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4.75 ÜKt, durch die Post 5.10 Mk. Ausgabe B mitOberh. Soort-Ztg." 1 SRI mehr.

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W 156 ^**r ausfallend« Nummern infolge Streik» ooer elementarer Ereignisse teilt Ersatz. ' * Verlag von Dr. E. Hitzerotb. Druck der llniv.-Buchdruckerei von Job. Aua. K

se. m 1921

.. ---- - -----------Druck der llniv.-Buchdruckerei von Job. Aug. Koch,

Mar't 21,23 Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Amüiches BerÄndigungsdtalt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das. früher kurhessische) Oberhessen

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TieOberhessische Zeitun ' erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich

Der Lnzeiaenpiei» beträgt für die 9 gejp. Toloneljeile oder deren Raum 90 Pfg. u. 10°fo Aufschlag, amtliche und auswärtig« 1.20 Mk. And«re Spaltenbrett«« nach «ntsprrchender Berrchnung. Spät einlaufenbe oder den Äaum Über */. Seite ein­nehmend« Anzeigen find wir berechtigt, nach der Textspaltenbreite zu setzen und zu berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir di« Zeil, mit 3.00 Mk. Jeder Rabatt gilt al» Larrabatt. Bei Auskunft durch 61« Geschäftsstelle und Vermittlung der Angebote 75 Pfg. Sondergebühr.

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Feldsutwertung. 26,6 Milliarden für Aus­führung des Friedensvertrags.

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Rei'chsfinanzminister Dr. Wirth: Es ist gerade -Jahre her. seit in der Nationalversammlung die unge­heuer schtvere Aufgabe der finanziellen Liquidation des Weltkrieges hervortrat. Der Bedarf des Reiches und der Länder wurde damals auf 25 Milliarden iNark geschätzt. 68 wurde aber bei der Schätzung der Reichsfinanzen von 1919 ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es sich bloß um einen Annäherungswert handeln könne und große Unbekannte noch nicht sestständen, namentlich die Sum­men, die wir jährlich aus dem Friedensvertrag schuld-» würde«. Dazu komme die Geldentwertung und die nach­träglichen Kriegsausgaben. Der letztere Faktor ist in Erscheinung getreten in den Milliardenaustvendungen der Heiden letzten Jahre für die Abwicklung d-s Krieges, für den Wiederaufbau usw. Tas Reich mußte eine große Schuldvermehrung übernehmen, die umso drückender wurde, als jede Verpflichtung in Goldmark ein vielfaches in kapiermark notwendig machte. Die Entwertung des Geldes ist ein weiterer Faktor, der unsere Finanzlage bis zu einem gewissen Grade undurchsichtig gestalt-t. Es ist nollvendig, daß unser ganzes deutsches Volk sich jebT* zeit dieses ungeheueren Prozesses bewußt wird. Wir bürfrn nicht vergessen, daß die Goldmark nur noch eine Groschenmark ist, auf dem Weltmarkt noch weniger. Aber Mährend wir hin ichtlich unserer Einkommen dieses ver­luderten Relationen sehr wohl zu würdig-» wissen, taucht dem Steuerzahler die Erinnerung au die versunkene Eoldmark in dem Augenblick wieder aus. wo es gilt, Steuern zu zahlen. Der ordentliche Haushalt weist 48,5 Milliarden Ausgaben auf, darunter 35,8 für Reichs­zwecke, der außerordentliche Haushalt 59 Milliarden, darunter 26,6 für Ausführung des FriedensvWirages Das andere geht an Zuschüsse für die Betriebsverwaltun- zen, Lebensmittelzuschüsse usw. Di-ser außerordentliche Etat muß so rasch als möal'ch abgebaut werden. Nichts ist in Deutschland so wenig verbreitet als die Kenntnis Unserer Etatsziffern und mit nichts wird so viel Nnstig tzemacht als mit der Beurteilung dieser Ziffern. Ich bitte streng zu unterscheiden zwischen den Erfordernissen bes außerordentlichen Etats und den besonderen Erforder- lifftn an der Erfüllung des Ultimatums. Die 26,6 Mil-- starden zur Ausführung des Friedensvcrtrages müssen zum troßen Teile in den Etat der Kontributionen übergehen. 14,2 Milliarden sind gleichfalls begründet durch die , stebergangswirtschaft vom Krieg zum Frieden, darunter nicht weniger als 8 Milliarden als Lebensmittelzuschüsse. Muse links: Zuschüsse für die Agrarier.) Im Etat der Kontributionen haben wir zwei unsichere Faktoren, die stbprozentige Abgabe von der deutschen Ausfuhr und dann bie Schwankungen der deutschen Valuta. Jede Finanz- enb Steuerpolitik wird in dem Augenblick ad absurdum »führt, wo die deutsche Reichsmark dauernd dem Ab- trunb zustürzt. (Zustimmung.) Mit Rücklicht auf das Schwanken der deutschen Valuta sind gerade unsere Lei­stungen mit großen Vorbehalten zu beurteilen. Die Reparationsleistungen sind gegenwärtig auf 3,3 Milliarden Goldmark zu bewerten. Eine Festsetzung der Besatz- ungskosten aus eine erträgliche Höhe wird das Ziel sein, bas nicht nur wir anzustreben haben, sondern das die tanze Welt anstreben müßte. (Zustimmung.) Unter kr Voraussetzung, daß der Goldwert im Innern auf der i tegemvärtigen Basis eine gewisse Stabilisierung erfahren . wird, daß im Laufe der Zeit der Außenwert des Geldes an den Jnnenwert hcramvachsen wird, wird sich vielleicht Falles zusammen jährlich aus 3,3 Milliarden Goldmark i b-h. auf 4045 Milliarden Papiermark stellen, wobei . bie Besatzungskosten eingeschlossen sind.

