Amtliches DeMndigungsblatt des Kresies Marburg.
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Anzeiger für (das früher kurheffifche) Oberheffen
Di« „Oderhrisilchk Zciiun ' erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 1.75 Mk„ Lurch Lio Post 5.10 SKt. Ausgabe B mit „Oberd. Soort-Ztg." 1 M' mehr. b**i aussallenü» Nummern insslge Tlrelks oorr elementarer Ereignisse kein Ersatz. — Verlag von Dr. C. Hitzerottz. — Druck der Ilnio.-Buchdrmkerei von Joh.Aug. Koch, Markt A LS — Keenjprechrr 55, — Postscheikkonto: Frankfurt a. Mai«.
Marburg ÄMtzeiL dw 27. ilugnft Ernting.
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1921
Erstes Blatt.
M!ml ifl der NtWitzer MWW.
Der „aufreizend wirkende" Stahlhelm.
Chemnitz, 26. Ang. Die „Allg. Ztg." berichtet: ßti einer Hundertschaft der Chemnitzer Landespolizei ist vor eilligeu Tagen eine Meuterei ausgebrochen. .WS von der Hundertschaft verlangt wurde, zu einer sgugcfttzten Hebung außerhalb der Stadt den Stählte im aufzusetzen, traten sie mit dem Tschako au. Veueral Reichert, der der Uebung beiwohnen wollte, 'nstattete Meldung an den Ministerpräsidentcii Bnck- Wld dieser verfügte die sofortige Entlassung der LrrUe. Inzwischen sind an den zuständigen Stellen jkrrhandlnügcn eiugeleitet, um die Wiederindieust- firllung der Entlassenen herbeizuführen.
In einer Meldung des Chemnitzer Laudespolizei- kon-nandos an die Presse wird als GruÄd der Weigr- ‘ jwug einer Hirndertschast, mit dem StaWrlm auszu-- jtoa.i:, angencöen, daß der Stahlhelm bei der gesamten ,'Mamter.srhast unbeliebt sei, voeil er nach ihrer Archchi auf die Bevölkerung aufreizend wirke. Die Beamtenschaft Hal heute nach eingehender Aussprache Über die Angelegenheit mit großer Mehrheit eine Entschließung angenommen, in der es heißt: „Tas Ans- |f>ucr. der Beamtenschaft im Stahlhelm zu Hebungen wird von der Beamtenschaft von jeher als Provizierung Vi BevZtsernng empfunden, deren Folgen die Be- Mteuschaft nur selbst zu tragen hat. Die gespannte vi'.'fchcftlichc Sagt, die drohenden Kämpfe zwischen Aurernchv^ertlus und Arbeiterschaft lassen es gerade gepei-ärDisi Kttckmäßrg erscheinen, jede umlStze Pro- bozi. enng der Oefsentlichkeit zu vermeiden. Die Be-- .tzlml'uschast versteht es daher, wenn die Hundertschaft sich weigert," im Stahlhelm ausznrücken. Sie sieht Sie i.l Aussicht gestellre Entlassung der in Frage sklnmenden Beamten uub jede etwa beabsichtigte Maß- regel'.lng einzelner Kollegen als ungerechtfertigt au. Der Verband wird beauftragt, mit Nachdruck für diese L: ffafwng bei der Regierung einzutreten."
leragslH^oeimioen m M8M.
M ß n ch tu , 26. Ang. Zn den von den sozia- list.scben Parteien für heute einberufenen Protestver- sür.'N lnngen gegen die Teuerung ziehe:! seit den frühen Lbendstunden große Scharen in geschlossenen Zügen »ach den im Osten der Stadt gelegenen VersammlnngS- krkalen. Die Brücken werden durch Schutzpolizei fce-- wcchi. Bis 7 Uhr abends ereigne toi sich keine fische.chüllo. Der Polizeipräsident weist in üsfent-. licheir Anschlägen daraus hin, daß er alle Straßcn- kundgebuugen rücksichtslos unterdrücken werde.
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Die von der national-sozialistischen Partei im Münchner Zirkus „ftr»ne" eiuberüfene Versammlung nahm eine Entschließimz au. in der u. a. die bayerische Regierung ausgewrdert wurde, unverzüglich für Wucherer und Schieber iüc Tatze sstrafe einzufübren. Weiter wird gefordert, daß den Schiebern alles Schiebergnt ohne Ver- Dttung abo.Lnommcn werden soll und Notleideiche» zu- «esührt wird.
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Die Wiesbadener Verhandlungen.
