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Amtliches DerkündlgungMatt des Krches Marburg.

Anzeiger für (das früher kurheUche) Oberhefsüt

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Die „Oberhejsilche Zeitun '' erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 4.75 MI, durch die Post 5.10 Mk. Ausgabe B mit „Oberh. Coort-Ztg." 1 MI. mehr. <vüt ausfallende Nummern infolge Streiks ooer elementarer Ereignisse kein Ersatz. — Verlag oon Br. E. Hitzeroth. — Druck der Unio.-Buchdruckerei von Job.Aug. Koch, Markt 21,23 — Fernsprecher W, — Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt o. Main.

Marburg Donnerstag, heu 15. Sepiemher Scheidiug.

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1921

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’’ Vertagung auf unbestimmte Zeit.

S i tz u n g v o m 14. S e p t r m 5 e r.

Tie allgemeine Aussprache über die Steu crgesctzc und den Antrag W*s se l l wird fortgesetzt.

Dr. ».Siemens (Jndustricvertreter) polemisiert -egen die gestrige Behauptung Wissctts, daß dir In­dustrie aus egoistischen Gründen die Erfüllung des Ultimatums erschwere und durch Umstellung sehr kohl befähigt sei, die Anforderungen zu erfüllen. Vom grünen Lisch aus lasse sich eine Umstellung nicht durchführen, am allermindcsten durch Zwang. Das Schlagwort „Gold- werte" Habe schon viel Unheil angerichtet, denn ein jede: gebe ikun eine andere Auslegung. Wenn der Staat hie Substanz einziehe, so könne er wohl die Schuld ablösen, Pacht aber ihre Verzinsung. Beschafft er sich aufgrund der Substanz einen Vorschuß, so wäre das auch nur eine vorübergehende Erleichterung. Der Redner bestrei­tet, daß die Industrie Devisen zurückgehalten habe und wendet fick gegen die Behauptung Tr. Helfferichs, daß die Wirtschaft die Schuld an diesen Verhältnissen trage. - i Redakteur Feiler (Frankfurt a. M.) meint, das Kur-land sei schon heute in der Lage, uns völlig a u f z u - kaufen und uns zu Lohnfllaven zu machen. Unsere Produktion sei allerdings im Aufblühen. Aber Mit­telstand und Beamtenschaft befänden sich in Not. Tie geistigen Arbeiter gehen unter, weil sie der Geld- tutwerlung keinen Widerstand bieten können. Nur durch -en Eingriff in die Substanz kann der fortgesetzten Ver- »indcrunz unseres Nationalvermögens begegnet werden-

Fubrikant Vögele-Mannheim (berufener Bertre- tet) s.idert von der Reichsregierung genaue Auskünfte über die WiedergutmachungSperpfNchtuugen. Im Hin­blick auf das Sinken unserer Valuta, aus die Teuerung beim Einkauf von Rohmaterialien und Halbfabrikaten, »us das Steigen der AuSlandszölle und ans die verminderte Kaufkraft des Inlands, werde ein Eingriff in die Substanz zu e'nce größeren Enttäuschung führen. Viel­leicht lasse sich der Versuch machen, die Erträgnisse der Sachwerte mit einer erhöhten Steuer zu belegen und -iefeu Betrag für Vorschußbeschafluug im Voraus zu eskomptieren.

Habermann (deutschnationalcr Handlungsgehilfen- -crband) will sich mit dem Antrag Wissell nach der gestern erhaltenen Auslegung einverstanden erklären.

Ingenieur Dahl (freie Berufes befürchtet, baß der Wedoukr Wissells von der Gemcinwirtschaft zu einem -einen Staatsbetriebe führen werde. Dir Regierung predige den anderen immer Sparsamkeit, ohne selbst solche zu üben.

