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cmittluna der 1®»

Druck dec !luiv.-Buchdruckerei von Ioh. Aug. Koch,

Die Ermordung Erzbergers

hat

der

vor-

JRi'ntius eingim

die Versammlung möge nicht geschlossen

Friedens in die Welt hinauS-

ieettfn, ohne ein Wort bei

Es ist selbstverständlich, bet6 Erzberget als Unter« zeichnet der Waffcnstillstaudsbcdinguugen und Verfechter der unbedingten Erfüllung des Versailler Vertrages a!S bedeutender Staatsmann bezeichnet, daß sein Tod als schwerer Verlust empfunden wird und daß seine Gegner in Grund und Boden verdammt werden. Man weiß genau, daß ntä mit Angriffen auf dieMilitärpartei", dir Alldeutschen" und dieReaktion" ein williges Echo in weiten Kreisen des deutschen Volkes findet. Das braucht man i» Taris iinb London zur weiten Knebelung Deutsch« teatöä. Hufe die^beuttzHc Linksprcise HÜst dadei «jri-.

stigen Waffen, sondern mit Dolch und Revolver aus­gefochten würden. Wenn er morgen die erste Ministcr- sitznng eröffne, dann dürfe er int Namen der Versammlung wohl sagen, daß die Reichsregierung auf das Vertrauen deS katholischen Volkes bauen dürfe. Es gehe ein Gären durch uitser Volk; die Arbciterwelt, die Beamten und die Angestellten seien ausgebracht, und die Erregung sei ge­steigert worden durch den politischen Mach der letzten Tage. Tie großen Zentren der Erregung müßten sorgfältig beachtet werden, wenn wir nicht in ein neues Zeitalter revolutionärer Bewegungen hineinkommen sollten. Wir wollten aber alle unsere Kräfte einsetzen, komme was da wolle; kein Preis sei zu hoch, wenn cs gälte, ein Volk und Land wie das deutsche zu retten.

Sozialdemokratische Kundgebungen.

Frankfurt a. M., 28. Aug. Eine am Nach­mittag von der S. P. D., der U. .S. P. D. und der kommunistischen Partei Groß-Frankfurts gegen die Teilnahme verschiedener Ungarn an der Katholiken­tagung unternommene Kundgebung verlief ohne Zwischenfall. Am Bismarckdenkmal hielten Redner aller drei Parteien Ansprachen, worauf sich ein end­loser Zug mit den üblichen Schildern durch die Hauptstraßen der Stadt bewegte. Das Schumann- theater war vorsichtshalber mit einer starken Schutz­wache belegt.

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Marburg

MM, Den 29. AM .

Lrntirrg.

mittag anberaumten Einsegnung der Leiche Erz­bergers iner Kirche in Oppenau fanden sich u. a. ein: Der badische Staatspräsident Trunk, Reichs- vostminister Giesberts, die Mitglieder der badischen Regierung, fast alle Abgeordneten der Zentrums­fraktion des badischen Landtags. Die Bevölkerung des Hinteren Renchtalss war in großen Scharen her­beigeeilt, um dem Ermordeten durch Teilnahme an der Einsegnungsfeier die letzte Ehre zu erweisen. Zahlreiche katholische Vereine der näheren und wei­teren Umgebung sandten Abordnungen mit Fahnen. Als Vertreter des Freiburger Erzbischofs Dr. Karl Fritz war Domkapitular Weber anwesend. In feierlichem Zuge und unter großem Vorantritt wurde der Sarg vom Krankenhaus in die Kirche übergsführt. Eine unübersehbare Menge von Kränzen bedeckte den Sarg und füllte die Kirchen­räume. Die Einsegnungszeremonie nahm Dom­kapitular Weber vor, der dem Verblichenen einen herzlichen Nachruf widmete und ein Lebensbild des Verstorbenen entwarf. Nach der Kirchenfeier wurde der Sarg vor die Kirche getragen. Dort hielten Staatspräsident Trunk, Reichsminister Giesberts, Geistlicher Rat Schober, der Führer der batischen Zentrumspartsi und zahlreiche "enbere Tranergäste warme Nachrufe, die das Leben und Wirken des Dahingegangsnen würdigten. Dann wurde die Leiche wieder im Oppenauer Krankenhause auf­gebahrt, von wo sie in dis Heimat des Ermordeten, nach Biberach in Württemberg, überführt wird.

