Amtliches VerÄndigimgMM des Kreises MLrlmrg.
Anzeiger für (das früher kurheUche) Oberheffm
Die „Oberhessische Zeitung' erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich
4.75 Mk., durch die Post 5.10 Mk. Ausgabe B mit „Oberh. Soort-Ztg." 1 3KL mehr.
*>« Ifiß Für ausfaNende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. — Verlag von Dr. C. Hitzeroth.—Druck der Univ.-Buchdruckerei von Job. Aug. Koch,
Markt 21:23 — Fernsprecher 55, — Postscheckkonto: Nr. 5015 Ami Frankfurt a. Main.
Um Sie Teilung des odeWWeii WWeMtes
Die Serolang her 6tMhhiiti.
der
die der des
Oppeln im Quai d'Orsay zusammengetreten, um eine Lösung auf mittlerer Linie auszuarbeiten, die dem Obersten Rat unterbreitet werden wird, zur T e i l u n g deS oberschlesischen Jndustriebezirkes zwischen Polen und Deutschland. Um 3 Uhr nachm. traten die Sachverständigen erneut zusammen. Sie konnten ihre Arbeiten noch nicht beenden. Der Oberste Rat wird deshalb dir oberschlesische Frage erst in seiner morgigen, Sitzung aufs neue behandeln.
sein, nunmehr gleichfalls zum Offizierrang in französischen Armee zugelassen zu werden.
Dir Gegensätze im Danziger Parlament. Wie Blätter aus Danzig ,neiden, wurde im Volkstag
die in
Die erstrebte Lösung „auf mittlerer Linie".
Paris, 10. Aug. Schon seit S1/» Uhr sind Sachverständigen wie auch die Oberkommissare
mäßigen Abschub von 100 000 Bauern aus den Hungergouvernements uni> an der Ueberführung von Flüchtlingen nach Polen. Lettland und Litauen.
London, 10. Ang. Nach einer Meldung aus Hel- mgiors stellt die russische Botschaft in Finnland in Abrede, dax Lenin beabsichtige, ins Ausland zu gehen.
Elsässer rönnen Offiziere der französischen Armee sein. Nach einer Verfügung des französischen Kriegsministers können Elsasi-Lothringer, die durch den Friedensvertrag die französische Nationalität erworben haben, Reserveoffiziere der^französischen Armee werden, mit Ausnahme derjenigen, die aktive Offiziere oder Freiwillige in der deutschen Armee waren. Nachdem sogar eine Reihe von Marokkanern als Offiziere in der französischen Armee zugelaflen worden sind, wird cS für die Elsasz-Lothringer eine besondere Ehre
Nach Ablehnung des Antrags brachten die Mehrheits- sozialisien einen Anttag ein, durch den dem Senat das Mißtrauen ausgesprochen wird. Ter Volkstag wird ani Tiens tag über diesen Antrag Beschluß fassen.
So? UM Mil- und EehMWHMM
Berlin, 10. Aug. Bei seinem Zusammentritt int September wird sich der Reichstag voraussichtlich sofort r.tl einer Angelegenheit von weittragender Bedeutung zu befassen haben. Tie Reichsregierung ist schon seit einiger Zeit in eine Prüfung der Frage eingetreten, inwieweit voraussichtlich die dcmnachflige Brotprcis- -erhöhung, die Steigerung der Mietpreise und die Ausirielung der Steuergesetzgebung, z. B. eint etwaige Verteuerung von Kohle, Gas usw., eine Steigerung der Kosten der Lebenshaltung herbeiführen werden und wieweit ihr bei der durch die Entfchädigung-zahlung aufs äußerste angespannten Finanzlage des Reiches durch eine Erhöhung der Löhne und Gc- h älter der Arbeiter, Angestellten und Beamten zu begegnen ist. Da diese Frage auch für die Länder von einschneidender Bedeutung ist, so wird sie nicht ohne Benehmen mit den Landesregierungen geregelt wrden können. Es ist zu erwarten, daß schon in kurzer Zeit die erforderlichen Verhandlungen beginnen werden, fo daß dem Reichstag nach den Ferien bereits feste Vorschläge unterbreitet werden können.
