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DaS freigebige England.
London, 16. Aus- Havas meldei: Nach den Berichten des mit der Prüfung der Staaisavrechnunge« betrauten Ausschusses hat die britische Regierung den Verbündeten und den Tominions sehr beträchtliche Schenkungen gemacht, so an Kanada mehrere Kriegsschiffe mit voller Ausrüstung und außer« dem Flugzeuge, ferner an Griechenland SO Flugzeuge und Ersatzteile für weitere 25 Flugzeuge. In den Be- richten heißt eS, eS fei ein ernster Fall, daß Kriegsschiffe der Kriegsmarine verschentt worden feien, ohne daß das Parlament darum befragt worden sei. Auch habe man noch nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes der po l n i s ch e n Regierung Lebensmittel im Werte von 2 Millionen Pfund zum Geschenk ge- machr. Den russischen Truppen habe man Bor- ritte im Werte von über 7 Millionen Pfund geschenkt «nd ferner Barzahlungen von etwa 6 Mill. Pfund.
DaS Mandat über Palästina.
London, 16. Lug. Die .Times" zufolge soll das Mandat über Palästina Großbritannien anvertraut werden.
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Tannenberg-Gedenkfeier.
Ludendorff Ehrendoktor der Universität Ssnigsberg.
KSnigsberg, 15. Aug. Auf die von der staatsbürgerlichen Gemeinschaft veranstaltete Tannenberg- Gedenkfeier antworteten die Linksparteien mit einer Maffenkundgebung gegen den Krieg. Einerseits zogen Tausende mit roten Fahnen heran, anderseits mar- sthierren Tausende mit schwarz-weiß-roten Fahnen unter Führung des Freiherrn v. G a y l, der Ostpreußen tm Reichsrate vertritt, auf. Kriegervereine, Studentenverbindungen und Schulen waren vertrete«, ebenso Abordnungen der Reichswehr und Bertreter einer Torpedobootsftottille. Bei dieser Feier hielt General Ludendorsf, dem am Abend vorher ein studentt- fcher Fackelzug dargebrachi worden war, und der von der Universität KSnigsberg zum Ehrendoktor der Medizin ernannt worden war, alS Bertreter Hindenburgs eine Ansprache, in der er unter anderem sagte:
, .Ich -weifte nicht daran, daß hn Kampfe um die Ostmark das Schickfal unseres Baterlandes früher oder später entschieden werden wird; wenn diese Stunde kommt, dann denken Sie daran, was uns bei Tannenberg den Sieg gebracht hat: Führerwille, Lerirauen zur Führung, Manneszucht und Todesmut. Je größer die Not, um so enger schließen wir «ns um das fchwarz weiße Danner zusammen. Stolz bekennen wir uns zu unserem geliebten Preuße«. Wir find Preußen und wollen Preußen sein."
I Er kannte keinen Mann namens Lämmermeyer, und seine Schulden hatte er alle bezahlt, damals
I mit dem Selbe ....
I Er blieb stehen und fuhr sich mit dem Taschentuch I über die schweißbedeckte Stirn. Wirklich — alle? I Mußte «r denn immer daran denken? Sich Tag I und Nacht in Sorge quälen? Es wüßte doch niemand I darum! Könnt: nnmand wissen .. .
Oder doch? Was anders war denn soeben in den Augen dieses Geschäftsleiters gestanden als die Drohung: Ich weiß es und kann dich verderben, wenn ich will!
Aber nein! Wissen konnte er nichts. Vielleicht ahnen, erraten, kombinieren — aber wissen nicht! Und da mußte man ihm eine glatte Stirn zeigen ... Es war schon richttg gewesen, daß er sich nicht hatte einschüchtern lassen im ersten Schreck und Frau Kreibig? Geheimnis preisgab! Das hieße ja zu der rinün Schuld noch eine zweite legen, wen« er entgegengebrachtes Vertrauen täuschte! Das wvftte er nicht. Schlimm genug, daß er einmal gesehtt ....
Wieder blieb er stehen, fuhr sich über die Stirn und blickte verstört um sich. Es war inzwischen finster geworden, unb er wußte nicht, wie lange er da ziellos hrrumgelaufen war, in den Gassen erst, unb dann zwischen Feldern und Wiesen.
