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Amtliches Derkllndlgungsbiatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurheffische) OLerheffen

ßk. ?18

Tier.>:-el.-e!»-,li,s Jeitun etjcfjaint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 4.75 2Jit, durch die Post 5.10 Mk. Ausgabe B mitOberh. Soort-Atg." 1 ML. mehr. Für ausfallende Nummern infolzs Llreiks ooer elementarer Ereiznifi« kein Erjag. Verlag von Tr. T. Hitzerottz. Druck der Unio.-Buchdruckerei von Job. Slug. Koch, Marit 21,23 Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg Soiinetsiog, Den 8. StMet Scheidiaz.

56.3* 1921

Der Anzeigenpreis beträgt für die 9 oesp. Colonelzeile oder deren Raum 90 Pfg. u. 10 °|0 Slufjchlag, amtliche und auswärtige 1.20 Mk. Andere Spaltenbreiten nach entsprechender Berechnung. Spät einlaufende oder den Raum über H» Seite ein­nehmende Anzeigen sind Wit berechtigt, nach der Textspaltenbreite zu setzen und zu berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir die Zeile mit 3.00 Mk. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Auskunft durch die Geschäftsstelle und Vermittlung der Angebot« 75 Pfg. Sondergebühr.

Reue Ktllimw 5r. Midi.

Die nroarrrchistifche Agitation. Die Grenzen der Zal>lungsfähigkeit Deutschlands.

Berkin, 7. Sept. Reichskanzler Wirth erklärte » einer Nmerrcdung mit dem Berliner Korrcsponden- jen desDaily Mail", er fürchte für den Augenblick jtot einen monarchistischen Staatsstreich, man müsse jedoch immer auf der £>ut sein. Tas deutsche Volk Mffc sich tm allgemeinen den demokratischen Grmtd- jktzen an, es miifse sich künftig selbst regieren und sich »em Problem der Verantwortung nicht widersetzen, monarchistische Agitation in Deutschland könne in »er Opposition eine nützliche Rolle spielen, indem sie sie anderen Parteien des republikanischen Volkes künigc. Frankreich habe die monarchistische Partei e»6) lange nach der Gründung der drillen Republik gehabt. Richt alle Bayern seien Monarchisten und Mt alle Monarchisten seien Bayern. Wirth sagte, er fei entschlossen, mit den Bayern keinen Streit zu ha­bt!'-, Wcrtzerrr fei ein Land, das immer ein starkes lo­kales Nnabsiängigkeitsgeftthl gehabt hätte. Bayern werde jedoch seiner Ansicht nach schließlich nach- «eben. wie cs dies auch in der Enlwafsmntgs- und ber Omwohnerwehrfrage getan habe. Ter Reichs- ! kanzlcr erklärte außerdem, wenn die Marl noch weiter sMc, so könne schließlich die Zeit kommen, wo die Well ?«feinten lverde, das; die Grenzen der Zah­lung Stichigkeit Deutschlands erreicht sei. Deutschland werde jedoch f o r i s a h r e n zu zahlen bis za den Grenzen der Möglichkeit, selbst w e n n es >«rttttlce zu leiden habe. Die Regierung werde reiste weiteren Proteste in Form von Noten und Uemorandmr, die doch niemand lese, machen, Mldern sorsc-hren, bis schließlich, wenn dies sein müsste, die Tatsachen für sich selbst sprächen. Fast alles ßSngo von der Lösung der oberschsisisa-en Frage ab: Mete Fr-rge »nd die Frage der Aushebung der AysngSinatznavmen im Rheinland müßten für Deutschland von höchster Bedeutung sein. Deutschland ÜHue rutmüglich den Zweck des Vorschlages beareiiett. die wirtschaftlichen Sanktionen zu beseistgcn, während M militärischen Zwaugsutatznahmeu bestehen blieben.

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Der Standpunkt der Deutschnationalen.

