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mit dem Kreisblatt für den Kreis Marburg

Tageszeitung für (das früher kurheffifche) Oberhessen

Marburg

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1921

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Bei Auskunft durch Die Geschäftsstelle und Vermittlung der Ange­bote 75 Pfg. Sondergebühr.

Die »Oberhessilche Zeitun- ' erscheiut sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 6 Mk, durch die Post 6.15 Mk. Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. — Verlag von Dr. E.Httzeroth. — Druck der Unio^Buchdruckerei von Job. Aug. Koch, Markt 21.23 — Fernsprecher 55, — Post­scheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

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von Dr. Fritz Mittelmann, M.d.R.

96$ «nrühmliche Ende, das der Osterspaziergang »nerretl gefunden hat, hat die Exkaiserin Zita nicht tiion abgehalten, ihren Gemahl in ein neues Aben- ucr zu stürzen. Hoch in der Luft ging diesmal die ilft in das Land der Stefanskrone vonstatten, und le größten Erwartungen wurden an die Unter- chmung geknüpft. Dennoch ist auch dieses Abenteuer |fltt zusammengebrochen: Kaum eine halbe Woche <ph der Landung befinden sich Karl und Zita unter renger militärischer Bewachung als Gefangene auf Wob TokiS.

ES war also nichts mit der Hoffnung, dass Ungarn inem letzten König in Begeisterung zujubeln würde, Ws mtt der Annahme, daß vom Burgenland aus t habsburgische Bewegung zunächst nach Wien und (ii da aus in die Alpenländer getragen werden uiibe. Ablehnung empfing den Kronprätendenten in «aarn, und die Unterstützung der sckwarzgelben nise i« Deutschösterreich blieb aus, sa teilweise rück- n fit merklich von einem Abenteuer ab, das vom Au­ing an zum Scheitern verurteilt schien.

Mtt diesem vorläufigen Ausgang dürfte das bemeuer, das leider auch braven Soldaten das Leben Mel hat, indes Noch keineswegs beendet sein. Allein le zukünftige Internierung Kaiser Karls wird manche chwieriykeiien mit sich bringen, zumal eine der Gross- ächle alle Veranlassung hat, sich für ibn zu inter- sieren. Genau wie das erste Abenteuer, so stand auch is blutigere zweite unter der Mitwisserschaft und der fügen Förderung Frankreichs. Wiederum wie «-als nennt man einen frauzösiichen General als ermittler, und wiederum sind die Vorbereitungen 6t französischem Geide getroffen. Auch dürfte es Wohl fot Zufall sein, daß der Führer des Flugzeuges ein pnzösischer Offizier war. Das Ziel, daS Frankreich 6t der Unterstützung der Ylbentenerer-Volitik des Ex- isers Karl verfolgt, liegt auf der Hand. Der leitende ^ichlspunk» der französischen Politik ist und wird miet sein die gänzliche Z e r t r ü ul m e r u n g und lerftütkelun g Deutschlands. Mit allen st nein sucht Frankreich dieses Ziel zu erreichen, und le Restauration der Habsburger in Ungarn erschien

S eine bedeutsame Etappe in dieser Entwickelung, in Hintergründe aller Erwägungen steht dabei die Mrennung Süddeulschlands vom Norden, wobei en wohl die Ansicht vertritt, das, in Verbindung i iti in Anlehnung an das restaurierte ungarische tibLburger Reich eine Donausöderation entstehen , ich. BiS zur Aufrichtung eines katholischen süddeut- m Staates, der mit dieser Donauföderatton in rem Bunde stehl, wäre es nach Frankreichs Rech-

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London, 26. Okt. Reuter erfährt, es sei vor

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stNernehmung gesprochen werden.

Vom deutschen Standpunkte aus ist dieser Ausgang rs Abenteuers auf das Freudigste zu begrüßen, die Wiederkehr der Habsburger in irgend einer Form bedeutet eine grosse Gefahr für den Anschlutzgedanken, er für das deutsche Volk einer der wenigen Lichtblicke t die es in dem furchtbaren. Zusammenbruch über­haupt gibt. Auch die «muarchischsten Kreise in Deutsch- kib werden Kaiser Karl auf das schärfste verur­teilen und ihm nicht die geringste Sympathie ent- stgcnbringen; denn er ist ein Verräter an der femschen Sache, und ein gut Teil unseres Unglücks

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eng dann nur noch ein Schritt.

