Amtliches DertündigungsIMt
des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
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Die „Oberhsssstche Zeitun ' erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich
4.75 Mk., durch die Post 5.10 Mk. Ausgabe B mit „Oberh. Soort-Ztg." 1 Mk. mehr.
M» 903 Für ausfallende Nummern infolge Streits oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. — faWI von Dr.C. Hitzeroth. — Druck der Univ.-Buchdruckerei von Job. Aug. Koch.
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Markt 2123 — Kernsprecher 5ö, — Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Mai».
>inordung des Majors MontaieZle.
Berlin. 30. Ang. Die „Voss. Ztg." meldet aus Breslau: Im Prozeß wegen der Ermordung des Majors Montalffgre ist der Angeklagte I o s ch k e zu 5 Zähren Zuchthaus verurteilt worden. Die Schuldfrage auf Mord wurde verneint. Es wurde Totschlag angenommen.
Der Oberbefehlshaber der französischen Truppen.
Paris, 30. Aug. Nach einer Haoas-Meldung aus Oppeln ist General N a u l i n. der den General Eratier als Befehlshaber der französischen Truppen in Oberschlesien ersetzt, in Oppeln ein- getroffen und hat sofort seine Stellung übernommen.
Ein neutraler Untersuchungsausschuß?
London, 30. Aug. (Reuter.) Aus Genf wird gMeldet, man fei der Ansicht, daß eine rasch« Lö-
Tatsache, datz bei allen Massenansammlungen sich radaulustige Elemente befinden, denen von vornherein an dem ordnungsmäßigen Verlauf der Veranstaltung nichts gelegen ist und deren otdnungs- widriges Treiben zu verhindern, ebenfalls Aufgabe Ihrer Ordner sein mutz. Sollten Sie hierzu nicht in der Lage sein, so bitte ich Sie, mir dies bis zum 31. August 10 Uhr vormittags mitzuteilen, damit ich meinerseits die erforderlichen Maßnahmen treffen kann.
Der Afabund, Ortsgruppe Berlin, und der Ausschuß der Eewerkschaftskommisfion für Groß-Berlin veröffentlicht in den linksstehenden Blättern einen Aufruf zur Massenkundgebung im Lustgarten, in dem gesagt wird, daß mit dem Schluß der Versammlung im Lustgarten die Kundgebung als beendet gilt. Der Aufruf fordert strikte Disziplin, da nur hierdurch und durch die Masten die Kraft der Gesamtarbeiterschaft zum Ausdruck komme. Ferner teilt die Eewerkschaftskommission mit, daß von unlauteren Elementen beabsichtigt werde, bei der Kundgebung Zusammenstöße mit der Schutzpolizei herbeizuführen. Dies müste unter allen Umstünden vermieden werden. Deshalb habe jeder darauf zu achten, daß unlautere Elemente nach Schluß der Kundgebung ihre dunklen Geschäfte nicht ausüben können.
Nach einer Mitteilung der „Bost. 31g." werden an der Kundgebung auch einige Minister teilnehmen.
Politikern des linken Zentrumsflügels über die Regierungskrisis in Preußen. Es sei daher nicht unwahrscheinlich, daß noch vor Zusammentritt des Landtags am 28. September die Frage der Umbildung des preußischen Kabinetts durch Hinzuziehung der sozialistischen Parteien akut werde.
Unruhen und Zusammenstöße.
Berlin. 30. Aug. Den Mendblättern zufolge wird vom Reichswehrministerium mitgeteilt, daß am Sonntag in Potsdam die Reichswehrsokdaten keine rote Fahne niedergerissen oder vernichtet hätten. Dagegen seien von der Meng« 40 Soldaten, die zur Hälfte dem Reiterregiment 4, zur Hälfte dem Reiterregiments angehörten und einzeln in den Straßen Potsdams spazieren gegangen seien, mißhandelt worden.
Insterburg, 30. Aug. Wie das „Tageblatt" berichtet, kam es gestern abend vor dem Rathaus, wiederum zu Ansammlungen, wobei mit Steinen-.geworfen wurde. Schupo zerstreute die Menget acht Personen erlitten Verletzungen. Da die Stadtverordnetenversammlung sämtliche Forderungen der streikenden Arbeiter ablchnte, geht der Aus stand weiter. Die Bürgerschaft befindet sich im Abwehrstreik. Tie lebenswichtigen Betriebe sind in Tätigkeit.
