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Marburg
Wim. ien 24.5mi Brachnroud
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Anzeiger für (das früher kurheffifche) Oberhessen
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56.3M
1921
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Im Mksmme« An die SnbttW SdMWm.
Siervernehmen über die Räumung.
La,:t „Bofsischer Zeitung" ist die Reichsregierung ^lern nachmittag zu einer Sitzung znsammengetreten, ne den Bericht des aus Oberschlesien zurückgekehrten | iinisterialdircktors v. Maltzahn entgegenzn- ch:ncn. Nach dem Bericht ist zwischen General Hen- f jker und General Höfer ein Einvernehmenüb er 1 je Räumung Oberschlesiens erzielt worden. ? fest Vereinbarungen würden die Grundlage abgeben r dir von dec interalliierten Kommission zu erlassenen Unordnungen. Nach dem Abkommen soll die Räu- ying Oberschlesiens innerhalb sieben Tagen vollständig urchaeführt sein. Zunächst müssen die polnischen Jn- i ergenten innerhalb 36 ©tunbeii eine neue Linie erricht habe», die westlich von Lublinetz liegt und die jscht Gleiwitz freiläßt. Erst wenn die Pvles diese inie erreicht haben, wird der deutsche Selbstschutz 6 v n der gegenwärtigen Linie zurückziehen und I Mt so, daß er mit dem nördlichen und dem südlichen f liigcl in je einem Halbkreis einschwenkt. Zwischen 1 m beiden Halbkreisen wird, völlig geräumt, Oppeln hegen. Die neue deutsche Linie werde im Norden
i Ara Kreuzbnrg, im Süden östlich Obcrglogau liegen. Sechdem der deutsche Selbstschutz diese Linie erreicht «t, müssen sich die Polen an die deutsch-polnische kctuf zurückziehen. Erst nach der vollständigen Näu- j «ng Oberschlesiens durch die Insurgenten hat der ■i rüchichutz die beiden Halbkreise zu räumen und sich «fzulöseir. Die alliierten Truppen werden das je- niis geräumte Gebiet sofort besetzen. Nach Been- igung der Räumung dürfen sich in dem Abstimmungs- l&ifi nur noch interalliierte Truppen, befinden.
Umnittelbar »ach der Kabinettssitzung machte der j tichskanz'er den Parteiführern Mitteilung von dem J Irischen General Hcnniker und General Höfer ab- | kschlosseue Nebereinkommen. Die Parteien haben : S; dara ' 1 geeinigt, daß die Besprechung der Jnter- siiatiru er Oberschlesien auf unbestimmte Zeit ver- ■ dal wir" Auch die Eiubringer der Interpellation fe De. nchuationalen, haben dem zugestimmt, weil s ch der Zwölferausschuß dahin ausgesprochen hat, daß i die Inlerpkllationsdebatte im gegenwärtigen Angen- flick politisch zweckmäßig wäre.
3 Tie "B issische Zeitung" bemerkt dazu, daß 1 !uch die Vertagung der Jnterpettationsdeöatte eine 8rfo.hr, die dem Kabinett drohte, beseitigt sei. Nicht lvr innerhalb der Opposition, sondern auch der Koa- 1 tiouspalteirn sei man in den lchten Tagen zu der ■ irim-ng gelangt, daß das Schicksal des Kabinetts Biri5 von dem OLerschlejiens abhänge. Die Fort- ihrung der Politik der aufrichtigen Erfüllung sei tat" möglich, wenn die Regierung Wirth auch auf krsoige dieser Politik Hinweisen könne. Eine unge-
| für Deutschland unglückliche Entscheidung über feriüjieiieu würde das Kabinett Wirth und seine Po- Ri? auf das allcrschwerste gefährde».
' khamüertatn über die Lösung der oberschtefischen Frage.
