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Amtliches DerLkidigungsAatt des Kreises Marbur».

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhesseit

ür.264

DieObcrhessische Beitun-" crirfieint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 4.75 Mk., durch die Post 5.10 Bit. Nusgabe B mitOderh. Eoort-Ztg." 1 Mk^rnehr. Für ausfallende Nummern infolge Streiks ooer elementarer Lreigniiie kein Eria?. Verlag non Dr. C.Hiyerotv.Druck der Univ.-Ruchdruckerei von Ioh.Aug. Koch, Markt 21,23 Nernfprechcr 55, PoftfLeckkouto: Nr. 5015 Amt Franliurt a. Main.

Marburg SonnetM ien 1. September Scheid mg.

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55. m

1921

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Sfctfct Marblirg hätte keinen würdigeren Tag gut Wothe des Gedenkkreuzes für die gefallenen Hel- hcir deS Weltkrieges auf unserem Ehrenfriedhofe Wählet» Kmtcn als den 2. September, den allen und doch ewig jmtgen Sedanlag. Das Volk ebrt sich selbst, Has fanen Helden ein treues Gedenken weiht und ^chne» dmtge Tarttbarteit zollt. Wehe aber dem Volk, .das seine Kämpfe in-großer Zeit ans elendem Parlei- chns: tntb erbärmlicher Klassenpolitik schmäht, verdäch­tigt und Herunterzieht! Leider müssen wir dieses be- Müb^aüe und schmachvolle Schauspiel in unserer poltti- j®cit M»edrtgung auch noch über Uns ertzkhkti lassest. La, c$ ctßt in unserem Deutschland undeulsche Schich­ten genug, welche in jeder Erinnerung an die große ^ergangeuHeit, in jeder vaterländischen Feier, in jeder Lcrhe«Ächung der Helden eine Gesäbrdnng ihrer «mseLgsn Partcitreiberei oder die Bedrohung ihres traurig?« Strebens nach Völkerverbrüderung und nach tatermutozraler Vcrflacyung zu sehen glauben. Diese Lorcnt Ms ob die Welt zu versöhnen und dem ewi­gen Frnedcn zuzuführen sei! Sir haben nichts gelernt und wollen nichts leimen ans den Ereignissen der Stit, wo die Machtsrage allein enlscheldend ist and Recht wie Unrecht danach gemessen ivird, ob die iKewakt dahinter steht oder nicht. Aber cs gibt im 5« diesen unverbesserlichen Schivärmern »Nd Verirrtet, im deutschen Volle doch noch Kreise ge­nug, welchen das Herz auf dem rechten Flett sitzt und Mc crkMnen, daß die Wiedererstchung des geschände- tnt und nicdergetretcnen Vaterlandes sich nicht aus gtrtiantxeieu und Reden, sondern nur an 5 Taten hrrleiiM kann. Der Gedanke bricht sich mehr und mehr Eit du, daß nur vaterländische Gesinnung, Ehre, kasscaLkAtc, Ritterlichkeit und Hochsinn die sitt­liche- 88 t edergeburt unseres Volkes er« mögllGen können, und das-, sich ait-3 ihr mit der Zeit der staatttche und wirtschastliche Aufbau, die RSkLkchr zu Macht und Achtung entwickeln «vird.

Daher festen wir mit Bedauern ans die Ge« AMiNugsuiedrigkeit und die jämmerliche Eigenbrö- kdei, die sich mit Hatz und Bosheit gegen jede vater- Mndische Veranstaltung iveuder und sich in hämischer '-tstabjechung -er nationalen Werte wälzt. Wir aber hrofielt uns die Weihe des Scdantages nicht rauben ddce vcrabsetzcn lassen. Er ist eine sittliche Erhebung in den Worbilderi: der Vergangenheit, ein Trost in bei Gegenwart, eine Zuversicht auf eine bessere Zu« Jmift.

