Einzelbild herunterladen
 

Amtliches DerÜlnLigungsbtatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurheffifche) Oberhessen

----- aCHHMausXl

Jlt 181

TieOdeihessftche Zeitu« ' erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 475 Mk durch die Post 5.10 Mk. Ausgabe B mitOberb. Evort-Ztg." 1 3X1 mehr, ousfallenbe Nummern infolge Streiks ooer elementarer Ereignisse kein Ersatz. Berlag von Dr. L. Hitieroth. Druck der Unio.-BuLdiuckerei von Job. L»,. Koch. Mart 2123 Jernsprecker 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt e. Main.

Marburg WA. 6ra 5. Amll Srnhng.

Der Anzeigenpreis betragt für die 9 gesp. Lolonelzeile oder tier# Roum 90 PW. u. 10«uridilag, amtliche und auswärtige 1.20 Mk. Andere Breite» nach entsprechender Berechnung. Spät einlaufende oder den Raum »tot \-6eife ein­nehmende Anzeigen sind wir berechtigt, nach der Textspaltendreite gl fetzen u:-» zu berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir die Zeile mit 3.00 Mk. Feder Rabatt gilt al» Barradatt. Bei Auskunft durch die Eesch r: ^stelle und «ermittlunq der Angebote 75 Pfg. Sonderqeb ihr.

n

56. Mr. 1921

her obcrschlcsischrn Frage zu finden versucht, bisher

leine endgültige« Ergebnisse erzielt. Man hofft je-

noch vor Zusammentritt des Obersten Rates

, ; Sß5 KsÄMMiSM kiMtMtli.

| W Oppeln, 4. Ang. Der polnische Oberbefeh

Der polnische Oberbefehls

:c Erfüllung des Ultimatums.

Ter Reichsperband der deutschen

D»ber Jehan« Warnas hat eine« Aufruf au die Auf- Kändischcn erlasse«, sich für die nächste Woche bereit pr halten. Sammelplätze sind Pleß, Rhbnik, Tarno- wtz, -Äeuihen, Lublinitz und Lreuzbuvg.

Wie hier 4tn5 guter Quelle wtsntel, Keeckstchtigt In polnische Generalstab, zuerst die Südarmee in dir Kreise Rhbnik und Pleß bis zur Bahn Gleiw'ch Randrzin vormarschieren zu lassen, um das Industrie- gebiet und die interalliierten Truppen umfassen Pt könne». Erst am zweiten Tage soll die Südarmee k« Donnarfch beginnen. Die Franzosen find »it dem Plan einverstanden und halten die trei$c Pleß^Rhbnik und das Gebiet südlich des Jn- kstriebezirles von Engländern und Italienern frei.

! Die pskntlchrr» «mfstLndischen gegen Lloyd George.

!: Berlin, 4. Aug. DaS in Berlin erscheinende pol- Mcke BlattDziennik Berlinski" meldet au? Beuthen: Im' ömbürf auf die nahe Sitzung deS Obersten Rate? derössenilicht der Verband ehemaliger polnischer Aus- ßändischer eine Reihe von Forderungen. Darin heißt S u.a.: Lloyd George hat in Irland ivohl noch nicht die Lehre erhalten, daß nationale und wirtschaftliche Bestrebungen nicht durch Bajonette entschieden werden ttniien. Mr wollen glauben, daß die Vertreter von Frankreich, Italien und Amerika dem englischen Projekt nicht beistimmen. Wir erklären, daß wir eine Ber- «valtiguug unserer -Forderungen durch den Obersten Rat als eine Kampfansage ansehen. Gewalt wird gegen täte Einheitsfront stoßen. Bajonette fürchte« wir nicht.

Neue Angriffe. Der Flüchtlingsstrom.

Kofel, 4. Ang Gestern Abend griffen 6070 bewaffnete Aufständische aus Tatischau die Stadt Vfest an. Die Angreifer wurden von der Polizei drrtriebe«.

Beutben, 4. Aug. In der Stadt hat erneut ein starker Fiüchttingsstrom, besonders aus de« Landge­meinden Frtedensdütte, Huberiushütte und Hohen- Knde, eingesetzt. Auch von Gletwitz wird ein starkes Anwachsen des Flüchtlingsstromes gemeldet. Aus dem Kreise Taruowttz mehren sich die Klagen der deutschen Bevölkerung über Uebergriffe der politischen Ortswehr.