4 l Ella rnp er tat n erkläne, Uber die Konferenz : fctb Curzons mit Briand, die Lage in Oberschle- j «en sei erschöpfend geprüft worden. Den Plan, der | fee progressive Zurückziehung der Insurgenten und - *s dc-ckschon Selbstschutzes aus dem strittigen Gebiet wrietie. sei zugestimmt worden. Die'alliierten Trup- die annähernd 20 000 Mann zählen, sollen für die mhreaucrchallnng der Ordnung in dem geräumten iiti so tauge verantwortlich sein, als die Entscheidung 9es Obersten Nates über die zukünftige Grenze noch in i *ft Tchu'ebe sei. Es sei beschlossen worden, den alli- i «tica ktommifsionen in Oberschlesien jegliche mögliche | «lterstr.tznlig, sowohl am Orte selbst als auch durch J Anstellungen bei den Regierungen In Berlin und | Warschau ni geivähren. Um die endgülttge Lösung zu ■4 «fchleuiiigeu, sei ferner beschlofseu worden, die Kom- 1 Wilon zu fragen, ob sie nicht mit Rücksicht auf die Mäuder.rn Verhältnisse innerhalb angemessener Zett i Men pcmeiusamen Bericht an Stelle der vor einigen «ocdcu abgegebenen Teilbertchte erstatten könne. Falls «tttcrslützuug durch technische Beamte gewünscht werde. Werden solche zur Verfügung gestellt. Falls keiner i Stier Lüegc als praktisch oder angängig angesehen wer- fe. seien die alliierten Regierungen bereit, die Ange ^Senhcit einem in Lo'udon oder Paris tagende» technt- | Beu Ausschuss zu überweisen, um dem Obersten Rat ki seiner endgültigen Entscheidung behilflich zu sein.
i I» sei deur zugestinrmt worden, da» der Oberste <at ini nüchsten M0nat in B0« l0gne zu- «v'.-uenlrcte. wo dieser und andere Gegenstände be- Mtell V erden sollen. Tie Pariser Unterhandlungen - tku d!-rck'aus vom Geist größter. Freundschaftlichkeit '2 fragen gewesen. Ter Wunsch der Mächte, im eng« | •<» Z >! s g Nl I« e » bang vorzugehen, sei aufs neue | Mn e.aedruck gekommen.
Ansrifssvorberettungc» der Pole«.
3 . Ovvelu. 23. Juni. Die Lage im oberscklesifchen Industriegebiet ist nach wie vor unverändert ein ft i faü zuverlZ's-'gen Mitteilungen nehmen die Polen Neu- i.i ecu 11 gen ihrer Strckitkrästr vor. In z ^f:''.ren.'u Gegenden, jo bei Ryünik, heben die Jnfur- 2 Schützengräben aus, wozu lmuplsächlich Deutsche i H -’i -'s?« werden, darunter auch Frauen. Die An- Wrah.'ichien d« Jnfurgcnten auf die großc» StDte
des Jndustriebezirks, die noch immer von ihnen eingeschlos« en sirck, bestehen weiter. Die Verzweiflung der Bevölkerung dieser Städte ist kaum noch zu schildern, stm Rücken der Insurgenten bilden sich kommunistische Banden, die ihrerseits ebenfalls Angnffr- absichten zeigen. Kampfhandlungen fanden nur in kleine» rem Umfange statt und zwar, wo ein Angriff der Insurgenten abgeschlagen wurde.
Kohlenknapphett und Stromeinschrünkungrn.
Berlin, 23. Juni. Infolge der durch die ober- chlesischen Unruhen hervorgerufenen Kohlenknappheit ist das städtische Elettrizitätswerk in Charlotten- burg zu Stromeinschränkungen gezwungen,von denen einige groß« Charlottenburger Werke betroffen iverde». So mußte das Osram. Glühlampenwerk, das 4000 Arbeiter beschäftigt, zwei Tao- den Betrieb schliefen. Die Berliner städtischen Etel ätSwerke verfügen nur über einen Kohlenvorrat für etwa 14 Tage.
Eine Explosion polnischer Munitionswagen.
R h b n i k, 23. Juni. Auf dem hiesigen Bahnhof sind gestern zwei polnische Munitonswagen auf bisher noch nicht aufgeklärte Weise explodiert. Der Sachschaden ist überaus groß. Nach vorsichtiger Schätzung beläuft er sich auf 35 Millionen Mark. Bon dem polnischen Kommandanten wurde eine Anzahl deutscher Kaufleute der Stadt Rybnik verhaftet, da man den Dcut- schendieSchuldanderExplosionindie Schuhe zu schieben sucht. Die Erregung in der Stadt ist ungeheuer. Der Kreiskontrolleur telegraphierte an die interalliierte Kommission, daß für ihn versönlich noch keine Gefahr bestehe.
