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Markt 21,23 — Fernsprecher 55, — Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
schäft hat bis zu diesem Tage
zerstört
Gewehr« und Karabiner
Maschinengewehr«
Minenwerfer und Nohre von solchen
Geschütze und Rohr« von solche«
Laffetten
Scharf« Artillerlegeschoffe und Minen
Die Ablieferungen und Zerstörungen auf Grund des Ultimatums haben erst nach der Zusammenstellung dieser Zahlen ihren Anfang genommen.
Abg. Gildemeister (D. Volksp.): Für die Erhaltung der deutschen Handelsflagge schwarz-weiß-rot ohne Aöscheinfügitng ver Reichsfarben haben sich alle beteiligte« Kreise, Reeder. Kaufleute und Ausländsdeutsche ausge« prochen. Dies erfolgte in der Hauptsache aus ideelle« Gründen. Die neuen Reichsfarben würden nur der Arbeit des Wiederaufbaues der überseeischen Beziehungen Schwie- rigkeiten bereiten.
Abg. Dr. David (Soz.): Die Frag- ist seit bald y®ti Jahren durch die Verfassung entschieden. Der Antrag scheint harmlos zu sein, er ist aber ein Borstoß gegen die Verfassung. Di« Gesamtheit des deutschen Volke? hat ein große? Interesse daran, daß die Farben der Republik auch draußen gezeigt werden. Die deutschen Waren werden draußen nach ihrer Qualität beurteilt, nicht nach der Farbe der Flagge unter der sie herauskommen. Ich erinnere daran, daß eS unter der reinen Flagge schwarz-weiß-rot Zeiten gegeben hat, wo unsere deutschen Waren als billig und schlecht bezeichnet wurden. Es handelt sich hier im Grunde nur um einen Kampf für die Farben der Monarchie gegen die Farben der Republik. Die Farben lchwarz-rot-gold sind seit 1815 mit der deutschen Wirtschaft und mit dem großdeutschen Einheitsgedanken auf das engste verknüpft. Hoffmann von Fal- lersleben war einer der Männer, die unter dieser Farbe kämpften. (Zurufe rechts: „Singen Sie denn Deutschland über alles?") Ich singe eS, aber Sie (nach rechts) staben cs verstanden, dieses schöne deutsche Lied dem Volke zu verekeln. Auch Frietrich Wilhelm der IV. hat diese Farben als altehrtvürdig und deutsch anerkannt und 1848 auf allen öffentlichen Gebäuden bissen lassen. Unter der schwarz-weiß-roten Flagg« wurden schon vor den Tagen von Weimar Ausnahmegesetze gegen die Arbeiterschaft erlassen. Nach Weimar wurde die schwarz-weiß-rote Flagge die ausgesprochene Kampfflagge gegen dir Republik und für die Monarchie. (Lärm rechts und lämtenbe Zurufe links. Glocke des Präsidenten.) Aber kemer derjenigen Abgeorvmten, die heute so große Töne reden, hatte im Jahre 1918 den Mut, die schwarz-weiß-rotr Fahne zu entfalten. Wir haben allen Grund, in unserer gegenwärtigen Lage zu vermeiden, was der Entente gegenüber so auSsehen könnte, als der Anfang einer Rückkehr zur Monarchie. Eine einheitliche Haltung Deutschlands auch nach außen hin ist nnr möglich auf dem Boden
zuerhalten. Hab und Gut der Bevölkerung zu schützen. Terror uni Gewalttätigkeiten der polnischen Banden zu verhindern. Bei jeder Verzögerung der den polnischen Banden nunmehr anbefohlenen Räumung sei endlich mit den zur Verfügung stehenden Machtmitteln der Aufstand gewaltsam niederzuwerfen, im Bewußtsein der großen Verantwortung, die die Kommission für die Wiederherstellung Oberschlesiens vor dem Deutschen Reiche und der ganzen Welt trage.
Verhaftungen und Verschleppungen.
B e r l i n, 27. Juni. Nach Meldungen der Abend- blätter aus Hindenburg verhafteten die Jnsur- genten den Vorsitzenden der Ortsgruppe Zaborze des Verbandes heimattreuer Oberschlesier, den Lehrer Gola- noski, ferner den Oberbergrat Steinhoff und vier ander« Personen. In Jdaweiche wurde der deutsche Plebiszit- kommissar von Nikolai, der Großkaufmann Blasel, von den Insurgenten verschleppt.
gut Zerstör- una erhlt.