Dichte Rebel wallten vor Sonnenaufgang des 1. LrptencherS. 1R<0 durch das Maastal bei Sedan, als tzsch Woktkcs tief durchdachtem Plan die deutschen Leionnen heranzogeu, um das französische Heer unter Mac Mabon eiu-.u schließen und der Vernichtung zu wrchen.. Das Kesseltreiben hatte bereits seit mehreren Lagen ciugescht. nun stand das Ende unmittelbar be­vor. Die Badern, stürzten sich auf die Südfrout und warfen in erbittertem Stratzenkampse die französischen MariuÄruppcu aus Bazcillcs und Balan. Aus öst« liclior Rtetlluua drangen die Sachsen und die Garde vor. Am westlichen Maasufer gelangte« die'Badern vom 2. Korps bis an die Wälle der kleinen Festung. Durch die Wälder hu Norden drängten die Hessen vom 11. Korps und die Bataillone des 5. Korps heran. Nach Witzen, bin hielten das 4. und 6. Korps uebst den teiirttciHtkreeni starke Wacht. Die Franzosen wurden wnch die deutsche Uebermacht schnell gegen die Manern der unbedeutenden, alten Festung gedrückt, die dem ge- schlagcncn Heer keinen Schub gewähren, sondern zum Vesüugnis werden sollte. Es nutzte nichts, dal; die Frauzo'fcn bald nach der ciucn, bald nach der anderen Richtung verzweifelte Borstötzc machten, das; fick die Rcirerscharen Gallisets zu aussichtsloser Attacke «pscrreu. Um 4 Uhr nachmittags ivar das französische Heer ciugeschlosseu. Fast 1200 deutsche Geschütze 'krönten die Höhen' rings um Sedan. Da erschien auf 'bn: Wälle» die loeitze Fahne.

Körrig Wilhelm I. beauftragte Moltle tnii drr Lcirnng der Verhandtungen, Bismarck stand dl? Berater neben ihm. Treuer und wuchiiger konnte jbc-? innige Zusammenarbeiten zwischen Hceresteitnng der politischen Führung nicht zum Ausdruck ge- ! langen. Ach, daß unserem Volke im Weltkriege diese iKiuödt gefehlt hat! Am 2. September vormittags kam Stic vcoiugnngstose Uebergabe des französischen Heeres i tzvstande, «och 83 000 Mann gerieten in Gefangenschaft, -RupoKdu lll. ging i'.ach Wilhelmshöhe in die Gc- ^fangeuschast, nie vorher und später sah die Kriegsge- 'fchiwle cüte restlosere Vernichtung, wenn schon die Kahlen der Lkämpfer an sich klein erscheinen im Ver­glich zu denen des Weltkrieges. Der Sieg von Sedan Jtrfrt einzig da in der Zeiten Laus und verblatzt nicht bei den Taten des Weltkrieges.

LZctL' eine Wendung durch Gottes Führung!" sagte der hochgemute und fromme Billig Wilhelm I. in dem ersten kurzen Bericht über dir Tat von Sedan. Mit kurzen, tief zu Herzen geben- ,brr Worten Lantte er den anwesenden deutschen Mrst.u. den Heerführern und Bismarck, um dann mehr als G Stunden lang bis in die Rächt hinein bk« Lager der siegreichen deutsche» Truppen abzu- tnien, überall von brausendem Jubel empfangen Zirte stölze Leistung für den mehr als 73jährigen Herr­ischer, zugleich der Höhepunkt de» Krieges, aber auch der ganzen preußisch-deutschen Geschichte.

