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Anzeiger für (das früher kurheUchej Oberhessen
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1921
Das Schicksal Oberschlesiens
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lern weiter auf Vorlegung eines Entwurfes wegen Urrichtung eines milchwirtschastlichen Institutes, au Versorgung der minderbemittelten BevSlkerung mit Zucker, auf Untersagung der Verarbeitung von Vollmilch zu Trocknungspräparaten zwecks Sicherstellung der Milch- und Butterversorgung.
Politische Tagesnachrichten.
Verhaftung Georg Schieles. Der wegen Hochverrats im Zusammenhänge mit deut Kapp-Putsch steckbrieflich verfolgte Arzt Georg Schiele aus Naumburg ist in München verhaftet worden. Die Verhas- Mng erfolgte durch die bayer. Grenzpolizei, als Schiele versuchte, die Grenze nach Oesterreich zu überschreiten. Ueber seinen bisherigen Aufenthaltsort verweigert der Verhaftete jede Auskunft.
Die „Hundertschaft zur besonderen Verwendung". Gegen den Polizeiunierwachtmeister Erven und den Polizeihauptwachtmeister Meyer von der .Hundertschaft zu besonderer Verwendung" wurde ein Verfahren wegen Mordes eingeleitct. Es wird ihnen zur Last gelegt, am 15. Juni den Oberwachtmeistcr Buchholz ermordet zu haben, um zu verhüten, datz Buchholz, gegen den das Verfahren wegen Unterschlagung ein.geleitet war, die politischen Machenschaften der Hundertschaft verrate. Der Prozeß wird in der nächsten Schwurgerichtstagnng des Berliner Landgerichts 3 verhandelt. Die Angeklagten bestreiten jede Schuld. _ _____,_______________ ......
«usschutzanträge zum Landwirtschaftshaushalt.
Berlin, 10. Oft. Der Hauptausschub des Land- jages beendete heute die Vorberatungen zum Haushalt
die Winter- und Frühjahrssaat, Förderung der Saatgulwirtschast landwirtschastlichen Produktion, kleinen und mittleren Betrieben,
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bildungswesens, auf von Sämereien für aus die planmäßige zur Hebung der
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Die Spanier in Marokko.
Madrid, 11. Oft. (tzavas.) Der amtliche spanische Bericht besagt: Gestern morgen 10 Uhr haben die spanischen Trusten die gebirgigen Höhen westlich von Gougourou, die die Häuptsteil'.rngen des Feind rs bildeten, erstiegen. Auf dem Gipfel weht die spanische Flagge. Der Feind hat nur geringen Widerstand geleistet, außer an einer Stelle, wo er das Gelände mit Erbitterung verteidigte, aber schließlich zurückgegangen ist.
Sie «reibe- unb MstWechrmm.
Verschiebung ins Ausland nicht festgestellt.
' D e r l i n, 10. Okt. Die Bevölkerung wird seit Wochen stark durch Gerüchte beunruhigt, wonach durch Agenten ausländischer Firmen oder durch gewissenlose einheimische «ufkällfer Getreide und Kartoffeln in großen Mengen im freien Handel ausgekanft und über die West- oder Ost- erfnie ins Ausland verschoben werden. Die Befürchtung geht weiter dahin, daß durch solch: Berschicbun- tzen nicht nur die für die eigene Versorgung Deutschlands unzulängliche Jnlandsernte geschmälert wird, sondern daß auch dadurch die Inlandspreise für Kartoffeln und freies Ketreide ohne innere Berechtigung in die Höhe getrieben Verden. Wie aus dem Reichsministerinm lür Ernährung Und Landwirtschaft verlautet, beruhen die zu Beginn des neuen Erntejahres beobachteten Preistreibereien auf dem inländischen Getreidemarkt nicht auf Verschiebungen len Getreide ins Ausland, sondern erklären sich vor allem »ls den geringen zunächst auf den Markt gelangten Mengen von Jnlandsgetreide und dem in der ersten Zeit allgemein vorhandenen Bestreben, sich nach Möglichkeit sofort pnt Getreide einzudecken. Mit dem Fortschreiten der Ernte und dem größeren Zufluß von Getreide an den freien Markt haben sich nach den Notierungen der Produktenbörse auch die Preise wieder gesenkt und Iverden nach der auch bei Freigabe anderer zwrngsbewirt- schafteter Lebensmittel beobachteten Erfahrung nach anfänglicher Steigerung schließlich eine normale Höhe an- uehmen, soweit nicht unberechenbare