Wo war er denn eigentlich? Eben toolüe er seine Taschenlaterne aufflammen lassen, um sich zu orientieren, als er gegen einen Zaun stieß und gleichzeitig in geringer lHntfernung Stimmen hörte, die aufgeregt durcheinander sprachen oder fragten, während jemand leise weinend, kaum vernehmbar antwortete.
Dazwischen stampfte ein Pferd. Nun wurde eine Haustür zugemacht, ein Wagen, der offenbar Menschen gebracht hatte, kehrte um und fuhr langsam davon. Die weinende Stimme war verstummt.
Dafür sagte eine Männerstimme: „Na ja, das war doch' vorauszuschen! Und jetzt könnten wir uns schon langsam um rin neues Quartier umsehcn, Frau Hücker. Denn der Hof wird wohl baü> in fremde Hände kommen."
,L der tausend! Sie glauben?71 antwortete eine scharfe Frauenstimme. „Daß die den Hof verlausen werdend
^Küissen, FvaulHücker, müssen! Wie soll er sich denn halten lassen ohne Herrn und Fran? Was glauben Sie wohl, wieviel die Advokaten, die jetzt I die Verteidigung führten« noch übrig lassen weäen I
Eröffnung des irischen Parlaments.
England — eine „auswärtige Macht".
Dublin, 16. Aug. Das irische Parlament wurde heute unter gewaltigen Kundg-duirgen der dichtgedrängten Volksmassen eröffnet. Den irischen Führern Wurden begeisterte Huldigungen dargebracht. De Va lera führte tn feiner Rede au5, nur auf Grundlage der «nerkennung der Republik könne die Regierung mit einer auswärttgen Macht verhandeln. Wir stehen fest bei diesem Grundsatz, erwiderte de Va- hero, und sind bereit für ihn zu sterben, falls es nötig ist.
In chrigen Ortschaften nm Rhein sind neue Br- fatzungstruppen eimruariieri worden, so iu Hüls bei KrrieL 1 Bataillon belgischer Infanterie kommen. Wie 1 Bataillon französischer Jnsautcrie. Ferner soll nach Krefeld 1 Battaitton belgischer Infanterie kommen. Wie verlautet, sind die Truppen dazu bestimmt, um im gegebenen Augenblick nach Oberschlesien abkransportiert werden zu können. Weiter such in Krefeld verschiedene Besichtigungen größerer Säle vorgenommen worden, die den Schluß zulassen, daß noch, weitere Einquartierung folgen wird.
Der Reichstagsabgeordnete Dr. Qua atz <D. Dpi.) hat, gemeinsam mit dem Reichstngsabgeordneten Adams, folgende Anfrage an die Reichsregierung reichtet: .In meiner Anfrage vom 26. Juli habe ich um Auskunft über die Maßnavmen gebeten, die die Reichsregierung gegenüber den Verfuchen der sraii-
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Aus dem besetzten Gebiet.
I Mainz, 16. Ang. Zu dem Artril des fran- \ Lösischen Kriegsgerichts vom 13. August wegen Nicht- enmdbung einer Versammlung, in br politische Themata behandelt worden seien, wird mitgeteilt, daß cs sich bei den Verurteilten nicht um ben Versitzenden unb den Geschäftsführer der Deutschnationaleu VvlkSpartei in Wiesbaden handelt, sondern um ben Vorsitzende:-, und Geschästssührer der Mesbadener Ortsgruppe des Deutschnationalen HandlungSgebilsen-BerbandeS.
Mainz, 16. Aug. Im besetzten Gebiet werben gegenwärtig Truppenübungen in größeren Brr- düvchen abgehalten. Die rheinisch-pfälzischen Garnisonen hatten ihre FeBrjenstübungen aus dem ehemaligen deutschen Truppenübungsplatz bei Nitsch, die rheinischen Kegi- menter aus dcr Wiuahauer Heide ob.
Mainz, 16. Aug. Die Arbeit ist heute von den Buchdruckergehilfen wieder ausgenommen worden. Auch In Wiesbaden und in Worms ist die anfängliche Neigung der Gehilfen, dem Beschluß des TartfamiS nicht Folge zu leisten, nicht durchgedruttgen.
Frankfurt a.M., 16. Aus. Aus Griesheim wurde der , Krauts. Zeitq." berichtet, daß infolge mangelhafter Verficht bei Scharsschftßübimgen «ms dem Truppenübungsplatz durch die französische Besatzung ein Schuljunge von einem verirrten Geschoß Betroffen snt> em Schenkel verletzt wurde.
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Politische Tagesnachrichten.
