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Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

M. 239

1921

M der EMeidW Wer LbeWelm

Für dl« Opfer von Oppau.

Die Deutsche Volkspartei, das Zentrum, die Demo- krajeu und Sozialdemokraten haben im preußischen Landtag einen Antrag eingebracht, in dem es heißt: Zur Unterstützung der Opser des OPPauer Unglücks werden 6 Millionen Mark bereitgestellt. Das Staats- Ministerium wird ermächtigt, in Verbindung mit der Neichsregicrung die Verteilung dieser Summe vorzu­nehmen und ersucht, dem Landtage über die Verwen­dung Bericht zu erstatten."

Die »Oberhesfische Zeitung erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 6 Mk durch die Post 6.15 Mk. Für ausfallende Nummern infolge Streiks ooer elementarer Ereignisse kein Ersatz. Verlag von Dr. C. Hitzeroth. Druck der llniv.-Buchdruckerei von Joh. Ang. Kock, Markt 21,23 Fernsprecher 55. Post­scheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Waffenlager in Ostpreußen?

Königsberg, 11. Okt. Das Oberpräsidium mit: DieKönigsberger Bolksztg." bringt Mitteilnngen über die Entwaffnung Ostpreußens, wonach von pri­vaten Organisationen trotz behördlicher Anordnungen Wassenlager in der Provinz unterhalten werden. Es ist sofort vom Oberpräsidium Veranlassung genommen worden, eine Untersuchung auf Grund der angegebenem Anschuldigungen einzulciten. Die Schristleitung des genannten Mattes nnd die Leitung der S. P. D. in Ostpreußen wurden aufgcsordert, das in dieser Hinsicht vorhandene Material dem Oberpräsidium zur Ver­fügung zu stellen, um eine Untersuchung mit aller Unparteilichkeit unter Wahrung berechtigter Interessen der gesamten Bevölkerung Ostpreußens, führen zu können. > I ;; .

Aus dem besetzten Gebiet.

Eupen, 10. Okt. Die hier eingerichtete fran­zösische Schule zählt nur 27 Schüler^ dagegen sind 175 Schüler in der deutschsprachigen Schule.

Malmedy, 10. Okt. Nach einer Meldung des Soir" soll in Malmedy eine belgische Garnison ein­gerichtet werden. Die Errichtung einer Kaserne iH bereits in Aussicht genommen.

Er soll mit dem Mschof Grafen Wikes und den anderen Führern der Monarchisten aus der Partei der Kleinen Landwirte über die Ausrichtung eines un« garisch-öslerreichisch-bayerischen Kvnigsrei^s unter dem Szepter der Wittelsbacher verhandelt haben. Mehrere Fragezeichen sind erlaubt.

Wien, 12. Okt. Amtlich wird bekannt gegeben: Gestern Nachmittag wurden auf österreichischem Gebiet bei Unterrohr zwei patrouillierende Gendarmen von einer ungarrfchen Bande überfallen und über die Grenze ge­schleppt.

Marburg WM, den 12. Lttober »ilbhardt.

' a und in betedfneu.

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Larrabatt. Bei Auskunft durck die EefchSftöstell« und Vermittlung der Au«, bete 75 Pfg. Sondergebühr.

Ne «kW«! WWMtzm Sinne ii Mmich.

- Inn sbrnck, 11. Okt. DieInnsbrucker Nachr." Kellen fest, daß seit einem halben Jahre kein Mitglied der Landesregierung und kein Tiroler Abgeordneter überhaupt kein offiziell in Betracht kommender Tiroler Politiker Anschlußverhandlungen oder ähnliche Be- sprechungen mit Deutschland gepflogen habe. Tas Blatt erklärt aufgrund von Mitteilungen von Mit­gliedern der Landesregierung, daß von derartigen Ver­handlungen keine Rede sein könne, solange kein Antrag aus Durchführung des Anschlusses von Tirol aus vor- liege.