4 ROS 300
47708*10
91 042
90485
22778
22334
50489
49088
26880
28595
36800000
28500000
14650000
14000000
54150000 536'0000
390 000 000
860000000
13379
13 361
23 99
23845
Antrag auf Zahlung einer Kontribution von 400 000 M mit der Begründung, daß die Stadt für die Beherbergung des Vastardtums der preußischen Bürokratie eine Strafe verdiene, deren Höhe ur- prünglich auf zwei Millionen festgesetzt worden sei. Nur der Einwirkung der polnischen Bevölkerung sei die Herabsetzung der Strafe auf 400 000 J*. zu verdanken. Eeida gab-dann noch zur Begründung an, daß dieser Betrag zur Bezahlung der von der Front lurückkehrenden Insurgenten dienen solle. Die Stadt Hindenburg solle die Deckung der Insurgentensteuern. durch die Erhöhung der Eiwerbe- 'steuer um 50 v. H. aufbringen.
RySmk frei von Insurgenten.
Rhbnik, 27. Juni. Die vorgestrigen Aufräumungsarbeiten führten zur Freimachung mehrerer Geleise des Rangierbahnhofes für den Güter- verkehr. Der Schaden wird auf 35 Millionen geschätzt. Der an der katholischen Kirche angerichtete Schaden soll dreiviertel Mllionen betragen. Von glaubwürdiger Seite verlautet, der Kwiskontrolleur sei gegen die Repressalien der Polen gegen die Kaufmannschaft eingeschritten und habe die polnischen Ver- Fügungen als ungültig erklärt. Daraufhin wurden die Verhafteten auf freien Fuß gesetzt; muh die verhafteten Eisenbahner wurden freigelassen. Seit dem Einschreiten des Krriskontralleurs sind d-e Insurgenten ab gerückt und durch Franzosen ersetzt.
Ratibor, 25. Juni. Im südöstlichen Bezirke sind die Jnsur genten a6ger.fi <tt Seit gestern nachmittag wird der Abbau der Jnsurgenten- front und Aufhebung der einzelnen Ortsguartiere durchgeführt. Der Bahnverkehr von hier nach Kan- drzin wird bis Birawa durchgeführt. Die Verbindung nach Kattowitz wird durch einen öfters am Tage bis Markowitz verkehrenden Lokalzug aufrechterhalten. Ab Markowitz setzt der fahrplanmäßige Perfonenverkehr nach dem Industriegebiet ein.
Berlin, 27. Juni. Wie die „Bossische Zeitung" meldet, vollzieht sich der Rückzug des deutschen Selbstschutzes in Oberschlesien ohne Störung. Vereinzelte Versuche jüngerer Ossiziere, sich dem Rück- zugsbefehl des Generals Höfer entgegenzusctzen, wurde sofort von älteren Offizieren mit Erfolg entgegen- getreteu. Es ist anzunehmen, daß $ur vorgcschrrebenen Zeit die erste Linie des Räumungsplanes von allen deutschen Kräften erreicht fern wird,
Eine Eingabe der Oppelner Handelskamiper an die J.A.K.