I Reparationsetat. Ausbau der indirekten - Ereuern. Verbesserung der Steuertechnik.

80 Milliarden Gesamtsieuereinnahmen? Die Pressionen in Ost und West.

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Das grundsätzliche Ziel der Deckung ist, daß die i laufenden Koi.tributionen aus den lausenden Ein- «ahnren zu decken sind und dessentwegen dürfen wir bor einiger Neubesetzung nicht zurückschreüen. Wir stehen jetzt vor der zweiten Phase der deutschen Finanz- resorm. In der ersten galt es der Durchführung des Gleichgewichts im inneren ordentlichen Etat. Diese Phase ist gekennzeichnet durch eine Reform der direkten Besteuerung. Nun kommt die Sorge für den Repa- wtionsetat. Trotz der hohe» Belastung für das ganze Polk wird man doch mit allem Nachdruck versuchen Müssen, auch die indirekten Seuern zu vervollkommnen

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<md auszubauen, in dem Punkt, wo sie noch ausbau Dhig sind. Es mutz auf diese Weise ein möglichst stntes Gleichgewicht zwischen direkten und indirekten, Mschen direkter und indirekter Besteuerung herbeige- Whrt werden, damit die Gesamtheit der Steuern für i ws gesamte deutsche Volk tragbar erscheint. Wir .Müssen zunächst sehen, aus der neuen Einkommenstener

Möglichst hohe Erträge herauszuwirtschaften durch Ver- l stesserung der Technik der Erhebung und der Kontrolle.

Manchmal hätte die pflegliche Behandlung der Steuerveranlagung mehr gebracht als neue Steuern. lLehr wahr.) Weiter ist gedacht an eine Veredelung w5 Reichsnotopsers. Dazu tritt der Anbau anderer ».'euerarten. Aus diese Weise wird am einfachsten Mrd fachgemässsten die Besteuerung der realen Werte Mstaltet werden. Tie Besitzer von realen Werten sind Mcht so weit belastet als die Besitzer von Papierver- Mögen. (Sehr wahr links.) Es mutz ein beweglicher Val.»r geschaffen werde», der der Geldeniwertuug ^IMchrrung trägt und damit eine ungleichmäslige Be- Wchtuua d«s Besitzes «ukSschUetzt. Wir dürzsch. tuen»

