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Ne MmglerW m Ne VtzttlWn.

Berlin, 15. Aug. Der Reichspräsident und die -keichsregierung erlassen folgenden Aufruf:

I Die Entscheidung über Oberschlesien ist wider Er- Bwrttn nirüt gefaMn. Der Spruch ist vertagt wor­den- Die Leidenszeit des oberschlesischen Volkes hat ihr Ende noch sicht gefunden. Es gilt in zäher Ausdauer weiter «niszuharren. Oberschlesier! Unsere Sache ist gerecht, tmb die Gerechtigkeit wird und must siegen, loenn baS Scibslbesrimmungsrecht der Völker Geltung haben f»tt Ihr habt Euch mit überwältigender Mehrheit für Deutschland ausgesprochen. Euer und des Reiches Wohl­ergehen hängt davon ab, datz Oberschlesicn beim Reich verbleibt. Oberschlesicr! Ahr habt bisher trotz schwerster Herausforderungen musterhafte Ruhe und Ordnung be° loahrt. Die berechtigte Abwehr der Gewalttaten polnischer' Insu-genten hat Euch die Welt nicht verargt. Betvahret auch weiterhin die Selbstzucht, die Euch bisher ausge­zeichnet hat. Lastt die kühle lleberleqnng nicht schtvin- ; der und laßt Euch durch nichts zu unüberlegten Hand-, ; lmigen verleiten, die Eurer "«rechte« Sache nur Schaden' j bringen würden. Mit Euch hofft das ganze deutsche

Volk, daß der Tag nicht fern ist, an dem die Schranken zwischen Euch und dem Multerlandc wieder fallen, an dem das Selbstbestimmungsrecht der Völker in der Wi^ervercinigung Oberschlesiens mit Deutschland, dem es seit 7 Jahrhunderten angehört hat, Anerkennung findet zum Besten Oberschlesiens, des Deutschen Reiches, des unrtschaftlichen WiederaufbcuiS Europas und des Frie­de«? der Wett.

,4 Der Reichspräsident: Ebrrt, die Rcichsregierung:

Tr. Wirth.

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ASg. Stresemann beim Reichskanzler.

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die weitere Entscheidung über Oberschl.-sien in der ge­samten Bevlkerung hervoörgeru'.ii hat. Bis zum 8. August war allerdings die Gefahr eines neuen pol­nisch:» Ausstandes sehr groß. Der für diesen Tag als Einleitung einer neuen Erhebung geplante Ausstand

Berlin, 15. Aug. Dr. Stresemann, der Vor- ktzende des Reichstagsausschuffes für auswärtige An­gelegenheiten, hatte heute vormittag mit dem Reichs­kanzler eilte eingehende Besprechung über die Gcsamt- btge, sowie über die zur Erledigung stehenden Einzel- ftagen. Besonders war Oberschlesien der Gegenstand, der Besprechung. Der Zeitpunkt für die Einberufung des auswärtigen Ausschusses wurde in der Besvrech- «lg noch nicht festgesetzt.

An eilte vorzeitige Einberufung des Reichstages tvird iitfolge des Beschlusses des Obersten Rates, die «berschfeslschc Frage dem Völkerbund zu unterbreiten, Sicht gedacht.

Neue Ueberfälle,

D e u t b e n, 15. Aug. Heute Abend gegen 6 Uhr ver- rschten Aufständische, unterstützt von Mannschaften der Aeraeiudewache Hohcnlinde, einen Borstoß gegen die Stadt Leuthcn, wobei zwei Deutsche verwundet wurden, darunter v'uer sehr schwer. Ten Apobeamten gelang es, sechs Aufständische zu ermitteln und zu verhaften. Sie wurden Atter starker Bedeckung nach Bcuthcn abgeführt.

Gestern Abend gegen 7*4 Uhr wurde eine vor dem Haldplah in Dornbrowa auf die Straßenbahn wartende, tttoa iLOköpiige Menschenmenge von 3040 Banditen Aötzlich umzingelt, mit Stöcken geschlagen und mit Waf- fcn bedroht. Mehrere Männer und Frauen tv.urden durch «tockschläge blutig geschlagen. Ein Kaufmann aus «uthen wurde mit einem Gummiknüppel derart ge- ^Hlageu, daß er ins Krankenhaus geschafft werden mußte.