Diese Pläne dürsten indesicn genau wie das Aben- ner Karls zum Scheitern verurteilt sein; denn nicht ei die kleine Entente — und dles beweisen die Mo- lmachu^gen in den verschiedenen Ländern zur Ge­ige — wehrt sich gegen ein solches Beginnen eiter» Vfc, sondern auch Italien wäre unter keinen Um« btden in der Lage, eine derartige Politik zu dulden. Sr Italien ist die Wiederkehr der Habsburger un- ltgbar. Wollte Frankreich den Versuch machen, etwas inarilges zu erzwingen, dann würde es in Rom, wo fe Stimmung gegenüber Frankreich an sich schon »tzcrst gereizt ist, auf Granit beissen. Selbst wenn ib die Abwickelung des ungarischen Abenteuerers so­llt noch einige Zett htnzögern sollte, so kann trotzdem die schon von einem Zusammenbruch der ganzen

schlagen worden, den vormattgen Kaiser Karl nach Italien zu verbannen. Die britisch« Regierung sei Hoch'der Ansicht, er müsse viel weiter geschickt *trbtn, damit ein neuer Versuch, den Thron wieder zu

• langen, unmöglich werde.

Wi en, 26. Ott. Graf Osztenburg wurde nach Budapest übergeführt. Er hatte sich auf einem Waisselde versteckt. Mehrere andere Offiziere, die IN beit Vorbereitungen zu dem Putsch teilgenom- Men hatten, sind verhaftet worden. Alle wurden M Milttärgewahrfam genommen. Graf Andrassy, Makowski und Dr. Gratz wurden nach Budapest ge- Wckt, um in das Gefängnis eingeliefert zu werden. Me Staatsanwaltschaft wird wegen Anklage er- Weben. Aus Ungarn wird gerüchtweise gemeldet, Oberst Lehar von seinen eigenen Soldaten aus Mr Flucht erschlagen worden sei.

Prag. 27. Ott. (Telunion.) Infolge der ge- Wderten Sachlage in Ungarn haben nur jene MchechoflowakLn einzurücken, welche bereits Ein- E^N'ngskarten erhalten haben. '

I auf feine verräterische Politik zurückzusühren. Nur fest Entrüstung kann man von dem Buch Kenntnis tarnen, das der Schwager Kaiser Karls, Prinz Six- Ite von Parma, soeben in Paris veröffentlicht hat eb aus dem hervor acht, wie weit die verräterischen fette Karls bereits im Jahre 1916 gediehen waren. kgesichtS dieser verräterischen Haltung hat Exkaiser krl in deutschgesinnten »reifen auf keinerlei Stzm- *i6ien zu rechnen, und eS wäre zu wünschen, datz llesem Abenteuerer auf dem Thron endlich das Hand- beir politisch für alle Zeiten gelegt würde.

Das neue Kabinett Wirth vor dem Reichstag.

5it Mk hs Mt5l«r!m.

Enfendung eines Vertreters ju den Verhandlungen mit Polen.

l 13 8. Sitzung vom 26. Oktober.

Haus und Tribünen sind überfüllt. Auf dem Reichs- tagsaebände wehen die Fahnen «ul Halbmast.

Auf der TaaeSmchmung steht di« Beratung der Ent- scheiduna der Botschasterttmferen» über Oberschlesien.

Präsident LZ b e eröffnet die Sitzung und führt aus. die Sitzung müsse Stellung nZhUien zu dem schweren un­heilvollen SchLag, den das Vaterland unter der Zer- veißuno Oberschlesiens erlitten hab«. Er wolle der Entsch?ö>ung des Hauses nicht vorareiken. aber er müsse doch «mwe Worte sagen, indem er der 220 000 Familien -«denke, die ihre Stimme für Deutschland abgaben und nun aezwungen von uns Abschied nehmen müßten Mr wollen ihnen noch einmal di« Hand auf die Schulter legen und sagen: Treue um Treue. Dieses Gelöbnis wird geschehen. (Bravo.)

Nach Erledisnnq geschäftlicher Anoeleaenbeiten nimmt Reichskanzler Dr. Wirth das Wort: Auf Grund her Bitte des Reschsvrtst-deuten bade ich die Neubildung des

Die Liste der Minister.

ist folgende:

Reichskanzler und AeußereS Dr. Wirth, V-z-kanzler >md Schatzminister Bauer, Inneres Dr. Köster. Webmniuister Dr. Gehler, Wiederaufbau unbesetzt, Mrtschnftsminister Robert Schmidt, ErnährurigS- minister und vorläufiger Reichsfinanzminister Dr. H er­mes, Vostministrr tzZiesberts, Arbeitsminister Brauns, Verkehrsminister Gröner, Justizminister Dr. R a d b r » ch.

