Ärmliches Verkündigungsblatt des Kreises Marbmg.
Anzeiger für (das früher kurhessische) Obertzessen
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Mavbrrvg
Mittwoch, btn 9. November Nebelung.
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56.3M
1921
Erstes Blatt.
Das Minetl Brann.
Hirtfiefer- Wohlfahrtsminister.
Berlin, 9. Nov. Einer Korrespondenzmel- Idmrs zufolge hat die preußische Zentrumsfraktion Isür den Posten des preußischen Wohlfahrtsmini- ,|kiiums bett Zentrumsabgeordneten im preußischen Landtag Hirtsiefer in Aussicht genommen.
* Wie die Blätter melden, verabschiedete sich Astern der frühere preußische Ministerpräsident tztegerwald von den Beamten des Ministe- tiums. Ministerpräsident Braun begrüßte dann die Beamten und wies darauf hin, daß er im Gegensatz zu früher, wo er das umfangreiche landwirtschaftliche Ressort neben der Ministerpräsidentschaft zu verwalten hatte, seine ganze Kraft auf die Lei- chmg des Staatsministeriums einstellen könne.
Ott» Braun war von November 1918 bis April 1921 Londwirtschaftsminister, von März 1920 bis April 1921 auch Ministerpräsident. t
Scvering, von Beruf Schlosser, war bereits von Rär$ 1920 bis April 1921 Minister des Innern.
Siering, der neue Handelsminister, ist gelernter kchmied. Seit 1904 ist er Gcwerkschostsangestellter.
Die beide» volksvarteilichen Minister Dr. ».Richter (Finanzen) und Dr. Boelitz (Unterricht) sind Fachmänner. Dr. v. Richter stand 1882—1905 im preußischen Staatsdienst, war dann bis 1914 Staatsminister in Sachlen-Tobnrg-Gotha und von Mai 1917 bis 1920 Obrrpräsident von Hannover. Dr. Boclitz,char 1905 bis 1909 am deutschen Realgymnasium in Brüssel, 1909 bis 1915 Direktor der deutschen ÄealsÄule in Barcelona, seitdem ist er Gymnasialdirektor in Säest.
Dr. Aendorff war von Non?mbrr 1918 bis Ende Juli 1920 Ministerpräsident in M e-llenburg-Schwerin
Die Persönlichkeit Dr. Mendorf s.s wird von dem ^Rostocker Anz." folgendermaßen charakterisiert: „Uns m Mecklenburg interessiert wohl der Name Dr. Wentorfs. Er sagt uns, daß dieser unheilvolle M a n n fein Zerstörungswerk in Preußen fortsetzt; und 'mm wird uns auch klar, wer vermur.rch die treibende Kraft war. als die Demokraten das Kabinett Stegerwald I zum Rücktritt zwangen. Ministrrstürzen — oder, um '»ü den Worten Wendorffs zu sprechen — einer Regierung „das Rasiermesser durch den Hals zu ziehen" war ja wohl Wendorffs Spezialität. * D csmal scheint er ja zunächst Erfolg in Preußen, wo man ihn nicht kennt, zu habe«, und er wird — Landwirtschgstsmmister. Preußen darf des herzlichste» B e i u i d s aller nichtdemo- '^srNkyea Mecklenburger gewiß sein."
Tie „D. Tagrsztg." sagt, der sozialdemokratische Mini- sierpräsideut Braun gebe dem neuen Kabinett feint Prägung. Er bestimme die Richtlinien der Regierungs- Politik. Für die Durchsetzung seiner Auffassung finde Herr Brau» aber auch in der Gesamtstrv.ktur des Mini- steriuins die günstigsten Vorbedingungen. „Neben ihm Atzen zwei Sozialdemokraten und Herr Dr. Weudorsf ■im Kabinett, der nach seiner ganzen Vergangenheit im Lwcifelsfallc wohl ohne weiteres an der Seite seiner sozialdemokratischen Ministcrkollegen stehen dürste. Die Res- jfottS aber, die von diesen Ministern vrrioaltet werden, sind nach dem Wegfall der Eisenbahnen und der Untergrabung her einzelstaatlichen Finanzhoheit zweifellos die wichtigere» Ministerien: namentlich ist das preußische Ministerium des Innern heute von überragender Bedeutung." Die sozialdemokratisch-demokratische Halste des neuen preußischen Ministeriums sei also von vornherein Sgenüber den vier Ministern, die von der Deutschen Bvtkspartei und dem Zentrum gestellt werden: im Bor- teil. Aus der beabsichtigten Koalition der Mitte sei eine Lix ksregierung geworden, der wiedernm, wie «nter der alten Koalition, die Sozialdemokratie den entscheidende« Stempel gebe. Der 5. November 1921 sei «in schwarzer Tag für den preußischen Staat und das prettßyche Volk gewesen.
