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Amtliches DerAndigungsbtatt des Krches Mrburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) OberhessM

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DieOberhessische 3eitun<" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 6 Mk, durch die Post 6.15 Mk. Für ausfallende Nummern infolge Streiks ooer elementarer Ereigniste kein Ersatz. Verlag von Dr. T. Hitzeroth. Druck der llnio.-Buchdruckerei von Job. Bug. Koch, Markt -123 Fernsprecher 55. Post» ' sch«Skonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

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(Ein PMhni-Sies.

Ter letzte Hoffnungsschimmer verblasst. Die Vor- jandlunge», die in den letzten Tagen hinter den Genfer Kulissen geführt wurden, ließen immer noch die Erwar- jgng zu, daß Oberschlesiens Zerstückelung nicht ver­brieft und versiegelt sei und daß das klare Recht sich noch durch ringen könne. Jetzt sind auch die unverwüstlichen Optimisten auf das Schlimmste gefaßt. Der Kampf

Oberschlesten hat seinen vorläufigen Abschluß zu Gim- tzen Frankreichs und Polens gefunden. Entgegen dem garen und unzweideutigen Mehrheitsbeschluß der Vllks- «bstimmung erhält Polen durch Zuteilung des Jndustrie- «viers den Raub an deutschem Boden und an fahr- itzunöertclanger deutscher Arbeit, auf den es nicht minder Listern ist wie Frankreich. Was von dem Industriegebiet Zwa noch bei Dcutschlaich bleibt, ist durch die Ver- ßSmmelung des Ganzen seines besten Wertes beraubt, pud alle die künstlichen Pläne, die der wirtschaftlichen Sicherung des JndustriercvicrS dienen sollen, sind doch Kur ein Schein, der vor der Wirklichkeit der polnischen Oberherrschaft bald zerrinnen wird. Damit hat Frank­reich sein Ziel erreicht. Die zähe Art, mit der Briand den Kampf geführt hat, ist stärker gewesen, als der tna- Lsche Widerstand.