Berittr. 7. Sept. DerLowlanz." berichtet über dir Besprechung der dentsmnationalen Partei- fihrer mit der Skeichsregierung. Ab«. Hergt habe be­tont, die Detttschnatiotrale Volkspartei sei die Partei »es Rechts, sie stehe durchaus auf verfaffungsmäßi- W 3o'otii und erkenne vollauf au, daß die bestehende eevfojfiutd gegen jede gewaltsame Verletzung mit allen Mseyliamr Mitteln zu schützen fei. Die vorliegende Lrrordunng verstoße aber gegen Artikel 109 der Lersajsung, indem sie Gewalttaten nur daun ver­folge, tvemt sie sich gegen die Vertreter einer bestimm­te« politischen Auffassung richten. Die einseitige Ber- ordtlung sei noch verschärft worden durch ver- schted-i'^ Reben des Reichskanzlers und durch die von ter R-gierung geduldete allgemeine Setze gegen rewts. Der Abgeordnete fragte zuin Schluß, ob die Regierung Mvstaudo sei, irgend welches Material vorzulegeit. Dfelches die Deutschnationale Volkspcrtei belaste. An- ternfalls verlange er eine entsprechende öffentliche Er- Piknug.

F Der ^Korrespondenz der Deutschnal. Volkspartef lllsolge. gelang es dem Reichskanzler nicht. Unter« logen dafür zu erbringen, daß die Deulschnationale Solksvariel jemals zu Verfassungswidrigkeiten, Ge- ioalttaten oder Ungehorsam gegen die Gesetze aufge- iordert oder aufgereizt habe. Der Kanzler glaubte tot auS Aeußerungen von einzelnen Personen tob von rechtsstehenden Zeitungen eine Verächtlich tohfnnta betf rrvuSlikanischcn Einrichtungen kon- kntcrett sn kSnnen7' Der Reichskanzler hob wieder- tett Scrvottuvo^ox^MLage als außerordentlich ernst «sehe, u.nk» « . ersucht«, die deutschnationalen Partei- iiihr.'r dringend, ihrrw Einslus; int Interesse deS inne­ren Frieden» geltend zu nmchen. Die Parteiführer trachte« znür Ausdruck, daß sie dies als selbstverständ­liches Pflichtgebot betrachten.

Die Verteidiger der Verfassung.

Im , Vorwärts" erhebt Justizrat Werthauec {unter itüt'guug der Tendenz des Aussatzes durch denVor- Ef sürvecr Vorwürfe gegen die Rechtspflege, die ;t haste und tubirefr Schuld an der Ermordung ffictS trage. Der Verfasser stellt eine Mibe von rniigeu, darunter an erster Sielte die, daß die in 10.1 festgesetzte Unabsetzbarkert der Rich- ünfgehvben werden müsse. Also Beseiti- g eines wesentlichen Grundsatzes der Verfassung, aber Auftuf zur Verteidigung dieser Ber- ük

WaS heutzutage tzrovoziereud tolrft

i» der Lektüre desVorwärts" ergibt sich folgende tllnngr Der Anblick schwarz-weiß-rvter Fahnen (sei

9 auch als offiziell« Handelsflagge d.'S Reiches) und daS Stelen vaterländischer Weisen wirktprovozierend" und N6 vnterbnnsen werden. Rote Fahnen und bas Sin­kt der Internationale wirken nichtprovozierend", htigfieitS nicht aus die zur Zeit maßgebende Mitckerheit 8 Volkes, und sind daher keinerlei Behinderttng aus-- Otzt.

Die Zeiinngsverbote.

Königsberg, 7.Sept. TieOstpret'.ßische Zei- ^tlg" ist henie erneut verboten worden.

. Srantf&rt a.SR., 7. Sept. Dir Vertreter der drei Wchcji«h7iwtere« Groß-Frankfurts erklären, wie das mefcet, nach gemeinsamer Aussprache, daß C1 gejchtossrn hinter den fünf Forderungen

g* tfraickstnü« Arbeiterschaft stehen. Sie fordern sofor- Wk A»sjeL« a g bei Verbots kommunistischer Zei- eie scklLrn, daß sie die Unterdrückung-kom-

QMLl aufs schärfste mißbilligen-

Dir BeihMdimzen in Sttiin.

Keine Neigung zur Aufhebung des Ausnahme­zustandes in Bayern.