Antrag der Mehrhcitssozialisten auf Auflösung Parlaments mit 62 gegen 41 Stimmen abgelehnt.
Marburg rommiog, hei 11 MO
Erntiug.
Die Hungersnot in Rußland.
’ Kopenhagen, 9. Aug. Trm Blatte „Politiken" wird aus Riga telegraphiert, nach bolschewistischen Blät- termeldüiigen hätten die russischen Eisenbahnen, die den Verkehr mit dem Doncz-Ton-Vecken unterhalten und die Ukraine mit Zentralrußland verbinden, am 25. Juli nur noch für drei Tage Heizmaterial gehabt. Um eine Katastrophe zu b?rm-i-d-n, sei alles vorhavchene Brennmaterial beschlagnahmt und der an sich schon sehr eingeschränkte Eisenbahnverkehr weiter eingeschränkt worden, was die Lage im Hungergebiet verschlechtert habe. Auch die Kohlemichustrie im Don-Gebiet sei von den Verkehrs- «inschränknnaen betroffen, da die Zufuhr von Lebens- Mitteln für die Grubenarbeiter erschwert sei. — Aus zu- verlässiger Quelle wird mitgeteilt, daß bis Ende Juli regen i-30 000 Personen an der Cholera gestorben sind.
Nepal, 10. Aug. Im Auftrage der Sowjetregie- i«BS6 arbeitet das Ze-rtrLieLer'ütivkormLss an dem p'mrr-
Die Vesatzungskosten.
Paris, 10. Auq. Die interalliierte Finanzkom- mission beschäftigte sich vor allen Dingen mit der Frag: der Kosten der Besatzungstruppen. Es wurde beschlossen, einen Ausschuß cinzusetzen, bestehend aus den Finanz- miniftcrn der verbündeten Länder, um den Betrag der Kosten für die Besatzung bis zum l.Mai sestzustellen. Dieser Ausschuß soll auch die Besatzungskosten für keden einzelnen Fall prüfen. Während ein englischer Soldat 15 Goldmark pro Tag kostet, betragen die Unterhaltungskosten'für einen französischen Soldaten nur 6 Goldmark. Minister Loucheur schlug zur Vereinheitlichung der Ausgaben einen Betrag von 11 Gold mark vor für jeden Mann. Ws jetzt hat die englische Telegatton diesem Antrag noch nicht zugestimmt. Der gleiche Ausschuß muß auch prüfen, ob die Lieftrungen Deutschlands die Kosten decken und wenn nicht, wie das Defezit gedeckt werden soll. Ein tveiterer Ausschuß soll die Vesatzungskosten nach d:m 1. Mai prüfen. Dieser Ausschuß wird morgen zufammen- treten-
Die erste Milliarde.
Berlin, 10. Aug. Der „TeutjHe" erführt von zuständiger Steile, daß die volle Zahlung der ersten Milliarde bis zum 31. August nach den Forderungen des Londoner Ultimatums gesichert sei.
Berkin, 10. Aug. Der Zeniralaudschuß der kom- munrstischen Arbeiterpartei erklärte, daß der Bruch mit Moskau grundsätzlich vollzogen fei. Eine Kommission soll die Vorarbeiten zur Herbeiführung des Zu- ämmenschlusses aller in der Opposition zu Moskau stehenden revolutionären Parteien und Verbände leisten.
—*— -"F
Aus dem besetzten Gebiet.
Berlin, 10. Aug. Die „B. Z. am Mittag" ist im unbesetzten Gebiete (Düsseldorf, Ruhrort und Duisburg) und in der belgischen Zone auf einen Monat verboten. Das Verchot wurde veranlaßt durch die Wiü>ergabe eines Erlasses des Generals Degoutte über Trunkenheitsausschreitungen der farbigen Truppen und einiger anderer Mitteilungen über die Zunahme der chwarzcn Gefahr.