: England nahm sich bei seinem Widerstande gegen Frankreich der deutschen Interessen an, weil es den wirtschaftlichen Zusammenbruch Deutschlands wegen der LWimen .Folgen für die eigene Wirtschaft verhüten woffte. Frankreich dagegen hat die ausgesvrochene Ab- ficht, über den vollen Ruin Deutschlands und fe dauernde Ohnmacht des deutschen Volkes hinweg zu «gener Vormachtstellung zu schreiten. Mit anderen Wor­ten also: Die Entscheidung bedeutet, so wie sie gefallen daß dem Deutschen Reich an der östlichen Flanke eine tiblidjc Wunde zugefügt wird, von der ein dauerndes Siechtum vusgehen wird. Daß England sich einer solchen Entscheidung gefügt hat, ist nach den letzten Reden von Ehurchill und Lloyd George eine außenpolitische Rätsel- frage, deren Lösung wohl mit den vielen englischen Schwierigkeiten daheim und draußen zusammenhängt. Für Kc französische Politik aber ist die Zerstückelung Ober- Ichlesiens die Vollendung eines zielbewußt verfolgten Planes. Sie hat cS verstanden, wirklich einen Stoß zu führen, der Dcutschstinds Kraft viel härter und schlimmer trifft, als alle Verluste und alle Opfer, die uns der Knedensvertrag auferlegt hat. Aber das Eine ist sicher: Frankreich wird seines Triumphes nicht froh werden, .sondern es wird bald die Erfahrung machen, daß der Er- k»kg, den der Schiedsspruch des Bölkerbundsrates ihm h die Hand gibt, ein Pyrrhus-Sieg ist, von dem S selbst den größten Schaden hat. Wenn Teutsch- kiib durch den Raub des oberschlesischen Industrie- Mbietes so schwer getroffen wird, wie es offenbar Frank­reichs Wunsch und Ziel ist, so wird das Versiegen der Kraftquellen für Frankreich die bitterste Enttäuschung |nn. And wenn es durch seinen Minister Loucheur Kcferuugsverträge mit Deutschland abschließen läßt, die zur Abgabe von Milliardenwerten ohne Gegenleistung veroflichten, so wird es diese Rechnung wie ein Karten­haus zusammenbrechen sehen, nachdem Dcutsch- knfc Oberschlesien geraubt worden ist.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Entscheidung über Dberschlesiens Schicksal für Deutschland Folgen von un- »chrurem Ernste und von größter Tragweite haben wird. Kenn Oberschlesien ihm in seinem wichtigsten Teile tzeraubt wird, so bricht das Fundament zusammen, auf km unsere ganze Zukunstspolitsk aufgebaut war. Teutsch- taids Leistungsfähigkeit, an der die Weltwirtschaft nach km eigenen Geständnis englischer Staatsmänner krankt, Rr die deshalb internationale Heilmittel gesucht werden ^llten, wird nunmehr zu einem schweren Gebrechen, Beb alle Folgerungen, die sich daraus ergeben, bedrohen «ss Neue die internationale Politik. Und auch die inner- pslitischen Verhältnisse geraten erneut ins Wanken. Für tas Kabinett Wirth gibt es nach einer ungünstigen kttscheidung über Oberschlesien keine andere Wahl, als ta sofortige Rücktritt. Denn wenn der unermüdliche Wser und der selbst von Frankreich anerkannte gute Kille des jetzigen Reichskanzlers so belohnt wird so be« Nutet das einten politischen Fehlschlag von tödlicher Kirkung. Darüber wird kein Bedenken und wird kein Widerstreben hinweghelfen. Was aber dann? Ist die Regierung Wirth gescheitert, so kann eine neue Regie- trug von vornherein nur auf der U n m ö gl l ch k e i t fefrm, auch bei dem besten Willen mit den Westmächten te Reine zu kommen. Das deutsche Volk wird damit >? eine neue und vielleicht die schwerste Probe seiner Willenskraft gestellt fein. Nur von einem festen natio- talen Willen kann man sich eine Wirkung versprechen. W» ihm wird die Ungerechtigkeit scheitern, die dem deutschen Volke in Oberschlesien zugefügt werden soll, talg der Kampf, den es bis dahin zu führen hat, auch tat und schwer sein.

* .:«

Frankreich.

Paris, 12. Okt. Nach derChicago Tribüne" R seit Mai durch Beurlaubungen von längerer Dauer vnd durch Entlassungen von 80000 Mann, die zur Pcfetzung des Ruhrgcbietes bestimmt waren, die fran- böffsche Armee gegen den heftigen WibeMand des Weneralstabes von 800003 auf 500 000 Mann herab Wsttzt worden.

Ter Tivisionsgeneral Rollet, der Vorsitzende der taeralliierten Militärkommission in Deutschland, der dnsrelle des Divisionsgenerals General Nivelle zum Aitglied des Obersten Kriegsgerichts ernannt worden % bchÄt seine gegenwärtige Tätigkeit best,

Die Zerreißung Oberschlesiens^

Sie umeHMt kWilsie.

Paris, 12. Okt. Der Genfer Korrespondent desTemps" teilt über die voraussichtliche Grenz­linie in Oberschlesten, die der Bölkerbnndsrat Vor­schlägen werde, mit:

Polen erhält die Leiden südlichen Kreise Pletz (insgesamt) und Nybnik üum großen Teil). Das Jndustriebecken wird geteilt. Deutschland erhält die westlichen Kreise des Beckens, nämlich Elsiwitz und Hindenburg, während Polen die Kreise Königshütte, Bcuthen-Land, Kattswitz- Stadt und Laird erhält. Die beiden Kreise Tarno- wih und Lublinitz werden in ihrem östlichen Teile Polen, in ihrem westlichen Teile Deutschland zu- gcsprochen. Die übrigen Kreise im Norden, Westen und im Zentrum, nämlich Rosenberg, Kreuzburg, Oppeln, Groß-Strchlitz, Tost, Kosel, Oberglogau und Leobschütz erhält Deutschland.

