Amüiches BerMndigungMatt des Kreyes MürLurg.
Anzeiger für (das früher kurhesiifche) Oberhessen
i WlT Ilia Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereigniffe kein Ersatz. —
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Wie das Wolff-Büro meldet, sprach am Sonnabend der französische Botschafter beim Minister
des Aeußeren Dr. Rosen vor, und erhob im Namen der französischen Regierung im Sinne der Note Protest.
Gehetmrai Brittt f. Sandrat a. D„ Geheimer Re- gierungsrat Brüll in Rendsburg ist tat Alter von saft 77 Jahren einem Schlaganfall erlege«. Der Ver» swrbeue gehörte alS Mitglied der frühere« Fretkonler» validen Fraktion viele Jahve dem preußische« Lbge- ordnetenhause an.
Der «ronprta- von Japan tft vom Papst empfange« worden, ------—— ——-——
Tie „Oberheffijche Zeitun,' erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 4.75 Mk., durch die Poft 5.10 Mk. Ausgabe B mit „Oberh. Svort-Ztg." 1 Mk. mehr.
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Rach der „Räumung". ' '
Oppeln, 16. Juli. In Paulsdorf, Kunzen- dorf, Bierthowitz, Kochlowitz und Antonienhütte bestehen Eemcindewachen, in den ersten vier genannten Orten mit 30—40 Mann, während sie in Antonienhütte stärker sind. Die Eemeindewachen setzen sich nur aus Polen zusammen, lleberall sind auch am 15. 7. noch weitzrote Abzeichen vorhanden. Erötz- tenteils hängt der weiße Adler aus Pappe an den Häusern. Die Werke haben weißrote Fahnen. Der Mittelpunkt dieses Gebietes ist die Antonienhütte. Internationale Vesatzungstruppen sind in diesem Gebiet nicht vorhanden. Jnfolgedesien sind die Aufständischen unbeschränkte Herren. Es wird überall in diesem Gebiet eine systematische Hetze gegen die Deutschen getrieben.
K a t t o w i h, 17. Juli. Die Unsicherheit im Kreise Kattowitz ist durch! die erfolgte Säuberungsaktion nicht vermindert worden, sondern scheint nach täglich einlausenden Meldungen über RaubüberfAle, Einbrüche usw. immer größer zu werden.
Gleiwitz, 17. Juli. An die interalliierte Kommission ist nachstehende Kundgebung gerichtet worden: Eine größere Zahl heute in Gleiwttz versammelter Vertreter der größten oberschlesischen Jndustriegesellschaften richtet in letzter Stunde an die interalliierte Kommission das dringende Ersuchen, für ausreichende militärische Besetzung ihrer Betriebsstötten und Schutz ihrer deutschen Beamten und Arbeiter zu sorgen. Trotz der angeblich durchgeführten Räumung wird von den polnisch orientierten Betriebsräten in der Mehrzahl der Betriebe gegen deutsche Beamte und Arbeiter ein derartiger Terror ausgeübt, dass eine geordnete Weilerführung der Betriebe vollständig unmöglich ist und die Werte zur Schließung gezwungen werden. Nach wie vor beherrschen polnische Insurgenten das Land und machen, ohne vorr de» gleichfalls aus Insurgenten bestehende» und damit den erlassenen Vorschriften widersprechend zusammengesetzten Ortswehren behindert zu werden, Vie Durchführung gesetzmäßiger Zustände unmöglich.
Beruhigung in der englischen Zone.