Köln, 10. Aug. Der Vertrieb der „München- Augsburger Abendzeitung" ist vom 8. Aiuprst ab auf die Dauer von drei Tage« in der Pfalz verboten. Die „Bayrische Staatszeitnng" ist ab 8. August wrgeit eines Aufsatzes „Der Wirtschaftstod in der Pfalz" verboten wachen.
Köln, 10. Aug. Die Rbeinlandskommiffton teilte dem Reichskommissur eine Entscheidung mit, wonach sie beschlossen habe, nicht mehr zuzulassen, daß die dentschcu Gerichte über die Vaterschaftsklagen gegen Personen zu entscheiden haben, die zu den verbündeten Armeen oder zur 'nterallüerten Rheinlandskommsssivn gehören. Die Rhein- landkommission ist der Ansicht, daß der Kläger dlesi Klage vor dem nationalen Gericht des Betreffenden ein- bringen muß.
Düsseldorf, 10. Aug. Der verantwortliche Re. dskteur der dentschnationalen Zeitung „Volksgemeinschaft" Mauritius ist aus Düsseldorf «msgewiesen worden, da seine Antvesenheit geeignet sei, die Sicherheit der BesatzungS- trupprn zu untergraben. Die Zeitting ist bereits vor einigen Wochen verboten worden.
Wi e s b a d c n, 10. Aug. Zu der gemeld-ten Verbaf- tung des Vol-'zeikommissars Klieforth durch die Franzosen werden folgende Einzelheiten gemeldet: Der Polizeikom- missar batte einen anderen Beamten gerügt, weil er ihn zusammen mit einem Marokkaner gesehen hatte. Wahrscheinlich durch Denuntiation wurde dieser Vorfall der französischen Vefatzungsbehörde bekannt, die die sofortige protokollarische Vernebmuno Kliesorths anordnete. Der Kommissar weigerte sich jedoch unter Hinweis auf seine llukenntnis der französischen Sprache, das aufgestellte Protokoll zu unterschreiben, worauf der französische Obcr- kommissar eine Stunde später die Verhaftung anordnete.
Mainz, 10. Aug. Die gemeinsame Notzeitung der van dem Setzerausstand betroffenen Blätter ist gezwungen worden, Meldungen des französischen Blattes „Echo du Rhin", das ebenfalls von dem Ausstand lahmgelegt ist, zu veröffentlichen. Die Redakteure der Notzeitti nz enden die Erklärung ab, daß sie die Verantwortung für den französischen Text ablehnen.
k 55.3M, 1921
Der Anzeigenpreis beträgt für die 9 gesp. Colonelzrile oder deren Raum 90 Pfg. u. 10°Jo Ausschlag, amtliche und auswärtige 1.20 Ml. Andere Spaltenbreiten nach entsprechender Berechnung. Spät einlausende oder den Raum über tt, Seite einnehmende Anzeigen sind ®tr berechtigt, nach der Textspaltenbreite zu setzen und zu berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir die Zeile mit 3.00 Mk. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Auskunft durch die Geschäftsstelle und Vermittlung der Angebote 75 Pfg. Sondergebühr.
Die WlM-fnmMA SmWi.
Z Kosel, 10. Ang. Französische Patrouillen erscheinen fortgesetzt in den Ortschaften der Kreise Kosel und Groß- Stnhlitz und nehmen Massenverhaftungen vom Deutsch e n vor, die sie dann nach Gleiwitz schassen. So wurden he^e««cht Groschowitz, Kleinalthammer und iMalveutitz von solchen Patrouillen heimgesucht und eine Anzahl von Deutschen verschleppt. Die polnisch-gesinnte- Vcvöllcruug ergeht sich in Drohungen gegen die Deutschen die vielfach flüchten.
