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Marburg
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Heuert
Amüiches Verkündigungsblatt des Kreyes Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
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T Dis Sinsle een SroHetlin.
t* Berlin, 27. Jnli. Die Ungültigkeitserklärung Wahlen zur Berliner Stadtverordnetenversammlung
-a gerade noch zur rechten Zeit, nm das Fiasko von J Mroß-Brrlin nicht gerade als einen eklatanten Skandal 1 *Ht aller Welt zu dokumentieren. Nie ist ein Expcri- s»eut schmählicher Mißglückt als dieses. Durch rin kKsialls-Ergebnis, an dem allerdings die I n t e re s s e - ioiigkeit des Berliner Bürgertums die Hauptschuld trug, errangen die Linksparteien in der iktadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin die un- - iMriiteiie Mehrheit. Sofort zogen sich di: Mehrheits- Eialdemokraten, die Unabhängigen und die Kommunisten einem Block mit ausgesprochener Kampffront gegenüber bürgerlichen Parteien zusammen. Die Konzentrierung
Uniformierung der Gemeindeverwaltung infolge der Perbindung sämtlicher Gemeinden im Bannkreis von Droh Berlin zu einem einheitlichen Block gab der sozia- Mischen Herrschaft eine Basis, die um so stärker war, Hflfs die vereinigten Sozialisten sich auch auf eine ge- tzMge industrielle Masse stützen konnten, die zu-einem Großen Teile, infolge der Durchsetzung mit kommunisti- ^sHen Ideen, jederzeit zu „Aktionen" bereit war. Das «eoe Groß-Berliner Parlament mit einem Abgeordneten-
I Jörpcr von mehreren hundert Personen erreichte dadurch l «re Bedeutung, die auch staatsvolitisch nicht unter« ffMätzt werden konnte und durfte. Es kam nicht nur ein immunel-politisches Gebilde zustande, dessen BStätignn- jfat u.'ch Maßnahmen aus die Verhältnisse im ganzen tzUeichr abzusärben vermochten, sondern auch vom Stand- 'tünfte der inneren Politik aus gesehen haridelte es sich ‘jifr um eine Körverschaft, die infolge ihrer, parteipolitischen Zusammensetzung und Arbeit einen Prüfstein bilden konnte. Und diese Probe, die der „geeinigte" L>zia!ismuS, der hier in vollendeter Form zutage trat, Äzulegen versuchte, ist gründlich miß gl ückt. Nirgend- tvs hat sich die Arbeits- und Regierungs-N n f ä hX gleit
-i;te „geeinigten" Sozialismus so kraß dokumentiert, lost der Gemeindeverwaltung von Groß-Berlin. Ti: Menen, die sich bei jeder einzelnen Stadtvcrordnetensitzung mnerhrlb des Saales und außerhalb abspielten, sind Mb-schreiblich. Sie bilden Schairdblättcr nicht nur in der Defchichte der deutschen Kommunalpolitik überhaupt. _G5
’ Mb kaum eine einzige Sitzung, in der nicht voll außen Mr nach kommunistischem Prinzip, sei eS durch die Be- Mch:r der Tribünen, sei es durch das Aufgebot von
: »Temonstrations-Zügcn" auf der Straße, auf die Ent- Meßrutge« der Gemeindeverwaltung einzuwirken versucht Mrde. und das nicht gegenüber einem „bürgerlichen" jDsk! :iii:nt, sondern gegenüber einer durch und durch
- kMalistischrn Körperschaft. .Der Terror wurde zum Prin- q KM erhoben. Aber auch 'in der sachlichen Arbeit gab ft die vereinigte Linke alle Mühe, ihre kommunal
= ,18h staatspolitischen Ideale und Prinzipien zu verwirk- : -Dcheu. Man hat cs auf alle mögliche Weise ver-> I Mck'f und scheiterte schließlich überall. Es war geradezu ^Muifch. als der unabhängige Stadtverordnetenvorsteher | St. Wehl, der die Geister, die er rief, schließlich Dwüül mehr bannen konnte, in der Abschiedssitzung k>es Hpron Berliner Parlaments erklärte, die Bürgerlichen seien BSfaifc au dem Fiasko von Groß-Berlin. Dabei hatten 1 jfe Bürgerlichen gar nichts in diesem Parlament zu I jagen Die Sozialisten allein hatten die unbestrittene I Me,cht, und diese weidlich gerade auf Kosten deS Bürger- ffltm-5 anszunutzcn, haben sie doch mit allen möglichen Mitleln versucht. Jetzt ist das Fiasko von Groß-Berlin vollständig und das Bürgertum muß in der Neuwahl
: - 'Dk-gen, daß es auf dem Posten ist. , ., .
