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Amtliches VetWMgrmgsLmtt des Kreises MüMrg-.

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Anzeiger für (das früher kurhefstsche) Oberhessen

DieOberhelsijche ZsitunV' erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich

Marburg

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Sie MmWmm in Berlin.

Bevorstehende Berständigung mit Bayern.

Berlin, 24. Sept. Der bayerische Mmisier- präsidenr Graf Lerchenfeld besuchte heute vor- Mittag den Reichspräsidenten und darauf den Reichskanzler. Anschließend wurden Verhandlun­gen über die Zwischen dem Reich und Bayern schwe­benden Fragen, über den Ausnahmezustand und ,'filier die Verordnung des Reichspräsidenten vom i29. August beim Reichskanzler ausgenommen. Die ^Verhandlungen, an denen auch der Reichsminister Les Fnnern und der bayerische Minister des Innern Teilnahmen, wurden im Geiste der Versöhnung und Les Ausgleichs geführt. Die bayerische Abordnung !wird sich unverzüglich mit dem bayerischen Minister- 'jßt und den zuständigen Stellen des bayerischen Landtages in Verbindung setzen, um sich über das Ergebnis der Verhandlungen entgüliig zu verstän­digen. Der Reichskanzler wird am Mittwoch im Reichstag das Ergebnis der Verhandlungen mit­teilen.

Nuntius Pacelli über die Lage in Bayern.

Paris, 25 .Sept. Der Sonderberichterstatter des Still-in" hatte in München eine Unterredung mit dem Milntius Bacelli. Dieser erklärte, man dürfe sich »licht wundern, daß die bayerische Negierung um die Aufrechterhaltung der Ordnung besorgt sei. Ter Nun­tius ,der persönlich einer der wenigen nichtdeutschen Augenzeugen des bolschewistischen Regimes in Mün­chen war, erklärte: Russen standen an der Spitze dieser Regierung: jeder Gedanke an Recht, Freiheit und Demo­kratie wurde beseitigt. Die bayrische Bevölkerung, unter der das ländliche Element vorwiege, hange an ihren geschichtlichen Rechten und Traditionen. Sie fei größten­teils friedliebend und wünsche nichts als O r d n u n g u u d Ruhe. Keine einzige erustrun-hmende Persönlichkeit selbst 'unter den überzeugtesten Monarchisten keine, wolle im gegenwärtigen Augenblick die Wucherherstellung der Monarchie. Etwas derartiges müsse nach der all-- fgemeinen Ansicht auf eine günstigere Zeit verschoben werden und .üssc überdies aus dem Willen des Volkes selbst kommen. Eine hohe Persönlichkeit habe ihm, hem Nuntius, jüngst erklärt, sie sei zu sehr Monarchist, um nicht int Augenblick gegen jeden WiederhcrstcllnngZ- vcrsuch zu sein. Ein militärischer Staatsstreich übrigens hätte keine Aussicht auf dauernden Erfolg.

Sozialdemolratrsche Interpellation im bayerischen Landtag.

München, 24. Sept. In Begründung der von der soziatdemokratischen Fraktion des bayerischen Landtags cingcbrachtcn Interpellation, in. der sie aus die Mißstände und Mitzbräuche in der Justiz- und Polizetverwattung Bayerns, besonders bet der Be- handlung politischer Fälle, hinweist und dringend eine sofortige gründliche Abhilfe fordert, wird ausgeführt, das; in. München seit Monaten eine Polizeipraxis 'herrsche, die eine zunehmende Verhetzung verschiedener Bcvölkcrungsschichten durch die Duldung maßloser Ausschreitungen politisch rechts gerichteter Kreise her- beisühre und steigende Erbitterung Hervorrufe. Die öffentliche Betätigung der links gerichteten Parteien werde eingeengt, auch soweit sie auf den Schutz der bestehenden Reichsversassung gerichtet war.

Die Haftentlassung des unabhängigen Abg. Fischer, bic der Geschäftsordnungsausschuß des bayerischen Landtages gefordert hatte, ist vom Landtag abge- lehnt ivordcn.

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Sie AegiekMMrbkeilekM.

