r
Die „Oberhesiische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich
Marburg
4.75 Wt., durch Li« Post 5.10 Mk. Ausgabe B mit „D6et6. Svort-Ztg." 1 Mk. mehr.
Jlr. W Für ausfallende Nummern infolge Streits oaer elementarer Greijnifie kein Ersatz. — **'* Verlag von Dr. C. Hitzeroth.—Truck der Univ.-Büchdruckerri von 3ob. Slug. Koch,
Markt 21,23 — Fernsprecher 55, — Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt «. Main.
nn Lnntnn,!,«» nehmende Anzeigen sind wir berechtigt, nach der Te;
öttlllO, okll 2d. NplkMötk berechnen. Soge». Reklamen berechnen wir dre Zeile
Scheiding.
Markt 21,23 — Fernsprecher 55,
Das EMsasWlU öoh Vaasa
W
fcld war Vezirksamtman« in Be^dt.esgaLen. Am 10. Oktober 1917 wurde er als deutscher RegierungSver- trctcr in den polnischen Staatsrat nach Warschau berufen. Bisher war er BevollmächNgter des Reiches in Darmstadt. Vermählt ist Gras Lerchenseld seit dem 24. Dezember 1902 mit der Amerikanerin Ethel WY- man.
Der Reichskanzler itnb die Zentrumspartei.
Berlin, 22. Sept. Dem „Lokalanz." zufolge fand gestern Nachmittag eine Besprechung des Reichskanzlers mit Mitgliedern der Zentrumspartei über die politische Lage statt. Von amtlicher Seile mord: ortont, daß alle Gerüchte vsy einem
Gegensatz zwischen Dr. Wirth und dem rechten Zen- trumsflügel unzutreffend seien. In der gestrigen Beratung sei völlige Einmütigkeit erzielt worden. Lozialdemokrntifchc Drohung mit neuen Kampfmitteln.
Auf dem Görlitzer Parteitag erklärte Bürgermeister T r e u - Nürnberg: Ist die neue Regierung bereit, die jetzigen Zustände zu beseitigen, mit eisernem Besen in Bayern auszukehren, so wird sie dabei die Sozialdemokratie an ihrer Seite finden. Ist sie dazu nicht Berit, dann gebe ich Ihnen heute das feierliche Versprechen, datz in Bayern ein Kampf beginnen wird, wie wir ihn bisher noch nicht erlebt haben. Dann sagen wir mit den Worten des Herrn Dr. Heim: .Wir lasten uns das nicht länger bieteili' Kommt es
nicht zu einer befriedigenden Lösung, dann werden Me Dinge für Bayern unabsehbare Folgen haben. Man soll sich in München nicht täuschen, das Matz ist voll bis zum Ueberlanfen, dann ist es Zeit für die ReichS- regiernng, nicht zu verbandeln, sondern zu handel«, lieber die Mittel und Wege, wie der Kamps zu führen ist, können wir hier nicht sprechen. Es stehen nnS verschiedene zur Verfügung, auch solche, die im politisch« Kamps noch nie angewandt wurden.
feier stattfinden. Alle Lustbarkeiten find eingestellt. Die Polizeistunde wurde bis Sonntag auf 9 Uhr festgesetzt. Der Oberbürgermeister teilte mit, datz die Besatzungsbehörden sofort ihre Hilfe angeboten und ihr Sanitätspersonal zur Verfügung gestellt haben. .
Der Wert der ausgelieferten Schiffe.
Paris, 23. Sept. Der Entschädigungsausschuß veröffentlicht eine Note, derzufolge der Wert der vor Deutschland ausgelieferten Schisse aus 745 Millionen Goldmark festgesetzt worden ist. Bon dieser Zahl sind gewisfe Unkosten für Reparaturen, Mieten und die Nkbersührnng abzuziehen. Die hiernach sich ergebende Snmme wird Deutschland gutgeschrieben werden. In der genannten Zahl sind lediglich die vor dem 1. Mai 1921 ausgeliefcrten Schisse einbegriffen. Ter Brutto- Tonnengebalt dieser Schisse beträgt insgesamt 2 153 407 Tonnen.