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MWeken.
Die Festsetzung der Grenze.
Berlin, 8. Nov. Wie die Blätter mitteilen, hat die Grenzsestsetzungskommission für Oberschlesien in der vorigen Woche in Oppeln ihre Arbeiten auf» genommen. Sie fetzt sich aus sieben Mitgliedern zusammen und zwar aus dem französischen General Dupont als Vorsitzenden, je einem französischen, britischen, italienischen und japanischen Mtgli^ß ans dem deutschen Mitglied v. Treutler und dem .Polnischen Mitglied Scembek. Der Vorsitzende der Kommsssiott erhielt von der Botschafterkonferenz An- Weisung die Grenze so festzulegen, daß bei den kam- wenden Wirtschaft-Verhandlungen keinerlei Schwierigkeiten entstehen. Tie Kommission hat nicht das Reift, größere Grenzverönderungen vorzunehmen. Ntiscm muß sich streng an die Entscheidung von Eens halten. Der Austausch von Ortschaften ist nur Möglich im beiderseitigen Einvernehmen zwischen Deutschland und Polen. Die Grenzseftsetzung wickelt A in drei Etappen ab, in der Absteckung des nöch-
Mn SeiSsln.
Ende der Steueraussprache.
142. Sitzung Vorn 8. November.
Auf der Tagesordnung stehen zunächst kleine An- r 16 g e tt.
Auf eine Anfrage der Deutsche» Bolkspartei wegen Aickerung der Not der Kleinrentner wird regie- rungsscittg erwidert, daß im Nachtrag zum außerordentlichen Haushalt 100 Millionen Mark für die kleinen Rentner eingestcM seien. Auf eine weitere Anfrxge der gleichen Partei wegen Aufbesserung ver Bezüge von Kriegsbeschädigten und KriegSbinterbliebenen sowie wegen der Beschleunigung der Arbeiten zur Neuanerkennung der Renten ertotbert ein Regier» ngsvertreter, daß die vorgebrachten Beschwerden berücksichtigt werden würden. Auch die unerledigten Ansprüche würden mü größter Beschleunigung geregelt werden.
Auf eine Anfrage von dcutschnatkonrler Seite wegen Erhöhung der Teuerungszulage der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen wird regierungsseitig auf die bevorstehenden Ausschußverharcklungen verwiesen. Aus den vom Reichstag bewilligten Mitteln habe die Regierung 580 Millionen Mark für die Verbesserung der Lage der Kriegsopfer verwandt. Bei der Beschränktheit der Mittel könnten indessen, wenn einigermaßen wirksam geholfen werden sollte, nur die wirklich Notleidende» d. h. die Schwerbeschädigten nnd die Hinterbliebenen, berücksichtigt werden.
Auf eine Anfrage von sozialdemokratischer Seite wird regierungsscittg mitgeteilt, daß eine Vorlage betreffend höherer Bezüge derAltrentnerder Sozialversicherung dem Reichstage mit größter Beschleunigung zugcheu werde.
Auf eine Anregung der Deutschen Volkspartei wird von der Regierung versichert, daß die Ausfuhr von Kartoffeln nach dem Auslande grundsätzlich verboten sei und daß gegen Zuwiderhandlungen strengste Maßregeln getroffen würden.
Abg. Mumm (Deutsch».) fragt an, oh eine Ten- denzsrhrist des Abg. Köster, „Konnten wir im Herbst 1918 weiterkämpfen?, welche von dem Ausschuß Für den inneren Frieden in Massen kostenlos verbreitet wird, etwa mit Regierungsmitteln verbreitet würde.