Beisetzung in Biberach.

Derlin, 28. Aug. Die Leiche Erzbergers wird nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, nach Berlin, sondern nach Biberach übergeführt, wie die Bei­setzung am Mittwoch in einem von der katholischen Kirchengemeinde gestifteten Ehrenarab stattfindet.

Die Wiesbadener Besprechungen.

Wiesbaden, 27. Aug. Die Verhandlungen zwischen Nathenau und Loncheur nahmen den größten Teil des Tages in Anspruch und wurden erst am späten Abend beendigt. Sie wurden zum Teil zwischen den beiden Ministern persönlich, zum Teil unter Be­teiligung der Referenten geführt, die sich zwischendurch zu rnchreren Sondersitzungen zusmnmenfanden. Die Verhandlungen gelangten heute abend zu einem grund­sätzlichen Abschluß. Das Hauptabkommen mit dem zilgehröigen Anhang bezieht sich auf die Sachleistunen für Wiederaufbau und deren Finanzierung. Die vier Neberulbkommen, welche die Zurückgabe von indu­striellem Material, der Lieferung von Vieh sowie beit Kohlenpreis betreffen, bleiben weiterer Verhandlung Vorbehalten, da wesentliche Unterlagen noch der Prü­fung bedürft», für welche er schöpfend es Material nicht zur Stelle war.

Berlin, 27. Aug. Im Hanptausfchnß des prru- ßisthrn Landtages widmete heute bei Sitzungsbeginn der Zentrmnsabgeordnete Nhiel ^Fulda^ dem An­

denken des ermordeten Abg. Erzberger einige Worte und verurteilte scharf das Verspreche«. Der Aus« schuß erhob sich' zu Ehren des Ermordeten von de» Sitzen.

Hannover, 27. Aug. Der Präsident des preußi­schen Landtages, Leincrt, richtete an die Frau be8 ermordeten Abg. Erzberger folgendes Telegramm: Mit tiefster Entrüstung erhielt ich Kenntnis davon, daß Ihne» Ihr Gatte durch die Hand seiger Meuchelmörder entrisse« Würbe. Ich verfehle nicht. Ihnen, hochverehrte Frau, und Ihrer werten Familie innigstes Beileid auszusprechen. Mit Ihrem Gatten schied ein vortrefflicher Mensch dahin, für die Republik ein hochverdienter Abgeordneter und Minister. Mögen Sie und Ihre Familie in dem tiefe» Schmerz Trost finden darin, daß weite Kreise des deutsche» Volkes trauernd an der Bahre Ihres Gatten stehen.

Weitere Beileidstelegramme sandten u. a. die württem- bergische und badische Regierung, die Deutsche Bolkspartei.

Erzbergers Nachfolger im Reichstage.

Stuttgart, 28. Aug. Nachfolger Erzbergerk ailf der Kandidatenliste der Zentrumspartei für btt Reichstagswahlen ist der Sekretär Joses Schuler ttt Ulm. Da dieser jedoch verzichtet hat, kommt als Nach­folger der würtiembergische Landtagsabgeordnete Grob in Betracht.

Massenkundgebungen am Mittwoch

Berlin, 27. Aug. DerVorwärts" teilt nutz daß Verhandlungen int Gange sind, um einen einheit- icherr Schritt sämtlicher gewerkschaftlicher Organisa­tionen bei der Regierung zu erwirken,damit sie alle staatlichen Mittel anivende, um derrcchtsbolsche- wistischen Hetze" den Boden zu entziehen. Woraus die politischen Morde der jüngsten Zeit und auch die Ermordung Erzbecgers entsprossen seien.

Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands fordert intVorwärts" für Mittwoch» 31. Aug., nachmittags 5 Uhr, zu Massenkundgebungen in allen Orten gegen den politischen Mord und für die Republik auf. Ebenso ruft das Zentralkomitee der un­abhängigen sozialdemokratischen Partei Deutschlands in derFreiheit" zu einer Massenaktion am gleichen Tage gegendas System des konterrevolutionären Meuchelmordes" und gegendie kapitalistische Aus­beutung und Bolksansplünderung" auf.