r Wie verlautet, werden die N e u w a h l e n zu der Berliner Badtverordnetenversammlung und zu den Dezirksver- nmlungen voraussichtlich am 16. Oktober nnb nicht, i zunächst beabsichtigt, am 9. Oktober stattfinden.
5ta*n gegen eine ZerWagnng Preutzm.
V Königsberg, 27. Juli. Der Provinziallandtag der Drsvinz Ostpreußen nahm bei Begutachtung des Gesetz- »ttrourfs über die Erweiterung der SstLständigkeitsrecht? jkr Provinzen folgenden Antrag an: 1. Ter Proviuzml- Mwdtaa lehnt jede Lockerung der staatsrechtlichen Bezie- -jrngen Ostpreußens zum Reiche entschieden ab. Er er- [fasut die Reichseinheit als berechtigt und erwünscht an, Stein sie aber in der Zerschlagung Preußens nicht Mblickem 2. Der vorliegende Gesetzentwurf ist ein Schritt wt Zerschlagung Preußens und deshalb a b z u l e h - s ßlen. 3. Jede Erweiterung der Selbständigkeitsrecht: Provinzen ist abzulehnen, solange nicht die gesamte tLelbstverwaltung in den Provinzen, Kreisen und Gemein- Den neugeregelt sowie di- Steuerrechte in Reich, Ländern, = \ Mrovinzen, Kreisen und Gemeinden in einer die Leistung-- ■ Mhigkeit der Gemeinden und Gemeindeverbäude sicher- E Wkilenden Weise gegeneinander abgegrenzt werden.
Ausschreitungen in Stettin.
| r Reichswehr gegen Polizei.
pT"Stettin, 27. Jnli. Das Polizeipräsidium teilt hit: Nachdem bereits am Montag Abend durch Ange- |Ürige des hiesigen Rcichspionierbataillons 2 die öffentliche Muhe und Ordnung in den Grabower Parkanlagen cr- . Heblich gestört worden war und Reichswehrangehörige sich
*tr Feststellung ihrer Persönlichkeit mit der blanken . iNBaffe widersetzten, machten am Dienstag abend gegen . ilö Uhr Angehörige des obengenannten Truppenteils ; radaulustigen Zivilpersonen tu der Rahe des Park- rSF-fe- einrn Angriff M die im Dienst befindlichen städii- [■«■« Seür’t-'iSäuÄ Sejsa: fa&a ü* «m,
Sie rWMtMMklslW.
Die rechtswidrige französische Forderung, — Amerika soll entscheiden.
Paris, 27. Juli. Der diplomatische Mitarbeiter der „Chicago Tribüne" teilt mit, daß offizielle fron« Mische Persönlichkeiten zugäben, die französische Regierung könne nach dem Versailler Vertrag von Rechtswegen richt darauf bestehen, daß die deutsche Regierung die Beförderung von Verstärkungen durch Deutschland gestatte, falls dies nicht vom Obersten Rat mit Einschluß der englischen und italienischen Stimmen verlangt werde. Man sei sich auch darüber klar, daß augesichis des Zusammentrittes des Obersten Nates in der nächsten Woche und der Wahrscheinlichkeit, daß in zehn Tagen bereits die Entscheidung vorliegem werde, die Zeit nicht ausreiche, um die Truppen zur See über Danzig nach Schlesien zu schaffen. Der .Korrespondent teilt ferner mit, es werde mehr unö mehr erkennbar, daß man den amerikanischen Bot- chafter in London, Harvey, der der Tagung des Obersten Rates beiwohnen werde, ersuchen werde, die Zustimmung der Negierung der Vereinigten Staaten zu dem Schiedsspruch in der oberschlesischen Frage einzuholen, da sowohl die Italiener und Engländer, als auch die Franzosen immer noch an demselben toten Punkt ständen, wie im März dieses Jahres.