' Gleiwitz, 10. Aug. General de Brames richtete sian den Oberbürgermeister ein Schreiben, in dem er ihn »«issorderte, Zwangsmaßnahmen zu treffen zwecks < Einstellung der Tätigkeit d« deutschen Ausschüsse für 'Oberschlesien in Gleiwitz. Der Oberbürgermeister and 'tzoortetr/er sei dazu nicht imstande, weil das deutsche Gesetz keine solchen Zwangsmaßnahmen gegen Institutionen, die im Interesse und znm Wahle der Volkes wirken, kenne. Bon ähnlichen Maßnahmen gegen die p o l n i s ch e KolksVertretung in Oberschlesien, den obersten polnischen Polksrat, habe die Oesscntlichkeit bisher nichts gehört.
Breslau, 10. Aug. Auf eine Anfrage, ob die- fenigen Personen, die infolge des Ansstaudes geflüchtet find, berechtigt feien, ohne besondere Ermächtigung nach Oberfchlesieu zurückzukehren, hat die interalliiert« KegierungSkommisfton entschieden, daß diejenigen Flucht- fiuge, die den Wunsch haben, nach Ol-crfchlesien zurück- Hukehreu, zu diesem Zweck ein Gesuch an den Kreis- stvntrolleur ihres Wohnsitzes zu richten haben.
Ein Mahnruf au den Obersten Rat.
' Leobfchütz, 10. Aug. An den Obersten Rat in. Karis richtete der deutsche Ausschuß in Lcobschütz einen Mkahnrus, worin es heißt: Der Kreis Levbschütz erklärte, sich bei der Abstimmung mit 99,63 Prozent der sabgegebenen Stimmen für Deutschland. Di- Bevölkerung erwarte: 'deshalb, daß der Kreis ungeteilt bei Deutschland verbleibt, nachdem die Voraussetzungen des ^Frieden-Vertrages gegeben sind, nämlich der Zusammeu- Hana mit Deutschland durch die für Deutschland gefallene Ab st: mmuug der Bezirke Obcrglogau, Kosel und Oppeln gewährleistet ist. Es wird ferner die Erwartung ausgebrückt, daß sfifittä Oberfchlesieu ungeteilt bei Deutschland verbleibt, weil die Abstimmung dafür spricht, und die wirtschaftlichen Wechselbeziehungen aller seiner Teile und Kreise dies unbedingt erfordern.
während der noch nicht ausgebeutete südliche Bezirk entsprechend im Wert« steigen werde.
Wem der Nessle M eMIede» 6al.
Paris, 10. Aug. Ueber das Verfahren, das die Verbündeten nach der Festschung der oberschlesischen Grenze durch den Obersten Rat einzuschlagcn gedenken, glaubt der „Jntransigearrt" folgendes mitteilen zu können: Zuerst würden sich die Oberkommijsare auf ihre Posten in Oberschlesien znrückbegebeu, dann müßte» die verbündeten Truppen an Ort und Stolle in den Verteidigungszustand versetzt werden. Darauf werde man in Berlin und Warschau wissen lassen, daK jede der beiden Negierungen eine große Berantwortunß, auf sich lade, wenn sie es za Unruhen oder Massen^ knrrdgebungen kommen lassen würde. Im übrigen sei noch nicht bekannt, wie der Oberste Rat seine Ent-, fchechung den beteiligten Mächten mitteilen werde.
Italiens Standpunkt.
Paris, 10. Aug. Nach dem „Petit Parisitu* erklärte der italienische Ministerpräsident in seiner gestrigen Rede im Obersten Rat, wenn es sich um eine Frage auf Leben oder Tod für Polen Handels toÜibe et nicht zögern, der junge,: Republik Vorteile zn gewähren: er würde ihr selbst ganz Oberschlesie« geben, aber e§ handele sich um etwas anderes, es handele sich darum, zwischen zwei Rassen zu entscheiden, die sich um ein Gebiet stritten, das keine klar gezogene Trennungslinie habe. Die Volksabstimmung sei als» dir einzige Andeutung, di« mau besitze. Deshalb müsse man sie so enterpretiereu, wie der Vertrag sie vorschreibe und jeder Stimme den gleichen Wert zu» erkennen. Was vor allen Dingen nottue, sei dir Aufrechterhaltung der Entente. An Bedeutung überrage das oberschlesische Problem alle anderen.
SriMM uni) MMM.
