Anzeiger für (bas früher kurhessifche) OLerheffen
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Erstes Blatt
Milichen
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Englisch-amerikanischer Kredit.
Berlin, 19. Juli. Wie verlautet, sott sowohl ein cnolifcher als auch em amerikanischer Kredit für । Deutschland in Aussicht stehen. 11. a. handele es sich um einen amerikanischen Baumwoltkredit für Deutschland.
In den letzten 'Tagen ist zwischen der Einfuhrgesellschaft für Getreide und Futtermittel mit Zustimmung des Neichsernährungsministeriums und des Reichsfinanz-, Ministeriums ein Abkommen mit einer größeren Gruppe cnolifcher Großbanken getroffen worden, nach dem der Ein'nhrgcsellschast ein Kredit in Höbe von zunächst drei Millionen Pfund Sterling in der Weise zur Verfügung gestellt wird, daß für Die zu längenden Brotgetreideein- räufe von Uebersee die Verschiffer auf genannte Banken Wechsel mit viermonatiger Laufzeit ziehen. Auf diese Weise können noch die erforderlichen Mengen Brotgetreide im Auslände zu recht günstigen Bedingungen erworben werden.
«eine Rücktrtttsabstchtrn des Reichskabinetts. Die Gerächte, daß das Reichskabinett zum Rücktritt ent- schloffen fei, sind nach halbamtlicher Meldung «nzu- tteffend. _____----- ... - -
kriege eine verschwindens geringe war.
’f Frankreich war vor Jahrhunderten der volkreichste t Staat Europas. Die fortwährenden Kriege unter her ' Herrschaft Ludwigs XIV.. die sinnlose Austreibung der i Protestanten und eine starke Abwanderung nach Nordamerika und Südafrika haben es bctvirkt, daß Frankreich seiner besten VolkSbestandteile beraubt wurde. Gleichwohl stand bei Beginn der Revolution von 1789 Frankreich ; Moti; immer — im Verhältnis zur Raumgröße — an der '■ Sps^e ter europäischen Staaten, sotveit die Tichttgker.
der Bevölkerung in Betracht kommt. Durch die Massen i Hinrichtungen unter der Schreckensherrschaft, namentlich aber durch die unausgesetzten Kriege der Revolution ; und des erstell Kaiserreiches erlitt Frankreich gerade zu ! nngeheuere Verluste an Menschen. Nachdem diese Stürme i sich verzogen hatten, wurden 1821, also gerade vor 100 ■ Jahren, rund 30s- Millionen Einwohner des Mutterlandes gezählt. Somit bat sich dos sranMsche Volk . in einem vollen Jahrhundert, wenn wir die Zählung
von 1921 unter .Hinzurechnung von Elsaß-Lothringen zu Grunde legen, nur um 71/. Millionen vermehrt. Ti: Hauptabschnitte geben folgende Zahlen: 1851, 35,8, 1861'37.4. 1872 nach Verlust Elsaß-Lotbriugens 36,1, 1681 37,7, 1891 38,3, 1901 38,9, 1911 unter Abzug der Fremden und ohne Elsaß-Lothringen rund 38,5.
Es ist lehrreich, diesen Zahlen dw deutsche Voltsbe- ivegnng gegenüberzustelleu. Dos Deutsche Reich hatte 1871 nach der Ertverbung von Elsaß-Lothringen eine Lollszohl von rund 40 Millionen. Sie stieg in gewal- Lze» Maße und zählte bei Ausbruch des Weltkrieges
Marburg
Molch, ten 20.3«li Heuert
weilen wiegt man sich in Frankreich in der Hoffnung, daß weniger die Zahl als die innere Macht eines Volke- und die Gediegenheit seiner Wehrkraft die Zukunft verbürgen. Man rechnet mit 3 Millionen schwarzer, brauner, gelber . Franzosen", die im Notfall sich uB^rnaU für Frankreich opfern werden, wie es ja schon rm Weltkriege der Fall war. Aber das sind schlechte, auf die Dauer mcht haltbare Trostgründe. Wie die alten Römer untergmgen, als sch ihr Schwert den Barbaren anverirauten, so wird auch Frankreich diesem Schicksal verfallen, wenn cs lernen Rassenverfall nicht anfhätt. Gibt es hierfür einen Weg? Die Frage ist in Bezug auf Frankreich vernerneick zu beantworten. S- 3-
missar eine sofortige gründliche Untersnchuns angeordnet.