Berlin, 16. Juli. Wie die Blätter melden, herrscht in den Landorten des oberschlesischen Jndustrie- bezirks immer noch polnischer Terror. Die Flucht der Deutschen vom Lande in die Städte dauert an. In der Schlesiengrube kam es zu einer langanhaltenden Schießerei durch polnische Bande». In Kattowitz fiel die Liste der zur Ortspokizei zu bestellenden Bürger in deutsch« Hand. Von den 150 Personen der Liste sind 99 Prozent Aufständische, Zuchthäusler und Kongreßpolen, also Ausländer. AuS den Gebieten, in denen die Engländer d« Polizeigewalt ausüben, komme« im allgemeinen beruhigende Nachrichten. Die Engländer führen ihr« Aufgaben, besonder- die Sperrung der Gren-e gegen Polen, energisch und erfolgreich durch
B e u t h e n, 16. Juli. Am Freitag abend wurden bei Morgenroth zwei Autos mit englischen Be, iatzungstruppen, die sich auf einer Kontrollfahrt befanden, mit wüstem Geschrei empfangen. Als die englischen Soldaten einige Schreckschüsse abgab rn, erwiderten die Aufständischen das Feuer. Hierauf gingen die englischen Soldaten scharf gegen die Aufständischen vor, die sich -urückzogen.
Die Ausweisung deutscher Pokzeibeamten.
Pari», 17. Juli. Nach dem „Petit Parifieu" wären kürzlich 68 Beamte der deutschen Polizei in Oberschlesten. entlassen worden und hätten von der iüteraLiierres Somisisfftm des Befehl «halten,
Oberschlesten in kürzester Zeit zu verlassen. Eie würden beschuldigt, Dokumente gefälscht zu haben.
Korfanty reist nach Pari».
Beuthen, 16. Juli. Korfanty reiste gestern nach Paris ab, um an den Boulogner Verhandlungen teilzunehmen.
Dank des ReichsbLrgerrates an General Höfer.
Berlin, 17. Juli. Der Präsident des Reichs» bürgerrat, v. Loebell, hat dem General Höfer nach dessen Rückkehr ein Dankschreiben für die dem gesamten deutschen Vaterlande und insbesondere Oberschlesien geleisteten Dienste gerichtet.
Marburg MM, tat 18.3«li
Heuert
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Entscheidung des Obersten Rates vor August. —
Die „Armee Höfer". — Verstärkungen der verbündeten Truppen.
Das französische Ministerium des Aeußern veröffentlicht «ine Not«, in der festgestellt wird, daß die englische Regierung es angenommen hat, daß eine Sachverständigenkommiss ion sich in Paris zu Beginn der nächsten Woche versammelt. Diese technische Kommission soll ihren Bericht innerhalb weniger Tage redigieren, damit der Oberste Rat sich gegen den 24. Juli versammeln und eine Entscheidung vor dem Monat Augush während welchem der englische Ministerpräsident vollständige Erholung im Engadin suchen mußs treffen kann. Tie ftanzösische Regierung stimme zu, daß die Sachverständigenkommission sich. sofort in Paris versammelt, das oberschlesische Plpbleu» vor> allen Seiten studiert »nd dem Obersten Rat entweder einen gemeinsamen Vorschlag erstattet, der di« Entscheidung der Regierungen erleichtern könnte öder einen sehr eingehenden Bericht ausarbcitet, welcher die Unterredung der Regierungsvertreter vorbereiten würde. Weiter heißt es:
Der französische Ministerpräsident hat nach London und Rom Informationen über militärische Vor- bereitniigen der Deutschen in Oberschlesten an den Toren des Volksabstimmungsgebiets mitgeteilt, welche die Entscheidung der verbündeten Regierungen vor eine unerträgliche Drohung stellen könnten, gegen die die Interalliierte Kommission wegen der geringen Anzahl ihrer Truppen ohnmächtig ist. In dem Volksabstimmungsgebiet wurden Attentate gegen die Truppen und Kommandanten der Armeen namentlich gegen Franzosen versucht. Die Hausung dieser Attentate, welche auf Mitglieder der Freikorps zurückzufübren sind, ist bezeichnend. Anderseits sind die Selbstschutz- organisationcn nichr entwaffnet und nur zum Schein beurlaubt. Von den 40000 Mann, welche die Armee des Generals Höfer bildeten, sind 10000 Mann im Lande geblieben. 10 000 Mann wurden in Trupps verteilt und an verschiedene Plätze zerstreut, ungefähr 20000 Mann blieben in Mittel- und Niederschlesien oder erhielten weiteren Urlaub oder wurden, wie die Studenten, nach Hause gesandt, bereit, auf den ersten Aufruf wiederzukehren. So blieben also die „deutschen Banden^ eittrveber im Abstimmungsgebiet oder an seinen Pforten gerüstet. Bon General Höfer werden unglaubliche Erklärungen berichtet, die. er vor seinen Offizieren abgab. Sie bezeugen seinen Entschluß, mit Gewalt in Oberschlesien bei der erste» Gelegenheit zu intervenieren und sich in jedem Falle einer Entscheidung der Mächte zu widersetzen, wenn diese Deutschland nicht volle Genugtuung in der obeijchlesischen Frage gcken.