Direktor Wussow (Berliner Straßenbahn) hält den von der Regierung bei den neuen Steuern beschrittenen Keg nicht für gangbar. Man stelle die Gesamtsteaer »uf Nnrsatz und Einkommen. Diese baue man aus, aber nichts weiter. Wie ein Mann, der im Konkurs siehe, Müsse die Regierung einen Zwangsvergleich mit dem Ausland: anstreben. Wenn die Substanz aber bereits au- -rgrifseii sei, fei ein solcher Vergleich nicht mehr zu ßaben.

Nachdem noch Albrecht (Landarbcitervertreter) da- tauf verwiesen hatte, daß eine Belastung der Sachwerte Noch keine Konfiskation bedeute, schließt die Aussprache. Der Antrag Wissell wird au den WiedergntmachungS- lussch.uß überwiesen. Ter Antrag Cohen (freie Berufe), eine freie Vereinbarung anzustreben zur Feststellung von im Auslände befindlichen Vermögenswerten, wird an- -enoniineu, ebenso «in Antrag Schweitzer (Techni­scher A--a:stcllter der Industrie) über den Ausbau der Außenhaudelsstatistik und ein Antrag Gärtner (Berg- «beiter), der die Arbeitszeit im Steinkohlenbergbau a!l- -emein gesetzlich regelt.

Rach Annahme einer Reihe weiterer Ausschußüc- Wüsse über eine Reform der Erwerbslosenuntecstützung «md Abänderung des Gesetzes über die Wochenhilse im Einflang mit oen entsprechenden Beschlüssen des Rcichs- ieo? vertagte sich das Haus aus mrbestimmte Zeit.

Ae LmhtagrMWi in Ihnringen.

Endgültiges Ergebnis.

r Erfurt, 14. Sept. S. P. D. 13 Sitze und 543 Rcjtfümnicn, U. S. P. 9 Sitze und 2811 Reftstim- Men, K. P. 5>. 6 Sitze und 441 Reststimmen, Deutsch- rationale 4 Eitze und 2889 Reststimmen, Landbund 10 Sitze und 7531 Reststimmen, Zentrum 0 und 7394 Reststimmen, Deutsche Volksartei 9 Sitze und *196 Rcststimmen, Wirtschaftspartei 0 und 4126 Sr-stst immen, Demokraten 3 Sitze und 1674 Rest- jtimrnen.

Aus dem besetzten Gebiet.

* Frankfurt a . M., 14. Sept. Ter Schriftleiter »er sozialdemokratischen „Nahetal Boten" Toeb limrde Dm Freitag vom französischen Polizeigericht in Trier ßvegen eines. Artikels, durch den sich die Besatzungs- tehörde beleidigt fühlte, zu 15 Tagen Gefängnis und 3500 Mark Geldstrafe verurteilt.

Boppard, 14. Sept. Die ^Bopparder Volks- «iütng" wurde auf 3 Tage verboten. Ter Grund ist Koch nicht bekannt.

Tas Hiesige Militärgericht verurteilte laut „Rhein. Wunüschau" Frau Marie Lapp zu 2000 Mark Geld­

strafe, weil sie Extrablätter verkaufte, die sich in feind­seligen und drohenden Worten gegen die Besahungs- truppen gewandt hatten. Ferner wurde Frau Amard, die Besitzerin deZ Hotels zur guten Quelle in St. Goar zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt, weil sie geduldet hatte, daß man in ihrem Lokal das Lied „Deutschland, Deutschland über alles" spielte.