Wiesbaden, 26. Ang. Die Verhandlungen zwischen Nathenau und Loucheur haben heute hör- mittag IC Uhr begonnen. In der Bormittagssitzung wurde nur die allgemeine Lage brspwchen. In der »rr. 3 Uhr nachmittags begonnenen z-veilen Konferenz wurden dir speziellen Fragen durchbeiaten. Die Brr-' haudunzen sollen bis morgen abend zu Ende geführt werden. ■ - : ...
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Die Danziger Eisenbahnen.
: 7 test gegen " :e Leberweisung an Polen.
Danzig, 26. Ang. Heute nachmittag fanden vier Zroße Protestversammlungen gegen den Raub der Danziger Eisenbahnen statt. In allen Versamm- lunaeu wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt: Die Entscheidung des Oberkommijsars, die die Verwaltung aller Vollspurbahnen der polnischen Eisenbahnverwaltung überträgt, bedeutet eine gröbliche Verletzung des Artikels 104 des Friedensvertrages und der Danziger-polnischen Konvention vom 9. November 1920 sowie eine schwere Vergewaltigung der ver- kasiüngSmästigen Rechte, der nationalen Selbständig- «ir und der wirtschaftlichen Interessen des Frei- Haates. Der Senat beschloß gegen die Entscheidung des OLerksmmissars des Völkerbundes vom 15. August 1921 in der Eisenbahufrage gemäß Artikel 3g der U-auziger polnischen Konvention einen April an den Bai des Völkerbundes zu richten, nachdem dir in den ^ien Tagen geführte» Verhandlungen zu einem be- i lügenden Ergebnis nicht geführt We» _ .
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Rückkehr der geflüchteten Deutschen. *
Berlin, 26. Ang. Zn den letzten Tagen find zwischen der Interalliierten Kommission, dem deutschen Ausschuß und dem polnischen Volksrat Abmachungen über Rückführung der in Oberschlesien während des Aufstandes geflohenen Personen getroffen worden. Danach wird eine planmäßige Rückkehr jetzt organisiert. Die Interalliierte Kommission wird ihrerseits in einem Aufruf an die Bevölkerung dazu auffordenr, daß diese Flüchtlinge keinen Belästigungen oder Gewalttaten ausgesetzt werden. Auch vom deutschen Ausschuß und dem polnischen Volksrat werden Maßnahmen getroffen, um Bedrohungen zu verhindern.
Die Ermordung des Majors Montaldgre.
T a r n o w i tz, 26. Aug. Vor dem besonderen Gerichtshof fand heute die Verhandlung gegen den. 20 Jahre alten Grubenarbeiter Leo Jofchke aus Nokeuitz bei »vathen statt. Der Lngeklagtr soll am 4. Juli in Beuthen den französischen Major Monta- legtc ermordet haben. Es wurden 23 Zeugen und 2 Sachverständige vernommen. Die Verhandlung endete mit der Verkündung folgenden Eerichts- befchlusies: Es wird die Vornahme einer sofortigen Leichenschau durch zwei Sachverständige und Aerzte unter Hinzuziehung eines deutschen Ee- richtsarztes angeordnet zur Feststellung des Kalibers, der Art des tödlichen Schußes und der Entfernung, aus der der Schuß abgegeben wurde. Verkündung des Urteils erfolgt am 30. August.
Deutsche Erfolge bei den Betriebsrätewahlen.
K a t t o w i tz, 26. Aug. Bei den Betriebsrätü- wahlcn auf der Gleiwitzgrube haben die deutschen Gewerkschaften alle 13 Sitze erhalten, während sie früher nur 7 Sitze hatten. Auf der staatlichen Grube Knurow hatten die Deutschen bisher gar keinen Sitz. Bei der Neuwahl haben die deutschen freien Gewerkschaften von 13 Sitzen 8 erhalten. Auf der Ferdinandgrube bei Kattowitz hatten die Deutschen früher zwei von elf Sitzen. Di« Neuwahlen brachten ihnen fünf Sitze, den Polen sechs. Die Ergebnisse sind umso bedeutungsvoller, als ein nicht unbeträchtlicher Teil der deutschen Arbeiterschaft noch nicht zur Arbeit auf die Gruben zurückkehren konnte.
Für das Verbleiben bei Deutschland.
Berlin, 26. Aug. Ebenso wie aus dem ober- schlesische« Kreise Rosenberg traf auch aus dem Kreise LnbNnltz eine Abordnung in BeiMt ein, W bet den hiesige« Enteillevertretungen vorgejprocheu Hat und für das Verbleiben des Kreises bei TeutftMenb ein» getreten ist. Bemerkenswert ist, daß mehrere Mitglieder Abordnung bei der Abstimmung am 20. Mürz ihre Stimme für Polen abgegeben hatten.