Der Deutsche Kriegerbund fordert die Gegenliste Die Schlußsitzung des 37. Abgeordnetentages d-si Deutschen Kriegerbundes beschäftigte sich mit dem Am trage des Koburger Kriegerbundes, bei der Reichsre- gierung darauf zu dringen, daß die baldige Veröffent. lichung der Gegenliste der Kriegsverbrecher erfolge, Generaloberst v. Heeringen erntete, daß dieser Antrag vom Präsidium mtt allem Nachdruck verfolgt wird.
An der Gedenkfeier des ehemaligen bayerischen In- fanteric-Lribregiments nahmen 4000 auswärtige »Leiber- teil. Kronprinz Rupprecht und Generalfeld- marschall Prinz Leopold wohnte« dem Gottesdienst bei. Bei der Abfahrt hatte sich eine unübersehbare Menge vor der Kirche versammelt, die vor allem den Kronprinz mtt elementarem Jubel begrüßte. Beim Festabend tm Münchener Bürgerbräu hielt Oberfl Epp, der letzte SoKmmandem des Regiments, di« Festrede.
Fremde Agitatoren i« Thüringen. Wie das Staatskommiffattat für öffentliche Ordnung mtitelit, bewabrheitet sich daS Gerücht, daß Radek in Thüringen sei, nicht. Es scheint sich jedoch eine Anzahl ausländischer Agitatoren in Thüringen herumzutreiven. Soweit festgestellt wird, daß sie sich mit falschen Pässen in Deutschland eingeschnmggett haben, werden sie anS- gewiesen.
Verlängerung der Polizeistunde. Die Bundesrats- Verordnung über die Erfparnisie vo« Brennstoffen und Beleuchtungsmitteln, wodurch die Polizeistunde im Reiche auf spätestens eiuhalbzwölf festgesetzt wurde, wurde durch Kabinettsbeschinß aufgehoben. Die Polizeistunde wird grundsätzlich auf 12 Uhr festgesetzt, jedoch solle« einzelne Ausnahmen gestattet fein. Ueber die Art und den Umfang dieser Ausnahmen schwebe« noch Aerhandlungen mit den Ländern.
Bei der Beratung des Gefetzemwurfes über die Entsendung vo« Betriebsräten tn de« Aufsichtsrat von Unternehmungen hat sich der sozialpolitische Ausschuß des Reichswirtschaftsrates laut .Vorwärts" für Anerkennung der Betriebsratsmitglieder als gleichberechtigte Mitglieder des Aufsichtsrates ausgesprochen und im übrigen die Regierungsvorlage über die Zahl der Arbeitnehmervertreier mit unwesentlichen Aende- rungen angenommen. Der Gesetzentwurf wird nunmehr dem Reichstag vorgeiegt.
Georg v. Schönerer +. Wie die .Deutschöster- reichische Tagesztg." meldet, ist am Sonntag auf seinem Gut Rosenau in Riederösterreick! hn 80. Lebensjahre der frühere Reichsratsabgeordnete Georg v. Schönerer gestorben, der als Begründer und langjähriger Führer der Alldeutschen Partei tm politischen Leben der früheren Monarchie eine hervorragende Rolle gespielt hat.
Der sozialdemokratische Parteitag Wird auf Sonntag, 18. September nach Görlitz elnOentfcn.
60 000 Flüchtlinge in Konstantinopel. Rach einer Meldung des .Autransigeont" an? Konstantinopel trifft eine immer größere . ahl von Flüchtlingen aus den von den Griechen besetzten Gebieten Kleinasiens
ein. Augenblicklich befinden sich 60 000 Flüchtlinge ittu Konstantinopel, deren Elend groß fei. Man befürcht« i die Einschleppung von Cholera und Best. 2 Cboleia- fäöe seien bereits festgestellt worden, weShalb die Schutzimpfung der gesamten Bevölkerung mit dem Rnticholerasernm beschlossen worden ist.
Serbische Riederlage in Albanien. Lavas ifttzldek^ aus Skntari, daß die Miriditennach Westen vorgerückt swd. Sie drohen die Verbindung zwischen Sttt- tari und Tirana abzuschneiden. Die serbischen regulären Truppen mußten flüchten. Es wurden Freiwillige nach Slutart geschickt. Auf die Nachricht vou der Niederlage der serbischen Truppen meuterte auch ein Stamm tn der Nähe von Puchy.