Bvlizeibeamte beröeieilteu, ergriffen die Banditen - Flucht und entkamen unerkannt.

Ein Grenz-Gefecht.

Wie die Blätter melden, versuchten größere polnische vanden von jense.ts der oberschlefifchen Grenze in der Aähe von MySlrioitz in OSerscklesien einzudringen. Bc- Atz uugstruppen und Apobcamte wandten sich ihnen eut= ^ö-en. Nach kurzem Feuergefecht zogen sich die Banden Aber die Grenze zurück. Als sie wieder sensefts der »renze waren, erösmeten sie eine lebhafte Schießerei auf ** oberschlefifchen Ortschaften nächst der Grenze.

Icheiterke jedoch, vor allem an der Kampfesmüdig- feit der polnischen Bevölkerung. Die Gefahr eines . nuten polnischen Aufstandes liegt also weniger bei der Masse der polnisch gesinnten Oberschlksier als vielmehr bei den noch amtierenden polnischen 8nfstandsbeHörden, die angeblich nur Liqui- datioi.szwecken dienen sollen. In Wirklichkeit zielt «6er ihre Tätigkeit dahin, durch örtliche Zwischeu- sälle die deutsche Bevölkerung zu reizen, um sie zu Ürtbesonnenheiten zu verleiten. Deutscherseits durch­schaute man aber die Absichten der polnischen Auf- ' standZbchörden. Alle deutschen ©teilen sind bemüht, , die Bevölkerung zur Ruhe zu ermahnen, damit der- «rtige polnische Pläne scheitern. Zur Beruhigung der Bevölkerung wird auch beigetragen, daß die deutsche Regierung ab morgen die Erwerbslosensürsorge in Lberschlejirn in Kraft setzt.

Bergebliche Versuchs die Deutschen zu reizen.

; *7 Berlin, 15. Ang. Nach hier vorliegenden Nach­richten ist bis zur Stunde in Oberschlesien alles ruhig, - trotz des großen Gefühles der Enttäuschung, das

Handgranatenanschlag gegen einen englischen Offizier.

Im Kreise Rosenberg wurde, tote dieVossische Zeitg." meüiet, gegen das Auto des wegen seiner Unparteilichkeit bei der deutschgesinnten Bevölkerung beliebten englischen Volizeiofsizicrs Major Cressy eine Eierhandgranate ge­worfen, die zwar explodierte, aber keinen Schaden an­richtete.

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Swfreiis

Die französisch polnische Sache verloren.

London, 15. Aug. Der Pariser Berichterstatter derWestminster Gazette" schreibt zur oberschlesischen Frage, man sehe in Paris die französisch-pol­nische Sache als verloren an. Es sei von Briand vielleicht doch günstiger gewesen, wenn er eines der von Lloyd George vorgcschlagenen Kom­promisse, angenommen hätte. Es sei so gut wie sicher, daß bi: Delegierten Englands, Italiens und Japans im Bölkerbundesrat in der oberschlesischen Frage den­selben Standpunkt einnehmen werden wie Lloyd Georg« Anzeichen deuteten darauf hin, daß China und Spanien und wahrscheinlich auch Brasilien den englischen -Aand- punkt vertrete« werden. Es bestehe die Gefahr, datz die Isolierung Frankreichs noch deutlicher zutage- treten werde. Frankreich habe selbst dazu beigetragen,, daß es in eine solche Lage komme, da es seine euro­päische Politik auf ein militärisches und politisches Bündnis mit einem imperialistischen und wie immer unfähigen Polen aufbaute. Der Zusammen­bruch eines solchen Bündnisses sei ein harter Schlag für die französische Politik die in den letzten 18 Mo­naten immer auf das falsche Pferd gewettet. Man könne eine außerordentliche Zahl von Mißerfolgen anführen. Das polnische Pferd sei sicher verloren.

Die von Frankreich geplante Umzingelun«, Deutsch­lands.

Poitiers, 15. Aug. (HavaS^ Kammerpräsident Neret erklärte hier in einer Rede u. a., Oberschlesien dürfe nicht an Teuisckkaick gegeben werden.Wir müssen im Osten unseren Einfluß ständig wahren und im Osten des Deutschen Reiches einen Kern kleiner Nationen schaffen die Frankrkfch treu ergeben sind."

Keine Niederlage Frankreichs."