Valutaschwankungen diese Entwickelung stören. Die Ausfuhr von Getreide, pfehl und Kartoffeln ins Ausland wird grundsätzlich «ich! genehmigt: Ausnahmen im gewissen die Jn- landsinteressen nicht schädigenden Umfang für Saatgut, sowie für im Veredelungsverkehr berge' • lies Mehl werden nur unter bestimmten Sicherungsmaf.nahmen^gemacht. Jim Verschiebungen von Getreide und Mehl und Kartoffeln ins Ausländ zu verhindern, sind die Kontrollstellen noch zu besonderer Aufmerksamkeit angehalten worden. Anzeigen über unberechtigte Ausfuhr ist grundsätzlich nach- gegangen: es hat sich jedoch in keinem einzigen Falle ein greifbarer Anhalt dafür ergeben, baß derartige Ausläuse zum Zwecke der Verschiebung ins Ans land erfolgt find oder zu solchen Verschiebungen geführt haben: vielmehr hat sich stets herausgestellt, daß solche Anzeigen aus tzut gemeinter, aber unbegründeter Besorgnis erstattet worden sind. Grundsätzlich muß, soweit die freie Wirtschaft wieder eingeführt ist, dem berufenen Handel die Befugnis zustehen, auch außerhalb seines Niederlassungsgebietes Lebensmittel und Waren anfzukausen, um sie in die deutschen Bedarssgebiete zu überführen. Auch die westlichen besetzten Gebiete, die schon vor dem Kriege ausgesprochene Bedarfsgebiete tvaren, haben Anspruch auf Versorgung aus dem übrigen Deutschland. Daß dieser Lebensmitteltransport nach dem Westen nicht zur Verschiebung ins Ausland mißbraucht wird, dafür sorgen die mit der Kontrolle befaßten Ein- und Ausfnhrbehörden und die Polizeibehörden mit Erfolg. Bei festgestellten Zu- tm'derhandlungen werden mit allem Nachdruck die scharfen Strafbestimmungen für verbotswidrige Ausfuhr, die in schweren Fällen Zuchthaus androhen, angewendet kerben.
Das wehrlose Deutschland.
Vatis, 10. Okt. Nach einer Havas-Meldung «is Griffet hat Unterstaatssekretär Vidal bei der Einweihung des Denkmals in Cuffet eine Rede gehalten, worin er erklärte, er glaube nicht an die Möglichkeit eines deutschen Angriffes. Deutschland sei vielleicht nicht völlig entwaffnet, es sei ihm aber unmöglich, Frankreich zu schaden. Im übrigen habe Frankreich seine Sicherhett selbst in der Hand durch seine Anwesenheit am Rhein.
Die „Oberhessische Zeitlinerscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 6 Mk., durch die Post 6.15 Mk. Für ausfallende Nummern infolge Streiks ooer elementarer Ereignisse kein Ersatz. — Verlag von Dr. E. Hitzeroth. — Druck der llniv.-Buchdruckerei von Joh. Slug. Koch, Markt 21,23 — Fernsprecher 55, — Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
Herren» if. M-ch». erkaufen.'
Marburg
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»ilbhardt.
Die Kämpfe in Kleinasien.
A ngora, 11. Ott. (HavasZ Der amtliche türkische Kriegsbericht besagt: Im Abschnitt von Asium- Karahissar wurde ein Angriff des Feindes mit starken Verlusten zurückgewiesen. Unsere Truppen haben die Griechen bei Bal-Mahmud bis aus das Gebiet nörb- kich der Eisenbahn zurückgedrängt.
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MmllMWN ia Berlin.
Nochmalige Vorstellungen in Genf. ‘
Berlin, 10. Ott. Sofort nach der Rückkehr des Kanzler» nach Berlin fand eine Sitzung des Reichskabinett» über die oberfchlestsche Frage statt. Der Reichskanzler teilte mit, datz nach den ihm gewordenen amtlichen Berichten des deutschen Konsuls in Eens das Ergebnis der Beratungen des Vierer- ausschuffes die deutschen Erwartungen über Ober- schlefien enttäuscht werden. In der Sitzung des Reichskabinetts wurde eine nochmalige dringende Vorstellung an den Völkerbundsrat beschlossen, die bereits gestern Berlin verlassen hat.
Der deutsche Botschafter in London nach Berlin berufen.
Berlin, 10. Ott. Anläßlich der beunruhigenden Nachrichten über die Lösung der oberschlesischen Frage in Genf hat der Reichsmimster oes Aeußern, Dr. Roien, den deutschen Botschafter in London, Sthamer, telegraphisch nach Berlin berufen. Der Botschafter, der gestern in Berlin eingetroffen ist, reifte nach der Konferenz mit Dr. Rosen wieder nach London.
