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Amtliches Derülndigwrgsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurheffifche) Oberhessen

j Mt. 188

Die „Oberhessische Zeitun s' erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 4.75 Mk„ Lurch die Post 5.10 Mk. Ausgabe B mit „Oberh. Svort-Ztg." 1 Mk. mehr. Für ausfallende Nummern infolge Streiks ooer elementarer Ereignisse kein Ersatz. — Verlag von Dr. C. Hitzeroth. — Druck der Univ.-Buchdruckerei von Job. Aug. Koch, Markt 21/23 — Fernsprecher 55, — Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg

Sonnabend, öm 13. MM

Errrtirrg.

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5$. m

1921

Der Völkerbundsrat soll über Oberschlesien entscheiden.

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Erstes Blatt.

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’ Die Met tettniwii.

Berlin, 12. Aug. Beim Reichskanzler sand heute eine, emgehenbe Aussprache über die gesamte politische Lage statt, an der der Reichstagspräsident Löbe und der ste'ldertreiende Vorsitzende des Reichs- tagsausschusses für auswärtige Angelegenbeiten, Mülle r-Franken, teilnahmen. Tie Besprechung wird rwrgen mit Dr. Stresemann, dem Vorsitzenden oes ReichstagsauSschusses für auswärtige Angelegen­heiten, der inzwischen in Berlin angekommen sein wird, wieder ausgenommen. Der Gegenstand der heutigen Aussprache tvar bei der Erörterung der auswärtigen Politik insbesondere die o b er sch le si sche Frage. Ter Reichskanzler lezre den Ausgangspunkt, die Rich- tuug und das Ziel seiner Politik mit allen Konse­quenzen dar. Auch die Steuerpolitik, die für

Leistungen Deutschlands grundlegend ist, war der Gegenstand eingehender Würdigung. Ebenso wurden hie deutsche Leistungsfähigkeit und für den deutschen hurshalt bedeutungsvolle Fragen der Lohn- und Gehaltsempfänger erörtert, lieber den Zeil» punft des Zusammentritts des Reichstagsansschusses str auswärtig- Angelegenheiten kann Endgültiges noch nicht s'stgesttzt werden.

Wie der „Vorwärts" meldet, ist bei den Besprech» «ngen dir Einberufung des Reichstags nicht für «lbedingt nötig erachtet worden. Die Einber.-snug f»H jedoch erfolgen, sobald entscheidende Nachrichten ikt die oberschlesische Frage eintressen.

Laut „Deutscher Ailg. Zeitg." ist auf Sonnabend »rnuiltag eine Sitzung des Reichskabinetts auberaumt hwrden. . t ''

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Der dnhesde 4. MW WM.

Berlin, 12. Aug. Ter oberschlesische Korre- fpondent der „Boss, Zeitg." berichtet ausführlich über tu sorgfältige Vorbereitung einer gewaltsamen pol­nischen Aktion in Obcrschlesien. Zweifellos seien auch darüber die interalliierten Organe in Oberschlesien Unterrichtet. Es seien vier Zentren zu unter- scheiden, die die geplanten Bewegungen nach den ver­schiedenen Richtungen hin zu tragen haben. Tas wichtigste dieser Zentren befinde sich in Schoppinitz. Angeblich besorgten diese Zentren die Wwicklung der fitzten Anfstandsfokgen. In Wirklichkeit seien sie aber, Militär ischc Büros, die den militärischen Ver- tnültiingsapparat einer Neuen Aktion enthalten. Kahres der Aufständischen werden von der sogenannten polnischen Grenzpolizei mit den Gemeindewachen und dem Bund der Aufständischen gebildet. Tie Grenz- pclizci vcksügt über starke Kräfte. Der Bund der Aufständischen ist eine private Organisation, die die breitere Masst aller Aufständischen enthält, wofür sich keine Gelegenheit bot, sie mit Amtsgewehren zu ver­sahen Außerdem bestehen noch in vielen Bezirken Polnische Zivil-- und Aufstandsöehörden fort. Ein bestimmter Termin für die Erhebung, auster vielleicht den! Tage des Bekanntwerdens der Entscheidung über OberschlesienS ist noch nicht ins Auge gefaßt. Das Losbrechen der neuen Aktion sei aber jeden Tag möglich

Das „Berl. Tagebl." meldet ans Kattowitz: Es liegen Nachrichten vor, daß mit dem Einmarsch t> olnischer regu l ärer TruPpen zu rechnen ist. Die polnischen Soldaten an der Grenze rufen jeden Tag über die Grenze, daß sic spätestens am Sonntag kilnr die G^izc kommen und in die Ortschaften ein- marschieren werden.

