Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (Ns früher MMMche) Oberhesfen
Kr. 258
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Marburg
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Sie »reiitzWe Xegiemislriie.
**) Berlin, 2.Nov. Wenn auch der Zeitpunkt, in 6fln dir preußische Regierungskrisis akut wurde, selbst de« Nächstbeteiligten überraschend gekommen ist, so war bk Entwickelung selbst doch seit einiger Zeit voraus- juseben. Tie sozialdemokratische Fraktion drängte in Preußen aus eint Krisis, weil sie der Ansicht war, dabei ihre Geschäfte am besten besorgen zu können. Sie brach in der vorigen Woche die interfraktionellen Besprechungen, die in sachlicher und persönlicher Hinsicht dem Abschlüsse nicht mehr fern waren, plötzlich ab. Die Erklärung, oie fit dafür hervorhvlte, war als bloßer Vorwand aus Mei- ’fcn erkennbar. Die sozialdemokratische Fraktion fühlte 'sich angeblich außerstaridc, mit der Deutschen Volkspartei ’tnflter zu verhandeln, nachdem die sozialdemokratische Schwestersraktion im Reich im Stiche gelassen und sogar z,bekämst" worden sei. Das alles, weil man den ' Sozialdemokraten im Reiche das zutrautc, was ihre Presse täglich als das einzig Richtige verfocht: Die Absicht. lick dem Machtspruch der Verbündeten unter allen Umständen p beugen. Wenn das Gefühl einer garuicht vorhandenen Kränkung nun auch noch in Preußen auSgespielt wurde, so konnte man dar nicht ernst nehmen. Die Sozialdemokraten gaben vor verstimmt zu sein, und man merkt? bald die Abstcht. Sie suchten Anschluß an die Koniunktur, die sich im Reiche durch die neue Berufung Dr. Wirths Mb den Eintritt der Unabhängigen in die Vertrauens- Mehrheit für daS neue Kabinett eröffnet hatte. Ter Gedanke der großen Koalition wurde nun auch in Preußen von den Sozialdemokraten fallen gelassen und dafür die Forderung der Linksmehrheit ans den Schild erhoben.
Seit der vorigen Woche war diese Entwicklung ganz ( Rar zu erkennen. Die Frage war aber damals noch, ob das Drängen der Sozialdemokratie bei den bisherigen !• Koalitionsparteien, Zentrum und Demokratie, und bei dem Ministerpräsidenten Stegerwald Widerstand oder Entgegenkommen suchen werde. StegerwaL gab in ienen Tagen in einer im „Deutschen" abgegebenen Erklärung der Aufsasstkns Avsdrnck, man könne brr Sozialdemokratie den Eintritt in die preußische Regierung nicht wohl > erwehren, nachdem sie im Reich, wie er sagte, in die Bresche gesprungen sei. Der preußische Ministerpräsident betonte aber gleichzeitig, daß er an der Notwendigkeit der breiten Koalition der Mitte festbalfe. Da die lSozialdemvkratk vorher ihre Abneigung gegen die Koa- Mon der Mitt« deutlich zu verstehen gegeben hatte, ife waren die Aeußerungen Stegcrwalds in ihrer letzten ^Auswirkung ei neeinscitige Ermutigung der Sozialdemokraten. Das zeigte sich denn auch bach darin, daß bk sozialdemoratische Fraktion ihre Forderung immer stürmischer erhob. In den letzten Tagen sind dann hinter den Kulissen Verhandlungen geführt Wochen, in deren Verlauf die Sozialdemokraten die von ihnen gewünschte Krisis herbeiführten. Aeußerlich kam sie dadurch zum Ausbruch, daß die Demokraten infolge der überspannten Ansprüche und der grobkörnigen Drohung .der Sozialdemokraten ihre Ministcd au8 dem Kabinett izprückzogen, und daß dann Steger.vald in einer geschickten s taktischen Wendung von sich aus den Rücktritt der Regierung erklärt«. Die eigentlichen Treiber aber waren die Sozialdemokraten, die die bisherige Koalition, Zentrum und Demokraten, vor ein Entweder-Oder stellten: Eni- ,Weber Aufnahme der Sozialdemokraten in das Kabinett ,*et schärfsten Ansturm der sozial!emokratischen Opposition. Tie schmale Basis der gegenwärtigen Koalition ist . unter diesem Druck zusammenxebrochen.