London, 26. Juli. Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Chronicle^ schreibt, wenn die französische Regierung vor dem Zusammentritt des Obersten Rates neue Truppen nach Oberschlesien ent- ’enben sollte, würde dies die Pariser Beratungen 'töten; deshalb hoffe man iH England, daß ein olcher Schritt 'unterbleibe. Das in französischen Kreisen umlaufende Gerücht, wonach die gestern erfolgte Rückkehr Stuarts mit einem neuen Vorschlag int Zusammenhang stehe, demzufolge die reindeutscheu bczw. reinpolitischen Gebietsteile in Oberschlesien d-u Deutschen bezio. Polen übergeben werden sollen, sei ungenau. Ein solcher Vorschlag sei wohl einmal Von der britischen und italienischen Regierung gemacht, aber von der französischeit abgelehnt worden. Es würde keinen Zweck haben, einen solchen Vorschlag jetzt zu erneuern, wo man Haffe, die ganze Frage in der Insamm-nkunft des Obersten Rates zu regeln.
Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt, daß der britische Standpunkt bezüglich der Absendung weiterer Truppen eine neue Bekräftigung erhielt durch die in Oberschlesien anwesenden englischen Militärs. Die vor einigen Wochen in Umlauf gesetzten Sensationsgeschichten über ernste Zusammenstöße zwischen französischen Truppen und der deutschen Bevölkerung feien, wie sich jetzt zeig', in keiner Weise stichhaltig gewesen.
B r e sl a u, 27. Juli. Wie die „Schlesische Zeitung" meldet, verbot die Interalliierte Kommüsion den Vertrieb der „Schlesischen Zeitung" im AstuamungS- gebiet bis 2. August wegen eines am 21. Juli veröffentlichten Aufsatzes über grauenerregende Behandlung in der Beuthener Kaserne internierter Deutscher durch irnn- zösisches Militär. 1 i ■ '<
Frankreich beharrt an! seinem StandMkt?
L o n d o n, 27. Juli. Das Reutersche Büro erfährt aus französischer Quelle: Der französische Botschafter hat Lord Curzon mitgeteilt, daß die französische Regierung es für unmöglich halte, eine Sitzung deS Obersten Rates einzubcrufcn, bevor die Frage der Truppenentsendung nach Oberschlesien geregelt fei. Lors Curzon nahm diese Erklärung zur Kenntnis, die dem Kabinett vorgelegt werden wird. .' ;
Im Gegensatz dazu steht folgende Meldung:
Paris, 27. Juli. Der Londoner Berichterstatter des „Temps" teilt mit, in ena'ischen Kreisen werde erklärt, das; die französische Regierung vor der Zusammenkunft des Obersten Rates feine Truppensendungen nach Oberschlesien abgehen lasse und daß vocn diesem Zeitpunkt an gerechnet die französischen Truppen noch zwei bis drei Tage ab marschbereit stehen würde», um die Entscheidung des Obersten Rates abzuwarten.
Lloyd George abwesend. — Keine Einigung erwartet.
L o nd o n, 27. Juli. Reuter erfährt zu der bevorstehenden Konscrenz des Obersten Rates, daß Lloyd George weg:» der Fülle der zu bewältigten Arbeiten nicht in der Lage sein wird, London zu verlassen. Die Zusammenkunft des Obersten Rates wird, w:e man glaubt, nur von kurzer Dauer sein, da lediglich die eberschlesischen Fragen auf der Tageser'suung stehen. Die englischen Sachverständigen find bereits nach Paris abgereist.
Die „Westminster Gazette" befürchtet, daß die nächste Konferenz des Obersten. Rates keine Einigung bringen werde. Das Blatt meint, daß es vor allem' darauf ankomme, die Entscheidung schnell zu tr-fieir, wie jie auch aussallen möge.
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Ein spanisches Urteil über Frankreichs Doppelspiel.
