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Amtliches DerNMgungsdtatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

56.3M

1921

Marburg SonnoM, teil 16.3uß Henert

Tie „Oberheffifche Zeitun ' erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich w .ß . *-75 3Xf, durch die Post 5.10 Mk. Ausgabe B mit ,L>berh. Soort-Ztg." 1 Mk. mehr. Jyl Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Eriar;.— Verlag von Dr. C. Hitzeroth. — Druck der Univ.-Buchdruckerei von Joü.Aug. Koch, Markt 21,23 — 5kernsprecher 55, — Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

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Erstes Blatt.

MsMzWU-mlMrZchMkieMts.

Worauf es den Franzosen ankommt.

Breslau. 15. Juli. Die „Schlesische Zeitung" veröffentlicht ein im Lomnitzhotel in Beuthe ' ge- jfundenes geheimes Schriftstück folgenden Inhalts:

„Streng geheim zu halten! Rundschreiben irt alle Kommandostellen. — Wenn es bisher den Mi­litärabteilungen nicht gelungen ist zu erreichen, was sie sich vorgenommen haben, vor allen Dingen, wenn sie durch die Franzosen in manchen Orten daran ge­hindert wurden, sollen sie sich doch nicht verleiten lasten, deshalb gegen die Franzosen feindlich vorzi- gehen. Diese find und bleiben nnsere Freunde und Brrbündeten, die ihre eigene Taktik und ihre eige­nen Ziele verfolgen. Wenn es auch manchmal so aussieht, als ob deren Handlungen gegen uns ge­richtet waren, so ist dies doch nicht der Fall,- denn die Franzosen müssen auf die Verbündeten Rücksicht nehmen und vorsichtig arbeiten. Wenn Sie die Tak­tik der Franzosen genau verfolgen, werden Sie fin­den, daß es ihnen nur darauf ankommt, das Deutsch­tum anszurotten. Auf dem Lande geben sie «ns Polen selbst die Deutschen in die Hand, damit diese Absicht schneller durchgesührt wird. Sie r-rbcit

dafür sorgen, Last wir durch eine andere Macht in unserem Vorhaben nicht gestört werden. In den Städten bemerken wir freudigst, Last die Unter­drückung der Deutschen durch sie selbst besorgt wird. Andernfalls werde» sie es dazu bringen, Last auch die Städte in «ufere Hand kommen. Bor allen .Dingen ist erforderlich. Last' fie durch die pol-tischen Truppen nicht gestört werden, damit andere ; uchte »n diesem Vorhaben nichts erfahren. Dieses Rund- fcprciben darf nicht in unrechte Hände kommen, vroste Vorftchr ist geboten."

Die Franzosen organisieren de« 4. Aufstand.

Oppeln, 15. Juli. Sei dem angekündigten kirrten polnischen Aufstand scheinen die Franzosen kme Hauptrolle spielen zu wollen. Der Termin ist, »ie aus Acusterunaen französischer Offiziere her- lMrgeht, von französischen Mitgliedern der Jnter- |Muicrtcn Kommission festgesetzt worden. Er liegt zwischen dem 18. und 22. August d. Js. Die Fran- Zchen haben ihre Aufmarschpläne durch einen fran- Z-l'schen Major übergeben, damit die Aufständische» «pertere» können, ohne mit den interalüierte« Trup- pe» in Konflikt zu geraten.

Opvrlu, 15. Julr. Der Leiter der französischen tzsyktmen Nachrichtenzentrale, die sich jetzt in Schopvi- »ch befindet, ist ein französischer Oberleutnant.

40 000 Flüchtlinge.

Kattowitz, 14. Juli. Wie von unterrichteter Kette mitgeteilt wird, haben seit Eröffnung des Eisenbahnverkehrs bis jetzt über 40 000 Personen Oberschlefieu verlassen, die in das Innere Deutsch- danls abgcwandert sind.