Der Rückzug der Griechen beendet.
London, 22. Sept. ReuRr meldet, datz die griechische Armee nunmehr ihren Rückzug beendet habe und Stellungen.auf dem westlichen User de» Sakaria besetzt halte.
Verhaftungen in Konstantinopel.
Konstantinopel, 23. Sept. (HavaS.) Die britischen Behörden haben unter dem Vorwande einer tcmalisiljchen Berschwörung gc/lcru hier mehre«
Sit Wmktm in fiitl.
Für die Versenkung zweier argentinischer Dampfer.
Kiel, 22. Sept. In Erfüllung des der argentinischen Regierung gegebenen Versprechens fand heute mittag auf dem im hiesigen Hasen liegenden Linienschiff „Hannover" die feierliche Hissung der argentinische«^ Flagge statt. Der Akt, dem die argentinisch« Abordnung unter Führung des argentinischen Gesandte« in Berlin, Moli na und die deutsche Kommission unter Führung j des Ministerialdirektors Simsou, des Vertreters btt; deutschen Reichsregierung, beiwohnten, war gedacht allls eine nachträgliche ritterliche Genugtuung für zwei ioShrenb^ des Krieges durch deutsche U-Boote versenkte argentinisch« Dampfer. ' Nachdem die argentinische Abordnung mit, dem übliches'. Zeremoniell auf dem Linienschiff empsan-, gen worden war, hielt der Vertreter des Auswärtige^ Amtes an den argentinischen Gesandten eine Ansprache, in der er sagte: „Der seinerzeit eingegangenen Der- vflichtung unterzieht sich die deutsche Regierung um,',, lieber, als es sich darum handelt, einer Nation, die bist zum Schluß des Krieges Deutschland gegenüber bolt«. Neutralität bewahrt hat, «ine berechtigt« Genugtuung zu verschaffen. Der ursprünglich gehegte Wunsch, ei«i Ö-utiches Kriegsschiff in argentinische Gewässer zu ttiUj r?r.bsn, ließ sich leider nicht verwirklichen. Die Ehren«: Bezeugung, di« bet argentinischen Flagge statt dessen illz heimischen Gewässern erwiesen wich, tonn dadurch ast' Bedeutung nicht verlieren. Möge sie ein weiteres Band, bilden für di? engen, freundschaftliche» Beziehungen«. die stets zwischen Argentinien und Deutschland bestanden haben."
Hierauf antwortet« der argentinische Gesandte, Dr., Suis B. Molina u.a.: „Die aus diesem deutsche«: Kriegsschiff heute in feierlicher Form ausgeführte Ehren-, bezeugnng vor unserer Flagge gewährt meiner Regi-rung! volle Genugtuung und erfüllt mit Freud« das argentinische Volk, das von dem Wunsche beseelt ist, daß sich di« Freundschaftsbande mit Deutschland .stets> -nger gestalten mögen. Indem ich den mir in ihrer Eigenschaft als Vertreter der Reichsrcgiertmg übermittelten Gruß dankbar anerkenne, erfülle ich tie Pflicht, im ' Romen Seiner Exzellenz des Herrn StaatsprösLente«; zum Ausdntck zu bringen, daß die Argentinische Re- : giernng diese Kundgebungen zu Ehren unserer Flagge: in ihrem vollem Umfange würdigt und davon über- i zeugt ist, daß nichts die fteundsSaftüchen und über- . lieferten Beziehungen zwischen der 9ki>ubli! Argentinien und Ihrem Lande beeinträchtigen kann."
Nachdem der Gesandte geendet, wurde in feierlicher Weise bie argentinische Flagge gehißt. Nach dem Abschreiten der Ehrenwache bereinigten sich die Herren bet argentinischen und der deutschen Abordnung zu einem Frühstück an »orb. Um 1,45 Uhr verließ der argentinische Gesandt« mit Begleitung das Linienschiff. Währenddessen erfolgte ein Salut von 15 Schliffen.