Sie Sailern her SeatlMMen MMrlei.

r* Berlin, 14. Sept. Regicrungsrat Dr. Weiß vom Polizeipräsidium hatte im „Berliner Tageblatt" einen Aufsatz veröffentlicht, in dem er Bruchstücke aus Briefen bekanntgab, wonach anläß­lich der Suche nach den Mördern Erzbergers mit weiteren Mordtaten gedroht wurde. Die betreffen-, den Brieffchreiber erklären durchweg, daß sie zu den Rechtsparteien gehören. Der Führer der Deutsch- nationalen Volkspartsi, Etaatsminifter a. D. Hergt, erklärte darauf in einer Unterredung mit dem Vertreter des „Tag", daß der Deutschnationa­len Volkspartei von irgendwelchem Putsch oder son­stigen Plänen nicht das Geringste bekannt geworden sei. Hergt fährt dann fort:

„Bei meinet Besprechung mit dem Reichskanzler hat dieser behauptet, tatsächliches Material dafür zu besitzen, daß Gewalttaten in ultrarechtsgerichteten Kreisen für die nächst» Zeit geplant feten, ohne damit allerdings die Deutschnationale Volkspartei belasten zu wollen. Diese Behauptungen sind uns tu den letz­ten Tagen von einer anderen Regierungsstelle be­stätigt worden, wobei wiederum hinzugesügt wurde, daß die Deutschnatiouale Volkspartei mit diesen Plänen nichts zu >un habe. Ja, man glaubte sogar Grrmd zu der Annahme zu haben, daß dle betreffen­den Streife absichtlich unsere Partei im Unklaren hielten, offenbar in dem Bewußtsein, bei der Patter für foUte Pläne nur schroffste Absage zu finden, wenn man vielleicht auch glaube, durch vollendete Tatsachen ailf und einwirken zu können. Der Reichskanzler hat an seine Mitteilungen das dringende Ersuchen gc- lnüpfi, auch iinfererfeitS mit allem Nachdruck unseren Einfluß auf alle uns zugänglichen Streife geltend zn machen, um sie von Rechisbrüchen abzuhalten. Von mir ist fchon bei meiner Rückfprache mit dem Reichs­kanzler der Standpunkt eingenommen worden, daß es in erster Linie Sache der Regierung fei, in dieser Weise vorzugehen, nachdem ihr bisheriges Verhalten zur schwersten Beunruhigung des Volkes wesentlich mit beigetragen habe. Ich habe es aber zu­gleich für felbstverständlich erklärt, daß die Deutsch- nationale Volkspartei sich ihrerseits zu einer ent­sprechenden Maßnahme zur Verfügung stelle. Sie folgt damit uuv dem, was sie schon wiederholt in feierlichster Form zum Ausdruck gebracht hat. Wir lehnen grmrdfätzlich das Vorgehen mit Gewalt im innerpolitischen Kampfe ab. Wer zum Mittel der Ge­walt greift, stellt sich dadurch außerhalb der Partei. Richt eine gewaltsame Lösung kann uns frommen, vielmehr vertrauen wir zuverfichtlich daraus, daß sich unsere gute Sache in einer völlig gesetz­mäßigen, friedlichen Entwickelung von selbst durch- setzeit wird. Wohl ist die Empörung und Et'trstswng bei unseren Anhängern über die Verfolgungen. denen alle nationalen Regungen zurzeit ausgesetzt sind, riesengroß uns durchaus verständlich. Nichts wäre aber verfehlter, als sich dadurch zu Unllberlegenheiien t>intet6eu zu lassen und so hinterher den Angreifern die Gründe für ihre Hetze zu liefern, die ihnen bisher fehlen. Ich kann deshalb nur dringend mahnen, daß alle, die sich zu uns halten, sich nicht vom Boden des Gesetzes abbringen lassen."

Daß eine gefährliche Erhitzung der politischen Atmosphäre eingetreten ist, liegt klar zutage. Es ist darum Pflicht aller derjenigen, die im öffent­lichen Leben an einer verantwortlichen Stelle stehen, mit allem Nachdruck gegen Putschpläne, wo­her sie auch kommen mögen, sich einzusetzen. Die „Deutsche Tageszeitung" hat ganz recht, wenn sie er­klärt, „daß jeder, der in einer Lage, wo Deutschland mehr als je den inneren Frieden braucht, durch Ec- walttätigkeiten im politischen Kampfe diesen Frie­den zu stören sucht, ein Wahnsinniger und ein Verbrecher ist, ganz gleich, welche Motive und letzten Ziele ihn dabei treiben mögen." Das Blatt hat auch weiter recht, daß jeder, der politische Pro­bleme durch Gemalt lösen will, auch wenn er auf der äußersten Rechten Seite stände, sich damit von elbst auf die äußerste linke Seite des politischen Lebens stellte, dort, wo bolschewistische Methoden gepflegt werden.