Berlin., 15. Juli. Nach einer Meldung des „Oberschlesischen Kuriers" soll Ko rfanty, der sich Vgenwärtig in Warschau befinde^ in den nächsten Tagen nach Paris reisen, um dort nochmals den pol- Mchen Standpunkt in der oberschlesischen Frage dar- lnlcgen.

Wie die „Boss. Zeitung" meldet, wird das.englische hanptauartrer in Oberschlesien in den nächsten Tagen dmr Groß-Strehlitz nach Beuthen, also näher der pol­nischen Grenze, verlegt.

Breslau, 15. Juli. Die „Schlesische Zeitung Mldei: Zur Wahrnehmung der deutschen Interessen vberschlrsiens wollen sich die deutschen Parteien und Miiigeu deutsche» Organisationen Oberschlesiens zu wt-m Bollsrat znsammenschliesten, an dessen Spitze Tr. Lukaschek tritt.

8ür ein ungeteiltes Oberschlesien.

Berlin, 16. Juli. In der gestrigen Kand- Abung für ein ungeteiltes Oberschlesien in der Phil- wwiie führte Gerhart Hauptmann u. a. ans: zweifeln nicht, daß unsere deutsch.? Nation einig durch Einigkeit »».zerstörbar ist. Wir stehen hier r in großes Volk, um noch einmal seine Stimme hörbar zu machen. Wir warnen den Oberste« Rat der in Permanenz erklärten Gewalt. Nicht nur bedarf des Friedens, sondern die ganze Welt ^dars seiner. Die Gefahr eines neuen Weltbrandes ^hr; er würde das Gebäude der meusch'ichen Kultur «m Erdboden gleich machen. Einen solchen gefähr- ^4k,t Brandherd legt man aber an, wenn mau einen galten Zustand antastet und einen neuen, unnatür- uchn» schafft. Ter wird niernalS von Dauer sein «»»en. Der Vertreter der Deutsche« Vslkspartch

Geheimrat Kahl, sagte u.a., wenn man an der Richtigkest der oberschlesischen Abstimmung zweifle, so solle man sie noch einmal vornehmen lassen. Tie Eittente scheine ihr Verhalten so einzurichten, um Deutschland wortbrüchig werden zu lassen. Wenn Otcrschlesikn den Deutschen genommen würde, dann ..arten die Verbündeten die Reparationen als Schatz­gräber auf den 'Leichenfeldern suchen.

Verzögerung der Entscheidung.

Entsendung einer Sachverständigenkommission.

P a r i s, 16. Juli. (Havas.) Der diplomatische Mitarbeiter der Agentur Havas glaubt zu wissen, daß Briand gestern der britischen Regierung mit­teilte, daß er mit ihr bezüglich der Entsendung einer Mission von Diplomaten, Sachverständigen und In­genieuren nach Oberschlesien einig sei, die an Ort und Stelle die Frage einer T e i l u n g des Abstim­mungsgebiets prüfen soll. Bekanntlich hatten Lord Curzon und Briand in ihren Besprechungen vom 19. und IQ^Juni beschlossen, die §yiteralliieite Kommis- pon m xDppeltr auszufordern, einen gemeinsamen Teilungsvorschlag zu unterbreiten, da andernsalls ihr Sachverständige beigegeben würden, um ihre Ausgabe zu erleichtern. Man gehe nunmehr zu letz­terem Vorgeben über. Da man der neuen Kommis­sion Zeit lassen muß, um sich über die wirtschaftliche Lage zu unterrichten, die die Teilung schaffen würde, deren Entwurf sie dem Obersten Rat unter­breiten wird, so ist es nicht wahrscheinlich, daß die interalliierten Regierungschefs vor lern Monat September beraten können.

Wie« md WHMte,.