Ministerialdirektor Füller erklärt, daß die Regierung die Verbreitung billige und unterstütze. (Lärm rechts.)
Die Deutschnationalen fragen an wegen Verstopfung der Bahnhöfe in Pommern, wodurch ungeheure Mengen von Kartoffeln weder verladen noch versandt werden könnten. Regiernngsseitig wird erwidert, daß die Reichseisenbahnverwaltung die energischsten Anstrengungen macht, um der Schwierigkeiten Herr zu werden.
Abg. Dr. Rosenfeld (Unabh.) stellt wegen der Aufhebung des Termins in der Strafsache gegen Jagow, Waugenheim und Schiele 28 verschiedene Anfragen. Regierungsseitig wird geantwortet, der Termin sei durch den Oberreichsanwalt aufgehoben worden, weil inzwischen die Kapprstcn Bauer, Ehrhardt »sw. lick, freiwillig gemeldet hätten und man hoffen könnte, die Verhandlungen zn- iammenzulcgen. Es sei nun ein neuer Termin gegen Jagow und Gcnosicn angesetzt worden. Der Aufenthalt der Banrr usw. sei der Regierung nicht bekannt. Die Unterstellung einer beabsichtigten Verschleppung müsse zu- rückgewiesen werden.
Die Interpellation der Unabhängigen bettessend den Fortbestand von Schutzorganisationen tviri) von der Negierung demnächst beantwortet werden.
folgt die Fortsetzung der Besprechung der neuen Steuergesetze.
Rcichswirtschastsministrr Schmidt: Nach Annahme des Ultimatums trat eine Besserung der Valuta ein. Wir haben diese auSgenuht. Aber neue Ereignisse griffen störend ein, so die/ Erledigung der Entwasfnungssrage. Staatssekretär Hirsch hat seinerzeit den Stur» der Mark, btr dann eintreten würde, wohl vorausgesehen. Aber oaß dieser Stur» so wett gehen würde, hat niemand gedacht.
Abg. Dr. Becker (D. Vpt.) bedauert, daß der Reichs- wirtfchaftsminister versucht habe, den Staatssekretär Hirsch abzuschütteln. Zweifellos hat Herr Hirsch nachzuwriscn
lichen, des südlichen und des Stückes im Industrie« revier. Die Festsetzung der Grenze für* daS nördliche Stück ist in der vorigen Woche beendet worden. In dieser Woche erfolgt die Absteckung des südlichen Grenzstückes und in der nächsten Woche die Absteckung der Grenze int Judustrierevier.
Eine polnische Oberpostdirektion in Kattowitz.
Kattoißitz, 9. Rov. Neben der neuen polnischen Eisenbahndirektton soll in Kattowitz auch eine polnische Oberpostdirektion eingerichtet werden. Beide Verwaltungszweige werden sich auch aus das Teschener Gebiet erstrecke».
Das Autonomiegesetz für Oberschlefie».
Berlin, 8. Nov. Zu der Blätterrneldung, nach der die Durchführung des oberschlestschen Autonorniegesehes zweifelhaft sei, erfährt das „Berl. Tcrgebl.", datz weder die Reichsregierung noch die preußische Staatsregierung daran denken, der Durchführung des Autonomiegesetzes Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Gegenwärtig werden die Ausführungsbestimmungen jjt dem Gesetz beraten.