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wir vorsichtig schätzen, mit mindestens 78 Milliarden jährlich hierbei rechnen. Vor einigen Monaten ist ein Problem aufgetaucht, von der Beteiligung der öffeAt- ltchen Körperschaften insbesondere des Reiches an der Industrie. Dieser Gedanke unterliegt zur Zeit in der Reichsregierung der Durcharbeitung und Erörterung. Zunächst ist der Teil in Angriff genommen worden, der die Beteiligung an gröberen Unternehmungen vor­sieht. Sobald die Vorarbeiten zu einem Abschluß kommen, werde ich Ihnen weitere Mitteilungen zu­gehen lassen. Weiter kommt in Frage in diesem Zu­sammenhang die Besteuerung des Vermögenszu­wachses. Es erscheint geboten, den nach dem 31. 7. 1919 oder wenigstens nach dem 31. 12. 1919 entstande­nen Vermögenszuwachs noch durch eine einmalig große Abgabe zu erfassen. Getroffen werden sollen grund­sätzlich nur die Großzuwachse. Eine sehr bedeutende Vermehrung der Einkommen- und Besitzsteueru er­wartet die Finanzverwaltung von einer erheblichen Verbesserung der Steuertechnik und zwar ein Mehr von 8 Milliarden gegen das Vorjahr. Die Erträge aus dem Verbrauch sind nur nach Schätzungen zu be­rechnen. Aus der nur ganz geringen Vermehrung der Kohlensteuer erwarten wir ein Mehr von 3236 Milliarden. Eine vorläufige Uebersicht des Rcichs- finanzmintsteriums ergibt, daß nach Durchführung der Steuergesetze wieder nach sehr vorsichtiger Schätzung mit etwa 80 Milliarden Gesamtsteuereinnahmen ge­rechnet werden kann. Der lausende Bedarf wird noch erheblich über diese Summe hinaus gehen und sich um die 100 Milliarden-Grenze bewegen. Nach einer vorsichtigen vorläufigen Schätzung werden sich die lausenden direkten Steuern insgesamt für die nächsten Jahre auf 40% Milliarden stellen. Dazu kommen die einmaligen Einnahmen vom Bermögenszuwachs und von dem Nachkriegsgewinn, für welch letzteren vor­sichtig eine Milliarde angenommen sind. Die indirek­ten Steuern sollen 36% Milliarden ergeben. Nach die­sem Programm werden sich 54% Prozent der Ein-' nahmen aus den direkten Steuern ergeben. Zu be­achten ist aber auch die Belastung des Besitzes in Län­dern und Gemeinden, die 4 Milliarden oder noch er­heblich höher sein würde. Gelinge es, die großen Mehreinnahmen zu schaffen, so ist die Voraussetzung für die 3. Etappe der Finanzreform gegeben, die aber erst in späteren Jahren komme, mit dem Problem der geldlichen Stabilisierung und der Währungsreform. Redner appelliert an das Saus, die Voraussetzungen für die Erfüllung dieses Wunsches zu schaffen. Der Wert der Mark hänge ab von der Herstellung des Gleichgewichts und von der Durchführung eines ener­gischen Resormprogramms. Das ist der Standpunkt der Garantiekommission. Aber wie kann man uns solche Lasten auserlegen, während man uns gleich­zeitig die Sanktionen oder besser die Pressionen in West und Ost auferlegt, statt die schweren Wunden zu schließen. Wir haben Anlaß genommen, der Kom­mission das klar zu machen. Auch die Alliierten müssen den Willen haben, die Pressionen aufzubeben, die wir nur als Quälereien an unserem Volkskörper empfin­den können. Dazu nehme ich auch Oberschlesien. Wir unsererseits haben den Impuls, den feste» Willen, die uns auferlegten Forderungen zu erfüllen. Dazu brau­chen wir aber das freie Spiel unserer Kräfte. (Bravo.)

D?r Reichssinanzminister kam dann noch auf die Note des Garantiekomitees zu sprechen. Das Garantie- komiter verkenne nicht die Schwierigkeiten, in der sich die deutsche Regierung befinde, aber das Komitee sei der Ansicht, daß. die Lage des Budgets noch eine durch­greifendere Reform erfordere. Die deutsche Regierung müsse diese Mittel finden. Wenn nicht noch durch­greifendere Reformen vorgenommen werden, müßten die gegenwärtigen Maßnahmen der Alliierten geändert wer­den. Das sei eine klare Warnung. Wir wollten sie beachten, aber wir dürsten fragen, ob nun auch von der anderen Seite jene Sanktionen, ober besser gesagt, Pres­sionen zum Abbau kämen, die so große Wunden en unser Wirtschaftsleben schlagen. Ter Minister schloß: Soll das deutsche Volk sich an dem Wiederaufbau des europäischen Wirtschaftslebens beteiligen, so gebe man ihm freien Rmim zu ehrlichem Ziele und zur Be­tätigung seiner Kräfte. Wir haben den ehrlichen Willen und wir erwarten die Antwort von der Gegenseite.

Abgg. H e l f f e r t ch (Du.) und Becker (D. V. P.) wenden sich scharf gegen das Steuerprogramm, das dem deutschen Volke Lasten auserlege, dte es nicht tragen könne; das Programm fei tm übrigen ein neuer Beweis für die Unerfüllbarkeit bes Ultimatums.