Die neue Regierung ist in einer schweren Süßeren Lago des Reiches und unter innenvolitischen Stfetriery- feitsn a-dildet worden. Ich habe von dem Herrn Reichs-' Präsidenten das veranlwortnnasvolle Amt übernommen und Mitarbeiter gesucht und gefunden, die mit mrt eines Glaubens sind, daß es nicht angängig ist, da? Schicklai des Vaterlandes durch eine lange Krisis der Reaierungs- b'lbung eher durch eine handlungsunläbiae Regierung auss Spiel zu setzen. Ich spreche auch diesen Männern an dieser Stelle besonderen Dank für ihre Bereitwilligkeit zur Mitarbeit aus. (Beisall links.) ,

Es ist uns durch die Verhältnisse auferlegt worden, innerhalb kürzester Frist Stelltmg zu bet Entscheidung der Botschasterkonserenz über Oberschlesien zu nehmen und ->ie damit verbundenen Entschlüsse durchzuführen. Vor die Entscheidung der Botschasterkonserenz gestellt, bat (ich die frühere Negierung mrtschlossen, dem Herrn Reichs­präsidenten ihre Demission airzuzeigen und mit diesem Schritt die Auffassung bekräftigt, daß sie die Entscheidung über Oberschlesien in der Form wie sie erfolgt ist, für ein Unrecht, für ein Unglück aniiebt. Sie bat zugleich mit dem ihren Rücktritt begründenden Schreiben au den Reichspräsidenten sich dabin ausoesprochen, daß durch den Spruch der Dotschafterkonl-renz eine neue poli­tische Lage geschaffen fei. Im Namen der neuen Regie­rung erlläre ich, daß auch sie in der Verurteilung der Entscheidung fiter Oberschlesien in nicktS von dem Stand- vuntt der vorigen Regierung abweicht. Auch die neue Regierung ist der Meinung und betont dies feierlich vor aller Welt, daß durch den Spruch der Botschafterkonferenz Deutschland und tem betroffenen Oberschlesien harte Gewalt angetan wird. (Lebhafte Zustimmung.)

• Di? Entscheidung durften »rach dein Vertrag.die Hauptmächte nur selbst treffen. Sie haben sich dieser Bflicht jedoch dadurch entledigt, daß sie den Rat de? Völkerbundes um ein Gutachten ersuchten und zugleich untereinander dahin übereinkamen, dieses Gutachten, wie es auch lauten inöge, als für sie bindend hinzunehmen. Nach unserer Auffassung, die mit dem allgemeinen Nechts- empstnden identisch ist, verstößt die dann liegende Uetertragung der Entscheidung an eine andere Instanz gegen den klaren Wortlaut des Friedens- vertra ges. (Lebhafte Zustimmung.) Tie getroffene Entscheidung muß selbst anerkennen, daß die allüertcn Hauptmächte nicht imstande gewesen sind, eine Grenze zu ffnden, die sowohl dem durch diese Abstimmung bekunde­ten Willen der Einwohner, als dem geographischen und wirtschaftlichen Verhältnissen perecht wird. Sie stellt vielmehr ausdrücklich fest, daß die gewählte Linie wich­tige wirtschaftliche Interessengebiete zerreißt, also die Gefahren Md Nachteil« für das Land Oberichlefien nicht vermeidet, die dnrch die Bestimmung des Vertrages vermieden werden sollte. Daraus ergibt sich, daß eine solche Grenze nicht gezogen werden durste, weil Sie die Deutschland durch den Vertrag gewährleisteten Rechte verletzt. (Lebhafte Zustimmung.) Zugleich mit der Festsetzung der Grenzlinie, haben die alliierten Haupt­mächte beschloffeks, den beteiligten Staaten

ein 11 e 6 e r ga i: gsregime aufznzwingen, eine Maßregel, die gänzlich außerhalbderihnen zustehenden Befugnis>'e liegt. (Sehr richtig.) Artikel 93 verpflichtet Deutschland lediglich, mit Bolen ergänzende Abkommen zu treffen; keineswegs be­stimmt er, daß der Inhalt eines solchen Abkommens von den alliierten Hauptmächten bi ft tert werden kann. jLebhastr Zustimmung.) Diese« Standpunkt und diese