Dem „Verl. Tagebl." zufolge ist für Dienstag vormittag eine Kabinettssitzung anberaumt worden, in der das oberfcPesifche Problem uni) die sich aus der Entscheidung ergebenden Folgen beraten werden sollen. In dieser Sitzung wird, wie das Blatt berichtet, Reichsminister des Aeutzern Dr. Rosen über seine Besprechungen mit dem deutschen Botschafter in London Shtamer berichten.
Wie die Blätter aus parlamentarischen Kreisen erfahren, wird der Reichstagsausschutz für auswärtige Angelegenheiten am Mittwoch zusammentreten, um über die oberfchlestsche Frage zu beraten.
Besorgnisse des „Vorwärts".
Der „Vorwärts" ist infolge der für Deutschland ungünstig lautenden Nachrichten aus Genf um das Schicksal des Kabinetts Wirth besorgt. Das Blatt schreibt: Die Sozialdemokratie steht in Verteidigungsstellung zum Schutze des Kabinetts Wirth und seiner bisherigen Polittk. Sie ist von vorn angegriffen durch die Nationalisten Deutschlands, und fie ist im Rücken bedroht durch die Entscheidung über Oberschlesten. Ob ste imstande sein wird, ihre Stellung zu halten, das wird von der Entscheidung über Oberschlesten abhängen. Fällt diese so ungünstig aus, wie befürchtet wird, so werfen wir deshalb noch nicht die Flinte ins Korn. Aber wir dürfen uns auch nicht verhehlen, datz dann die Zukunft sehr dunkel vor uns liegt.
Protestkundgebung.
Eisenach. 10. Ott. Die Ortsgruppe Eisenach der Vereinigten' Verbände heimattreuer Ober- schlefier macht als erste fich zum Sprecher der überall in Deutschland mit Naturgewalt auflodernden Entrüstung über die anscheinend bevorstehende ungünstige Entscheidung über Oberschlesien. Der Verlust auch nur eines Teils Oberschlesiens wäre national und wirtschaftlich niederschmetternd und für keinen Deutschen mehr erträglich. Um dieser Ueberzeugung Ausdruck zu geben, finden sich Tausende deutscher Männer und Frauen am Mittwoch im Kurhaussaal zusammen. Die Ortsgruppe Eisenach ruft alle Schwesterngruppen auf, sich diefer Kundgebung ohne jeden Verzug mit vollem Nachdruck anzuschlietzen und dem Völkerbund in Een nochmals eine zu fassende Entschließung im Sinne der Erhaltung Oberschlesiens für Deutschland zu unterbreiten.
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Roch keine Einigung des Viererrates.
Genf, 10. Ott. Der Korrespondent des „Temps" I teilte mit, daß die vier Mftglieder des Völserbundsrates, ; die mit der Vorlage des Berichts über die Teilung Oder- : fchlesiens beauftragt seien (der belgische, brasilianische, = chinesische und japanische Vertreter), ihre Arbeiten ununterbrochen sortsetzten. Indessen habe ein vollständiges , Einvernehmen unter den vier Mitgliedern nicht herge- t stritt werden können. Die Vorlage des von den Vier = ausgearbeiteten Entwurfs im Bölkerbündsrat hätte beute ° Bormtttag staüstnden sollen: sie |ei aus Mittwoch ver- ' schoben worden. Der Vötterbundsrat habe sich also noch nicht mit Oberschlefien beschäftigt. Er wird am Müt- * woch unter dem Vorsitz von Baron Jshij zu einer anßer- ° ordentlichen Sitzimg zusammentreten, nm von dem Ergeb- . nis der Beratungen des Viererausschusses Kenntnis zu - nehmen. Am selben Wend werde er sich über die dem : Obersten Rat Loecks Teilung Oberschlesiens „zu empfehlende Löjung" einigen. Das Gutachten des Völkerbunds-
Erneutes Einsetzen des polnischen Terrors. * / Berlin, 10. Oft. Wie der „Lok.-Anz." aus Kattowitz meldet, trafen am Samstag in Beuthcn 70 deutsche Männer aus Friedrichshütte ein, die durch Bedrohung zur Flucht genötigt waren. Auch aus Lipin- und anderen Orten kamen deutsch« Flüchtlinge nach BeuthLN.