Heftet die Verbrüderung zwischen Franzos«» und At fständischen

schreibt unser Sonderberichterstatter aus Kattowitz:

Wer Eindrücke des angeblich „beruhigten" und von den Aufständischen befreiten Ob'rschl.'si'ns sammelt, sam­melt die L-iüen eines Volkes. Ob man in Hindenburg, ob knan in Gleiwih, ob man in Könioshütte oder in einem der vielen kleinen Orte m-t D-utichen spricht: das Bild bleibt das gleiche. Eine rechtlos Bwölkerung wird miß­handelt und brutalisiert von zum Teil landfremden Polen. Deutlicher aber »och als man es bisher wußte, tritt babei dir Wahrheit zutage, daß die Franzosen nicht nur teilnahmslos und bosnisch den L'iüen dreier Bevölk-rung, dir sie beschützen sollten, znseh'n. sond-rn ihrerseits dieAufstä n bischen mital le »Mittel nunter- stützthaben, ihrerseits mitgeholstn habe», die deutschen Leiden zu vermehre».

Die Stimmung der französischen Truppen hat sich durch das Einrücken der Engländer in noch stärkeren Deutschenhaß verschärft, und die Stimmung der Deutschen ist so verzweifelt, daß niemand Voravssehen kann, wie der Weg dieser Verzweiflung gehen wird. In der viel­leicht nicht einmal langen Frist, bis wieder die Flammen von Greuel und Krieg über Oberichlesien gehen, seien deshalb noch einmal mit Sachlichkeit ein vaar Tatsachen ausgezeichnet, die den Beweis für die Haltung der sran- zösischen Truppen, für die Verbrüderung mit den Aufständischen geben. Alle nicht einwandfrei z» beweisenden Fälle sind ausgeschieden, die hier vor­getragenen Einzelbeispiele sind beseitigt.

Am 3. 5. kam morgens um 6 Uhr ein Trupp fran­zösischer Soldaten unter Führung ihrer Oisiziere die Grünstraße von Kattowitz herauf, ihnen begegnete ein Trupp von Aufständischen, in ungefährer Anzahl von 50 bis 60 Mann. Darunter befanden sich Leute, von denen vier ein schweres Maschinengewehr, einer ein leichtes trugen. Ein älterer Monn fuhr auf einem Handwagen >ie Munition für die Maschinengewehre nach. Die Aus­ländischen waren mit Seitengewehren und einige mit Handgranaten bewaffnet. Sie trugen um den linken Arm eine weiße Binde: sie waren so als Ausständische ge- kennzerchmet. Bei der Begegnung begrüßten fie die Franzosen zum Teil mit militärischem Gruß. Die Fran­zosen dankten ihnen militärisch, ohne die geringsten Anstalten zu treffen, ihnen die Waffen zu nehmen.

Am 3, 5. nachmittags 2 Uhr fuhren Franzosen in einem Lastauto die Moltkcstraße in Zalendze entlang und verteilten Gewehre an die Ansständischen.

Am 3. 5. nachmittags zwischen V? und -/,2 Uhr zeigten sich in der Nähe von Grünstadt und dem alten Friedhof ein französisches Lastauw, das die Straßen langsam passierte. Tie Franzosen ließen nach und nach itnf Gewehre von dem Auto auf die Straße fallen. Tie patrouillierenden polnischen Banden setzten sich sofort in den Besitz dieser Gewehre, nachdem sie durch Zeichen von den Franzosen verständigt worden waren. Für diesen Vorfall sind zwölf vereidigte deutsche Zeugen vorhanden.

Dos französische Lastauto der Jnterglliierten Kom­mission bezeichnet: I. K. 6916, hat am 3. 5. nachmittags 1 Uhr 50 Minuten 15 Gewehre auf die Straße geworfen, die von den Aufständischen sofort ausgenommen wurde».

Diese Btt spiele von Waffenabgabe der Franzosen lasse» ich säst beliebig vermehren. Ein anderer Vorfall zeigt, wie sich die Franzosen sogar mit den plündernden Aufständischen in die Bente geteilt haben. Am 29. 6. wurde ein Ziaarrengeschäst in Kattowitz auf der Krakauer Straße von Aufständisch«, ausgeraubt. Diese teilten

die Zigarette» und Rauchwaren mit französischen Sol­daten unter dem Ruf: „Viva la France!"

