Anzeiger für (das früher kurheUche) Oberhessen
flr.211
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Marburg
grtitag, im 9. Srnttmin
Scherding.
55. m
1921
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WWtz der Mim MMmW.
Abrrjje bee bayerische» Vertreter nach Mönche«.
8 er £ in, 8. Sept. Wie die Blätter melden, »urderr Mr Verhandlungen zwischen der Reichs- «gieruug mt» Vertretern Bayern heute Bonnittag »on 9biS r Uhr fortgesetzt. Wie die „Boss.Zig/' «ribet, wuda man im Laufe des Vormittags über das Prinzip Im Wesentlichen einig, sodaß man nnnmehc 5 f tler Sie Zormutierungen verhandeln wird. Aller- dings liegt die Entscheidung in München, wohin die feyttschc» Vertreter heute abend zurückkehren. Die Neichsregiernng ihrerseits versicherte sich der Billigung der Eoalitioiisparteicn für die Vorschläge an die bäurische Negierung und für die Zugeständnisse, die fie Bayer» für die Aufhebung des Belagernngszu- staudrL zu machen bereit, ist. Die Führer der Koch alitionspar-cien wurden heute,mittag vom Reichs- . kanzler über die vorläufige« Etgebnifle der Verband- frage« «»trrrichtrt und erltärte« ihr Unverständnis • »i: fern Vorschlägen der iltrichsregiernng, ausge- uo-nnnn die Sozialdemokraten, die gemeinsam mit den : Unabhängigen heute abend beim Reichskanzler ihre Ledeukeri geltend machen wolle». Bor der Schlnß- beratitttA mit den Vertretern Bayerns wird das Reichs- fafiiiieü die Dorjchläg-! der ReichSregierung fonnw- lirren. Die endgültige Entscheidung kann für Samstag «wartÄ trerdrn.
I. Die Beratungen fanden nachmittags ihreit vor- 1 läufigen Abschluß. Tie bayrischen Vertreter reisen . hk'tte k} oend nach München und werden das Erg bniS der Veiprechunng mit der Reichsrrgirnrng der bay- ; rische-! Regierung und dem ständigen Ausschuß des . Landtages unterbreiten, dec Sonnabend zusammentritt.
DrcAarr über den materiellen Teil der Brr- , handlungerr vorläusig strengstes Stillschweigen bewahrt wird, glaubt der ,sSökal-?lnz." aufgrund zuvec- lässiger Tufonnationen andeuten zu diicsen, daß der taeerischr«» Regierung für den Verzicht aus den De- lagernügd.vlstand hinreichendc Garantien angc- I : feint tvorseu find. * «. «-
Dir Stimm»«!, der ländlichen Kreise Rordbnycrns gebt aus einer Erklärung des Bundes der Landwirte • <5iivaibctfl> (xreor, in der cs »ein!, zurzeit werde tote- ter eiisnmi die Tatarennawricht verbreitet, da st mau tu Franken die Abirennuug Rvrdbahcrns von Südbayern erwäge« saus nicht Bayern sich ohne werteres denr Leettner Verlausen nach Ausbebnug des Ansnahme- Miiandes fügen sollte. Das ganze Gerede bah« keinen @tnn; Leun weder in Ironien noa) in Bayern denke ftOerOmtM. iiücnd jemand daran, die Ncichseinbelt zu stören. Die bodenständige Bevölkenrng Frankens halte fest am Reich, aber auch ebenso fest mn bäurischen Etaatsgedauken. Die Neichseiubett könnte nm gefährdet werden, ivenn die Berliner Machthaber sich . Mich ued» über die geringen Reckte staatliche» Eiaen- lebens binwegsetzcn wollten, welche die Weimarer Bcr- fasinng den Ginzelstaair» noch gelassen habe. Eine solche Mastuahme wäre die Aufhebung des Ausnahmezustandes gegen de» Willen der Voltsmehrheit in Vaveru. Solle aber der starte Wille des bayrischen Bottes gebrochen werden, indem man Franken von Süiwayeru trenne, dann wäre diese fein ausgeklögette Rechnung ohne die bodenständige Bevölkerrmg gemacht insbesondere anck ohne die fränkische Bauernschaft. die absolut keine Lust habe, sich dem roten Terror ausliefern zn-lassen.