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Deutsch-polnische Besprechungen.

Kattowitz, 12. Aug. Maßgebende Vertreter der deutschen und der polnischen Partei haben ans Ein- ladang der letzteren am Freitag in einer eingehenden .jprcchung die Möglichkeit erwöge!!, auf das ober- Ichlcjisthc Volk einznwirken, um die tief bedauerlichen ^r.Swüchst der letzten Zeit zu beseitigen und"insbeson- :e die Beriihignckg des Volles im Hinblick auf die bevorstehende Entscheidung zn erreichen. In den dächftrn Tagen werden beide Parteien einen eut- fplschendeu Aufruf 'veröffentlichen.

Tie „AbrüfiungS"-Konferc«z. Reuter meldet aus LSashiugton. die EintadunLen zur Abrüstimgskonse- tenz wurden an Großbritannien, Flaulrcich, Japan, China und Italien abgesandt. Der Text schränkt den Wpiclraum der Verhandlungen nicht ein, regt aber an, den Rüstungen zur See den ersten Platz unter den 'Verhaudlungsgeaenständen einziirüumen, wenngleich elf anderen Rüstungsarten von der Erörterung nicht *«szcsch!os!en sein soLe«.

Ende der Mil« fiimöhie.

Paris, 12. Ang. Der Oberste Rat entschied, die oberschlesische Frage dem Mlkerbundsrat zur Begutachtung zu überweisen, indem er erklärt, daß er die Entscheidung dieser Organisation zn der seinigen machen werde. Man einigte sich also offi­ziell auf einen Schiedsspruch. Die juristischen Sach­verständigen beschäftigen sich jetzt damit, eine Formel zu finden, die in Uebereinstimmung mit dem Völkerbundsstatut eine derartige Prozedur ge­stattet. Es ist wahrscheinlich, daß Verstärkungen nach Oberschlesien gesandt werden. Der Vertreter der Vereinigten Staaten beim Obersten Rate er­klärte, es scheine ihm immer mehr, daß diese Frage einen rein europäischen Charakter habe.

Der Oberste Rat wünscht ein Gutachten über die Grenzlinie zu hören, deren Bestimmung den alliierten und assoziiertest Mächten obliegt. In An­betracht der Lage Oberschlesiens wird der Völker­bundsrat gebeten, das Verlangen als sehr dringend zu betrachten.

KsMe eher smzMe Am«?

Die „Nervosität der öffentlichen Meinung" ist schuld.

Paris, 12. Aug. Erst als Briand dem eng­lischen Ministerpräsidenten Lloyd George mitteilte, daß der französische Ministerrat der Ansicht sei, Zu­geständnisse über die Ssorzalinie nicht machen zu können, schlug Lloyd George vor, den Schiedsspruch des Vülksröundsrates anzurufen, um es nicht zu einem Bruch der Entente kommen zu lasten, da die öffentliche Meinung der beiden Länder dagegen auf das Entschiedenste Stellung genommen hatte.

Havas meldet, daß die Verweisung der ober- schlcsischen Frage au den Völkerbund aus bri­tische Initiative hin erfolgte, die von der japani- schen und der italienischen Abordnung unterstützt worden ist.

Nach einer anderen Meldung hat Brian d vor­geschlagen, die oberschlesische Frage an den Völker­bundsrat zu überweisen, worauf Lloyd George er­klärt habe, die englische Regierung fei mit dem Ver­schlage Briands einverstanden. Die englische und die-italienische Delegation haben anerkannt, daß hierin die beste Losung liege, dem Streit ein Ende zu machen, aber es handle sich nicht um eine Mei­nungsverschiedenheit zwischen England und Frank­reich. Die italienischen Sachverständigen wie auch der japanische Delegierte seien derselben Ansicht,^ wie die englischen Sachverständigen. Damit sei keine Kritik an der Haltung weder der französischen Regierung noch ihrer Sachverständigen aus­gesprochen. Aber es müsse jetzt mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß England nicht allein stehe. Die Schwierigkeiten rührten nicht aus der Frage an sich, sondern von der Nervosität der öffentlichen Meinung her. Die Mehrheit des Obersten Rates habe sich einer be­stimmten Auftastung angefchlosten. Nur Frankreich habe eine andere. Deshalb fei es angebracht, die Angelegenheit vor ein anderes Tribunal zu brin­gen, um zu einer Lösung zu gelangen. Der Be­schluß, die Frage an den Völkerbund zu verweisen, sei nid); Sache einet, sondern der Gesamtheit der im Obersten Rate vertretenen Mächte.