Freilassung des Abg. Fischer.
München, 22. Sept. Der Geschäftsordnungs- ausschütz des bayrischen Landtages hatte sich mit dem Antrag der U. S. P. auf sofortige Freilassung des wegen Hochverrats zu einem Jahr drei Monaten Festung verurteilten Abg. Fischer zu beschäftigen. Es handelt sich um die Lostrennungsbestrebungen in Nord- bahent. Die Bayrische Volkspartei stellte sich auf den Standpunkt, datz ein rechtskräftiges Urteil vorliege und datz der Landtag nicht das Recht hab-, dieses Urteil nachzuprüfen. Die demokratische Partei, der Baueriwund und die drei sozialistischen Parteien rr- fiäricn sich sür den Antrag. Der Ausschnß beschloß mit 10 gegen 9 Stimmen die Annahme des Antrages der U. S. P.
Verbot des „Miesbacher Tagblatts".
München, 22. Sept. Aufgrund des Artikels »Das neudrntsche Zentrum" in Nr. 15 des »Miesbacher Tagblatts" bat der Staatskommissar für München-Land das „Miesbacher Tagblatt" bis zum 29. September verboten. Auch der „Miesbacher Anzeiger" darf als Ersatz nicht erscheinen.
6>raj Lerchenseld ist 1871 als Sohu des 1907 ver- ftertit..cU Präsidenten der bayerischen ReichSrats- etSSÄ Ludwig Graf v LetLarsietd, «Sore«. Lerchen-
flirtWefien.
Entscheidung des B-lkerbundsrats noch vor Oktober?
(Senf, 22. Sept. Man glaubt, datz die Enr- 'che^dung in der oberschlesischen Frage noch vor dem 1. Oktober getroffen wird. Zwischen den Völker- bundsr.ltsm:iyüed?tn finden fast täglich geheime Sitzungen st.'-t, tn;b es werden Anstrengungen gemacht, die Entscheidung des Völkerbunds ca. - ’? ju treffen, dutz fie beiden Parteien nngenehm ist.
Die MsakM.
Berlin, 22. Sept. Der Reichskanzlei richtete an den bayerischen Ministerpräsidenten ein Telegramm, in bemf er sagt, datz zur Linderung ber Not der durch das Unglück von Oppau Betrosfenen von ber Rerchsregierung zchn Millionen bei bem Reichsr.it unb bei» Reichstag angesordert wurden. Die Verteilung bet Gelder wird der bayerischen Staatsregierung nn Benehmen mit der badischen Regierung überlassen.
Der Reichskanzler hat dem bayerischen Ministerpräsidenten telegraphisch bie Bildung eines Hilfskomitees zur Linderung ber Schäden vorgeschlager. Auch die badische und hessisch« Regierung sollen in dem Komitee vertreten sein. Di« erste Sitzung des Komitees soll am 24. September stattfinden.
Reichsarbeitsminister Brauns begibt sich heute als Vertreter der ReichSregiernng an den Schauplatz des Opvauer Erplosionsunglücks, um mit den bayrischen Regierungsstellen über bk Organisation der Hilfsaktion zu beraten. Diese Hilfsaktion soll sofort in Tätigkeit treten. Der Reichsarbeitsminister wies die Hauplversorgutigscnnter von Karlsruhe, Würzburg, Frankfurt a. M. fowie der bayrischen Negierung an, sofort Mr HilftlePung für das Ungüück in Oppau Arrzle, Prrsonal, Betten unb Sanitätsmaterial in jeher Weise zur Verfügung zu stellen.
Der Reichspräsident überwies aus seinem Tis- positionssonds den Betrag von 250000 Mark sür das Hilsswerk sür di- Opfer der Katastrophe von Oppau.