Der diplomatische Korrespondent des »Tarly Tcw-1 graph" schreibt, nach offizieller britischer Ansicht sn ein Aufschub der Festsetzung der Grenzen Oberschlcuens und der Aufhebung der Zwangsmaßnahmen am Rhem nicht angängig. ES könne angenommen werden, daß I keine britischen Verstärkungen nach Oberschlesien entlandt I werden könnten. Brio.nd scheine zu hoffen, daß Italien I in der Lag- sein wecke, ein neues Kontingent zu lenden. Die Absendung einer französischen Division könne jacn I Augenblick erwartet werden- Der Korrespondent fahrt I fort die englischen Vertreter hätten ebenso vrele bewaffnete Polen, die di- Grenze überschritten, entdeckt, wie ihre französischen Kollegen Deutsche unter I gleichen Umständen entdecktem I
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Paris, 19. Juli. Die englische Regierung' chat noch keine Antwort auf die französische oberschlesische Note erteilt.
Berlin, 19. Juli. Die französischen Pressekorrespondenten. die in Berlin tätig sind, haben sich vermutlich auf eine Anordnung ihrer Regierung hin plötzlich I sämtlich nach Breslau begeben. ________
Nach einer Meldung des „Berl. Tagebl." haben in den letzten Tagen in einzelnen Gegenden bei Glei- witz neue Schießereien stattgesunden. In Preiskretscham richteten polnische Banden durch Handgranaten großen Schaden an.
Oppeln, 18. Juli. General de Marini, der italienische Vertreter der interalliierten Kommission in Oppeln, reist am Btontag nach Rom ab.
Die Zensur.
B e r l i n, 19. Juli. Nach hier vorliegenden Nachrichten aus Oberschlesren war es bisher keinem obcr- schlcsischen Blatte erlaubt, zu dem Schritt des französischen Botschafters Laurent bei dem Außenminister v. Rosen in dec oberschlesischen Frage Stellung zu - uchmen. . Auch die Entgegnung Rosens aps die Aus- sührungen Laurents wurden von der interalliierten Zensur gestrichen. Ja sogar einige Teile Ker Note : selbst wurde den Oberschlesiern vorenthalien.
Schuldftagenpropaganda.
Zum ersten Male ist es gelungen, Politiker aller Parteien zusammenzuschließen zur gemeinsamen Bearbeitung der Frage deS Kriegsausbruches. Bekanntlich behauptet der § 231 des Friedensvertrages, daß Deutschland der Alleinschuldige am Kriegsausbruch sei. In dem Ultimatum vom 16. Juni 1919 wird Dentjchland vorgeworsen, jahrzehntelang bewußt auf den Krieg hingearbeitet zu Höchen; Deutschland hab- das größte Verbrechen der Weltgeschichte begangen und sei deshalb allein zur Wiedergutmachung verpslichtet. Diese Behauptung verteidigen die Westmächte weiterhin ; aus der Londoner Konferenz sagt« Lloyd George, man betrachte bie Schuldfrage als eine entschiedene Sache und lasse eine Aussprache über diese Grundlage des ganzen Versailler FrickensdiktateS nicht zu. Desgleichen sagte Poincare: Wenn die Verantwortung geteilt wäre, müßten auch die Kosten geteilt werden, Deutschlands moralische Verpflichtung zur Entschädi- I gung entspringe anS der Tatsache, daß eS der Mlein- I verantwortliche am Ausbruch des Krieges sei. Man sicht als», daß die Bearbeituug der Schuldfrage keine müßige, nutzlose Frage ist. Weist Deutschlvid nach, daß die Bchauptnng von der Atteinschnld Deutschlands sich vor der sckarsen Kritik der GeschichtSsorschung W ausrecht erhalten läßt so ist der entscheidend« @o| I gegen die Grundlage des Friedensdiktates geführt; dann ist der Weg frei zur Revision dieses ganze» I ungeheuerlichen Werkes.