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Lloyd Georges Grenzlinteneutwurf. 01 ~

Berlin, 12. Aug. „Daily Mail" meldet aus Paris, die Verhandlungen des Obersten Rates feien zusammengebrochen. te sei vollkommen nn- nwglich. die Widerstreitenden sranzöfischen und eng­lischen Standpunkte miteinander zu versöhnen. Lloyd George bestehe energisch daraus, daß das gesamte Herz deS ober schlesischen Industriegebietes einschließlich der drei Städte Beuthen, Gleiwitz und Hindenburg an Deutschland falle und ■ daß et nur zu einem ganz geringen Zugeständnis an der Ostgrenze dieses Bezirks bereit sei.

Paris, 12. Aug. In dem von Havas verbreite­ten divlomalischen Lagebericht vom Donnerstag beißt c3 u. a.: Ter im Laufe des Vormittag vom Sachver- ständigenauSschutz eingereichte. Bericht kommt zu dem Ergebnis, datz in dem Jndustriebezirk als ganzes 16 Kreise bestehen, wovon 10 polnisch und 6 deutsch sind. Allerdings erscheinen unter den letzteren die groben Städte Beuthen, Kattowitz, Gleiwitz, Hindenburg und Königshütte. Um 6 Uhr hatten Briand und Loucheur mit de» beiden englischen Ministern eine einitündige Unterredung, in deren Verlauf der englische Minister­präsident Briand den Entwurf der Grenzlinie über­

reichte, der auch die Zustimmung der italienischen Ab­ordnung gesunden hat und Deutschland da- ganze Jndnstrtedreieck zufallen lasten dürfte, mit Ausnahme eines kleinen Einschnittes östlich von Kattowitz, wo­durch u. a. MySlowitz an Polen f6Ct. Sofort nach seiner Rückkehr zum Quai d'Orsay beauftragte Briand die französischen Sachverständigen, den englisch-italie­nischen Entwurs nach seinen wirtschaftlichen und eth­nographischen Folgeerscheinungen hin zu prüfen.

Aus der von Lloyd George gehaltenen Rede sind folgende Ausführungen hervorzuheben: Der Völker­bund dürfe sich nicht durch die bisher vorgebrachten Vorschläge gesunden fühlen. Er müste die Frage von neuem in Ihrem ganzen Umfang untersuchen, ohne sich um die früheren Behandlungsarten zu kümmern Et sei Voraussetzung, daß die Mächte die vom Völkerbundsrat getroffene Entscheidung ohne Vorbehalt a n n e h m e n. Der Völkerbund sei gebeten, di« Prüfung der Frage sofort aufzu­nehmen. Es werde ihm fteistehen, ein beliebiges Verfahren zu wählen, und er könne entweder einen internationalen Gerichtshof ober auch einen Aus­schuß von Juristen von internationalem Ruf bilden. Die Mächte müssen auch der Lage in Oberschlesien selbst Rechnung tragen. Wenn es für angebracht gehalten werde, verbündete Truppen ins Ab­stimmungsgebiet zu schicken, werde sich England an der Absendung der Verstärkungen in demselben Verhältnis beteiligen wie Lie anderen Mächte.

rMmWe AuWm in Frankreich.

Eine „hinkende Lösung". — Notbehelf und «erlegen heitSmlttel.