WaS wird nun werden? Es ist viel die Rebe von '«mein sogenannten Uebergangskabinett. Man »ersteht barunter eine Wiederaufrichtung der früheren 1 Koalition zwischen Zentrum, Demokraten und Sozialdemo- fntten. Dieser Verzicht auf die breitere Koalition soll aber angeblich nur-vorübergehend fein. Sobald die gegen- Därtige „Verstimmung" der Sozialdemokraten »erflogen D, will man auch der Deutschen Volkspartei den Zutritt jfteigeben, der bis dahin zwei provisorisch besetzte Ministerien Vorbehalten bleiben sollen. Zur Erörterung steht beiter die Möglichkeit derselben Regieruitgsbasis, die s ggentoürtig im Reiche vorhanden ist: Zentrum und dozialdemokraten, ferner die einer breiten Regierungsbasis »en Deutscher Volkspartei bis einschließlich Mehrheitssozialdemokratie. Für alles das soll >mch der Versicherung e namentlich demokratischer Blätkr die Bahn zur Zeit frei, sein. Mit der Möglichkeit ^ner Rückkehr der bisherigen Koalition, Zentrum und Demokratie, rechnet man ^icht. Wenn man die Lage unbefangen Prüft, so bild man auch an die Möglichkeit der sogenannten breiten Koalition der Mitte nicht gut glauben können Tie Sozialdemokraten, di« ihre Abneigung gegen eine solche Kegienlngsbildung deutlich genug erklärt haben, werden ihren Sinn so bald nicht ändern. Denkbar wäre als Pro- disorium dieselbe Zusammensetzung wie gegenwärtig im Reich. Am eifrigsten aber wird ganz offenkundig aus das Zustandekommen des oben gekennzeichneten lieber Sangsministeriums hingearbeitet, das die frühere Koa- ution der Demokraten, des Zentrums und der Sozialdemokraten wieder aufrichten'und die Erweiterung nach rechts einem späteren Zeitpunkt überlassen soll. Man weiß l sucht, ob die drei genannten Fraktionen einem solchen gfane innerlich geneigt sind, und ob Stegerwalo den Sozialdemokraten den Gefallen tun wird, die.Bildung feier solchen Regierung in die $>aab zu nehmen. Sicher ist kUnfalls, daß ein solches Kabinett kein flebergangk- vi nisten um sein würde, sondern daß es von den Sozial- Demokraten bewußt vorgeschoben wird, um den llcbergmg k einem Dauer zu stand zu machen, der die Preu- »sch« Regierung auf eine Linkswenduug sestlegt und die Unabhängigen zu srillen Teilhab.rn macht. Des-
9it Weno ütr Würger.
Die ungarische Regierung hat die Forderung der Großmächte auf offizielle Absetzung de^ ganzen Hanfes Habsburg zwar angenommen, ist' aber keineswegs sicher, ob die heute zusammentrelende Nationalversammlung diese Verfassungsänderung gutheißen wird. Die Fraktion des Bauernführers Szabo, die allein die Msetznng des ganzen Hauses Habsburg verlangt, ist nur etwa 60 Mann stark. Der Konflikt wird also nicht leicht beizulegen sein, zumal die Kleine Entente noch immer entschlossen istz militärisch einzugreifen, falls Ungarn ihren Wünschen nicht baldigst nach- kommt. Was freilich die Westmächte zu solchen Eigenmächtigkeiten sagen werden, ist eine andere Frage. Sie haben ja den Gernegroßen in Prag und Belgrad deutlich zu verstehen gegeben, daß diese die Sorge für die Erledigung der ungarischen Frage ihnen überlassen sollen.
• Nach neuen Meldungen sollen über die Regelung der Königsfrage in Ungarn ein Einverständnis erzielt worden sein: '
Budapest, 2. Nov. In der heute unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten abgehaltene» inter» parteilichen Konferenz wurde der Entwurf der Vor- läge zur Regelung der Königsfrage einstimmig an- genommen.
Prag, 2 Nov. Die ungarische Regierung teilte der tschecho-slowakischen Regierung offiziell mit, daß sie alle Beschlüsse durchführen werde, die ihr von den Regierungen der Großmächte vorgelegt werden.
