Amtliches BerkündigwgMatt des Kreises MaLurg.
Anzeiger für (das früher kurheffifche) Oberheffen
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Die „Oberhessische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 4.75 Mk., durch die Post 5.10 Mk. Ausgabe B mit „Oberh. Svort-Ztg." 1 Mk. mehr. Für ausfallende Nummern infolge Streits ooer elementarer Ereignisse kein Ersatz. — Verlag vonDr. C.Hitzeroth. —Druck der Univ.-Buchdruckerei von Job. Aug. Koch, Markt 21,23 — Kernsprecher 55, — Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
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Meur Erhöhungen der Poft- und Eifenbahntarrfe?
Berlin, 24. Aug. Die gestrigen Verhandlungen zwischen den Regierungsvertretern und den Beauftragten der Beamteilorganisatianen und der Gewerkschaften, bei denen der Reichskanzler rvie- ,herum den Vorfitz führte, haben zu feiner Einigung geführt. Der Reichskanzler erklärte ■in einer kurzen Ansprache, daß die Regierung sich die Forderungen der Gewerkschaften nicht in allen
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Punkten zu eigen machen könnte. Um den Abbruch der Besprechungen zu vermeiden, erklärte der Reichskanzler schließlich, daß er heute die Be- ßlrechungen in der Reichskanzlei forizusetz.'n Wünsche, und daß er zu dieser Sitzung die Fraktions- führer des Reichstags laden werde.
Weiter wird gemeldet:
Tr. Wirch erklärte: Ti« Forderungen der 65etöerl= fchsftcn würde eine Mchrbelastuug von 14 Mittiardrn betragen. Außerdem erforderten die Gehaltswünsche »es Deutschen Beamtenbundcs 16 bis 18 Milliarden jährlich. Weder für die eine noch für die andere For- »ernng fei Deckung vorhanden. Sie würde den Kak sehr ivesentlich belasten. RerchsverkehrZmülister Krüner sprach über die Verhältnisse bei den ReichS- ,ist« bah neu. Zwar feien die Einkünfte aus dem Per-
- tzegaugeü. Deshalb habe man im Reichsverkehrsmini-
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inen ungedeckten.Fehlbetrag von über zwei Milliarden
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Mark. Nur Erhöhung aller Post-, Fernfprrch- und Tetegvphengebühren im Behältnis I : 10 sei notwendig. Ein Brief soll eine Mark kosten. Tas Personal müsse alles tun, tun den unhaltbaren fi'nanzi-
firrmm bereits an eine neue Tariferhöh nng gedacht, die sich auch wohl kaum umgehen lasse.
° «nute und Arbeiter müsse intensivste Arbeit leisten f n-id es sich int Interesse des Staates gefallen lassen, das; seine Arbeitskraft voll ausgenutzt werde. Geheimrat Aühnemann vom Reichsfinanzministerium teilte mit, dast die Regierung bereit sei, einen Ausgleich der Tetterttngsznschlägc für die fünf Ortsklassen vor-
s znnehmen und zwar derart, daß die Differenz zwischen der Ortsklasse A und D anstatt 15 Prozent, loie bisher, in Zukunft 10 Prozent betragen soll. Dagegen stl! brr Forderung auf gleichmästige Erhöhung des Gehaltes für alle Beamten nicht zugestnnmt werden. Tie Mzierung sei dagegen bereit, die einzelnen Teue- rLngZznschlägc bei den verschiedenen Ortsklassen um je 15 Prozent zu erhöhen. Man sei weiterhin bereit, die Ctuiidenlöhite der Arbeiter sofort gleichmäßig um 0.55 Mark zu erhöhen. Die Kinderzuschläge sollen bei der Ortsklasse Ä von 150 Prozent auf 175 Prozent, bei B und E auf 150 Proz., bei der Ortsklasse D und E aus 125 Proz. erhöht werden.
Diese Vorschläge der Regierung wurden voit sämtlichen Vertretern der Beamten und Arbeiter als un- iureicheud bezeichnet. Schließlich einigte man sich «ms einen Kam pro miß Vorschlag, der eine gleichmäßige Zulage von 20 Proz. vorsteht, jedoch bestimm' daß die in Ortsklasse E eiitgestuften Beamten ^uehmbaren Ausgleich zugefichert bekommen.