Ser Girat m NMIelikn.

«lankreichS Verschleppungstaktik. Keine Einigung der Sachverständigen.

London, 4. Aug. Der diplomatische Bericht­erstatter desDaily Telegraph" schreibt: Leider scheine gegründeter Anlaß zum Pessimismus vorhanden zu sein "jgtgcn bei Hartnäckigkeit, mit der die Presse in Frank­sch erklärt, daß keine endgültigen Beschlüsse in Bezug «af Obcrschlesie« gefaßt werden könnten.

London, 4. Aug. LautDaily Telegraph" hat Ausschuß der Sachverständigen, der eine Lösung

|p einem Einvernehmen zu gelangen.

Pari s, 4. Aug. DerTemps" stellt fest, daß die Sachverständigen, die den Auftrag haben, die Teilung Schlesiens vorznbereitcn, bis jetzt, wie öffentlich bekannt fei, noch zu keiner Einigung gekommen . Jekn. Die Meinungsverschiedenheiten bftont groß.

: H ari S, 4. Arq. sHavas.) Tie erste deS Obersten Rates wird am Montag vormittags 11 Uhr Mtfindcu. Tie Einladung Belgiens bleibt vorbe- Halten, bis entschieden ist, ob die Frage der Aburteilung b« Kriegsbeschädigten und die Sanktionen durch den ßZberstcn Rat besprochen werden wird oder nicht. Tie endgültige- Entscheidung bezüglich der Entsendung von Nirstärluuaen nach Oberschlesien ist der Prüfung durch ktt Obersten Rat Vorbehalten worden, der sich in den ... «steil Pariser - damit befassen wird.

Industrie erläßt eine Kundgebung, in der er hervor- hekb d- Oberschlesien mit allen Lebensfäden mit dem chw-stheii Mutterlande verbunden ist. Die Lebensfähigkeit pberschlesienS ist daher durch sein ungeteiltes Bec- bteiben bei Deutschland bedingt. Im Falle einer l.Mösimg Oberschlesiens von Deutschland würde i Mrft-5 der durch Annahme des Ultimatums Deutsch- i lerb aufcrlegtc« Verpflichtungen nicht mehr gerechnet

Werden könne», da sich Deutschland nach dem Verlust tot Elsaß-Lothrmgen mehr als bisher auf die ober- Wesische Eisen- und Stahlproduktion und ebenso auf. Ke oberschlesische Kohlenvroduktion stützen muß.

Vtzne £5C7^

B4 riin , .. Itng.

----

Die Viehliefemngen.

Paris, 5. Aug. Wie kürzlich der deutschen Re- tzietüng mitgeteilt wurde, müssen folgende Vieh- lieseruugcu in den nächsten sechs Monaten von Teutsch- kond ausgeführt werden: 29 400 Pferde, 130000 Schafe nto 175 000 Stück Hornvieh. Diese Lieferungen sind Nutzer denen vorrnnebme-!, die auf Grund gewisser

Situiere MnmenMe m Moer Sortoment

Msltmio kmsimiMer AbsM»?t?k.