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Ne MMrim dtt Wmim;.
.Die Auflösung des Wachtreglements Berlin.
Berlin, 25. Juni. Im Hauptausichuß des Reichstages erklärte Oberst v.Kreß, daß die Nachricht, wonach das Wachtregiment Berlin durch ein Verbot der Entente aufgelöst werden müßte, zutreffend ist. General Nollet ging bei der Begründung seines Verbotes davon aus, daß uns durch den Fricdensvertrag nur die Ausstellung von 21 Jnfanterieregimentern erlaubt sei. Das Wachtregiment stellt nach seiner Ansicht eine militärische Formation dar, die den Rahmen der erlaubten Regimenter in unzulässiger Weise überschreite. Vergebens wurde General Nollet darauf hingewiesen, daß das söge- ■Winnie Wachtregiment lediglich aus abkommandierten Kompagnien anderer Regimenter zusammengesetzt sei. also in Wirklichkeit ein über den Rahmen der erlaubten Regimenter hinausgehendes Regiment garnicht vorstrlle. Es werde geplant, an Stell« des Wachtregiments abwechslungsweise einzelne Kompagnien für 2—3 Monate nach Berlin zu kommandieren, ohne daß selbstverständlich irgend ein Regiment gebildet würde
Der Reichsvrrband der Deutschen Industrie gegen die Sankttonen.
Der Hauptausschuß des Reichsverbandes der Deutschen Industrie beriet am 14. Juni d. Js. über die wirtschaftlichen unb finanziellen Wirkungen des Ultimatums. Den Bericht erstatteten die Herren Geheimer OberregierungSrat Dr. Wied feldt. Mitglied des Direktoriums der Friede. Krupp A.-G., Essen, und Dr. Solmßen, Gesäfts- inhaber der Diskonto-Gesellschaft, Berlin. Nach eingehender Aussprache wurde die folgende Entschließung einstimmig angenommen:
„Trotz Annahme des Ultimatums bestehen die Ge- waltmaßnahmen der Alliierten, insbesondre die Rhein- zollini- noch fort. Die Wirkungen, dir fene Maßnahmen bereits hervorgerufen haben, liegen in einer fortschreitenden Lähmung des Wirtschaftslebens des besetzten rheinischen Gebiets, dessen unbeschränkter Mitarbeit die deutsche Industrie nicht bloß zum Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft, sondern ebenso auch im Interesse der Durchführung eingegangener Berpftichtun- 8<n bedarf."
Der Reichsverband der Deutschen Jndnstri- erwartet daher von der deiüschen Regierung, daß sie unverzüglich alle Schritte unternimmt, um auf eine rascheste Aushebung der Sanktionen, deren Beibehaltung jedem Rechtsempfinden Hohn spricht, hinzuwirken.
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Der Münchener Landtag gegen schwarz« Schmach und Misshandlung deutscher Ariegsgesangeue«.
München, 23. Juni. Im Landtag stand die Jicker- pellation der Deutschen Demokratischen Partei wegen Mißhandlung deutscher Kriegsgefangener zur Besprechung. Dr. Müller (Dem.), der die Jnter- pellafiou begründete, verlangt« von der Versammlung die sSichtung und Verbreitung des Materials über die Kriegsgreuel und KriegKverbrechen der Entente. Die Verletzungen des Versailler Vertrages und die nach Abschluß des Vertrages Begangenen Greuel zwingen dazu, daß die ReichsrGierung sich an die ganz« kKelt wendet. Der Redner fordert weiter die Freigabe der letzten Kriegsgefangenen auch aus Frankreich und legte schärfsten Protest gegen di- Behandlung des Reichsgerichts durch die Entente ein. Der Gipfelpunkt der Scheußlichkeiten bleibe die schwarze Schmach. (Lebhafte Zustimmung.) Sozialminister OS- Wald erklärte in Beantwortung der Interpellation, daß die Fälle von völkerrechtsividriger Behandlung der deutschen Kriegsgefangenen zu den Akten genommen seiett TaS vorliegende Material sei ziemlich umfangreich. Eine geeignete Stelle für Bayern zur Prüfung und Sichtung des Materials zu schaffen, fei nicht notwendig, da die