Oppeln, 27. Juni. Die Handelskammer, in Ovveln hat an die interalliierte Kommission eine Eingbae «richtet, in der sie unter Hinweis daran», daß ihre Ein- aabe vom 10. Juni unbeantwortet geblieben ist, erneut die Bedeutung der Durchführung der beschleunigten Ans- zahlung der Eutkchädigungsgelder an durch den frivolen Ausstand Korsanths Geschädigte hervorhebt, von deren schneller Regelung das Wiederaufleben' des Wirtschaftslebens Oberschlesiens abhängt. Eine zweite Voraussetzung hierfür ist, daß mit Hilfe des deutschen Selbstschutzes und der inzwischen eingetroffenen englischen Trupven der Bezirk möglichst schnell von den Insurgenten gesäubert und damit endlich von Mord, Rohheitsdelillen und Plünderung bestell wird. Entgegen der den deutschen Stellen wiederholt gegebenen Zusicherung hat die interalliierte Kommission es dem Jnsurgcntensührer Korsanty ermöglicht, einen ungestörten Rückzug anzutreten. Die Eingabe weist darauf bin, daß es ausgeschlossen ist, Oberschlesiens Wirtschaftsleben nach einer Trennung des Landes von 'Deutschland ausrechtzuerhalten. Der gesamte Handel und Wandel Oberschlesiens ist zum Stillstand gekommen. Ein völliger kurzem den Absatz und den Verkehr zwischen Lbnc- kurmes den Absatz und den Verkehr zwischen Ober- schlesien und dem ^unbesetzten Deutschland wieder herzustellen. Die Eingabe hebt ferner hervor, daß schon jetzt vüu allen Seiten Klagen erhoben werden, daß in den Orten, die die Jn'urgenten angeblich geräumt haben ; sofort nach Abzug der Kontrollkomm.isfion di« früheren Banden die Waffen aus den Verstecken wieder herausholen und mit Mord und Plünderung von neuem ihr Unwesen
Scharfe H«nd-, Gewehr- und Wurfgranaten
Scharf« Zünder
Handwaffenmunition
Flugzeug«
Flugzeugmotoren
der Demokratie.
Abg. Dr. Oberfohren (Deutschnatl.): Die Frage ist allein flaggentechnisch. Sollte diese Frage aber einmal dem Volksentscheid übergeben werden, so sind wir unserer Sach- gewiß. Für die rein schwarz-weiß-rote Flagge haben sich alle seemännischen Kreise ausgesprochen, darunter auch die sozialdemokratischen Senatoren von Hamburg uni Lübeck, ite Arbeitnehmer der Reedereien, unser denen sich sogar Kommunisten beflnden. Mit einer Aendv» rung der Handelsflagge würden wir uns vor aller Welt lächerlich machen. Die Seeleute, auch die sozialdemokratischen, wollen unter schwär,-weiß-roter Flagge fahren« weil unter ihr der deutsche Handel den kolossalen Auf- schwung genommen hat. Ist das Demokratie, wenn mau doktrinäre Verbohrthett bis zum Gipfel treibt?
Abg. Dr. Breitscheidt (llnabh.): Der Antrag läuft auf eine Verfassungsänderung hinaus. Die Verordnung des Reichspräschenten ist verfassungswidrig. An sich ist für unS die Frage der Farben von geringer Bedeutung. Die Arbeiterschaft hat keinen Anlaß, sich nach der Fahne fchwarz-weiß-rot zurückzusehnen. Wenn die Liebe deS Ausländsdeutschen »um Vaterland gefährdet wird durch ein Stückchen Schwarz-rot-gold in der Handelsflagge, f» können mir die Ausländsdeutschen nicht mehr imponieren« Die Hauptsache ist, daß das Ausland einsieht, daß das neue Deutschland ihm Waren schickt, daß die Oualität feinet Waren nicht Davon abhängt, ob ein Kaiser an der Spitze steht ober ob wir Republik, sind. Die augenblicklichen Gründe der Antragsteller sind zu fadenscheinig, als daß es glaubhaft wäre, das wären alle Gründe. Es würbe Sie (nach rechts) mehr ehren, wenn Sie offen erklären würben« Sie wollen bas Symbol her Republik, bie Ihnen verhaßt ist, stürzen. Es ist boch schon so weit gekommen, baß bie Studentenschaft, bie Söhne der Bourgeoisie, sich ber alte» Fahne ber Burschenschaft zu schämen beginnt. Am meiste» wundert e8 mich, baß hinter bem Antrag auch bie demokratische Partei steht, die den Anschluß nach rechts zH verpaffen fürchtet. Der Antrag ist «in Symbol dafür, daß es die Demokratie nach rechts zieht. Rutscht sie boch täglich auk den Knien vor ber Deutschen Volkspartei herum mit der Bitte, sie möchte in bie Regierung ein- treten. Der Antrag beweist, daß bie Rechte glaubt. Ober« waffer zu haben.