Nachdem noch einige Redner zu Worte gekommen wäre:', wird der N a ch t r a g s e t a t im ganzen gegen die Stimmen der Unabhängigen und Kommunisten a n g e n o m m e ».

Das Haus vertagt sich aus Donnerstag 10 Uhr. Kleine Vorlagen.

Eine Verdoppelung des Reichsnotspsers.

Berlin, 6. Juli. In feiner heutigen Rede im Reparations--Aussch »ß des Reichswirt­schaf t s r a t s über den gesamten Besteuerungsplan der Reichsregierunz teilte Reichskanzler Dr. Wirth mit, daß als wesentliche direkte neue Steuer eine Ver­doppelung des Reichsnotopfers vorgesehen ist, die etwa einer Umwandlung in eine ständige Vermögenssteuer entspricht. In der anschließenden Erörterung wurde die Mitarbeit des ReichswirtschastSrates an der Lö­sung der Tteuerfragen bereiiwilligst zur Verfügung gestel':.

Der MÄnzln ibn öle Gmifltonei

Düsseldorf, 5. Juli. Dem Berliner Bertreter derDüsseldorfer Nachrichten" sagte Reichs­kanzler Wirth zu den Auslassungen der französischen Dresse über eine nur stückweise Aufhebung der Sank­tionen:Ich habe seit der Übernahme meines Amtes immer und immer wieder betont, daß nach meiner Auffassung heute Politik machen heißt, praktische Arbeit leisten, um zu einer Verständigung zu kommen. Bei dieser Arbeit aber stößt man ständig aus die Schwierigkeiten, die einzig und allein d urch die Sanktionen

bervorgerufen werden. DaS ist um so schmerzlicher, als wir mit dem Ultimatum finanzielle Verpflichtungen übernommen haben, die wir nur dann erfüllen können, wenn wir wirtschaftlich freie Bahn haben. Bon der ersten Milliarde Goldmark ist auf den 31. August ein großer Teil noch zu decken. Wie sollen wir diese Summe aufbringen, wenn uns gerade in den wichtigsten deutschen Wirtschaftsgebieten derartige Feffeln ange­legt werden?

D asLoch im Westen ist'wieder offen. Auslandswaren kommen herein, die doch auch wieder mit den von uni selbst so sehr benötigten Devisen bezahlt werden müssen. Dies wäre ein machtvoller Impuls für das deutsche Volk gewesen, seine Leistungs­fähigkeit auf da- äußerste zu steigern. Die Zurückziehung der Sanktionen hätte die deutscheDemokratie

gestützt, statt dessen drohen sich die Sanktionen auch heute noch wie ein Mehltau über alles zu legen, was an neuen Trieben des deutschen Wiederaufbaues vor­handen ist. Die Sanktionen erschweren jede Arbeit der Regierung, sie sind geradezu «ne Sabatoge von außen her. Tie Rheinzollinie ist ein wirtschaftlicher Unsinn. Wir haben," so schloß Wirth,entwaffnet, wir setzen unsere äußerste Kraft an die Bezahlung unserer Reparationsverpflichtungen; gibt es einen eia» zigen vernünftigen Grund, die Sanktionen, und zwar nicht nur in ihrem handdelspolitischen Teil, sondern vor allem die Besetzung Düsseldorfs und Duisburg- Ruhrorts aufrechtzuerhalten?"

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Parts, 6. Juli. Die alliierten Regierungen be­fassen sich fett einigen Tagen mit Maßnahmen, die an die Stelle der im Artikel 238 des V e r i a i l l e r Vertrags vorgesehenen Restitution von solchen Tieren, Gegenständen aller Art und Werten treten sollen, die während des Krieges von deutscher Seite fortgeführt, beschlagnahmt oder reguestrtert wurden. Voraussetzung für diese Restitution ist bisher die Ldentisizierung auf deutschem Gebiet oder auf dem Gebiet von Deutschlands Verbündeten gewesen. Die hierzu nötigen Nachforschungen haben Schwierigkeiten mit sich gebracht und hohe Kosten verursacht, sodaß man jetzt zum Abschluß von Abmachungen zwischen Deutschland und den beteiligten Ländern der Alliierten gegriffen hat, in denen an die Stelle der ibenttfchen Restitution eine einfache Ersatzleistung tritt. Wie der ,Temps" mittetlt, sind derartige Abkommen über Er­satzleistungen von Belgien, Südslavien, Polen und Ru­mänien mit Deutschland abgeschlossen worden, die die Reparationskommission genehmigt hat. Das Pro­gramm der Ersatzleistungen soll nach dem .Temps" dasselbe Vorrecht vor dem allgemeinen Programm der Reparation genießen, tote es bereits den Restitutionen zuerkannt war.