Paris, 12. Aug. Die Entscheidung des Obersten Rates, die Lösung der oberschlesischen Frage dem Völker­bundsrat zu überweisen, wird von der Abendpresse zum Teil sehr skeptisch ausgenommen, Zustimmung finbet der Beschluß bis jetzt noch nicht. Auguste Ganvain sagt im „Journal des Dubais", die hinkende Lö« s ö u n g, auf die man sich geeinigt habe, sei ein N o t b e » Helf, aber es sei die einzige Lösung, die einen Bruch habe verhindern können. Nach Gauvains Ansicht ist es von größter Wichtigkeit, daß Deutschland btt Entschei­dung annehme, und daß eS nicht behaupten könne, daß Frankreich es allein sei, daS ihm die Provinz rauben wolle. — Jaques Bainville sagt in der „Liberte", die Wahrheit müsse klar ausgesprochen iverden, die sich aus der oberschlesischen Frage klar ergeben habe: Frankreich ziehe hüb. England Hot. Heute morgen sei der Wagen regel­recht stecken geblieben. Um ihn wieder flott zu machen, habe man zum Spruch des Völkerbundes gegriffen, daS sei ein Verlegenheitsmittel. Bainville hat Bedenken, ob der Spruch des Völkerbundes genügend Autorität besitze unb wieviel Zeit der Bund brau­chen werde, um ihn zu fällen. Durch das Aushilfsmittel des Schiedsspruches hätten die Regierungen zwar das Ge­sicht gewahrt, ober die schlesische Wunde bleibe offen. — Sehr kritisch verhält sich der „Temps". Tas Blatt zweifelt es an, daß der Völkerbund berechtigt fei, die Mis­sion anzunehmen, die ihm der Oberste Rat übertragen habe. Das Blatt ist der Ansicht, daß der Vertrag er» fordere, daß die Teilung Oberschlesiens durch die alliierten und assoziierten Hauptmächte vorgenommen werde und ni'cbt durch den Völkerbund.

Pari s, 12. Aug. „L'Oeuvre" schreibt, obzwar Lloyd George Lord Curzon und die englischen Sachverständigen in Paris zurücklasse, könne sein- Abreise nicht verfehlen, als ein Abbruch der Verhandlungen, ja vielleicht als ein Bruch der Entente gedeutet zu werden. Das Blatt sagt, das gestrige Mittagessen in Rambouillet sei steif verlausen. Bei einem Spaziergang habe Millerand Lloyd George sein Bedauern über die Lage ausgesprochen. Slotjb George habe gesagt: „Ich bin zu einem Abkommen bereit; Briand weigert sich!", worauf Briand gesagt habe: „Ich gehe in dem Wunsch nach Entgegenkommen so weit, wie es die öffentliche Meinung Frankreichs und die Sorge um seine Sicherheit gestatten!" Bei der Rück­kehr von Rambouillet habe jedermann unter deut Ein» dr'k gestanden, daß der sranzösisch-englifche Konflikt rnk eidlich sei.

Lloyd Georges Abreise.

Der Vorwand.

Paris, 12. Aug. (Havas.) Lloyd George ist um 12 Uhr auf dem Nordbahnhof abgefahren.

Zu her Erklärung Lloyd Georges, er habe durch Flugzeug aus London einen persönlichen Brief de Valeras erhalten, der eine sofortige Zusammenberufung des Kabinetts notwendig mache, wodurch er gezwungen sei, Paris zu verlassen, schreibt der „Malin", Lloyd George hab- sich dieses Vorwandes bedient, nm im Obersten Rat nicht das Schauspiel einer tiefgehenden Meinungsverschiedenheit zwischen Frankreich und Giig» land zu geben.

Der Pariser Berichterstatter des „Daily Hctald" erfährt von maßgebender Seite, daß der Bries be ValeiaS nichts enthalten hätte, was die plötzliche Abreise Lloyd Georges auS Paris rechtfertige. Es bestehe kein Grund zur Annahme, daß die irischen

Verhandlungen in Gefahr seien, abgebrochen zu fuetben. Em bekannter Jrenführer erklärte, inoffiziell herrsche bie Ansicht, baß Lloyd Georges Abreife ans Paris einen anderen Grund habe.

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Tie „Times" schreiben, man nähere sich einem B c u ch. In gut unterrichteten französischen Kreisen befürchte man zwei Krisen: Die Gefährdung der Entente und ben Zwang eines Ministerwechsels in Frankreich. -

Die F- ^^rbefchuldigten«.

Paris, 12. Aug. Nach bet Abreise Lloyd Georges wurden dis Beratungen fortgesetzt. Man beschäftigte sich mit der Frage der Aburteilung der Kriegsbeschuldigten. Der Oberste Rat beschloß, di« Justizbehörden der verschiedenen beteiligten Länder zu . .amten, die den Verhand«

lungen vor dem Rsrck^qsrfcbt in Leipzig beiwohn« ten, Vorschläge über die einzunehmende Haltung zu machen.