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Reue Z-itungsoerbote.

Berlin, 14. Sept. Durch Verordnung des Reichsministers des Innern ist die in Berlin er- cheinende „Rote Fahne" vom 15. bis 17. September und das in Gotha erscheinende „Gothaer Dolksblatt" vom 15. bis 22. September, beide auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 29. August 1921 verboten worden.

Königsberg i. P., 14. Sept. Tas Verbot der „Ostpreußischen Zeitung" ist durch Verfügung des Reichsministers des Innern ausgehoben Norden.

Die WM der

Sie Atthallmeii in Matze«.

München, 14. Sept. Zum Morde an Erzber­ger wird mitgeteilt: Durch das tatkräftige Zugrei­fen der badischen, württembergischen und bayeri­schen Kriminalbeamten gelang es, eine Anzahl Per­sonen zu verhaften, die nach dem bisherigen Ergeb­nis der Untersuchung in Beziehungen zu den Tätern standen. Es handelt sich um 7 Personen, meist ak­tive oder Reserveoffiziere, die größtenteils der Ma­rine angehörten und teils seit Wochen, teils kürzerer Zeit in München angeblich zu Studienzwecken sich aufhielten. Es sind dies: Manfred v. Killin- g e r, Erhard K a u 11 e r, Adolf Hoffmann, Herbert Müller, Fritz Otto Henrich, Kar! Schüler und Johann Lene. Killmger wird be­schuldigt, vor der Begehung des Mordes an Erzber- gcr mit Schulz und Tillessen die Tat besprochen zu haben. Ferner bewahrte Killingsr, um den Mör­dern die Flucht zu erleichtern, deren Gepäck auf. Die Übrigen Beschuldigten werden verdächtigt, in den Plan der beiden Täter eingeweiht gewesen zu sein und trotzdem keine Anzeige erstattet haben, sodaß Tilleffen und Schulz den Mord ungestört ausführen konnten. Weiter wurden zwei Personen festgenom- men, aber kein Haftbefehl erlassen. Diesen wird ebenfalls die Mitwisserschaft zur Last gelegt. Bis jetzt ergibt sich nicht der geringste Verdacht, daß an der Vorbereitung der Tat, an ihrer Ausführung uni) Hilfe zur Flucht der Mörder bodenständige Münchener oder Bayern beteiligt waren.

Bis Mittwoch Abend sind im ganzen 10 Per­sonen verhaftet worden und zwar 9 in München und eine auf der Fahrt von Augsburg nach Mün­chen. Gegen sämtliche 10 ist ein Haftbefehl erlasien worden. Außer den oben namentlich aufgeführten befinden sich jetzt noch in Haft der Student Ulrich K l i n tz s ch, Student Wilhelm Bollinger, Student Karl S i e b e l. Sämtliche Verhafteten werden demnächst nach Offenburg gebracht werden, um dort dem Untersuchungsrichter vorgeführt zu werden, auch der auf der Fahrt von Aug tzurg nach München veri-afiete Student Bollinger. Die Polizei hatte Kenntnis erhalten, daß Klintzsch Bollinger am Bahnhof erwartet hatte, um diesen zu warnen. Sie nahm Klintzsch am Bahnhof fest, um jode Verbindung mit Bollinger zu verhindern. Bollinger besaß unter der Firma eines Holzverwer- tungsgeschäfts in der Trautenwvlfstraße eine Woh-, nuiig von 3 Zimmern. Die Mitteilung von einer Haussuchung bei Dr. Heim von einer außerbayeri- schen Polizei, um ihn in die Angelegenheit hinein- zuzrehen, ist, wie die badische Generalstaatsanwalt- schaft mitteilt, unbegründet. Die Haussuchung galt n r ch t Dr. Heim, sondern Schulz und Tillesien, die in Regensburg bei Heim studierten. Es wurde lediglich ein Zimmer durchsucht. Heute Abend traf bei dem Generalstaatsanwalt ein Schreiben aus Italien «in, das in italienischer Sprache die kurze Mitteilung enthielt: Aufhalten uns in Mailand. Dor Brief bat keine Unterschrift. Es muß unter­sucht werden, ob cs sich um eine Mystifikation han­delt.