Paris, 15. Aug. Vor seiner Abreise von Paris erklärte der italienische Mintsterpräsident Bonomi einem Vertreter desPetit Parisien", es wäre ein großer Irrtum, die Verweisung der oberschlesischen Frage an den Völkerbund als eine Niederlage Frank­reichs anzuseheu. In dieser Frage gebe eS weder Sie­ger noch Besiegle. Frankreich fei ein doppeltes Zuge­ständnis gemacht worden: 1. indem beschlossen wurde, daß der Spruch erst später gefällt werde und 2., indem beschlossen wurde, datz die Frage einem neuen Gericht, dem Völkerbundsrat, unterbreitet wird. Bonomi er­klärte ferner, man könne rficht hn Voraus sagen, datz *>ie Ansicht des Völkerbundes im britischen Sinne aus- sallen werde.

London, 15. Aug. Im Unterhause erklärte Lloyd George, der Völkerbundsrat sei gebeten worden, ein Gut­achten über die Grenzlinie zwischen Poftn und Deutsch­land abzugcben. Die Sache müsse sehr dringlich behandelt werden. Deutschland und Polen solle Gelegen­heit gegeben werden, ihre Rechte zu vertreten.

MBtrgeWt Mfetung der Kohlen-. litltningtii.

Paris, 15. Aug. Wie derTemps" mitteilt, hat der Entschädigungsausschuß die Kohlenlieferungen, wie sie im Abkommen von Stz»aa vorgesehen seien, vorüber­gehend herabgesetzt. Diese Herabsetzung ist von der Kommission für notwendig gehalten worden, um einem augenblicklichen Produktionsdefizit Deutschlands Rechnung zu tragen. Das theoretische Programm von 2,2 Mil­lionen Tonnen monatlicher Gesamtlieserung an die Ver­bündeten bleibt aufrechterhakten. Man sei sich aber darüber einig geworden, daß man von Deutschland mit besonderer Dringlichkeit die Lieferung von 1,6 Mil­lionen Tonnen Kohlen verlangen müsse, wovon Frank­reich und Luxemburg 1,1 Millionen zufallen werden- Tas sei die Grundlage, auf der die Lieferung gegenwärtig vor sich geht.

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Entlassung aus Avignon.

Avignon, 15. Aug. (Havas.) Auf Anordnung von Paris werden vom den 125 Gefangenen ver­schiedener Staatsangehörigkeit, die zur Zeit im Straf- gkfängniS in Avignon Strafen wegen Vergehens gegen das Bürgerliche Gesetzbuch verbüßen, 40 in ihre Hei­mat entlassen werden, darunter 34 Deutsche.

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England.

London, 15. Aug. In den Friedensverhiudlimgen zwischen England und Irland ist, wie die Blätter melden, nach Ablehnung der Vorschläge der britischen Regierung durch de Valera eine sehr ernsteLage entstanden.

London, 15. Aug. Im Unterhaus« teilte Llotzd George mit, daß dir britische Regierung mit der Regierimg

Amüiches DerÜlMgungsbisri des Kreises Marburg.

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Anzeiger für (das früher kurheMche) Oberhessen

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'19Ü $Ül ausfallende Nummern infolge Streiks ooet elementarer Ereignisse kein Ersatz.

e Verlag von Dr. L. Hitzerottz. Druck der Univ.-Buchdruckerei von Job. Aus. St»

56. Wo.

1921

DieOberhelsische Zeitun ' erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 475 Mk durch di« Post 5.10 Mk. Ausgabe B mitOberh. Svort-Ztg." 1 Mk, mehr.

... .. Druck der Univ.-Buchdruckerei von Job. Aug. Koch,

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Der Anzeigenpreis betragt für die 9 gesp. Lolonelzeile oder deren Raum 90 Psg. « 10% Ausichlag, amtliche und ausroärtiqe 1.20 Mk. Andere Spaltenbreiten nach entipredienber Berechnung. Spät einlaufende oder den Raum über >!, Seite ein­nehmende Anzeigen und wir berechtigt, nach der Textspaltenbreite zu setzen und zu berechnen. Sogen. Neklamen berechnen wir die Zeile mit 3.00 Mk. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Auskunft durch die Seschäftsfislle und Vermittlung der Angebote 75 Pfg. Sondergebühr.

der Bereinigten Staaten über einen Mandatsentwurf be­treffend die ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika in Verbindung steht. Sie habe jedoch bisher noch keine Torlegung der Auffasfung der Vereinigten Staate« in dieser Frage erhalten.