1 Aeichsrezieruug bcreiU ftber «ütjunfanateiifcrt Material
verfüge und es verarbeitet hab«. Im Saufe der Ansprache gab Giehrl (Bayr. Volkspartei) eine Erklärung bekannt, die von den Fraftionen der Bayerischen Volkspartei, der Mittelpartei, der Demokraten, des Bauernbundes und der MehrheitSsozialisten schon früher beschlossen wurde und nunmehr der Oeffentlichkeit übergeben wird. In dieser Erklärung heißt eS: Der bayerische Landtag erachtet es als gebieterische sittliche P f 1 i ch t, zu der großen Fülle von Einspruchserhebungen, die gegen die drückende schwarze Schmach in den besetzten Gebieten deS deutschen Vaterlandes sich wenden, auch seinerseits ein lautes Zeugnis tiefster Entrüstung zu fügen. Die Berwcickung farbiger Be-- ätzungstruppen ist ein trauriges Denkmal rück- ichtsloser Siegerbrutalität und ein tut» turschändendes Verbrechen. Namens der Kultur wandten wir uns an das Kulturgetoiffen der gesamten Welt, das zu unserer Freude in den verschiedenen feindlichen und neutralen Ländern sich mit Macht gegen die Kulturschande zu regen beginnt und mit uns im Bunde die drückenden Ketten zu sprengen trachten möge.
Der hessische Landtag gegen dir Sanktionen und gegen Uebergriffe der Besatzungstruppen.
Darmstadt, 22. Juni. Im hessischen Landtag erklärte Staatspräsident Ulrich in Beantwortung einer Anfrage des volksparteilichen Abg. Dingeldey wegen der Uebergriffe der Bcfatznngstruppen im besetzten Gebiet, as sei richfig, daß sich seit etwa einem Monat die Zahl der Besatzungstruppen wesentlich erhöht chabe. Die Belastung, welche die Bewohner hierdurch erfahren, hab« außerordentlich zugenommen. Di« Truppenvermehrung hänge eng mit der Tatsache zusammen, daß entgegen der durch die Annahme des Ultimatums geschaffenen Rechtslage die Sanktionen noch fortdauern. Die Regierung habe die furchtbaren Wirkungen, welche die Sanktionen auf einzelne Zweige des besetzten und unbesetzten Gebietes ausüben, wiederholt den zuständigen Berliner Stellen dargelegt und dringend um Abhilfe ersucht. Nach den letzten hierher gelangten Nachrichten könne man überzeugt sein, daß dir Reichsregierung nichts unversucht lassen wird, um die baldige Aufhebung der Santtionen zu erreichen. Dec, Staatspräsident erklärte ferner, cs sei zutreffend, daß die Ueber- griffe einzelner Soldaten gegen Ehre, Leben und Gut unserer Volksgenossen im besttzten Gebiet in den letzten Wochen sich auffallend gemehrt haben. Es wurde deshalb ein besonderer Beauftragter zu dem Oberbefehlshaber der Besatzungstruppen gesandt, der in längerer Aussprache dem General Degouttc die einzelnen Vorkommnisse, besonders in den Kreisen Worms und Mainz, ausein- andcrsetzte, die mit Recht die Bevölkerung in höchstem Maße beunruhigen. Der General erklärte, daß er mit rücksichtsloser Schärfe alle Disziplinlosigkeiten verfolgen lasse. Alle Ausschreitungen würden genauestens untersucht und aufgeklärt werden. Die hessische Regierung habe die Reichsregierung bei allen schlveren Fällen ersucht, von der französischen Regirrung rin angemessenes Sühnegeld zu fordern und es sei zu hassen, daß es ihr gelingen werde, mit der Zeit in dieser Beziehung eine erfolgreiche Regelung zu erreichen. Jeder Bewohiier des besetzten Gebietes dürfe überzeugt sein, daß sich die hessische Regierung jeder berechtigten Beschwerde mit allem Nachdruck annehme.
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MM ÄlM.
12L Sitzung vom 23. Juni, uachm. 2Uhr.