Madrid, 27. Juli. „ABE" schreibt zur sran- jöfische» Politik über Oberschlesien: Dos französische Ber- langen. eine endgültige Entscheidung auszuschiebrn, hänge angens-.ste.'nlich darnt zusammen, daß in Polen noch nicht hinreichend Westen und Munition eingetroffen sind, die Frankreich Gr den Fall enisende, das; die französische Ausfassütn in Obersten Rat nicht durchdringe.
Eine Stichtigstellung General HöferS.
Berlin, 27. Juli. Rach einer von „Dzienui? Gstrnski" (Danziger Poleublatii wiedergegebenen KavaS- meldlrng soll General Söfer in einer Ofiizi-rsversr.mm- lung eine Rede gehalten haben, in der er u. a. solg-ndoS iante: „Wenn der Oberste Rat in Paris eine Ent- sKe'dnng trrssen wird, dir im Gegensatz zu den deutschen Jutereve.'l sicht, so werde ich mit all n meinen Truppen in Oberschlesien einmarschieren, die Franzose« vertviben und bas Land von den Polen säubern. Oberschlesien, von dem seinerzeit ein: Bttvegnng ausge,gangen ist, Sie zum Sturze Napoleons führte, wird zum zioeiten Male der Ausgangspunkt zur Wiederherstellung der deutschen Ord- »unz und der Wiederherstellung der deutschen Macht worden." Auf diese Meldung bezog sich die französische Aasze'chnuug vom 16. Juli und die Antwortnote des Reichsministers Dr. Rosen, ööjer erklärt, daß diese
'.vasmeldung von Aniang bis zu Ende erfunden ist. Lister hat niemals eine derartige Rede gehalten.
Lloyd Georges jüngster Erklärung eine ähnliche Politik verfolge.
Hungersnot in den Baumwollgebieten.
London, 27. Juli. Reuter weist auf die au? Washington kommenden Meldungen hin, wonach weite Gebiete der Baumtvollbezirke so gut wie vor einer H n n« gersnot stehen und gleichzeitig eine Pellagra-Epidemie (eine Art Lepra) herrscht. Präsident Hardiug ersuchte die^Gesnudheitsbehörden und die Vertretung des Roten Kreuzes, sofort eine Untersuchung anzuswllen, um Mittel zur Linderung der Not ausfindig zu machen.
M fliffl „SrietensBertrao" uon B«MS?
Die obige Frage scheint ans den ersten Blick merk- würdig. Tatsächlich aber gibt es kein Werk, das den amtlicken Titel „Vertrag" führt. Im englischen und französischen Text des Friedensdiktates, die fa a5eut anttlich sind, heißt die Ueberschrist „Bedingungen des Friedens". Das Kennzeichen eines Vertrags ist die gegenseittge Bindung, die auch dem Schwächeren einen Rechtsschutz verleiht. Bei dem Friedensdtttat ist davon feine Rede. Deutschland werden die schwersten Verpflichtungen und Bedingungen auserlegt, die Gegner behalten sich völlig freie Hand vor; dies gebt ganz klar aus den im Wortlaut folgenden Ariifeln hervor.
§ 241: Deutschland verpflichtet sich, alle Gesetze, Bestimmungen und Verordnungen zu erlassen, zu verkünden und in Kraft zu kaffen, die etwa nötig sind, um die vollständige Erfüllung der gegenwärtigen Abmachungen zu sichern.
Anhang II ■§ 10: Die interalliierte Wiederher- steüunaskommission prüft alle Beschwerden und gibt der deutschen Regierung angemesiene Gelegenheit, gehört zu werden, ohne daß diese in irgendeiner Form an den Entscheidungen der Kommifsio» teilnehmen dürfte. ,
Anhang II § 11: Die Kommission ist durch feine Gesetzgebung, durcki fein besonderes Gesetzbuch und durch feine Sonderveslimmung über Untersuchung und Verfahren gebunden, sie soll sich leiten lasten von der Gerechtigkeit, der Billigfeit und von Treu und Glauben.