Die Aussichten für di« angestrebtegroße Koalition" : von der Deutschen Volkspartei bis zur Sozialdemo'rati? ; können nicht sehr günstig genannt werden. Und Herr Dr. Wirth uni) seine Anhänger haben zur Verbesserung ; nicht gerade bcigetragen. DieGermania" scheint zwar Ungesehen zu haben, daß sie in ihren Angriffen gegen Dr. Stresemann zu weit gegangen ist. Sie sucht es allerdings so darzustellen, als habe sich ihr heftiger Vorstoß gar nicht so sehr gegen den Führer der Deutschen Volkspartei gerichtet, sondern gegen diekanzlerstürmische i volksparteiliche Presse". DieGermania" erklärt, daß ; die Auslassungen decNat.-Lib. Korr." eineaner­kennenswerte Klärung" bedeuten und gibt ihrer Genug- tuung darüber Ausdruck, daß darin einneues loyales ; Bekenntnis zum Kcalitivnsgchankcn unter Zurückstellung ; aller persönlichen Ansprüche und Wünscht ausgedrückt i Jci. Sie erblickt in der Erklärung der volksparteilichen i Korrespondenz einsichtlnrres Abrücken von den Kanzler­hetzern in der volksparteilichen Presse" und begrüßt das als erfreulich und dankenswert. Wenn der Konflikt Germania"-Dr. Stresemann als beigelegt, zum mindesten als erheblich abgeschwächt angesehen werden darf, so scheint aber die Spannung ztvischen Sozialdemokratie )rnb Deutschen Volkspartei noch nicht gelockert zu sein. ! ßmVorwärts" bezeichnet Franz Krüger die Ent- i schließung von Görlitz alsMindestprogramm einer - Rcgiernng-politik" und verlangt, daß die Deutsche Bolks- ttzartei sichöffentlich und in ihrer praktischen Politik klar und eindeutig" auf den Boden dieses Re­gierung spr o g ramms stell«,, wenn die Sozial- , demokratieein Zusammenarbeiten mit ihr in Erwägung Vehrn" solle. Ebenso bemerkenswert ist, daß Herr , Krüger erklärt, dir üwrtiyet Entschließung bedeutein

erster Linie auch eine Aufforderung an die Unab­hängigen" zu der in ihr vertretenen Politik. Wenn dir Soziakemokraten in der Tat auf der restlosen An­erkennung der Görlitzer Mindestforderungen bestehen, so ist, will die Deutsche Volkspartei diese nicht annehmcn, die Verwirklichung dergroßen Koalition" wohl noch in weiter Ferne. Freilich kommt es den Sozialdemokraten auf eine Verbreiterung der Reichsregierung, in der sie Mon sitzen, nach rechts gar nicht so sehr an; die Hauptsache ist für sie, daß sie in die preußische Re­gierung hineinkommen. ....

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Unter der UeberschriftDer Kanzler der kleinen Koalition" beschäftigt sich Dr. St ad t le r in derTägl. Rundschau" mit der Person des Reichskanzlers, den er als einentoten Mann" bezeichnet. Dr. Stadtler untersucht zunächst die Gründe, aus denen WirthsReichskanzlermis­sion" scheitern mußte und findet, daß die'« in dem man» gelndcnstaatsmännischenGefühlWirthszu suchen sind. Wirth sei nur Parteipolitiker, her aus Freude am Parteikamvf als Sturmbock der radikalen Linken diene und infolgedessen die größte Wrfgabe verfehlt habe, die ihm zugefallen sei, näm­lich das nach dem Tode Erzbergers in zwei Teile auseinanderklaffende Vol kwieder zusammenznbringen. Er habe im Gegenteil durch seine Parteinahme für die links­stehenden Kreise jene Spaltung noch vergrößert.

Zu den Ausführungen Dr. Stadtlers über die an­geblichen Indiskretionen, die Dr. Wirth in der Frage der Devisenbeschaffung geg-nüber der Industrie begangen habe, erfährt dieBoss. Ztg." aus amtlicher Quelle, daß diese Behauptung nicht zuträfe. Die Veröffent­lichung durch W.T.B. sei erst erfolgt, nachdem die s,Boss .Ztg." die erste Mitteilung über die Verhand- luirgen gebracht habe.

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Die MMuMN -er Mtn Trunk.

. Der sozialdemokratische Staatspräsident von Baden hat dem Landtag von dem Bestehen einer politischen Geheimorganifation Mitteilung gemacht und sich als ein neuer.Retter der bedrohten Staatssicherheit gebärdet. Leider hat der badische Staatspräsident vergessen, in seiner Mitteilung anzugeben, aus welcher Zeit Programm 'und Treuschwur, die er verlesen hat" stammen. Auch darüber ist er die Aufklärung schuldig geblieben, wie groß die Zahl der Mitglieder dieser im geheimen blühenden Partei" ist. In welchem Zusammenhang damit di: weitere Mitteilung des Staatspräsidenten steht, einer der Mörder Erz5ergers namens Tillessen gehöre einer Kölner Zentrumsfamilie an, habe aber seiner Schwester geschrieben, sie soll« künftig deutschnational wählen, ver­mag wohl nur Herr Trunk zu ergründen.