• t|:cn, 23. Aug. Der Verband der Berg- arbetter Deutschlands, der Eewerkverein christlicher Bergarbeiter Deutschlands, die Polnische Berufs- Dcreinigitng, Abteilung Bergarbeiter, und der Es- werkverein der Fabrik- und Handarbeiter Deutschlands erlassen einen Aufruf an die organisierten Bergarbeiter Deutschlands, in dem darauf hin- gewiesen wird, daß die Verhandlungen vom 19. August noch kein Ergebnis gezeitigt haben, daß aber alles aufgeboten werde, um die Lohnbewegung »u einem erfolgreichen und schnellen Abschluß zu bringen. Der Aufruf schließt mit der Mahnung, </) nicht voreilig in Putsche und Arbeitsniederlegungen einzulasien.
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«1. QU In gleichem Name« bewgten,sich' die Äusfithrungen Werbet l-'bks ReichspöstmitrEers Gieslbert. Die Poft habe
|6V. ■ fonenverkehr befriedigend, dagegen wären die Ein Ivl* i nahmen aus dem Güterverkehr ganz wesentlich zurück-
- bSM ? eften Verhältnissen ein Ende zu machen. Jeder Be-
Reichstagssitzung Ende September.
Berlin, 23. Aug. Ter Reichstag ermächtigte Tn feiner letzten Sitzung vrm 7. Juli den Präsidenten die nächste Vollsitzung aus den 6. September anzu- fcerautncr, für den Fall, daß bis dahin die Beratung der Aeuergesetze in allen vorbereitenden Instanzen erfolgt sei. Da die Steuergesetze den hierzu berufenen Körperschaften zur Zeit noch zur Beratung vor- liegen und da die oberschlesische Frage, auf bereit Eitt- ftheidung man noch im August gerechnet hatte, durch den Obersten Rat vertagt tourbe, so hat ber Reichstags- Präsident nach Fühlungnahme mit den Fraktionen Lnd der Reichsregiernng die Einberufung des Reichstes aufgeschoben. Als Termin des Zusammentritts N LLSAchr der 27. September vargefehen.
Sh Mlttbmdmit.
Quinones de Leon lehnt ab.
Paris, 23. Aug. Nach gewißen, aus Madrid hier eingetroffenen Nachrichten soll Quinones 'e Leon das ihm vom Vicomte Jfhij gemachte Anerbieten, als Berichterstatter des ausführenden Rates des Völkerbundes in der oberschlesischen Frage zu fungieren, zurückgewiesen haben.
Die Ablehnung ist vermutlich darauf zurückzu- führen, daß die spanische Regierung nicht darauf eingegangen ist, die Haltung ihres Delegierten in der oberschlesischen Frage mit der Möglichkeit eines spanisch-französischen Abkommens über gewiße Aktionen in Marokko, als desien Befürworter und Verfechter Quinones de Leon angesehen wird, zu verknüpfen.
Der „Zntransigeant" glaubt mitteilen zu können, daß anstelle Quinones be Leon der belgische Delegierte Hymans gebeten werden wird, das Referat zu übernehmen.
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London, 23. Aug. Reuter meldet aus Madrid, daß die öffentliche Meinung in Spanien irgendeinem Eingreifen Spaniens in der oberfchle- ischen Frage ablehnend gegenüberzustehen scheine.
London, 23. Aug. Der Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt: Trotz der in Paris ausgedrückten Zweifel fei es vollkommen klar, daß der Völkerbundsrat in der oberschlesischen Frage sich von einer Körperschaft von Juristen und Sachverständigen leiten lassen müße.
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Zer ZMeOl! M MM FMMtte.
Deutsche Bitte um Beachtung der Polizeivorschriften.
Berlin, 23. Aug. Wie die Blätter vou zuständiger Stelle hören, bat die deutsche Regierung wegen des Vorfalles am Bahnhof Friedrichstraße, wo französische Soldaten sich den Anordnungen der Schutzpolizei widersetzten, den französischen Te- schäftstrüger in Berlin, die französischen Heeresan- gehörigen in Deutschland anzuhalten, in Deutschland die geltenden Polizcivorschriften zu beachten und die von den deutschen Behörden getroffenen Anordnungen zu berücksichtigen.
8or einer Mften MM.
Madrid, 23. Aug. Berichte aus Melilla laßen vermuten, daß die Offensive unmittelbar bevorsteht. Die spanischen Kommißare hoffen, daß die Truppen und das Material für dieses Unternehmen ausreichend sein werde. Außerdem erwarten sie Verstärkungen.
Madrid, 23. Aug. Dem Oberkommissar tn Spanisch-Marokko, der dem neuen Ministerium seinen Rücktritt angeboten hatten wurde das Vertrauen der Regierung ausgesprochen. und die nötigen Vollmachten erteilt. Die Truppentransporte nach Marokko werden im ganzen Lande fortgesetzt und vollziehen sich unter- patriotischen Kundgebungen des Volkes. Auch der Radikale Lerraux tritt für die Fortsetzung des Marokkounternehmens ein.