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Hm die WM- urü MnlsrdMigen.

Di« Forderungen der Gewerkschaften.

Von beteiligter Seite wird der Presse mitgetettt:

Nachdem die Verhandlungen der drei groben Ge- Wcrkfchafts-Spiyen-Organisationen mit dem Deutschen Beamtenbund über die Schaffung einer gemeinsamen 8roni zur Durchführung einheitlicher Forderungen kür die gesamten Reichs- und StaatSarbeiter, Ange­stellten und Beamten gescheitert sind, übermittelten die in Betracht kommenden Gewerkschaften der drei Spitzen-Organisattonen (Allgemeiner Deutscher Ge­werkschaftsbund, Deutscher Gewerkschaftsbund und Gewerkschaftsring) de« zuständigen Instanzen folgende Forderungen:

1. Für Arbeiter: Gewährung einer Aus- gkelchszulage zum beweglichen ^Teucrungszu- schlaa in Ortsklasse B von 10 Pfennig, M Ortsklasse C von 20 Pfemfig und in Ortsklasse D von 30 Pfennig pro Stunde. Gewährung einer weiteren allge­meinen Teuerungszulage in sämtliche« Ortsklassen in Höhe von 1,50 Ji die Stunde und ent­sprechende Zulagen für weibliche Arbeiter und Lehr­linge und Erhöhung der Kinderzuiagen um 150 v. H. Bereitstellung entsprechender Mittel zwecks Erhöhung der Bezüge der Rentenempfänger.

2. Für Beamte: Ausgleichung der Teuerungs-- zuschläge zum Grundgehalt und zum Ortszuschlag an die Sätze der Ortsklassen. Gewährung einer gleich­mäßigen, pensionSfähigen Teuerungszulage Volt 3600 Mark au alle Beamte .einschlietzltch der Diätare und Pensionäre. Angleichung der Teuerungszuschläge zu den Kinderzulagen an die Sätze der Ortsklasse A.

3. Die neuen Teuerungsbezüge für alle Arbeiter und Beamte sind rückwirkend ab L Juli 1021 zu zahlen.

Wetter 6ei6t cs in der Mitteilung: .Die vorstehen­den Forderungen unterscheiden sich von de« Forderun­gen des Deutschen Beamtenbundes dadurch, daß sie die vom Beamtenbund bet srüheren Bewegungen ge­machten Fehler vermeiden und sich auf dem Boden der realen Verhältnisse bewegen. Der Deutsche Beamtenbund läßt sich offenbar von agitatorischen Ge­sichtspunkten leiten, sonst wäre cs nicht möglich gewe- scn, eine Mindestforderung von 8500 M pro Kopf auf­zustellen und sie in wenigen Stunden auf 4200 M zu reduzieren. In der klaren Erkenntnis, daß auch dieses Mal die Politik des Deutschen Beamtenbundes Schiff­bruch erleiden muß, lehnte« die übrigen Organisatio­nen das Zusammengehen mit dem Deutschen Beamte«-'' bund auf der von ihm vorgeschlagenen Grundlage ab."

Was die Negierung biete« nWff.

Eine Berliner Korrespondenz glaubt Mitteilungen über die Entwürfe des Reichsfinanzmintsteriums zur Gehalts- und Lohnerhöhung machen zu können. Da­nach wolle man grundsätzlich von einer Erhöhung der Grundgehälter abseyen, sei aber bereit, eine An­gleichung der Teuerungszuschläge und Kinderbei­hilfen an die Ortsklasse A vorzunehmen, ohne tedoch, wie das von den Beamten und Gewerkschaften gefor­dert wird, die Zuschläge sämtlich auf den Satz der Ortsklasse A zu bringen. Im Finanzministerium fei man der Ansicht, daß, entsprechend der seit dem Monat Juni wieder anziehenden Teuerung,»"mit Teucrungs- zuschlägen in Höhe von 1500 M ein Ausgleich geschaf­fen werden könne und datz ein Lohnzuschlag in Höhe von 0,50 .H für die Arbeiter als angemessen betrachtet werden -könne. Diese Bewilligungen würden für die Beamten und Arbeiter etwa einer lOProz. Ausbesse­rung gleichkommen.