DieInnsbrucker Volrszeitg." bespricht die aus- bärtigen Sensationsmeldungen über Tirol nnd bemerkt dazu, daß die Masse der Bevölkerung sich darüber vur wundere, da sie außer einem Ausruf des Selbst, schutzverbaildes in den letzten Monaten nichts Außer, gewöhnliches vernommen habe. Dieser Aufruf habe aber im ganzen Lande keinen Eindruck gemacht. Die Bewegung in Tirol, von der die ausländischen Zei- tun gen zu berichten wissen, gehe nicht vom Volk- aus. Tiefes sei in seiner ganzen ungeheueren Mehrheit repu- tlitanisch gesinnt.

Wien, 11. Okt. Die Landesparteileitung Wien der Großdcutfchcn Volkspartei hat für morgen eine Ver­sammlung ihrer Vertrauensleute einberufen, die sich mit der Karlisiischen Erfahr beschäftigen soll. In der Einladung zur Versammlung wird betont, daß die Partei die nationalgesinnten Kreise gegen alle Versuche einer Wiederherstellung der Habsburgischen Monarchie, die das Grab des Anschlußgedankens wäre, zum Wider­stand aufrusen würoe.

Wie derWiener Mittags meldet, ist Kronprinz Rupprecht von Bayer« in Steinamanger eingetroffen.

ffios oh Solen fallen soll.

Senf, 11. Okt. Wenn man den vorliegenden, rein privaten Informationen ©lauten schenken kann, kann kaum mehr ein Zweifel darüber be­stehen, daß der Völferbundsrat tatsächlich die Tei­lung Oberschlesiens, und zwar a u ch des Industrie­gebiets, beschlossen hat. In den Kreisen, die dem Völkerbund nahe stehen, verlautet mit Bestimmt­heit, dast die Grenze ein Kompromiß zwischen den beiden Sforzalinien darstelle , Danach sollen an Polen fallen:

Rybnik, Pleß, der in den Kreis Plctz hinein- ragende SLdzipfel des Kreises Hindenburg, Katto- witz Stadt und Land, der Ostteil des Landkreises Benthe« ohne die Stadt und Telle der Kreise Tar- noroitz und Lublinitz ohne die Städte. Was die rein deutsche Stadt Königsbütte betrifft, so wird von einer für Bolen günstigen Lösung gesprochen. Neb-n den BcMmmnnncn über die neue Grenze soll das Gutachten des Völkerbnndsrates eine Fülle von teilweise sehr verwickelten Bestimmungen ent« finiten Über technische und wirtschaftliche Fragen, deren redaktionelle Ausarbeitung auf große Schwierigkeiten stößt. Von den Mitgliedern des Böllerbundsrates wird jede ipeitere Auskunft über die Grenzlinie verweigert.

Paris, 11. Okt. Der Genfer Berichterstatter derInformation" teilt seinem Blatte mit, daß bis auf einige Einzelheiten die Grenzlinie in OSer- :chlefien endgiltig festgesetzt und vom Bölk.rbund gebilligt sei. Sie habe indessen in den letzten Tagen mehrfach einige Abänderungen erfahren. Die Linie, rote sie gestern abend zustandea-kommen sei, nähere sich merklich der Sforzalinie. Die Stadt Bentfirn bleibe bei Deutschland, während der Be­zirk Konigshütte an Polen falle. Die Zuteilung von Beuthen und Kön'gshütte Habs endlose Er­örterungen hervorgerusen.

P ar is, 11. Okt. Wie derPetit Parisi-n" mit- teilt, könne man bestätigen, daß die Lösung, zu der man sich orientiere, darin bestehe Oberschlesien ein­schließlich des Industriegebiets gemäß dem arithmeti­schen Ergebnis der Volksabstimmung zu teilen und provisorisch durch ein« Spezialorganisation die wirt­schaftlich« Einheit des Landes ansrechtzuechalten.