TaS Haus beschäftigte sich heute mit einer ganzen Reih.' von Anträgen und Gesetzentwürfen, von denen besonders die zweite Lesung des Gesetzentwurfes über die Acnoeruug des GerichtSkostengesedeS hervorzuheben ist. Der Ausschuß hat dazu eine Entschließung beantragt, die Reichsregierung zu ersuchen,. ein Sondergcseh über ein obligatorisches und unentgeltliches Güterversahrcn vorzulegen.
Das Gesetz wird schließlich in zweiter und dritter Lesung ziemlich einstimmig angenommen.
Es folgt bann bie gestern vertagte dritte Lesung des Gesetzes über den Waffen gebrauch bes Grenzau f s i ch t s p e r s 0 n a I s.
Die Linke macht auch heute wieder die von ihr gestern gemachten Einivendungen geltend, doch wird das Gesetz schließlich auch in dritter Lesung gegen Die geschlossene Linke angenommen.
Fast bebattelos werben bann bie Nachtrag Setats, unb zwar her Haushaltsetat der Reichspräsidenten, des ReichsministeriumS, des Reichskanzlers, bet Reichskanzleien, bes ReichSsinanzministeriumS, bes allgemeinen Pensionsfonds, des RechnugngshofeS und de? Reichsjilstizmini- steriums angenommen.
Bei der Beratung des letzten Etats nehmen die Unabhängigen unv Kommunisten noch einmal Gelegenheit gegen bie Ausnahmegesetze, gegen hie Sonbergerichte unb gegen bie Rechtssprechung in Leipzig, sowie gegen di« Verweigerung der allgemeinen Amnestie Stellung zu nehmen.
Als wichtigster Puntt der heutigen Tagesordnung folgt sodann die Beratung des Oßsctzenllvurfes über die Abänderung des Bcrsicherungsgesetzes für Angestellte. Der Entwurf sieht eine Ausdehnung Der Versicherung-Pflicht bis zu einem Gehalt von 28000 Mark vor.
Abg. Giebel macht gegen dieses Geietz energisch Front und betont, daß zum mindesten die Angestelltcu- vertreter vor Einbringung der Vorlage hatten gehört weichen müssen. Er ist der Ansicht, daß vielleicht jetzt der gegebene Zeitpunft gekommen sei, um das Singt- stelltenvrrsicherunssgefeb mit he» sozmlistuchiy .Verficht-
rungSgesetz zusammenfallen zu lassen, damit die Sonderversicherungen damit endlich versM-inden.
Reichsminister Br aun bestreitet, daß der Entwurf tote ein Blitz aus heiterem Himmel komme. Die Regierung betrachte da- Gesetz immer noch als ein Notgesetz, dadurch die Forderung nach Erhöhung der Bezüge bet Interessenten notwendig geworden sei. Ans diesem Grunde et bie Frage der Zusammenlegung mit dem Invaliden- versicherungSgesetz auch noch nicht inS Auge gefaßt worden. Der Ausschuß werde aber Zeit haben, sich mit der Frage eingehend zu beschäfttgen.
Nächst« Sitzung morgen Freitag, nachm. 1 Uhr.
England.
Bon den uns geraubten Kolonien.
Wb. London, 23. Juni. In der gestrigen Sitzung bet Premierminister des britischen Reiche- machte Winston Churchill Mitteilungen betreffend die englischen Kolonien und ihre polittfche und wittschaftliche Bedeuwng. Er erwähnte besonders, da» auf der Insel Mauritius eine Bewegung bcstan- den hätte, die die Rückkehr der Insel an Frankreich verlangte, daß aber bei den letzten Wahlen die Anhänger dieser Bewegung eine endgülttge Niederlage erlitten hätten. Bezüglich deS Gebietes von Tangant ika, das durch den Friedensvertrag unter eng- ltsck-e Aufsicht gekommen sei, erttärte Churchill, in dem Gebiete sei während deS Krieges eine derarttge Umwälzung ersolgt, daß eine vollkommen neue Verwaltung eingeführt werden müsse. Großbritannien hab« sich bemüht, zu erreichen, daß diese Verwaltung der früheren deutschen Verwaltung nicht unter- legen sei. Jnfolgedeflen habe sich im Laufe deS JabteS ein beträchtliches Defizit ergeben. Die vom brittsche« Parlament verlangten Kredite reichten nicht auS. Infolgedessen fei zu befürchten, daß während ein oder zwei Jahren die Verwaltting des Gebiete- von Tanganjika nicht erreichen werde, dem Gebiete die groß« Wohlfahrt zu geben, die während der dent- schen Herrschaft geherrscht habe.