Braunschweig, 30. Aug. Mit Rücksicht auf die Unruhen unter der Arbeiterschaft sollten in der Waggonfabrik in Delligsen die Arbeiter entlassen werden. Die braunschweigischen Minister Steinbrecher, Antrick und Oerter begäbe« sich zu den Werken, nm eine Einigung zwischen den Fabrikleitern und den Arbeitern herbeizuführen. Die Versammlung wurde jedoch durch Kommunisten gewaltsam unterbrochen. Darauf begaben sich die Minister nach Delligsen, um in einer Wirtschaft das Mittagessen einzunehmen. Als es vor der Wirtschaft erneut zu ilnruhen kam, versuchte Minister Oerter durch eine Ansprache die Menge zu beruhigen. Darauf erhielt er mit einem Stock einen Schlag über den Kopf, sodaß er eine stark blutend« Wunde davontrug. Infolgedessen mußte er sich in ärztliche Behandlung begeben. — Also Kommunisten gegen Sozialdemokraten.
Die Aussiandsagitation.
B e r l i n, 30. Aug. Der „Deutsche" erführt von unterrichteter Seite, daß die Bemühungen radikaler Elemente, die gegenwärtige politische Hochspannung zur Herbeiführung des Allgemeinausstandes auszunutzen, nur geringe Aussicht auf Erfolg hätten. Der Deutsche Eewerkschaftsbund werde unter den gegenwärtigen Umständen nicht für den Ausstand zu haben sein. Hoffentlich wirke sein Beispiel auf die besonnene Arbeiterschaft und andere Parteien beruhigend.
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fij. am Sonnabend nach der Tat in einem Berliner : ftino sichtlich zusammengeschreckt sein, als durch die presse irrtümlich die Nachricht von der Festnahme der Mörder Erzbergers bekanntgegebsn wurde. Auf bk Frage der Zeugin, ob W. denn den Mörder fehlte, habe dieser seinen Freund T. als einen der Schuldige-» genannt. Nach den sofort vorgenom- mcnc« polizeilichen Ermittelungen mar T. in der ftir ie Abführung der Tat in Betracht kommenden -Zeit, nämlich vom 19. bis 28. August, von Berlin rbweseud. Auch W. weilte vom 25. bis 27. August fern von Berlin. Das Aeußere der Fe^genom- srene« trifft im allgemeinen auf die Perfonal- befchreivung der Eriesbacher Täter zu. Der fest- zenomwone T. unterhielt nach e g men Aug '"- n in Betlitr den politischen Nachrichtendienst für die Organ^akisn „Oberland", deren Zentrale sich noch jetzt in Breslau befindet. Bis zur Revolution gehörte« T, und W. der Kadettenanftalt Lichterfelde an.
f Die Festgenommenen sind gestern abend wieder entlasse« worden, da ihnen der angetretene Alibibeweis gelungen ist.
Der ehemalige Fähnrich Oltwig v. Hirsch- feld hat sich im Laufe des gestrigen Tages auf dem Polizeipräsidium eingefunden und ist hier sofort zur Mordsache Erzberger eingehend gehört Brettert. Nach seiner Beurlaubung aus dem Straf- ßefmiMis am 27. April 1921 hielt sich Hirschfeld seit Witte Zuni in Calmbach an der Enz auf. Am Tage der Mordtat will sich Hirschfeld ununterbrochen in Laimbach aufgehalten haben und von dort am 29. August nach Weimar abgefahren sein. Calmbach liegt nur etwa 35 Kilometer vom Tatort ent-
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Die 1. Goldmittiarde bezahlt.
Berlin, 30. Aug. In der heutigen Sitzung des Zentralausschusses der Reichsban? berichtete der Vorsitzende Vizepräsident v. Glasenapp über die Entwicklung der Ban! während der letzten vier Wochen. Er teilte mit, daß bje am 31. August fällige Milliarde Goldmark bezahlt sei. Er bemerkte dazu, es habe sich als notwendig erwiesen, aus den Goldbeständen der Reichsbank einen Betrag von 68 Millionen Mark in Golddollars und anderen ai-slän- dischcn GoldmüiHen herznzebeu, der sich aus dem Wege nach Rew Hort befinde. v 1 ■ ‘ ■
fang der oberschlesischen Frage notwendig sei. Wenn der Völkerbundsrat sich schließlich entscheiden sollte, eine besondere llntersuchungskommission nach Ober« schlesien zu entsenden, so müsse sich diese in der Hauptsache aus neutralen Delegierten zu-, sammensetzen, die allein in der Lage seien, an Ort und Stelle irgendwelche neuen Punkte, die et» wogen werden müssen, festzustellen. -
Das gefährliche Lied.