Abg. Bartz (Komm.): Tas arbeitende Volk hat kernen Vorteil erreicht, weder unter der einen, noch unter bet auberen Fahne. Kapital gesellt sich zum Kapital. Da« beweist die Haltung der Demokraten in dieser Frage. Die Antragsteller spielen Versteck. In Wahrhell wollen sie altes, was an die Republik erinnert, und das ist ohnehin herzlich wenig, beseitigen. f
Abg. Dauch (D. Vpt.): Die Ausländsdeutschen sind die einzigen, die uns in die Weltwirtschaft wieder ein« schalten können, und wenn sie bas nicht tun, verhungern wir. Die weitaus größte Zahl ber AuSlanbsdeutsche» bittet unS. keinen Flaggenwechsel vorzunehmen.
Abg. Heile (Dem.): In btt Frage liegt gatt» und gar kein großer politischer Hintergrund. (Ironische Zurufe' links: Iwo!) Ich habe in Weimar für schwarz-wriß-rot gestimmt, weil ich keinen Grund für einen Flaggtnwechsri sah, ohne damit für die Monarchie demonstrieren r»i wollen. Wir sind gegen die Verunglimpfung ber Fahne der Republik vonseiten der Rechtsparteien. ES handeÜ sich hier nur um die Handelsflagge. ES ist politische Demagogie, unsere Stellungnahme in dieser technische» Fraae politisch auSzunutzen. (Lärm links.) a
Äbg. Dr. Koch (Dem.): In Weimar hat der wettaut, größte Teil ber Demokraten für schwarz-weiß-«» |0»(
Die AssMrM des llitmhims.
Paris, 27. Juni. Der „Temps" meldet, daß' eine bevorstehend« Zahlung von 44 Millionen Gold mark von Berlin angekündigt wurde. Diese Summe soll heute ober morgen bei ber Reparationskommission ringezahlt werden. Da für Rechnung ber 830 Millionen deutsche Reichswechsel bereits 50 Millionen Goldmark bezahlt worden sind, sind jetzt mit diesen 44 Millionen Goldmark nur noch 756 Millionen Goldmark bis zum Fälligkeitstage am 3. August zu zahlen.
B e rll i n, 27 Juni. Nach einer Blättermeldung ans München wird bie bayerische Regierung sogleich ben Erlaß ber Reichsregierung zur Auflösung ber Einwohnerwehren bem Registtreichtet zugohtn laffen, ber die Löschung der Organisationen im Vcrcinsregister voll- tiehen und bekanntgeben wird. Die bayerischen Einwohnerwehren mürben darauf den Beschluß fassen, sich selbst auszulösen, so daß weitere Maßnahmen der Regierung sich erübrigen.
Berlin, 27. Juni. Wie die Blätter aus Stuttgart melden, wird morgen das Zeppelin-Luftschiff ,,B o- benfee" an Italien abgeliefe rt werden. Mll feiner Ueberführung nach dem Llistschiffhafen Campione bei Rom wird Deutschland kein Zeppelin-Lustschisf mehr besitzen.
Stand der Entwaffnung, des deutschen Heeres am 1. Mai 192L
Berlin, 27. Juni. Dio Reichstreuhandgesell
treiben. Allseitig wird die Befürchtung gehegt, daß es Korsanty gelingen wird, auch bei Bildung der neuen ober- schlesischen Polizei Teile seiner Jnsurgentenarme wieder dort hineinzubringen. Industrie und Handel sind besonders in den Landgemeinden, in denen bi« deutschen Beamten und Kaufteute teils getötet ober verschleppt, teils zur Flucht gezwungen worden sind, unter solchen Umständen ganz zweifellos erneut jeglichen Angriffen ber polnischen Insurgenten unb Horben willkürlich und schutzlos preisgegeben. In den polnischen Reihen spricht man bereits von dem Ausbruch eines vierten Ausstandes im August. Daher ersucht bie Handelskammer die interalliierte Kontrolllommission als bie gegenwärtig zustän bifle Regierungsinstanz nochmals ausdrücklich um Schutz für Industrie und Handel. Jnsbefonder« wird bei Bildung der neuen Schutzpolizei man darauf bedacht sein, ein Instrument m schaffen, das in ber Hand ber Kommission auch tatsächlich geeignet ist, Ordnung unb Ruhe ausvtcht-
D«r Änieigenpiei« beträgt für bi« 9 geh). Tolonelzeile oder beten Raum 90 Psg. u. Ifl ol güfjdiiag, amtlich« unb auswärtig« 1.20 Mk. Ander« Spaltenbreiten nach entsprechender Berechnung. Spät einlaufend« oder d«n Raum Über M« Seite einnehmend« Anzrig«n find wir berechtigt, nach der Tertspaltenbreite zu setzen und zu berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir bi« Zeil« mit 3.00 Mk. Zeder Rabatt ailt als Barrabatt. Bei Auskunft burtb bie Geschäftsstelle unb Vermittlung ber Angebot« 75 Psg. Sonbergebühr.