Der Widerhall im Ausland.

Wien, 27. Aug. Die» gesamte Presse steht unk« dem Eindruck der Ermordung Erzdergers, die als ausge­sprochen politisches Verbrechen betrachtet wird. Die Blät­ter verurteilen die Tat aufs schärfste und befürchten bin ernstesten Folgen nicht nur für den inneren Frieden, son­dern auch für die außenpolitische Lage Deutschlands.

London, 27. Aug. Dir Blätter veröffentliche» ausführliche Lebensbeschreibungen unb Abbildungen Erz« bcrgers. TieTimes" schreibt, es sei von besondere? Wichtigkeit, daß die Vereinigten Staaten engere Bezie­hungen mit Deutschland in dem gegenwärtigen Augenblick angeknüpft hätten. Tie Lag? in Deutschland sei kritisch. Die Ermordung Erzbergers sei ein Zeichen von übler Vorbedeutung, dessen Folgen nicht mißverstanden werden könnte«. Erzberger habe während des Krieges keine bewundernswerte Rolle gespielt, er sei aber auf jeden Fall für die Wiederherstellung Deutschlands durch loyale Erfüllung des Versailler Vertrags eingetreten.

Paris, 27. Aug. lieber die Ermordung Erzberg«- schreibt Jean Bainville in derAction Francaisc": »Erz« Berger hat sich in den Augen der deutschen Patrioten in« sofern schuldig gemacht, als er der erste Unterzeichn« der deutschen Niederlage getvescu ist und tvcil er Deutsch­land den Verzicht anempföhken hat. Erzlager stellte den Politiker der Ausführung der Politik des Reichskanzler- Wirth dar. Er war ein Freund des Reichskanzlers, ja e8 wirb sogar behauptet, daß er sein Ratgeber gewesen ist." DerMatin" schreibt:Das ist der 115. Mord, den dir- geheime Militärorganisation seit dem Waffenstillstand be­gangen hat. Die Methode richtet die Männer. Die deutsche Militärorganisalion bildet keine Partei, sondern eine Mörderzentrale." DasJournal" schreibt:Wir werden Erzberger nicht beweinen, denn er ist in düsteren. Stunden zu sehr unser Feind gewesen, als daß wir jemals Sympathie für ihn hegen könnten. Wir bedauern es nut für Deutschland, daß auf solche Weise Wieder eine» seiner bedeutendsten Staatsmänner verschwunden ist, der sich bemüht hat, Deutschland auf den Weg zum Frieden zu lenken."Petit Parisien" schreibt:Dieses neue poli­tische Verbrechen scheint eine Etappe der nationalistischen Reaktion zu sein, die jenseits des Rheines dwht."

den Auftrag erhalten, mit allen kriminalistischen Hilfsmitteln ausgerüstete Beamte nach Griesbach zu entsenden.

Karlsruhe, 27. Aug. Wie dieKarlsruher Zeitung" meldet, hat die Reichsregierung in Sachen - der Ermordung des Abg. Erzberger int Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit, daß es fich um einen politischen Mord handelt, für die Feststellung der Täterschaft eine Belohnung von 100000 Mark ausgesetzt. Für die Verteilung dieser Belohnung ist die badische Landes- polizei zuständig.

Berlin, 27. Aug. Nach einer Meldung der «B. Z. a. M." verfolgte die Berliner Kriminalpolizet bereits seit Anfang Juli einen jungen Mann, der im Gespräch mit einer Berliner Persönlichkeit geäußert hatte, et werde Erzberger aufsuchen und ihn über den Haufen schießen. Erzberget wat auf diese Aeuhetung hin von der Kriminalpolizei gewarnt und ihm geraten worden, bet Spaziergängen niemals ohne Begleitung menschen­leere Gegenden aufzusttchen.

Die Obduktion der Leiche.