Paris, 12. Aug. <Havas.) Der Oberste Rat wird morgen seine Arbeiten beenden. In der Sitz««« am Vormittag werde er die Frage der nach Oberfchle» sie« zu entsendende« Verstärkungen behandel« mch ebenso die Frage der Aufhebung der wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen. Die tn Paris verbliebenen en* lischen Delegierten werden am Sonntag «ach Eng­land abreisen. i

Der Standpunkt Italiens und Japans.

Parts, 12. Aug. Der italienische Ministerpräsi­dent Bonomi führte ans, daß er sich mit Lloyd George einig geworden sei, daß bei der «müberbrück» baren Auffassung die Frage a« den Völkerbund Über­wiesen werde. Italien sei der Ansicht, datz es nicht zum Obersten Rat gekommen sei, um sich der französischen oder der englischen Ansicht anzuschlietzen, sondern um genau zu prüfen, auf welcher Seite das Recht lieg«. In diesem Sinne fei der italienische Sachverständige nach sorgfältiger Prüfung der englischen Ansfasiun- beigetreten. Wenn der Völkerbund entschieden bade, sei auch Italien bereit, nach Oberschlcstcn Trup- penverstärkungen zu entsenden. Darauf eilt arte der japanische Delegierte, datz die zentralen Jndnstrie- bezirke Deutschland zuzusprechen seien. Indessen nehme er nicht Anstand, die Angelegenheit dem Völker­bund zu überweisen.

Die Zusammensetzung des Völkerbundöcaieö.

Der Völkerbundsrat setzt sich zur Zeit aus folgen­den Persönlichkeiten zusammen: Hymans-Belgien, Dacunha Brasilien, Koo-China. Qinoes-Spanie«, Hanotaux-Fraukreich, als Bertteter Leon Bourgeois, Fisher-Großbritannien, Orsini-Italien und Vicomte Jsthi-Japan. Alle Defchliiffe des Völkerb.mdes be­dürfen einstimmiger Annahme.

Bin vMIMmziWtt WvüiM.

London, 12. Aug. Der diplomatische Bericht­erstatter des „Dally Telegraph" erklärt, am Mittwoch Abend scheine Briand eine ernste Mitteilung vom Präsidenten der Republik erhalten zu haben, die daz« geführt habe, daß Briand erllärte, daß Frankreich! ben kritischen Standpunkt nicht aunehmcn könne. In Anbetracht biefet Haltung Briands bestehe der starke Veracht, daß als Ergebnis eines Meinungs­austausches zwischen den Oberhäuptern Frankreichs und Polens schon seit einigen Monaten ge­wiss: wirtschaftliche und vielleicht auch territoriale Ver»: pslichtnugen Frankreichs gegenüber Polen beständen.

Dec „Daily Expreß" schreibt unter der Ucletichrist: „Geheimabkommen mit Polen", die Lage sei seht ernst. Frankreich habe ein Nebeteinkommen mit Polen ge­schlossen, das nur als ein Geheimvertrag be­zeichnet werden könne. Lloyd George habe sich ge-. weigert, an der Erfüllung dieses Uebereinlommens ttilzunehmen wegen der Ungerechtigkeit dieses Akte- gegen Deutschland nnd weil er überzeugt sei, daß die: Folge davon ein künstlicher Krieg in Europa sein könne. In dieser Haltung werde er von bet ge- samten britischen Ration unterstützt.

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Feruhallung deutscher Journalisten aus Obcrschlefle«.

Die Besürchtungen, datz den Vorbereitungen zu« vierten Polenanfstand vom Vorsitzenden der Jnter- alliierien Kommission in Oppeln, General Le 9tonK. und der großen Zahl der ihm unterstellten sranzösi- schen Ofsiziere Vorschub geleistet tvird, werden da­durch bestärkt, daß die Jutcraüiterte Kommission be- michl ist, allen deutschen Journalisten die Einreise i» das oberschlcstsche Abstimmungsgebiet nnmö glich zu machen. Alle tn der letzten Zeit von deutschen Journalisten cinaeretdjfen Etnrciscgesuche sind durch Verweigerung des Patzvisnms abgelehnt worden. Die Absicht der Interalliierten Kommission liegt klar zutage. Sie will vehrtudern, datz über die demnächst zu erwartenden Vorgänge in Oberschlesten wahrheits­getreu berichtet wird; vielmehr soll die europäisch«