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DieOberhelfische Zeituni' erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich

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1?f 159 8üi ausfallende Nummern infolge Streiks ooer elementarer Ereignisse kein Ersatz. i '*** Verlag von Dr. E. Hitzeroth. Druck der Univ.-Buchdruckerei von Joh.Aug. Koch,

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56.3M 1921

Deutsche Darstellung des Weltkrieges. Das Reichs- archiv bearbeitet zur Zeit eine aktenmäßtge Darstellung deS Weltkrieges 1914 bis 1918. Das Werk wird tm Verlag von Mittler & Tohu in Berlin erscheinen.

Hardings Konferenzvorschlag.

London, 10. Juli. (Reuter.) Infolge be< Meinungsaustausches mit den Vereinigten Staaten, Japan und China, der nach der Erörterung über dis Politik im fernen Osten und im Stillen Ozean durch die augenblicklich in London tagende Reichs« konferenz der Premierminister eröffnet wurde, hft Präsident Harding die Initiative ergriffen, indem er eine Konferenz auf Beschränkungen der Rüstu t» gen vorschlägt. Dieser Konferenz sollen Besprech« ungen über die Lage im fernen Osten und im Stil« len Ozcan zwischen den am meisten beteiligten Staaten vorangehen.

Au Bord des früheren deutschen Panzerschiffe» Thür-ngen" ist in Lorient Feuer ausgebrochen, da» edoch nach einigen Stunden gelöscht werden konnte.

Bombenanschlag in Madrid. In der Nacht zum Sonnabend explodierte vor dem Madrider Grand Hotel eine Bombe, gerade zu der Zeit, als mehrere Diplomaten dort speisten. Nur der britische kchaster wurde leicht am Arme verletzt.

Sperrung der Katafter-Sekretärlaufbayn. Der preußische Finanzminister hat die Neueinstellung von Kräften für die Laufbahn der Kataster-Sekretäre für einige Zeit untersagt. Gleichzeitig hat er angeordnet, daß nach Wiedereröffnung der Laufbahn Bewerber mit dem Zeugnis der Reife für Obersekunda einer höheren Schule oder einem gleichivertigen Zeugnis nach tzjähriger Borbereitungszeit zur Prüfung zugelassen werden.

St Mtnlm dn

Leipzig, 9. Juli. Die französischen Dele­gierten verabschiedeten sich gestern Nachmittag vom Senatspräsidenten Dr. Schmidt, indem sie ihm.brr ß- lich mitteilten, sie seien von ihrer Regierung abber rufen. Auch die Zeugen seien von Paris aus durch Vermittlung des französischen Generalkonsuls abbe­rufen.

Parts, 10. Juli. Ter Generalstaatsanwalt am Kassationshof Matter und die anderen Mitglieder der französischen Mission, die den Verhandlungen des Reichsgerichts in Leipzig folgten, sind in Paris einge­troffen.

Brüssel, 9. Juli. Der französische Botschaftt richtete an den Minister des Aeußern das Ersuchen, nach dem Beispiele Frankreichs davon absehen zu wollen, weiterhin durch eine Mission den Prozessen vor dem Reichsgericht in Leipzig beiwohnen zu lasten.

Wie dieLibre B^lgique" mitteilt, brachte die belgische Regierung der französischen Regierung zur Kenntnis, daß sie die Eerichtsakten, deren Prüfu *g sie dem Reichsgericht in Leipzig anvertraute, zurück­ziehe. Der Oberste Rat werde die Angelegenhüt bei der nächsten Zusammenkunft behandeln.

Die Meldung, daß auch die belgische Delegation in Leipzig abberufen worden ist, ist den Blättern zufolge nicht zutreffend, da sich die belgische:- gation gegenwärtig in Leipzig garnicht aufhält.

Fortgang der Verhandlungen.