Erklärung der Absetzung biS 7. November.
Paris, 2. Nov. Damit die Versicherung der Budapester Regierung, die Absetzung der Habsburger zu erklären, der Kleinen Entente die Möglichkeit gibt, ihre militärischen Vorbereitungen einzustellen, hat die Botschafterkonferenz beschlossen, von der ungarischen Regierung zu verlangen, daß diese spätestens bis 7. November tatsächlich die Absetzung der Habs- 5nrget erklärt. Darauf beschäftigte sich die Bot- schafterkonferenz mit der Frage, in welcher Weise Exkaiser Karl zu internieren, insbesondere auch in welcher Weise er zu überwachen sei.
Belgrad, 2. Nov. Der frühere König Karl und die Königin Zita haben heute Nacht Belgrad passiert.
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Polnisch-tschechisches Abkommen.
Wien, 2. Nov. „Prager Venkov" meldet aus Warschau: Der Außenminister Skirmnnt hat im parla- mentarifchen Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten erklärt, der einstweilige polnisch tschechoslowakische Handelsvertrag fei bereits unterschrieben, er werde jedoch erst nach Abschluß des politischen Uebereinkommens zwischen den beiden Staaten in Kraft treten. Den polnischen Blättern zufolge soll dieses politische Abkommen folgende drei Bedingungen enthalten: (gegenteilige wohlwollende Neutralität für den Fall des Angriffes von einer benachbarten Macht: Freiheit des Munitionstransportes über die Grenze: Einsetzung einer gemischten Kommission zur Regelung der Frage der Minderheiten.
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Verhaftungen Deutscher durch Franzose«,
Gleiwitz, 8. Nov. Am Montag abend 8 Uhr erschienen Mtzluh in der Lohmeierstraße französische Soldaten, die die Zugänge zum evangelischen Bereins- 6an8 absperrten. Hierauf wurde eine Durch- suchu n g der Räume des Beremshauses vorgenommen und die an dem UebungSabend teilnehmenden Leute, ehemalige Kriegsteilnehmer und frühere Schüler der Mittelschule, etwa achtzig verhaftet und in die französische Kaserne gebracht.
Warnung der Botschafterkonferenz auch an Pole«.
Berlin, 2. Nov. Wie nunmehr zur Kenntnis der deutschem Regierung gekommen ish richtete die Botschafterkonfevenz an die polnische Regierung die gleiche Note Wer die Gefahren des Eintritts Landfremder nach Oberschlesien wie diejenige, die dem deutschen Botschafter in Paris überreicht wurde.
Nur eine Episode.
Oppeln, 3.Nov. Auf Einladung beS Ortska'rtells Gleiwitz versammelte sich am Montag eine große An- rabl, von Vertretern christlicher Gewerkschaften Obe» schlesiens im Stadtgarteufaale, um dem Vortrag des R-ichstagSabg. Ehrbardt über die gegenwärtige und zukünftige Lage zuzuhören. Der Redner führt« u.a. au?: Wenn deutscherseits so hätte gearbeitet werden können, wie Polen arbeitete, so wäre für Deutschland zweifellos ein weitaus günstigeres Abstimmungsergebnis her- auSgekommen. Es braucht nur daran erinnert zu werden, daß in den Kreisen Pleß und Rybnik und in anderen Grenzgebieten die deutsche Propaganda fast unmöglich war. Das Ergebnis der Entscheidung über Ober- Schlesien ist ein verstümmeltes Wirtschaftsgebiet. Sobald die politische Grenze mit Bestimmungen über den freien Warenverkehr, bk Beibehaltung der deutschen Währung, des EifenbahnsystemS. ufto. in Kraft tritt, wird sich das Schieber- und Wuchertum um Millionen bereichern. MiwSicherheit ist auch anzunehmen, daß die soziale Versicherung, die Betriebsräte, die Einrichtung des Schlichtungswesens und andere Errungenschaften der Arbeiterbewegung trotz der papiernen Zusicherung vernichtet werden. Aus diesen und an deren Erwägungen ist «S unsere erste Forderung, maßgebenden Einfluß auf die Gestaltung des wirtschaftlichen Abkommens zu erhalten. ES muß dafür Sorge getragen werden, daß Bürgschaften für die Arbeiterrechte geschaffen werden. Es ist wohl möglich, durch eine Grenze ein Gebiet zu zerreißen. Möglich ist es aber nicht, uns von den Teusich- fühlenden zu trennen. So bedeutet auch die jetzige Ent- kbeibung nur eint Episode in der Weltgeschichte. Uns bleibt die Hoffnung auf Wiedervereinigung. , ;
Scharfe spanische Kritik. ■N*,v
Madrid, 2. Nov. In der Kamm« hat OlaS- goago scharf das Verhallen des Völkerbundes in der oberschlcsischeu Frage kritisiert. Sein Spruch sei ein Hohn auf die Gerechtigkeit. In der Welt gelte allein noch die brutale Gewalt. , .. ;
Berlin, 2. Nov. Zn Delegierten 8er 'gemischten Kommission für Oberschlesien sind Geheimer Bergrat B u n z e l und Bankdirektor SchleuSner (Schlesischer Bankverein) ernannt worden.