Mit dem Schicksalsschlage von Sedan war der Briecr entschieden, die Uebcrwiudung Frankreichs be ficgcit. die Erstehung des jungen deutschen Lkaiser- vrichc? gesichert. Allein Frankreich erhob sich, durch Gembetta hingerissen, zum Verzweiflungskamps, der bis in den Februar 1871 dauerte und uns, obwohl dar Ausgang nicht zweifeiüast sein konnte, viel zu Ichatch» Leinacht hat. Zwar darfnnan die Lage Jranl- Xti.i-G nach der Niederlage von Sedan nicht mit der tafttge-r bei Ausbruch der Revolution im November 1953 und der dadurch bedingten Wehrlosigkeit ver- iRrtchen. Allein cs geht doch eine tiefe Weymut durch die deutsche Vol-sscelc, soweit sie nicht von Erbärm- Wdt und K lein sinn angekränkelt ist, ivenn wir sehen, tofe sich unser Poll, durch falsche Götzen verführt, - _ ____e .. ..._________ *_ .

selbst entwaffnete und dem Feindbunde sich wehr- und deshalb ehrlos zu Fützen streckte.

Was lehrt uns der Sedantag? Dreifach sind die Werte, die wir aus ihm zu schöpsen haben. Das deutsche Volk und Heer siegte bei Sedan kraft seiner Einheit und deshalb seiner Unbesieg­barkeit. Unter der Führung Wilhelms I. hatten sich Deutschlands Fürsten und Stämme geeint, keine varteivolitische Spaltung trübte die Geschlossen­heit, das Vaterland stand hoch über der Partei. Wilhelm I. hatte ein hochgesinntes, auf die Größe und Macht des Vaterlandes abgestimmtes Volk unter sich, WtRimer- wie Bismarck, Moltke, Roon als Helfer neben sich.

Wie anders hente! Unser Volk ist in Parteigcgen- sätze und Hatz zersaZcn, durch Hader zerwühlt, daher das Opser rachesüchtiger und gewalttätiger Feinde. Darum kehren wir zurück zum Geiste von Sedan! Nur dann wird uns die Rettung aus Schmach und Elend, aus Zerfall und Not besckieden fein. Das Vaterland über der Vartei, das Ges«bl der nationalen Einheit über der Kkafsenwirtschaft, Trotz »nd Stolz, Sittlichkeit und Ernst, heilige Begeisterung kür den früher oder später kommenden Befreiungskampf des geschändeten Vaterlandes das sind die ernsten und eindringlichen Lehren deS GedenktaecS von Sedan. Sie verknüpfen sich mit der Mahuung. PW-über den Heldengräbern auf unserem Ehrenfrieühos Htzwebt, den >oir am Scdantage weihen:

So seid denn, wie wir Toten, getreu dem Vaterland Und gebet seiner Zufttnft geschlossen Herz und Hand!' F. I.

Mrntz 8MW m M» «e'ckMiMmn.

Berlin, 1. Sept. Wie die Blätter aus Mün­chen melden, beschüftigie sich der bayerische Minister­rat, der gestern 6y2 Stunden tagte, mit den Maß­nahmen zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Sicherheit, sowie den jüngsten Erlassen der Re-chs- regisrung, vor alle!» den Zeitungsverboten und dem Verbot des Uniformtragens. Der Ministerrat soll beschlossen haben, gegen diese Verbote bei der Reichsregierung nachdrücklichst Einspruch zu erheben und zwar sowohl gegen die Form des Erlasses als auch gegen ihren sachlichen Inhalt.

Trotz des Verbotes durch das Reichsministerium des Innern sind sowohl derMiesbacher Anzeiger" als auch derVölkische Beobachter" in München am Mittwoch erschienen.

München, 31. Aug. Die Bayerische Volks­parteikorrespondenz bezeichnet die Verordnung de» Reichspräsidenten als einseitig und lückenhaft, so daß Bayern schon aus diesem Grunde sich nicht dazu verstehen könne, seine bisherigen Sonder­bestimmungen über den Ausnahmezustand zu än­dern. Gegen die Durchführung der Verordnung, die einen schweren Eingriff in die Selbständigkeit der Länder darsiellt, wird von bayerischer Seite Protest erhoben werden.