Aiwang II § 18: Deutschland verpflichtet sich, die Maßnahmen, zu deren Ergreifung die Verbandmächt« gegen eine absiMliche Nichterfüllung Deutschlands be- rechltgi sind, nicht als feindliche Handlung aufzusasten. Diese Maßnahmen können bestehen in Einfuhrverboten und wirtschaftlichen und finanziellen Maßregeln und überhaupt in allen Maßregeln, die den betreffenden Regierungen durch die Umstände geboten erscheinen können.
Ans diesen Artikeln ist der Geist von Versailles besonders deutlich zu erkennen: nicht Gerechtigkeit für alle SPoffcs, wir es in den 14 Punkten Wilsons hieß, sondern völlige Entrechtung Deutschlands ist fein stiel Wir Deutsche sollten nnS deshalb angewöhnen, nicht mehr vom „Vertrag von Versailles" zu sprechen, den gibt es garntcht, sondern wir sollten den Tatsachen enisprechend nur vom Gewaltfrieden von Versailles reden. K. L.
Berkin, 27. Juli. In der Sitzuns de» Ent- schÄignuzSansschusses deS vorläusigen ReichstvirtschasiS- rateS machte Reichsministrr Rathenau veriraulicho Msttrilungen über den Gang und den Stand der Wieder- auibauverhaiidlungen, sowie über die Verordnung 6c» trcsst-nd Leistuugsverbände und den in Aussicht genommenen Zusammenschluß der LeistungsverbSude zu fclbstver- waltenden Wirtschaftskörpern. Den Kern der Wi-der« ausbauverhaudlungen bildeten die Finanzierung u -i) dir B ivertung der Enischädigungslicferungcn. Di- Ber- lmudlungen nehmen einen ungestörten Fortgangs 3m Anschluß an dir Ausführungen Rathenans sprach Staats- s-kr-tär Hirsch über dir Gestaltung der deutfch-sranzösischcn
größeren Menge gegenüber, aus deren Mitte cttoa 15 schrrfe Schüsse fielen. Gleichzeitig drangen, Soldaten mit gezogenem S?iteugetv?hr auf die Beamten ein, worauf letztere zur Abtvehr des Angriffs von der blanken Waffe Gebrauch machten. Die Ruhe und die Ordnung konnten bald darauf wieder hergrstellt werden. Eine Anzahl Ruh-stör-r wurden verhaftet. Mehrere Verletzte 'wurden nach Anlegung von Notverbänden ins Lazarett beziv. zu ihrem Truppenteil befördert.
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IMtze MiseMtt oon MW Mosskii.
Berlin, 28. Juli. Beim Minensuchen in der Kolabucht wurde» die 11. Halbflottille und das Flot- tilleuboot der 6. Flottille am 25. Juli von russischen Küftenforts beschc-ffeu, obwohl beim Fsihrerboot ein Boot der russischen Küstenwache längsseits lag. Als das zweite Forts gleichsavs das Feuer eröffnete, mutzte cs von deutscher Sette erwidert werden. Verluste sind auf deutscher Seite keine zu beklagen. Es liegt allem Anschein nach eine mißverständlich« Auffassung der friedlichen Tätigkeit der deutsche» Minensuchboote vor.
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DaS hungernde Rußland und das satte Räteheer.
Einer Londoner Meldung der „Eenrral News" zufolge, soll es in Petersburg zu schwcrn Unruhen gekommen fein, und zwar insoige einer Rede, die K a - m c n e tu bei einer Versammlung von Sowictkom- missaren gehalten hatte. Kamenew hätte erklärt, daß, wenn die Regierung den Bestand der tzlrmee sicherte und eine wesentliche Anzahl von Fabriken, deren Produktion unumgänglich notwendig sei, in Tätigkeit zu ballen vermöge, der Bolschewismus stark genug wäre, um jeden Versuch einer Erhebung zu unterdrücken. Dagegen wäre es der Regierung unmöglich, für die 20 Millionen vom Lungertode bedrohten L.titS« Im genügender Menge Lebensmittel herbeizu-
scliaslr». Diese Ausführungen hätten in Petersburg 5:1 s -"mischen Kundgebungen geführt. Tie Meusche- Niften hätten ci-.eit Aufruf erlassen, in der die Zeit als gekommen bezeichnet wird, um das bolschewistische Regime z>.t stürzen. Daraufhin HSiiett die Bolfche- wisten über Petersburg und Umgebung das Stand- recht verhängt.