i Gegen jede nicht auf gesetzlichem Boden stehende Organisation muß eingeschritten werden; das ist selbst­verständlich, und auch die Deutschnational« Volkspartei betrachtet jeden ihrer Anhänger von selbst als außer­halb der Partei stehend, der einer solchen un^fetzlicheu Organisation angehört. Der Parteiführer Staatsminister a. D. Hergt hat das erst kürzlich wieder ausgesprochen. Trotzdem versucht die Linkspresse wieder aus der Er­klärung Herrn Trunks parteipolitisch Kapital zu schlagen. Jene Kreise haben aber keinerlei Recht, sich bes-nder? zu entrüsten. Man braucht nur an die mehrfachen Drohungen mit ungesetzlicher GerrM auf dem Görlitzer Parteitag zu erinnern, so an die Ankündigung des Gebrauchsbisher noch nicht bekannter Mittel" im politischen Kampf durch den Nüricherger Bürgermeister Treu. Und wo blieb die Entrüstung der Linken bei den unerhörten Gewaltakten, gegen die jetzt auch der preußische Minister des Innern einzuschreiten gezwungen sieht, wo bei den tierischen Massenmorden am Essener Waffer- turm, der Ermordung des Fliegerhauptmanns Berthold, den Untaten des Hölz und seiner Leute?

Dxutschnattonale Anfragen im Reichstag.

Die deutschnational« Fraktion im Reichstag hat an die Regierung drei Anfragen gerichtet wegen verschie­dener Verbat« gegen die schwarz-wettz-roten Farben und mehrfacher Ausschreitungen, wegen des Landfrie­densbruches von Willmersdorf und desjenigen in Hameln. Es wird gefragt: .Beabsichtigt die Reichs­regierung schwarz-weitz-rote Fahnen und Abzeichen all­gemein zu verbieten oder zu verhindern? Und aus Grund welcher gesetzlicher Vorschriften glaubt sie hier­zu in der Lage zu fein? Ferner: .Welch« Matzregeln gedenkt die Reichsregierung zu ergreifen, um endlich den unerhörten Gewalttaten, die im Anschluß an die Verordnung des Reichspräsidenten vom 29. August d. I. gegen die Betätigung aller national denkender Kreise begangen werben, entgegenzuwirken? .Macht sich die Regierung die Auffassung des .Vorwärts zur Richtschnur, wonach die in Hameln begangenen Ver­brechen des Landfriedensbruches, Raubes, der straf­baren Befreiung von Gefangenen Handlungen waren, die zum Schutze der Republik oder der Regierung un­ternommen, ft i af l o § zu bleiben haben?

Verhaftung bcS kommunistischen Abg. Schölern.

Berlin, 24. Sept. Der frühere verantwortliche Redakteur der lommunistischen .Roten Fahne. Land- tagsabgeordneier Schalem ist heute im Warlesaal des Anhalter Bahnhofes festgenommen und dem Po- lizeigesö.ngnis zugeführt ivorden. Schalem yoar feit Juni 1921 flüchtig. Vom Amtsgericht Berlin-Mitte war am 4. Juni ein Haftbefehl gegen Schalem wegen dringenden Verdachts des Hachverrats eilaffcn Warden, nachdem der preutzische Landtag die ftrasrecht- liche Verfolgung genehmigt hatte. z

Der Bremer Oberschiesterhilfstag ist abgesagt War­den, weil unter dem Terror von linkA der Saal ver­weigert wurde. V:.. c v.i*

AM.

" Der Reichshilfsausschutz.