Karlsruhe, -14. Sept. Zur Verfolgung der Mörder Erzbergers meldet dir „Karlsruher Zeitung", daß der zuständige Offenburger Staatsanwalt Burger und der Generalst-mtsamvalt Schflmm gemeinsam mit der württembergischen Polizei und im engen Benehmen mit den bayrischen Justiz- und Polizeibehörden wert­volle Ergebnisse erzielten. Es hat sich herausgestellt, daß die beiden Mörder mit einer großen Orga- nifation. Zusammenhängen. Während der eine von ihnen schon vor einiger Zeit ans München verschwunden ist, ist der andere, Schulz, erst in den letzten Tagen mit Unterstützung eines seiner Helfershelfer, eines gc* wesenen Majors, entkommen. Dieser Major und fünf andere verdächtige Personen sind inzwischen ver * hastet worden. Tie Staatsanwaltschaft Offiabirrg wird die Oesfintlichkeit über die weitere Entwicklung d*c Tinge unterrichten, soweit sich dies mit der Straf­verfolgung und der Untersuchung vereinbaren läßt.

Schulz und Tillesen.

Berlin, 14. Sept. Der „Lokalanzeiger" berichtet über das Vorleben von Schulz und Tillessen, beide seien ein Jahr lang vom Mai 1920 bis 1921 von der Großen landwirtschaftlichen Zentralgenosseu schäft in Regensburg zur Erlernung eines neuen Berufes als bezahlte Volomäre ausgenommen gewesen. Tr. Heim, Generaldirektor der Regensburger Genossenschaft, erklärt, daß in dem Betrieb der Regensburger Zentral* genossenschaft doppelt soviel Schwerbeschädigte beschäf­tigt worden feien, als es das Gesetz verlang: und zwar

Wer Wtroers.

ohne Ansehen der Konfession und der Partei. Schulz unb Tillessen haben dort vollkommen zurückgezogen gelebt unb werden als bescheiden und zurückhaltend ge­schildert. Heinrich Schulz ist der Sohn eines ver­storbenen Arztes und hat in einer Maschinenfabrik in Saatfeld gelernt. Er ist 1914 als Kriegsfrei­williger eingetreten, wurde zweimal verwundet unb zum Referveofsizier befördert. Er war Kompagnie­führer und Bataillonsabjutant. Nach dem Kriege war er kaufmännisch tätig, bis er sich Ende April 1913 bei der Sturmkompagnie der 2. Marineörigade meldete. Bei dieser hat er an den Kämpfen in München und Oberschlesien teilgenommen. Heinrich Tillessen ist der Sohn des verstorbenen Generalleutnants a.D. Karl Tillessen. Er wurde 191‘ Seekadett, hat während des Krieges als Oberleutnant auf verschiedenen Kriegs­schiffen Dienst getan. Er war in S:apa Flow inter­niert. Bon Juli 1919 bis Januar 1920 war er in englischer Kriegsgefangenschaft. Bon März 1920 ab war er bei der 2. Mariucbrigade.

Keine aktiven Marineoffiziere unter den Ver­hafteten.