halb wird die Deutsche Volkspartei sich auf eine solche Lösung auch sicher nicht einlassen. Sie wird die Teilnahme an einem Spiel verweigern, bä dem sie letzten Endes doch der Betrogene sein muß. Ersteht also die alte Koatittvn toicber, und sei es auch unter dem Deckmantel eines „Uebergangs"- oder „Geschäfts"- MinisterinmS, so kann sie der schärfsten Opposition von rechts gewiß sein. j -.
Es verlautet, daß der Landtag heute noch nicht zusammentritt.
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Die neuen BeamLengelMer.
Tle neuen Beamtengehälter werden betragen:
Grundgehalr: Gruppe 1: 7500—11000 'M; Gruppe 2: 10 000—13 000; Gruppe 3: 11500—15 000;
Gruppe 4: 12 500—16 000; Gruppe 5: 13 500-17 000;
Gruppe 6. 14 500—19 500; Gruppe 7: 16 000—22 500;
Gruppe 8: J8 000—26 000; Gruppe 9; 21 000-31 000;
Gruppe 10: 25 000-37 000; Elruppe 11: 30 000—44 000;
Gruppe 12: 38 000—57 000; Grupp- 13: 53 000-80 000;
Einzelgehälter für die obersten Spitzen: Gruppe I 80 000 M, Gruppe II 90000 M, Gruppe III 105000 M, Gruppe IV (Staatssekretäre) 140 000 M, Gruppe V (Minister) 180000 M.
Ort s z»f ch l ä ge: Vis 11500 M Grundgehalt: 1200- 3200 M (Klasse C 2000): bis 12700: 1500—4000 (2500); bis. 15 200: 1500-4800 (3000); bis 16900: 2100-5600 (3500); bis 25 500: 2400-6400 (4000); bis 58 000: 2700—7200 (4500); über 38 000: 3000 bis 8000 (5000).
Kinderbeihilfen: 150—200—250 'M.
S tätare erhalten vom Grundgehalt im 1. und 2. Satire 95 ö. H., im 3. Jahre 98-v. H, dann 100 v. H-, Oriszuschlag und Kinderbeihilfen in voller Höhe.
Tie Besserstellung beträgt im Durchschnitt 25—30 v. H.
Wie die Blätter hören, ist die neue Beamienbesol- dungSordnung dcn zuständigen Ausschüssen des Reichs
tags zugegangen. Das Plenum des Reichsrats wird sich am Montag mit der Angelegenheit beschäftigen.
■ Str Schlag gegen Ne Üenllchen Werke.
Die Arbeiter gegen den ZerftörungSwahnsinn.
Berlin, 3. Nov. Gegen den Versuch der Ententekommission, die Betrieoe der Deutschen Werke lahm- znlegen, protestierten gestern tn einer Versammlung im Serrenhause die Arbeiter und Angestellten der Deutschen Werke, die die Zentrale für die vierzehn Betriebe der Gesellschaft tm Reiche darstellt. Der erste Vorsitzende des Betriebsrates Stückten wies darauf hin, daß der von der sranzöstschen Militärclique diktierte Schlag gegen die Deutschen Werke in erster Linie bfe Tausende von Arbeitern und Angestellten dieser Werke treffe. Di« Protestkundgebung habe den Zweck, den unzweideuttgen Willen der Arbeitnehmer festzustellen, sich die geplanten unerhörten Maßnahmen nicht mehr gefallen zu lassen. Der zweite Vorsitzende des Betriebsrates Becker appellierte an die Arbeiter und Angestellter Frankreichs, daß sie die deutschen Kollegen vor Arbeitslosigkeit und Not bewahren mögen. Die Versammelten erblickten in dem Vorgehen einen systemattschrn Feldzug der sranzöstschen Militärpartei, der daraus hinauslaufe, Deutschland und sein Volk zu vernichten.