Paris, 10. Aug. Ucbcr die heutige Vomrittags- sitzuug des Obersten Rates ist folgender offizielle Bericht ausgegeben worden:
To die mit dem Studium der oberschlesischeu Frage bcaustragten Sachverständigen ihre Arbeiten noch nicht beenbft haben, hat der Oberste Rat die Prüfung der Lage im Orient fortgesetzt. "Der Rat hat anerkannt, daß der Augenblick noch nicht gekommen fei, um ein Eingreifen in den türkisch-griechischen Konflikt zu rechtfertigen. Tie Verbündeten könnten daher unter den augenblicklichen Verhältnissen nur eine Politik der strikten Neutralität beibehalten, jedoch müßt« diese Neutralität kein Hindernis für den freie» Handel bilden. Ter Rat ist dann in einen Meinungsaustausch über die Frage von Konstantinopel und die Meerengen eingetreten. Man beschwerte sich von englischer Seite darüber» daß die Türken am Bosporus von den Bolschewisten mit Waffen versorgt werden. Es wurde daher verlangt, daß auch die Griechen ihrerseits den Bosporus zu ihren Operationen benutzen dürfen. Im Gegensatz zu dieser Auffassung erklärte der sran- zöiische Vertreter, es sei sehr wichtig, daß keinerlei Kriegshandlungen im Bosporus L’orgeuommcn werden. Es wird ein gemeinsamer Schritt der Verbandsregierungen bei den beiden Regierungen unlemommcs werden, um die Freiheit der Meerengen zu sichern. Folgende Entschließung wurde angenommen: Ter Ver- baudsregierungen behalten sich jederzeit vor, ihre guten Dienste als Vermittler anzubieten, sind aber der Ansicht, daß die Stunde noch nicht gekommen ist, um mit einem günstigen Erfolg eines derartigen Schrittes zu rechnen.
Lloyd George hat den Standpunkt vertreten, daß die Neutralität im türkisch griechischen Konflikt keineswegs ein Verbot des privaten .Handels mit Kriegsmaterial erfordere, solange die Regierungen selbst nicht eingreisen. Ties sei auch die bisher geltende Auffassung in der Ncutralilätsfrage. Nach einem Meinungsaustausch zwischen dem italienischen Minister des Aeußeren, dem amerikanischen Botschafter Havashji erklärte auch Ministerpräsident Vriand, daß et gegen dir Auslegung Lloyd Georges, die ten französischen Ansichten entspreche, nichts ciuzuwendcn ’ habe.
Zn der kleinasiatischen Frage äußerten sich Mar- ■ schall F o ch unb der englische Oberst Heywood, der kürzlich an der griechisch-türkischen Front gewesen ist.
- Tie beiden militärischen Sachverständigen erklärten, : über das endgültige Ergebnis des türkisch griechischen ' Feldzuges könne man vielleicht erst nach Monaten ‘ urteilen, da die endgültige Entscheidung so lange : hinausgeschoben werden könne. Die Absicht der Vec- t kündeten fei, in diesem Konflikt neutral zu bleiben. /.Eine andere Handlungsweise sei nicht möglich, d«
* Lloyd George über den deutschen Charakter Ä Oberschlesiens.
Paris, 10. Aug. Das „Echo de Paris" gibt die Rede Lloyd Georges offenbar in einer von englischer Seite ausgehenden Fassung wieder. Eine Stelle verdient besonders hervorgehoben zn werden. Lloyd Georg« sagte, Schlesien ist während 700 Jahren deutsch gewesen, d.h. während einer längeren Zeit, als die, die verflossen ist, seitdem die Normandie zu Frankreich gehörte. Es ist wahr, daß Schlesien zu Oesterreich gehört hat, bevor es von Friedrich dem Großen erworben wurde. Selbst in diesem Falle müsse doch zugegeben werden, daß Schlesien 177 Jahre zu Deutschland gehöre, also eine länger« Zeitperiode, als die Periode, toäfjrcnb dec Frankreich El saß-Lo th ringe n besässen hätte, bis es ihm 1871 abgenommen wurde.