„Diario Universal^ will wissen, daß die Anführer der Ryffkabilen, Aw el Krim, an der Spitze sehr starker Streitkräfte gegen Navor vorrücke.
----♦---- , " Die griechischen FriedenMingungen.
Weiterführung des Krieges.
Athen, 23. Aug. Auf eine Anfrage bezüglich der Nachricht, daß die verbündeten Regierungen bei der griechischen Regierung einen Schritt unternommen hätten, um die Absichten Griechenlands bezüglich der Frtedensbedinguugen zu erfahren, erklärte Gunarts, daß er diese Nachricht weder bestätigen noch dementieren wolle. Nichtdestoweniger werde Griechenland den Krieg weit er führen bis zur völligen Verwirklichung der erstrebten Ziele. Die Friebenssorderungen Griechenlands seien gemäßigt, ben neuen Opfern, bie dem Lande auferlegt worden feien, angemessen, Griechenland würde vor allen Dingen eine Grenzlinie verlangen, die ihm volle Verteidigung zu Lande sichern würde.
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Atben, 23. Aug. Laut Heeresbericht erreichten die griechischen Truppen auf ihrem Vormarsch in Kleinasien den Sangarios (Sakharia)-Fluß. — Mit der feindlichen Kavallerie lam cs zu unbedeutenden Scharmützeln.
Paris, 23. Aug. Havas meldet aus Athen, das; man amtlich erklärt, das; die von einer Schweizer Zeitung verbreitete Nachricht, wonach der ehemalige Deutsche Kaiser einen Glückwunschbrief an den König Konstantin anläßlich der Siege der griechischen Armee in Kleinasien gerichtet haben soll, vollständig unbegründet sei.
Einberufung des Preußischen Landtags.
Berlin, 24. Aug. Wie die Blätter von zuständiger Stelle erfahren, wird der Preußische Landtag am 28. September zusammentreten.
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Berlin, 23. Aug. Vom 25. August ab werden von Mainz aus Verstärkungstruppen für Oberschlesien durch Deutschland transportiert und zwar sind auf Ersuchen der Verbündeten Vorbereitungen getroffen für den Transport von zwei Bataillonen Engländer, wofür vier Züge bereit gestellt worden sind, und einer Brigade Franzosen, bie in 16 Zügen nach Obcr- schlcsien gebracht werben sollen.
Die Transporte laufen die Strecke Mainz—Bischofsheim—Frankfurt a. M.-Süd— Hanau-Ost—Flieden- Gerstungen — Weißenfeld — Sagan — Liegnitz — Brockau—Karlsmarkt—Oppeln. Täglich werden vier Züge gefahren. Tie Bevölkerung ber von ben Transporten berührten Gebiete wird zur Vermeidung von unliebsamen Zwischenfällen darauf hingewiesen, daß es im allgemeinen Interesse liegt, diesen Transporten keinerlei Schwierigketten zu bereiten.
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Der WeMhkttMWS in Neu-Mn.
Berlin, 23. Aug. Die Blatter melden über dcn polnischen Eisenbahnerausstand aus Warschau, da« er im Posener Dircktionsbezirk allgemein ist, während im Pomerellener Bezirk nur ein Teilansstand bestehl. Die polnische Regierung nahm von der Militarisierung der Eisenbahn vorläufig Abstand, da man durch die Anwendung dieser Maßnahme eine Verschärfung der antizentralistijchen Stimmung in den früheren preutzi- scheir Gebieten befürchtet. Das Posener Generalkommando beruft auf Befehl des Kriegsministers die Jahrgänge 18-82 bis 1892 der dortigen demobilisierten und beurlaubten Eisenbahntruppen ein.
Danzig. 23. Aug. Der polnische Eisenbahnerausstand in Posen und Pomerellen fetzte heute früh ein. Ter Bahnhof Karthaus wurde militärisch besetzt.
Anhalten von Lcbensmittcltranöporten.
Paris, 23. Aug. „Ncwyork Herald" meldet aus Warschau, daß die polnischen Arbeiterverbfinde eine Propaganda zugunsten der Schließung der polnischen Grenzen für die Ausfuhr von Nahrungsmitteln ins Werk setzen, um den Abfluß zu großer Sendungen nach Rußland zu verhindern. In Cholm wurde ein Eisen- bahnzug mit Nahrungsmitteln von polnischen Eisen- batznbeamten angehalten und mehrere Wagen abge
koppelt. DiL Polizei verhaftete ein paar Dutzend Eisenüahnbcamte und tourbe deswegen von den übrigen Beamten angegriffen. Sie erwiderte mit Schüssen' und verletzte mehrere von den Angreifern. Schließlich mußten Truppen herangezogen werben.