Ein Einzelfall zeigt die Stimmung der französischen Offiziere. Am Sonntag, den 5. 6. kurz vor 10 Uhr abends, wollten zwei deutsche Herren in ihr Haus gehen: während der Hausmeister die Haustür abschließen wollte, wurde die Tür gewaltsam von einem französischen Offizier aufgestoßcn. Der betreffende Offizier drang in den Hausflur, versetzte dem einen der Herren mit ge­ballter Faust einen Ählag ins Gesicht, sodaß er, aus Mund und Nase blutend, zurückfiel. Bei dem Versuch, aufzustehen, versetzte ihm der Offizier mehrere Fuß­tritte und Schläge. Danach ging der Offizier nach der eine Treppe höher gelegenen Wohnung des anderen Herrn. Er erzwang die Oeffnung der Tür und forderte die Be­wohner auf, mit ihm zu gehen. Auf die Frage, warum, gab der Offizier dem Herrn einen Fußtritt, sodaß er die Treppe hinuntcrstürzte. Er wurde mit dem anderen Herrn, der inzwischen draußen von einer französischen Patrouille festgenommen war, nach dem Wilhelmsplatz geführt. Aus dem Wilhelmsplatz schrie der Offizier: „... Deutsche Schweine, deutsche Hunde.... wir werden Euch noch auf die Knie zwingen, Ihr „Deutschland, — Destffchlands über alles-Schreier". Auf der Wache wurden dir Herren in gröblichster Wesse von dem Offi­zier mißhandelt. Er schlug mit einer Reitpeitsche nach dem einen der Herren und versetzte dem anderen mehrere Stöße gegen die Brust, indem er rief: «Da hast Du es, Du Dreckhammell" Deutsche, die sich von den Auf­ständischen z» französischen Wachen geflüchtet hatten, wurden fast regelmäßig den Aufständischen ausgeliefert: so u. a. am 15. 6. ein deutscher Beamter, der erst auf der französischen Wache mißhandelt und dann den Auf­ständischen übergeben würbe, die ihn nach Zawodzi? brachten.

Es wäre ein Buch zu schreiben, wollte man nur die Fülle, die mir in der Zeit meines oberschlefischen Auf­enthaltes bekannt geworden find, zusammenfassen. Die Tatsache» sind selbstverständlich den Franzosen nicht verborgen. Aber in der gleichen Zeit, da diese Tnngr sich auch noch heute täglich in Oberschlefieu abspielen, hat Herr Briand den Mut, in bri fruui?fii4cn eStrnm« zu erkläre», daß die Franzosen in Oberfchlesien nur nach Gerechtigkeit gingen. Die französische Gerechtigkeit heißt Niederschlagen der deutschen Bevölkerung, die französische Gerechtigkeit heißt: Hinüberspielen Oberschlesiens an Polen mit jedem Mittel. Die oberschlesische Bevölkerung ist ihrer Wesensart nach geduldiger als viele andere deutsche Stämme. Allerdings muß man den Eindruck gewinne», daß, wenn diese kaum verständliche Geduld einmal cud- güftig zerbrochen wird, die Wirkung umso furchtbarer fcip. muß Als Augenzeuge und Beobachter mtffi man fest- stellen, daß eine Wolke von Granen über Oberschlesien heranzieht, die alles bisher Geschehene noch Überschatten wird. Wir wissen, ein deutscher Schrei t er (fallt, aber, wir schreien in daS Fratzengesicht von Europa! Ober­fchlesien wird gemordet, es wird gemeuchelt von Fran-. i»fe» und Polen!

Rolf Brandt.

Unruhen in Polen.