I Es genügt natürlich nicht, die geschichtlich« Wahr- heit zu ergründen, sondern im In- und Auslande muß eine tatkräftige Propaganda die Wahcheft verkünden und der Lügenpropaganda unserer Feinde entgegentreten. Der Deutsche neigt znr Zersplitterung und Eigenbrödelei, die gerade hier von Verhängnis
I wäre und auch schon viel geschadet hat. Umso freu- idiger-A es zu begrüßen, daß' sich im „Parlament der I Verbände" so angesehene Organisationen wie die Liga zum Schutze der deutschen Kultur, die Arbeitsgemein- schäft sür vaterländische Aufklärung, der Deutsche SchutzbiMd (Grenzmarkenverrin), der Deutsche Caritns- bnnd, der Reichsbürgerrat die Arbeitsstätte für sachliche Politik u. a. m. zur gemeinsamen Erledigung dieser deutschen Lebensfrage zusammengeschlossen haben. Es hat sich ein Arbeitsausschuß gebildet dem namhafte Politiker wie Freiherr v. Lersner, Prof. Dr. Jäckh, Prosefsor Dr .Stein, Erwin Barth, Dr. v. Loebell
fast 68 Millionen, sodaß Deutschland seit dem Kriege von 1870/71 um 28, Frankreich aber nut um etwa 3 Mil- Imnen zugenomm-n hat, bei letzterem die Fremden mft- nererfuiet Bei normalem Verlaus wär- Deutschlands Bolkszahl bis 1921 auf mehr als 72 Millionen gesne- aen. In bet Tat waren Ende 1920 nur noch 60s 2 Millionen vorhanden, beim der Kriegsverlust mit 2, der Geburtenausfall mit 3,7, die erhöhte Sterblichkeit bet Bevölkerung mit 0,8, die Abtretung bet 'Gebiete im Westen und Osten mit ungefähr 6 Millionen, haben eine sehr b-deut-ud- gewaltsame Verminderung gebracht. Indessen können wir beruhigt in die Zukunft blicken. Freilich haben die Röt- der Zeit und manche Krankheiten vcr- hcerend unter der deutschen Bevölkerung, namenkktch unter den Kindern, gewirkt, allein alle Erhebungen stimmen dabin überein, daß eine sehr bedeutende natürliche Vcr- mchruug der Bevölkerung wieder eingesetzt hat. Jetzt gilt es, nicht allein ein volksstarkes, sondern auch ein* körperlich und sittlich gesundes Volk zu werden, denn die bloße Zahl tut es noch nicht. Der innere Wert muß sich mit ihr vereinigen, eine Hochernst- Mahnung für un;er deutsches Volk!
Warum geht bie Bevölkerung in Frankreich in so ausfälliger Weise zurück? Fraukr-ich ist auf Grund der napoleonischen Gesetzgebung ein Land geworden, in dem die Zusammenhaltung des Besitzes von ausschlaggebnider Bedeutung wurde. Daher erwuchs die Neigung, möglichst kleine Familien zu haben, um den Besitz müt zu zer- svlitt-rn. Das bekannte „Zweikinderspstest^ gnsf fest einem Jahrhundert um sich und hat bewirkt, daß dec Franozse, namentlich d-c Städter und Bauet, sich mcku mit einer größeren Kinderzahl belasten möchte, um in der Bequemlichkeit des Daseins möglichst wenig gestört zu werde». Nur noch die Industriegebiete im Norden, wo die germanischen Blamcn vorwiegen, und die Fifcher- gebiete der Bretagne, wo di- keltische Urbevölkerung sitzt, haben in den letzten Jahrhunderten eine Volkszunahmc ergeben. Das flach- Land zeigt eine außerordentliche Abnahme, einzelne Departements im fruchtbaren Lüden bis zu 15 Prozent! Die Großstädte, namentlich Paris und Marseille, schwellen mehr und mehr an. Dazu kommt das Umsichgreifen von Ktankheitserscheinungen, welche eine vermehrte Sterblichkeit Hervorrufen, namentlich bte Tuberkulose und ansteckende Krankheiten! aus die wir hier nicht nährt eingeben möchten. „Frankreich fehlen alljährlich zwei Millionen Kleinkinder, T-uifchlaud aber hat 20 Millionen Menschen zuvi-l!". so sagt- Clem-nceau, der unser größter Feind ist, aber seine Landsleute sehr gut kennt. Aus allen diesen Gründen möchte Frankreich die deutschen Lande am linken Rhcinufct tauben und Polen in den Besitz von Oberschiesien bringe!-, da es in sich selbst nicht mehr die nötige Volkskrast findet.,
Tie sranzösisrhe Gesetzgebung zerbricht sich de» Kopf, ob und wie dem erlöschenden Zug der französischen Raue ein Ende gemacht und ein Aufschwung in den Niedergang des Volkes gebracht weroen könnte. Man will kinderreiche Familien durch Steuerfreiheit unterstützen, die un- ebelichsti Kinder den ehelichen gleichstctten, aus den Niederlande» und aus Belgien Einwanderer gewinnen, ja man scheut sich sogar nicht davor, Araber und Asiaten in den mciischeuieer-n Gebieten Frankreichs anzusiedeln. Alles mit der Absicht, die finkende Bolkszahl zu heben und de» langsamen AuSfterben der Nasse vorzubeugen. Eiust-
angehören. . ..