Die letzten Nachrichten, welche die oberschlesische Kommission und die verbündeten Regierungen besihen, öeiprisen, daß die Loge es nicht gestattet, daß man sich blindlings tu ein Abenteuer stürzt, welches darin bestünde, daß eine Entscheidung getroffen würde, der die interalliierten Truppen keinen Respekt verschaffen könnten.
Der französische Ministerpräsident hat diesen Standpunkt nach London und Rom mitgeteilt mit dem Vorschlag, daß die verbündeten Regierungen vor ihren Beratungen und vor der Versammlung des Obersten Rates die notwendigen Verstärkungen nach Oberschlesien entsenden, um die notwendige Sicherheit herzustellen, welche dem Friedensvertrag und den Entscheidungen der Verbündeten Respekt verschaffen könnte. Die französische Rcgiening hat bereits in dieser Richtung Dispositionen getroffen. Gleichzeitig echielt der französische Botschafter in Berlin Auftrag, die ernstliche Aufmerksamkeit der deutschen Regierung auf die Lage in Oberschlesien und auf die Vorbereitungen der kleinen Armee des Generals Höfer zu lenken, welcher nicht zögert zu erklären, daß er bereit sei, mit Gewalt cinznschreiten, wenn die äußersten Ansprüche der Deutschen keine Genugtuung erhielten. Die Vorstellungen Laurents sollen durch die des englischen und italienischen Botschafters unterstützt werden, um chrrn politischen Wert zu erhalten. Die Botschafter sollen von der deutschen Regierung verlangen, Dispositionen zu ergreifen, damit die Truppenverstärkungen nach Oberschlesien transportiert werden. In Erwartung dieses Schrittes, durch Entsendung genügender verbündeter Truppen, kann sich die Drchverständigen- kEumission versammeln und alle Seiten deS Problems ins Auge fassen, um eine Lösung sowie die Anwendung des Friedensvertrages vorzuberciten. Denn diese soll keinesfalls einen Mißerfolg weder von deutscher noch von polnischer Seite erleiden. Wenn die verbündeten Truppen imstande wären, die. Durchführung des Friedensvertrages in Oberschlesien zu sicher», dann wich der Oberst« Rat in der Lage fein, sich zu versammeln.
Htttor Ms.
Berlin, 13. Jnli 1921.
De» Sonntag, der der Hilfe de- Reichshauptstadt für Oberschlesien gehribmct war, hatten die Kommunisten geschmackvoller Weis« zu einer Massenkundgebung der kommunistische« Jugend auSersehen. Die rote Jugend zvK von Musikkapellen geleitet, in Scharen aus Osten und Norden heran, und Dreikäsehochs gebärdeten sich toi« alte, sturmerprobte Kapitalisken- fresser. Kleine Jungen mit Max- und Moritz-Gesich- tetn hielten Brandreden, schimpften auf den „Schwindel von Gott und Obrigkeit", und die Eltern freuten sich über den vielversprechenden Nachwuchs. Es wurden natürlich auch Flugblätter und Broschüren zur Aufklärung dieser eigentlich doch sehr bedauernswerte» Kinder verkauft. Bezeichnenderweise wurden zufLlig in die Nähe kommende Kinder, die für Oberschlesirn sammelten, belästigt, beschimpft und vertrieben. ES war weniger heiter als ekelhaft. Herr Wirth hielt am selben Abend im großen Saale der Philharmonie eine seiner matten und zahmen Reden für die obrv- schlesische Sache. Er fand nur stellenweise Beifall, dagegen oft lebhaften Widerspruch. Diese wohltemperierten Reden sind nun leider das einzige, wa- di« Ncichsregierung für das schweröedrängte und gequälte, obcrschlesische Volk zu tun für richtig befindet.