Oppeln, 30. Ang. Als am Sonntag Abend ein, Personenzug durch Komprachtschütz bei Oppeln fuhr, erscholl aus einem Abteil das Lied „Deutschland über alles". Die aus Franzosen bestehende Bahnbosswache feuerte darauf in das Abteil hinein. Ob iemand verletzt wurde, steht noch nicht fest.
Das Einfallstor des Bolschewismus.
Oppeln, 30. Aug. Die bolschewistischen Führe« entwickeln sowohl auf polnischer Seite, als auch auf der deutschen Seite in letzter Zeit rege Tätigkeit. Der Bolschewismus rechnet fest mit einem polnische» Einmarsch. Die Arbeit der bolschewistischen Führer besrebt in: Beyüustignug aller Unruhen, Schürnug und Verschärfung der Gegensätze, Herbeiführung von KiHchM. Das absolute Chaos müsse erstrebt werden. Dann sei in Obcrschlesien die Stunde gekommen, kir der das Proletariat zum entscheidenden Kampf aufgerufen werden könne, weil i« dieser Stunde das gesamte revolutionäre Proletariat in Mitteleuropa ausstehen und den russischen Bruder» die Hand reichen werde.
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Mahnungen des Berliner Polizeipräsidenten.
Berlin, 30. Aug. Der Polizeipräsident richtete an den Gewerkschaftsbund, an den GewerkschaffsrinL, an die S. P. D., U. S. P. und die K. P. T. folgendes Schreiben:
In den heutigen Morgenblättern rufen Sie zu Massendemonstrationen am Mittwoch den 31. August, nachmittags 41/. Uhr nach dem Lustgarten auf. Wie mir mitgeteilt wurde, wollest Sie durch Ihre Ordner den Aufmarsch so organisieren, daß (Störungen der öffentlichen Ruhe und Ordnung und eine Verletzung der Bannmeile verhindett werden. Erfahrungsgemäß erachtet rin Teil Ihrer Ordner jedoch seine Aufgabe mit der Heranführung der Demonstrationsteilnehmer nach dem Versammlungsort als erlebtgt. Da Sie mit der Teilnahme von Hundetttausenden rechnen, mache ich Sie darauf aufmerksam, daß die Zusammenballung derartiger Massen im Stadtinnern für die Beteiligten sowohl als auch für die öffentliche Ordnung eine schwere Gefahr bedeutet, trenn nicht nach Beendigung der Demonstration die Teilnehmer durch Ordner unter Vermeidung der Bannmeile in dir Wohnbezirke znrückgeleitet werden. Diese Möglichkeit ergibt sich ferner auch aus der ihnen wohlbekannten
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■ Berlin, 31. Aug. Zn preußischen Parla- hentsfreifen wird nach den Vorgängen der letzten tage, wie das „Berk. Tagsbl." berichtet, mit besonderem Nachdruck auf die Erklärung des Minister- käfibenten Stegerwald im Hauptausschuß des Preußischen Landtages hingewiesen, daß er einer Verbreiterung der Regierungsbasis durchaus sym- pathisch gegenüberstehe. Stegerwald hatte in prankfurt eine eingehende Aussprache mit dem «eichZkanzler Dr. Wirth und anderen führenden
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Zeitungsverbote.
Berlin, 30. Aug. Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 29. August verbot der Reichsminister des Innern das Erscheinen folgender Zeitungen auf 14 Tage: Das „Deutsche Abendblatt" (8 Uhr-Ausgabe des „Deutschen Tageblattes") Berlin, das „Deutsche Tageblatt", „Deutsche Zeitung", Berlin, das „Deutsche Wochenblatt", Berlin-Friedenau, das „Spandauer Tageblatt", Spandau, „Miesbacher 'Anzeiger", Miesbach (Ober-Bayern), „Völkischer Beobachter", „Völkisches Tageblatt", Spandau, „Münchener Beobachter", München, „Süddeutsche Zeitung", Stuttgart, „Hamburger Warte", Hamburg.
Wie die Redaktion der „Deutschen Zeitung" mitteilt, wurde ihr auf Anfrage beim Reichspressechef, Ministerialdirektor Müller, betreffend das Verbot der Zeitung erklärt, daß das Verbot nicht wegen eines bestimmten Artikels, sondern wegen der Ge- samttendenz des Blattes erfolgt fei.
Das Tragen von Uniformen.