Ju den nächsten Tagen erscheinen zwei «christen über die Schuldfraze: „Unser gutes Recht" und etng Sondernummer der Ligazeitschrist „Zur Schuldsragk. Beide find als Material für Bvrtragsredner gedacht Beide Hefte sind dnrch die Zentrale der Liga zum Schutze der deutschen Kultur, Landesgn'ppc Hessen- Nassau in Gießen, Stephanstraße 9 zu beziehen. ES wirb an alle biejenigen Verbände, Vereinigungen, Politiker und Wissenschaftler, bie an dieser Arbeit mit- schassen wollen, die dringende Bitte gerichtet, sich an die oben genannte Stelle zu wenden, die alles Wettere v'-mittelt. Ein erfreuliches Zeichen, daß sich endlich einmal von rechts bis links Politiker finden, bie bie Parteiinteressen und das Trennende hinter das Gemeinsame des ganzen Volkes zurückstellen. Hoffentlich geht es auf diesem Wege weiter vorwärts. K. L.
Aus Sowjet-Rußland
kommen wieder einmal seht beachtsame Nachrichten. Am glaubhaftesten ist der Hilferuf Maxim Gorkis, der Ruß- land von einer furchtbaren Hungersnot infolge von Mißernte bedroht sieht. Zu diesem Notstand paßtes schon, daß nach einer Neutermeldung die Svwjet-Reg«nlng bte allgemeine Mobilmachung angeorbtirt haben soll. Au I i'ch könnte eine solche Maßregel nicht verwundern. Rußland und Polen haben kürzlich sehr scharst Noten ge- I wechselt die sich um die Vorbereitung einer bewaffneten Erhebung gegen das bolschewistische Regiment m Moskau I drehen. Mit dem Nationaltürken Kemal Pascha hat bie I Sowjet-Regieruna ein Bündnis abgeschlossen, und es wate wohl möglich, daß sie in Verbindung damit auf dem ls-inasiatischen Kriegsschauplatz einzugreifen gedenkt. Die I drohende Hungersnot wäre dabei vielleicht eher cm An- I -rüst, als ein Hindcrungsgrund; denn ersahrungsgcmän suchen autokratische Regierungen innerer Schwierigkeiten L.niiner durch kriegerisch- Konslikte mit dem Ausland I Herr zu werden.
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Memel fordert Selbständigkeit.
I Memel, 19. Juli. Das „Mcmelet Dampsboot" I meldet: Die Führet sämtlicher großen Berufsgruppe» Ides Mcmellandcs übergaben dem Oberkomimsfar d-S I Memellandes Tatiske eine Entschließung mit bet Bitte I um Weiterleitung an die Bvtschasterkonferenz, in der er» > klärt wird, die überwältigende Mehrheit der mcmclländi- I scheu Bevölkerung wüuchse das mcmelländischc Volkstum i in einem selbständigen Staotsgebildc M erhallen. Politisch wolle sie wcker Litauen noch Pown I zugcteill werden, betone aber ihre aufrichtige Bercst« I -villigkcü, mit allen Nachbarländern HarckelsverträM ab- I zuschließen. Sic sei bereit, Deutschlands Litauen, Polen
Die eoslisch-MröMe 6mm.
Die Absichten der Franzosen durchschaut. — Seine englischen Truppen Wetter nach Oberschlesten.
London, 19. Juli. „Daily Expreß" versichert, von zuständiger Seite ersahren zu haben, daß in den Beziehungen zwischen Großbritannien und Frankreich infolge der Differenzen über die oberschlesische Frage eine zunehmende Spannung eintrete. Tie britische Regierung weigere sich rimdweg, weitere Truppen zu entsenden, da sie «bezeugt sei, daß hierfür keine Notwendigkeit bestehe.