Genf, 11. Okt. Der Bölkerbundsrat hörte heute Nachmittag di« Sonderberichterstatter des Vierer-Aus­schusses an. Man nimmt an, daß der Rat am Mitt­woch dem Vorsitzenden des Obersten Rates, Briand, fein Gutachten wird zustellen können, doch ist eine kleine Verzögerung noch möglich. Die Nachricht, daß di« englische Regierung gegen eine für Polen zu günstige Lösung ihr Veto einlegen werde, wird demen­tiert. An den Schlußfolgerungen, die dem Obersten Rat rnktgeteilt toerben sollen, sollen Frankreich und England gewisse Abänderungen vorgeschlagen haben.

Di« hier weilenden Vertreter Oberschlesiens haben ans ihren Unterhaltungen mit Mitgliedern des Völker- bundsraies und Sachverständigen im allgemeinen den Eindruck gewonnen, daß sich die meisten maßgebenden Persönlichkeiten durchaus Rechenschaft ablegen über dir katast rophalen w irtscha ftlichen und so- zialen Folgen, die eine Teilung nach sich zichen würde. Diese Erkenntnis vermochte aber offenbar nicht gegen die politischen Gesichtspunkte aufzu­kommen, die von anderer ©eite vertreten werden und scheint daher ihren Ausdruck nur in verschiedenen Kvmpromißvorschlägen zu finden, mit deren Hilfe main wenigstens theoretisch die unausbleiblichen un­mittelbaren Folgen einer politischen Lösung eindämmen möchte.

Bit WWW d» SilltMsrolts oMtbtnd.

Vorstellungen in London zwecklos.

London, 11. Okt. Zn den verschiedeeuen Ge­rüchten über die Empfehlungen mit Bezug auf Ober­schlesien erfährt Reuter: Die Lage ist di«, daß die Premierminister der Verbündeten in Paris erklärten, sie würden die Empfchlnngen des Völkerbundsrates annehmen. Seit dieser Zeit nahmen die Mächte keinen Anteil mehr an der Frag«, weder direkt noch indirekt.

Der Berliner Berichterstatter desDaily News" schreibt, der Viererausschuß in Genf habe seinen Ent- schüch so gut wie getroffen und dieser sei von Balfour und Bourgeois im Prinzip angenommen wordcn. Gewisse Einwände seien von italienischer Seite erhoben ttrorben, die jedoch nicht als ernst angesehen würden und selbst wenn Italien daraus bestehen sollte dies nut

MoMtk SoHilog.

Der Relchsschulgefetzentwurs.

Berlin, 11. Ott. Der preußische Landtag über­wies heute zwei Zentrumsanträge über die Versor­gung der Siaatsbeamten, -Angestellten und -Arbeiter mit Wintervorräten und über die Neuregelung von Notzuschlägen an den Deamtenausschuß, nahm den Antrag, den aus den Abtretungsgebieten verzogenen Nuhegehaltsempsängern des mittelbaren Staatsdien­stes und deren Hinterbliebenen Ruhegehalt bezw. Zu­schüsse vom 1. April 1921 ab zu gewähren, ohne Aus­sprache an und trat dann In eine aus­führliche Besprechung des deutschnaiwnalen Antrags über Frachiermäßigungen zwischen Ost­preußen tiud dem Reich für landwirtschaftliche Be­darfsgegenstände und -Erzeugriisse ein. Die bürger­lichen Parteien erkannten die besondere Notlage Ost­preußens an. Die Sozialdemokraten und Unab­hängigen verlangten zunächst eine Verbilligung der Löhne. Die Gegensätze platzten, wenn auch heute nicht sehr heftig, aufeinander. Der Verkehrsausschutz wird sich toeiter mit dem Antrag zu befassen haben. Von der Wirtschaftspolittk kam man dann zur Kulturpolitik. Die Demokraten halten bereits vor längerer Zeit eine Interpellation über das Retchsschulgesetz cin- gcbracht, die auch schon begründet worden war. Heute setzte man die Beratung fort. Sie brachte eine Rede des Demokraten Kimpcl. Der Redner machte keinen Hehl daraus, daß er von dem Weimarer Schultourpro- mitz keineswegs befriedigt sei. Unter lebhaftem Wi­derspruch der Deutschnationalen und des Zentrums erklärte Abg. Kimpel, datz in gewißen Fällen das Elternrecht den Staatsinteressen weichen müße, datz cs also nicht, wie die Vertreter der Bekenntnisschule es verlangen, einzig nnd allein ausschlaggebend sei. Für das Zentrum legte 9(66. Wildermann ein offe­nes Bekenntnis für die konfessionelle Schule ab, ebenso für die Aufrechterhaltung des Eltern­rechts. Wie zuvor die deutschnatwnale Abgeordnete Frau Lehmann trat er für die Erhaltung der Vri- vatschulen ein. Er fand einen scharfen Gegner in dem Abgeordneten Kollmann, der nach ihm für die Unabhängigen die Stellung feiner Partei zu dem Reichsschulgesetzentwurf darlegte. Weiterberaiung morgen 11 Uhr vorm.