Danzig, 4. Aug. Im BolkStage kam es heute nachmittag zu schweren Zusammenstößen zwischen den Linksparteien und dem Senat. Die Ver­handlung begann mit einer sehr erregten Anklagerede des Führers der unabhängigen Sozialdemokraten Mau, der die Senatsmitgliedcr mit schweren Ecknnvs- worten beleidigte. Die Erregung wurde dadurch sehr gesteigert. Tie Sitzung mutzte unterbrochen werden. In der Hauptsache hatten die Angriffe ihren Grund in der Anwesenheit eines Kommandos der Schupo im BolkStagsgebäude unmittelbar neben dem Plenar­sitzungssaal. Die Schupo war schwer bewaffnet, u. a. auch mit Handgranaten. Die Linksparteien verlang­ten Abzug der Schupo und verhinderten durch an- dauerudcn Lärm eine Verhandlung des Parlaments. As der konumoriMsche Abgeordnete Schm'dt gegen den drutfchnationo>n Redner tätlich wurde, erschien das Komnrando der Schuvo in Etärke von einem Offi­zier und 14 Mann im Saal und verhaftete auf Veranlassung des Senators Schummer die beiden Ab­geordneten Schmidt und Rahn von der K. P. Bezirk Danzig. Die Linksvarteien begleitete« die Verhaft,ing mit ungeheurem Lärm und verhindert", jeden weite­ren Versuch der bürgerlichen Parteien, in eine AuS- chutzberatung einzutreten. Unter großer Erregung wurde um- 6 Uhr abends die Sitzung endgilttg ge­schloffen, nachdem die Oppositionsparteien auch den Senatsprästdenten, der eine Erklärung abgeben wollte, daran hinderten. DaS BolkStagsgebäude und das RcgierungSviertel sind durch Schupo abgesperrt.

lieber die Vorgänge veröffentlicht der Senat eine Erklärung, in der es heißt:

Nach Artikel 13 der Verfassung übt der Präsident im Bolkstage die Polizeigewalt aus. Auf Grund des ihm zustehenden Rechts hat der Präsident deS Vollst,rges

Vereinbarungen verschiedener verbündeter Regierungen mit Deutschland als Ersatzleistung für Artikel 238 vorzunehmen find.

Jos w W-N zur G«.

DaS englische Parlament genehmigt btt neuen Kredite.

So nbon, 4. Aug. Der Finanzsekretär der Admi­ralität, Amery, erklärte gestern im Unterhaus? bei der Einbringung eines Kredites von 11875 600 Pfund Sterling zum Bau von vier Schiffen derHoob"-Kl-rsse, die britische Hochseeflotte sei so gut wie veraltet. Augenblicklich würden ganzeFlotten von Schlacht- schisfcu gebaut von einem Typ. her den 6d der Schlacht am Skaggorra! vorhandenen Typ nnvergleichlich über legen sei. Gegenüber dem vernichtenden Feuer solcher Schiffe seien alle Schisse srüheren Banes sofortiger Zerstörung ausgesetzt. Japan habe acht soickec Schiffe im Bau und plane den Bau von weiteren acht Schiffen, und 1925 werde Amerika zwölf dieser besten Kriegsschiffe besitzen. Der Sekretär erklärte, die Gleich­heit mit der Flottenstärke jeder anderen Macht sei her Mindeststandard Großbritanniens. Astor sagte, Eng­land werde aus die Washingtoner Konferenz nicht als Macht dritter Klasse gehen. Beklaire sagte, das ja­panische Programm sei die Ursache des heutigen Wett­rüstens. Churchill warnte vor einer Schwächung der britischen Flotte. England dürfe nicht zu einer See­macht dritten Ranges herabsinken. Es werde nie eine Stellung sicherer und dauernder Unterlegenheit ein- nchmen. Diese Bemerkung löste großen Beifall aus Churchill erklärte weiter, England hoffe aick einen langen Frieden, der, wenn die augmblickliche Periode der Erschöpfung vorüber sei, waS in einigen Jahren der Fall sein werde, zu einer Periode des Gedeihens führen werde. Dngland müsse jedoch, ob das Wetter gut oder schlecht sei, auf eignen Füßen stehen. Rur an! diese Weise werde es auf der Washingtoner Konferenz imstande sein, die Rofte eine? wirklichen Friedensstifters zu spielen, nur auf diese Weise werde es in der Lage sein, Hand in Hand mit den Vereinigten Staaten zn gehen, nicht als Schutzbitteudcr, sondern als eben­bürtiger Partner in einem gemeinsamen Sieg und in der Zukunft der Welt.

Tas Unterhaus genehmigte schließlich die für die Flotte geforderten Beträge.

Daily News" fragt in einemGegen Wen?" überschriebenen Leitaufsatz, ob der Jahrestag der Kriegserklärung durch die Einleitung eines Wettrüstens zur See gefeiert werden solle. Die Flotte bet früheren Feinde liege auf dem Grunde der 'See«, Das Matt fragt, wozu denn vier neue Schlacht- jchiffe benötigt würden.

