Amtliches BerLMgungMatt des Kreises Marburg.
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Anzeiger für (das früher kurheffifche) Oberhessen
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<i« „Vr<... ■ 3eitun ekjchetnt sechsmal wöchentlich. — Aezugsprer« monatlich
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Tie überraschende Wendung, die am Freitag Abend gus Paris über die Verhandlungen des Obersten Rates gemeldet Würbe, ist «in Notbehelf, der Engländer «nd Franzosen aus einer Sackgasse herausführen soll. Lloyd George und Briand hatten es fertig bekommen, sich gegeneinander so festzulegen, das; keiner mehr zurück konnte, ohne Schaden an Ansehen und Stellung zu erleiden. Die stärkere Position hatte Lloyd George inne, da Italien und Japan hinter ihm standen und bei einer Abstimmung Frankreich gegen die drei anderen Stimmen unterlegen wäre. So griff Briand nach deut Rettungsanker, der ihm in Gestalt der Verweisung der oberschlesischen Frage an den Völkerbundsrat geboten wurde. Trotzdem aber wäre es falsche vor. einer Niederlage Briands zu sprechen oder von einem Siege Lloyd Georges. Auch dieser hat den in mehrfachen Reden und mit großen Worten als unver- • rückbar bezeichneten Zweck seiner Bestrebungen nicht durch?nsetzr« vermocht: er war sogar bereit gewesen,1 in «ne Teilung OberschLesiens emMvilligen, die auch ein wesentliches Stück des Jndustrirbezirks neben den Kreisen Pleh und Rybnik an Polen überliefert hätle. Mit der auüeren Seite hat Briand fotzt selbst die Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen eingesehen, das ganze industrielle Oberschlesten für PoZen zu gewinnen Dagegen hat er sein taktisches Ziel, die endgültige Entscheidung über das Schicksal Ober- schlesiens noch auf längere Zeit zu verzögern, voll- stäfchig erreicht: denn wir müssen nun leider damit rechnen, daß der schwerfällige Apparat dos VöÄer- bundratS Woch-m und Monate brauchen rutb, bis er p. einer Entscheidung gelangt, die dann erst vom Obersten Rat vollzogen werden muß. Nach wie vor glauben die Franzosen, und vielleicht mit Recht, daß sie imstande sein iverden, durch iveitere HerauSkorde- rimgen und Beorückungen in Oberschlesien Zustande herbeizuführen, die eine gewaltsame Entscheidung unvermeidlich wn-heu. In diesenr Fall tz'üLdcn sie sofort wiederum versuchen, im Trüben zu fischen, und hierin liegt die Erklärung dafür, daß Frankreich so hartnäckig auf der Entsendung weiterer Verstärkungen nach Oberschlesien besteht. Leider scheint tS, das; Briand auch in dieser Hinsicht einen wichtigen kcfolg davon getragen hat, denn Lloyd George soll, 6m ihn zu besänftigen, seinen Widerstand gegen die Verstärkung der Truppen in Oberschlesien aufgegebea haben.
Was wird nun der Bölkerbundsrat tun? Außer Japun gehören ihm je ein Vertreter Englands, Frankreich-.-, Italiens, Belgiens, Spauieus, Brasiliens und khiuaS au. Man wird abwarten müssen, was für vorbereitende Schritte der Bölkerdundsrut beschließe« • wird, ob er einen Berichterstatter mit dem Studiinn ter Frage beauftragt oder einen Ausschuß einscht, ob tr Juristen oder Volkswirtschaftler oder beide heran- tieht. Ein Lichtblick liegt darin, daß vor dem Völker- bnudsrat wenigstens die deutsche Regierung imstande sein wird, durch Denkschriften und Unterbreiten von Nci.lcrial ihre Sache zn vcrfeckften, was ihr bisher vor dem Obersten Rat in Paris nicht gestattet war. Tie Zusammensetzung des Völkerbundsrates läßt auch einen leisen Hoffnungsschimmer aufkommen, daß seine Entscheidung schließlich doch einigermaßen wenigstens von dem Gefühl für Recht und Gerechtigkeit geleitet sein wird. Allzugroß dürfen aber unsere Hoffnungen auch iii dieser Richtung nicht gespannt werden, denn die Elfahrungen, die wir mit unseren Ansprüchen beim Vlökecöundsrat gegen die Behandlung des Saargebiets und gegen die Vergewaltigung von Eupen und Malmedy gemacht haben, versprechen nicht viel Gutes für Teulschland, aber vielleicht arbeitet dort jetzt die Zeit für bi* deutsche Sache. . .