Freiburg, 28. Aug. Bei der gestern nach­mittag erfolgten Obduktion der Leiche Erzbergers wurden im Körper sechs Geschoße gefunden und zwar int Kopf, int Hals, in der Brust und im Unter­leib. Zwei haben dsn Körper ganz und gar durch­schlagen. -

Nach beit gerichtlichen Feststellungen wurde Erz- berger zuerst durch einen Schuß in die Stirn der wundet. Die Täter Glaubten, da der Abgeordnete Diez bewußtlos zusammenbrach, ihn tödlich getrofskn zu haben, da sie nur beit schwerverletzten Erzberget ver­folgten. Die Mörder folgten Etzbetger eine Böschung hinunter und fanden ihn unter einer Rottanne Wieder. Dort haben sie dem Schwerverletzten weitere tödliche Schüsse beigebracht. Die Ansschußstellen haben große Löcher in den Hinterkops des Ermordeten gerissen, aus denen das Gehirn heranshängt. Die beiden Patronen­hülsen wurden iy_> Meter davon aufgesunden. Die Leiche ist unberührt geblieben. In Offenburg wurden zwei Individuen verhaftet, die beut Abaeorbneten Die; aegeniwergestellt würben. Sie haben jedoch mit der Tat nichts zu tun. Der Abgeordnete Die; ist gester» Slbend in seine Heimat abgereijt.

Ministerrat.

Berlin, 28. Aug. Unter dem Borfitz des Reichspräsidenten tritt am Montag vormittag 11

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109 000 c« Belohnung ausgesetzt.

Berlin, 27. Aug. Der Polizeipräsident

Aufruf des Zentrums.

Fraukfirrta.M., 28. Aug. Im Anschluß an den Katholikentag sand heute nachmütag eine Sondersitzung bet in Fraukurt anwesenden Vorstände der deutschen ften- truw.svartei unb der Reichstagssraktion statt, in der sollen­der Ausruf beschlossen Wurde: i

Mitglieder der Zenirumpariei! Der Abgeordnete Erz- bcrger ist einem ruchlosen Meuchelmord zum Opfer ge­fallen. Tieferschüttert steht die Zentrumspartei au seiner Bahn.. War doch sein ganzes Leben, seine Jugendkraft, wie sein Mannesalter .dem Dienste der Partei gewidmet. Wenige haben so rastlos unb hingebend gearbeitet im öffentlichen Leben Wir er. Erzberger stand im Vorder­gründe des politischen Kampfes. Und wie ist dieser Kampf gegen ihn geführt warben? Nicht mit ehr­lichen Waffen mit leidenschaftlichem Haß, auch mit Lug unb Verleumdung wurde die öffentliche Meinung ver­giftet und das Ergebnis War der gemeine Mord! Unb dir Folgen für unser gesamtes Volk! Verwüstung der politi­sche'! Sitten, Verfall jeder Ordnung und aufreibender Bürgerkrieg. Wir verurteilen jegliche Getvalt im Kampfe der politischen Meinungen, komme sie von rechts oder links. Wir verdammen den politischen Mord. Wir warnen und beschwören unser gesamtes Volk: Laßt ab von aller politischen Leidenschaft, von aller persönlichen Ver­hetzung, bannt den Geist, der solche Früchw zeitigt. Wer es gut mit unserem Volke meint, bet bewahre es vor inneren Erschütterungen, der trete ehrlich auf den Boden btt Verfassung, die das deutsche Volk und alle seine Stämme in freier Selbstbestimmung sich gegeben. Für Berfassnngsrämpfe ist heute weniger Raum denn je. Auf­bauende Arbeit sei der Wahlsptuch. Parteifreunde! Drs Grab Erzbergets darf sich nicht schließen, ohne daß wir in machtvoller Kundgebung diesen Gedanken Ausdruck geben. Tretet zusammen in allen deutschen Gauen, um laut und feierlich Verwahrung einzulegen gegen jeden Kampf mit vergifteten Waffen, gegen die verhängnisvolle Volksver­hetzung, gegen jegliche Gewalttat. Gelobt einhellig, treu ;.k stehen zur Ordnung und Veriassung, eingedenk unseres alten Wahlspruchs für Wahrheit, Recht und Freiheit.