Leipzig, 9. Juli. Senatspräsident Schmidt, der den Vorsitz in dem gegenwärtigen Kriegsbeschul­digtenprozeß vor dem Reichsgericht hat, empfing ein Mitglied der Schriftleitung derLeipz. N. Nachr." und äußerte sich auf die Frage nach dem Einfluß ) w Abberufung der französischen- Vertreter und Zeug n auf den Gang des gegenwärtigen Prozeßes dahi i, daß die Verhandlungen ruhig ihren Fortgang nehmen würden. Die französischen Vertreter gaben als Grund an, daß sie auf Befehl ihe-'r Regierung nach Paris zurückkehren müßten. Sie stellten bei dieser Gelegenheit ausdrücklich fest, daß

die Abberufung der Zeugen n i ch t von ihnen veran. laßt worden sei, sondern lediglich von dem französi­schen Konsul; sie konnten ihr Erstaunen über diesen Schritt nicht ganz unterdrücken. Da die Entlast» rg von Zeugen während eines Verfahrens nur durch den Vorsitzenden erfolgen kann, war auch Schmid: selbst über die plötzliche Abreise der französischen Zeugen befremdet; er erhob aber doch keinen Ein­spruch. Bei der Führung des Prozeßes wird er sich so erklärte er nur von juristischen Gesichts­punkten leiten sich. Er betrachte es als feine aus­schließliche Aufgabe, das Recht zu finden; die po­litische Rote, die die Oeffentlichkeit in diesen Prozeß hineintragen möchte, dürfe der Prästdrrt selbstverständlich überhaupt nicht berücksichtigen. So ging Schmidt auch nicht auf die Erörterung die­ser Seite der Kriegsbeschuldigten-Prozeße ein. Er werde die Verhandlungen auch nach der Abberufung der Franzosen in gleicher Weise fortführen, ohne sich von irgend einer Seite beeinflussen zu lassen, weder von links noch von rechts noch vom Auslande.

London, 10. Juli. (Reuter.) Der General- staatsanwalt Str Ernest Pollock reiste nach Leipzig ab,, im Zusammenhang mit dem Prozeß gegen dle"deiden deutschen Offiziere wegen der Versenkung des Hospt- talschiffesLlandovery-Castle".

Französische Pressestimmen.

Paris, 9. Juli. Gustave Hervä schreibt in der Victoire" über die Leipziger Urteile: Nach dem Ge­schehenen sei eine doppelte Haltung möglich: entweder lasse man die Verfolgung der Kriegsbeschuldigten fallen oder man fordere ihre Auslieferung. Die erste Lösung scheine gegenwärtig die einzig Vernünftige. Alle Verurteilungen von Statisten hätten jeden Wert verwren seit dem Tage, an dem die Verbündeten au die Auslieferung des Kaisers, Bethmann Hollwegs, Hindenburgs, Ludendorffs und Ttrpitz verzichteten. Frankreich müsse seine Forderungen auf die völlige Entwaffnung Deutschlands und die Zahlung der Re­parationen beschränken. Aber leider schlug die Stunde der Vernunft noch nicht. Die französische Regierung werde also, ob die Verbündeten zustimmten oder nicht, von der Berliner Regierung die Auslieferung der auf Verlangen Frankreichs verfolgten Verbrecher fordern. Bis Deutschland deut nachgekommen sei, wür­den die Zwangsmaßnahmen vom März am Rhein aufrecht erhalten bleiben.

In Besprechung der Leipziger Urteile schreibt der .Gaulots" u. a.: Es wäre vorzuztehen gewesen, auf eine Verfolgung zu verzichten, die Frankreich nur eine zweifelhafte moralische Genugtuung gewähre. Zur Zeit sehe man nicht recht, wie die Leipziger Urteile zu revidieren wären. Der Fehler sei einmal begangen, und anscheinend fei es zu spät, ihn wieder gutzu- machen.