Die Spanier in Marokko.

Melilla, 12. Okt. Der amtliche spanische BeriiP besagt: Ter Stamm der Beni Sicar und einige andere Stämme von Gualaya haben dem spanischen Ober­befehlshaber ihre Unterwerfung angeboten.

München, 11. Okt. Tas Erscheinen der unab­hängigenMorgenpost ist vom 12. bi- 25. Oktober wegen eines AufsatzesDie Verschwörung gegk« die Revublik" verboten worden.

MtiWtil.

< Die oberschlesisch« Frag«, die mit Künsten aller Art pon Monat zu Monat verschleppt worden ist, steht jetzt tot der Entscheidung. Und sofort zeigt sich die unge­heure Tragweite dieser Frage in den krisenhaften Erschei­nungen, die mit dem Schiedsspruch über Oberschlesiens Schicksal verbunden sind. Wie dieser Schiedsspruch aus- falt'en wird, weiß man im einzelnen noch nicht, nur soviel erkennt man mit voller Sicherheit, daß er ungünstig für Deutschland gehalten ist. Die erste Krisenfelge dieser Tatsache zeigt sich in neuen Meinungsverschiedenheiten Wischen England und Frankreich. Der Schiedsspruch, her offenbar in seinen Grundzügen bereits festlag, ist aber- «als verschoben worden, weil England widerspricht. Es rächt sich, daß Llohd George nicht die Konsequenz be­sessen hat, Frankreich gegenüber seinen Widerspruch auf­recht zu erhalten, als die oberschlesische Frage im Ober­sten Rate entschieden werden sollte. Damals erhielt der Bölkerbundsrat das Mandat der Entscheidung, und nach­dem sich^dort dir obcrschlesische Schicksalsfrage ebeirso zu einem Schachergeschäft entwickelt hat wie vorher im Obersten Rat, steht England heule genau vor derselben Schwierigkeit wie damals. Nur daß cs den besten Teil Kiner damaligen Widerstandskraft eingebüßt hat. EKnn nachdem einmal der Bölkerbundsrat zu seinem. Schiedsrichter eingesetzt worden ist, wird England bei wei­sem nicht mehr für seinen Einspruch die starke Stellung besitzen, die c3 im Obersten Rot hatte. Zweifellos haben die Dinge sich kritisch zugesp-tzt. Im Völkerbund stoßen icht die scharfen Interessen auseinander, die vorher im Obersten Rot nicht ausgeglichen werden konnten. Nach­dem sich aber England damals ans eine Kompromißlösung rörgeiaffeit hatte, ist auf seine sestr Haltung in der gegen­wärtigen Krisis kaum zu hoffen.