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Beschlüsse der Finanzminister.
Paris, 14. Aug. (Havas.) Die interalliierte Wnanzkonferenz hat heute Nacht ihr« Arbeiten mit der Unterzeichnung eines Protokolls abgeschlossen, das von den Vertretern Frankreichs utck Japans unter Vorbehalt der Anerkennung durch ihre Regierungen angenommen wurde und in großen Umrissen besagt:
i Die erste von Deutschland gezahlte Milliarde wird teilweise verwendet zur Deckung der Kosten der englisch«! Vesatzungsarmee, teils zur Bezahlung der festgelegten Lnleilc der belgischen Priorität. Weiter werde vereinbart, daß die gesamten Kohlenlieferungen Deutschlands über Rotterdam oder Antwerpen bis |um 31. Aug. 1921, die zum Exportpreis der englischen Kohle verrechnet wurden, zum dnkischen Inlandspreis angerechnet werden. Diese Entscheidung bedeutet für Frankreich gegemvärtig einen Vorteil von 140 Mil- ! Konen Goldmark.
Der noch fcstzu stellend« Wert der Sa ar ko hl en i soll Frankreich auf die Zahlungen vor dem 1. Mai 1921 angerechnet werden. Der Wert, den diese Gruben dar- j stellen, und die Licsernngra seitens Deutschlands in natuia Übersteigen die Gesamtkosten Frankreichs für die Unterhaltung seiner Besabungsarmee.
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Paris, 13. Aug. Der Ob«ste Rat hat in seiner heutigen Nachmittag.sitz»ng beschlossen, die wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen unter der Bedingung aufznheSen, daß Deutschland am 31. August seine Verpflichtungen erfüllt, das heißt eine Milliarde Goldmark bezahlt gemäß dem Ultimatum von London. Rach einer eindrucksvollen Rede von Ministerpräsident Briand ist beschlossen worden, augenblicklich die militärischen Zmangsmabnabmen beizubehalten.
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Der englische Standpunkt abgelehnt.
Pari-, 14. Aug. In der gestrigen AachmittagS- fifeint» erläutert« Louchrur di« Frage der Zwangsmaßnahmen und erinnerte an di« Erklärung vom 9. 3. 1921, nach der Deutschland bfe Entwaffnung, die Reparationen unb die Frage der Kriegsbeschuldigten erledigen müsse, um die Aufhebung der Zwangsmaßnahmen zu erreichen. Er «rffürte, daß die Entwofmungsforderung nicht erfüllt sei, so in der Frage der Rekrutierung kür Ob-rkchlesien- Er erinnerte an di« „parteiischen Urteile des Leivzirer Gerichtshofes". Bei oer Frag« der Reparationen trftlrte er, daß verschiedentlich von Teutsch- land Schw-crioleiten gemacht werden seien, um sich bet vollkommenen Ausführung des Vertrages zu w-d-rs-tzen. immerhin erfcmtte er an, daß der Bezinn der Aus- iührung erlbnnbar sei, und daß die benKche Rmierung den guten Willen zu haben scheine, ihre Verpflichtungen zn erfüllen. Er schlug daher bfe Aufhebung der wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen vor unter xw«i Vorbehalten: 1. daß am Verfalltage, dem 31. August, an dem Deutschland e>ne Milliarde Gold- ntorl zahlen sollte, di« Zahlung geleistet fei; 2 daß die deutsche Region,n« di« Maßnahmen, die schon zwischen ihr und der französischen Regierung besprochen word-n seien, ergreife, um die systematische Verweigerung der Einfuhr- erlaubniff« für alliierte Erzeugnisse in die besetzten Gebiete abzustellen. Dagegen sollten die militärischen Zwangsmaßnahmenbeibehalten werden.
Lord Curzon nahm einen anderen Standpunkt ein die KwangSmaunahmen müßten in ihrer Gesamtheit aufgehoben werden, da Deutschland daS Ultimatum angenommen habe. Lord Curzon versichert«, daß die Spaltung Deutschlands korrekt gewesen sei in der Frage her Entwaffnung, der Reparationen und der Kriegsbeschuldigten (da ja Urteile erfolgt seien). Die Zwangsmaßnahmen kosteten sehr viel. Sie seien für daS deutsche Nationalgefühl aufreizend. Und schließlich müsse ’htan bau Kabinett Wirth helfen, daS seinen guten Willen bewiesen habe. Zum Schluß ersuchte Lord Curzon den Rat. den allmähl'chen Abbau der militärischen Sanktionen ins Ange zu fassen.