Berlin, 15. Juli. Nach einer Meldung der „Voss. Ztg." aus Warschau ist es in Lodz zu Un­ruhen gekommen. Die streikenden Textilarbeiter veranstalteten vor dem Gebäude des Arbeitgeber­verbandes und vor dem Amtssitz des Wojwodsn De­monstrationen. Die Demonstranten kamen in Kon­flikt mit berittener und Fußpolizei, die von den Waffen Gebrauch machten und mehrere Verhaftun­gen vornahmen. Auch in Posen ereigneten sich Un­ruhen. In mehreren Straßen wurde versucht, die Eeschäftsläden zu plündern.

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Die Abrüstungskonferenz.

London, 15. Juli. Lloyd George äußerte in einer Rede zur Abrüstungskonferenz: Wir haben die Einladung des Präsidenten der Vereinigten Siaateii nicht nur bereitwilligst ausgenommen, sondern mit Freuden und Vergnügen. Ich hoffe, daß, wenn die Kcnferenz stattfindet, sie zu etwas führt, waS über bloße Entschließungen zugunsten einer Abrüstung hi naus­geht, und daß sie z» einer wirklichen Verständigung und einem tatsächlichen Uebereinkomm?n führt.

Washington, 15. Juli. D.> Staatsdepatt-'- ment hat die Annahmeerklärung Japans auf* die Einladung Dardings zu einer Ko seren; über die Be- chränkung der Rüstungen erhalten. Die. Antwort macht bezüglich des Fernen Ostens keinen Unterschied.

Lloyd George und de Valera.

London, 15. Juli. Tie gestrige Besprechung zwischen Lloyd George und de Valera dauerte 2' Stunden. Lloyd George erklärte, er habe sich mit feinen Kolleom über die Unterredung mit b? Valera bei > eck»en müssen und dann dem König herüber Bericht ermattet. In der irischen Frage sei nunmehr ein großer Um- chwung eingetreten.

Ter politische Korrespondent des „Daily CGo.ttete' erfährt: Te Valera legt noch immer Nachdruck aus die Einheit Irland & Die Regierung hofft, eine Konferenz zwischen der nord- uub südirische» Dele­gation zu ermöglich«« ,

London, 15. Juli. (Reuter.) Lloyd George hatte heute eine zweite Unterredung mit de Valera. Dir Verhandlungen toerbeit voraussichtlich Montag wieder aiifgenommen werden. Sir James Craig, der Premier­minister von Ulster hatte ebenfalls heute eine Unten rebung mit Lloyd George. Heber das Ergebnis wirt» Stillschweigen beobachtet.

London, 15. Juli. (Meuter.) In dem Prozeß be< 16 Sinnseiner in Manchester, die des Hochverrat- be­schuldigt wurden, wurtie heute das Urteil gefällt. 6tet* zehn wurden zn Zuchthausstrafen zwischen drei und fünfzehn Jahren verurteilt. Dir übriger zwei wurde« jreigesprochen.

Der Mzeh men die 8-MlMIm.

4 Jahre Zuchthaus beantragt.

Leipzig, 15. Juli. In dem Prozeß gegen di, beiden U-Bootoffiziere Dittmar und Boldt wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Der Ober, reichsanwalt beantragte am Schlüsse des Plaidoyer» gegen beide wegen versuchten Mordes je vier Jahr, Zuchthaus. Das Urteil wird Sonnabend 1 Uhr verkündet. |

Die drei Verteidiger beantragten die Freisprech­ung. Die beiden Angeklagten machten von dem ihnen zustehenden Recht des Schlußwortes leinen Gebrauch. Sie erklärten, nichts zu sagen zu haben.