Umso fester muß die Haltung des deutschen Volkes sein. Der Vorschlag, den der Völkerbundsrat zu machen »chenll, läuft darauf hinaus, da? von Polen begehrte Industriegebiet wirtschaftlich in gewissem Sinne selb­ständig zu erhalten, «S politisch aber Polen preiSzn- ßeben. Offenbar trägt man Bedenken, die polnische Mißwirtschaft in dem für die Weltwirtschaft wichtigen vberschlesischen Industriegebiet cinreißen zu lassen, aber man hat nicht den Mut, daraus die vollen Folgerungen zu ziehen. Für Deutschland wäre eine solche Lösung gänzlich unannehmbar. Es kann nur die Zuerken­nung des ungeteilten Oberschlesiens an Deutschland als eine gerechte Lösung anerkennen. Nur sie ent­spricht dem Ergebnis der Volksabstimmung. Die vom Völkerbundsrat drohende Entscheidung schleudert auch Drnischlanb in die Wellen einer heftigen politischen Kriiis. Tenn das Kabinett Wirth könnte eine solche Entschei­dung nicht überleben. Seine Politik des Nachgebens jllnd der Erfüllung gegenüber den Verbündeten war getragen von der Ueberzeugung, daß nur so eine Deutsch­land günstige Entscheidung über Oberschlesieu zu erreichen fei. Und Herr Dr. Wi.rth schien bis zuletzt an eine solche zu glauben. Er wird die Folgerung aus seinem sunda- mentalen Irrtum ziehen müssen. Tie einstweilige Dro­hung mit feinem Rücktritt, von der manche Kreise sich «ine günstige Wirkung bei dem Obersten Rat versprechen, wird sicher ergebnislos sein, so gut das Kabinett Wirth in London und Paris auch angeschrieben sein mag. Die Wcstinächte haben erklärt, das Gutachten des Völker­bundsrats als maßgebend anznerkeiineii. Sie können rs jetzt also nicht unbeachtet lassen, tvollen sie nicht einen Welrsiandal herbeisühren, der den ganzen Völkerbunds- schioindel ofsenabr tvcrden läßt.

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bedeuten würde, daß die Anempfehlung des Bölker- brmdsrates auf einen Mehrheitsbeschluß und nicht auf einen einstimmigen Beschluß gegründet sein toflxbe.

Der diplomatische Berichterstatter desDaily Thw- niete" schreibt, es brauche kaum gesagt zu werden, daß die zu erwartende Lösung vom britischen Stand punkt nicht als befriedigend angesehen werden Gun« einfach aus dem Grunde, weil sie nach britischer An sicht mit einer dauernden Stabilität in jener schwie. rigen und gefährlichen Ecke Mitteleuropas nicht ver- tinBar sein würde. Sollte dies die formelle Ent­scheidung des Völkerbundes sein, so werde sie England annehmen müssen; England habe sich gebunden und könne keinen Einwand erheben. Es wückr aber unglücklich sein, wenn in der Geschichte des Völker­bundes ein Präzedenzfall geschaffen würde, in dem der Bund eine schiedsrichterliche Entscheidung treffe, die nur ausgleichcuder Art sei. Das künftige Prestige des Völkerbundes als schicdsrickc'erliche Körperschaft hänge in großem Maße von der Güte der Entscheidung ab, die in Fragen dieser Art gefällt werden. Auch der diplomatische B -richterstatter desDaily Telegraph" stellt nachdrücklich in Abrede, daß die britische Regie- rnng oder Lloyd George versuchten, sich in dir Arbeit des Unterausschusses des Völkerbundsrates für die ober- schlesische Frage einzumischen. Die britischen Minister seien entschlossen, sich au ihre Verpflichtung, die An- «mpsehlung des VöluwbundsrateS anzunehmen, zu halten, ohne Rücksicht auf ihre persönliche Ansicht über die wirlslbaftliche Seite der neuen Grenzlinie. Der .Berichterstatter desDaily Telegraph" schreibt, die deutschen Minister und Publizisten entfachten eine große öffentliche Bewegung in der Annahme, daß der Völker­bund eine Teilung Oberschlesiens beschließen werd«. Sie sollten verstehen, daß unter den augenblicklichen Um­ständen Appelle Berlins in London nicht angebracht und vollkommen zwecklos seien. Die Entscheidung des Völkerbundsrates müsse gelten und werde bestimmt in England respektiert werden.