Forderungen der christlichen Gewerkschaften
Der in Berlin am 4. und 5. September zusammen- stetrctene Airssckust des Deutschen Gewerkschaftsbunde« bat sich cinaebend mit der erdrückend schweren Finanzlage des Reiches besaht. Er erwartet vou der Reiwsregterung, dah sie vor einem Eingreifen in die Substanz der grohcn Vermögen nicht zurückschrecke« werde, soweit durch dies Eingreifen nicht das für die Aufrechterhaltung der Produktion unenibehr- lick>e Betriebskapital vernichtet wird. Der Ausschuß ermattet von der Rcichsregierung die rlickstcktstnfe ; Erfassung der Handelsgewinne, die sich ? ossi.il sichtlich der vollen Erfassung entziehen. Er er flärt nttt allem Nachdruck, dah die durch die Steuerung der Sebensmittelpreise sich ergebende Werterböh- una des landwirtschaftlichen Grundbesitzes unter Anpassung an die besonderen Prodnkttonsverhälinisse der Sarrdwlttsckmft unter gleichzeitiger Inangriffnahme der Neuordnung des Hypotheken- und Bodenrcchts doll ersaht werde. Zur Behebung der Wohnungs- n o t hält der Ausschuh eine Form der gemeinnabigen Verwailung für notwendig unter Zusammenfassung l einer Anzahl Wohngrnndstücke zu Wobnungsgemein- schasic». Dem Hausbesitzer soll dabei sein Eigentums- teebt am Haus bei ausreichender Verzinsung erhalten •leiben. Der Aus schuh tvünckt ferner, dah, wer wucke- kisch die Not des Volkes auönützt, mit Zuchthausstrafe und restloser VermSgenskonfis- fe tten bestraft werde.
Reue Zeitungsverbole.
Berlin, 8. Sept. Der Rcichsmiuister des Innern hat die in Cassel erscheinende „Hessische 'Arbeiterzeitung", ein Organ der K. $. D., «eg eines die Reichsregierung beleidigenden Auf-1 !rhes verboten. Ferner wurde das deutsch-nationale Göttinger Tageblatt^ wegen Beleidigung des Rc^>s- strä'ioeute« vom Oberpräsidenten Noske auf 14 Tage Nrooteu.
> deckt», 8. Sept. Ter Reichsminister des Mnenr verbot die Verbreitung der in Danzig er-
9it Hiiihiltag tes ottuSiW» SaWatiö.
Ergebnislose Verhandlungen.
Berli n, 8. Sept. Auf Einladung des Präsidenten, des preußischen Landtags fand heute nachmittag eine Verhandlung zwischen den früheren Ko- . alitionsparteien, den Sozialdemokraten, dem Zentrum und den Demokraten statt. Der Gegenstand der Ber- handluugcu war eine Aussprache über eine etwaige Neubildung der preußischen Regierung. Nach zwei- cinhalbstündiger Beratung war festzustellen, daß einstweilen nichts erreicht werden könne. Die Besprechungen sollen zu gegebener Zeit festgesetzt werden.