Berlin, 30. Aug. Auf Grund des Artikels 48 der Reichsv^ffassitug ordnete der R-ichSpräsident zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheil und Ordnung für das Reichsgebiet an: Zum unbeschrankten Tragen von Militärunisorm sind nur die Angehörigen der Wehrmacht berechtigt Gtema ire A'-qe-öriqe der bewaffneten Macht, denen die Berechtigung mm Tragen der Mklitäruniform verl-ehen wurde, dürfen hiervon bis auf weiteres nur aus besondere« Anlässen Gebrauch machen, die der Reichskanzler bestimmen wird. Zuwiderhandlungen Nwrden mit einet Geldstra-e von 500 bis 10000 Mark bestraft und hoben den Verlust der Berechtigung des Tragens der Uniform zur Folge. Wer Militäruniform trägt, ohne daß ihm die Berecktti- gung hierfür verliehen ist ober nachdem er dieser Berechtigung gemäß Msah 1 verlustig gegangen ist, wird mit Gefängnis nicht unter einem Monat bestraft.
Aufhebung des Ausnahmezustandes in Mitteldeutschland.
Berlin, 30. Aug. Durch eine Verordnung des Reichspräsidenten vom heutigen Tage ist der Ausnahmezustand in Mitteldeutschland, soweit er noch besteht, mit Wirkung vom 1. September aufgehoben.
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Verhaftung Hirschfelds.
Serfitt, 30. Aug. Mehrere Blätter berichten gss Oppenau, daß die Spur der Mörder Erzbergers «efundsü ist. Im Gasthaus „Zum Hirschen" in Vppenau feien zwei Tage, nachdem Erzberger in Griesbach angekommen sei, zwei junge Leute in blauem Anzug eingctroffen, die dann täglich Ausflüge in den beschriebenen englischen Sportanzügen gemacht haben. Sie sind am Mordtage früh um ? Uhr fortgegangen und um 4 Uhr nachmittags zu- röckgekehrt. Dann haben sie ihre blauen Anzüge wieder angelegt und sind abgeresst. Der größere klonde soll ein verkrüppeltes, Ohr gehabt haben. Kuf dem gefundenen Papierschnitzel stehen Worte der Zcvtrumspartei aus Beuron. Im Kloster ycuron hat Erzberger einige Zeit beigewohnt.
B e ttlin, 30. Aug. In der Mordsache Erz- ierger «öchm die Abteilung In des Berliner Po- sizetpräsisiums wegen des Verdachtes der Täter- - toaft zwei junge Leute fest, namens T. und W. nach der bestimmten Bekundung einer Zeugin sott
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feriit Die Beschreibung, die von Augenzeugen über deu einen der in Griesbach erkannten Täter gegeben wird, trifft auf Hirschfeld zu. Unter diesen Umständen ist Oltwig v. Hirschfeld vorläufig i n Ha ft behalten worden, umsomehr als auch üue ttuswärtige Polizeibehörde den Verdacht einer Täterschaft des Genannten geäußert hat.
' S t ut tg a r t, 30. Aug. Wie von zuverlässiger Ceiteeberichtet wird, hat sich der Fähnrich v. Hirschfeld bis zum Sonntag bei einem Sägewerk in Calmbach im württembergischen Schwarzwald auf- gehalle». An diesem Tage ist er zu seinen Eltern Nach Bad Raumburg weitergereist. Am Mordtage selbst hat Hirschfeld Calmbach nicht verlassen.
* St ulina tf, 30. Ang. Kardinalstaatssekretär Gaspari feubte «n Auftrage des Papstes folgendes Telegramm tat Frau Erzberger: Der Heilig« Vater nimmt ob des dichlosen Mordes an dem vortrefflichen Manne, der von i» herzlicher Liebe für di« katholische Kirche erglüht«, herzlichen Anteil und bittet Gott inständig, daß er dessen Seele beS ewige Licht aufleuchten lassen möge. Er erteilt Dir Nbö Deinem Töchterchen in Liebe den apostolischen Segen, Welcher Dir in Deinem Lech ein unendlicher Trost sein
Berlin, 30. Auz. Der Reichskanzler bat sich V»>Beisetzung des Reichsministers a. T. Erzberger nach Bieberach begeben.
Die Mreile BMW.