Berhafttmg polnischer Spione.
Berlin, 16. Aug. Wie die „Bossische Zeitung" aus Breslau meldet, haben Beamte der Breslauer Staatspolizei in Schweidnitz ein Nest politischer Agenten ausgenommen, die nicht nur in Oberschlefien.
Sos Wirniis bom Srinhietio!.
f[' Roman von Erich Ebenstes«.
'(Urheberschutz 1918 durch ©reiner «. Comp-, Berlin W. 80)
37. Forifchmtg.
Bride Männer starrte« sich mÜ funkelnden Augen an. Unb in beider Blick züngelte neben verhaltener Erbitterung etwas wie Augst und Schreck empor.
Baumeister March verließ mifatmend Fra« Krribis Zimmer, nachdem er mehr als zwei Stunden dort unter vier Augen mit der Besitzerin des Sonnen-Hotels gesprochen hatte.
Endlich war tä ihm gelungen, die Sache durchzu- ! setzen! Und das beste von allem schien, daß ihr . Bruder nichts damit zu tun habe« sollte
Den« dieser Mensch....
March hatte sich unten im Eprisesaal ük rine Ecke gesetzt, stützte ben Kops in die Hand und versank in Nachdenken.
Natürlich. Er begriff riß ganz gut, daß Frau Berta endlich daS herrische Gebaren ihres Bruders satt hatte und fort wollte. So war ihnen nun beiden geholfen. In einem Jahr konnte das nette Hotel oben auf der Kreuzhöhe fertig fein. Tann zog sie hniaus unb gab die „Strane71 hier in Pacht, und der Geschäftsleiter konnte sehen, wo er blieb. Der
I würde Augen mache«, wenn er wüßte ....
Aber bann geht er wohl überhaupt triebet fort ans der Gegend, dachte March weiter, und wir find ihn los. Ich brauche {einen spürenden Blick nicht mehr zu ertragen und feine katzenfalsche Freundlichkeit und....
Er fuhr auf, beim ohne daß er es gewahr geworden wäre, war Balenttn plötzlich an den Tisch getreten und begrüßte ihn lächelnd. Gleich darauf erschien Rosa und brachte eine Flasche Wein und zwei Gläser. „Ich habe ihn bestellt. Sie müssen sich doch stärken77, erklärte der Geschäftsleiter freundlich ,Menn man so lange verhandelt . .. unb gewiß nur ernste Geschäfts jachen, bann muß einem ja die Kchle trocken Werben.®
Als March schwieg, fuhr er fort: „Run wann beginnen wir denn zu bauen?®
f J „Wer?"
„Berta, Sie und — uh naÄrlich! Wer denn s fcnft?“
Ein Sozialdemokrat über die Getreidezwangswirtschaft.
Der Vorsitzende des sozialdemokratischen Land- «detterverbtmdes. der Reichstagsabgeordnete Georg! Schmidt, f(treibt in Nr. 33 des „Korrespondenz-! blattcs des Allgemeinen Gcwerkfchaftsvundcs":
.Das Umlageverfahreu ist weiter nichts als eilte Kulisse, um die nun tatsächlich eintretende freie Wirt- fchaft zu verdecken . . . Man löse die Reichsgcireide- stelle recht bald auf, und die Regierung soll die Mittet die bisher für die Bewirtschaftung des Getreides auf’ gewendet wurden, dazu verwenden, am aus dem Auslände dafür Getreide einzutansrn um mit diesem AuSlan'ogetreide im freien Verletzr verbilligend zu wirken. ES ist doch nicht nur die Reichsqetreidestelle, die große Kosten verursacht, sonder» in jedem Landratsamt, ja in jeder Gemeinde sind Personen beschäftigt bei der Getreidebewirtschastuna und der Drottartenverteilung. Allein die Broikar- tenhersteklnng kostet erhebliche Summen. Man muß diesen Tatsachen fest ins Auge blicken und der breiten Masse des Volkes sagen, das; ihr Verlangen, nun den Brotpreis künstlich niedrig zu halten, leider nicht mehr erfüllt werden kann ... ES ntag nicht angenehm fein, derarttge Wahrheiten ausznsprechen, aber es ist dies notwendig, um das Volk vor der Illusion zu bewahren, daß es jetzt noch möglich sei, den Brotpreis künstlich ittedrig zu halten."