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auf die schleunige Vorlegung eines Gesetzes zur Einführung der obligatottschen Foribildungs- fchulpslicht für die in der Landwirtschaft beschäftigten Jugendlichen, auf fchleunige Aufbringung einer Getreideumlage zur Sicherstellung der Brotver- sorgung bis zur nächsten Ernte, sowie eines Gesetzes zur Unterbindung der Ausfuhr in Lebens- und Futtermittel und zwar unter Festsetzung von Zuchthausstrafen, ferner auf nachdrückliche Verfolgung von Lebensmittelwucherern und Verschie-
rats werde telegraphisch dem Vorsitzenden des Obersten Rates, Briaud, mttgeteüt werden.
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Berlin, 10. Okt. Der in Genf weilende Bor« itzende der oberschlesischen Zentrumspattei, Pfarren Ilizka, erttärte einem Korrespondenten dcs „53.T.", »er von dem Tschechen Kovae und dem Schweizer Herold ausgearbeitete Entwurf sei von den: Bestreben dittiertz n der oberschlesischen Frage eine Einigung der Engländer und Franzosen herbeizuführen. Man glaubt, eine versöhnende Lösung darin gefunden zu haben, daß man politisch das oberschlesische Industriegebiet zul seinem größten Tell zu Pole n schlagen, diesem polnisch gewordenen Teil aber gemeinsam mit dem deutsch gebliebenen als wirtschaftliche Einheit echalten will. In dem naturnvtwcndig gegebenen Kvn- stift um die wittschaftliche Vorherrschaft wird bie deutsche wie die polnische Bevölkerung OberschlesicnS gleichmäßig leiden. Der Plan ist praftisch undurck- ü h r b a r. Von der oberschlesischen Bevölkerung und der deutschen Regierung muß klar uns entschieden bi« Undurchführbar! eit dieses Projektes erllärt werden. Das ftagliche Projeft hat die oberschlesische Frage nicht gefördert, sondern um ein großes Stück zurückgeschleudert.
Paris, 10. Oft. Zu den Enthüllungen bei des „New York Herald" über die Vorgänge in Genf schreibt die rechtsstehende .Libre Parole": Die Meinungsverschiedenheiten erstreckten sich auf zwei Punkte, zunächst auf die Zuteilung von Kattowitz unb Königshütte an Polen und dann auf die Einsetzung einer internatwnaten Kommission für die wittschaftliche Kontrolle, die eine der barocksten Schöpfungen toärtv bie die neue Diplomatie zur Welt brachte. Tie Vater- schäft werde dem Belgier Hymans zugeschrieben. Sie wäre das würdige GegenMck zu der unwahrscheinlichen Kombination von Wilna.
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Jede Teilung ein wirtschaftliches Verbrechen. — Befragung der Bevölkerung erforderlich.
London, 10. Ott. „Observer" berichtet aus Berlin, in Deutschlarü» werde eine gewisse Krisis erwartet, wenn das oberschlesische Problem gelöst werde. Man halte die Sforza-Linie jetzt für so gut wie sicher und erwarte von der Bekanntgabe dieser Entscheidung furchtbare Folgen.
Das Parlamentsmitglled Kennworthy schreibt in einem Briese an die „Times": Es gehe das Gerücht, daß Oberschlesten doch geteilt ivetben und daß eine politische und wirtschaftliche Grenzlinie gezogen werden solle. Nichts fei undurchführbarer. Jede Teilung Oberfchlesiens würde einwirtschaftlichesVerbre- ch e n fein, nicht nur gegen die Provinz selbst unb gegen Deutschland, sondern auch gegen Polen und den übrigen Teil Zentraleuropas. Das Milweste, was der Völkerbund tun könne, sei die Bewohner Oberschlesiens erst zu be fragen. Oberschlesien sei der höchstentwickelte industrielle Bezirk Europas, es sei unteilbar, wie das Werk einer Uhr. Die Mehrzahl der Bevölkerung sei gegen eine Teilung. Sie wisse, daß sie den Ruin bedeute. Tas Interesse Der unglücklichen Bewohner müsse in Erwägung gezogen werden, selbst vom Völkerbund, in dem sie nicht vertreten seien. Tie ursprünglich« Abstimmung in- Oberschlesien fei vorgenommen worden unter der Voraussetzung, daß die Bevölkernng darüber abstimmen solle, ob die gesamte Provinz an Deutsch- Land oder an Polen fallen solle. Tie ganze Welt wisse, daß, wenn die Abstimmung eine polnische Mehrheit ergeben hätte, die gesamte Provinz an Polen gegeben worden wäre. Nicht fünf vom Hundert der oberfchlesischen Bevölkerung würde für eine Teilung ge- stimmt haben: bevor man daher Oberschlesten teile, muffe eine Abstimmung über trie Frage der Teilung stattfinden. Wenn fich die 89eti5Ifernng gegen eine Teilung erkläre, dann müsse man der Provinz örtliche Autonomie unter deutscher Suzeränität geben. Dieses sei zwar keine ideale Lösung, aber polnisches Geld, polnische Arbeitergesetzgebung (bejiv. deren Mangel) und polnische Unerfahrenheit auf der einen Seite, der Grenzlinie un» deutsches Geld unb deutsche Arbeitergesetze unb deutsche industrielle Tüchtigkeit auf der anderen Seite unb dazu Zoll- unb Paßschranken bedeuten den Ruin eines reichen Gebietes, das für Europa eine Lebensnotwendigkeit sei. Kennworthy schließt sein Schreiben mit den Worten: ; Wenn man dem Völkerbund gestatte, in der oberfchlesischen Frage ei' u Narren aus sich zu machen, dann würde er eben so in Mißkredit kommen wie der Oberste Rat.