Die Münchener Kundgebungen.

München, 27. Ang. Nach einem amtlichen Be­richt über die gestrigen KundgebuiiZeu wird die Gesamt­zahl der an den Kundgebungen Beteiligten auf min­destens 50000 geschätzt. Tie Versammlungen nahmen einen ruhigen Verlaus. Dem besonnenen Verhalten der Polizei ist c3 zu verdanken, daß es nirgends zu einem ernstlichen Zusammenstoß kam, obwohl Angehörige der S-icherheitspolizei wiederholt beschimpft und sogar tät­lich angegriffen wurden. Der Führer des republi­kanischen Rcichsbundes, der ehemaiize Solbatenrat Schmaltz, mußte wegen fortgesetzter Aufreizung gegen dir Polizei verhaitet werden.

Uhr der Ministerrat zusammen, der sich mit innerpolitischen Lage des Reichs befassen wirb.

Trauerfeier in Oppenau.

Oppenau, 28. Aug. Zu der für heute

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znMkltt Mililfldii.

Zwei Reden des Reichskanzlers.

Frankfurt a.M., 28. Aug. Die 61. Generalvcr- verfamnrluug der Katholiken Deutschlands Wurde gestern Nit einem Bcgrüßungsabend im. Palmengarteu eröffnet, ju dem sich außer mehreren hohen geistlichen Würden- trägrrn mich die Spitzen der städtischen Behörden sowie Reichskanzler Dr. Wirth und Ministerpräsident Ste- : Dttwald eingefunden hatten. Im Verlaufe des Abends «griff auch der Reichskanzler das Wort zu einer An­sprache, in der er unter Hinweis auf den Sonnenschein, her über den Flnrcn unseres Landes lagere und auf die gute Ernte dieses Jahres bedauerte, daß die Menschcn- jerzen in diesem wunderbaren Gotlesgarlen den Segen bjefer schönen Erde nicht zu würdigen wissen. Er müsse schon morgen wieder nach Berlin zurück, da die Regierung dort die Ltugen offen halten müsse, daß aus den Ercig- ; Pissen der letzten Tage nicht neues Unheil unserem Lande s «Wachse. Der politische Kämpfer müsse aus dem Staub ' der Niederungen heraus von Zeit zu Zeit, um inmitten i «hm Welt, die noch das Bindende über das Trennende ' steile, Trost, Ermunterung und Kraft finden in der Leberzcugung, daß über uns allen ein Göttliches schwebe. Die deutschen Katholiken haben nie nach einer politi­schen Machtstellung gegeizt, sie wollen nur stets dal>ci sein, das Rettungswerk des Vaterlandes zu vollenden. Dabei reichen sic auch Andersdenkenden die Hand. DaS ; deutsche Volk darf nicht zugrunde gehen, nur müssen die großen moralischen und religiösen Kräfte in den Dienst des Vaktrlandes gestellt werden. Die Katholiken Holmen ihre Arbeit dem Vaterlande auch unter der neuen L ktaatöform. Tas werktätige Volk Wird vom Geiste des Haftes, der Zwietracht unb der AuSöeuUmg ausgepeitscht. Deshalb bedarf cs fester staatlicher Autorität. ; Welt das deutsche Volk den Willen gezeigt hat, auch dem i gkinbs beim Wicbererrfbau zu helft», wie in Wiesbaden ' dtkhaubett wird, hat es auch Anspruch auf einen ordent- f Lchen Platz im Reiche der Völker. Der Reichskanzler i janb'..' bann die herzlichsten Grüße den Brüdern im rheinischen Gebiet unb in Oberschlesien und.er« M mahnte sie zum Festhalten am deutschen Vaterlaube. Wenn 1 nicht nach dem Recht und oer Selbstbesinnmnnli der I Koller entschieden werde, gehe Europa einem Zerfall E seiner Zivilisation entgegen, denn di: oüerschlcsische Frage F |ti zu einer Weltsrage geworden. Ter Völlcrbund habe r jetzt Gelegenheit, dem Selbstbestimmung-recht zum t Triumph zu verhelfen. Wenn die Grenzen des Vater- I knbc5 sestliegen, könne das Vaterland innerlich gerecht | imd in christlich-sozialem Geiste ausgebaut werden. Tie Katholiken müßten ein Beispiel geben, die politischen Ncinungsverfchicbenheiten in. christlicher Liebe auszufech- j kni. Beschwörend müssen wir, fuhr der Kanzler fort, die Hände erheben, wenn in den politischen Kämpfen dic l blanko Waffe aufblitzt und der Mord eingreift. (Stür­misches Psni ans der ganzen Versammlung.) Wir stehen schaudernd vor den Ereignissen der letzten Tage. Der Reichskanzler gedachte dann der verstorbenen Abgcord- Wk>t Gröber, Trimboru und Burla gc. Als Finanzmini- fre » olle er heute nicht sprechen, sondern nur als Kanz­ler, wenn auch gerade aus Frankfurt noch etwas für den s Wnanzunnister hcrauszuholen Wäre. (Heiterkeit.) Ten Sntholiken sei die Nation nicht der letzte erstrebenswerte iS.it, aber sie hegen doch den Gedanken, der Nation Ehre tob Freiheit wiederzugewinnen. Er wünschte der Ver- 1 stoimluug den besten Erfolg unb betonte, daß über allen Regeirsatzen der Gemeinschaftsgedanke stehen müsse unter , ( deru schützende« Dach des einigen unb des christlichen krli-veit Vaterlandes. (Lebhafter Beifall.)