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Elchen Truppen zu» Unterdrückung der iMentlickto Meinung ttr Düsseldorf und Umgebung ergrisfen bat Eine Antwort ist hierauf bisher n i a t erfolgt. In, zwischen sind neue Ausweisungen bon Redakteure« ^ und Zeitungsverbote in den französisch besetzten @5 bieten erfolgt. Die Erregung über diese Vorfälle itr der rheinischen Bevölernng wächst, zumal bisher nichts darüber bekannt geworden ist, war die deuttche Regierung zum Schutze der MetmmgSäußerungen der Bevölkerung in den besetzte« Gebieten zu tun gcd- Jch bitte deshalb wiederholt, um Mitteilung bw üder.E - 4 ’ r
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Balenttn lachte, rückte näher heran unb sagte vertraulich: „Ach, gehen Sie, Herr Baumeister, das wäre ja «och schöne^ wenn Sie vor mir Geheimnisse hätten!" <'•
„Ich habe keine Geheimnisse .. . .”
Der Geschäftsleiter sah ch« plötzlich fest an und murmelte: „Wirllich nicht, Herr March? Können Sie mir darauf Ihr Wort geben?71
„Zum Kuckuck, was gefjen Sie meine Geheimnisse an? Kümmere ich mich um bie Ihren? So vertraut sind wir doch nicht . . . .”
„Nicht? Aber es könnte doch immerhin fein, daß ich etwas von Ihren Geheimnissen erraten hätte!"
„Tann hüten Sie sich, baß ich nicht auch bie Ihren errate unb . . . ihnen weiter nachforsche.71
Dann fuhr sich March über Vie ©rirn, erhob sich und griff nach feinem Hut.
„Wohin wolle« Sie?" fragte Valentin wie erwachend.
„Fort. Sie begreife«, daß es mir kein Vergnügen sein kann . . .."
„Ah bah — Sie werden mir doch nicht im Ernst ilbelnehmen, wenn ich mich um die Angelegenheiten meiner Schwester bekümmere, wie es mein Recht und meine Pflicht ist? Frauen find in Geschäfts suchen Unbedacht, unb ich muß daher wissen, waS sie im San hat.7"
„Machen Sie dies mit Ihrer Schwester persönlich «uS,B sagte March. Ich bin kein Zwischenträger und jafce ihre versteckten AuShvrcherrien satt. Deriri Ting? entspreche« nicht meinen Begriffen von Ehre unb Anstand.77
„Setzen Sie suh nur nicht so auf< hohe RoA Herr March! Glauben Sie, ich hätte Ihr Erbleichen vorher nicht bemerkt, ÄS von — Geheimnissen bie Rebe war?"
leitet nur einen halb drohendriß halb verstörten Blick I liefet nur einen halb drohendes halb verstörten Blick j ■ U und verließ daS Lokal.
Draußen dämmerte eS bereits fiart und dn kühler Regenwind schlug Marsch ins erhitzt« Gesicht als er planlos die «Avaße entlang rannte. I
Eim treibende Unruhe erfüllte ih«. Scho« fett gestern erfüllte sie ihn, alS er, für rinnt Lag heim- dirtnb, von feiner Frau erfahren hatte, es sei ein rember Mensch bagewesen, der sich ^Lämmermeher" nannte unb I
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SR*: ./Eit sollen ibn nickt buben, den freien deutschen Rhein" aus den Ringbüchern der Schulen entfern! werden soll. Der Antrag wurde damit begründet, das die Völkerversöhnung und die internationale friedliche Verständigung unserem Volke und insbesondere der Jugend einzuprügen seien, damit uns Gerechtigkeit utt> Wohlwollen von unseren jetzigen Feircke« zu Teil werde »trenn sie sehen, daß wir ganz friedlich sind und ans Grundsatz nicht mehr an Huß unb Vergeltung ben’en. Ach- diese Toren! Cie sehen nicht ei« unb wollen nick! riMchen, daß nicht Schwärmerei, nicht Sktcnlbmti=3 Zrcht ewiger Friede, nicht Milde unb Unterwürfiglei-, N'-ch t Redensarten unb Theorien diese harte Welt rrgie- sren, sondern nur die Mach t. Wer keine Macht hat, Hal !ttin Recht! Die^ Leute vom Verständigungsfrieden vor ^-Kriegsende und die Manner des repubiikamschen Deutsch-. jlandS haben beide den gleichen Fehler begangen, der in, furchtbar unheilvoller Weise bis heute gewirkt hat und noch weiter wirken wird, ©te gedachten, mit demokratisch-pazifizWsch-ssozialistischen Traumbildern einen .günstigen, nachsichttgen, gerechten Frieden zu erreichen und hoffen auch heute noch auf dir Wunder der Bölkerver-- ‘föbnung, die doch in der nackten Wirklichkeit nur Maskerade und Theatermache sind. Nichts anderes! Wer jetzt, «sch fast dreijähriger Versklavung Deutschlands durch den Machtwillen der Feinde immer «och nicht einsteht, baß e5 auf dieser Welt überhaupt fein Recht gibt, das nicht auf Macht beruht, der ist unbelehrbar unb bem ist über» hüi-vt nicht mehr zu helfen.