Das wirtschaftliche Regime für Oberschlesten soll demTemps" zufolge dem Vslkcrbundsrat große Schwierigkeiten bereiten. Es soll eine Kommission gebildet werden, die die Aufgabe haben würde, den Verkehr, die Vrandversorgung und ähnliche Fragen wirtschaftlicher und technischer Art zu regeln. Die Kommission soll ihre Tätigkeit 10 Jahre lang vus- Lben. Dieser Zeitpunkt kann auf Brrlangen der Parteien abgekürzt oder verlängert werden.

Sie NskmlM her Weiten.

Reue Verzögerung.

Genf, 12. Okt. Das Gutachten des VölkerbundS- rats über die oberschlesische Frage istsertigg «stellt und geht noch heute abend an den Obersten Rat ab. Der Rat schließt heute Mend die Genfer T-g:ug. nach­dem er vormittags noch eine lange Vollsitzung ab­gehalten hatte. Von einer össentlichen Sitzung, die in Kreisen des Sekretariats gewünscht wurde, will man absthen.. Der Oberste Rat bezw. die Botschafter- ksnferenz sollen morgen zur Prüfung des Gut­achtens des VölkerbundsratS in Paris zufammen- treten. Gleichzeitig sollen die notwendigen Polizei- maßnahmen in Oberschlesien getroffen werden. Wenn alle diese Vorbereitungen beendet sind, wird das Gut­achten des Völkerbundsrates als Beschluß des OberstenRatcs veröffentlicht. Man rechnet damit, daß die Veröffentlichung Samstag oder Sonntag erfolgt.

Genf, 12. Okt. Der Beschluß des Obersten Rates über die Lösung der oberschlesischen Frage soll erst nach erfolgte Notifizierung an die Regie­rungen in Berlin und Warschau veröffentlicht werden. Wie man erfährt, soll die Veröffent­lichung in den Ententehauptstädten vor den ver­sammelten Pressevertretern stattfinden.

Paris, 12. Okt. Der Londoner Korrespondent desTemps" berichtet seinem Blatte, die Verzöge­rung des Berichts des Völkerbundsrates, der die Teilung Oberschlesiens vorschlagen werde, rufe in London große Unruhe hervor. Man müsse den Rück­wirkungen, die diese Entscheidung in Deutschland Hervorrufen werde, insbesondere dem Sturz des Kabinetts Wirth, große Bedeutung beimessen, aber man spreche nicht von der Wirkung, die in Polen hervorgerufen werde.

Eine Sonderkonferenz des Obersten Rates?

London, 12. Okt.Evening Standard" be­richtet, es fei sehr wahrscheinlich, daß eine Sonder­konferenz des Obersten Rates einberufen werden wird, um den vom Bölkerbundsrat über die ober- schlefifche Frage verfaßten Bericht zu erwäge«. Man glaubt, daß die Konferenz des Obersten Rates innerhalb der nächsten 810 Tage in London statt­finden werde.

Eineglückliche Lösung".

Irrtümer des Grafen Zshij.

Genf, 12. Ott. Die Tagung des Völkerbunds­rates über die oberschlesische Frage ging heute zu Ende. Gegen 6 Uhr abends unterzeichneten die Ratsmitglieder das Schlußprotokoll. Heute abend reist ein besonderer Kurier nach Paris ab, um dem Präsidenten des Obersten Rates Briand des Gut­achten des DLIkerbundsrates zu überbringen. Am Schluß der letzten Ratssitzung hielt Graf I s h i j, Präsident der Tagung für die oberschlefische Frage, eine Ansprache, in der er sagte, der Völkerbundsrat schätze sich glücklich, bei der Lösung einer der schwie­rigsten und verwickeltsten Fragen angelangt zu sein. Er habe eine der wichtigsten Aufgaben, die ihm je übertragen wurden, mit Erfolg durchgeführt.