Di« preußisch« Regierung stellte der bayerischen Re- giernng eine Million Mark zur Brr-ügung.
Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes v- Winterst idi bot jede erdenkliche Hilfe an, besonders stir den Transport, die Pflege der Verwundeten und dir Unterbringung der Obdachlosen- Dar preußische, badisLe und heffische Lam>os-Rote Kreuz seien ?ur Rettungsaktion «Aufgeboten.
Dresden, 22. Sept. Das Gesamtministerium des Freistaates Sachsen sprach der bayerischen und der badisthen Regierung die Teilnahme des sächsischen Volkes zu dem Unglück ans. Der Ministerpräsident stellte den Opsern sofort 10000 Mark aus dem Dis- posilionssonds zur Verfügung.
Köln, 22. Sept. Der JudusirieauSfchuß des besetzten Gebietes fordert in einem Schreiben an Verbände und Einzelsirnlen zu rascher und reicher Hilfe auf.
Die Teilnahme des Auslandes.
Berlin, 22. Sept. Ter Reichsregierung gingen von einer großen Anzahl ausländischer Regierungen Beweise der Teilnahme zu. Fast alle fremden 'Diplomaten, darunter als einer der ersten, der französische, sprachen auf dem Auswärtigen 9hnt die Teilnahme ihrer Regierungen aus.
Berlin, 22. Sept. Der niederländische Gesandte Baron Gevers hat heute Nachmittag persönlich dem Reichspräsidenten im Auftrage der Königin der Nicher- lande bereit tiefstes Beileid anläßlich der Oppaner Katastrophe ausgesprochen.
Koblenz, 22. Sept. Die interallnerte Rhein- kandkommission ließ dem Reichskommisiar für die be- sttzien rheinischen Gebiete eine Note zugehen, in der iie ihn bittet, aus Anlaß der furchtbaren Katasiroyb- "nn Oppau der Retchsregiernng, der bayerischen Sie gterung und der so hart betroffenen Bevölkerung die wärmste Anteilnahme zu übermitteln.
Mainz, 22. Sevt. Wie mitgeteilt wird, Hai der französische Oberkommissar in den Rhernlanden Tirard den ArbeUergewerkschasttn in Ltidwigshasen als erste Beibilst für die Fmnüien der Opfer des Unglücks einen Bcima von 75 000 Mark überreichen lassen.
Das Oberkommando der französischen Rheinarmee befahl die Entsendung aller abkömmlichen Militärärzte aus den Garnisonen Mainz, Wiesbaden und Worms tjach der Unglücksstätte in Oppau.
Amtliches DerWndigMgsdlatt des Kreyes Marburg.
Anzeiger für (bas früher kurhessische) Oberhessen
Berlin, 22. Sept. Me veAmttet, sind außer 4000 Tonnen Ammoniat-^tlfat-Salpeter auch nenn grosse Gafomet« in die Lust geflogen, von denen einer 50000 Kubikmeter Gas enthielt. AuS bem Trichter an ber ExplosionSstelle sprudelt bas <8ru ad- wasser hervor.
Das „Acht-Whr-Abendbtott" meldet, baß unter den Verwundeten sich' viele Erblindete befinden. Fraa- zöfifche Kolonialtouppen und Madag«ssen sperrte« die Zugangsstraße ei.