WaS sollen wir vom vaterländischen Standpunkte 6115 duzn sagen, wenn die sozialistische Seite der Königs- bcrger Stadtvertrettrng den Anttag durchgefetzt Hot, daß von der Feier des ErinneruugstageS der Ählacht von Tannenberg und der Befreiung Ostpreußens au5 dem Rnsftn'och abgesehen werden soll, um ,chas Vol! nicht zum Haß zu schüren und nicht zur nationalen Ge- stnr.nng zu verleitert"? Maximilian Harden, von i Saits ans landfremd, to-ill Nordamerika bereisen und ' „vbft-rvnsöhneudr71 Reden halten. Er hat Jdcalge- ,st-'ckten wie Hölz, den Mordbrenner aus Sachsen und : Thüruigru, als hochgemute Bertreter drS internationalen , Proletariat? gefeiert. Muß da nicht das Ausland mit verächtlichem Spott auf uns sehen unb zur Heber- ' yucung kommen, daß einem Doll, das so wenig aus toter» ! läijöiftf: Würde unb Ehre hält, alles geboten unb zuge- • «rttet werden kann? Wir möchten es glauben.
; Nein, der Weg zur Rettung und zur Erhebung de? , L..ttrlaude2 gebt auf anderen Bahnen. Wir müssen uuS selbst und namentlich der Jugend dir wahnsinittge Torheit vom Völlerfricd«« und von der international» . tMsiftiistisch-sozialistischen Lehre aus dem Kopse schlagen. Wir unb unser Nachwuchs müssen einftheu lernen, daß »ns nur eines retten und in die Höhe bringen kann, f «Smlich die Umkehr zur alten deutschen Mannhuftigkctt, znm deutschen Kampfestrotz, »um Gehorsam, zur Selbst- t picht unb zum Ehrgefühl. Dann werden die Feinde : früher ober später Oe« freien, deutschen Rhein nicht
von des Alten Geld? Nichts! Denken Ne baß ich's gesagt habe: in einem Jahr ist bei Brintnerhof auf her Gant."
March, her jedes Wort gehört hatte, lehnte schwer atmend am Zaun. ,
„Jesus Maria," murmelte er, ,^>a bin ich hergc- raten — gerade da her!"
Und er wollte wie rin scheues Wich, das Gefahr wittert, davonrilen. Aber da packte ihn Plötzlich jemand, ben et in seiner Aufregung gar nicht kommen gehört hatte, am Kragen, unb zog ihn mit ei;entern Griff dem Hause zu.
„Warum erschreckt Sie benn das so sehr, Mann, >aß Sir wie Espenimtb zittern?77 fragte Bastl, der allein zu Fttß eben von der Station kam.
„Herr — Cchwaigrriter — Sie!'7 stammelte March bebend.
„Ah, Sie kennen mich? Wer aber sind beim 'Sie?1 March schwieg. Die Kchle war ihm tote zugeschnürt. ! Lilleuslos ließ er sich vorwärts ziehen. Basil stieß die rückivärtige Haustür auf. Eine kleine Flnriampe erhellte ben Borraum. Im Schimmer derselben ließ Bastl March los. Er hatte ihn erkannt.
Wortlos starrten sie einander an. Dann richtete ich March auf und sagte mit rauher Stimme: ..Was btt das heißen? Was wollen Sie von mir?'1
„Auskunft über bie Wortes bie Sie vorhin draußen vor sich hinsprachen! Warum flößt Ihnen der Brintnerhof solchen Schrecken ein? Erinnert er Sie vielleicht an eine gewisse Nacht, wo Sie Weib unb Kind vergessen haben und nur Geld auftreiben wollten, damit Sie Ihre Schulden los werden konnten?"