Der Londoner Korrespoickent der „Chicago Tri-! bune" meldet eine starke Verstimmung, welche die französische Note im Auswärtigen Amt hervor- gerusen hat, unb teilt u. a. mit, in amtlichen Kreisen sprech- man offen die Vermutung aus, daßdieFran- zoscn e inen deutschen Aufstand in Oberschlesien zu provozieren suchen, um sich bie Rechtfertigung für eine» B e s e d u n g des Ruhr - gebiet es und für einen stärkeren militärischen Druck auf Deutschland zn verschaffen. Eine namhafte Persönlichkeit der Regierung habe erklärt, England werde immer mehr zu der Schlußfolgerung gedrängt, daß cs das Beste sei, dem amerikanischen Beispiel zu folgen" und sich von allen kontinentalen europäischen Angelegenheiten zurückzuziehc».
Die „Morning Post" schreibt, die Auffassung der britischen Regierung werde nach Mitteilung von zuständiger Stelle wie folgt sein: Briand habe einen Vorschlag rcmacht, der daraus hinauslaufc, die nächste Sitzung des Obersten Rates auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Der Vorschlag hab- bie britische Regierung enttäuscht unb in amtlichen Streifen Gefühle erweckt, die büer die Enttäuschung »och hinaus gingen. WaS den französischen Vorschlag auf Entsendung von Truppen anginge, so habe Großbritannien keine Division zur Verfügung. Es sei außerdem nicht in der Lage, die hierfür nötigen Gelder auszugebeu. Im Zusammenhang mit der französischen Behauptung, daß die Truppen 'Höfers nur zum Schein aufgelöst worden seien, habe der britische Obcrkom-
Eine Komödie.
In Paris tagt zur Zeit unter dem Vorsitz des bekannten französischen Staatsmannes Vivlani die Abrüstungs- kommiffion des Völkerbundes. Man kann sich darauf gefaßt machen, daß hier Wicker einmal der Welt in der übelste» Weise Komödie vorgesprelt wird. Zunächst wollte B'viaui, wie der „Matin" vor einigen Tagen meldete, die Sitzung der Kommission überhaupt ausfallen lassen, sei! er der Ansicht war, daß es keinen Zweck habe, der Abrüstungskonferenz in Washington „vorzu- gteis-u". Schließlich ist man aber doch in die Verhandlungen eiugetceten. Selbstverständlich ging aus der Be- ratnng wieder hervor, daß man gegen di- Abrüstung nichts einznwendcn hat, »venu si« der andere vornehmen soll. Frankreich hat nichts gegen die Rüstung^ beschräukungen zur See einzuwenden. England aber ließ durch Lock Fisher betonen, daß man bett Militarismus zu Laude wohl einfebränteu könne, daß aber die Flotte.n- eitfmng etwas ganz anderes sei. Schließlich wurden bte, Unietfommifftonen eingesetzt, die alle inöglichen Vorfragen prüfen sollen. Unter diesen Umständen ist sicher keine Gefahr, daß der Völkerbund dem Präsidenten Harbins bei der Abrüstung „vorgreift".