Kaiser Karl nicht In Ungarn. Gegenüber de, Mel­dung, daß Erkaiser Karl trotz aller gegenteilige!, Ver­sicherungen nicht mehr in der Schweiz weile, solchen, sich verborgen in Ungarn anshalle, stelle» die Wiener Blätter nach Erkundigung an unterrwhteten Stellen fest, daß der Exkaiser sich nach tote tor auf Schlov Hertenstein befinde.

unter dem heutigen Tage dem Senat eine schriftliche Erklärung ausgehändigt, in der es n.a. heißt:Auf Grund des Artikels 13 der Verfassung habe ich zur Ausführung der Polizeigttoalt dem Ersuchen der Regie­rung und der MchrbeitSparteien des VolkstageS statt- gegeben, ein genügendes Polizeiaufgebot in das HauS des Volkes zu legen. Ich ermächtige die polizeilichen Organe, die nötigen Vorkehrungen zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit gegen alle Gefahren unb ungesetzlichen Verbrechen zu treffen." Die Abgeordneten Schmidt und Rahn haben in fortgesetzten Handlungen, zuletzt durch tätliche Berührung und Bedrohung des zur Rett zug"lasjenen Abgeordneten Niehus, der die Erklärung der stärksten Partei deS Volkstages abgeben wollte, ein Verbrechen gemäß § 105 des Strafgesetzbuches begangen, wonach derjenige, der eine gesetzgebende Versammlung zur Fassung oder Unterlassung von Beschlüssen nötigt, mit Zuchthaus nicht unter fünf Jahren bestraft wird. Rach tz 21 der Verfassung darf ein Abgeordneter bei Ausübung der Tat oder spätestens einen Tag -Vater mit tzlenehmiqung des Volkstages verhaftet werden. Die Verhaftung der beiden Abgeordneten ist unmittel­bar nach Begehen der Tat erfolgt. Der Senat hat durch diese Festnahme den Terror, der von der äußersten Linken schon seit Wochen gegen die Mehrheit des HaufcS ausgeübt worden ist, ein Ende zu machen versucht. Hoffentlich wird die Maßregelung genügen, um die parlamentarischen Arbeiten des VolkStages in Zukunft- ficherjustellen. Der Senat billigt das entschlossene Ein­greifen der Senators deS Innern. Wenn eS nicht gelingt hen Terror der äußersten Linken mit gesetzlichen Mitteln zu beseitigen, so würde das ein freiwilliges Aödanken der verfasfungsmäßigen Staatsgewalt bedeuten und die unheilvollsten Wirkungen für das junge Staatswesen in sich schließen. ,

Sie MMum ter SeuWn NiimMrtzkk.

Erklärung des deutschen Kommandanten.

Kristiania, 4. Aug. TieTromsö Stifttldente" veröffentlicht eine Mitteilung des Chefs der deutschen Minensuchflottille als Antwort auf die Anfrage, wie weit die von russischer Seite aufgestellten Behanp- tungeit über den Zwischenfall in der Kolabucht den Tat- 'achen entsprechen. In der Erklärung heißt es:Tie Flottille lies in die Kolabucht ein, um in Heberein-- stimmuug mit dem Friedensvertrag die Minen aus­zusuchen. Trotzdem wir einem russischen Wachtschifs über unsere friedliche» Absichten Mitteilung gemacht hatten, wurden wir von einem russischen Fort beschossen. Das Feuer wurde erwidert und tzas Fort zum Schweigen gebracht. Darmffwurde daS Minen­suchen unterbrochen. Die Flottille kehrte befehls­gemäß nach Vardö zurück."

*

Tie DeuMenjaqd in Böhmen.

Tschechische Legionäre schießen in die Menge.

Wien, 4. Aug. Rach Prager Meldungen stellt dasPrager Tag-blati" entgegen der amtlichen Mel­dungen über die Außigrr Ausschreitungen der tsche­chischen Legionäre fest, daß eine 5000föpfige Menge di: Rede des Abgeordneten Kaibl anhören wollte, alS plötzlich 200 bewaffnete Legionäre und Zivilisten mit Browninapi'olen, Schlagringen und (Summt- kniftteln auf die Menge einstürrnten, zuerst in die Lust nnb dann in,ble Menge hineinschossen und Frauen und Kinder niederschlugen. Ein Arbeiter wurde durch einen Bajonettstich getötet und mehrere Personen schwer verhetzt. Daan durch­zogen die Legionäre singend und schreiend die Stadt. Ilm Mitternacht trat Ruhe ein.