Rechtsaufsassung wird die neue Regierung den alliierten Hauptmächten in einer ihr geeignet erscheinenden Weise unverhüllt zum Ausoruck bringen. Ne wird keinen Zweifel darüber laffen, daß sie die Entscheidung der Bot­schafterkonferenz als gegendenVertragunddas Rechtverstoßend betrachtet, und daß sie Deutschlands Rechte auf das uns entrissene Land in keiner Weise als teeinträchtigt er­achten kann, durch ein« Zustand, der hier durch Gewalt geschaffen werden soll. (Lebhafter Beifall.) Die nächste und dringlichste Ausgabe ist, ob dem Verlangen der alliier­ten Hauptmächte nachgekommen werden toll, einen Ver­tret e r zu den wirtschaftlichen Verhandlungen über das Uetergangsregime zu entsenden. Unsere erste Pflicht ist es, bft Hunderttaufende deutscher Volksgenossen, die *>mcch den Machtspruch der alliierten Hauptmächte zu Polen geschlagen werden sollen, nicht im Stiche zu lassen und den Versuch ,n machen, die durch die Zerreißung von Oberschlesien drohende Bereleuoung der Industriegebiete soweit wir möglich abzuschwächen. Von solcher Betrach- lnngAueise ausgehend, wird die neue Regierung einen Bevollmächtigten zn den wirtschaftlichen Verhand­lungen ernennen und dies den alliierten Hanptmächten unverzüglich mitteilen. Auch hierin stimmt die neue Regierung ihrer Vorgängerin vollkommen zu. ES kann kein Zweifel darüber bestehen, und es wäre ein schwerer Fehler, dem deutschen Volke und dem Auslände zu ver­heimlichen. daß die Deutschland nach den vorausgegange­nen Verstümmelungen seines Territoriums und nach den Verteerungen der Nachkriegszeit verbleibende Wirtschafts­kraft durch die Entscheidung über Oberschlesien eine wei­tere Verminderung erfahren bat, die alle Berech­nungen hinsichtlich der Erfüllung der deutschen Repara­tionsleistungen anfS neue stark in Zweifel liebt. Nach den Berechnungen des statistischen Reichsamtes be­trug die Bevölkerungszahl im Abstimmungsgebiet 1 950 000 Einwohner, von denen wir 965 000 Einwohner oder 49 Prozent verlieren sollen. Setzt man diese >1abl in Vergleich zu dem Abstimmungsergebnis: 62 gegen 38 Prozent, so werden nach der Entscheidung 11 Pro­zent mehr von der Bevölkerung von uns abgetrennt, als für Polen gestimmt haben. (Hört, Hört!) Hierbei ist noch nicht berücksichtigt, daß das Ergebnis der Ab-, stimmnng ein sehr viel günstigeres für Deutsch­land gewesen wäre, wenn die Abstimmung in voller Ruhe und unter wirksamem Schutze sich abgespielt hafte (Sehr richtig'), und nicht, wie in großen Teilen verschiedener Kreise ei geschehen ist,

unter furch tbarem polnischem Terror.

Mit dem abzutretendeu Gebiet gehen uns große und blühende deutsche Städte verloren, die als bi; Zentren deutscher Kultur in Oberschlesien anznsehen sind. Ich er­wähne Insbesondere die St Zite Kattowih und Königshütte, die mit 81 bezw. 78 Prozent aller ateegetenen Stimmen ihre Zugehörigkeit zum Deutschtum und hiermit zum deutschen Vaterlande bekundet haben. Die Grundlage, der Oberschlesien seine Blüte verdankt, bilden seine Bodenschätze, unter denen die Koble den ersten Platz ünnimmt. Von 61 Betrieben, die Steinkohlen Färbern, fallen 49V. an Polen, fodaß nur 11V- deutsch bleiben. Von den 61 Gruben wurde eine Jahressörderung von 31,76 Mill. Tonnen erzielt; davon fallen 21,6 Mill. Tonnen an Polen und 7,1 Mill. Tonnen verbleiben bei Deutschland. In anderen Worten erhält Polen 75,5 Proz. der oberschlesischen Kohlenförderung. Bedenkt man. daß die Kohlenvorkommen bis tausend Meter Tiefe führen, so verbleiben Deutschland von 60 Milliarden Tonnen nur etwa 5,5 Milliarden Tonnen, sodaß 90 Prozent ber Kohlenvorkommen an Polen fallen.

