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St. 250

55. m 1921

Marburg Mag, han 25. BBohet »llb Hardt.

mit dem Kreisblatt für den Kreis Marburg j

Tageszeitung für (das früher kurheffifche) Oberheffm

Di«DbetbeflW Zeituni" erfdxlnt sechsmal wöchentllch. Bezugspreis monatlich 6 Mk durch die Post 6.15 Mk. Für ausfallende Nummern infolge Streik, oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. Berlag von Dr. T. Hitzeroth. Druck der llniv^Buchdruckerei von Jod. Aug. Koch, Markt 21,23 Fernsprecher 55, Post­scheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Der Anzetgenprei» beträgt für die 9 geip. Lolonelzeil« oder deren Saum 1. Mk. amtlich« und auswärtig« 1.30 Mk. Andere Spaltenbreite* nach entsprechender Berechnung. Spät einlaufend« oder den Raum über 's. Seit« einnehmend« An- zeig«» find wir beteiligt, nach bet Xeitipaltenbielte zu setzen und zu berechnen. Sogen. Setlamen berechnen wir bi« Zelle mit 4 Mk Jeder Rabatt gilt al, Barrabatt. Bei Auskunft durch di« Geschäftsstelle und Bermittlung der Ange- bete 75 Pfg. Eondergebühr.

Gefangennahme König Karls

der angarifchen Rationalarmce. Die Regie rung

1 traf Maßnahmen zur Festnahme der übrige« Shir Miegler. ------*-- -

Diese Grenze großrm

die Schlüsiel und Ausschusses. Sie und entkamen un-

gedämpft werden. Dadurch wurden die Kraftwerke infolge des Fehlens der Gaskrästr außer Betrieb gesetzt. Annähernd 12COO Mann sind arbeitslos.

Stettin, 25. Okt. Beim Stettiner Krastwassek- toerf sind die Arbeiter in den Ausstand getreten. Sie verlangen eine Wirtschaftsbeihilfe. Die technische Not­hilfe, ist eingesetzt. - ----------* =

Stern" ein. entrissen dem Portter erbrachen das Büro des Deutschen raubten die Akten und die Stempel gebindert.

Annahme der Wer WWno durch Polen.

Warschau. 24. Okt. Zn der letzten Minister­ratssitzung wurde der Text einer Not« festgelegt die vom polnischen Gesandten in Paris dem Mi nisterprästdenten Briand überreicht werden soll und In der Polen die A n n a h m e der Entscheidung des Obersten Rates ausspricht.

Truppen aus Kongreßpolen eingetroffen. Polen gehen in großen Massen über die und werden dort mit Militärmusik und Jubel begrüßt.

Polnische Tendenz-LVgenmeldungen.

Polnisch« Truppenansammlungen an der ober- schlesischen Grenze.

Warschau, 24. Okt. An der den Städten Lublinitz und Tornowitz gegenüberliegenden vol- nischen Seite si,»d in den letzten Tagen weitere

Ausstände.

Bo chium, 24. Okt. Heut« Nachmittag wurde der gesamte Betrick des Bochumer Vereins für Bergbau stillgelcgt. Der Grund liegt in dem Ausstand von 82 Maurern beim Bochumer Verein wegen Tarif- streitigkciten. Da kein Ersatz für die Ausständigen beschafft werden konnte, mußte der Hochofenbetrieb

Die Verluste WWsimd) dem Wer Wat.

Berlin, 25. Oft. Nach Angabe deS Siattstischen RetchsamteS beträgt die Bcvölkerungszahl des gesam­ten Abstimmungsgebietes rund 1950 000 Einwohner, von denen rund 965 000. also 49 Prozent, polnisch sind. Bet der Volksabstimmung haben 707 393 für Deutschland, 479 365 Personen für Polen gestimmt Von der gesamten BodenslSche des Abstimmungsgebie­tes, 1093 000 Hektar, werden 327 000 Hektar polnisch. Von 61 Stetntohlengruben bleiben nur IVA bei Deutschland. Von der gesamten Kohlenförderung in Obcrschlcsten. 31 750 000 Tonnen, verbleiben bei Deutschland rund 7 140 000. Deutschland bezog bisher aus Oberschlesien monatlich 1100 000 Tonnen Stein­kohlen, es bleiben ihm in Zukunft nur 376 000 Tonnen, so daß monatlich 730 000 aus dem abgetrennten Gebiet oder aus anderen Ländern eingefübrt werden müssen. Die oberschlesische Koksindustrie bleibt nur zur Hälfte bet Deutschland. Sämtliche Etsenerzgruben fallen an Polen. Von insgesamt 37 Hochöfen bleiben nur 15 deutsch. Von der Jahresproduktion an Roheisen in Höhe von 576 000 Tonnen verlieren wir rund 400 000 Tonnen Roheisen. Von 18 Stahl- und Walzwerken werden 9 polnisch. Von 26 Eisen- und Stahlgießereien bleiben 10 deutsch. Von 16 Zink- und Bleierzgruben bleiben 4 deutsch. Damit verliert Deutschland 75 vom Hundert der gesamten Zink-Erzfördcrung. Sämtliche Zink- und Bleiöfen gehen an Polen über ebenso die vorhandenen Blei- und Silberhütten.