ber landwirtschaftlichen Verwaltung: angenommen wurden u. a. die Anträge auf Ausbau der Licht-, Kraft- und Wasserversorgung, sowie Förderung des Verkehrswesens zur Besörderung von landwirtschast- 1 teilen Produkten, auf die Zuführung der notwendigen Arbeitskräfte für dte landwirtschaftlichen Betriebe durch die Schaffung von zureichenden Wohnungen, Gewährung auskömmlicher Löhne, Ausbau des Volks- " ‘ ' die Beschaffung nnd Vetteilung
England.
Rückgang der Ein- und Ausfuhr.
London, 10. Ott. Als ein Zeichen für die ernste Lage des britischen Handels bezeichnet „Obfcrtier* dte vom Handelsamt veröffentlichten Ziffern für den Monat September, die gegenüber dem Jahre 1920 einen riesigen Rückgang tn der Ein- und Aussuhr aufweisen.
Für Streichung der internationalen Schulden.
London, 10. Oktober. Im .Daily Chronicle" bezeichnet Observator als eines der Mittel zum Wiederaufbau der Welt die allgemeine Streichung der internationalen Schulden und Entschädigungen, mit Ausnahme der zur Wiederherstellung der zerstörten Gebiete bestimmten. Sollte ein solches internationales Abkommen nicht zustande kommen, so müßte Großbritannien die ihm von den Verbündeten geschuldeten Summen streichen.
Der Aufttand in Indien.
London, 10. Okt. .Daily Telegraph" erfährt aus Allahabad, daß die aufständischen Moplahs, alle Hindus, Männer, Frauen und Sinber, niedermetzelten. Der Führer der Aussländtschen Plane dte Errichtung eines Moplah-Köntgtums in Ernad.
Räte-Ruhländ.
Die Getreideernte.
Moskau, 10. Ott. Das Statistische Zenttal- ÜLro veröffentlicht folgende Zahlen des Ernteergebnisses dieses Jahres: Die Ernte in Brotgetreide in Rußland uni» der Ukraine belaufe sich auf 2 Milliarden Pud. Rach Abzug des Saatgrtteides verreiben l-i/,. Milliarde Man hat die Ernte im Hungergcbiet auf 133 Millionen Pud größer ge- chätzt als sie in Wirklichkeit fei. Zum Ausgleich muffen 50 Millionen Pud Getreide aus dem Ausland eiugeführt werden. )
Die Räteregierung und die Kommission zur Prüfung der Hnngerlagc.
London, 10. Oft. Krassin erklärte in einer Unterredung mit einem Vertreter des .Observer", es hänge von dem Charakter und der Zusammensetzung der eventuell von der Brüsseler Konferenz zu ernennenden Kommission zur Untersuchung der Lage in Rußland ab, ob sie von der russischen Regierung die Einreiseerlaubnis erhalte. Wenn dte Kommission den Hungernden in Rußland wirklich Helsen wollte, statt Rußland politisch ausznkundschasten, dann wolle er alles tun, um ihr den Weg zu ebnen. Wenn die Brüfleler Kommission jedoch nur eine Kopte der Rouletts-Kommission fei oder wenn etwa Scavenius, der Judenitsch auf feinem Marsch nach Petersburg unterstützt habe, zum Letter der Kommission ernannt werden sollte, so wurde die Sowjetregierung die Kommission als eine Herausforderung ansehen.
.Daily Chronicle" bezeichnet das Ergebnis der Brüsseler Konferenz über die russische Hungersnot als eine ernste Enttäuschung. Die von der Brüsseler Konferenz erneut gewählte Politik sei falsch. Man hosse, daß noch einsichtsvollere Beschlüsse gefaßt würden.
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