Berlin, 7. Sept. (Amtlich.) Heute nachmit­tag um 4 Uhr begannen in der Reichskanzlei die Besprechungen der Rcichsregierung mit den Ver­tretern der bayerischen Regierung und der bayeri­schen Koalitionsparteien. Sie wurden um Uhr abends abgebrochen und werden morgen 9 Uhr fort­gesetzt.

Zu den Besprechungen zwischen der Reichsregie- rung und der bayerischen Abordnung schreiben die Blätter, daß alle Anzeichen dafür sprechen, datz auf beiden Seiten der ernste Wille vorhanden ist, die vorhandenen Differenzen auszugleichen.

In einem Münchener Telegramm derVoss. Zig." heißt es, datz die bayerische Abordnung in Berlin gemäß den Beschlüssen des Ministerrats vom 5. 9. die Verordnung des Reichspräsidenten beiref- fend Zeitungsverbote anerkennen soll, sofern die Durchführung den bayerischen Behörden übe - lassen bleibt. Dagegen ist der Abordnung nicht gestattet, über die Aufhebung des Ansnahmezust in­des in Bayern zu verhandeln. Sie ist vielmehr be- ausiragt, der Reichsregierung nochmals darzul gen, daß der Ausnahmezustand zurzeit für Vayern eine unbedingte Notwendigkeit darstelle. End­gültige Abmachungen wird die bayerische Abord­nung nicht zu treffen laben, v'slmetzr bf 1 letzte Entscheidung der bayerischen Negierung selbst vorbehalten.

HMWMS MMen her Se^Wemofröten.

B e r l i n, 8. Sept. Wie derVorwärts" meldet, fand am Mittwoch eine vertrauliche Aussprache von Vertretern der S.P. D. mit solchen der U.S. P.D über die politische Lage statt. Man war sich darüber einig, datz zum Schutze der Republik ein g e m e in­fam c s Vorgehen beider Parteien sich emp­fiehlt. Hinsichtlich der bayerischen Frage wurde be­tont, daß die sosort'ge Aufhebung des Belagerungs­zustandes unerläßlich fei. Am Mittwoch abend un­terrichteten Ver-reter der beiden Parteien den Reichskanzler und den Reichsminister des Innern über ibre Auffassung. Insbesondere betonten sie, datz aufgrund der Verordnung des Rcichsprcsidcn- ten neuerdings wiederholt kommun stische Blätter verboten wurden. Der im wesentlichen gegen die rechtsbolschewistifche" Presi« gerichtete Charakter der Verordnung dürfe nicht durch untergeordnet« Verwaltungsorgane verwischt und nach links umge- bogen werden. D's Regierungsvertreter eifiär'-n, wenn linksstehende Blätter zur Gewaltanwendung gegen die Verfassung aufforderten, die Verordnung auch gegen sie Anwendung fände. Der Reichskanz­ler lud die Führer der beiden Fraktionen für heute Abend zu einer erneuten Besprechung ein, um sic von dem Ergebnis der Konferenz mit den Vertre­tern Bayerns in Kenntnis zu fetzen,

Erhöhte Kampfbereitschaft.»

DerVorwärts" erklärt, für die Arbeiter sei leider eoifber einmal die Notwendigkeit der erhöhten Kampfbereit­schaft gegeben. In den nächsten Tagen tvürden die Mas­sen wieder einmol in der höchste» Not d-S Reiches zu feinem Schutze und zur Unterstüüung einsvringen »üs- sea. Dies habe so zu geschehen, daß außer den Schul­digen möglichst niemand dabei leiden soll. Aber dem Reich müsse unter allen Umständen das Recht bleiben, die Rechtsbolschewisten mit allen gesetzlichen Mitteln zu be­kämpfen, auch dann, wenn sie in Bayern sitze». Gegen

Sie totnstatt tes itnlWen Mts.

Wiedererlangung bet nationalen Freiheit.