Berlin, 24. Sept. Die Reichsregierung er­läßt einen Aufruf, für die Opfer von Oppau, in dem es heißt: Eine atastrophe, wie sie in Deutschland noch nicht erlebt wurde, hat in der bayerischen Rheinpfalz Hunderte von Menschenleben vernichtet, Tausende obdachlos gemacht und unermeßliche Wirt­schaftsschäden verursacht. Noch zwar die Wir­kung des Unglücks in allen feinen Folgen nicht ab­sehbar. Aber eins ist schon jetzt ersichtlich: Rie­senanstrengungen sind notwendig, um aus­reichende Hilfe zu bringen. Weit über 1000 Tote und Schwerverwundete sind neben zahlreichen Leichtverletzten ein Opfer der Explosion geworden. Es gilt, in Zusammenfassung aller hilfsbereiten Kräfte Deutschlands Mittel und Wege zu finden, um eine rasche und möglichst nachhaltige Hilfe zu gewähren. Ungeheure Summen wird die Wieder­herstellung des betroffenen Werkes und seiner Ar- beitsfähigchsit im Interesse der deutschen Volks­wirtschaft erfordern. Diese Summen aufzubringen, betrachtet das Werk als eine selbstverständliche Auf­gabe. Darüber hinaus aber werden große Beträge zur Belebung des außerhalb des Werkes angerich­teten Schadens erforderlich fein. Bereits sind aus öffentlichen und privaten Mitteln umfangreiche Summen zur Verfügung gestellt und Maßnahmen zur einstweiligen dringlichsten Hilfe getroffen wor­den. Soll aber volle und nachhaltige Hilfe gebracht werden, so gilt es, weitere große Mittel aufzu­bringen. Die Unterzeichneten richten deshalb an das gesamte deutsche Volk in Stadt und Land die Bitte: Gebt rasch und gebt reichlich für die Opfer des Oppauer Unglücks. Ueber die eingehen­den Beträge verfügt der Reichshilfsausschuß. Er überweist sie nach Bedarf den öffentlichen Hilfs­einrichtungen der betroffenen Länder. Auch Ver­treter der Geschädigten arbeiten mit.

Der Aufruf ist von dem Reichspräsidenten. Reichskanzler, den Ministern der größten deutschen Staaten, den Gewerkschaften, den Organisationen der Industrie, des Handels, des Handwerks, der Landwirtschaft und der Presse dem Städtetag und dem Roten Kreuz unterzeichnet.

Berlin, 24. Sept. Unter Beteiligung der Reichsbehörden, des bayerischen Handelsministers, des badischen Arbeitsministers und anderer Be­hördenvertreter sowie der Spitzenorganisationen von Handel, Industrie und Arbeitnehmer und Ver­tretern der Presse fand heute im Reichsarbeits- ministerium die Gründung des Reichshilfsaus- schusses für Oppau statt. Reichsarbeitsministrr Brauns machte eingehende Mitteilungen über den Umfang und die Wirkungen des Unglücks. Von sämtlichen Anwesenden wurde unter Zustimmung der bayerischen und der badischen Behörden be- schlosien, die Gründung eines Reichshilfsausschusses vorzunehmen, vor allem auch unter dem Gesichts­punkte der Einheitlichkeit des Hilfswerkes. Die Geschäftsführung des Ausschusses liegt beim Reichs­arbeitsministerium Berlin NW., Scharnhorststr. 35. Spenden werden schon jetzt auf Postscheckkonto Ber­lin Nr. 117 000, Frankfurt a. M. Nr. 55 000, Lud­wigshafen Nr. 15 000 entgegengenommen. Die Er­öffnung weiterer Annahmestellen sicht bevor.

Amerikanisch« Hilfe.

Berlin, 24. Sept. Das Central - Relief- Commitee tn Newyork hat dem deutschen Roten Kreuz für die Opfer der Oppauer Katastrophe 500 Kisten mit Milch und Lebensrnitteln im Werte von einer Million Mark und ferner 500 000 «M in bar für die Pflege der Verletzten und die Nothilfe durch Funkspruch mit dem Auftrag überwiesen, die Spende gemeinsam mit dem Bürgermeister von Ludwigshafen zu verteilen.

Der Reichspräsident und Graf Lerchrnfeld an der Unglücksstatte.

M ü n ch e n, 25. Sept. Die Korrespondenz Hoff­mann meldet aus Ludwigshafen amtlich: Sonntag Nachmittag wurde in Begleitung des badischen, des württembergischen Ministerpräsidenten, des bayeri­schen Handelsministsrs Hamm und einer Anzahl Staatsvertreter unter Führung der Direktoren der Badischen Anilin- und Sodafabrik die Unglücks- stätte Oppau durch den Reichspräsidenten Ebert und den bayerischen Ministerpräsidenten Grafen Lerchenfeld einer eingehenden Besichtigung unterzogen. Die beiden Herren empfingen im Wertz ei« Abordnung des Angestellten- und Arbeitet^

totes, der sie die weitestgehende Hilfe von Reich und Staat und Gemeinden in Aussicht stellte». Durch die persönliche Besichtigung an Ort und Stelle fanden die Herren die bisherigen Schilderungen über den Umfang der Zerstörung und über die Not der Bevölkerung und Arbeiterschaft, von Gemeinden und Werk mehr als bestätigt. Der Reichspräsident stattete den Verwundeten in den Ludwigshafener und Mannheimer Krankenhäusern einen Besuch ab. Der bayerische Ministerpräsient sowie der Regie«, rungspräsident der Pfalz besuchten das Ludwigs« Hafener Krankenhaus und die zum Lazarett einge« richtete Eoetheschule.