Briand legte dar, daß die französische Regierung durchaus nicht den Wunsch habe, aus i-vb Dauer die militärische Besetzung Düsseldorfs. Rubrorts inib Duisburgs aufrecht zuerhalten. Im Gegenteil, sie
wünsche, sobald wie möglich die Besatzul'.astnlpven zurückziehen zu können, und wenn «s die Umstände erlaubt hatten, würde sie dazu bereit- die Initiative ergriffen haben. Die Verbündeten hätten sich darüber Rechenschaft gegeben, daß der Versailler Vertrag nie von Deutschland ansgefühkt würde, wenn keine Zwangsmaßnahmen ergriffen würden, um «S dazu zu zwingen. Als diese Zwangsmaßnahmen angenommen worden seien, habe der Oberste Rat ausdrücklich erklärt, baß sie erst aufgehoben würden, wenn sie zu einer zufriedenstellenden Regelung in der Frage der Reparationen, der Entwaffnung unbjxr Bestrafung der Schuldigen geführt hätten. Dieser Text sei von Llohd George selbst festgesteklt worden. Als sich die Berbündeten im Mai überzeugt hätten, daß Deutschland fortfahre, die Zahlung der Reparationen zn verweigern, habe Frankreich vorgeschlagen, die Zwangsmaßnahmen durch Besetzung des Ruhrgebiets zu verschärfen. ES fei unzweifelhaft, daß die deutsch« ösfentstche Meinung in ihrer Gesamtheit noch nicht begriffen habe, daß der Krieg von den Verbündeten gewonnen worden fei. Ein« Demonstration der Macht sei nötig, um di« Ausführung der Bedingungen in der Reparationssache zu erreichen. Die Wirkung der Mobilisieruna einer Jahres klasse in Frankreich fei ein« sofortige getvefen. De. Amons fei zurückgetreten und durch Dr. Wirth ersetzt worden, der sich bemühe, loyat die Verpflichtungen seiner Regierung, zu erfüllen. Die energische Haltung Frankreichs und seiner Verbündeten hätte fofört ein günstige-; Ergebnis erzielt. Die Zwangsmaßnahmen bildeten nach Ansicht der französischen Regierung kein Ziel, und wenn alle Ergebnisse, wegen deren sie im März ergriffen worden seien, erzielt wären, würde Frankreich von selbst die Aushebung der militärischen wie auch der wirtschaftlichen Zwangsmaß- imhmcn Vorschlägen.
Wenn in den letzten Tugen die Politik der deutschen Regierung sich geändert habe, so komme das daher, weil die Deutschen glaubten, daß ^vischen den Verbündeten nicht mehr derselbe Zusammenhalt bestehe wie im März, als die Zwangsmaßnahmen ergriffen wurden, und im Mai, als die Besetzung des Ruhrgebietes einstimmig ins Auge gefaßt wurde. Keinesfalls könnten die Verbündeten vergessen, daß cs in Deutschland störende Elemente gebe. In 15 Tagen hätten die Deutschen ein Heer von 40 000
Mann wieder aufgestellt, das reichlich mit Kriegsmaterial versehen gewesen sei. Es bestehe daher die große Ge- fehr, das Kabinett Wirth könne durch ein reaktionäres Kabinett gestür z t werden. Unter diesen Umständen würde di« vorzeitig« Aufhebung bet Zwangsmaßnahmen nicht eit» Besänftigung, sondern eine Verschärfung der Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland herbeiführen. In Berücksichtigung der Tatsache jedoch, daß die deutsche Regierung sich in gewissem Umfange bemüht. habe, ihren Verpflichtungen vom Monat Mai nachzukommen, schlage die französisch« Regierung selbst die Aufhebung der wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen unter den von Loucheur angegebenen Bedingungen vor. Was die militärischen Zwangsmaßnahmen anbetteffe, so sei die Stunde noch nicht gekommen, sie aufzuheben. Sie werde ball) kommen, wenn Deutschland feinen Verpflichtungen in der Reparationsfrage nachkomme «nd wenn es die Arbeit der mit brr Entwaffnung betrauten Kommission erleichtere. Die Frage der Aufhebung der militärischen Zwangsmaßnahmen müsse bei der nächsten Tagung des Obersten Rates wieder ausgenommen werden.