Berlin, 7. Sept.Der Deutsche" bringt Aeu- gerungen d-S Ministerpräsidenten Stegerwald gegen- über dem Leiter des Blattes. Stegerwald führte «l a. aus, baß er die Stunde der Entscheidung zwischen Rechts und Links in Deutschland noch nicht sür ge­kommen halte. Er halte für das nächste Jahrzehnt eine starke Mitte für eine deutsche Lebens- und Cristenz- frage. Eine Linksmehlheit würde feines Erachtens im ersten Jahrzehnt ins Chaos führen. Nötig sei Ruhe und Stetigkeit in der deutschen Politik, die nut durch eine kompakte Mitte einschließlich eines starken Arüeiterftügels erreichb« fei. Das deutsche Volk zerfleische sich gegenwärtig wicdee einmal in Nebenfragen wie Monarchie oder Republik die Zu­ständigkeit zwischen Reich und Länder» u. a. Die eigeuAichc Lebensfrage sei die Sammlung der Kräfte für die Wiedererlangung unserer na- tionalen Freihe it, die auf diplomatischem Kege allein nicht erreichbar sei, sondern aus welch: auch der Wille de» Volkes hingelenkk weche« müsse.

wen sich diese Drohungen richten, ist umsoweniger zweifele hast, da zuvor die Rede war von dergeradezu unglaub­lichen Bockigkeit der bayerischen Regierung", ferner von derMünchen-Augsburger Zeitung", die der Schwer­industrie und Ludendorss nahe stehe.

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Aogm M nicht Mro?

Konftantin-pel, 7. Sept. Die letzten Nachrichten Lcstätigen, datz die Griechen nach acht­tägiger Schlacht etwa 7 Klm. auf der Sakaria- Front vorgerückt find. Das Gerücht von der Be­setzung Angoras entbehrt jeder Begründung.

London, 7. Sept. Nach einer Meldung aus Smyrna erlitten in den zehntägigen Kämpfen um Angora beide Seiten schwere Verluste. Die an Zahl unterlegenen türkischen Kräfte leisteten bis zum Letzten Widerstand. Es kam zu zahlreichen Bitjoncttkämpfen. Die Lage der kemalrstische:! Armee ist nicht zu über­sehen.

Paris, 7. Sept. Nach einer HavaSmeldung aus Konstantinopel leisten die Kcmalisten im Take des Sakaria weiteren Widerstand. Sie stützen sich dabei ans die BerghShen.

Ein likrlisch-serbischeS BSndms?

Parts, 7. Sept. Nach einer Havasmeldung aus Konstantinopel hat der in Angora elngetroffene ser­bische UntcrrichtSministcr Vollmacht mit der kemalistt- schcn Regierung einen Bündnisvertrag abzufchließen.

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gdttWeßes.

Aufhebung des Belagerungszustandes.

B e u t h e n, 7. Sept. Der Belagerungszustand ist heute für ganz Oberschlesien aufgehoben worden.

Die italienifchen Verstärkungen.

Rom, 7. Sept. Das 2. Bataillon des 2. Gre­nadier-Regiments in Stärke von 500 Mann, 15 Offizieren und 12 Maschinengewehren ist nach Oberschlesien abgegangen.

Eine uene Bslksabstimmnng?

Berlin. 7. Sept. Mehrere Blätter bringen eins Meldung aus London, wonach man sich dort und in Paris mit der Absicht einer neuen Volksab­stimmung in Oberschlesien trage.

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Em «tue Sm sei Eydmrr- Mdm?

Verlin, 7. Sept. DieB. Z." schreibt: Die heute früh eingelaufene Post brachte uns folgenden Brief:

Berlin, 6. September 1921. Sehr geehrte Re­daktion! Es ist nicht nötig, meinen Namen zu ver­öffentlichen. Ich reife heute noch ins Ausland. Ich bin kein Monarchist, aber ein alter Soldat, der, was er mit feinem Blute bezahlt hat, sich nicht von Ka- pitalsverfchiebern und Kriegsdrückebergern, zer­stören läßt. Die Liste der Schuldigen ist noch sehr groß. Franz Riese aus dem schönen Düsseldorf."