Weiter wird gemeldet: Die ebebm dicht bepflanzten Felder find bwt Sandwüsten, in denen furchtbar verstümmelte Tote, bie Hunderte von Metern durch bk Lust geschleudert wurde«, vereinzelt umberliegen. Bier oder fünf Gaskessel find vo» tfirept <Nandort n>eggehobcn worden. Die Hauptsusmerksamkrit richtet sich ttuft «einen Erdtrichter, ber etwa 70 Meter breit 150 bis 170 Meter lang und 30 Meter tief ist. Das Grundwasser bildet auf dem Grunde drs Trichters einen See. An diefer Melke stand noch vor wenigen Stunden ein mächtiger Schuppen, in dem 20000 Tonnen Ammousulfat lagerten. Die Toten werden an einigen Sammelplätzen zufvmmengetraqen und liegen dort zn 20 und 30 nebeneinander. Ihre Leiber find furchtbar ausgetrieben, die Haut verkohlt, so daß die Personalien zumeist nur durch Ausiveispapiere fcst- zustellen sind. In den Konstruktionen der Rohrbrücken und Hochbahn haben sich zahlreiche Menschenleiber verfangen, bie, da sie stellenweise über 20 Meter hoch hängen, nur mit großer Mühe losgemacht werden können. Ueberall sieht man Blutspuren, da und dort unkenntliche Floischterle, Anne und Beine. Man gewinnt den Eindruck, baß der größte Teil der Belegschaft umgetommen ist. — Dk Gewalt ber Explosion war so stark, daß selbst auf bem Rhein liegende Schiffe besch«ü>igt und Eisenschicnen von 5 Meter Länge und 30 Zentimeter Höhe wie Streichhölzer geknukt und 600 bis 700 Meter fortgeschlendert wurden. Lokomotiven wurde» die Böschung hinabgeworse«.
75 Prozent des Ortes Oppau sollen nicht wieder ausbaufähig fei». Etwa 200 bis 300 Häuser sind vollständig zerstört unb unbewohnbar.
Leichenfeier in Ludwigshafen.
Ludwigshafen, 21. Sept. Für die Opfer der Explosionskatastrophe wird am Sonntag vormittag in Ludwigshafen eine allgemeine Leichen-
Mtrhitlene Meltm».
5}?;^ Bis jetzt 244 Tote.
Ludwigshafen, 22. Sept. Die Direktion der Badischen Anilin- und Sodafabrik teilt mit: Leider müssen wir die Wahrnehmung machen, datz die Explosionskatustrophe in der Presie stark übertrieben wird. Wie gestern, so werden wir auch weiter Nachricht geben, sobald über die Entstehung und Wirkung der Explosion weitere Tatsachen festgestellt sind, die bei Art und Umfang der Katastrophe natürsemütz einige Zeit in Anspruch nehmen. Nach einer uns bis gestern abend zugegangenen Nachricht sind bis jetzt 244 Totezu beklagen. Mit einer weiteren Vermehrung der Toten und Verwundeten ist zu rechnen, zumal 70 vermißt sind. Die Mitteilung, daß die ganze Fabrik Oppau zerstört sei, ist unrichtig. Die eigentlichen Fabrikationseinrichtungen sind verhältnismäßig wenig beschädigt. Wir hoffen daher die Herstellung von Ammoniakwaffer schon m einigen Monaten wieder aufnehmen zu können. In den Werken von Ludwigshafen lallfen die Betrieb« ungestört.
Hebet die Anzahl der Verwundete« konnten nähere Angaben bisher nicht gemacht werde«, da ber weitaus größte Teil der Arbeiter, der glücklicherweise mit leichteren Verletzungen davongekommen ist, sich sofort nach Hause begaben und die Schwerver wundeten mit zahlreichen Transportmitteln in die umliegende» Ortschaften und Krankenhäuser geschafft wurden.
i Sos nwt WMe Minen.
Ausscheiden bet Mittelpartei aus der Koalition. —'< Das Programm Graf Lerchenfelds.
