Abkommen von Wiesbaden viel zur Erleichterung der !Vldsichen Lag« Deutschlands beigerragen. Die Haupt- -.rM'v? b«5 Marksturzes sei die Unordnung der oeutschen Finanzen. Die indirekten Steuern seien zu gering int Vergleich zu Frankreich, namentlich toa?- Getränke, Zucker uni» Kaffee anbetreffe, de Lasteyrie erklärte, der Franzose zahle drei oder vier Mal mehr Steuern als der Deutsche. Angesichts dieser Lage müsse die Garantiekomnn'ssion funktionieren um die Kon­trolle der Steuereinnahmen und des gesamten Devisenhandels in Deutschland sicherzustellen. Für den nächsten Verfalltag müsse Deutschland im Auslande die Kredite erlangen, die es nötig habe. Ich verlange von 4.<r Regierung zu wissen, schloß de Lasteyrie, wie sie die Zahlungen sicherzustelleu gedenkt.

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Paris, 9. Nov. Wie Marcel Hutin mitteilt, hat der Präsident der Republik gestern mit mehreren Mitgliedern der ^Regierung eine Konferenz gehabt, um sich über die Finanzfrage in Deutschlannd, mit ihnen zu besprechen. Ein Mitglied des EntschädignngS- ausschusses, das sich nach Berlin begibt, erklärte Hntin, der größt: Teil des deutschen Vermögens, namentlich des Jndustiievermögens, sei nach dem Ausland ge­gangen, wo es unter a'igevommcnem Namen in Sterling und holländisch: Guldca umgewandclt worden sei. Die deutsche Regierung habe nichts getan, um dies zu verhindern.

Die französische Heeresorganifation.

Paris, 9. Nov. Der HcrreSausschuß der Kammer nahm heute den Bericht Fabrys über die Gesetzentwürfe bett, die Organisation des Heeres, über Eadres und den Effektivbcstaud entgegen und nahm hierauf eine Entschließung au, in der der Wunsch ausgesprochen wird, daß die N^icrung sobald wie möglich ein Ministerium für nationale Verteidigung schaffen möge. In einer ergänzenden Havasmeldrmg heißt es, Deutschland könne nach den Bestimmungen des Friedensvertrages nur sieben eventl. vierzehn Divisionen aufsteklen. Ein von dem Ausschuß aus­gearbeiteter Reorganifationsplan sehe die Bildung starker Divisionen vor^ um in der Lage zu sein, jedem deutschen Angriff siegreich zu begegnen. Der Plan habe nur den Zweck, Deutschland jede Revanchelust.

zu nehme», indem man ihm zeige, daß ein berat*- Versuch zu einem Mißerfolg führen werbe.

Ser EMMmMM'ch io Berlin.

Berlin, 10. Nov. Die Mitglieder des (Ent» schädigungsausschusses -sind gestern in Berlin ein» getroffen. Hebet die Absichten des Ausschußes wißen die Blätter nur mitzuteilen, daß er sich an Ort und Stelle über die Finanzlage Deutschland» informieren will.

Der Vorsitzende Dubois erklärte, daß der Auf» enthalt in Deutschland 810 Tage, wahrscheinlich aber länger, dauern werde. Der Ausschuß werde seine Entscheidung in Berlin treffen und nicht die Rückkehr nach Paris abwarten, um Entschlüße j» faßen und sie offiziell mitzüteilen.

Wie derVorwärts" mitteilt, wird heute das Reichskabinett über die Eindämmung der Mark­entwertung beraten, um Richtlinien für die kom­mende Besprechung mit dem Entschädigungsausschutz aufzustellen.

Ablieferung von 23 000 Bienenvölker«.

Berlin, 9. Nov. Wie dasBerk. Tagebl.' au2 Hannover meldet, hat dort die Zentralimkergenosieu- schaft den erste» Abliefeningstransvort von Bienen­körben zusammengestevt. Der Zug verließ Hannover mit 23 000 Bienenvölkern nach St. Avold. Die frait» zöstsche Kontrollkommission überwachte die Uebetnghme der Bienenkörbe. Etn zweiter TranSpott wird im Frühjahr folgen. - -

Keynes üb« t>ctt Marksturz.

London, 9. Nov.Evening News" schreibt, der fottgesetzte Sturz der Mark und die ernsten Auswirkung^ auf die englischen ausländischen Märkte verursachten der Regierung ernst: Sorg«. ImMan- chester Guardian" ffifirt Prof. Keynes aus, der Marksturz, der durch die Versuche der deutschen Re­gierung, ausländische Währungen zur Bezahlung 6« Entschädigungen zu beschaffen, eingeTeilet wurde, sei wahrscheinlich auf ein späteres Stadium zurückzuführen, daß die Spekulanten in der gefaulten Welt vollständig ben Kopf verloren haben und iljrc Markvorräte auf die Märkte schlenderten. Der zukünftige Wett der Mark hänge jetzt von der Politik ber Verbündeten ab. Wenn der Wechselkurs der Mark apf seinem äugen» blickliche» Stand verharre und die deutschen Inlands­preise darauf eingestellt würden, so sei eine weit größere Menge vo» Noten als bisher erforderlich, um die Geschäfte Deutschlands weiter, zu führen. Ti: ver- mehtte Notenausgabe in Deutschland sei das Ergebnis des Zusammenbruches der deutschen Wähning und nicht umgekehrt. Sie werd« dann außerhalb brr Kontrolle der deutschen Regierung stehen.

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Die deutsch-polnischen V «Handlungen.

Berlin, 10. Nov. (Einer Korrespondenz zu­folge fand zur Vorbereitung der deutsch-polnsichrn Verhandlungen über Oberschlcsie» gestern im Aus­wärtigen Amt unter dem Vorsitz des Ministerial­direktors v. Stockhammer» eine Sitzung des Unter­ausschußes für das Zollwesen statt. Der Eitzn-g wohnten auch der deutsche Bevollmächtigte Reich-- minister a. D. Schiffer sowie sein Stellvertreter der Staatssekretär Dr. Lewald bei. Es wurden sowohl die Zollfragen ahs auch die Frage der (Ein- und Ausfuhr im Zusammenhang mit den Bestim­mungen des Genfer Diktats einer genauen fach­lichen Prüfung unterzogen.

Berlin, 9. Nov. Der deutsch: Bevollmächtigte für die deutsch-polnischen Verhandlungen über Ober* schlesien, Staatssekretär Dr. Lewald, und der Ver­treter Preußens, Unterstaatssekretär Dr. Goeppert, werden in nächster Zeit in Oberichlesien mit Ver- tretem der Unternehmer und der Arbeitnehmer sowie mit den Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden die Oberschlesieii betreffenden wirtschaftlichen und verwal- tungZrechtlichen Fragen erörtern und dadurch in die Lage kommen,- die Wünsch: des Abstimmungsgebietes und der Provinz Schlesien noch einmal mit den berufenen Vertretern dieser Gebiete eingehend zu beraten. (

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Französisches Kriegsmaterial für Polen.

Danzig, 10. Nov. Der französische Dampfer Akarie-Louije" aus Cherbourg ist im hiesigen Ha­fen mit Artillericmateriai und Munition für Polen eingclaufen. Das Kriegsmaterial besteht an» 12 575 Körben Artilleriematerial, 38 Geschützen, 18 Lastkraftwagen und 578 Tonne» Artilleriemunitum.