Die Tnippenverstürkungen.
' Paris, 26. Aug. Nach einer Havasmeldung hat Brtand gestern den Befehlshaber der interalliierten Truppen tu Oberschlesien General Nauny empfangen.
8 o n d o n, 26. Aug. Die beiden nach Oberschlesien gehenden Bataillone sind das erste Bataillon der Rvhal Munster-Füsiliere und das zweite Bataillon der Rohal Jmmisttlling-Füslltere.
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Weshalb der spanische Botschafter in Pari» ablehnte.
London, 26. Aug. „Daily Telegraph" zufolge habe Quinones de Leon nur ungern das Amt des Berichterstatters für den Völkerbund abgelehnt» nachdem er den Posten bereite angenommen hatte. Seine Beratungen mit dem König von Spanien und den» spanischen Kabinett hatten ihn dazu geführt, seinen ursprünglichen Entschluß aiifzugeb«. Der entscheidende Beweggrund für bte Aenderung seiner Haltung liege in Madrid. Laut „Daily Telegraph" sei es die Erwägung gewesen, daß, wenn Quinones de Leon eine Politik empfehlen sollte, die sich dem französischen Standpunkt nähere, Spanien beschuldigt weiden wüide, .Zugeständnisse Frankreichs bezüglich Marokkos zu suchen, während andererseits Spanien besonders im gegenwärtigen Augenblick keinerlei Wert darauf lege, die Gefühle der Franzosen zu verletzen. Dem „Daily Telegraph" zufolge könne jedoch auch der Grnnd für die Weigerung Spaniens darin zu suchen sein, daß Spanien, das seit Amerikas endgültiger Weigerung, dem Völkerbunde beizutreten, feine große Begeisterung für den Buüd an den Tage lege, unzufrieden darüber sei, daß ihm bei den Verhandlungen des Völkerbundes nicht dieselbe Stellung wie Frankreich und England ein geräumt worden sei. >
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Die Niederlage der Griechen.
Konstantinopel, 26. Aug. Nach de« lchten Meldungen aus Kleinasien über die jüngste« Operationen hat die Schlacht zwischen Gordin« und Mhalitschik auf einer Front von vierzig Kilometern stattgefunden. Sie endete mit einer Riedlage der Grieche». An der Brussafront sind die StDte Biledjik und Jeniköj van de» Türekn besetzt worden.
Erzberger ermordet.
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Karlsruhe, 26. Aug. Heute Bormittag wurde bei der Rlexandcrschanze bei Bad Griesbach im Renchtal ein Anschlag auf die Reichstagsabge- ordnetea Erzberger und Diez (Konstanz) verübt. Die beiden Herren hatten von Griesbach aus einen Spaziergang nach der Alrxanderfchanze (Kniebis) unternommen. Dort traten ihnen zwei junge Männer in bedrohlicher Haltung entgegen. Die beiden Herren suchten zu flüchten, es wurde aber Abgeordneter Erzberger von mehreren Schüssen erreicht und getötet. Reichstagsabgeordneter Diez wurde leicht verwundet.
Die Staatsanwaltschaft begab sich, wie die Presseabteilung der badisch^ Regierung mitteilt, alsbald an den Tatort.^ Die umfassendsten Maßnahmen zur Aufklärung des Mordes und zur Verfolgung der Täter sind eingeleitet. Der Eeneral- staatsanWalt ist selbst mit Kraftwagen mit der Kriminalpolizei von Karlsruhe aus an den Tatort abgereist.
Bad Griesbach, 26. Aug. Zur Ermordung des Reichstagsabgeordneten Erzöerger werden folgende Einzelheiten berichtet: Erzberger befand sich heute vormittag gegen 9 Uhr auf dem Wege vo» Bad Griesbach zur Alexanderfchanze am Kniebis. In feiner Begleitung befand sich der Reichstagsab- osrdnete Diez. Es sollen zwei Personen im SLiet von 25 Jahren als Täter in Betracht kommen, welche die beiden Abgeordneten von cinanber trennten und auf der Verfolgung den Abgeordneten Erzberger durch mehrere Schüsse in die Brust und den Kopf niederstreckten. Der Abgeordnete Diez wurde verwundet und liegt im Spital von Oppenau. Eine Eerichtskommissiou hat sich mit Polizeihunden an den Tatort begeben. Der Vorgang spielte sich in der 10. Morgenstunde ab. Mit Sicherheit konnte bereits festgestellt werden, daß kein Raubmord vorliegt.