lieber den Verlauf der interfraktionellen Besprechungen über die Umbildung des preußischen Kabinetts berichten die Blätter nach einer ZeitungSkorrespvndenz: Bom Zentrum wurde zunächst gelockert, daß der Vorsitzende der sozialoemokratischen Landtagsfraktton, Siering, den Vor- wars widerrufe, daß das Kabinett Stegerwald aus „Wortbruch und Treuörnch hrrvorgegangen" sei. Abg. Sie - ring erklärte, dazu nicht in der Lage zu sein, da die ausgestellte Behauptung seiner unwandelbaren Ueberzeugung: entspreche. Wohl aber sei er bereit, gemeinsam mit den anderen Parteien eine geeignete Formulierung zu suchen, die das Moment der persönlichen Beleidigung ausschalte. Als allgemeine politische Orientierung hielten Zentrum mch Demokraten daran fest, daß die Neubildung der prenssschen Regierung nur auf der Basis der breiten Koalition, d. h. unter Hinzuziehung der Denk scheu Volkspartei, stattfinden könne. Bon sozialdrmokm- tistchcr Seile wurde dieser Vorschlag abgelebnt. Es könne sich jetzt lediglich darum handeln, daß die Sozi.il- temofrakn wieder in die preußische Regierung eintreten und damit Preußen eine Regierung erhalte, die die gleiche Zusammensetzung habe wie das Kabinett Wirth. Abg. Reinert schlug vor, vorläufig eine Regierung der alte» Koalition zu bilden und nach ihrem. Austandekom- men m't der Deutschen Volkspartei üb-r bei, Giatit1?' üt die Regrernug zu verhandeln. Dieser Vorschlag wurde iedoch von! Zentrum und den Demokraten abgelebnt. De intersrottionelle Besprechung ging schließlich völlig ergeb ui s aus.
Wir weiter gemeldet wird, hat Präsident Le inert Ministerpräsident Stegerwald von der Besprechung ^ogl-ich Mitteilung gemacht. Tiefer hat sich d-mii einverstanden erklärt, daß Leinert seine Mission als beendet an'ieht und vorläuftg keine weiteren Schritte unternimmt.
Aus^chreiülnaen in Vraunichweia.
Brau n sch weiss, 8. Sept. Zt Aus chreittr g?» kam er, wie btt „Braunschweigische Landeszeitg." berichtet, am Dornrersiag Abend an v-rsch'eden m Stellen der, Stadt, aus Anlaß einer vom „Stahlhelm" einberufeneu Monatsversammlung. Kommunistische Ete- mente unter Führung der kommnmsti'chen Landtagsabgeordneten stürmten das Standouartirr des „StahlbiÄMS" und durchsuchten di« Räume. Dana zogen sie zum Versammlungslokal. Dort wurden sämtliche aus der Stadt kommenden Straßen! abnwagen angebalten und nach Stahlhelmleuten durchsucht. Verschiedene Personen wurden schwer mißhandelt und verletzt. Ein ehemrliger Leutnant sollte in dir Oker geworfen werden. Es wurde auch geschossen. Als die Unruhen größeren Umfang anzunehmen droh- teil, rückte eine Abteilung Polizei aus, die mit Johlen und Beschimpfungen empfangen wurde. Es gelang schließlich die Menge auseinander zu treiben, die sich dann in verschiedene Straßen der Stadt verteilte und dort vielfach Unfug aasübte.
scheiuendeu Halbmonatsschrift für den deutsche» Osten „Die Ostwacht" vom 8. bis einschließlich den 2b. September.
Ter Magdeburger Polizeipräsident beabsichtigte, die Verordnung des Reichspräsidenten auch auf den Nachrichtenteil ter Zeitungen auszudehnen. Zur Begründung seiner Auffassung wies der Präsident auf eine in den Zeitungen erschienene Rigaer Meldungen bin, wonach Trotzki in Sllißland Gelder sammlr, um die Revolution in Deutschland zu unterstützen. Solche Nachrichten, meinte der Polizeipräsident, seien, well sie nicht kontrolliert werden können, geeignet, die Bevölkerung zu beunruhigen. Tie Redakteure der Magdeburger Zeitungen lehnten diese Auffafsmig grundsätzlich ab, da dir angedrohte Maßnahme über bi- Verordnungen des Reichspräsidmten hinausgehe, weil dir den Nttiaktionen zugemutete Nachprüfung der Richtigkeit solcher Meldungen, namentlich wen» sie ans dem Anslande stammen, unmöglich ist.
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Die Gehalts- und Lohnbewegung.
Berlin, 8. Sept. Der Schlichrnnzrausschu'; »uv Enlscheibung über die Lohnsordeeungeu der städtischen Arbeiter fällte heute einen Schiedsspruch, nach dem bk Löhne der erwachsenen männl'chen Arbeiter um 1 Mark die der Arbeiterinnen und der jugendlichen männlichen Arbeiter nm SO Pfg. die Stunde erhöht werden.
Die MM« über dm MMeMtn AMM.