Besondere Ueberraschung hat auf der ganzen Linie die Tatsache hervorgerufen, daß der Aus­nahmeverordnung der Reichsregierung kurzerhand rückwirkende Kraft beigelegt worden ist, ob­wohl sie nach ihrem Wortlaut erst mit dein Tage ihrer Verkündigung in Kraft tritt.

Der sächsische Kultusminister für eine Politik der Gewalt.

Dresden, 31. Aug. Der unabhängige sächsische Kultusminister Fletßner hat in Dresden in einer N. S. P.-Versammlung lautDresdener Nachr." eine Rede gehalten in der folgende stenographisch aufge­nommenen Sätze vorkamen: .Unser großes politisches Ziel mutz unter allen Umständen erreicht werden, und fei es unter Anwendung der Gewalt. Wir müssen die Anwendung der Gewalt in unsere Rech­nung einstellen. Machen Sie sich dazu bereit! Daß es nur unter Anwendung von Gewalt zu machen sei, ist damit nicht gesagt. Das hat schon KautSky abgelchnt. Für uns steht es jedenfalls fest, das; wir unser Ziel mit alle« Mitteln durchzuführen suchen müssen.'

Räte-Ruflland.

General Brufstkow gegen Moskau?

Die in Finnland erscheinende russische Presse be­richtet. daß General Brussilow mit einer Gruppe von Offizieren des Generalstabes angeblich aus Mos­kau geflüchtet sei, um in Westsibirien einen Aufstand gegen die Sowjetregierung ins Leebn zu rufen. Bol- schewistische Truppenteile in Wcstsibirien sollen angeb­lich bereits zu Brussilow übergegangen fein. Eine Bestätigung dieser Nachricht, die u. a. von derNo- waja Rußkaja Shisn" gebracht wird, ist bisher nicht cingetrossen. In diesem Zusammenhang fei darauf httigeiviesen, daß nach Nachrichten, die kürzlich aus Sowjetrußland eingetroffen sind, die ehemaligen zari- schen Generäle Klembowfti und Guior, die sich vor längerer Zett den Bolschewisten zur Verfügung gestellt hatten, jetzt erschossen worden seien, weil sie an einer aittibolfchewistischen Verschwörung teikgenom- nten hätten. Klembowski und Gutor standen Brussi­low nahe.

Das Hungerftevben.

Helsingfors, 31. Aug. Nach einer Mekdung aus Moskau beträgt die Sterblichkeit der Kinder im Alter bis zu einem Jahr im Hungergsibtet 7» PCt.

Erzbergers

Smöttdt teS AMkM'M.

Bieberach, 31. Aug. Tie Leiche Erzbergers ist gestern abend um 6 Uhr hier eingetroffen und von einer aus B'eberacheru Bürgern bestehenden Ehren­wache nach der Stadtkirche gebracht worden, wo die erste Einsetzung stattfand. Gegen 10 Ufjr betrat die Witwe Erzöergers die Kirche. Um 10 Uhr 10 er-, erschien der Reichskanzler. Bald darauf folgten die Minister und Abgeordneten aus Berlin und Stuttgart. Der tSeichskanzler nahm zur Rechten de? Altars Platz. Monsignore Kaplan Vogt zelebrierte als Freund Erz­bergers das feierliche Secleuamt. Tas Gottestzatts war überfüllt. Der Zug mit den sterblichen lieber» resten ErSergers setzte sich von der Stadipfarrkirche tmr 1 Uhr in Bc»-egung. Voraas gingen zahlreiche Vereine mit M!^sikk»pellen und Fahnen. Hinter dem Wagen folgte die Geistlichkeit mit dem Wechbischof T. Sproll, Frau Erchcrgcr mit den beiden Brüdern Les Verstcrbenen und den srnftigen Angehörigen, der »eichskanzter mit den Mitgliedern bet R ichstegiemnz, der Reicdstagspräjident, d-'e Vertreter der wnrttem- bergischen und der batzerischen Regierung, die Abge­ordneten, weitere Vereine nnd ein nach Tauser-den zählendes Geso'^e. Ilm 1 Uhr 30 Minuten wurde der Sarg in die Gruft gesenkt. Nach einem Gesänge des Kirchcnchoves hielt Stadtpsarrer Schweikert die Trauerrede, in der er den Verewigten als den Mann würdigte, der dem Gebot der christlichen Liebe in dreierlei Brziehungen nachkam: In der Liebe zu Gatt, in der Liebe zum Volke und in Liebe zur Familie. Nach Gcheten und nach einem weiteren Chorgesang sührtze Reichskanzler Dr. Wirth aus:

Der Reichspräsident und die Reichörecherung widmen dem großen schwäbischen Volksmann, dem hervorrag-mdeu Varlamentarler und Staatsmann, dein Reicksstnanzmmi- fier, die Ehre nnd dir Versicherung des dauernden Sin» devk-ns. Heute sind nach Tausenden zählende Acbeilrr- inassrn in der Hauptstadt des Deutschen Reiches in Brrveguna- D-e Welle kann ean; Deutschland durck- -pe-en. Mancherlei Gefahren können daran? entstehen. Wehe denen, die noch einen Tropstn in den übervollen Keich schütten. Er kann überlanfen. Auls neue kann das Chaos über Deutschland herausbeschworen werden. Unser toter Freund hat in den verganaenen Jahren den ^nsammenbr".ch durch den Krieg fange vorausgesthen. Aber feine Warnungen blieben ung'hört. Er wurde ver­lacht, verh-hnt. Sie erinnern sich an die schwere Stunde, wo eine De^gativn zum Abschluß des Wasstnstittstavdes in den Wald von Compiegne entianbt wurde. Erzberger k»ar der Führer. Er hat sich zu dieser Arbeit nicht gedrängt. Er hatte einen anderen vorgrschlagen. Die, die die Verantwortung zu tragen gehabt hätten, sind nicht gegan-en. Der Ruf des Reichskanzl rs, Prinz Max von SWxnt, erging an Erzberger. Er traf ihn in schwerer Sttinde als ein Mann, der in christlichem Patriotismus sich feiner schweren Pflicht nicht entzieht. Er hatte dem Stolz des Siegers d--s Marschalls Foch, unmittelbar zu begegnen. Seine Haltung war ritter­lich und deutsch, nicht tote man gemeint hat, hündisch und feig (Bewegung), ^uch ihm hat in jener Stunde das Her; geblutet. Erfurt dem Befehl, der au ibn er­ging, Folge si-Vifcet wir ein einfacher Soldat, den aus­drücklichen V-elrhl, die Wassenstillstaudsbehingrtngen an- zunehnren, was auch kommen mag. Aber das ist v'-bt die einzige Stunde, in der Erzberger seinen Mann stellte. Die zweite Stunde kam in Weimar, als der Fri-de zu unterzeichnen war, als die Fofgerun« zu ziehen war aus Krieg und Niederlage. Da waren öie;e, die sich Patrio­ten nannten und die doch froh inaren, daß Zentrum und Sozialdenwkratie den Ga«o »ach Vcrseillcs aus sich nahmen. Jene erbürm-rchc.^ Wichte in Dernschland, dic da höhnen, er trabe den Gang ertön, um fein Vater­land zu verraten, die sollten sich in den letzten Winke! verkriechen. Er stb ein Meer des Hasses vor seinem gnstsgen Auge. Tiefer H>etz reichte hinüber über de>: ?ltkantischen Ozean- Er sah Deutschland in der garzen 93elt als eit; verbatztes Stoff. Da war er der Stantsmemr, der sich die Frage voclegte. ob mir. wirklich d-c Stunde gekommen sei, wo durch bett Anmarsch beS Feindes das Volk auch noch des Letzten d ratibt würde, was es besaß. Was haben wir noch? Nichts als die Einheit. Unsere Waffen haben wir kerlsren. Aber um die Einheit zu retten, riet Errberger. den Frieden zu unterzeichnen. Das traten bie stürmischen Tage von Weimar. In rastlosem Kample von früh bis spät tritt er gegen das drohende Chaos, suchte er dem boanken- ben Bau neue Balken, neue Stützen einzinügen. Nach­dem Stutze der Dhitastten war oie alte Macht dahin, die einst 1871 begründet wurde. Wir wollen sie nicht verunglimpfen! Das war die g l ü ck l i S e Z e i t u n se - ter Jugend. Wir brauchen nicht zu bangen um die Einheit des Volkes, beim diese tont ja wohl begründet auf die Macht der Fürsten. Was aber war nach der Nieder­lage noch da? Früher haben die Tvnastien bie Länder zusammen gehalten. Sie sind dahin. Es mußte ein neues Band geschaffen toerbett. Dieses große Werk kommt zum Ausdruck in bett Eingangsworten unserer Ver­fassung:Das deutsche Volk, geeint in seinen Stämmen und dem Willen, sein Reich in Freiheit und Gerrchtigkrtt i« erneuern, hat sich diese BerfaMng