Prag, 4. Aug. In der Senaissitzung gab der Ministerpräsident eine Erklärung ab über die gestrigen Vorfälle in Aussig. Bei den Zufammenstößer, würben zebn ükrfonen verletzt, von denen eine gestorben ist. Heute '»errscht in Aussig Ruhe. Gestern abend noch wurden Gen- »rmerfeverstärkungen nach Aussig entsandt. Gegen alk Beteiligten wird rücksichtslos nach dem Gesetz eiageschrit en Werben. Der Ministerpräsident sprach mit größtem Schmerz sein Bedauern über die Ereignisse aus. die nicht zeeignet seien, zum ruhigen Zusammenleben der Nationen bazutragen.

Die Kämpfe in Kleinasien.

London, 4. Aug. (Havas.) Nacb einer Mel­dung der .Times" aus NcWyork hat Mustapha Kcmai Pascha sein Hauptguariier in Aleppo aufgeschlagen. Man rechne Jcben Augenblick mit dem LoSbrcchcn der grtechlscben Offensive.

Angora, 5. Aug. Die große Nationalversamm­lung hat beschlossen, daß alle ihre Mitglieder an der Verteidiciiug des VaierlandeS teilnehmen sollen, die militärischen oder medizinischen Mitglieder an der Front, die anderen bei VcrwaltungSarb-ien hinter der Front.

Paris, 4. Ang. Die griechische Gesandttchasl de»"'Nlicrt durch t>!» Havasagentur die türkische Nach- r:v dcrzufolge die griechischen Truppen bei Slwri jhlii.u- eine Schlapp« erlitten und sich «ater großen

Verlusten von Mannschaften und Kriegsmaterial Wet­ter zurückgezogen haben sollen.

Ein griechischer Vormarsch auf Konstantinopel nicht geduldet.

London, 4. Aug. Reuter erfährt, daß die Be­richte ans Athen, wonach die britische Negierung von ihrer bisher eingenommenen ncuiralen Haltung ht dem Streit zwischen den Griechen und den Türken ab- gewichen sein soll, unbegründet sind. Die britische Re­gierung hat nicht die geringste Absicht, eine Sonder- aktion hinter dem Rücken der Verbündeten zu unter­nehmen und die eine oder andere Partei zu unter­stützen. Tie Mitteilung, daß die Engländer für 6«t Vormarsch aus Konstantinopel seien, wird als absurd und der Wahrheit .entgegengesetzt bezeichnet. In Wirklichkeit wurde die griechische Negierung von bett Verbündeten gewarnt, da der Vormarsch aus Konstan­tinopel nicht geduldet werden würde.