Nachdem Jshij seinen Kollegen den Dank für ihre Mitarbett ausgedrückt hatte, fuhr er fort: Sie haben trotz der großen nationalen Interessen, die auf dem Spiele standen, eklatante Beweise Ihrer Versöhnlichkeit gegeben. So gelang es uns, eine glückliche Lösung des Problems zu erzielen. Er schloß, indem er erklärte, daß die in diesen denk­würdigen, nunmehr geschichtlichen Sitzungen erzielte Lösung über die oberschlesische Frage in hohem Matze zur Erhaltung des Friedens in Europa und in der Welt beitragen wird. Das Gegenteil trifft zu.

6int LMmg du Merteimtu.

Genf, 12. Okt. Das Völkerbundssekretariat gibt beute Abend folgende amtliche Mitteilung heraus, tit der die für die Lösung der oberschleffschen Frage maßgebenden Gesichtspunkte dargclegt werden, allerdings ohne daß Über die Lösung selbst Mitteilungen gemacht werden. Die Mitteilung besagt:

Der Völkerbundsrat bat feine Arbeiten über die Festsetzung der Grenze in Oberschlesien beendet. Bei der Prüfung dieses Problems mußte auf Grund der Be­stimmungen des Vertrages der Vütkerbundsrat sowohl dr­in der Abstimmnng zum Ausdruck gekommenen Wünsche der Bevölkerung als auch die geographische und wirt­schaftliche Lage des Landes in Betracht ziehen. Die erste Schwierigkeit ergab sich daraus, daß die Bewohner,bie für Deutschland gestimmt hatten, und die Bewohner, die für Polen ihre Stimme abgaben, eng miteinander vermengt leben, und zwar in einem Verhältnis, da§ zwar nicht immer das gleiche, aber in d.ni dichtbevölkerten Gebieten stets sehr beträchtlich ist, und zwar sowohl unter wirtschaftlichen als auch unter geographischen Gesichts- vnnkten. Eine Grenze ist undenkbar, die Bewoh­ner, die für Deutschland gestimmt haben, nicht Polen zugewiesen hätte, sodaß dem Rat kein anderer Ausweg übrig geblieben sei, als diese Fälle dadurch zu verringern, daß er die Grenze so sehr wie möglich dem Abstimmungs­ergebnis anpaßte. Eine derartige Grenzlinie hätte jedoch Gebiete zerschnitten, die industriell eng aneinander abbängen. Die Ausstellung einer neuen Grenze in einem Gebiet, das sich wirtschaftlich unter denselben Gesichts­punkten und unter denselben Bedingungen entwickelt hatte, mußte auf beiden Seiten der Grenze die verhängnisvollsten Folgen haben. Das wäre auch hier der Fall gewesen, tonen die Grenze die Errichtung einer neuen Zollschranke, die Auslösung der öffentlichen Betriebe, wie der Berg­werke, den Umlauf des deutschen Geldes, das Inkraft­treten einer neuen bürgerlichen uud industriellen Gesetz- vebung mit sich gebracht hatte. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten konnten unmöglich nur durch leichte Ab­änderungen einer einzigen, auf Grund der Volksabstim­mung erlangten Grenze behoben werden. Sv gibt es Gebiete, in denen die Abstimmung der einer oder anderen Nationalität ein zweifelloses, wenn auch nicht über­ragendes Uebergewicht gesichert hätte. Selbst wenn man nun diese Gebiete nach tvirtschastlichen Gesichtspunkten und nicht aus Grund der Volksabstimmung geteilt hätte, würde die Grenze auss engste miteinander verknüpfte Wirt- schastsgruppen zerschnitten haben. Ter Rat sah sich daher folgenber Lage gegenüber:

Eine Grenzlinie, die nicht das Industriegebiet zer­schneidet, würde die Hoffnungen und Wunsche von nicht etwa kleinen Mehrheiten in unwichtigen Gebieten, son­dern von entscheidenden Mehrheiten in sehr wichtigen Ge­bieten vernichtet haben. Tatsächlich hat nun aber die Volksabstimmung diese Hoffnungen und Wünsche nicht nur zugelassen, sondern auch ermutigt. Verhandlungen, die sich mehr als zwei Jahre nach dem Friedensschluß hinzogen und eine große Bevölkerung in angstvoller Ungewißheit über ihr politisches Schicksal ließen, hatten diese Schwierigkeiten noch beträchtlich vermehtt. Mit der Prüsiing des Problems beauftragte der Rat zunächst einen Ausschuß, der sich aus vier Ratsmitgliedern zu­sammensetzte, und zwar auS den Vertretern Belgiens, Brasiliens, Chinas und Spaniens. Seine Arbeiten über­zeugten den Ausschuß davon, daß die Frage nicht ein­fach dadurch gelöst werden könne, indem man einfach eine Grenzlinie aufstelle, entweder ausschließlich auf Grund der Volksabstimmung oder auf Grund wirtschaftlicher Ueberlegungen oder infolge eines Ausgleichs zwischen Heiden Methoden. Hätte man ohne eine andere Be­stimmung die Grenze nach einer dieser Methoden ans- gestelll, so wäre man zu den verhängnisvollsten Erschei­nungen gelangt. Infolgedessen beschloß der Viererrat nach gründlichem ©tubium, eine neue Grenzlinie zu empfehlen und vorzufchlagen, daß, während einer be­stimmten Periode Garantien gegen jede Vernichiung bet gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen geboten wer­den, wobei diese Perioden lange genug währen müssen, um eine vollständige und wirksame wirtschaftliche An­passung zu ermöglichen. Allgemein anerkannte sach­verständige Fachleute wurden damit beauftragt, di-gleich­falls notwendigen wirtschaftlichen Bedingungen zu studie­ren. Diese betreffeichen Personen gehörten den technischen Organisationen des Völkerbundes an und unterlagen keinerlei Einflüssen, sowohl was ihre Nationalität als -auch die Politik der Behörden betrifft, von denen sie ernannt wurden. Sie wurden von den vier Raismit- gliedern oufgefoxbert, die allgemeinen Maßnahmen zu untersuchen, die dir Fortführung der Wirtschaftslebens in Oberschlesien. sicheru^urch dir Schwierigkeiten der Ucber-

gangsperiode auf ein Mindestmaß beschränken könnten. Die Projekte, in denen die betreffenben wirtschaftliche« Bestimmungen vorgeschlag-n werben, sehen lange Perio» den. in gewissen Fällen bis zu zehn Jahren, für rin« Reihe von Vereinbarungen vor. Diese Vereinbarung«« beziehen sich auf Wrsser- unb Elektrizitätsversorgung,' bie Zollsrciheit für reiche Erzeugnisse, wie Kohle und Zink, die Beibehaltung der deutschen Mark als gesetz­liches Zahlungsmittel in den an Polen abgetretenem Gebieten. Der Rat schlug gleichzeitig mit der Annahme dieser Projekte Garantien für die politischen Minderheiten vor, da er hierin eine wesentliche Ergänzung einer politischen Grenzsührung erblickt. Nur auf diese Weise war cs möglich, den politischen Wünschen der Einwohner bie größte Befriedigung zu gewähren unb ihnen gleichzeitig ben Fortbestanb bes wirtschaftlichen Wohlergehens ihres Laubes zu sichern.