Bestellung von Eisrnbabnn«ttrrlak in Deutschland.
Stockholm, 27. Juli. Laut „Nva Daglight Slllehanda" ist die russische Etsenbahukommisston aus Stockholm nach Berlin übergesirdelt. Weitere Destel- hutgett von Lokomotiven und Gitenbobitmaterial würden jetzt hauptsächlich an deutsche Firmen gegeben.
Amerika.
Ein neuer Vertrag mit Deutschland.
London, 27. Juli. Ti- „Daily Mail" berichtet, daß der Washingtoner Berichterstatter der „New Port Sun" erfahren habe, daß der Plan des Staatssekretärs Hughes, die Annahme der abgeändert n Fassung des Versailler Vertrages zu sichern, gescheitert sei, und daß ein neuer Vertrag mit Deutschland, der sich genau an die einwandfreien Teile des Versailler Vertrages halte, in Bearbeitung begriffen fei. Diese Mitteilung coill der Korrespondent von einem der R'gierung nahe- stehettdcn Senator erfahren haben, dem erklärt worden sei, der Versailler Vertrag sei vollständig fallen gelassen werten.
Fortsetzung der Flotteurüstung.
London, 27. Juli. Nach einer Erchange-Mel- dnng ans Washington erklärte der amerikanische Marinesekretär, der Kriegsschisfbau würde in der von dem Kongreß gebildeten Weise fortgesetzt werden ohne Rücksicht auf die bevorstehende AürüstungSkonserenz. Vor Abschluß eines Abkommens könne mit der Durchführung des Programms nicht ausgehört werden. Der Marine- sekretär bezog sich daher darauf, daß Großbritannien nsch
Haitdelsbeztehtmgen. e
Aus dem besetzten Gebiet.
Köln, 27. Juli. Bon dem Streik der Kölner Buckdntcker ist auch das Organ der engiifchcn Be- satzungstnlppen in Köln, die „Cologne Bost", betrosscn worden, das augenblicklich nicht gedruckt werden kau». Dec Bezirksdelegterte der interalliierten Rheinlandkommission hat jetzt den streikenden Arbeitern btf „Cologne Post" durch das Polizeipräsidium einen Befehl zugehen lassen, in dem sie auf^-fordrri werden, ihre Arbeit sofort wieder anfzunehmen. Di- Arbeiter der „Cologne Post" weigern sich aber «ach wie vor, di- Arbeit wieder aufzunehmen.
Die streikeitden Buchdrucker verhinderten das Erscheinen der von der bürgerlichen Presse gemeinsam herans- aegebenen Notzeitung. Tie Zcitungsträgerinnen tun garten sich, das Blatt auszutragen. Gestern wurden di- Träge- rinnen überhaupt nicht aus dem Gebäude der „Kölnischen Zeitung" heransgelassen, sodaß das Blatt an den Zei- tungsv-rkauisstellen nicht zu haben war.
Wie die „Deutsche Allg. Ztg." hört, haben bie sran- zösischen Besatzungsbehörden im Rheinlande außer einet Reihe deutscher Blätter auch eine italienische Zeitung, nämlich den in Bologna erscheinenden „Resto del Carlino", verboten. Das Blatt hatte , eine Reihe von Aufsätze» oebracht, in denen der frühere italienische Ministerpräsident Nitii den Versailler Vertrag einer vernichtenden Kritik unterzogen hatte. e ~ ,
Speyer, 27. Juli. Das von den Französin im besetzten Geliet eingcführt« Spihelsystem führt zu den größten Ungerechtigkeiten und zu Ausweisungen. Der hiesige Schüler Kissel, dessen Ausweisung mit bet Teilnahme an militärischen Hebungen des deutsch» nationalen Jug-ndbundes im unbesetzten Gebiete (Test- nähme an einem Sängerfest) begründet wurd<, iH an dem. in Frage kommenden Tage überhaupt n»U