Berlin, 24. Okt. Von ausländischen Nachrichten­agenturen wird in Paris und London die Meldung verbreitet, daß nach Berichten aus Beutben deutsche militärische Organisationen mit der shftematischcn Zer­störung deS JndustriematerialS ln Oberschlesien, der Eisenbahnbrücken und sonstigen Kunstbauten der Eisenbahn begonnen haben. Derartige Nachrichten sind völlig frei erfunden und reigen nur allzu deutlich polnische Tendenzen.

Raub deutscher Wie« durch polnische Banditen.

Berlin, 24. Okt. Wie dem .Lokalanz." aus Kattowitz gemeldet ivtrd, drangen dort drei mit Re­volvern bewaffnete Banditen in das Hotel .Goldener

beilvoll für das betroffene Gebiet sowie für Deutsch­land und die Weltwirtschaft. Rach Ansicht der Frak­tion muß daher aller vermieden werden, was als Annahme dieser Gesamtentscheidung oder alS ver­tragliche Bestätigung ihres Artikels 2 erscheinen könnte und geeignet wäre, daS Wesen der Entscheidung als daS eines einseitigen DiftatS zu verdunkeln. Die Fraftion hält daher eine feierliche RechtSver- wahrung der deutschen Reichsregierung gegenüber der Entscheidung vom 20. Oktober sür notwendig.

Di« Deutschnationalen fordern Einberufung dr« Reichstags.

Berlin, 24. Okt. Die deutschnationale Fraftion deS Reichstages hat an den Reichspräsidenten ein Schreiben gerichtet, worin gesagt wird: »In der Bnen- nung der Bevollmächtigten liegt die grundsätz­liche Z u st t m m u n g zu den Festsetzungen der Nöle. Deshalb kann dle Entscheidung über die Benennung der Bevollmächtigten nicht ohne den Reichs- t a g erfolgen. Zu unserem Befremde» ist der Reichs­tag bis beute »och nicht ctnberufen worden. Die einst­weilen mit der Führung der RegierungSgeschäfte be­trauten Mitglieder deS bisherigen Kabinetts sind kei­nesfalls dazu berufen über die Benennung der Bevoll­mächtigten ohne den Reichstag zu cntfchcidcn. Wir be- antragc» deshalb, daß der Reichstag rechtzetttg vor Ablauf der in der Role vom 20. ONober gestellten Frist zusammentrttt.

Ae SttltönhignngsoerW dn Utgienmg.

Bud apest, 24. Okt. Ucker dar neue Unter­nehmen deS Exkönigs Karl verbreitet das ungarische Korrespondenzbüw folgende zusammenfassende Dar­stellung:

Die tmgarische Regierung erfuhr am SamStag Morgen, daß der König mit der Königin Zita in Oedenburg angekommen sei, die U-dernahme der Königsgcwalt pwklamiert und eine Regierung unter Führung von Stephan Rakowsky ernannt habe. Ministerpräsident Graf Bethlen berief einen Ministerrat zusammen, der einen Beschluß faßte, dem« zufolge König Karl auf Grund des Artikels 1 de» Gesetzes vom Jahre 1920 die Ausübung der Königs gemalt nicht übernehmen könne und das Land unver­züglich. verl assen müsse. Die Regierung wurde in diesem Entschluß bekräftigt durch Erklärungen der Budnpester Vertreter der großen und kleinen Entente. Ministerpräsident Bethlcu unterrichtete davon Wicker« holt den Vertrauten des Königs, Rakowsky, telephonisch und wies auf die unabwendbaren verhängnisvollen Folgen eines etwaigen Einzugs des König- in BudapeF hin; Rakowsky antwortete jedoch stets mit Drohuu« gen. Die Regierung strebte eine unmittelbare Ver­ständigung mit dem König an. Um ihm den Ernst Ker Sage klarznlegen, entsandte sie den Kultusminister Z a s , der ein Schreiben des Reiclisverwescrs Horihy überbrachte, worin sich der Reichsverweser auf di« VaterlanSÄicke des Königs berief und ihn zu bewegen Nichte, das Land nicht in daS Verderben zu stürze«. Dem Schreiben war auch eine Note der Entente and eine Bekanntgabe des Standpunktes der feinen Entente beigefügt. Vasz tvurde nicht zum König vorgelasse«. Indessen setzten die auirührischen Truppen ihren Vor­marsch gegen Budapest unter Führung des Oberste« Lehar und des Majors Ostenburg fort. Die Regierung wollte, sie ohne Blutvergießen aufhatte« und ließ daher die Schienen aufreißen, die jedoch durch die ostenburgischc Vorhut wiederhcrgestellt wurden. Sa gelangten die Aufrührer bis nach Buda-Oers. Die Regierung war daher gezwungen, energisch« Maß­nahmen anzuwenden. Nach erfolgreichem Gegenstoß» bei Buda-Oers wurden wieder friedliche Mittel versucht. General Hegedues, der sich in der Umgebung deS Königs befand, wurde nach Budapest gebeten, um sich persönlich von der Lage zu übe^engen. In Budapest wurde Hegedues in Anwesenheit des Miniüerpräsideit- ten durch dm englischen Gesandten über dm Stand­punkt der Entente und der kleinen Entente unterrichtet. Der Ministerpräsident bat Hegedues, dem König wahr­heitsgetreu Bericht zu erstatten, und ihn zur Aenderung seines Vorhabens zu überreden. Hegcknes kehrte zum König zurück. Da sckoch keine Antwort erfolgt^ mußten militärische Maßnahmen getreifen werden, «m die Gefahren des Handstreiches abzuwenden. Die Regierung schreibt die Verantwortung dafür denjenigen zu, die bereit warm aus selbstsüchtigen Gründen daß Vaterland in den Abgrund zu stürzen.

. Die Kämpfe.

'Budapest, 24. Ott. Ein Augenzeuge berichtet über die Mmpse: Die gestern Margen bei Buda-Ocksl ausgeladenen Karlistentruppen bestanden aus Truppen der Gamisoum von Ockrnburg und Raab, die unter dem Vorwand«, daß in Budapest eine bolsche­wistische Bewegung ausgckrvchen sei, alarmiert und verladen wurden. Die Reg'erungstrupven g'ngen in kräftigem Gegenstoß gegen 11 Uhr vormittags vor. Ns die das Gelände beherrschenden Hügel von ihnen br« sitzt warm, traten die Karlisten den Rückzug an. Lckhaftere Kampstätigkeit setzte nur ein, als die Vorhut der Regierungstruppen-in Buda-Oers einzog. Ms die Regiemngstruppm um 4 Uhr na^mittags die Karlisten hinter den Eisenbahndamm znrückgckrängt hatten, entsandten letztere einen Parlamentär, um die Einstellung der Kampftätigkett zu erwirken. Der Befehlshaber der Reg'erungstrr-ppm be prach sch mit Ostenburg, um weiteres Blutvergießen zu ver- meidm. Di« Regierungstruppen erbmteten große Mengen an Waffen und Munition, machten 180 Gefangene und verloren acht Tote und zwölf Ver­wundete.

Die Regierungstruppen wurden durch daS Eick- greifen eines Bataillons und daS Eingreifen von Ver­stärkungen aus dm Provinzgarnisvnen stark entlastet. Der Reichsverwcser tocKi bei dm^ingarischen Truppen. Die Truppen Karls wurden lerere Kilometer zurück- gckrängt. Die ungarische Re^crung btau£*gtt Pronay, mit seinen Truppen in -Lettlamangcr dir Ordnung wieder herzusteilen.

Bu düpest, 24. Okt. Dir Ausrührer zogen sich bis Tata zurück. Sie habm die Hälfte ihres Dm« tingents verloren. Die Bauernschaft hat «rj der Lmift