MM MM.
1 26. Sitzung vom 27. Juni, nachm. 3llhr.
Um unsere Handelsflagge- — Ablehnung des Antrags der Rechtsparteien.
Einführung der neuen Handelsflagge: schwarz* weiß-rot mit schwarz-rot-goldenen Göschstreifen.
Präsident Loebe eröffnet bie Sitzung bei sehr schwach besuchtem Hause.
Der Reichsminister deS Innern ersucht um Genehmigung zur Strafverfolgung des Abg. H ö l l e i n <Komm.). Der Gegenstand wird bem Geschäftsordnungsausschuß überwiesen.
Gemäß Antrag des GefchäftsordmiugSausschusses versagt das £xnt« die Genehmigung zur Strafverfolgung des Abg. Heidemann (Komm.), bie ber Reichsminister des Innern beantragt hatte.
In bet fortgesetzten zweiten Beratung deS Nachtragsetats, wird ber Etat des Reichsministeriums für Wieder- aufbau ohne Aussprache angenommen, ebenso diejenige des Reichsarbeitsministrriums. Dabei wird jedoch de. Antrag Hoch (Soz.) angenommen, welcher eine Million Mark auswirst, als Beihilfe zur Schulung von Betriebsratsmitgliedern. Der Etat des Reichsverkehrsmim- sterstims wird gleichfalls angenommen, ebenso bie Entschließungen der Ausschusses.
Es folgt die Beratung des beschleunigten Antrages der Rechten, bei Zentrums unb bet Demokraten betreffem> bie Außerkraftsetzung der Verordnung übet die deutsche» Zlaggen vom 11. April 1921« -------- — . -*«*-■
" Amtliches Verkündigimgsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
Unerhörte Eelderprefs^ßen!
Tarnowitz, 27. Juni, (verspätet eir.jetr.
dqr ys 22. Juni «chLshLlteaes Sitzung des
Marburg
Dienstag, den 28.3nni
Brnchmcmd
Italiener unb Engländer in die Mitte nehmen und « v t tv a f f ir e n würden. Das Flugblatt behauptet, daß dieser Plan die Priifung unb Bewilligung des französischen Konnnanbierenden Generals Gratier ge- fitüben habe, was selbstverständlich eine Unwahrheit ist, i aber doch zeigt, wie anmaßend sich die Ausrührer der |rß nzö fischen Unterstützung rühmen und bis git welchem Grade der Unverschämtheit sie sich durch da? Verhalten der Franzosen ermutigt fühlen. Polnische Ueberläufer berichten, daß in der Gegend von jhiirdeuburg noch jetzt eifrig an der Aufstellung einer polnischen Schwadron, einer Ersatzschwadron und dreier Jusauleriekompaguien gearbeitet wird. Auch das deutet nicht darauf, daß die Polen der Forderung der Jiiieralliierien Kommissicu gehorchen und das Nufstandsgebiet räumen werden. Die Verbände bestehen überwiegend aus an geworbenen ober» schlesischen Arbeitslosen, doch wird peinlich darauf gehalten, daß sie in bestimmtem Prozentsatz mit galizischen unb kongreßpolnischen akti- v e n Soldaten durchsetzt sind. Den Einheimischen ■ mißfallen die fortwährenden Requisitionen. Auch bi? Ausschreibung der polnischen Kriegssteuer von 40 Mark für jeden Haushaltungsvarstand auf je 14 Tage stößt auf Schwierigkeiten, macht böses Mut und wird von denjenigen, die sich als Bolschewiken erklären, mehrfach zu verhindern gesucht. Sobald es aber das gemeinsame Vorgehen gegen bie Deutschen gilt, ist die Einigung sofort wieder vollkommen hergesteüt. Die Polen erklären überall, es sei ganz ausgeschlossen, daß = Polen die Rückgabe der von Aufrührern befehlen Teile Obersch lesiens an Dentschland - jemals ohne Krieg dulden werd«.
r Wie sich die Polen an das Abkommen halten.