B e r l in, 14. Sept. An die Meldung über die Verhaftung einer Anzahl von Personen, die angeb­lich in Beziehungen zu der Ermordung Erzbergers stehen, wird in der Oeffentlichkett die Behauptung geknüpft, es befinden sich auch aktive Offiziere von der Marine darunter. Das Reichswehrministerium teilt mit, daß keineder verhafteten Personen sich in aktivem Dienst der Reichsmarine befinde. Soll­ten einige von ihnen tatsächlich der Marine früher angehört haben, so sind sie jedenfalls seit längerer Zeit aus dem aktiven Dienst ausgeschieden.

Eine Selbststellung in Potsdam.

Berlin, 14. Sept. Mehrere Blätter melden aus Potsdam: In dem Büro des von den Selbst- schutzorganisationen her bekannten Justizsekretärs Oppermann erschien gestern abend ein Mann, der um Reisegeld bat. Er befinde sich auf der Flucht. Er sei der Leutnant Kurt Hütter und sei der Mörder Erzbergers. Oppermann benach­richtigte die Polizei. Der Fremde ließ sich ruhig festnehmen. Seine Versvnalbeschreibuug deckt sich annähernd mit dem Signalement eines der Mörder.

Es scheint nach arideren Meldungen, daß der in Haft Genommene den Namen Hütter zu unrecht führt. Auch ist es unwahrscheinlich, daß er früher Offizier gewesen ist. Wahrscheinlich ist die An­nahme, daß es sich um einen dem Handwerkerstände angehörigen Mann handelt, der offenbar besondere Gründe hat, den Verdacht auf sich zu lenken.

‘ Hirschseld.

Berlin, 14. Sept. Der frühere Fähnrich v. Hirschfeld befindet sich n i ch t in Freiheit,- sondern verbüßt seit dem 10. September weiter seine im Fe­bruar über ihn verhängte Strafe. Der neue Haft­befehl wegen Mordversuchs ist aufgehoben.

Verhaftungen in Schlesien.

Berlin, 14. Sevt. Laut „B. Z. a M." gelang es in Schlesien, in den letzten Tagen einigen geheimen Nachrichtendienstzentralen „radikal-veaktionürer Kreise" auf die Spur zu kommen. Nunmehr sei es auch gelun­gen, «inen der Leiter einer solchen Organisation in Nenbielau festzunehmen. Es ist dies der bekannte anti­semitische Privatdozent Arnold Rüge aus Heidelberg, der falsche Ausweise unter dem Namen eines Geheim­rats Berger besessen haben soll. Auch weitere Mit­glieder sollen verhaftet worden. ; ■»/

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Nachdem es der Polizei erfreulicherweise gelungen ist, den Mördern Erzbergers auf die Spur zu kommen, sollt: man alles unterlassen, waS den Gang der wei­teren Ermittelung?» irgendwie stören könnte. Wie weit die Fäden der verbrecherischen Tat reichen, läßt sich mit Sicherheit noch nicht übersehen. Die Behörden lassen selbst die Frage noch offen, ob mit den 53er* Haftungen, di: in München vorgenommen worden sind, der gesamte Kreis derjenigen Personen erfaßt ist, die als Mitwisser ober Anstifter an bet Tat mitbeteiligt finb. ]

Es ist unverantwortlich, baß bie sozialdemokratische Presse unb allen voran der „Vorwärts" ans den Ev* Mittelungen der Polizei in hetzenscher Weife politische? Kapital zu schlagen versucht. Die in Berlin verhafteten aber bald wieder freigelassenen Personen, ein früherer Fähnrich zur See unb zwei Schwestern, durchweg ganz jugenbliche Personen, läßt er Aussprüche tun, bie ihre völlig: politische Ignoranz klar erweisen, trotzdem will er diese politischen Ignoranten zu überzeugten Vor« kämpsern einer bestimmten Partei stempeln. Noch ge* wijsenloser aber ist seine Behauptung bie Mtincheuez