Stt tiDMt

Tic Sowjet-Regierung erläßt Hilferufe nach allm Seiten trrtb ist anscheinend bereit, wenn men ent- precheude« Meldungen trauen darf, sich auch mit anderen, sogar mit bürgeriichen Parteien in Rußland zu einem Zusammengehen zu verständigen, weil si« allein nicht mehr imstande ist, der Schwierigkeiten Herr zu werben. Wenn jetzt in Europa und Amerika Hilfs- aktioney für Rußland ins Werk gesetzt werden, so 'ollte man bei allen Beweggründen menschlicher Hilfs­bereitschaft nie vergessen, baß bie furchtbaren Zustände in Rußland zum Teil unmittelbar, zum andern Teil mittelbar die unausbleiblich: Folge mehrjähriger bol« ichewistisch-kommunistischer .Herrschaft sind. Neben den Randstaaten, Polen und Nnmänien, als denjenigen Ländern, bie in unmittelbarer Grenzberührung mit Rußland stehen, haben wir in erster Linie alle Ver­anlassung, nm Maßnahmen zu treffen, bie geeignet erscheinen, den sich aus betn Osten heranwälzenden Gefahr zu begegnen. Hunderttaufende von Menschen haben sich, eine neue Völkerwanderung, in Bewegung gefetzt, um bie Nahrung zu finden, die ihnen bie eigene Heimat versagt. Jahrelang ist der Boden entweder aarnicht bestellt oder auSgesaugt worden, bie Negierung bat den Leuten zum Unterhalt der Noten Armee baS Letzte abgepreßt, was sie noch befaße». Die entsetzlich« Hungersnot, die durch bie ungewöhnliche Trockenheit und Dürre dieses Jahres noch verschärft wird, hat in ihrem Gefolge Krankheit, Pest und Seuche jeder Art. Der fchivarze Tob breitet seine Schwingen über bie ausgemergelten hungrigen Scharen, die gierig alles verschlingen, was sich ihnen bietet. Jetzt haben sie sie früher so blühenden deutschen Kolonie» in der Wolga-Gegend erreicht, und unsere Volksgenossen dort schweben in höchster Geftchr. Ihnen zu helfen, der Ansbreitung durch EntsetSmng von flerjten, Kranken­schwestern und Arzneimitteln entgegenzuireicn, ist Mcmfchenpflicht, zugleich aber auch für uns selbst g> fielen durch den Trieb der Selbsterhaltting. Wie müisen alles anfwenden, um zu verhüten, daß alle« Unheil aus Rußland auch unsere Grenzen erreicht; Senn bann ist kein Halten mehr. Aber wir dürfe» auch die Micht nicht versäumen, immer wieder daraus hinzuweffen und warnend zu betonen, daß letzten Endeß sie furchtbare Katastrophe, bie über Rußland herein- gebrochen ist, nur dadurch einen so gewaltigen Um­fang aunchmen konnte» daß . die Sowjet-Regierung surch jahrelange Mißwirtschaft und Aussaugung bei Volk» dessen Kräfte so zermürbt und zerstört hat^ daß es unfähig ist, einer Prüfung staubzuhalten, bie eS unter anderen Umständen mit Leichtigkeit über» wunden hätte. Der Fluch des Kommunismus in russischer Gewandung zeigt sich jetzt in seiner wahren Gestalt.

e

' e

Uebcrlrlcbene Meldungen.

Berlin, 4. Aug. Der amerikanische Senatotz France, bet im Auftrage Hoovers eine längere dtcnretse durch Sowjctrußland unternommen batte, nahm auf der Rttckkebr in Berlin einen kurzen Auf» enthalt. Er erklärte einem Vertreter derStoff. Zig.', daß dir im AuSlande vcrbviteten Nachrichten über die HimgerSnot in Rußland übertrieben feien, wenn c5 sich auch tatsächlich um eine Katastrophe handel«, die In ttzrern Umfange über die Hungersnot von 1891 tztnauSgehe. France ist der Ansicht, daß sich ein großzügiges internationales Htlsswerk mit gute« Erfolg werde durch führen lasten. Für die nächsten Monate würden die Erträgnisse der neuen Ernte Wohl ausreichend sein. BIS diese aufgezehrt seien, ließe sich mancherlci tun, um ein Massensterben z« verhüten.

Einer Meldung derRoten Fahne" aus MoSkatt zusoige wendet sich das Informationsbüro des Volk!« commlffariatS für auswärtige Angelegenhelten gegen die angeblich übertriebenen Nachrichten der europäi­schen Presse über die katastrophale Lage in den Wolga­provinzen. Talsache sei, daß die Lage ernst sei; aber alle NegierungS- und Gewerkschaftsorgane sowie alle öfscnttichen Organifationrn seien für die Hilfsaktion mobilisiert. Die Sowfetreglerung wandte sich nte« mal5 offiziell an die amerikanische, .englische odetz irgendeine andere Regierung um Hilfe.'

Parts, 4. Slug. Das kommunistische Abendblatt Jnicrnalionale" veröffentlicht ein Rundschreiben deD Sowjcikommissars für auStoäittge Angelegenhelten, Tschiischcrtn, in dem dieser die westeuropäische und amcrUanlsche Presse wegen Uebcrtrcibung der Nach­richten toct die oüfltoe Hungersnot anareift Dirk»