Ain Sonntag Vormittag sand dann die erste geschlossen: ? Berfammlung statt, in der Geheimrat Held (Regens- feita) zum Präsidenten der diesjährigen Tagung gctväblt . wurde, während bet Vorsitz in der Parallcllversammlung tm Hippodrom dem Grasen Henckel vonDou ncrs- Marck zufiel. Zum Ehrenpräsidenten wurde Graf Droste zn Bischcring gewählt, zu Vizepräsidenten fcrt. Dransfeld und Oberbürgermeister Warwick- Nachen. Für» Löwenstein erstattete den Bericht des ! i tzeiitralkomiteeS. Nach einer Begründung durch Geheim« tat Pötsch lvurd: eine Entschließung in der römische« ! fcnige angenommen, tu der dem Verlangen Ausdruck ge- r tzcben wird, baß sich alle auf einem Wege finden möchten, bet zur glücklichen Lösung dieser Frage führe. Eine wei­sere Entschließung fordert alle Katholiken zur Unter« tzühnng deS Pctcrspftnnigs auf. Durch Acndernng der bisherigen Soßungen Wurde bestimmt, daß in Zukunft Mich Frauen vollberechtigte Mitglieder der Tagung fei;? können.

Am Nachmittag sanden zwei große öffentlich: Bcr- - femmlunaen im Schumanntheater und im Hippodrom - ficit. Beiden überbrachte Nuntius Pacelli die herz- - Lchsicn Grüß: de? Papstes, woraus cin'Huldigungstele- 6rr>n;m an den Papst abgcsandt wurde. Im Hippodrom «griff Reichskanzler nochmals das Wort zu länge« ttn Ausführungen, in der er auf die Schlußworte des

Amtliches DerkÜndigungsdiatt des Krches Marburg.

Anzeiger für (das früher kurheMche) Oberhefseit

Mruse«. Dem käme dir Versammlung gern nach. Das Allhol'fche Deutschland habe den Gcdankei! de.S Friedens ®ie aufgegeben. Tenischland wolle auch den letzten droschen hcrgcLen, die Ruinen in der Welt wieder auf- rukmuen. Ebensosehr müßte aber das Recht aus Leben, Dreiheit unb Gerechtigkeit für unser liebes deutsches Hatertaud betont werden. Die duitschen Katholiken HSi» ?ten nicht versagt. Wenn sie auf wichtige Poften berufen Morden wären. Sie seien aber berufen worden, als c3 -u Mt gsivefe« sei. Wahren müßte man sich aber da.- Wezen. mit alten Mütcln der Stoatsgetvalt, daß in Ützutschlaud die große« polftüchen Fragen nicht mit gei­