Begräbnis.

der nette demokratische Siaalsgedanle. An seiner Wiege stand ttttser Freund Erzberger. Es war bie Zell, als die rote Flut von Osten her uns zu überschwemmen drohte. Das sind seine Taten, das ist bie gigantische Größe seiner Leistungen. Ich weiß nicht, ob die heuffgr politisch«. Welt vergessen hat, was da geleistet wurde unkt bet Führung unseres Freundes. Er hat sich als Schütze^ einer netten Wehrmacht bewährt, indem er die Mittel für das erste Regiment mtfbrachte. Er Hal das neue einheik liche Regierungsrvesen für das Reich ausgerichtet. Wir müssen in dieser Beziehung auf das Mitt-lalter zurück« gehen, um auf einen Gedanken zu stoßen, wie ihn Erz« berget verwirklicht hat. Manche schleichen durch die deut­schen Lande. Manche Schieber und Wucherer, bie den Toten schmähen und fein Werk verneinen. Und doch hat es Früchte getragen! In dem ersten Vierteljahr dieses Nechmlngsjahres können wir nicht weniger als 17 Mil* (darben an Steuern und @efä&n aujbringen. Unser Freund Erzberger stand fast allen jenen dunklen Eulen gegenüber, die ihm nicht glaubten. Er hat damals den finanziellen Zusanuneubtuch verhindert. Ti'ser Zusam­menbruch wird nur bann vermieden, wenn wir selbst alle einmütig Hand anlegen. Ihm ist es gelungen, was selbst einem Bis maecknicht gelang: eine einheitliche Post und Eisenbahn in Deutschland zu schaffen. Großzügig und weitschauend hat unser Freund die Berhandlungen ge­führt. Es ist eine Lüge, kenn man ihm Nachsaat, er seh ein kleiner erbärmlicher Mensch gewesen. Im Gegenteil!' Er hat alle begeistert durch den weiten Blick seiner Idee» und durch die Kraft, mit bet er sie durchzufetzen vermochte als rn zäher Sohn seiner Heimat. Eczberger ist seiner Zell immer um einige Jahre voraus'eeilt. Sille großen Probleme hat er ersaßt, wie ein Staatsmann, der alle seine Projekte nach sachlichen Gesichtspunkten verwirk­lichen wollte, auch dann, wenn rie das Volk zunächst selbst nicht will. Das war die Auffassung des christ­lichen Swatstnaunes: Klar geschauten Problemen auch dann zur Lösung zu verhelfen durch die Kraft seiner Pcrsöillichkeit und durch die Macht seiner Ucberzeugung. So beugen wir uns in Dankbarkeit vor den ungeheuren Opfern, bie er gebracht hat, in treuer Pflichterfüllung gegen Gott, gegen das Land, nicht zuletzt aber auch vor den tototreu Opfern, bie seine Familie mittragen mußte. Nach so großen Taten für das Vaterland bringen es Deutsche ü4cr sich, noch am off; neu Grabe bett Toten zu schmähen. Ich erinnere nur an eine Zeitung in Snddnttschland, bie sichSt-iatszellung" nennt. Aber wir wollen zn unserem Freunde stehen. Treuer Freund! Dein Name wird in Ehren genannt werden. Der erste Prozeß ist M Ende, über den zweiten, über den S t e u e r p r o z e ß, kann ich nicht sprechen. 316er ein Kennet dieser Ange­legenheit, mit dem ich gesprochen habe, hat mir erklärt: Erzhttger hat nicht nur die Wahrheit lagen wollen, er hat fk auch gefaßt ES ist eine elende Lüge, daß et noch nach seinem Abgang in bie Ministerien sich gedrängt, daß et eine Nebenrcgllruna ausgerichtet habe. Alle, die so sprechen, als ob er die neuen Steuern gemacht habe, sind erbärmlich und unwahr. Unwahr ist, daß er das Hell wieder in die Hand nehmen, die Führung des Zentrums nach Trimbonrs Tode übernehmen wollte. So viele Worte, so viele Lügen. Es kann sich jetzt nicht etwa darum handeln, Gedanken der Rache und Leidenschaft anzuzetteln. Wir wollen den Tod nicht rächen. Wir beten für alle, auch für bie, bie ihn gemordet haben. In der Liebe wollen toll unserem Volke dienen, nicht in Leidenschaft. Das Vaterland ist in Slot, und wir rufen es in alle Gaue unseres Vaterlandes: Volk, wache aus! Schüttle bie ab, die aufs neue dick in schwere Bedrängnis bringen wollen.' Folge den Worten des netten Staats» gednnkns,- der den Weg zur neuen Arbeit finden läßt. Wit sind Kämpfet, aber wir wollen unblutig kämpfen, lieber unserer Politik muß das Zeichen der Erlösung fchwebe». Währettd wir hier am Grabe stehen, setzen sich in Deutschland Tausende in Bewegung. Gott bewahre uns vor neuem Unglück und segne, lieber Freund, Tein Werk!