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Aus Avignon zurück.
Ludwigshafen, 23. Ang. Gestern finb 33 von ber französischen Regierung begnadigte deutsche Kriegsgefangene aus Avignon hier angetommen und unter starker französischer Miiitärbcdeckung nach ber Bahnhofswirtschaft verbracht worden, wo sie verpflegt und nach einem halbstündigen Aufenthalt ebenfalls wieder unter militärischer Bedeckung nach Mannheim befördert und dort dem deutschen Komitee für Kriegsgefangene übergeben wurden. Die Leute sahen gut genährt aus, was sie aber nach ihrer fast einstimmigen Angabe nur ber Unterstützung durch bie deutsche Regierung verdanken. Wie die Gefangenen weiter erzählten, seien noch tlngesähr 80 Kriegsgefangene, darunter 69 Deutsche, einige Oesterreicher, Bulgaren und Türken, in Avignon. Bei den hier an- gekommenen Gefangenen sind einige, bie wegen Vrot- diebstahls auf btt Flucht mehrere Jahre Gefängnisstrafe erhalten hatttn.
Frankfurt a. M., 23. Aug. Wie dem Delegierten für Rückwanderung, Koch, durch rin Telegramm aus Paris mitgeteUt wird, sollen in nächster Zeit weitere dreißig zurückgehaltene Kriegsgefangene aus Aviguon-Cuers-Ayny in die Heimat entlassen werden.
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England.
Das Ergebnis der letzten Volkszählung.
London, 23. Aug. Die amtlichen Zahlen über die letzte Volkszählung vom 19. Mai ergeben für England und Schottland eine Bevölkerung von 42 767 530, davon 20 430 823 männlichen Geschlechts. Bei der Volkszählung im Jahre 1911 zählte die Bevölkerung 40 754 147. Im Jahre 1921 beträgt bie Einwohnerzahl Londons 4 483 249, toährenb sie 1911 4 721 635 betrug. Birmingham, bie zweitgrößte Stabt Euglanbs, zählt 919 438 Einwohner.
Unruhen in Indien.
London, 23. Aug. Einer Reutermelbung zufolge haben Aufttänbifche in ber Provinz Mabras die Telephon- und Eisenbahnlinien auf ber sübinbischen Bahn unterbrochen. Es lam zu Zusammenstößen mit Militär und Polizei. Zwei Offiziere und zwei Poli
zisten iverden vermißt. Mehrere Postämter wurde« geplündert. Ein Sonderzug mit Truppen und Polizei ist nach dem Schauplatz der Unnihen abge- gangen.
Die Lage in Mefopoiamie«.
Loudon, 23. Aug. Bei der Bekanntgabe der Krönung des Emir Feisal zum König von Mesopotamien teilte das brittsche Kolonialamt mit, baß bie Behörden mit der politischen Lage Mesopotamiens vollauf zufrieden sind. Die Herabsetzung ber britischen Garnison-Stärke könne daher rascher vorgcnom- men werden, als ursprünglich geplant war.
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Bor Abschluß eines Sonderfriedens.