Der ehemalige Präsident der Republik Poincarä schreibt im .Temps": Die Aktenzurückziehung vom Leipziger Gerichtshof, daS ist gut. In Frankreich eine Untersuchung in absehbarer Zeit cinzuleiten, ist noch besser. Aber das ist nicht genug. Deutschland hat sich durch den Vertrag verpflichtet, uns die Schuldigen auszuliefern. Es muß sie uns ausliefern, sonst verleugnet es noch einmal seine Verpflichtungen. Wir sind also nicht nur berechtigt, Düsseldorf, Ruhrort und Duisburg nicht zu räumen, sondern stärker denn je die These wieder aufznnehmen, die Millerand tm ver­gangenen Jahre vor der Kammer vertreten hat. Da Deutschland sich in ständiger Auflehnung gegen den Friedensvertrag befindet, haben die Fristen über die Besatzungsdaner des linken Rheinufers ltoch nicht zu laufen begonnen.

Räte-Nutzland.

Weniger Einwohner, mehr Beamte.

Die Petersburger ZeitungPrawda" veröffentlicht k^ne Reihe statistischer Meldungen, die der Leiter des statistischen Departements in Moskau über die letzte Volkszählung in Rußland dem Exekutivausschuß des Arbeiterrates zugestellt hat. Danach waren 1920 in Rußland 133 Millionen Menschen. Seit 1914 hat sich die russische Einwohnerzahl itm 12 Millionen ver­ringert. Es betrug die Einwohnerzahl Moskaus Ende 1920 1 058 011 gegen 2043 000 im Jahre 1917. Tie Zahl der Beamten in Moskau beläuft sich auf 228 000, während 1897 im ganzen Rußland nur 223000

unserem _ Volke Treue geloben. Mit dem Preußenlied schloß die erhebende Feier, die in volkstümlichen Ver­anstaltungen am Nachmittag und Abend ihren AuS- klang sand.

Berlin, 10. Juli. Anläßlich deS Jahrestages der Abstimmung In West- und Ostpreußen richtete der preußische Minister des Innern Dominien- im Namen des Reichs- und Staatsministeriums ein Telegramm an die Regierungspräsidenten in Allenstein und Marienwerder, in dem es heißt: .Die Reichs- und die Staatsregierung gedenken in Dankbarkett der unwan­delbaren, durch die Abstimmung tm vergangenen Jahre bewährten Treue der Brüder und Schwestern tn West- und Ostpreußen. Sie war ein leuchtendes Vorbild für das ganze deutsche Voft und ein erhebender Trost in schwerster Zeit. Sie bleibt ein Fels der Zuversicht auch der treuen Volksgenossen tn Oberschlesien, obgleich sie noch innner voll Ungeduld deS Augenblicks harren, der ihre ganze Helmai dem Willen einer überwältigen­den Mehrbett gemäß ungeteilt zum deutschen Vater­lande zursickkehren läßt.'

Der Friede zwischen Deutschland und Amerika.

Hughes' Friedensvertragsentwurf.

Pari», 10. Juli.Chicago Tribüne" meldet mt< Washington, Präsident Harding sei zwar der Wieder» einbringung eines radikal abgeänderten Bersailler Ver­trages geneigt, doch werde kaum etoaS geschehen, eh» die Antwort der Verbündeten auf den amerikanische« Einspruch gegen die MandatSverteilung durch den Völkerbund eingegangen sei. Ter Generalanwalt Daughter habe dem Kabinett einen Entwurf für di« Friedensproklamation vergelegt, doch werde bezweifel^ daß die Angelegenheit schon völlig reif sei. Inzwischen wisse man in offiziellen Kreisen noch nicht, ob die Ber­einigten Staaten tat Frieden mit Deutschland sich befänden oder nicht. Der Präsident sei der Ansicht, daß der Friede hergestellt wurde, als er den Ent« schlttß des Kongreßes unterzeichnete. Gewisse Kabi« nettsmitglieder seien aber im Zweifel, ob ein weiterer Schritt zur Herstrilung eines technischen Friedens« zustandes nötig sei oder nicht. '

Paris, 9. Juli.Newyork Herald" teilt mit. in amtlichen Kreisen sei man von dem Friedensvertragsent- ttmrf des Staatssekretärs Hughes befriedigt, nur die Streichung des auf die Grenzen Deutschlands bezüglichen Teils des Versailler Vertrages sei mißliebig ausgenommen.