In der Unterschrift ist der Name leicht a"sge- strichen. Dieser Brief ist auf den ersten Blick als von der Hand des Mannes geschrieben erkennbar, der die EintragungFranz Riese stud. jur. Düffel­dorf" in das Fremdenbuch des GasthofsZum Hirsch" in Oppenau gemacht hak. Ob der Brief - ,t ist, werden die schriftlichen Sachverständigen der Polizeibehörde feststellen müssen, denen gegenwärtig der Brief zur Prüfung vorliegt. Ist der Brief echt, so würde er de» Beweis bringen, daß sich die Mör­der Erzbergers oder der eine von ihnen, noch gestern in Berlin ausgehalten hat.

Sie Wen in WtenüW.

Severing und Hörstng als Generalzeugen.

Berlin, 7. Sept. Der Untersuchungsausschüß des Latcktags verhandelte heute in öffentlicher Sitzung über die Unruhen in Mitteldeutschland. Aul der Tages­ordnung standen Zeugenvernehmungen. Als erster Gene- ralzeugc wurde Staatsminister a.D. Severing ver­nommen. Er besprach die Vorgänge im Zusammenhang mit dem kommunistischen Parteitag in Halle. Tie da­malige Gefahr eines Rechtsputsch. Z sagte er, wurde von der Arbeiterschaft ernst genommen. Daraus ist zu er­klären, daß i» einer Reihe von Ortschaften di: Ar­beiter noch im Besitz von Massen waren. Währeich der Tagung der Nationalversammlung war Halle das Zentrum aller Unruhen. Eine Zentralisation des Pvli- zeikörpers war auch in der Provinz Sachsen erforderlich. Die preußische Regierung ließ sich nicht, wie behauptet wird, durch die Dinge überraschen. Die polizeiliche» Kräfte wäre» stärker eingesetzt worden, wenn nicht dir oberschlesische Abstinlnmng bcvorgestandeu hätte. Ma» hotte beobachtet, daß riesi<x Truppenmasscn von de» Polen zusammengczogen wocde» tunren.. Ein Einsatz der Reichswehr wäre von den Polen als eine Bestätigung der Alarm nachrichten über Rüstungen in Deutschland ausgeschlachtet worden. Die Heranziehung der Ncichs- wehr würde die Sache übrigens noch kompliziert haben. Ueber die Beteiligung von Amts- und Gemeindevor­stehern an dem Aufruhr könne er keine A'.iskunft geben, da er seit dem 23. April nicht mehr Minister geweset sei. Ihm sei nicht bekannt, daßJid) Ausländer in be­sonders großer Zahl im AusstandMebiet aiiigehalten hät­ten. Die Bewafsnnng der Arbiter sei eine Folge der Bewaffnung der Orgesch geiorsen. Absurd sei es, vo« der EMenz einer roten Armee in Mitteldeutschland zu sprechen. Das Gefährlichste sei gewesen, daß die ?luf« stälüiischen in dem Besitz von Dynamit ß ft offen seien. Eine feste rote Organisation habe jedenfalls nicht be­standen. Die Aufstände seren improvisiert gewesen und genährt worden durch die Auftufe von Hölz. Er, der Zeuge, habe den Eindruck, daß die rommunisiische Partei zu dem siuitteldeutschen Aufstand nicht das Signal ge­geben habe.