Danach wäre die Meldung über die Wahrschein­lichkeit eines demokratisch-volksparteilichen Kom­promisses über die Frage der Entsendung eines Kommissars zu den Berhandlungen mit Polen gegenstandslos geworden. Mit der Ernennung eines Kommissars (man sprach voll dem Volks­parteiler v Räumers sollte gleichzeitig eine Er- Uaiung erfolgen, die besagt, daß diese Ernennung kein« Anerkennung der Genfer Entscheidung be­deute. Eine solche einschränkende Erklärung würde ober sicher ohne praktische Bedeutung fein. Es muß auch als irrig bezeichnet werden, wenn man glaubt, am Verhandlungstisch sachliche Sen- derungen der 15jährigen Ucbergangsbestim- juungen herbeizuführen. Die drei Kommissare haben nur die Aufgabe, die Einzelheiten bit« Durchführung $u besprechen und fcstzulegm; die Entsendung eines solchen Kommisiars bedeutet also, daß man die Gesetzmäßigkeit der uns auf- erlegten Bedingungen und Bestimmungen a n - erkennt und an ihrer Ausführung mitzuwirken bereit ist. Ein Kommiffar würde nicht im wahren Sinne des Wortes zu Verhandlungen befugt sei», sondern nur ein Diktat auszu führen heben. Das ist auch der Ausgangspunkt für di« ckerfchlesifchen Jndustrieoerbände, die wohl die Entsendung eines Kommisiars wünschen, aber nur dann, wen» ihnen wirklich die Gelegenheit Juni Verhandeln über di« wirtschaftlichen Bestim­mungen gegeben ist, um am Verhandlungstisch die Aenderung von Bestimmungen durchzusetzen, die 0» sich als völlig undurchführbar und ti :t * I möglich bezeichnet werden müsien. Es ist also geboten, daß man sich durch den AusdruckVer- haudlungskommiflar" nicht zu dem Irrglauben vec- tei'en läßt, man könne wirklich durch die Entsendung eines solchen Vertreters eine Abänderung des in Genf und Paris ergangenen Gewaltspruchs herbei- fübren.

Hebet die Besprechung des interfraktionellen Ausschusses beim Reichspräsidenten weiß dieBoss. Zig." mitzuteilen, es sei eine formulierte Erklärung vereinbart worden, die die Rechtsverwahrung Deutschlands gegen die ungerechte und willkürliche Entscheidung über Oberschlefien in der schärfsten Form zum Ausdruck bringt, aber die Entsendung eines Kommissars zu den Wirtschaftsverhandlungen mit Polen zu 1 äßt. Diese Erklärung soll den Fraktionen unterbreitet werden. Bei den Er­örterungen eines gemeinsamen innerpolitischen Ne- tzierungsprogramms hätten sich erhebliche Gegen- lStze nur in der Steuerfrage ergeben, lieber eine mittlere Linie habe man sich nicht einigen kömun. Stan sei iibereingekommen, die Forderungen der ,einzelnen Parteien den Fraktionen zur Kenntnis )u fingen und ihnen die Entscheidung zu überlassen. Drr Standpunkt der demokratischen Reichstagsfrattion.

Berkin, 24. Ott. Die demokratische Neichstags- staktion hat am Sonntag dem Reichspräsidenten eine Euischließung über die oberschlesische Note überreichen irfscu. wo-iach die demokratische Fraktion ln der Ent- kcheidung der Botschafierkonserenz eine Verletzung des Friedensvcrtrages sieht, wegen derossen- wndigen Vcrgewalttgung der überwiegenden deutschen Mebrheih wegen Mißaaüung der wirtschaftlichen 53er« Mrnisse, die bei der Grenzziehung hätten berück^itigt werden müssen und wegen der Zumutung an Dcrfrsch- lanb, auch für das bei Deutschland verbleibende Gebiet Dlrrschaftliche Bestimmungen mit Polen zu verein­baren, deren Inhalt Deutschland in seiner Staats- -vleit empfindlich beeinträchtigt. Tie Fraktion pSlt die getroffene Entscheidung wirtschaftlich fiir un-

Um hit MmWMuMW.

Ablehnung der Deutsche« Vollspartei? Ein «eues Kabinett Wirth?

r Berlin. 25. Okt. Der Reichspräsident hatte gestern Nachmittag eine gemeinsame Besprechung jnit den Führern oer Fraktionen der Sozialdemo­kraten. des Zentrums, der Demokraten und der Deutschen Volkspartei über die Frag« der Bildung einer Koalition dieser Parteien. In mehrstün­digen Verhandlungen ergab sich in der oberschlsst- schen Frage die Aussicht auf Verständigung, wäb- '«nd in Sachen der inneren Politik noch Schwierig­keiten bestehen. Die Fraktionsvorsitzenden er­klärte«. zunächst mit ihren Frattionen über das Ergebnis der Besprechungen verhandeln zu müsse». Die Besprechungen werden hierauf beim Reichs­präsidenten heute fortgesetzt werden. Das Erg:b- yis ist erst im Laufe des heutigen Tages zu er­warten.

DerDeutschen Allg. Zig." zufolge lehnte bfe Deutsche Volkspartei die Teilnahme an einer lnte:= fraktionelle Besprechung einstimmig ab. Damit ist diese Partei aus der Koalition ausgeschie - den. Ein neues Kabinett Wirth ist wahrscheinlich.