D a n a n, 1.5Iov. In einer Betriebsversammlung des Werkes „Wolsgang" bei Hanau wurde von der Direftion und dem Betriebsrat über dk von der Jitter- alliierten Kommission geforderte Stillegung der Deutschen Werke (früheren militärischen Betriebe) Bericht erstattet. Die Betriebsversammlung erklärte, daß sie der Forderung auf Zerstörung der Maschinen und Gebäude nicht nachkommen würde. Nur durch bewaffnete Gewalt könne die Arbäterschast ans den Werken getrieben werden. Zum Schluß wurde eine Entschließung angenommen, die dem Hauptvorstand der Deutschen Werke übermittelt werden soll, und in der bk Hauptleitung der Deutschen Werke als die Vertretung des Betriebes und der Allgemeine Deutsche EewerkschaftSbund als Ver
treter der deutschen Arbeiterschaft aufgeforberi ireiben, alles zu tun, batnti bk Werke, bk Zehntausend- von butt- schon Arbeitern Verdienstmöglichkät gewähren, nicht bei Schließung anheimfallen. > 1 t . •
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Mtztml M InWtzMW.
Von unserem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter.
Heutzutage beschäftigt sich nicht nur der Fachmann mit den.Gruudftagcn unseres Geld- und Finanz« ivesens, sondern diese Probleme haben eine so eilige« meine praktische Bedeutung gewonnen, daß sie sich jedem aufdrängen, der gewohnt tst, über das täglich, Leben und seine Ereignisse nachzudenken. Wer Hai sich früh« außer dem berufsmäßigen Volkswirtschaft« let mit dem Problem der Valuta oder gar der De« Visen beschäftigt? Heute beherrschen diese Begriff, unter ganzes Wirtschaftsleben. Der geringste Einkauj oder Verkauf stößt uns von selbst auf diese Grund« lagen des Geldwesens. Darum sind diese früher so wenig geläufigen Fachansdriicke heute tn jedermanns Munde. Gar mancher freilich, der mit .Valuta" und „Devisen" herumwirst wie et« BSrsenmensch, ist sich über die etgentltche Bedeutung dieser Worte, wenig klar und weiß darum auch nicht, warum sie einen s» groben Einfluß auf unser Leben gewonnen haben. Im Nachfolgenden soll einiges über diese Zusammenhänge gesagt werden:
Ware und Geld stehen zu einander in einem fort' während wechselnden Verhältnis. Der Laie merkt daS an den Veränderungen der Preise aller Waren. Et glaubt daher, die Ware sei das Veränderliche, daS! Geld daS teste Moment tm Handelsverkehr. So ist ess auch ziemlich in der Praxis ruhiger, normaler Zeitem In Wirflichkeit aber ist fowohl der Wert des Geldes wie der der Ware veränderlich. Nur find die Schwankungen des Geldwertes in ruhigen Zeiten fehr gering und daher im Vergleich zu denen des Warenwertes kaum bemerkbar. Heutzutage dagegen liegen di« Tinge beinahe umgekehrt. Man kann fast tagen, daß jetzt der Wert der Ware das feste Moment im Han- delsaustaufch ist, während der Geldwert fortgesetzt fchwankt. Wir stnd in erheblichem Matze auf bett Handelsaustausch mit dem Auslände angewiesen. DaN Geld des Auslandes aber hat einen andere» Wert als das unsere. Das hettzt, es steht zu der Ware sowohl wie zu unserem Geld- in einem besonderen Verhält« nis. Es ist zwar auch durchaus nicht fest, aber «• schwankt weniger als das unfrtge. Diese? doppelte Wertverhältnis unseres Geldes zur Ware und zum Geld« des Auslandes bezeichnet man als Valuta. Si« ist der eigentliche, innere Wert unseres Geldes, wemt wir heute damit unsere Bedürfnisse decken wollend Dazu brauchen wir heute den Austausch mit bett! Auslande unter allen Umständen, da die Erzeugnisse unseres Landes nicht ausreichen, um unsere Bevölkerung zu ernähren und ihr genügettd Erwerb zit schäften. Wenn also die deutsche Mark bei dem Eilt» kauf (ausländischer oder inländischer) Waren einen anderen Wert hat als gestern nttd ich dementsprechend mehr oder weniger deutsche Mark auswenden ntutz, sch nennt man dieses WerwerhülMis die deutsche Valuta.)