Tie Worte waren ihm wider Willen entfahren. Im Innersten erschüttert durch das vor wenigen Stunden gefällte Urteil und noch ganz int Baun der 'chrecklichen Eindnicke, war er heimgekehrt, während Toni unb Marei in Wien übernachten wollten, um die Verurteilten am nächsten Tage im Gefängnis auf- zusuchen. Schmerz unb Scham drückten ihn so tief zu Boden, daß er ben Brintnerhof auf Umwegen von rückwärts zu erreichen trachtete, nm nur niemand z« begegnen. In dieser Stimmung stieß er auf ben Mann, brr seit Wochen seine Gedanken beschäftigte und an dessen Schuld er kaum mehr zweifelte.
Da verließ ihn alle Besinnung, und er schleuderte n jene Worte ins Gesicht.
- sFortftining fclgt.)
Keine EeLreidecn-sfuhrbeschränkung! Die Spanier in Marokko, in ^U-Pörn. I Reine Aufgabe Nordmärvkkos.
Ablehnung der bayerischen Forderung. I Madrid, 16. Aug. Rach Schluß des gestrigen
Berlin, 16. Aug. Auf Ersuchen dos bayorttchenI,R^.ilt^:SrntC/ h’<!Jrbc folgende Mitteilung veröffent- Ministerpräsidenten um Anwendung dcr tn 5 49 hfr I ~ erftett Beratungen des Ministeriums betta- Reichsgctreidcordnung dem Reichsernäbnma^mitttktrr ’lraGen,J?eI<5ic um die Zone in Marokko elnßeräiimten Befugnisse verhielt sich das RcichsernSb- Meeresküste stets al« ein unerläßliches
rungsmiuisterwm wie bereits gemeldet ablehnend I dsand fi-.r den Einf.itsi und die tsicherhett Spaniens Ein diesbezüglicher Bescheid ging von der Rcichsreaic anficfe^,cn Müssen, koste es, was es wolle. Der rnng der bayerischen Negierung zu. Das NeickiSerräb- norma.e Auwau des Protettorats hat unter dem rungstutuisterium hält Rusnahmebesuanisie Baüerns Oberkonunissar in dieser Zone dank der weisen in det Getreidemirfichaft u I ch t für notwendig, da die Mannes große Fortschritte gemacht.
Gctrcideaufiäuse in Bayern keinen besonders ^J^entcn fortcefitzt werde«, bis die-
Umfaug angenommen haben und dw Gefahr des Kitsche Werk, von den Wasgou der Ration unter- Ueberschreiteus deS Weltmarktpreises durch dsi- Frei- 3U befuhrt ist. Mit diesem Ziel und unter gäbe dcr Brotgrtrcideeinsubr besei'iat wurde Es^be I?rco£V10>i Widerstandes und der Umgriffe muß stehe also in keiner Wette Veranlassung, Teu-sckland ° 1 C^werden, welches in der Zone
nicht als einheitliches Wirtschaftsgebiet Wetter bestehen 1 '' "d‘cZtvti? 6csonhcn {?aI-
5M lassen. • Madrid, 16. Aug. Der amtliche Heeresbericht
aus Melilla von 11 Uhr gestern abend besagt: Heute morgen ist eine Stellung auf dem Hügel Sydtmarem aufgeworfen worden, der einen ausgezeichneten Stützpunkt für ein eventuelles «vrgchen gegen Berti bu Ost»r obgibi. Der Fc-.ud, dcr sehr start war. fetzte rms hartitäüigeir Widerstand eutgeg-n. Gr wurde jedoch zerstreut, nachdem er große Verluste erfiiten hatte.
Der Umfang der Slieberiage.
-Varis. 16. Aug. Der Madrider Berichterstatter des „Temps" gibt EiNdelheitcu über die katastrophale Rieder- läge bei Melilla. T-r General Sylvestre soft ®jf eigene Faust und ohne ferne OpemtwnSlnn'e und btt rückwärtigen Verbindungen zu sichern, feie Er-ckttio« «ach bem Anualbcrg unternommen haben. Von den 20000 Mann ist kein einziger zurückgekehrt. 6000 fielen als Gefangene in die Hand der RissPiraten, 6000 der eingeborenen Soldaten gingen zu fern Aiffpiraten über und 9000 blieben tot auf dem Platze. — Man beachte feie französisch.', Spanieu nicht wohlgesinnte Quelle.
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