Präsident Harding ist dem Hughes'schrn Entwurf deS abgeänderten Friedensvertrages von Versailles woU gesonnen. Er wolle ihn jedoch dem Senat nicht eher verlegen, bevor er sich der Zustimmung verschiedener' republikanischer Gruppen vergewissert hätte.

Marburg

MM, 6e« 11M

Heuert j

In LtWgN Konflikt. ,

Frankreich bricht feine Bezichungen zu den Krieg?- prozeßverhandlunge« des Reichsgerichte» ab. Diese Tatsache, die nach" allem, wa» ihr vorauSgegangen ist, nicht Überraschend kommt, läßt neue Verwickelungen und Konflikte in der Frag« der Bestrafung deutscher Kriegsvechrecher" mit Sicherheit voraussehen. As haben sich zlvar auch englische Stimmen für die An« Parteilichkeit und die juristische Zuverlässigkeit bei' Reichsgerichtes eingrsettz, aber schon mit den ersten Kriegsprozessen sah man deutlich in England eine Mißstimmung hochkommen, die dann fast von Fall zu Fall zugenommen und sich auf Belgien und Frank­reich verbreitet hat. Die Leipziger Urteile waren nicht das, waS man von den Verfahren erwartet hafte. Das Reichsgericht sprach Recht und sprach frei, to» die Schuldlosigkeit erwiesen war. In den Feindbund­ländern aber betrachtete man die aufgestellteVrr« brecher"-Liste als sakrosankt, als maßgebend für da» Gerichtsurteil, und deshalb fand man jeden noch fs harten Schuldspruch als ungenügend und jeden Frei< fpruch al- eine Beleidigung. Herr Briaud hat sich dieser Stimmung gefügt, als er die Beziehungen zn dem Reichsgericht abbrach. |

Wird aus diesem Abbruch der Bezichungen ein Kriegsfall tverden? Mit anderen Worten: Werden die Verbündeten di« Ueberlveisung der Kriegsprozesse an das Leipziger Reichsgericht revidieren und die Verfolgung derKriegsverbrecher" wieder in ihre eigene Hand nehmen? DaS deutsche Volk hat die Einseitigkeit deS Leipziger Verfahrens, die vom Feinde erzwungene und kontrollierte Einleitung dieser Prozesse dl eint Schmach empfunden. Hiervon abgesehen habe« dil Leipziger Prozesse keinen Flecken und keinen Schatte» auf den deutschen Namen geworfen. Dir Verbündeten könnten fwh und stolz sein, wenn ihre KriegSveo« breche» da» Licht de» Prozeßverfahrens ebenso 4W tragen könnten tote die Offiziere und Soldaten, di« vor dem Reichsgericht als Angeklagte erschienen find Man kann jetzt mit aller Deutlichkeit erkennen, daß dir Gegner mit einer gerichtlichen Aufklärung der angeblichen deutschen KricgSveibrechen nicht zu frieden sind, sondern daß si« unter allen Umständen ein» Brandmarkung de- deutschen Namens wünschen.

Amtliches Derkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurheßifche) Oberheßen

D« CtutigenpreU beträgt für bfe 9 a»fp. Coloneüetl« oder deren Kaum 80 Pfg. u. 10 °|o Sund)lag, amtlich, unb auern artige 1.20 Mr. Ander, Spaltenbreiten nach entsprechender Berechnung. Spät einleufenbe obet den Kaum über 9, Seite ein­nehmend, Anzeigen find wir berechtigt, nach der leitipaltenbteite zu fetzen und zu berechn««. Sogen. Reklamen berechnen wU die Zeile mit 3.00 Mk. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Bei Auskunft durch die Geschäftsstell, und Vermittlung der

Dit Wein EmkSIe IrttaMn.

Leipzig, S. Znli. Das Reichsgericht sprach di« Eenerüle v. E ch a ck und v. K r u s k a frei. Die Kosten des Verfahrens werden von der Staatskasse übernommen.