Nach der Rede Briands schloß sich der Oberste Rat feiner Ansicht an und beschloß: die mn.täiU schen Zwangsmaßnahmen beizubehalten; die wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen vom 15. September ab aufzuheben unter folgenden Bedingungen: Am 31. August muß die Milliarde Eoldmark vollständig von Deutschland bezahlt sein. Es wird eine interalliierte Organisation gebildet zur Ueberwachung der Erteilung der Einfnyrerlaubnis für Erzeugnisse, die nach dem Rheinland gehen. Andererseits wird die Kommission in Koblenz ein Uebergangsregime für das Inkrafttreten der obengenannten Maßnahmen ansarbeiten.
Auf Antrag Briands und mit Zustimmung sämtlicher Mitglieder nahm der Oberste Rat dann noch nachstehende Entschließung an: Bei Beendigung seiner Arbeiten bestätigt bei Oberste Raf abermals seinen Willen, ein reges Einvernehmen zwischen den Verbündeten aufrechtzuerhalten. Er ftält dies mebr als je unumgänglich nötig für den Frieden der Welt.
Um 8.52 Uhr abends wurde die Tagung des Obersten Rates geschloffen.
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Mahnung zur Ruh« an die falsche Adresse.
Berlin, 14. Aug. Der Oberste Skat übersandte gestern abend dem deutschen Geschäftsträger tn Paris nachstehendes, von Briand gezeichnetes Schreiben mit gestrigem Datum:
„Herr Geschäftsträger! Zn anbetracht der Schwierigkeit, welche die Festsetzung der Grenz« zwischen Deutschland und Polen in Oberschlesten bietet, vertagte der Oberste Rat die Entscheidung, welche ihm in dieser Hinsicht gemäß Art. 88 des Vertrages von Versailles obliegt. Der Oberste Rat ist sicher, daß die Bevölkerung Oberfchlesiens die Gesinnung zu würdigen wiffen wird, die ihn dazu geführt hat, eine überstürzte Lösung abzulehnen. Im übrigen wird nichts unterlagen werden, damit dieser Aufschub so kurz wie möglich ist. Der Oberste Rat rechnet fest darauf, daß die deutsche Regierung ihrerseits das deutsche Volk auffordern wird, bis zur endgültigen Entscheidung die größte Ruhe zu bewahren und daß sie gleichzeitig ihren ganzen unmittelbaren und mittelbaren Einfluß auf die Bevölkerung Oberschlesiens ausüben wird, damit diese die Autorität der interalliierten Kommission achtet. Der Oberste Rat lenkt insbesondere die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung auf die schwere Verantwortung, die sie ans sich laden würde, wenn sie es unterlaufen sollte, auf ihrem Gebiete, insbesondere an den Grenzen Oberschlesiens, die geeigneten Maßnahmen zu treffen, um jeden Versuch zu verhindern, der darauf abzielt, Unruhen in dem Abstimmungsgebiet zu fördern, oder wenn sie nicht jede Zufuhr von Waffen unb' Munition und jeden Uebertritt von Banden oder Bewaffneten streng unterbindet."
Was diese Ermahnung an die deutsche Regierung angelangt, so ist diese bekanntlich stets bemüht gewesen, die Ruhe in Oberschlesten zu wahren. Lediglich durch polnische Umtriebe und Gewalttaten ist die Ruhe in Oberschlesten gestört worden.
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Eine neu« Sitzung des Obersten Rates. t
Paris, 14. Aug. Nach bet „Chicago Tribüne" soll Anfang September in London eine neue Sitzung des Obersten Nates stattfinden, in der di« Zurückführung der französischen Truppen aus dem Düsseldorfer Bezirk und andere Fragen besprochen werden sollen. . ' ---- .....
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„Berichtigung" der Leipziger Urteile.
Paris, 13. Aug. In der Vormittags-Sitzung beschäftigte sich der Oberste Rat mit der Frage der Aburteilung der Kriegsbeschuldigten vor dem Reichsgericht in Leipzig. Ern Ausschuß soll die gefällten Urteile prüfen und nach gründlichem juristischen Studium dem Obersten Rate Vorschläge machen über die Berichtigung der deutschen Rechtsprechung, sei es, daß Urteile kassiert werden oder daß die Beschuldigten in Abwesenheit verurteilt werden sollen. Dieser Ausschuß wird sich aus je zwei Richtern derjenigen Länder zusammensetzen, die an dem Richtspruch von Leipzig interessiert find.