sich bemüht. daS Ultimatum als erfüllbar »u bezeichnen. Der Redner krittsiert dann die Art und Weise, wie der Abg. Brann gegen den Minister ausgetreten sei nnd erklärt weiter, das ganze Bündel der Steuervorlagen (stelle ein Preisrätsel vor, daS jeder nach seinem Geschmack lösen könne. Wenn daS Reich nun auch in die Grund-- und Gewerbesteuer eingreife, nehme man den Ländern die letzte» Hllssanelftn. Man müsse scharf schocken zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen deS Ultimatums. Tas Eytraordinärium erfordere noch 29 Milliarden, sodaß selbst ohne dir Beamttncrhöhnng ein Defizit von 30—40 Milliarden bestehe. Aus dieser Wirtschaft wurden wir ohne die
lalte preußische eiserne Sparsamkeit nicmals herauskommen. Roch heutt sind bei Post und Eisenbahn Zehutausende von Beamte» zuviel beschäftigt. Zum Beispiel hatten hie Eisenbahnen 1919 51,5 Prozent mehr Beamte und Arbeiter alS 1913. Dabei ist die Zahl der geleisteten Wegekilomettr um 48 Prozent zurückgegangen. Das Ultimatum ist eben unerfüllbar. Beweis dafür ist der katastrophale Stur» der Mark in Verbindung mit den wahnsinnigen Devisenspekulation. Der Redner sindet es skandalös, von der ReichsralStribüne aus im Auslande den Eindruck zu erwecken, als scheitere die Erfüllbarkeit des Ultimatum* «tt unserem guten Willen. (Zurufe recht?, Proteste Sinks.) Die Arbeitslosigkeit im Auslände ist lediglich die Wirkung der dort geübten falschen Praxis unS gegen-- über. Der Redner geht dann auf die Steuervorlagen int einzelnen ein. Auch seine Partei stoße sich nickt an den Steuern selbst, sondern an der Art und Weise,., wie sie erhoben werden sollen. Wir werden die neuen Steuern mitberaten, ohne un? irgendwie sestzulegen. Wir
•R-antragen die Berechnung der Erttagswcrtt statt der Grundwerte und stimmen hier mit dem Zentrum übereip. Ebenso bedarf die Vermögens- nnd Zuwachssteuer pem- lichstcr Beratung im Ausschuß.
Abg. Hertz (Unabh.) verlangt, daß daS Reich neue Zahlungsverpflichtungen nicht mehr mit der Notenpc.-sse befriedigen dürfe. Der Stur» der Mark müsse sofort mkgebalten werden. Darum fordere er: 1. foforr.®^/n» '.iehung des Reichsnotopfer? in drei Raten, 2. sch»':«nzste Einziehung aller Besitzsteuern. 3. solorttge Verabschiedung der Körperschaftssteuer, 4. ein« Devisensteuer von 1t» Prozent, Erhöhung der Einfuhrabgabe auf 4 Prozent nnd Einziehung der von Dentfchen im Auslande deponierten Devisen.
Reichsfinanzminister Hermes erklärt, daß tt Steuern nehmen wolle, wo er sie bekommen könne. Bon der Industrie und Landwittschaft erwarte er im übrigen se'bst nositive Vorschläge. In der Erfüllungspolitik müßten wir tun, was wir können: für eine JllnsionSpolitik könne er sich jedoch nicht einsetzen. Die am 15. November fällige Rate der Reparationen von 275 Millionen Goldmark sei durch Sachleistungen bereits abgegolten.
Rach weiteren Ansführnngen de? Abg. Dölleiu ?Kom.) und deS Abg. Geyer (Kom. Arbeitsgern.) w'rd die Beratnng geschloffen. Sämtliche Steuergesetzcntwürse werden drei verschiedene« Ausschüssen überwiefen.
Nächste Sitzung Donnerstag mittag 1 Uhr: Jnter- vettation über die Deutschen Werke, Entwurf zur Er-, gänzung des Besoldungsgesetzes.
Die Kartoffelernte.
Vollauf genügend.
Berlin, 8. Nov. Blättern zufolge dürfte nach Schätzung der amtlichen Stellen die diesfährige Kartoffelernte einen Reinertrag von 26 818 000 Tonnen haben, gegen 28480000 Tonnen im Vorjahr. Für die Ernährung der Bevölkerung würden bei einer wöchentliche» Ration von 6 Pfund etwa 5*1* Mil. lionen Tonnen gebraucht, 6ei, einer sieben Pfund. Nation 6l/t Millionen. Sechs Millionen Tonnen kommen ferner für die Saat in Frage, sodaß mehr als die Hälfte der gesamten Erzeugung frei bleibt zur Verwendung für andere Zweckt.
Polen.