Berlin» 5. Juli. Blätter erfahren aus zustän­diger Stelle: Der Staatssekretär Bergmann be­absichtigt nach Erledigung der von ihm behan­delten großen Aufgaben aus dem Staatsdienst aus­zuscheiden. Seine Berufung in den Auf- sichts rat der Deutschen B nk trete erst von dem Zeitpunkt des Ausscheidens aus dem Staats­dienst in die Wirksamkeit.

Die Amerikaner bleiben am Rhein.

Paris, 6. Juli. DieChicago Tribüne" be­richtet aus Washington, Präsident H a r d i n g hat erklärt, daß die Vereinigten Staaten an der d e u t - schen Entschädigung interessiert sind und daß' so lange nicht die deutschen Reparationen be- za hlt und die anderen Vetragsbestimmungen er­füllt seien, die amerikanischen Truppen am Rhein bleiben würden. Es sei zu erwarten, daß ein sehr einflußreiches Kabinettsmitglied dazu raten würde, während der Verhandlungen zwischen Amerika und Deutschland und zwischen Amerika und den Stilis­ierten die amerikanischen Truppen am Rhein zu be­lassen.

Pressestimmen.

DaS von dem ReichSfinanzminister Dr. Wirth geiler» entwickelte Steuerprogramm wird von der deutsch- urtisuolen Presse kategorisch als unerfüll­bar abgelehnt. DieDeutsche Allg. Zeitung" sagt, baß vorläufig niemand eine Gewähr dafür gebe, ob die Größenverhältnisse des FmanzplaneS richtig gewählt und die tragende» Flächen auch leistungsfähig fein werden. In jedem Falle werde die Sitte des Reichskanzlers an alle Kreise des Volker, an der großen Aufgabe in objektiver Weise mitzuarbeiten, unterstützt werden müssen. Auch bteGermania" hält eine wirkliche Stellung­

nahme zu den Steuerplänen augenblicklich für noch nicht möglich. Erst wenn man die einzelnen Steuer- Pläne vor sich habe, könne man dar Annehmbare von dem Unmöglichen unterscheiden. DaS Blatt hofft, daß trotz der ablehnenden Haltung der äußersten Rechte» der Versuch. die notwendige parlam«itarische Grundlage für die Lösung bei Reparationsproblems zu finden, schließlich doch, noch von Erfolg fern werde. Viel hänge jedoch von den alliierten Mächten ab, in deren Hände eS gegeben fei, uns die auferlegten Pflichten nicht weiter unnötig zu erschweren, wie eS am Rhein und in Ober­schlesien zur Zett geschehe. DieBossische Zeitung" schreibt: Und wenn man alles, waS bisher vom Reichs« karzler vorgeschlagen wirb, auch noch all Stückwerk i'ch mit einer gewissen Skepsis ansieht, so sollte nie­mals vergessen werden, daß es sich hier um eine Riesen­aufgabe handelt, die begonnen und mit Energie unge­faßt zu haben bereits von einem Mut und einer Tat­kraft zeugt, wofür dal Vaterland ihm dankbar sei» sollte und der daS Ausland uneingeschränkte Anerkennung zollen würde, wenn eS sich der Größe der Problem- bewußt wäre. DerVorwärts" bezeichnet die weit über alle Klugheit hinausgehend SanktionS- und Kon« tribntionspolitik der Entente al» mitschuldig an de» Sorgen, die auf unS allen lasten. Das Blatt schließt seine Ausführungen mtt den Worten: Jetzt wollen wir ehrlich erfüllen waS uns möglich ist und dazu soll und muß jeder beitragen nach seinem Vermögen.

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Deutschland die Rüden, die Kohlen den Polen!