Der Kanzler schliderte dann des weiteren ausführlich was wir in Oberschlesien an Werten verlieren, legte gegen den hierdurch geschaffenen Zustand als gegen eine Rechts- nrletzung feieclichst Verivahrung ein unb fuhr fort’ Lediglich durch die in der Note ausgesprochene Drohung und um die der deutschen Bevölkerung des oberschlesischen Industriegebietes sonst bevorstehende Verelendung sonuit wie möglich zu vermeiden, sieht sich die Regierung ge­zwungen, dem Diktat der Mächte entsprechend, die darin vorgesehene Delegation ohne damit ihre Nechtsauf- fassung z» ändern, zu ernennen. (Lebhafter Beifall.)

Die Mfiftf ttt.

Abg. Müller- Franken (Soz.) dankt den ober- schlesischeu Märtyrern für ihre Haltung, umsomehr, als gerade die deutschen Eewerkschasten dort die stärksten Träger des deutschen Gedankens gewesen seien. Wir möchten den OSerschlesieru praktische Hilfe leisten. Der Idee des Völkerbundes habender Spruch jedenfalls bei uns keinen Dienst erwiel»?. Der Spritch hätte von etnem unabhängig* Gerichtshof gesälli werden müssen, nicht von den Beteiligten selbst. Der Verlust Oberschlesteus erschüttere die Erftillungs- Möglichkeit; daran ändere auch das fünfzehnjährige Interregnum nichts. Die Entscheidung to t ver­spreche dem FrtedenSvertrag und schasse für Ober­schlesien eine ganze Reihe sortwävrender Sireitpunkte. Der Wirlschastliche Gedanke müsse über den nationalifti- scheu siegen. Darum müßten die wirtschaftlichen Ver­handlungen mit Polen im Sinne der Verständigung geführt werden. Der Redner dankt dem Reichs­kanzler im Namen seiner Partei für (eine Opierwillig- keit in schwerster Stunde. Falle die Eulschetdui:g heule gegen den Reichskanzler aus, habe die Mehrheit auch die Pflicht, die Regierung zu bilden.

Abg. Ulitzka (Z.): Die Hoffnung auf den Ge- rechrlgrelrssiun der Entente war verfehle Speziell

Lloyd Georges Worte waren eine Enttäuschung. Jed« Rücksicht aus den Willen der Oberschlester ist fallen ge- laffen worden. Städte mit über 85 Prozent deutschen Stimmen sind zu Polen geschlagen worden. Würde jetzt die Frage zur Abstimmung gestellt: Ganz z« Deutschland oder geteilt zu Polen, so würden die meisten Oberschlester, die damals für Polen stimmte«, heute für Deutschland stimmen. (Sehr richtig.) Das uns diktierte Wirtschaftsabkommen mtt Polen entbält unerhörte Zumutungen für Deutschland, die wett über den Frtedensvertrag h tn- auSgeben. Der von uns ersehnte Frieden mit Polen ist durch die Genfer Entscheidung unmöglich gemacht. Deutschland wird nie den Verlust dieses Landes vergessen können. Das Wirtschaftsabkommen mtt Polen kann Oberschlesien nicht helfen. Wtr ver­stehen cs, wenn die Regierung unter dem Zwang der Lage dennoch einen Kommissar entsendet. Wir müssen aber verlangen, daß der deutsche Vertreter

wirklich Gleichverechtigung erhält.

Durch die Entsendung unseres Vertreters wird unser feierlicher Protest nicht berührt. Wir hassen aus di« Gerechtigkeit der Weltgeschichte. Deutsche und Ober­schlester bleiben trotz aller Grenzen zusammen. (Leb­hafter Beifall.)

Abg. Hergt (Dntl.): Es ist sehr bedauerlich, daß die Leiter der deutschen Politik sich nicht zu einer rühmlichen Abwehr haben aufschwingen können. Der Reichstag hat sich der Situation nicht gewachsen ge­zeigt. Wir haben ein Narcs Recht auf das unge­teilte Oberschlesien. (Beisall.) DaS Genser Diktat ist sch l i m m e r als daS Londoner Ultima­tum. Wtr erbeben schSrfften Protest gegen seine An­nahme. Wir entgehen damit auch nicht dem Kon­flikt. der einmal ausgetragen werden mutz. Wir müssen den Gegnern beweisen, datz wir entschlossen sind, die letzicn Konsequenzen aus unserer eigenen Lage zu, ziehen. Darum müssen wir nicht nur das Genfer Diktat ab lehnen, sondern auch die Ent­sendung eines deutschen Delegierten für das Wirt­schaftsabkommen. (Von der Zubvrertribüne wird ge­rufen: Annektierer und Protestierer herrscht! Präsident Löbe verwarnt den Rufer.) Wir müssen jetzt endlich übergeben von der passiven Duldungspolttik zu einer;

positiven Politik drS Willens.