Me rote Armee und ihre Organisatto». — Der Fall Kasparek.
Berlin, 8. Sept. Im Untersuchungsausschuß des ^preußischen Landtags win-de die Vernehmung der Gene- rulzeuzen über btt Unruhen in Mitteldeutschland fortgesetzt. Regierungspräsident v.Gcrsdorfs (Merseburg) ist bet festen Ueberzeu-mng, daß schon vor dem Kapp- Putsch eine organisierte rote Armee bestand. Schon 48 Stunden nach dem Ausbruch des Kapp-Putsches seien militärisch strafsorganisierte Kompagnien durch Merseburg marschiert. Die Entwaffnung sei leider nicht in dem nötigen Maße dnrchgesührt worden. Schließlich seien die Massen auf der rechten Seite fast ganz, auf der linken fast garnicht erfaßt gewesen. Auf die Frage über das Vorhandensein der roten Armee im Aufruhrgebiet erklärte er, besonders in Leuna seien 16 Som* Pagnien vollständig militärisch aufgestellt gelvesen mit Jnlanterie- und Artilleric-Abteiluim. Funker- und Pau- zerzügen. Dem Zeugen sind Nachrichten über das Bestehen der roten Armee nur von privater Seit- 51:5c« .gangen. Die Waffen der Einwohnerwehr sielen fast restlos nach dem Kapp-Putsch in die Hä:ü>e der Kom- mnnisten. Bei der freiwilligen Wassenabgabe seien überhaupt leine große Mengen Waffen ersaßt worden. Weiter sagte der Zeuge: Im Merseburger Bezirk habe die Gefahr eines Rechtsputsches überhaupt nicht bestanden, denn die linksraditalen Elemente seien dort sehr stark vertreten. Die Orgesch- und sonstigen Organisationen seien restlos aufgelöst. Auf den Vorbalt des Vorsitzenden gibt der Zeuge au, daß er weder als Beamter noch als Privatmann Nachrichten über das Bestehen von Organisationen bekam, die den Rechtsputsch vorbereiteten.
Auf eine Frag- des Abg. Heidenreich (D. Vpt.) erklärte bet Zeuge, es sei anzunehmen, daß die Waffenlager, die in rechtsorienikrten Kreisen gefunden worden seien,' aus den Beständen herrühren, die von der Regierung ‘■en (tfitnir nitii den Knwobnerwehrellviins S« 1 bst - schuh zur Vcr-ügnllg gestellt gckvesen seien, weil aichere Massen nicht da waren. Die Waffen der Einwohnerwehr •rien fast restlos nach dem Kapp-Putsch in die Hände der Kommunisten gefallen. Später seien große Waffvn- sundc aus rechtsgerichteter Seite nicht gemacht wo-den.
In der RaHmittagSsitzuug wandte sich der Untersuchungsausschuß dem Fall Kasparek zu. Nach der Darlegung deS Vorsitzenden Suttner ist die Regierung mehrfach vor ihm gewarnt worden. Er neige zur "vmmtmisrffchen Partei. Er habe ans die Räterepublik hina-wi-sen und Gewalt gepr-digt. Sein Versagen während des Ausstandes wird hauptsächlich darin gesehen, ^aß er dem kr-mmnnistischeu Angestellten Franzke den Schutz der Stadt Sangerhausen gegenüber dem bevor- nehkicken Einmarsch der Ausständischen übertragen hat. Zeuge Reg:ernngspräsident v.Gersdorff bekundet, Kasparek habe (enttn Zweifel darüber gelassen, daß "t den gewaltsamen Umsturz der Regierung «nstrebte. Nach der Ansicht der Mehrheit der wahl- berechtigten KreiSinsafseu sei Kaspar-k nicht die geeignete Persönlichkeit gewesen. ES sei die Pflicht des Landrats gewesen, Meldung. von der kommunistischen Tätigkeit Franzkes zu machen. Das sei aber nicht geschehen. Dir "ptimistische Beurteilung des Obervrüsidenten H S r s i n g binlichtlich der Vorgänge im Ankruhrgebiet teile der Zeuge v. Gersdorff ui ch t. 500 Mann Besatzung für C'slebrn und .Hettstadt zusammen sei zu w-nig gewesen. Tie .Hinzuziehung der Reichswehr sei auch ihm unerwünscht erschienen. Die Berliner und die rheinische Srbutzpolizri härten sich besonders gut bewährt, weniger gut dir sächsische. Bezüglich der angeblichen Uebcr- ariffe der Polizei, bekundete Zeuge Rcgiernugsrat Kil- horn, Untersuchungen seien in allen Fällen eingefcitef worden. In den meistrn Fällen hätten sich keine An- battSpunkte für.Erschießungen ergeben, auch nicht in oettn<T. Die Beruebmung wird am Freitag fortgesetzt.