Ans den Ausführnrien des OberreichSantvaltS ist fol­gendes hervorzuheben: Die Frage, ob „Lkandovery ffiaftfe" mit Recht oder Unrecht versenkt worben ist, interessiert uns hier in keiner Weise, denn Wir verhandeln nicht gegen den Kapitän Patzig wegen Versenkung deS Lazarett- schifscS, fviibttn OcgcuRaiib brr SOerteanblunecn ist, *»<• der Versenkung des Lazarettschiffes nach folg ter Die den Angeklagten zur Last gelegte absichtliche Zerfssrung und Versenkung der Rettungsboote und die TötilSg bet darauf befindlichen Menschen. ES ist deshalb, wie gesagt, für un8 ganz einerlei, ob Patzig dieses Lazarettschiff mit Recht oder Unrecht versenkte, ober ob er sich bem Glau­ben hingab, er sei zur Versenkung des Lazarettschiffs berechtigt. Noch unerheblicher für uns aber und voll« fonnneii gleichgültig, ist die weitere Frage, oft von eng­lischer Seite überhaupt jemals ein Mißbrauch von Lazarettschiffen fiattgefunbtn hat. Ich habe schon be» merkt, daß wir davon ausgingen, daß einseitige Beweis­erhebungen irgendwelche Bedeutung nicht haben könnten. Es müssen beide Teile gehört werden. Es wäre notwendig getoefen, der Gegenseite das Wort zu geben und über diese einzelnen hier aufgestellten Bchauptniigeu oio erforber­lichen Erhebungen anzustelle» und die »5;-»? Zahl von Gegenbeweisen zur Stelle ,u bringen. Es würde bem deutschen Rechtsempfinden direkt widersprechen, wenn man aufgrund derartig einseitiger Beweiserhebungen irgend­welche Tatsachen zu Gunsten ober zu Ungunsten beS einen ober des anbeten Teile- als iestgestellt erachten sollte. Ich glaube auch nicht, daß der hohe Gerichtshof hi der Sage sein wirb, nach dieser Richtung hi» irgend­welche Feststellungen dahin zn treffen, daß erwiesen sei, daß von englischer Seite Lazarettschiffe mißbraucht wurden.

Zu dem gestrigen Bericht ist ergänzend und berichtigend imchzutragen:

Landgerichtsoirektor Töpfer aus Glatz. der während des Krieges in verschiedenen Etappen mit der Leitung des Kriegsgerichts betraut gewesen ist, erklärte: In den Kreisen der Marineoffiziere War die bfftimmte Hebet» zeugung vertreten, daß sie dann, wenn fit im Rahmen einer Kampshandlung ellvas vornahmen, was sich als unberechtigt heransstelltc, nicht als Verbrecher aus Grund des allgemeinen Strafgesetzbuches zur Verantwor­tung gezogen werden könnte», sondern, daß sie sich nur -hrem Vorgesetzten gegenüber verantwortlich gemacht hät­ten. abgesehen natürlich von Raub, Mord, Diebstahl nrto. Tie Torpedierung des Hospfialschiffes und die Versenkung der Rettungsboote, wenn sie erfolgt fein sollte, würde noch in den Rahmen der Kampshandlnng hineinsqllen.

Admiral v. T ro t h a - Berlin: Niemals ist im Flottenkommanbo her Gedanke ausgetreten, daß die Be» ''timmungen des allgemeinen Strafgesetzbuches in Zn- summenhang gebracht werben könnten mit der Durch» iührung der Kriegsausgaben unb der einzelnen Kampf­handlungen. Es war dort die Auffassung, daß mit bem Befehl zu einer Kriegs» tttgaoe bet Flottcnkommandant oder bet unmittelbare, Vorgesetzte die Verantwortung auf sich nehme und demjenigen, der die Durchführung deS 3esehlS in die Hand bekam, Entlastung erteilt würbe. ?i, die Entwickelung im Verlaufe des Krieges, die die Zriensl-tänche bei unseren Gegnern nahmen, nötigte dazu, U-Boots-Komu'.uinmnwn daraus lünzuweiscn, daß sie zu allererst an ihre vaterländische Pflicht den- len Milten und nicht durch hie Gefühle der Männlichkeit und oem Wunsche, Menschenleben zu retten, btt Durchfüh­rung der Knensa isgaben ober ihre eigene« Boote in Äe- ahi brächten

Der hejftsche Landtag hat sich nach vierwöchiger Tagung bis zum Oktober vertagt. Der Präsident teilte mit, daß die N e u w ah l en in Hessen in d« zweiten Hälfte Les September siattfinden fallen.