stlach dem Reichskanzler legte Reichslagsprasident LSbe im Namen des Reichstages einen Kranz auf den Sarg nieder. Für bie gesamte deutsche Zentrums» partci sprach Reichsiagsabgeordneter Becket--Arns» berg, bet erHärte:Erzb-rgrt war bet Unsrige. Wenn auch eittzelae an ihm zu zweifeln begannen, wenn auch verschiedene nicht ganz mit ihm einverstanden touren, im Laufe der letzten Jahre seiner politischen Wirk» samkell. Aber auch jene anberen haben es offen an» ar.erfantrt, daß an der Lauterkeit seines Charakters nicht zu zweifeln sei." Ein Posaunenchor und der üb« sjchr Fohnengruß beendeten- nach weiteren Ansprachen die Feier. '

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Hirschfeld bleibt weiter in Haft.

Berlin, 31. Aug. Im Anschluß an die Fest­nahme des ehemaltgen Fähnrichs v. Htrschfeld (sing beim Polizeipräsidium eine ausführliche Mitteilung ein, nach der Hirschfeld als Mörder Erzbergers nicht in Frage komme. Die württembergtsche Kriminal­polizei stellte fest, Latz sich Hitschfeld am Tage der Tat uituntetbrotoen in Calmbach, also 35 Kilometer vom Tatort entfernt, ausgeyalten hat. Beim Berliner Pottzeipräsidium ging demgegenüber ein vom 31. da­tiertes Telegramm der Staatsanwaltschaft Offenburg mit der Bitte ein, Hitschfeld weitet in Haft zu behal- L.i mit deut Bemerken, daß die Staatsackwaltschafl

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