> W ü n ch e n, 22. Sept. Zn der Abrndsitzung drs bayerischen Landtages, die um %9 Uhr begann, war Ministerpräsident Graf Lerchenfeld erschienen, der gleich zu Beginn der Sitzung dem Hause folgende Vorschlagsliste für die Neubesetzung des IKinijteriums unterbreitete:
f Ministerpräsident und gleichzeitig Minister des ^leußern und Minister der Justiz: Graf Lerchen- ^«Ib; Inneres: Dr. Schweyer, Unterricht und Kultus: Dr. Matt, Finanzen: Dr. K r a u s n e ck, Soziale Fürsorge: Oswald, Landwirtschaft: M u tz i h o j e r, Handel, Industrie und Gewerbe: paretiL
Die Bayerische Mittelpartei hat demnach kein vittglled ihrer Partei mehr im Ministsrkollegium. Eie ist auch aus der Koalition ausgeschieden. Jiarf) dieser Mitteilung erklärte Präsident Königsbauer, daß er das Einverständnis des Hauses für diese Vorschläge annehme. Widerspruch erfolgte nicht. Der Präsident begrüßte hierauf die neue Staatsregierung, insbesondere den Ministerpräsidenten Grasen Lerchenseld, unter dem Beifall des Hauses auf das herzlichste und gedachte in seinen peiterev Ausführungen auch der vormaligen Staatsregierung, besonders des Ministerpräfiden- t«n v. Kahr, dem er den herzlichsten Dank aus- jprach. (Bravo.) Darauf betraten die neuen Minister den Sitzungssaal, worauf Ministerpräsident ,6raf Le rchenseld in kurzen Strichen sein Pro- { prantm bekannt gab. Er umschrieb di« von ihm vorgesehene bayerische Politik, gedachte der großen Verdienste seines Vorgängers v. Kahr und betonte, baß eine seiner wichtigsten Aufgaben bie Aufrecht- «rhaltung der mühsam errungenen Ruhe und Ordnung im Staate sein werde. Bezüglich des Verhältnisses zum Reich stehe bei ihm die Treue zum Reich unverbrüchlich fest. Er werde bestrebt fein, auch nach der politischen Seite hin das Ver- hälinrs zwischen Reich und Staat auf das beste zu pflegst Der dritte große Gedanke, von dem er sich leiten lasse, müsse der der sozialen Versöhnung fein. Weiter gedachte der Ministerpräsiden! ber pfälzischen Brüder und gab seinem Mitgefühl Über das furchtbare Unglück in Ludwigshafen Ausdruck. Die Rede des Ministerpräsidenten wurde «neberr:elt von lebhaften Bravorufen begleitet. Ein Antrag Dr. Hilpert (Bayerische Mittelpartei) sofort in die Erörterung über die Regierungserklärung cinzutreten, wurde abgelehnt.
Siäudige Fühlungnahme mit bet Reichsregietung.
Berlin, 22. Sept. Wie die Blätter melden, legt der neue bayrische Ministerpräsident Graf Lerchenfeld den größten Wert auf eine ständige Fühlungnahme mit %er Reichsregierung. Bei seiner demnächftiocn ÄtMsenheit in Berlin werde Graf Lerchenfeld nicht Mr die Verhandlungen mit der Meichsregierung über die bekannten Beschlüsse des ständigen Ausschusses persönlich führen, sondern auch eine ständige Fühlungnahme mit der Reichs- teßicntitg in die Wege leiten. Dadurch will Crai Lerchenseld vor allem vermeiden, daß die bayrisch: Regierung plötzlich vor entscheidende Beschlüsse der Reichsrcgierung gestellt wird, wie dies während der Regierung Kahr wiederholt der Fall war, woraus die ernstesten Konflikte entstanden.
Set Anzeigenpreis beträgt für die 8 gesp. Colonelzetl« oder deren Äaunt 90 Pfg. u.
10 °L Anffchlag, amtliche und auswärtige 1.20 Mk. Andere Spaltenbreiten nach Ej» *T*6«i* entjprechender Berechnung. Spät etnlaufenbe oder den Raum über lU Seite ein- J J. YUljllj« nehmende Anzeigen sind wir berechtigt, nach der Textlpaltenbreite zu setzen und zu .A(M
-...... " 2 f mit 3.00 Mk. Jeder Rabatt lü/I
qilt als Barrabatt. Bei Auskunft durch die Geschäftsstelle und Vermittlung der
Angebote 75 Pfg. Sonbergebühr.