Bei Adolf Hoffmann, dem einstigen Kultus«. Minister Preußens (vielleicht der größte polftische Scherz des letzten Jahrhunderts), ist eingebrochen worden. Dir gesamte bürgerliche Presse der Reichshauptstadt kann das Lachen nicht halten. Der Obechäuptling der Kommunisten hat am eigene« Leibe erfahren, wie da- Enteignen tut. Herr Hoffmann, der unentwegte Be- kämpser der kapitalistischen Bestie, ist selbst — das beweist die reiche Beute, die die Einbrecher gemacht haben, ein reich« Man». Denn welcher gute Bürger- haushalt verfügt heute über einen Wäschebestand, wie er Herrn Hoffmann gestohlen toorben ist? Die Blätter stellen eine lange Liste schöner Gegenständ« zusammen, deren Besitz in kommunistischen Kreisen wohl kaum zur Ehre gereichen dürfte. Da find: 44 große und kleine Bettbezüge 26 Laken, viele große und klein« Tischtücher mehrer« Dutzend Damen- und Herren- hemden und viele, biete Schmucksachen! Dazu besitzt der Zehngebote-Vater noch ein schönes Landhaus fern von Berlin, und es ist anzunehmen, daß er dort auch noch ein paar Wäschestücke sein Eigen nennt. (Wat', sagt das Wohnungsamt dazu, daß der Abgeochneü» Hossmann 2 richtiggehende Wohnungen besitzt, waS doch s jedem anderen Deutschen verboten ist? —) Ich hatte ■ von jeher den Einbruch daß dieser wohlhabende Sour« gevisietötep, der übrigens nicht mir und mich ber-s wechselt, sondern der ausschließlich, tote jeder echte Berliner nur da« Fürwort mir kennt und braucht, ein ganz braver Mann mit Bürgcrinstinkten sei. Es ist sein Beruf, Kommunist zu fein, aufreizende Reden zu halten und zum Bürgerkrieg aufzufordern. Er würde mit der gleichen Betriebsamkeit irgend ein anderes Metier ebenso tznt ausfüllen. (Tie „Rote Fahne" schweigt die Angelegenheit bezeichnenderweise tot.)
Tir ersten Fertentage haben uns wieder Sommerwetter gebracht. Sogar zwei recht heiße Tage. Die Abreise der vielen, vielen Tausende bei Ferienbeginn war scheuswert. Tie gutgekleideten, vielfach sehr elegante« Reisende», die lachend und scherzend Hallen und Bahnsteige füllte», das alles täuschte wieder jene Zeiten vor too wir wirklich ein frohes und glück-: liches Bolt waren. AlS ich all die frohen Gesichter sah, die Damen mit Blume«, die AutoS, das elegante; Gepäck, die lange«, schweren D-Zugwagen und ni$t zuletzt bat köstlich blauen Sommerhimmck, der daJ naufte» leuchtete, kam mit jäh und schreckhaft der Gedanke an die Brüder die in sranzösischen Zucht« jäusern in Avignon schmachten — in der Hölle; von Avignon. Wie trüb wurde da der Sommertag. •
, W.A.L. ’
Französische Bedenken.