UwkM in LnhniiMkn.

Mannheim, 25. Sept. Unter Beteiligung von etwa 70 000 Menschen aus Luwigshafen, Mannheim und der Pfalz wurde heute in Gegen« wart des Reichspräsidenten, des bayerischen. Mi« nisterpräsidenten, des badischen Staatspräsidenten und des Präsidenten des bayerischen Landtages fo« wie in Anwesenheit von Vertretern zahlreicher Be« Hörden und Organisationen auf dem Ludwigs« Hafener Friedhof eine Trauerfeier für die Opfer der Oppauer Katastrophe gehalten. Die französischen Militärbehörden waren durch General de Metz als Beauftragten der interalliierten Rheinlandkommis« ston sowie durch General Gangand als Beauftragte» des Oberbefehlshabers General Degoutte vertreten, die beide in vor Beginn der eigentlichen Trauer« feier an den Reichspräsidenten und den bayeri« sehen Ministerpräsidenten gerichteten Ansprache» in warmen Worten ihre Teilnahme zum Ausdrucks brachten und Kränze niederlegten. Der Reichs« Präsident erwiderte ihnen mit Worten des Dankes. - In gleicher Weise dankte der bayersche Minister« Präsident. Bei der Träuerfeier hielten Vertreter des Fabrikarbeiterverbandes, der Arbeiterschaft und der Direktion des Werkes, ferner der Reichspräsi­dent, der badische Staatsprädentsi, der Präsident des bayerischen Landtags, der Regierungspräsident der Pfalz und Her Oberbürgermeister von Mann« heim Ansprachen. Die von Musik und Gesang ein« geleitete und geschlossene Feier verlief würdig und eindrucksvoll.

Die Zahl der Opfer.

M a n n h e i m, 24. Sept. Nach den bisher durch das Ludwigshafener Bürgermeisteramt veröfsent, lichten Listen sind 235 Tote, die mit Namen ein«' wandfrei festgestellt worden sind und außerdem 75 nicht erkannte Tote auf dem Friedhof untergebracht worden. In den Krankenhäusern der Pfalz, Mann« Heims und Heidelbergs find 519 Verwundete aus­genommen worden.

In Oppau traten Gerüchte auf, wonach sich unter den Trümmern noch Lebende befinden sollen. Man wollte sogar wissen, daß Klopfzeichen zu hören feien; ferner wurde gesagt, daß den Eingeschlossenen durch Röhren Sauerstoff und Nahrungsmittel zugeführt würden. Da diese Gerüchte sich mit großer Hart« näckigksit erhielten, sah sich die Mannheimer Feuer­wehr kurz vor ihrem Abrücken veranlaßt, den Din­gen nachzugehen. Dabei stellte sich derNeuen Bad. Landesztg." zufolge einwandfrei heraus, daß sich in Oppau keinesfalls noch Ueberlebend« unter den Trümmern befinden. Eine falche Möglichkeit wird für die Fabrikanlagen selbst von der Fabrikleitung aufs Bestimmteste in Abrede gestellt. Die Zahl der nicht erkannten Leichen beträgt augenblicklich noch 75. Die Zahl der von Angehörigen als vermißt Gemeldeten ist von 69 auf 90 gestiegen.

Dir Ursache der Expsfion. -

Mannheim, 24. Sept. Nach einer Erklärung der Badischen Anilin- und Sodafabrik steht nun­mehr fest, daß die Katastrophe auf die Explofion eines Lagers von etwa 4500 Tonnen Ammoniak­sulfatsalpeter zuröckzuführen ist. Es war bisher nicht bekannt und im höchsten Maße überraschend, daß oiesem Produkt eine Explosionsfähigkeit inne­wohnt. Die Ursache der Explosion wird sich kaum sicher ermitteln lassen, weil sämtliche zur Zeit der Erplosion in diesen Bauten beschäftigten Personen, der Katastrophe zum Opfer gefallen sind. Die Nach-j richt, daß Oppau gänzlich zerstört fei, trifft nicht zu.! Mit der Wiederaufnahme der Ammoniakherstellung kann in nicht allzuferner Zeit gerechnet werden .

Di« Völkerwanderung der Neugier.

Dcr Berichterstatter der .Köln. Ztg. schreibt an» Oppau u. a.: Endlose Mcnfcyeittarawaneu auS alle« Nachbarftädten zage» dorthin, eine wahre Völker« wanderulrg der Neugier; den» Helke»