Die Verordnung des Reichspräsidenten, aus die sich da? Reichskabinett in bemerkenswerter Schnelligkeit geeinigt hat, entbält Bestimmungen von einer Strenge, toi«; sie die alte kaiserliche Regierung mit iürem Belagerung«-. zustaich und der Zensur kaum kannte. Die Vcstin'.mungen' des Reichspräsidenten sind zudem außerordentlich dehnbar,; sl^aß di« aussührenden Organe völlig freie Hand haben.; Es braucht nur „die Besorgnis begründet^ zu erscheinen, daß Erörterungen stattfindcn, die zur; gewaltsamen Aenderung oder Beseitigung der Verfassung oder verfassungsmäßiger Einrichtungen des Reiches oder, eines seiner Länder, zu Gewalttaten gegen Vettreter der republikanisch-demokratischen Staatsform ufto. ausfordern. Auf diese Weise kann so ziemlich jede Versammlung- mißliebiger Art verboten werden-
Es entspricht durchaus den Wünschen weitester Volke- kreise, daß die Autorität des Staates mit allen Mittels gegenüber Störenfrieden und Unruhestiftern gewahrt wird.. Der der Verordnung des Reichspräsidenten vorausgeschickt«! Aufnlf der Reichsregierung richtet sich aber offensichtlich, ienx nach rechts. Wenn auch hier und da auf der rechtens , Hefte. ^Heißsporne (die mit den maßgebenden Parieikreise» sWÄtzl., nichts zut^haten) über das geboten« Maß der Krtttsi hinausgegaugen sind, so können diese Dinge i»; krjy:«r Weise mit den offenen Aufreizungen »um gewaltsamen Umstur», mit den Gewalttaten und Terror« pkten der LinksradiLalen in eine Linie gestellt koerden. Es waren doch nicht Angehörige der Rechtsparteien oder diesen Nahestehende, die der Reichswehr und Schuhpoliezl^ (also den Schützern der Deutschen Republik) blutige Gefechte geliefert haben, die mordeten und plünderten, die am Wassermrm in Essen Wehrlose abfchlachtetcn. Der Verkassung droht von einer ganz anderen Seit« wirklich Gefahr, und die Ermordung Erzbergers liefert jenen Kreisen nur die längst herbeigesehntr Gelegenheit, die Verfassung gewaltsam zu stürzen.
Die Vorgänge in Potsdam, Oranienburg, Halberstadt und allen jenen Otten, kvo Veranstaltungen militärischer oder nationaler Vereine von linksradikaler Seite gewaltsam gestört oder verhindett toorden sind, müßten der Reichsregicrung Fingerzeige sein. Sind wir schon so wett, baß die schwarz-weiß-roten Farben Anlaß genug zu Mafsenk'-rndgebungen und Ausschreitungen sind, während rote Fahnen unbehelligt gezeigt und getragen werden dürfen, daß Mannschaften des Reichsheeres, die ost genug für btt Erhaltung der Republik im Kampf gegen kommunistische Ausrührer und Mordüanden ihr Leben eing-setzt baten, sich nicht mehr au? der Straße blicken lassen dürfen, ohne mißhandelt oder totgeschlagen zu werden? Die Mahnung der „Nationalffv. Korrespondenz" ist wohl berechtigt, daß Reichskanzler Wirth und Neichsregicrnng, die in der Begnadigung verurteilter kommunistischer Ver- ürecher sehr schnell zu l-aadeln wüßten, die erforderlichen Maßnahmen ergreifen, nm zunächst aus sriedlichrm Wege, sonst aber, wenn es nicht anders gehe, mit Einsetzung^ der ganzen staatlichen Autorität für die Wiederkehr gevrd- neter Zustände sorgen. Di« „Nationallib. Korrespondenz" weist schließlich daraus hin, daß die Verfassung^ für deren Schutz die Sozialisten so eitrig Eintreten, genau vorfehe, was für Organe die Reichsregierung des Deut- scheu Reiches verantwortlich führen. Das seien Reichs- lag, Kabinett und Reichspräsident, Gewerkschaften und Parteiorganisationen, gehörten nicht zu diesen Organen. Wer die heutigen Zustände sehe, müsse zu der Ansicht kommen, daß nicht die verfassungsmäßigen Organe, sonder» unverantwortliche Organisationen das Heft i» der Hand haben.
Die „Deutsche Tageszeitung" betont, daß zum gewaltsamen Umsturz, daß zu Gewalttaten und Mord n ir g e n d to o in Preßorganen und in Versammlungen ausgefordert worden ist, die man mit rechtsstehenden Oppositionsparteien tn Verbindung bringen kann. Za Gewalttaten sei gerade in den letzten Tagen im ausgiebigsten Müße in der sozialdemokrattfcheu Presse ausge- sordert tvorden und diese Aufsorderungeu hätten in be» säuerlichem Umfang blutige prakttsche Erfolge gezeitigt. Wie das Blatt weiter mitteilt, erllärte ein Regiernngs-
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