Wtr ulüffen Srrcbento treiben, ob wir wollen oder nicht. (Beifall rechts.) Wir werden nicht ruhen und rasten, bis die Wiedervereinigung mit Ober­schlesien da ist. Wir bedauern, dass die Garantie für dteie grosse Politik nicht in der Zusammensetzung der neuen Regierung gegeben ist. ES scheint, a(8 ob eS bet der alten Politik bleiben soll. Der Erfüllung s- fanattsmus muss verschwinde«. Unser Trost ist, datz das neue Kabinett nur eine Episode, nur eine Eintagsfliege fein wird. (Bravo rechts.)

Abg. M a l i z a h n (Komm.) erhält wegm beS Zwischenrufes: Ihr Verbrecher seid di« Schuldigen! einen Ordnungsrns.

Abg. Kahl (D. V.P.) bedauert, dass daS Interesse an,der Kabtnetisbildung die Gefahr für Oberschlesien ganz zurlickgedrängt hat. Wir stellten die Fordening, alles andere vor dem Rechisbruch zurücktreOrn zu lassen. Wir sind nicht durchgedrungen damit. Wir wollten die brutale Gewalt gezwungen über uns er­gehen lassen unb keinen Zweifel darüber lassen, datz wir daS Unrecht nicht als Recht anerkennen können, dass Oberschlesien deutsch ist und von unS als dklitsch auch fürderhin betrachtet werden soll. Auf diesem Standpunkt stehen wir noch heute. Auch die Sanktionen widersprechen schon dem Versailler Ver­trag und dem Völkerrecht. Das Wirtschaftsabkommen ist aber

geradezu ein Höhn.

Kein Dort davon siebt Im Frtedensvertrag. ES ist erzwungen und ein Recblsbruch im schwersten Sinne. Man will uns damit nur den Vorwand nehmen, dass löir durch den Verlust Oberschtesieus in der Er­füllung unserer Vettragspflichten behindert seien. Dass unsere Leistnngsfäbtgkeit auf daS ernstete gefährdet ist, sieht äusser allem Zweifel. Wir haben nicht die Sicherheit, dass die Entsendung eines deutschen Dele­gierten nicht als Anerkennung des Diktat« aus- gclcgt wird. Die Nichtentsendung ist die einzige klare stlorm der Abiedming. Darum sind wir gegen die Entsendung. Die Genfer Entscheidung muss unser schwaches Vertrauen zum Völkerbund vollends er­schüttern. (Lebbaster Beisall.)

Präsident Löbe teilt mit, dass von den Parteien i der Rechten und Linken namentliche Nb st im», m u n 0 über ein Vertrauensantrag deS Zentrum und der Solialdenwkraien beantragt worden ist.

Abg. Dr. Breit scheid (U.) beklagt auch für feine Partei den Verlust OberschleflcnS. Die Sntschel- düng über Oberschlesien ist die folgerichsige Entwicke- liing der iniperiaiistischen Politik. Die Arbeiter tour- , den polnisch, weil deutsche Unternehmer sie unterdrück­ten. In der Beurteilung der Rechtsfrage stimmen meine Freunde nicht mit dem Reichskanzler über­ein. Das formelle Recht des Friedensvertrags würde eine Teilung Oberschlesiens zulasten. Die Ent- icheiditng entspricht aber 'richt den toirtlchastlichen und geographischen Verhältnissen des Landes und nicht der Abstimmung der Bevölkerung. Dem neuen Kabinett sagt der Redner in gewissem Sinne Untere st ft t u n fl zu, ohne sich indessen zu binden.

Präsident Löbe verliest eine Kundgebung beS Provinziaiansichusses der Provinz Schlesien, die von j allen Parteien von den Deutichuaiionalen biS zu: den MchrbeitssoziatdemoscatlM unterschrieben ist unb die Abledn ung des Genfer DtliatS fordert. |

Aba. Schsickcng (Dem) v.riicst eine Erklärung^ reiner Fraktion, in der de: Entsendung eines Rom«. miffarS zur Abwicklung der sich aus dem Diktat et-, gehende» Frage» zug«tzimmt wirb unter, der S4M