Jahreskanferenz der Arbeiterpartei.
L 0 n d 0 n, 22. Juni. Bei Eröffnung der in Brighton stattfindenden 21. Jahreskonferenz bet Arbeiterpartei, an brr etwa 1000 Delegierte teilnehmen« die 4 257 000 Parteimitglieder vertreten, hielt bet Vor- fitzenb« Cameron eine Rede, in bet er heftige Angriff« gegen die Politik Lloyd Georges richtete. Der Arbeiterführer fragte, welche Berechtigung Lloyd Georg« und feine Freunde zu der Annahme hätten, baß nur sie Und fit allein in der Laae seien, das Land zu regieren. Di« Polttik bet Koalitionsregierung bedeute, nach ihre» Ergebnissen zu urteilen, Chaos und wirtschaftlichen Ruin. Im Handel stehe es schlechter al- je. Ein großer Teil der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit sei auf die Tatsacht zurückzusühren. daß die britisch« Regierung gemeinsam mit der französischen, üalienischen und belgischen Regierung versuchte, einen militärischen Frieden abzuschlleße» unb daß die Regierungen sich verschworen hätten, ciw» Wirtschaftskrieg zu führen, der möglichst wirksam die Mittelmächte dauernd zu Krüppeln mache. DK große Mehrheit der Arbeiter beginne zu verstehen, wk schlecht und wie wahnsinnig bie Politik ber alliier» ten Regierungen, die in den Reparationsbebinguit gen und dem Friedensvertrage zum Ausdruck komme, fti. Die Bedingungen dieses Vertrages seien Deutschland auferlegt worben» mit verhängnisvollen Fol« gen für bie wirtschaftliche Lage ber Arbeiter England! grnb aller Länder der Welt. Die Erwerbslosigkeit in ber Schiffbau inbustrie könne in ber Hauptsache ben Reparationsbestimmungen zugeschrieben werben. Da- Ergebnis davon sei, daß heute in den britischen öäfer über eine Million Tonnen Schiffsraum ftilliegc und zehn tausend britischer Werftarbeiter erwerbslos auf die Straß« gesetzt seien. Die Schiffbauer fangen an, zuzugeben, daß bie befolgte Politik verfehlt war, und wünschen, daß bk Regierung keine Schiffe mehr von Deutschland annehm« und, wenn möglich. Deutschland einige ihm genommene» Schiffe zurückerstatte, weil die Wirkungen der ReparationS- bestimmungen die englische Schissbauindustrie zerstöre«.
England und Ruhland.
London, 23. Juni. „Daily Telegraph" zufolge hat Krassin um eine persönliche Unterredung mit Lloyd Geo rge nachgesucht. Anscheinend werde bl. Räteregierung in Rußland ungeduldig wegen der Be» zögerung ber endgültigen Regelung deS Frieden-. Krassin habe jetzt Auftrag erhalten, darauf zu bestehen, daß ber Sowjetrcgierung die endgültige Anerkennung einer gesetzlich bestehenden souveränen Macht zuteil rorrbe.
Lord Grey über ben Völkerbund.
London, 22. Juni. Lord Grey erklärte in einet gestern in Sheffield gehaltenen Rede über den Völkev bund, die Vereinigten Staaten hätten den größten Wunsch, den Frieden ber Welt zu bewahren. Wenn in den Angelegenheiten der Welt Schwierigkeiten entstehen sollten, dann müßten England und Amerika zu demselben Zwecke zufammenarbeiten. England sei mit 47 anderen Nationen im Völkerbunde, der viele z« gut und wohl begründet sei, um einfach gestrichen z» werden. Es gebe drei Arten von Politik, die befolgt werden könnten: erstens die Politik ber gänzlichen Ber» einjamung, bie zwecklos und teuer sei, dann die der Sonderbündnisse, di« zu Gegenbündnifsen, Rüstnngss Wettbewerben und schließlich znm Sturm führe und drittens die Völkerbundspolitik. Deutschland müsff in ben Völkerbund aufgenommen werden. Auch dÄ nähme Rußlands^nrüjf« werde»,