Warum ist nun unsere Valuta heute so schlecht,! oder anders ausgedrückt, warum ist der innere Wert! unseres Geldes so tief gesunken? Die Entwertung begann bereits während des Krieges und war damals verursacht durch die Absperrung der Aussuhrmöglich- Jett. Die Valuta hängt nämlich ab von dem Verhält* nis unserer Warenetnfuhr zu unserer Warenaussubr. Führen wir weniger Waren aus, als wir vom Auslande beziehen müssen, so verschlechtert sich unsere Valuta, während sie tm umgekehrten Falle sich bessert. Auch in FrtedenSzetten gab es Schwankungen in die« ser Einsicht, wenn z. B. in einer WirtschaftSstise unsere Ausfuhr sich verringerte. In diesem Falle führten wir deutsche Mark in Goldmünzen nach dem Auslande aus, bezahlten damit unseren Einfuhrüberschuß und stärkten so unsere Valuta. Seit bem Kriege fehlt uns diese Möglichkeit, unsere Valuta zu regulieren. Schon während des Krieges mußte« wir vielmehr Waren einführen, als wir ausführen konnten. Ta wir nicht genügend Gold auLfiihren konnten, um das Gleichgewicht herzustellen, so sank unsere Valuta ständig. Als der Friedensfchlutz nnS unseres Goldvorrates fast restlos beraubte, beschleunigte fich nattirlich der Va- lutasturz. Zugleich vermindert« sich auch unser Kredit, das heißt das Vertrauen des Auslandes zu unserer Fähigkeit, durch eine Steigerung unserer Ausfuhr die Differenz zwischen Ein- und Ausfuhr, mit anderen Worten zwischen unserer Zahlungsverpflichtung an das Ausland und unserem Guthaben tm Ausland« zu beseitigen und damit unsere Valuta wieder zu heben.
Der Kredit spielt selbstverständlich tm internattonalen Austausch die Hauptrolle. Wenn wir Waren aus dem Ausland« beziehen, so bezahlen wir sie nicht mit barem Gelde, sondern mit Wechseln oder Schecks auf das Ausland. Diese nennt man Devisen. Sie werden zur internationalen Zahlungsausgleichung benutzt und an den Börsenplätzen gehandelt. Daher haben die Devisen der verschiedenen LSndn ebenso i wie das Geld einen Kurs, d. h. sie stehen in einem; bestimmten, schwankenden Verhältnis zueinander., Führen wir dagegen viel Waren ein, so erhält das ■ Ausland einen großen Vorrat deutscher Devisen. DaS hat zur Folge, daß der Preis der deutschen Devisen, | b. h ihr Verhältnis zur Ware und damit ihre Kauf-. kraft fällt. Umgekehrt erhalten wir, wenn wir mehr! Auslandswaren einführen, alS wir deutsche Waren i nach dem Auslande auszuführen vermögen, nicht genug Auslandsdevisen. Da unser Handel aber bestrebt ist die eingefübrtcn Waren dem Auslande durch Aus- landsdevisen, also Wechsel des Auslandes zu bezahlen,! so steigt die Nachfrage nach solchen und damit auch ihr Preis, den wir in Papiermark auszudrücken pflegen. Es entsteht eine D e v i s e n 1 e u e r u n g, die wir auch * als Entwertung unseres Geldes zu fühlen bekommen, denn wir wollen doch vermittels der AuSlandSdevisen ausländische Waren kaufen.
Zu diesen natürlichen Ursachen der Entwertung unteres deutschen Geldes kommt nun «och in neuesterj Zeit ein bes»«ders schwer in?__Gewicht saLender>