Die internationalen Börsen rechnen damit, daß die französisch-englische Meinungsverschiedenheit über Ober­schlesien in den nächsten Tagen durch die Annahme der Sforzalinie beigelegt werden wird. Die polnische Presse, die sich in Wahrheit vor Freude über diese Aussicht kaum zu helfen weiß, gibt sich den Anschein, als würden Polen- bescheidenste Ansprüche betrogen, wenn es sichnur" mit der Sforzalinie zufrieden geben müsse. Die deutsche Regierung vertraut auf daSfair platz", bet Oberste Rat darf Deutschland diese wirtschaftliche und politische Un­möglichkeit nicht zumute». Doch sind wir schon oft ge­täuscht worden, daß wir, wenn wir nüchtern die Lage be­trachten, mit bet Möglichkeit rechnen müssen, daß man uns die Sforzalin« aufzwiugen will. WaS würde daS heißen?

Nachdem die Abstimmung in Oberschlesien eine große Mehrheit für Deutschland und im übrigen eine Stimmen­verteilung ergebe» hatte, die zeigte, daß sich da- Jndustrie- bretetf nach der Stimmengeographie eben so wenig tote infolge seiner wirtschaftlichen Zusammengehörigkeit teile« ließ, kamen die Franzosen unverfroren mit dem Vorschlag heraus: Das Rübenland ben Deutschen, ben Polen bie Kohlen! Nicht Vorliebe für Deusschland, sonder» die Et« kennttiis, daß wir ohne das oberschlesische JndustriegeWt niemals die KriegsentschAiigunge» zahlen könnten, ver­anlaßten die Engländer, sich diesem Plan zn Wieder­sehen. Auch lag eS nicht im englischen Interesse, Frank­reich als europäischen Kohlenkonkurrenten noch größer werden zu lassen, und so schlugen sie vor, die Polen durch Abtretung der beiden Südkreise Pleß und Rybnik zu be­friedigen. Während noch btt Streit im vollen Gange war, machte der italienische Außenminister Gras Sforza einen vermittelnden Vorschlag, der aber von allen Par­teien als unmöglich angefeben wurde. Die Polen und Franzosen gaben sich de» Anschein, als ob dieser Vor­schlag weit hinter ihren Ansprüchen zurückbliebe, wäh- renb die Engländer sich nicht täuschen ließen, daß bie Sforzalinie nichts anderes war, als der etwas umfriRette französisch-polnische Plan: Das Rübenland den Deutschem bie Kohlen ben Dolen Allerdings teilt der Grenzstrich der italicnikchen Diplomaten ein Stück der Industriege­bietes für Deutschland ab: nämlich daS bergmännisch nahe­zu erschöpfte Gebiet in Gleiwitz und Tatnowitz, und be­läßt auch »och Hindenburg bei Deutschland, aber abge- schnitten von feiner Wasser- und Elektrizitätsversorgung, Dafür werden oen Polen Kattowitz, KönigShütte, Beuthen und andere deutsche Städte abgetreten.

Diese Linienführung ist nichts weitet als die Laune eines Verliebten. Polen hat eS immer verstanden, biü Reize hiirgebender Töchter seines Volkes diplomatisch nutz­bar zu mache». Graf Sforza ist daS jüngste Beispiel dieser Art. wie Polen diplomatische Siege gewissermaßen über Nackt zu erzielen verst-ht. Der italienische Mini­ster war so unllug. seine schönt polnische Freundin selbst auf solche Reise, wo dergleichen nicht unbeobachtet bleibt> mitzunehmen, und bie englische Presse hat dte private -Seite der Sache überaus deutlich gekennzeichnet. Da­durch ist bie Sforzalinie so kompromittiert, daß et ihren Gegnern in der Entente leicht fallen würde, übep sie zur Tagesordnung hinwegzugehen, wenn bie Dinge noch so liegen, wie beim erste» Auftreten dieser Vorschlags. Inzwischen befinden sich jedoch und das Hut Franb- reich durch sein Herauszögern erreicht England lange nicht mehr in der Entschlußfreiheit wie damals. Ober­schlesien ist nur noch ein kleiner Posten fit der großen englisch-französischen JnteressenauSeinandersebung, und eS wäre ja nicht der erste Fall, daß Deutschland die Kosten des Interessenausgleichs bezahlen muß.

Die Sforzalinie bedeutet nichts anderes all ben Verlust bes industriellen Oberschlesiens für uns. Dte Versailler Bedingungen geben zu dieser Linienführung nach AnSfalj der Abstimmung kein Recht. ES ist Gewalt, die man unS antun will, wenn man im Ausland bereits mit dem Raube Oberschlesiens in Form der Sforzalinie rechnet. Witz müssen uns darüber llar fein, daß an dem Tage, wo dq Oberste Rat über Oberschlesi« befinde» wird, bie Ente scheSung über das Schicksal von ganz Deutschland