Parts, 17. Juli. Die Pariser Morgenprefse bereitet ter franzSsiichen Note über Oberschlesten nur teilweise eine zustimmende Aufnahme; auch die der Re- gtcnmg nahestehenden Blätter drücken Zweifel aus, ob die vom Ministerpräsidenten eingenommene Haltung die Nichtige fei. Vor allem äußert sich der »Petit Paristen' skeptisch: bier schreibt Pbittppe Millet u. a.: Das Proulem der Grenzziehung gemäß den Ergebniffe» der Vollsabstimmung sei offenbar mit Absicht kompliziert worden. ES sei tchou seltsam gewesen, daß man bis zum 20. März gewartet habe, um abstimmen zu lasten; das hätte sechs Monate früher geschehen können. Jetzt befinde man sick feit vielen Wochen dem Vermittlungs- Vorschläge gegenüber, den die Polen in seinen großen Linien anzimkbmcn bereit seien. Worauf warte man nun noch, um ihn anzunehmen? Der .Figaro' erklärt, in Paris weigere man sich, die oberschlesische Frage als rein regionale anzusehen. Dadurch werde die gesamte deutsche Frage tu vollem Umsang aufgerollt. Es bestehe die Gefahr, daß man aus Oberschlesten ein neues Irland mache und noch obendrein das Feuer in Europa wieder anzünde. Das Gewerkschastsblatt »Le Penple' führt aus, es sei nicht zu bezweifeln, daß die französische Note einen direkten Angriff gegen die englische Regierung darstelle. Zwei Dinge erregten in der Note hauptsächlich Anstoß, das eine sei das, daß die sranzösischen Diplomaten trotz aller Erfahrungen nicht darauf verzichten wollten, Frankreich den Gendarmen spielen zu lassen; das zweite, daß chie militärischen Maßnahmen de» Eindruck erwecken müßten, als treffe Frankreich Vorbereitungen zu einer Lösung, die sich nur gewaltsam durchsetzen ließe.
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[ 7a5 natürliche Gefühl eines jeden Deutschen muß jkich gegen den Gedanken anflehneu, daß zwei tapfere : ü '-' h ' Offiziere, die auf gefahrvollstem Aiißenposte» lh. Pflicht nnd Schuldigkeit getan haben, mit vier Hahren Gefängnis büßen sollen. Es ist kein Zweifel, baß die Strafjustiz, die das Leipziger Gericht übt, : bnv deutsche Volksbewußtsein verwirren muß, weil es irincn Makel auf die deutsche Kriegführung wirst. Der iftemdbnnd hat cs leicht, auf diesem Wege unser Volks- chcwnßiseiii immer weiter zu vergiften und den Glauben bc? deutschen Volkes an sein gutes Recht und an ■feine gute Sache immer weiter zu erschüttern. Wir »sollen Handlanger unserer eigenen Schmach sein — das ■pni die einzige Absicht der Gegner, als sie das deutsche '„Kriegsverbrcchen" vor die Eerichtsschranken zogen. : Das Gericht ist nicht dem Mordantrag des Ober- itercksanwalts gefolgt, sondern ist davon ausgegangen, baß ben beiden Offizieren die Ueberlegung gefehlt hat, und daß deshalb nicht die Mordabsicht, sondern nur der Tötnngsvcrsiich zu bestrafen sei. Diese Anffassnng stelu im. Widerspruch zu dem Gutachten ,das die ; Mar:»csachverständigen abgegeben haben. Wenn des i Reichsgericht z.» einer Verurteilung gekommen ist, so - bemeift es damit» daß der deutsche Richter bei der i Beurteilung der Rechtslage die Objektivität auf den «llerhöchstck-i Gipset treiben und jede Regung des 'Gefühls in einem Grade zu verleugnen vermag, der in ■feuiem anderen Lande denkbar wäre. In jedem ;«nbcren Lauve wäre das völlig unsichere Ergebnis iber Beweiserhebung den Angeklagten zugute gekommen.
Leipziger Gericht hat schuldig gesprochen. Diese 'kacsache fc--l feiner Kritik unterzogen werde». Sie -ksuu aber i» her Forderung nur bestärken, daß die Museiligkeit des deutschen Verfahrens jetzt ein Ende -haben muß, daß die Selbstbelastnng des deutschen «Kriegsschulskontos durch deutsche Richter unter dem 'Hohngelächier der Gegner und unter dem pbarisäischen Minsen der größten Kriegsverbrecher der Welt nicht tveitergeheu Darf.