Die erste Anrufung des Bölkcrbundes aufgrund bet Rote vom 20. Oktober.
Berlin, 8. Nov. Dem Völkerbundsrat wurde In der Note vom 20. Oktober die Prüfung aller Eingaben Vorbehalten. In denen eine Verletzung deS zwischen den Hauptmächten und Polen am 28. Juni 1919 geschlossenen sogenannten MinoritStsvertrages deyauptei Wird. Damit ist auch die Möglichkeit geschaffen, die Von der polnischen Regierung Im W iderlpruch zum FriedenSverttage tn den Provinzen Posen nnd Pomerellen jüngst angeordneten Liguidationen vor ein internationales Forum zu dringen. Auf Grund dieser Bestimmungen wandte sich der aus der Ostmarkpoltttk belannie Rittergutsbesttzer Heinrich v. T i e d cm a n n nunmehr, nachdem ihm der Liquidcittonsbeschluß zugestellt wurde, durch seinen Rechtsbeistand noch Gens an den Völkerbund. Er hat gleichzeitig der Dorschafter- konferenz tn Paris und dem Vertreter der Garantie- Mächte des Minoritätsverttages von den durch die polnische Regierung begangenen Vertragsverletzungen in Kenntnis gesetzt.
Teuerungsunruhe« in Neu-Pole».
Berlin, 8. Nov. Wie der .Berl. Lokcrlcrnz.* aus Schneidrmühl meldet, ist eS tn Graudenz und anderen Städte» Volntsch-Westpreutzens wieder zu Teuerungs- unrnheu getormnen. Eine große Anzahl Läden und VettansSstände wurden von der Volksmenge ge
plündert. und aus dem Wochenmartt In Granden» wurde alles kurz und Dein geschlagen.
DaS polnisch-tschechische Abkommen.
Prag, 8. Nov. Dem .Poncdelntk* zufolge enthält das ttchechisch-polnische Abkommen ble Bestimmung, nach der sich die beiden Staaten in Angelegenheiten, an denen einer von ihnen nicht direkt Intet» essiert ist, gegenseitige Neuttatttät verbürgen, während fle sich tn beide Republiken berührenden Fragen gegew fettig unterstützen sollen. DaS Abkommen ist nick» gegen Rußland gerichtet und enthält keinerlei territorial« Aenderungen. Die Tschecko-Slowakei übernimmt keim Bürgschaften für die Ostgrenzen Polens, ste verpfttcbtck sich jedoch, tn die ostpolntsche« Probleme nicht etnz» mischen.
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AmIllllN Md MsWllM.
Bon D. Dr. W. Kahl, M.d.R.
„Das- ResormationSfest ist als staatlich anerkannt« Feiertag abgefchafft. Der 9. November ist »um gesetzlichen Feiertag trflärt.v So verordnet ttn Lande Luther» vom Thüringischen StaatSministerium durch zwei Rotgesetze vom 27. Oktober 192L Das von den Vorurtelle» der Vergangenheit erlöste deutsche Volk bedarf nicM mehr der geistigen und geistlichen Güter. Ihm strömen di» Segensquellen der Revolution. An ihrem Jubiläumstage muß eS feiern. Ju anderen Ländern ist man zum gesetzlichen Zwang noch nicht fortgeschritten. Tatsächlich wird man auch dort jubilieren, die Arbeit ruhen lassen, Demon« strattonszüge veranstalten, am Siege der Revolution sich berauschen. Für das Reich ist ein entsprechend« Antrag noch nicht verabschiedet. Immerhin wich auch der Reichstag den 9. November nicht durch eine Sitzung entweihen. Der Nationalfeiertag der Revolution ist auf dein Marsch. Ob und wann er sich durchsetzen werde, steht noch dahim Aber die Führer drängen. Sie wissen, daß sie damit den größeren Teil deS deutschen Volkes reize» und verletzen, das Bürgertum und in dieses eingeschlossen weite Kreise der Arbeiterschaft selbst. Trotzdem ob« vielleicht gerade deshalb? Alle schuldige Achtung vor den Idealen deS Proletariats. Ideale kann ma» auch da achten, wo man sie nicht teilt. Aber ist wirklich jetzt die Zeit, den Sieg der Revolution zu stabllisieren?