Essen, 8. Sept. Zur Gelmltsbewegung im Bergbau teilte der Asabnud mit, daß das Angebot der Aröeit- <^ber üui Erböhnng der Gehälter um IG Prozent von den eterbündru der kanfmätmischen Angestellte n im Bergbau als unzureichend angesehen wird.
. Näte-Ru^land.
Tchiiehung der Moskauer Hochschule«.
Barls, 7. Sept. Nach einer Meldung der Agentur Nussia aus Moskau habe« die Siudente« gegen das Verfahre« der Bolschewisten, die aus dem letzten Lkongres; absolut eine Mehrheit bilden wollten, Knnd- sebungeu veranstaltet und eine Entsckltes'una angenommen. in der die Sowjets getadelt werden. Aus diesem Grtuede sind 352 Studenten verhaftet und tneh- rere Tausende, die den Versuch rnackten, ihre gefangenen Kameraden zu befreien, von der roten Armee zerstreut worden. Alle Hochschulen in Moskau wurden geschlossen und die Mehrzahl der Studenten verschickt
Frhr. v. Ungern Sternberg verhaftet.
Riga. 8. Sept. Einer Meldung ans Tschita zufolge tstFrbr. v. Ungern-Stcruberg mit seinem ganzen Stave gefangen genommen und nach Moskau transportiert worden, wo er dem dortigen Revo- ttutionStribnnal übergeben iverden soll. — Frhr. v. Unaern-Sternberg ist der Verfasser einer Reihe von Aussätzen über die Lage in Rntzland, von deren wir bereits einige veröfsentttcht haben und weitere folgen werden.
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-"-T'™-1--'- Die allgemeine Lage, m
Berlin, 8. Sept. In der heutigen Presse- konferenz sprach Dr. Lukaschek über Oberschlesi:«. Ein Putsch sei kaum zu erwarten und werde auch vou England nicht zngelasseu werden. Meldunzeit aus Raiibcr, die aus privater Quelle zu stammen echeineii, seien mit größter Vorsicht a-ifzunehmen. In Rybnik und Umgegend ist ein ci'.tschiedcncr Umschwung der Meinung nach deutscher Seite hin festzustellcn. Die wirtschaftliche Lage in Oberschlcsie» ist sehr schlimm. Tie Presse sollle versuchen zu erreiche^ daß der Völkerbundsrat die Lage an Ort und Stelle studiere» möge. Jetzt wird zunächst die Rücksühruuz der beiderseitigen Flüchtlinge in die Wege geleitet. Es handelt sich um 25 bis 30000 Flüchtlinge deutscher Abstammung und 2000 politische Flüchtlinge. Langsam und einzeln werden unsere Leute in diejenigen Orte zuiückaeleUet, wo die Beruhigung genügend weit fort» geschritten ist. Eine zweite Abstimmung ist unwahrscheinlich.
Festnahme zweier polnischer Verbrecher und Frei- laffung durch einen polnische» Polizciofsiziee.