. Eie »Teulichc Siüg. Ztg." meint, daß fetbst fei Ofst- -iicrsrreifen der Vcrvündeten mir Schamgefühl ausgenommen werde» dürfte, daß Offiziere wegen zurüü- ?hegender ttriegsbandlnngen sich vor bürgerlichen Ge- ' tktMen verteidigen müßte». — Die »Deutsche Tages- jteiiung' überschreibt ihren Kommentar »Englands Neuer Sieg' und weist daraufbin, daß keine Notwen- aiükett dafür bestanden hätte, den Prozeß gegen Boldt Md Tilttnar »in die Reihe der Leipziger Errtwürdi- .«iigsprozesse einzurcihen". Man hätte zum mindesten Marlen müssen, bis man den Kommandanten vor das Besicht bringen konnte. England werde sich freuen, durch den Prozeß feine« Greuellegende« neues «e« ««geflößt worde« fei. -
Mke Gefängnis int die ll-IMsMim.
, Leipzig» 16. Juki. In dem Prozeß gegen die M-Bootoffizier« Oberleutnants Dittmar und Boldt Mr dem Reichsgericht wurden die beiden Angeklagten wegen Beihilfe zum Totschlag zu je vier Jahren .Gefängnis verurteilt. Gegen Dietmar wurde allßer- tzem auf Dienstentlassung erkannt.
t Der Begründung des Urteils ist zu entnehmen: Der Senchtshof sieht für klar erwiesen an, daß die „Llandovery Uastle" objektiv völkerrechtswidrig torpediert wurde. Sie Mhr innerhalb der Zone, innerhalb deren eine Torpe- Wcrimg nicht zulässig war. Der Befehl der deutschen ■kgiermig, und der ^höchsten deutschen Marinestelle ging Dahin, daß solche Schiffe tote die hier fragliche» nicht »rpediert wecken dürfen. Der Kommandant des U- ,«botc?, Patzig, kann keine Umstände geltend machen, daß irr zur Torpedierung berechtigt war. Der Gerichtshof ist ^überzeugt, daß von den Rettungs-Booten mindestens drei Mßerhalb der Gefahrzone, die das unlergehende Schiff bot, M kiregten. Diese Boote wurden absichtlich beschossen, jnmb zwar zu dem Zwecke» um die Zeugen zu beseitigen, Die den Fehltritt des U-Bootskommandanten hätten Nachweisen können. Das Verhalten Patzigs beweist, daß er dte Wcrnichlung der Rettungsboote zu verdecken und der Urnutniz seiner Vorgesetzten zrr entziehen suchte. Das ergibt^ sich besonders daraus, daß er die Eintragung in Das Schiffstagebuch pflichtwidrig ausgeführt und von dem ■anteu Vorgang nichts erwähnt hat. Er ging sogar ftaeit, daß er eine, unrichtige Route in der Karte eintrug, Mo direkt zur Fälschung einer Urkunde überging. An der Mrurbarkeit der tzauptbandlung und demgemäß dcr Dfebcuhandlung des Angeklagten besteht nicht der geringste greifet. Wehrlose Schiffsbrüchige, die aufgehört haben, Btitibe zu fein, bürfen unter keinen Umständen getötet jbcu. Eine Kriegshandlung kommt überhaupt nicht in jBcrrachl. Daran ist kein Zweifel, daß die Angeklagten jdaS. nn rechtmäßige und verbrecherische Vorgehen ihres iArinwaiibanten, von dem sie genau wußten, 'daß et lediglich begangene Fehler verdecken wollte, erkannten. Dazu ffeii’.mt weiter, daß die Angeklagten, wenn sie nicht un- ffcbmgt im Einverständnis mit ihrem Kommandanten han- itelten, die Möglichkeit gehabt hätten, dr« Befehl nicht ;in befolgen. Es hätte nur deS geringsten Widerspruchs Heduist, ja nur der Androhung einer demnächsttgen Meldung des gegebenen Befehls, um den Kommandanten > sig vollständig zu entwaffnen. ' In der Tatsache, daß ■ber Kommandant die Verantwortung trägt, und daß es ganz besonderen Maßes von EiUschlossenhert, Selbst- jltfi’uütifi'i und rücksichtslosem Auftreten der Untergebenen !wis einem U-Boot bedarf, um sich einem beiartigen Be- lßhl zu f » versetzen» erkannte das Gericht einen Milderuiigs-
D«r Kiyetgenpreis beträgt für die 9 gefp. Tolonelzelle ober bete« Rau« 90 Pfg. u.
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