KUM teilte SchM in Saris uni EoiM,

Paris, 12 Okt. Havas meldet: Der deutsche Botschafter hat gestern Morgen Briand einen Besuch, abgestattet. Obwohl eine gewisse Zurückhaltung hin­sichtlich diese? Schrittes beobachtet wurde, glaubt man; doch annchnicn zu dürfen, daß er im Zusammenhang» mit der nahe bevorstehenden Entscheidung über die oberschlefische Frage steht. Der deutsch« Botschafter soll bei dem französischen Ministerpräsidenten einen letzte» Versuch gemacht haben, um die Schwierig­keiten darzulraen, die für Deutschland im Falle einer! ungünstigen Lösung entstehen würden. Eine derartige Lösung wurde nicht nur schwere wirtschaftlich- Folgen nach sich ziehen, sondern wäre imstande, den Sturz! b c S Kabinetts Wirth hervorznrusen.

.Havas bemerkt dazu: Es ist unzweifelhaft, daß dieser allerletzte Versuch ohne Wirkung fein wirb: denn die verbündeten Regierungen haben entschieden, bie Trennung a n z tt u ehmen, bie der Völkerbnnbsrat empfehlen wird. Es ist wahrscheinlich, daß her Völker­bundsrat heute seine Entscheidung den Verbündeten übermitteln wird. Diese werden bie Entscheidung noch einige Togo lang geheim halten, um der interalliierten Kommission zu ermöglichen, all- zweckdienlichen Maß- nahmeil vor ber Bekanntmachung der Grenze zu er­greifen. ES ist unwahrscheinlich, baß vor Beginn der nächsten Wach? die Hauptmächte, die im Obersten Rat vertreten sind, bie Enischeivung Polen und Deutschlands durch Vermittelung von Briand, der als Präsident bet; letzten interalliierten Konferenz fungierte, bekannt­geben werden.

London, 12. Okt. DieTimes" berichtet, daß der deutsche Botschaster bei seinem gestrigen Besuch bei! Lord Curzon dem Wunsche der deutschen Regierung! Ausdruck gegeben habe, bie oberschlefische Frage in! einer Weise gelöst zu sehen, die den Forderungen,, Deutschlands gerecht werde und auf die Gefährdung! ber Regierung Wirth hingcwiesen habe. DerTimes" zufolge soll die Ausnahme Stahmers bei Lloyd George etwas kühl gewesen sein.

London, 12. Okt. Wie Reuter erfährt, ist der Bericht aus Berlin durchaus unbegründet, wonach diel britische Regierung bie deutsche Regierung bei der Stellungnahme gegen bie Entscheidung des Völker- bundsrates in der obecfchlesischen Frage unterstützen würde. Es werde als wesentlich betrachtet, daß die! deutsch- und polnisch- Regierung sich vorbereiten, die Entscheidung des Dberßeii Rates, sobald sie verösfent-' licht werde, loyal durchzuführen.

Federrasseln und Rücktrittsdrohen.

London, 12. Okt. Der politische Berichts erftatter des «Daily Telegraph" schreibt, der Ein? druck, den Berlin anscheinend sich einbildet auf Lon-l don ausüben zu können und die in der eiligen Rück-, Berufung Sthamers zum Ausdruck gekommen fei,; habe sich bereits als eine schmerzliche Illu­sion erwiesen. Ein Diplomat habe dem Bericht- erftatter desDaily Telegraph" erklärt, die deutsche Republik habe statt des früheren Säbrlrasselns des Kaiserreiches das Federrasseln und Rück« trittsdrohen eingeführt.

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Eine Erklärung des Reichskanzlers.

Berlin, 12. Okt. (Amtlich.) Zn der Heu» tigen Sitzung des Reichskabinetts gab der Reichs­kanzler der allgemeinen Erregung darüber Aus» druck, daß der Völkerbundsrat in Genf, soweit sich aus unwidersprochenen Nachrichten entnehmen lasse, über das oberfchlesische Gebiet in einer Weise ver« fügte, die weder der durch die Abstimmung klar zutage getretenen Willenskundgebung der ober^ schlesischen Bevölkerung noch den wirtschaftlichen, Bedürfnissen des Landes entspreche. Tressen diese Nachrichten, zu^'und fällt ,der Oberste Rat eine so! geartete Entscheidung/ fo werden deutfch^Etädt»