Nach der Vernehmung weiterer deutscher Zeugen und Sachverständigen, welche die Tätigkeit der beiden Angeschuldigten als vollkommen pflichtgemäß darste'len und ihnen das größte Lob aussprechen, beantragte her Oberreichsanwalt Freisprechung. Erwiesen sei durch die Verhandlung, daß die beiden Ange­schuldigten nicht die geringste Schuld trifft, weder eine vorsätzliche noch auch eine nur fahrlässige. Sie baben alles getan, was sie auf ihrem Posten tun konnten, um die Seuche einzudämmen.

In seiner Begründung des Urteils führte der Vor­sitzende aus: Die in der französischen Liste anfge- führten Beschuldigungen sind nach der Beweisauf­nahme nahezu vollkommen in sich zusammenge­brochen. Bon vornherein gilt die Annahme einer dolosen Fahrlässigkeit als mindestens zweifelhaft. Aber auch insoweit hat die Verhandlung die vollkommene Haltlosigkeit aller Beschuldigungen ergeben. Herr v. Schack kommt für die kritische Periode überhaupt nicht in Betracht, und auch für den Herrn v. Krnska liegt nicht der geringste Beweis einer Pflichtwidrig- kcit vor, als ob er für den Ausbruch der Epedemie verantwortlich gemacht werden könnte oder eine solche absichtlich herbrigesührt hätte.

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Die «ngtisch-amerikanischs Ansicht.

Paris, 10. Juli. Der Sonderkorrespondent derChicago Tribüne" in Leipzig bespricht in nicht unfreundlichem Tone die Zwangslosigkeit des deut­schen Prozeßverfahrens und erklärt, die britische Kommission, die den ersten Priyeßen gegen die Kriegsbeschuldigten beiwohnten, habe von dem Ver­fahren einen günstigen Eindruck erhalten und offen ausgesprochen, daß in Leipzig Gerechtigkeit herrsche und daß der Reichsanwalt Ebermaier unparteiisch vorgehe.

Die Feier in Allenstein.

^ Allenstein, 10. Juli. Die erste Jahresfeier des lan-cnden Abstimmungssieges ist heute überall im ehe- öligen Abstimmungsgebiet festlich begangen worden. re Stadt Allenstein hatte zu dem Ehrentage reichen staggen- und Fcstfchmuck angelegt Um die zweite Nach- «ftagsstunde bewegte sich ein eindrucksvoller Festzug K« Vereine, Innungen und Gewerkschaften durch die «adt nach Jakobsberg, wo die Festansprache gehalten tort-e. Hierauf begrüßte als erster Redner der Vorsitzende

Heimatdienstes Allenstein Rektor Funk die tausend- fp'ige Menschenmenge. Vom preußischen Ministerpräsi- knten Strgerwald war eine Drahtung mit Wünschen ßr einen erhebenden Verlauf der Feier ringegangen. Tar- .ergriff der frühere Reichskommissar für da? ost- Außßche Abstimmungsgebiet Frhr. v. Gahl, Mitglied *3 Reichsrates und des preußischen Staatsrates, das Wort

Festrede. Er führte u.a. aus: Wir Ostpreußen »wern laut heute wie zu jeder Stunde unser Recht. Gebt » untere entrissenen Gebiete wieder! Laßt unsere ge- »chrelen Brüder und Schi gestern frei! Im Namen der riechtigkeit unb der Menschlichkeit fordern wir Has. rrr wollen in dieser seltenen Feierstunde uns selbst unb

r MlUMVSkSttkUi.

r Heute, vor einem Jahre wurde von deutschen Männern und Frauen «in Sieg erfochten, der nie vergessen werden darf. Das südliche Ostpreußen unb der uns verbliebene Rest des westpreußischen Weichselgaues entschieden sich mit überwältigender Mehrheit für Deutschland. In den westpreußischen Nbsrimmungsbczirken wurden für das Deutsche Reich 86 889 Stimmen abgegeben, für Polen nur 7977. Nach Prozenten berechnet, ergab das für Polen 7,6, für Deutschlaird 92,4 vom Hundert. In Ostpreußen siegte das Deutschinm mir 353655 Stimmen, während Polen sich mit 7409 Stimmen begnügen mußte. Für Deutsch- flaud hatten sich in dieser Sagend also 97,9 vom Hundert der Bevölkerung entschieden, den PolenMx- blicben 2,1 Prozent.