Das Ergebnis bei am 6. März in Frankreich vor- «nominellen Volkszählung hat eine für die Franzosen . »etabeju niederschmetternde Verminderung der -öevolke- ■ «ng gebracht unb die schlimmsten Befürchtungen erheblich Übertroffen. Man war auf eine peinliche Ucbcrraschung i «saßt, glaubte aber nicht, daß der Rückgang ein so großer । «n werde, wie er sich nunmehr an der Hand der nackten - Zahlen herauSgestellt hat. Das Ergebnis betrug, tote h der deutschen Presse bereits mitgeteilt tvocden ist, fit das französische Mutterland, also für Frankreich ett Ausnahme der Kolonien und ohne Hinzurechnung von Msaß-Lothringen. am 6. März 1921 36 084 206 Bttvoh- ger Da bei der letzten Zählung im Jahre 1911 88 468 813 Bewohner ermittelt worden sind, so ergibt sich fermit eine Verminderung von nicht weniger als 8384 607 Köpfen. Allerdings weicht bie nunmehrige Uuaabe für 1911 um ein Erhebliches von der damaligen • ' Feststellung ab, denn die Volkszählung 1911
mmnre eine BoMahl von 39.8 Mi'lioneu, wobei aber M berücksichtigen ist, dckß 1911 die Nichtsranzofen nnt-
I «kzählt wurden, bei der Zählung vom Bssrrz 19^.1 ater «BBcr Betracht gelassen wurden. Elsaß-Lothringen hatte
I Wnsaug 1921 1650 000 Bewohner, zeigte somit im \ Vergleich zur letzten Fcststclluug unter deutscher Siegte» , eing ,wo 1,8 Millionen gezählt worden sind, eine Vcr- 1 K-inderung um 150000 Köpfe. Tie französifche Be- 1 Ltzungstruppen in den deutschen Rheinlandm wecken «t gcit aus 125 000 Mann angegeben, wovon 9r>000 Ni»nn aus Nationalfranzosen entfallen. während dec Rest Mis Farbigen besteht. Rechnet man zu den enteren »ch 10 000 Familienangehörige und nimmt die Ltäne der üationalftanzöfischen Truppen in Sbriett, Jfnut jrjb den sonstigen Kolonien auf loO 000 Mann an, fo
•_ fommt man zu einer Gesamtbcvölrerungszahl Frankreichs hl9»l von rund 38 Millionen. Ferner könnte man noch 840000 weiße Franzosen hinzurechneu, die, abgesehen von beit Truppen, als Städtebewohner, Beamte, Kolo- ifiisten in Algier, Tunis und Marokko leben. Alles in
i MIlcm genommen, ergibt sich aus diesen Zahlen cm für 7 Frankreich sehr trübes Bild, denn man kann bte Sache drehen uni) wenden wie man will, fo steht die Tatfache M. daß sich — abgerechnet den Hinzutritt Elfaß-Lothrm- -tzens — die nationalfranzösische Bevölkerung oes Mutter- Mfanbea feit 1911 um fast 2,39 Millionen vermindert hat. I ; Sie französische Presse hat sich natürlich sehr cm- r gebend mit dieser Frage beschäftigt, die auch uns Deutsche - in erheblichem Maße angeht, denn einmal muß die beiderseitige Volkskrast gewogen werden, wenn es früher oder spater zur Abrechnung kommen wird. Daß wir uns
; aus die Dauer nicht knechten und v-cfklaven lassen, »st so sicher wie der Sonne Licht. Darum ist «8 notwendig.
: daß b'> unsere Augen für Die Vorgänge in Frankreich schärfe» und wohl Machten, was dort vorgeht. Man begründet bett ungeheueren Rückgang der uat-onalfran- zöfssche» Bevölkcritng des Mutterlandes mit verschiedenen Tatsachen Im Weltkriege gefallen sind rund 11/l> Mil- Llfionen französische Kämpfer. Dazu kommt bte Flucht btr Bewohnet bet vom Kriege betroffenen Gebiete, bie ihr- svi-nct verließen und sich als Flüchtlinge über ganz Frankreich zerstreuten. Von diesem Geschick wurden ge- 'tade die volksreichsten Departements Frankreichs betroffen. ivelche bisher noch allein zur Mehrung der Bc- r döliernng beigetragen haben, namentlich das von Blamcn betvohnte Deperiement du Nord und das Departement iG-i- d" Calais, wo b« Industrie ihren Sitz hat unb die -Bewohnerschaft sich enger als sonst in Frankreich zu- i sammeichcäugt. Die Flucht dieser Volksmasfeu störte fnatürlich die Euiwicklung der Volkszabl, nicht beruck- • sichtigt die Verluste, bie der Krieg auch unter der bürget» i licheu Bevölkerung Hervorgentfen hat. Hinzu kommt der ! allge-neiuc Geburtenaussall während der langen Kricgs- 1 jahre für ganz Frankreich. Freilich ist diese Erscheinung I allen kriegführenden Staaten eigen, kam aber für Frank- t i reich deshalb um so eurpsindlicher in Betracht; als dort bte natürliche Zunahme der Bolkszahl schon vor dem Wett-
h»r»*nen. Goaen. Reklamen berechnen wir Die Zeile mit 3.00 Mk. Jever Rabatt Ift/I oift al» Barra^batt. Bei Auskunjt durch die Ceschäftsstelle und Vermittlung der
0 Angebote 75 Psz. Sondergebuhr. _____________
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