Der Standpunkt der Arbeitgeberverbände.

Tie Vereinigung der Deutschen Arbeitgchcrver- hände hat sich, wie von der Telegraphen-Uniou mitge- teilt >vird, in ihrem großen Ausschüsse und in ihrem Tarisausschuffe mit den Lohnforderungen der Arbeit­nehmer beschäftigt und erklärt, datz die in der Ocssent- lichkeit und in der Agitation erhobenen Ansprüche durch die Verhäkttfisie nicht gerechtfertigt feien. Die bevorstehende Brotpreiserhöhung bringe keine folche Verteuerung der Lebenshaltung, datz bestehende Lohnvereinbarnngen gebrochen werden mützten, zumal die Arbeitgeber ihrerseits darauf verzichtet hätten, in Zeiten sinkender Lchenshaltungskoften eine Herab­setzung der Löhne zu verlangen. Auch die sonstige Teuerung habe kein solches Ausmaß air-cnommen, daß sich die sofortige Kündigung der Tarife und die neuen Forderungen auf Lohn- und Gehaltserhöhung rechtfertigen ließen. Diesen Ausführungen ist folgende grundsätzliche Erklärung beigefügt:

»Eine lediglich auf die Kosten der Lebenshal- ttmg abgestellte Lohnpolitik kann die deutsche Volks­wirtschaft nach Annahme des Ultimatums nicht mehr vcramioortcn. Wenn bei Erneuerung von Tarifver­trägen die Verhältnisse eine Revision der Lohnsätze rechtserttgen sollen, muß vor allem auch die ernste­Lage unserer Wirtschaft, wie sie sich unter dem Druck des Ultimatums gestaltet hat und noch wei­ter gestalten wird, berücksichtigt werden. Dabei be­darf es der weiten Streifen der Oeffentllchkeit und nicht zuletzt der Arbeiterschaft noch fehlenden Einsicht, datz der durch das Ultimatum auf der deutschen Wirt­schaft lastende Druck auch die vor dem Kriege möglich gewefene allgemeine Lebenshaltung des denlfchen Volkes herabgrdrückt, und datz ohne eine Stei­gerung der Arbeitsleistung eine Hebung der deutschen Lebenshaltung für den einzelnen und für die Gesamtheit nicht zu erwarten ist. Die deutsche Volkswirtschaft wird deshald in Zukunft höhere Auf­wendungen für die Entlohnung nur dann machen kön­nen, wenn gleichzeitig eine Steigerung der Arbeirs- leistrurg erfolgt und zu diesem Zwecke auch die Tarif-

und Lohnpolitik von allen Produktionshemmenden B« stlmmungen frei gemacht tolrbZ

Die demokratischeVossische Zeitung" ist der An­sicht, daß der besonnene Teil der Arbeiterschaft wohl selbst einsche, daß mit der mechanischen lieber» w ä l zu n g jeder aus irgendeinem Grunde ein tretenden Preissteigerung praktisch nicht wellerzukommen ist. Ter Allgemeine Deutsche GcwerkschastSbund habe kürzlich i» einem Ausruf darauf hingewicsen, daß die Lohnerhöhungen nur wieder zu neuen Preiserhöhungen füh­ren, sodaß sich die ganze Entwicklung in einem verhäng­nis-vollen Zirkel bewegte. Solle dieses Nebel wirt­lich bekämpft werden, so sei in der Tat nicht nur Lohn­erhöhung, sondern auch möglichst ausgiebige LcistnngS- steigcrung notwendig.

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Bedrohung Melillas.

Paris, 14. Aug. Nach einer Meldung de- Journal" ans Madrid marschieren 10000 Risleute ans Melilla. In Enes sind 4 Kompagnien, die dort lagerten, niedergemetzelk worden, wobei den AnsstLn- dischen große Vorräte'von DLnamiipatrone« in die Hände fielen. O

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Deutsche Kinder in der Schweiz.