Die auf Erzberger und Diez abgegebenen Schüsis erfolgten ans kürzester Entfernung. Diez wurde in die Schulter getroffen und sank zu Boden. Erzberger suchte Schutz in einer Böschung, wurde aber von den Mördern verfolgt und durch einen Kopfschuß getötet. Von den Tätern, die mit großer Kaltblütigkeit zu Werke gingen und sich vorher mit einem Straßenwärter unterhielte«, liege» genaue Beschreibungen vor, doch konnten sie bis jetzt nicht fest- geuommen werden.
Gegen Abend wurde die Leiche Erzbergers, nachdem die Gerichtsbehörde den Tatbestand ausgenommen hatte, nach Griesbach überführt und hier aufgebahrt. Erzberger weilte mit seiner Frau und Tochter seit acht Tagen zur Erholung in Griesbach.
Besprechungen mit den Parteiführern.
Berlin, 27. Aug. Gestern nachmittag versammelten sich die Parteiführer beim Reichskanzler zu einer Besprechung über den Zusammentritt des Reichstages, über die oberschlefische Frage, die Steuerfrage und den deutsch-amerikanischen Frie- densvertrag. Bei Eröffnung der Besprechung ergriff Reichstagspräsident Löbe das Wort zu einer Ansprache, in der er ferner Entrüstung über den feigen Mord an Erzberger Ausdruck gab und den Fraktionsfreunden des Ermordeten die herzlichste Teilnahme aussprach. Im weiteren Verlauf der Besprechungen kündigte der Reichskanzler eine Kundgebung der Regierung zu dem Mord an, sobald genauere Einzelheiten über die Tat vorliegen. ...
Beileidstelegramme.
Berlin, 26. Aug. Anläßlich des Anschlags auf den ehemaligen Reichsfinanzminister Erzberger richtete der Reichskanzler folgendes Telegramm an Frau Erzberger: „Ich erfahre soeben in tiefstem Schmerz den gewaltsamen Tod Ihres Herrn Gemahls. Zu dem grausam harten Schicksalsschlag, der Eie und Ihre Familie in dem verabscheuungs- würdigen feigen Meuchelmord an Ihrem Gatten bettoffen hat, unterbreite ich Ihnen meine innig''' Teilnahme. Gott möge Ihnen die Kraft geben, diesen schweren Schlag zu überwinden, der einem arbeitsreichen, dem Dienst der Allgemeinheit unermüdlich gewidmeten Leben ein jähes Ende be leitete.“
An den Abgeordneten Diez in Oppenau telegraphierte der Reichskanzler: „Die furchtbare Nachricht von dem fluchwürdigen Verbrechen, das ein feiger Meuchler an unserem Parteikollsgen begangen, hat mich tief erschüttert. Daß nicht auch Sie ein Lxfer der Mord bub en wurden, dazu be- >
glückwünsche ich Sie und wünsche baldige Genesung."
Der Reichspräsident hat an die Frau des ermot» beten Reichsministers a. D. Erzberger folgendes Beileidstelegramm gerichtet: „lief erschüttert durch die Nachricht von dem Verbrechen, dem Ihr Gatte zum Opfer fiel, spreche ich Ihnen meine herzlichst« Teilnahme aus. Möge Sie das Bewußtsein trösten, daß in lebhafter Entrüstung über die abscheuliche Bluttat weite Kreise des deutschen Volkes an Ihrs« Trauer aufrichtigen Anteil nehmen."
Namens der Reichsregierung richtete der Reichskanzler an die Witwe Erzberger nachstehendes Telegramm: „Auf die Kunde von dem feigen Meuchelmord, der an Ihre« Gatten verübt wurde, gedenkt die Reichs regteritng ehrend ihres ehemaligen -Kollegen. In ihrem Name« spreche ich Ihnen bie aufrichtigste Teilnahme an dem schweren und grausamen Verlust aus, den sie erlitten haben, und. gebe zugleich dem tiefste» Abscheu Ausdruck, den die Mordtat in ganz Deutschland erwecken muff.” ,
Pressestimmen.