Drei Jahre sind cS her. Jahre deS Elends nnd d« Qual. Immer tiefet hinab in Demütigung und Schande. Freiheit, Bürgcrfriede, Volksvermögen, Staatsmacht, Welt« achtnng, alles dahin. DaS ist die Schlußrechnung. Und doch Anlaß zur Feier? Freilich öffnet sich hier die abgrundtiefe Kluft bet geschickttichen Anschauung. „Nicht die Revolution hat cs verschuldet, sonder» der verlorene Sfteg allein." Die Lebenden werden sich darüber nie verständigen. Selbst der objektiven Ge« schichtsforschnng wird es nicht gelingen, die vieltauseudsach verschlungenen Kansalzusammenhänge dergestalt zu entwirren, daß Ursacke und Wirkung überall Kar festgestellt werde» kann. Aber in breiten Linie» und großen Grundzüge» liegen die Schuldanteile doch offen vor all« Welt. Der mittelbare Anteil des unglücklichen Kriege» wird von niemand bestritten. Er bat den empfänglichnl Boden der Revolution bereitet. Es kommt nur daraus an, ioa§ man unter der „Revolution" zu verstehen habe. Nicht bloß die Tat des 9. November, den Stur» der Monarchie und die Verkündigung der Republik. Hier mag man von geschichtsmaterialistischem Standpunkte aus inimethin ciiiwenden können: Die Monarchie bat nicht mehr die Kraft gehabt, sich zu behaupttn, als» mag sie untergegangen sein. Biele „Republikaner" der Gegenwart haben sich bei diesem realistischen Grunde beruhigt. Aber die Revolution hat früher eingesetzt und greift in ihre vom Kriegsverlauf unabhängige» Wirkungen weit über daS Kriegsende hinaus. Seit 1916 schon haben sie die Urlauber und andere in Heer und Manne hineingetragen und dadurch Kraft und Willen zum Sieg unterhöhlt. So wurde die Revolution schon Mitschuldige am Verlust des Krieges selbst. Da» ist geschichtlich erwiesene und von ehrlichem Revolutionären selbst zu gestandene, ja gerühmte Tatsache. Fehler und Mängel der Kricgsführung wie Unfähigkeit nick Schwäche der Staatskunst haben ihr Teil dazu beigetragen. Daß HcereS- und Staatsleitung ausei'nanderllafften, ist unS zum Verhänguis geworden. Aber das Instrument «des Sieges wurde durch den Geist der Revolution zerstört.
Und durch eben dieftn Itfiithe das Maß der Niederlage bestimmt. Auch nach verlorenem Kriege war es möglich, das Unheil zu wenden, dessen Fluch un5 in bie Gegenwart und unabsehbare Zukunft verfolgt. Auch hier spielt die Staatsform eine entscheidende Rolle nicht. Auch unter der Republik war noch ein erträglicher und ehrenvoller Friede zu retten. Nur nicht unter der ccvolulionäreu Republik vom 9. November. Sie etablierte sich al» die Organisation der Unordnung, der Rechtlosigkeit, der Gewalttätigkeit, der sinn« und gewissenlosen Auflösung bei Heeres und Verschleuderung des Heerr»- gutes. Sie hat technisch und geistig alle Möglich« feiten einer nationalen Verteckignirg vernicht et. So tonnte auch die Nationalversammlung die Katastrophe nicht mehr aushalten. Es war zu spät. Zwar tonnte man passiven Widerstand leisten. Das wollten alte diejenigen aus sich nehmen, die am 22. Juni 1919 mit Nein stimmten. Sie sagten richtig voraus, daß aUei liebel, die man durch Annahme des Schandsrieden» vev»| meiden wollte, gleichwohl und noch in t> erR5rttei»| Maße cintrekn würden. Sir wollten foiort(ge<: Leiden dem unentrinnbaren Lecken oer Zukunft und der Schande vorziehou. Aber auch die Jasager hatte» Gründ«.! die man anerkennen muß. Sie sahen alle Lrästt de» Widccstandes durch oie Revolution gebroche». Sie fafrai