Ter Unlersuchurrgsansschuß hörte weiter den Ober» Präsidenten Hörsing, der erklärte, man müsse zum Berstärrdnis der Vorgänge vom Kapmrtsch ausgehcn. Al­der Aufstand ausbrach, habe er Militär nicht eingesetzt. Hätte man das getan, bann hätte cs Blutvergießen ohne­gleichen gegeben. Der Aufstaüd hätte sich aus das ganz« Reich verpflanzt. Eine rote Armee habe es dort weder 1920, während des Kapp-Vutsches, noch während diese« «lilfstandes gegebeu. Grausamkeite» seien beiderseits vor­gekommen. 1000 Mann Pvlizeitruppen, die er zuerst angesordert hatte, seien auf seine Veranlassung vor Grau­samkeiten eindringlich gewarnt worden. Bon dieser Seite sei auch nichts vorgekommen. Dagegen sei eS mSglich. datz von Polizeimannschasten, die au? anderen Provinzen kamen, Uebcrgriffe erfolgt find. Von den Aufständische« seien zahlreiche Ueberyriffe und Grausam­keiten vorgekommcn. Die Zahl der Ausländer sei in der Provinz Sachsen außerordentlich groß gewesen. Weiter bekundete Oberpräsidcnt Hörsing, er sei erst seit dem Kampfe um die Leunawcrte von einer zen­tralen Aufftandsparolc überzeugt gewesen. Er glaube an einen Zusammenhang zwischen he» Vorgängen in Mitteldeutschland und den Auftithrbewegungen hi andere« Gegenden. Die Verstümmelungen von Leichen sei von denselben Leuten vorgrnommen worben, die die Poli­zisten getötet haben. Bezüglich der Mängel der Bc- höckcnorganisatwn bestritt Hörsing, bei ber Auswahl ber Amtsvorsteher unvorsichtig gewest« »li sein. Die Mitgliedschaft bei 6er U. S P. habe er auetdingS nicht für einen HircherungSgruud gehaltrn- Rach der Spal­tung auf dem Parteitag in Halle wurden aber Kom­munisten nicht mehr als Inhaber der Polizciacwalt bestätigt. Die Landgemeinde» H-n reicht schuldhaft ohne den nötigen Schutz gelassen worden. Tie Zahl der Gen­darmerie fei unzulänglich gewesen. Aus de» Vorwurf, daß die Mion »ach Ei'sleben mit ungenügenden Kräften «Hterttommr« worden sei, erklärte der Zeuge, 1GOO Man« habe er nicht nach Eisleben schicken könne«, denn da4 tue cr nur dann, ttru» man Krieg führen wolle.

Berlin, 7. Sept. Der Große Ausschuß deS deut­schen GewerkschaftsbundeS beklagt nach derDeutschen Allg. Ztg." die vergiftende Hochspannung der politb Ichen Leidenschaften. Das erste und allen Deutschen gemeinsame Ziel, der Wiederaufbau des Baterlandes, könne nur erreicht werden, wenn das deutsche Volk sich einmütig auf den Boden der demokratischen Staatsver­fassung stelle.

Die Dynamitanschläge ht Braunschweig

Braunschweig, 7. Sept. Unter den wegen verschiedener Dynamitanschläge Verhafteten be­findet sich auch die Kommunistin Frau Fahhauer, die frühere braunschweigische Kultusministerin. Die übrige» Verhafteten sind auch verdächtig, an dem nächtlichen Ueberfall auf Braunlage sowie an dem Raubüberfall auf den Geldtransport im Dezember 1920 beteiligt gewesen zu sein.

Auch der Sohn des ehemalige» braunschweigi­sche» Ministerpräsidenten, August M e r g e s, ist verhaftet worden, weil er an den Dynamitanschlä­gen beteiligt gewesen ist. Die Verhcrstete» sind teil­weise geständig. Teile des aufgefuildenen Beweis­materials find so erdrückend, daß es zu ihrer Ueber- föhrung ausreicht.

Die Spanier in Marokko.

Reue Angriffe der Aufständischen.

Mabr ib, 7. Sept. Nach hier vorliegenden Nach­richten greifen die Ausständischfn die spanischen Stel­lungen unaufhörlich an. Es tarn zu erbitterten Kämpfe». Tic Aufständischen wurden schließlich zu- rückgeschlage«.

Madrid, 7. Sept. Tie Madrider Blätter ver­sichern, daß binnen kurzem fünf Kolonnen von Melitta abgehen werden, um einen konzentrische« A «- grifs auf den Feind zu machen.

Paris, 7. Sept. Havas meldet aus Melilla: Im Gebiet von Meni Sitar haben die Mauren eine« nach Casabona uniermcgs befindlichen Transport an­gegriffen. Nach einem für beche Teile äußerst ver- lustrriche« Kamps wurden die Angreifer zurückge­schlagen. I« die Vorstädte von Melilla sind dabei einige Granaten geflogen, ohne zu krepieren oder Schaden anzurichlen.

De, Termin der hessischen Landiagswahle» wurde pus 7. Nsöcmber jestoejetzi.