Berlin, 27. Aug. Einstimmig sprechen die Blätter ihre tiefste Entrüstung über den Meuchelmord en Erzberger aus und fürchten schwere Erschütterungen für da? nicht zur Ruhe kommende deutsche Volk. Während in Beurteilung der Motiv? der Tat die Rechtspresse zur Vorsicht rät und die. endgültige Ausklärung des Anschlages ab- toarten will, sprechen die Bläiier von der „Gernmnia" bis zur „Nöten Fahiie" von einem politischen Mord. Dir „Germania" schreibt: Erzberger wußte seit langem, b<tr ihm aus dem Lager der Rechtsvarteien nach dem Lebe» getrachtet wurde. Auch das „B. T." erklärt, daß die Mordtat «n den Roch'chößen der Deutschnationalen hängen bleibe und fürcküet, daß die Rückwirkung auf die linksgerichteten Massen nicht ansbleibcn wird. Der „Dm- tuärts" schreibt: Die deutsche Arbeiterschaft wird sich gegen diesen FascismuS zur Wehr zu setzen wissen. Die ..Freiheit" fordert zum schärfsten Kampf gegen alle Faktoren auf, die den Mord an Erzberger aus dem Gewissen haben. Ein Ansiatz der mehrhcitSsozialiMcheu Korrespondenz beschuldigt die „Rechtsparteien von Helfse- rich bis Gothein" her Mcrdanstistung, kündigt eine neue Revolution an und behauptet, daß die Folgen der Ermordung Erzbergers katastrophal für Deutschland sein werden. Die „Deutsch« Zeitung" verdammt die Tat, hält aber für nicht minder verabschenungLwürdig bett Versuch, «n Beckrrchen, beffen Ursache» noch niemand kennt, als jämmerliche Parteiagitation auszunutzen. Tie „Kreuz- Leitung" ntewt, daß die VerdammungSwürdige Tat lebhaft an die Ermordung der beiden Bürgermeister im Walde bei Hest>elberg erinnert. Ter „Lokalanzeiger" hält es für sehr wahrscheinlich, daß «s politische Ueberlegung gewesen ist, dir diesen Schuß, den et ausS schärfste verurteilt, geführt hat, um einem neuen Aufleben des Erzbergerlchen Regimes vorzubeugen und weist baraukhin. daß diejenigen, die den Rechtsstaat Preußen-D-utschland 1918 in da? jetzige Gemeinwesen verwandelt, die moralischen Begrisfe verwirrt hätten, kein Recht hätten, den Sittenrichter z:r spiele«.
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Am gestrigen Tage ist der Abgeordnete. Erzberger er- mordet worden. Soviel bis jetzt bekannt ist, liegt ein Raubmord nicht vor, und da bereit? einmal ein Anschlag auf ihn verübt worben ist, denkt man auch hier an einen politischen Mord. Bevor man Näheres nicht n>eiß, sollte man eigentlich über diese Möglichkeit nicht sprechen. ES dürfte aber heute kaum eine Zeitung in Teutschland geben, die diesen Gedanken nicht als etioas Selbstverständliches betrachtete. Sollte «S sich bervahrheite», so kann man nur seinen Abscheu vor derartigen Tute« aus- sprechen und sie als ein Zeichen absoluter Begriffsverwirrung auch im deutschen Volke bewerte», die mir und seit der Revolution hier eingesogen ist. Die Revolution bat die blutige Beseitigung poMscher Gegner all eine Selbstverständlichkeit in die politische Moral eingeführt, und es ist ein eigenartiges Geschick, wenn diese Taten sich selbst gegen Leute wenden, die an der Revolution hervorragend beteiligt getvesen sind. Hier bewahrheitet sich ein alles Bibelwort. Solche Taten bleiben für jeden denkenden Mcnsche», mag tr Politisch Freund oder Feind sein, im Tiefsten verabschenung?tvürdig, und gleichzeitig pflegen sie einen Erfolg zu haben, der daS Gegenteil der gehegten Erwartungen ist.
Der nunmehr Verstorbene war einer der bekanntesten Parlamentarier in Deutschland. Bon Haus aus Bolks- schullehrer hat er sich durch eine schnelle Aufsassungsgabe und ungeheuren Fleiß zu einem der führenden köpfe im parlamentarischen Deutschland «nporgearbestet. Leute die ihn kannten, rühmten sein enormes Wisse« über alles, daS ihn irgendtvie interessierte. Unterstützt von einem riesenhafte« Gedächtnis wußte er für seine Gedanke« überall schnlll Bresche zu schlagen. Zudem fiel eS ihm leicht als Mitglied der einjlußreichen Zentrumspartei ix den Kreisen der Regierung Eingang zu finde«. Da kam der Krieg und mit ihm der Ausstieg Erzbergers zur Macht, lleberall wurde er gebraucht, uni» er schien unentbehrlich; damit wuchs sein Selbstbcwußtsein, und er sand Gegner, nicht zum wenigsten in seiner eigenen Partei. ES ist hie» «iM &£ £d. die gsuze, nach us#cu$ Ansicht verderb«»-!