Eine fruchtbare Gegend, reich an landwirtschaft­lichen Schönheiten, wurde durch diesen Volksentscheid für Deutschland gerettet. Aber die Abstimmung vom JL1. Juli 1920 bedeutet noch mehr. Sie stellt sich sinsbcjonderc dar als der Triumph einer viklhunderi- fjährigen, unermüdlichen deutschen Kulturarbeit. Die Bewohner des Abstimmungsgebietes wollten in Lebendigem Zusammenhänge mit dem hochentwickelten ^deutschen Geistes und Wirtschaftsleben bleiben und stnochten sich trotz ihrer masurischen und polnischen iMundart nicht von der deutschen Volksgemeinschaft trennen. Dieser Entschluß muß umso höher gewertet Werben, als cs sich um ein niedergebrochenes, 6er« Rrmtes Deutschland handelte, in dem der Fremde Krach' Belieben schaltet und waltet.

; Der Abstimmungssieg zeigte aber auch der Welt, was deutsche Einigkeit vermag. Das war das Drohe au der Abstimmung in Ost- und Westpreuß-rn, sbaß sie die verschiedensten Strömungen in das ge- ftu einsame Flußbett einer alles mit sich forireißenden Volksbewegung zwang. Im Ermland und in Masuren Ebenso wie in der weftpreußischen Weichselniederung jtotirbe nach langwierigen Verhandlungen die Formel gtfunben, die ein einmütiges, organisches Zusammen- dürfen aller Kräfte gewährleistete. Der Allensteiner jheimatdienstz getragen von der Einheitsfront, die sich von der Deutschnationalen Volkspartei bis zu den Mehrheitssozialisten spannte, und der Westpreußisch« Ausschuß, dem als Arbeitsgemeinschaft der politischen Parteien die Heimatvereine angeglicdert waren, werden Poch späten Geschlechteru als leuchtendes Wahrzeichen «Nlscher Geschlossenheit in der Zeit tiefster nationaler Jkmebrigitiig und Zerrissenheit erscheinen.

; Mer den 11. Juli 1920 im ost- und westpreußischen sAbsiimmungsgebiet miterlebt hat, wird ihn nie ver­geßen. Ein Wereopsen freilich mischt sich in »ie Erinnerung. Trog der überwältigenden deutschen pKchcheit wagten die Juterpretationskünstler des Nriedensvertrages von Versailles drei Gemeinden an £er Lüdgrenze Ostpreußens und fünf Ortschaften nebst ffinem fünfzig Meter breiten Userstreisen östlich der Deichsel dem polnischen Freistaat einzuverleiben. Die vergewaltigt« Bevölkerung und der deutsche Reichstag «gien gegen diesen Rechtsbruch laut und vernehmlich Verwahrung ein. Vergebens. Die Gewalt regiert. : Gewaltsam wurde auch Ostpreußen vom deutschen Mutterlande abgcschnürt. Umklammert von pol­nischer Begehrlichkeit, bedroht von polnischer Zer- Drungswut, hält es auf vorgeschobenem Posten Wacht, jfe bedarf deshalb der besonderen Fürsorge und der Nachhaltigen Unterstützung des Reiches. Ostpreußische Fragen sind heute im besten Sinne des Wortes putsche Fragen. Ihre Lösung sollte deshalb auch rache der gesamten Nation sein. Wenn der Gedenk- S des 11. Juli diese Erkenntnis in den weitesten Reifen des deutschen Volkes weckt, toi* dies der toönfte Lohn für jene sein, die vor einem Jahre ihrer treue zum Reiche nicht bloß in Worten, sondern auch N'.rch die Tat beredten Ausdruck gaben.