Bir toMsHliW.

Die Kreditaktion und die Entscheidung über Obtt- schlesten.

Berlin, 11. Okt. Wie die Blätter melden, ist die heutige Vormittagssitzttng des Kabinetts, die sich mit dem oberschlesischcn Problem befaßte, um 1 Uhr abgebrochen worden.

Berlin, 12. Okt. Das Reichskabinett ist gestern abend nach einer kurzen Sitzung wieder auseinandergcgangen, da ihm authentische Nach­richten über das Schicksal Oberschlesiens nicht Vor­lagen. Das Kabinett,wird heute vormittag 9 Uhr zu einer neuen Sitzung zusammentreten.

Sämtliche Blätter sehen die durch die bisher aus Genf eingetroffenen Nachrichten in Deutschland ge­schaffene Lage als äußerst kritisch an. DieVoss. Ztg." erklärt, daß die Entscheidung des Völker­bundes, wenn sie auch nur annähernd so ausfallen sollte, wie es die heutigen Meldungen befürchten lasten, keineswegs von Deutschland wider­spruchslos hingenommen zu werden braucht. Eins selche Entscheidung wäre kein Votum aus Grund der vberschlesischen Abstimmung, sondern vielmehr ene willkürliche Phantasterei, deren Gut­heißung weder ein deutsches Kabinett aussprechen könnte noch überhaupt politisch ernst zu nehmenden Männern zuzumuten wäre. Der Reich'tag werde zweifellos einmütig dem selbstverständlichen Vor­schlag des Kabinetts zustimmen, die Entscheidung als unannehmbar und mit dem Friedens­vertrag in Widerspruch stehend zu beanstanden. Auch dieDeutsche Allg. Ztg." betont, daß weder das Kabinett Wirth noch irgend ein anderes im­stande wäre, die Verpflichtungen aus dem Ver­sailler Friedensvertrag, aus dem Ultimatum und aus den Wiesbadener Abmachungen zu erfüllen, falls Deutschland nur ein Stück des oberschlesischen Industriegebietes genommen werde. DerLokal- Anz." spricht bereits von einer schweren Regie- rungskrise. SewStrrtte zufolge soll in politischen Kreisen verlauten, daß das Reichskabinett fest ent­schlossen sei, zurückzutreten, wenn die Ent­scheidung über Oberschlesien so ausfällt, wie es im Augenblick den Anschein hat. Wie das Blatt weiter mitteilt, weilten gestern abend einige Mit­glieder des Reichsverbandes der deutschen In­dustrie beim Reichskanzler, um sich mit ihm über die Kreditaktion zu unterhalten. Auch die ober- schlesischs Frage ist im Zusammenhang damit be­sprochen worden. Industrie, Landwirtschaft und Handel seien dem Blatte zufolge fest entschlossen, angesichts der Nachrichten über die Beschlüsse der

Der Anzeigenprei, beträgt für die 9 geb. Colonel«»« ober betw Raum 1.- ML, amtliche und auswärtig« 1.30 ML Andere Spalten*'-'-i nach entlprcchender

Berechnung. Spät einlaufend« oder de» Raum ük ; einnehmend« Bn- IN. AfluTa.

zeig«» find wir berechtigt, nach der Textspaltenbrril.-«>> «« &»-»*>»

Sogen. Reklamen berechnen wir die Zeile mit 4 M