B e r l i n, 27. Juni. Blättermeldmigen aus Ober- schlcsicn zufolge gibt man sich dort keinen allzu großen Krivartungckt Hinsichtlich der Ausführung des Räu- tu u Ngsabk o Min e n s durch die P o l e n hin. Nach einer Meldung des „Berliner Tageblatts" besetzten bi - Polen entgegen dem Abkommen ben Güierbahnhvf [ prn Gleiwitz erneut. Nach dem ,Lokalanzeiger" be- _tid)t:ten polnische Ueberläufer, daß in der Gegend von hucheuburg noch jetzt eifrig an.der Aufstellung einer polnischen Schwadron, einer Ersatzschwad rou u.xb dreier Jnfanteriekompagnien gearbeitet L Werde.
Tarnowip, 27. Juni. Gestern vormittag paffierten ■ polnisch? Panzerkraftwagen, die mit Maschinengewehren i pswaffnet waren, die Hauptstraßen ber Stabt Beuthen. . Tie sranzof'scheu Besatzungstruppen ließen bie Kraftwagen unlehnibert dir ^adt passieren.
K l e i w i tz, 27. Juni. Vertreter des ober- 1 schlesischen Berg- und Hüttenwesens in Eleiwitz und Hindenburg haben an Lloyd George und Eiolitti ei« Telegramm gesandt, in dem es heißt: Zuverlässig erfahren wir, daß die I. A. K. mit Kor- fanty über die Räumung des Industriegebiets vre- handslt. Nach unseren Informationen besteht kein Zweifel, daß diese Verhandlungen von Korsanty in unehrlicher Absicht geführt werden. Trotzdem fanty zusagt, das Industriegebiet ist von Truppen l zu räumen, hat er die feste Absicht, das gesamte Kriegsmaterial in Sicherheit zu bringen und seine militärischen Organisationen in verschleierter Form zum Teil als Ortswehren aufrechtzuerhalten. Zn Jnjurgeutenkreisen wird bereits von einem vierten Aufstand gesprochen. Es besteht auch die Absicht, durch Verzögerung der Räumung eine Amnestie für die Jnsurgennien und ihre Schandtaten zu erzwingen. Wir fordern dringend entschiedene Maßnahmen zur schnellen Niederwerfung des Aufstandes, der das oberjchlejische Wirtschaftsleben ver- !- nichtet. Zn diesem Verlangen wissen wir uns einig i mit der gesamten oüerschlesischen Industrie.
Magistrats, die von den durch Korsanty zwangsweise eingesetzten kommis- iarischen Bürgermeister Apotheker ieiba aus Radzionkau geleitet wurde, stellte der ebenfalls dem Magistrat zwangsweise zugeteilte polnische Bürgermeister von Georgenberg Benkoweki den
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Polnische Unverschämtheiten.
- Obergl» gau, 23. Junni. Ter „Köln. Zeitung" teilt) von ihrem Berichterstatter geschrieben: Die Spannung der Stimmung zwischen den Polen unb ben ^englischen und italienischen Besatzungstruppen nimmt zu. Zusammenstöße zwischen den Aufrührern und den Engländern im Industriegebiet sind an ber Tagesordnung. In Pleß und Rybnik können sich die Italiener nur noch mit Bewilligung der Aufrührer frei bewegen. Selbst der italienische Kreis- kontrolleur muß jede Autofahrt den Aufrührern Vorher anzeigen. Bon Gleiwitz aus wird ein Flugblatt, welches von dem polnischen Redakteur der „Ober- schlesischen Post", Dr. Kniatowski, unterzeichnet ist, Lverbreitet, worin den Engländern empfohlen wird, schleunigst aus dem Jndustriege- i bi et zu verschwinden, da die Aufrührer die
'r Tie „Oderheffffche Zeitun ' fe!t>smal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich
4.75Äks), Syrdj bi# Ausgabe B mit „Oberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr.
M» 115 Für ausfallend« Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereigniffe kein Sijat;. — 7»l. 1TV Verlag von Dr. T. Httzeroth. — Druck der Univ.-Buchdruckerei von Job.Au g. Koch,