t* Berlin, 23. Aug. Der endgültige Friedend- schluß zwischen Deutschland und Amerika steht nunmehr unmittelbar bevor. Schon seit längerer Zeit sind zwischen dem amerikanischen Gefchäststräger in Berlin Elli- Dresel und dem deutschen Re.chsaußeumimstcr Dr. Rose« die vorbereitenden Verhandlungen gepflogen worden. Dadurch, daß deren Grundlage weniger politischer als w i r V schriftlicher Natur war, wurden von vornherein erhebliche Schwierigketten <ru?getäumt. Diese hätten sich ergeben müssen, wenn die seinerzeitigen Meldungen gewisser amerikanischer B'ätter richtig gewesen wären, wonach auch Amerika ein Bekenntnis Dentschlands zur alleinigen Schuld am Kriege als Voraussetzung für den Abschluß eines Frieden? fordern würde. Das war nicht ber Fall, vielmehr bewegten sich bie Verhandlungen auf der Basis der Schaffung eines H a n« delsvertrags zwischen Deutschlatch und Amerika. Die deutsche Reichsregierung hat selbstverständlich bei allen in Betracht kommenden Fragen sich des Rate? der maßgebenden Wirtschaftspolitiker sowie ber berufenen Vertreter aus Jrchustrie, Handel und Gewerbe bedient, Tie Besprechungen mit den Parteiführern, die der Reichskanzler in der letzten Zeit mehrfach hatte, dienten nicht allein der oberschlesischs« Frage, sondern vor allem auH den zwischen Amerika und Deutschland schwebenden Wirt- schafkSverhandlungen. Die Rechtsparteien, mit betten ebenfalls in diesen Dingen engste Fühlung genommen worden ist, tonnten sich um so mehr mit diesen B'cr- Verhandlungen mit Amerika absiudeu, als, wie erwähnt, alle politischeit Tinge beiseite gelassen waren. Es war notwendig, daß der Reichskanzler eine möglichst breite parlamentarische Grundlage für diesen Vertrag sich im voraus sicherte. Denn es ist von einem erheblichen außenpolitischen Getoicht, mit welcher parlamentarischen Mehrheit dieser Vertrag zustande kommt. Nun ist c8 aber nicht möglich, ein derartiges Mkominen zwischen zwei Mächten zu treffen, die, wenn auch nur noch formal, miteinander im K r i e g s z u st a n d stehen. Deshalb wird als Vorbedingung für den demnächst abzuschließenden Handelsvertrag ein Sondersriebe zwischen denbem den Mächten geschlossen werden müssen. Nach Lage der Dinge sowohl in Amerika wie in Deutschland stehen der endgültigen Ordnung all dieser Fragen keine größeren Hemmnisse mehr im Wege.
Im Zusammenhang mit diesen Verhandlungen sind noch fine Rrihe weiterer wichtiger Einzelfragen zu lösen. Es handelt sich zunächst um die beiderseitige offizielle Vertretung. Wabrscheinlich wird man für? erste von der Bestellung diplomatischer Persönlichkeiten ab» sehen und Handelsmissionen einrichten, an deren Spitze Geschäftsträger stehen werden. Die Umwandlung der Geschältsträgerämitt in offizielle Botschasterposten wird nach Beregelung der noch schwebenden Fragen ton» statten gehen können. Vom deutschen Standpunkte aus ist als beionbets »oichiig diejenige Klausel in der amerikanischen Friedensentschließung anzufehen, wonach to? deutsche Eigentum so lange von den Vereinigten Staaten ei «behalten wird, „bis die Rechtsnachfolger der kaiserlich dentschen Negierung alle amerikanischen Ansprüche befriedigt haben". Hier ist der kritischste Punkt. Man kann aber hoffen, daß die Ingaugfetzung ber iuirt- schafilichen Beziehungen beider Länder allmählich rincr immer größeren realpolitischen Auffassung Platz macht nub daß dann fine Epoche in dem Verhältnis zwischen Deutschland und Amerika abgeschlossen toitb, an die sich so viel Unftgen für unser Vaterland geknüpft hat.
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Die neue Polizeistunde.
Berlin, 23. Aug. Der preußische Minister bei, Innern, Dominicus, richtete an bie Regierungspräsidenten und ben Polizeipräsidenten von Berlin einen Erlaß, wonach die Polizeistunde nach folgende« Grundsätzen fesizusetzf» ist:
1. Vergnügungsparks, sogenannte Rummelplätze, sind mit Einbruch der Dunkelheit zu schließen. ES bleibt den Ortspolizeibedörden iedoch überlasien, eine' Verlängerung bis %11 Uhr eintreten zu lassen. 2. Für Theatervorstellungen und Lichtsplelvorfützrunge« Ist die Polizeistunde spätestens aus %12 Uhr festzu« setzen. 3. Kaffee-, Gast-, Speise- und Schankwitt» schäften sind spätestens um 12 Uhr, Sonnabends um 1 Uhr zu schließen. Den Ortspoltzeibehörden In größeren Städten und Badeorten sind berechtigt, Bet nachgewiesenem dringendem Bedürfnis die Polizeistunde auch für die übrigen Tage bis 1 Uhr auszu- dchnen. In besonders gearteten Einzelfällen, beispielsweise für Wohltäiigkeitsveranstaltungen, können Ausnahmen, jedoch keinensalls über 2 Uhr hinan?, gestattet werden. Die Neuregelung soll mit dem 1. September in Kraft treten.
Das preußische Ministerium des Innern wandte sich in einem Rundschreiben an die Länder mit der Bitte, im Sinne der Aussprache im Reichsrat auf ein, möglichst einheitliche Ausgestaltung der Polizei« stunde durch sämtliche Länder Hinwitten zu wollen.