Köntgshütte, 8. Sept. Gestern Abend 9 Uhr umkreisten 2 verdächtig erscheinende Personen die Apo- unterruuft in Schuppen 11 itt Königshütte. Sie erkundigten sich bei einem Mädckjen nach der Stärke der dort stationierten Apo und ihrer Nationalität. Das Mädchen machte den Vorposten auf die beiden Banditen aufmerksam, und dieser schritt mit Hilfe eines anderen Apobeamtcn zur Festuahme. Die Fcsigcnom- mcnen waren die Po len führ er Heinrich Watolla und Peter Borel aus Skorzow. Bei Watolla, der während des' Aufstandes polnischer Kompagniesührcr gewesen war, wurde bei der Festnahme eine Pistole mit 14 Schuh gesunden. Borel führte eine grotze selbst angefertigte Dynamitbombe bei sich. Aus dem B-nehmen der beiden Pownstihrer konnte kein Zweistl darüber bestehen, dasi sie einen Anschlag ans die Avo- uslterknust vorhatten. Der Wachthabende lies; die beiden Festgenommcnen in das Pottzeigefängis in Kö- nigshütte bringen, um sie am folgenden Tage de« interalliierten Behörden vorführen zu lassen. Etwa eine Stunde nach der Einliesernng in das Gefängnis erschien tedoch der polnische Oberleutnant, dem der Apozug tu Chorzow untersteht nnd verlangte angeblich auf Befehl der interalliierte» Kommission dir Herausgabe der beiden Verbreck,er. Er nahm anck 'Bombe und Pistole mit und fuhr int Kraftwagen mit den Verbrechern nach Ehorzow. Hier wurden sie freige- kaffen und erhielten Pistole und Bombe zurück.
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Polnische Kabinettskrise.
Pari», 8.Sevt. Nach -einer „Temps '-Me'öung Warschau iß der Finanzminister wegen der Bespr.chung des Haushalts im Finanzausschuß d-s Reichstags znriick- aetreten. In den dem Mmifferpräsidentrn nabesseh-uden Kreisen erklärt man, daß dies den Rücktritt öcS ganzen Kabinetts nach sich zicben werde.
• • e r.
Nücklirserung von Maschiuc«.
Parts, 8. Sept. Nack einer ^Temvs"-Meldung aus Warschau ioerben die polnischen Masckiueu. die während der Besat-nng durch die Deut scheu und die Bolschewisten weggenomtue« tocrbeit waren, schrittweise den Polen-znrückerftaitct. Die Von den Deutschen weagenommen-u Masckin-n werden d-* lausenden Jahres völlig abgelieferl sein, und dleAbli-iernnn der von de» Bolschewlsieu weggenomn'errcu werde» demnächst beginnen.
Furcht vor dem deutschen Vankro^t.
, L 0 n d 0 n, 8. Sepk. Tie „Morning Poft" i breibt zu einer Beitauptung einiger französischer Blätter, sur der wahre Grund für das Wiesbadener Abkommen ste Furcht Frankreichs vor dem deutschen Bankrott fet, diese Ansicht stimme mit der von verWedenen 'ran'.üsischeu Regier"»gen voraebrachten Meinungen über die Fähigkeit Deutschlands. b:e Entschädigungen zu bezahlen, nicht überein. Die Frage eines tnöglichen deutschen Bankrotts, die iu England immer sehr ernst genommen werde, hänge zum großen Tci'e von bet Politik der Verbündeten und vielen anderen Frage« ah, die nicht reine Finanzk-aa-n seien. In Handels- kreise» befürchte man, daß das Wiesbadener Ab- kommen „Deutschlands finanziellen Rücken^ brechen könne.
Ter Pariser Berichterstatter der „Westminster Gazette" schreibt: Wenn Denlsch'and zum Bankrott verurteilt sei, könne es nicht alle Berbündcte.r und. alte Fordeningen anderer Länder bezahlen. Wenn das jetzt vollkommen sicher sei, dann müsse man Frankreich in Freundschaft gestatten, auZ dem Wrack seiner Entschädigungshöfsnüngen'zu retten, was zu retten sei.
Dr. Alaycr bei Briand.
Paris, 8. S.pt. Wie dec ,^eml'8'z meldet, hat die Uüterhalluu.g, die zwischen dem deutschen Botschafter Dr. Mayer und dmu.Miiriftervräsident Briand stattfand und die allgemeinen Charakter hatte, sich auf bw> potiiijche Lage DeutschlauoS im gegenwärtigen Huyn« blick bezogen.