Sos Sole »es Wtiets.

Wie«. 24. Okt. Wie das «Reue Wie««« Tag­blatt- aus zuverlässiger Quelle erfährt, sind der Ex­könig Karl und bi« Exkönigin Zita heute morgen von den Horthytrapprn gefangen genommen morde«.

Budapest. 24. Okt. Rach «Inem «««en Ge­fecht wurden dl« Aufrührer zerstreut. Ihre Führer flüchteten und Lberließe^i« Sorg« für die Sicher­heit der Person des Königs den Regierungstrup­pen, König Kar! wurde unter den höflichsten For­me« der Obhut de« Obersten Simenfalvi der Ra- tionalarmee anvertraut.

Budapest. 24. Ott. (Korr.-Vüro.) Kaiser Karl und die Kaiserin Zita befinden sich zur Zeit auf Schloß Totis.

Die Offiziere der Raaber Garnison hoben ein­stimmig beschlossen, König Karl um Enthebung vom Eide zu bitte«, da sie den E'd nur auf eine falscheMeldung hin abgelegt hätten, daß hör König mit E i n w i 11 ig u n g der Entente und mit Bissen des Reichsverwesers nach Ungarn gekommen sei.

Sie ftrieiwn der Mennig.

Gefangennahme der König-BNnister.

« u d a p e ft, 24. ON. Di« Aufrübrer ersuchten am 23. Oktober das Kommando der Rationalarm:« um Die Entsendung zweier Delegierten zur An- babnung von Wafsenstillstandsverliandlungen. Bei den Verhandlungen hat der Rcgierungsvertreler und bevollmächtigte Minister Kanya die Bedingun­gen der Regierung überbracht, dir in sieben Punk­te« formuliert waren und folgendermaßen lauteten:

L Bedingungslose Masfenstreckung; 2. die militärischen Ratgeber des Königs sind vor ein Kriegsgericht zu stellen; 3. die Mannschaften werden entwaffnet und amnestiert: 4. endgül­tige Abdankung de» Königs; S. der Kö­nig bleibt in Ungarn interniert, bis die Frage des Abtransportes geregelt fein wird; 6. der definitive Aufenthaltsort, sowie die Modalitäten der Abreise werden von "den Großmächte« bestimmt; 7. die politischen Ratgeber des Königs werden vor ein Kriegsgericht gestellt.

Dir Bedingungen der Regierung wurden »ou Dr. 8 r a tz übernommen, der sich verpachtete, sie dem König zu übermitteln und ihr« Arkirahme zu empfehl««.

Die militärisch« Aktion wird fortoesetzt und führt zu einem panikartigen Rückzug« der Königstruppen, die zahlreiche Gefan­gen« hinterlassen. Der König samt Gefolge und Truppen bestiegen in Eile die berriigrhaltenen Züge und fuhren in der Richtung auf Komorn ab. Die Regierung betrachtet damit die Militäraktiou als abgeschlossen, da sie der Ansicht ist, daß der Kö­nig keine Aussicht mehr hat, durch namhotte BerstSrkung der Streitkräfte feint Situation gün­stiger zu gestalten. Pronay und Sejas sprachen sich erneut für den Reichsvermefer aus.

Rach Entgegennahme der RegierungsLedin- gungen kehrten die Beausttagte« des Königs Karl zu den aufständischen Truppen zurück. Der die Aaf- ftändifchcn befördernde Eifenbahnzug versuchte, über die Stadt Tata nach Komorn zu gelangen. Die Aufständischen erfuhren jedoch in Tata, daß Die Eifenbabnlrni« nach Komorn unterbrochen sei und die dortige Garnison di« Flucht mit Waffengewalt verhindern werde. Der Zug steht in Tata leer. Die Regierung hatte bereit»^« Beginn des Patsches einen verläßflche« Offizier nach Tata geschickt, der jedoch am Sonnabend von durchziehenden Truvven Ostenburgs gefangen genommen wurde. Dieser Offizier übernahm auch in Tata das Kommando, sorgte für die Ueberwachung des Königs und ord­nete di« ohne Führer gebliebenen zurückströmenden Aufständischen. Di« im der Organisierung des Patsches beteiligten Polttfler und Soldaten fremder Serkunst ließen den König schließlich im Stich and fachten nach Söldnerart sich den Folgen des be­gangenen Verrats darch die Flacht zu entziehen. Stefan Rakowsky, Graf Zanos Andraffy und Dr. E r a tz geriete« in Tata in Gefangenschaft