Bern, 15. Aug. Soeben trifft ein Sondcrzug hier ein, der über 700 deutsche Kinder und dazu noch einige, hundert ausländische schweizerische Kinder zu einem mehr­wöchigen Aufenthalt in der Schweiz bringt. Die deutschen Kinder werde« zum Teil in den Räumen der schweizerisch»" deutschen Hilsskommission für notleidende deutsche Kinder untergebracht. ES ist der 50 Zug. den diese segensreich töirfcrAc Aer-cini-nmg gemeinschaftlich mit ihrer von Professor Dr. Abdcrhatücn geleiteten deutschen Zentral­stelle in Halft organisiert. Nach und nach sind in der Schweiz auf diese Weise über 25 000 deutsche Kinder nnteryebruckt worden, darunter eine erhebliche Anzahl von tuberkulösen Kindern, die durch Kuren von drei Monate« bis zu einem Jahr in den Heimen der schweizerisch- dcnlscken Hilsskommission gerettet werden können. Die" d-asür notwendigen Geldmittel wurden hauptsächlich in Amerika, außerdem in England. Dänemark und Spanien aufgebracht. Auch der Papst hat sich mit erheblichen Mit­teln beteiligt.

Berlin, 15. Aug. Auf Veranlassung des RcichS- arbeitsmrnisteriums sind wiederum 53 Kinder nach der Sckweiz entsandt worden: sic sind ioohlbchaftcn in Davos angekommen. ES handelt sich um Lungenkranke, die Meist Kricgsrvaiscn sind, oder Kinder von Kriegsbe­schädigten. Diese Kinder finden durch private Unter­stützung Aufnahme im deutsche« Kriegerkrankcuhimse in Tuvos-Dorf.

Näte-Rusrland.

Die Regierung besteht nur noch durch den Terror."

London, 15. Aug. Der Berichterstatter derDaily Mail" meldet über die augenblickliche Lage in Rußland und ihre stiückwirkung aus das Ausland:

Die bolschewistischen Machthaber lassen sich zu schrecklichen Grausamkeiten hinrcißen. Man spricht von Fronen der Kommissare, die sich berauschender ORittel hingebcn und die Unglücklichen hinmordcn kaffen, lediglich auS dem Vergnügen, ihr Blut fließen zu sehen. Die Regierung der Sowjets besteht nur noch durch den Terror. In Rußland kosten zwei Kilo Kar­toffeln 5000 Rubel. baS Pfund Butter kostet 15 000 Rubel. Es g'bt kein Kornbrok mehr. Man crfctzt e$ durch einen aus Baumrinde hergestelltcn Teig. Tschit­scherin weigerte sich, die internationale UutcrstützungS» kommission zu ermächtigen, irgendwelche behördliche Be­fugnisse in dcn von der Hungersnot befallenen Gebiete« auS»uilbcn. Viele Länder weigern sich, zu dem Hilfs­werk bcizutragcn, trenn die Lebcnsmittelvorräte durch die Hände der Kommissare gehen sollen. Sie beschränke« sich darauf, den Randstaatcn Hilfe zu bringen, um dort do? Umsichgreifen der Cholera und des Typhus zu Der« mcideu. Tausende Polen, welche Rußland haben ver-- lasscn können, find in der Grenzstadt Baranotoitschi an» gekommen, andere sind schon bis nach Warschau gelangt. Tie meisten brauchten 8biS 14 Tage für die Reise«, Bieft dieser Unglücklichen, besonders Kinder, sind unter­wegs gestorben infolge vollständigen Nahrungsmangels. Tic durch die Requisition von Weizen vollständig ver­zweifelten Mrainer sind erbost und empören sich.

AuS Hclsingfors wich gemeldet, daß Maxim Gorkt dort erklärt habe, daß jeden Tag in Rußland eine anttbolschewistische Revolution ausbrechen kann.

DieSunday Times" crsährt, daß sich im Laufe der allernächsten Tage eine internationale Kommission nach Rußland begeben isollc, um Maßnahmen zur Bekämpfung der Hungersnot zu orgauisicren.

ORüllcr-Brandcnburg als Presse-Beirat? Dem ^Leipziger Tagcblaif wird aus Dresden gemeldet; Für den unabhängigen »Major' Müller-BrandenöuiS scheint man nun in Sachsen doch noch einen Posten ge­sunden zu haben. Die unabhängige Volkszeitung deu­tet seine Ncbernahmc in den sächsifchen Staatsdienst folgendermaßen an: »Die Ernennung Müller-Bran­denburgs zum Leiter des Pressebeirats bet der sächsi­schen Landcss.cherheitspolizei wird von der Arbeiter­schaft und ledem ehrlichen RepublUaner nut begrüßt WflNU-