Ans dm Wge zm WM '
Preisgabe des Grundsatzes der Unteilbarkeit des Industriegebietes.
Paris, 10. Aug. Der „Petit Parisien" sagt, zum ersten Male habe man gestern einen Weg eingeschlagen, bet rasch zu einem Abkommen führen könne. Das Dogma, haS von britischer Seite verteidigt worden sei, habe darin bestanden, daß das oberschlesische Industriegebiet un- t-ülbar sei. Dieses Dogma habe Lloyd George in seiner Rede, deren Inhalt vielleicht glücklicher gewesen fei als ihre Form, aufgegeben. Da mau von diesem künstlichen Hindernis besreft sei, Hätten die Sachverständiger» Mort auf ihrem Weg voranschreiteu können. Der „Gau- lots" erklärt, der zwefte Tag der Verhandlungen hab« mit der einstimmigen Annahme einer Entschließung geendigt, die eine merkliche Annäberung der beiden einander entgegengesetzten Standpunfte bedeute und zu der Hoffnung berechtige, daß nunmehr der Oberste Rat den Weg einer gerechten Lösung beschritten habe. Auch der „Figaro" sagt, in Wirklichkeit nähere man sich der Ver- iöhnung, obwohl scheinbar die Gegensätze noch so unüber- brückbar seien wie am Tag vorher.
Loudon, 10. Aug. Die „Times" schreibt, die Frage der Teilbarkeit des Industriegebiets sei erörtert worden, und verschiedene Anzeichen deuteten auf die Mög- "chkeit, daß sogar in diesem schwierigsten Punkte die widerstreitenden Ansichten durch eiue Teilung versöhnt loer- den könnten, die alle wirtschaftlichen Interessen sichern und zugleich dem Abstimmungsergebnis gerecht werden könnte. Dem „Daily Telegraph" zufolge besteht guter Grund zu der Annahme, daß die internationale Spannung wegen Oberscklesien beträchtlich nachgelassen habe und nunmehr Aussicht auf eine Losung bestehe. Das Blatt erklärt, Llot)d George habe den Standpunkt der englischen Regierung, daß das oberschlesische Judustriedreieck zu Deutschland gehöre, im Obersten Rat erneut mit Nachdruck hervorgehoben. Tas Blatt tveist jedoch auf die Möglichkeit hin, daß ein Kompromiß auf der Grundlage der Preisgabe des Grundsatzes bet Unteilbarkeit, des oberschlesischen Jndustriedreiecks gcfuiiben werden könne. Offiziell liegen dem Blatt zufolge keine Anzeichen, dafür vor, es fei jedoch, wie verlautet, Tatsache ,daß jetzt sowohl auf englischer wie auf französischer Seite die Neigung vorhanden sei, eine Grenzlinie, die das umstrittene Gebiet durch schneide, in Erwägung zu ziehen. Wenn dies auch nicht die beste Lösung sei, so sei sie doch die am besten erreichbare. Die „Daily Mai!" berichtet, der durch die englischen, sranzösischen und italienischen Ober- kommissare verstärkte Sachverständigenausschuß sei so gut wie angewiesen worden, eine Teilung des umstrittenen Jndustriedreieas von B uthen, Gleiwitz und Kattowitz zwischen Polen und Deutschland vorzuschlagen, das die englische Regierung bisher Deutschland zuteilcn wollte. Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Chroniele" meldet aus Paris, man nähere sich einer Lösung des oberschlesischen Problems. Die Sachverständigen hätten sich bereits an die Festsetzung einer neuen Grenzlinie gemacht, die von Norden nach Süden statt von Osten nach Westen verlause. England müsse den Polen in dem Judustriedreieck Boden überlassen, und Frankreich müsse dagegen einen Teil des ganzen noch unentwickelten Gebiets von Plcß und Rybnik Deutschland zugestehen. Ein Punkt, der Eindruck gemacht habe, sei der, daß in 15 Jahren das Jnduftriedreieck wahrscheinlich von viel geringerem wirtschaftlichem Werte sein werde.