Der Oberste Rat beschäftigte sich denn mit der Frage der Kontrollkommissionen in Deutschland. Hierzu hatte Marschall Foch eine Entschließung vorgelegt, die von dem interalliierten Militärkomitee in Versailles angenommen worden war und die Aufrechterhaltung der Kontrollkommis- fionen in Deutschland, namentlich in Bezug auf dir Lufffchiffahrt, vorschlägt, Die Vertreter der Verbündeten waren einmütig der Ansicht, daß eine Uebetwachung der Entwaffnung in Deutschland, so wie der Ftiedensvettrag fie vorschreibe, fortgesetzt werden soll. Die Frage sei nur, ob die Konttollkommissionen in ihrer jetzigen Form I'lndig erhalten bleiben sollen. Briand erklärte, daß Frankreich sich einer Herabsetzung dieser Organismen, die zum Teil schon durchgeführt sei, nicht widersetzen werde. Ter italienische Ministcrpräfi- dent B o n o m i ist Anhänger einer zeitlichen Vr- schränkung dieser Komnüssionen. Lord Curzon verlangte, daß sie nicht mehr in Deutschland ihren Sitz haben sollten. Es scheint, so meint Havas, daß die anderen Delegierten darüber einig sind, baf} diese Kommissionen, wenn nicht in Berlin, so wenigstens doch in den Städten Deutschlands ihren Sitz haben sollen, wo dies nötig ist.
Rußland. — Die Oricntfrage. — Oesterreichs Finanzlage.
Paris, 13. Aug. Ter Oberste Rat beschäftigte sich in feiner Bormittagssitzung auch mit der Frage der Er« mhrung Rußlands und beschloß einen international«» Ausschuß, der nicht interalliiert sei» soll, einzusetzen, um die erfockerlichen Vorbereitungen zn treffen. Der Oberste Rat soll in diesem Ausschuß durch biet Mitglieder vertreten sein. Des ferneren Würbe die Frage bes Orients besprochen. Marschall Foch gab Ausklärung über die strategisch« Lage ber Meerengen und über deren Verteidigung, die sichergestellt fei. Außerdem besprach der Oberst« Rat die Finanzlage Oesterreichs. Die für Oesterreich vorgesehene Hilfe ist abhängig davon, daß Amerika aus seine Hypothek auf Oesterreich verzichtet. Der amerikanische Botschafter Harvey erklärte, eine Vorlage sei dem ameiiiani?t6en Parlament «uoegaugen, um diese Hypothek zu streichen. Ter Oberst« Rat sprach infolgedessen den einmütigen Wunsch au5, die Regierung der Vereinigten Staaten möchte diese Vorlage rasche« stenS annehmeri.
Paris, 14. Aug. Di« englisch« unb dir belgische Delegation haben heute Paris verlasie», cbcnso dir italienische Delegation.
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Eine polnische Rot«.
Paris, 14. Aug. Nach einer Havasmcldung aus Warschau hat der Ministerrat in einer außerordentlichen Sitzung beschlosic», an die verbündeten Mächte eine Note zu richten, in der erllärt wird, daß die Vertagung der Lösung der oberschlesischm Frage einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil verursacht. Die Verweisung des Problems an den Völkerbundsrat verlängere in unnötiger Weife den Zustand der Ungewißheit, in der sich gegenwärtig die oberschlesffche Bevölkerung befinde, denn er ver« tage die endgültige Einrichtung einer inneren Der« waltung auf unbestimmte Zeit.
Der Zusammentritt de» Bölkerbundsrate».
Paris, 14. Aug. (Havas.) Der Vorsitzende des Völkerbundsrates, Vicomte Ishi, hat sein- Kollegen von dem Briese Briands verständigt, in dem ihn dieser von der vom Obersten Rat getroffenen Entscheidung, die oberschlesische Frage dem Volker-, bunde vorzulegen, unterrichtet. Er verhandelt gegenwärtig mit ihnen über den Tag des Zu« sammentritts des Völkerbundsrates. • ’j
Der Entschädigungsausfchuß als Schiedsrichter.
Paris, 14. Aug. Der Oberste Rat hat bei schloffen, den Entschcidigungsausschuß als Schiedsrichter anzurufen, wenn unter seinen Mitglieder^ künftighin eine Uebereinstimmung nicht erzielt «ere den sollte. . •