Einzelbild herunterladen
 

56. m ISA

Amütches DeMndigungsUatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) OSerheffen

Marburg grtiloa, den 17.3mi Brachmaud

Set Anzeigenpreis beträgt für di« 9 gefp. Colonelzeile oder deren Staunt 90 Pfg- u. 10 oi Amichlllg, amtliche und auswärtig« 1.20 Mk. Ander« Epaltendretten nach entfvrech«nd«r Berechnung. Spät einlaufende oder den Rau» über */. Seite ein­nehmend« Anzeigen find wir berechtigt, nach der Textipaltenbrett« zu fetzen und zu berechne«. Sogen. Reklamen berechnen wir die Zeil« mit 3.00 Mk. Jeder Rabatt gilt al» Barradatt. Lei Auskunft durch di« Gefchäftsftcü« und Vermittlung der.

Angebote 75 Pfg. Sondergebühr.

VieOderhefsiiche Zeitun- ' erfcheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich «L5 Mk., durch die Poft 5.05 Mk. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr. M« |QQ Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. /U« Verlag von Dr. C. Hitzerot.h. Druck der Univ.-Buchdruckerei oo» Job. Aug. Koch, Markt 21.23 Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt Main.

Ir. Memll Wer die Woben des WieimOms.

fit Lieferung der Holzhäuser. Die Sachleistun- gt#. Der Index von 26 Prozent. Die Finan- fktungsftose. Die Arbeitsleistungen. Die Wiesbadener Beratungen.

Berlin. 16. Juni. Der Reichsminister für den f ikiederaußb«», Dr. Rathenau, gab im Repara- stonsauSfchich des Reichswirtschaftsrats folgende Er- stLrungen <ck:Zunächst habe ich die Ehre, Ihrem Vorsitzende« unb Ihnen zu danken für die soeben ab- Degeb-ne Erklärung, daß sie vorbehaltlich aller Partei- tzkgensätze *' Absicht haben, in sachlicher Mitarbeit die Regi .j bei Aufgaben zu unterstützen, die die Reparation ihr auferlegt. Das Heimatsrecht, das 8H bei Ihnen genieß«, gibt mir das Recht, ®it um tir Erlaubnis zu bitten,' Ihn« die Grurckrzüge der ßblfgaben darzulegen, die sich an den Wiederauf­bau Frankreichs knüpfen.

Cie totff«!, daß eine Reihe von Aufträgen schwebt, ßg handelt sich zunächst um eine Anzahl von Holz­häusern, die ursprünglich auf 25 000 beziffert war, Möglicherweise auch auf diesen Betrag kommt. Im Augenblick ist die Zahl der Häuser, die in Verhandlung sscht. kleiner; eS wird sich zur Zeit etwa um 5000 handeln. Eine französi sche Kommission reist k Deutschland umher, um die Modelle zu besichtigen; «s ist möglich, daß der Auftrag demnächst erteilt wird. DreiSdifsreenzen schweben noch. Dieser Auftrag, den hh alö vorläufig bezeichnen möchte, ist in seiner mate- Men Bedeutung nicht zu überschätzen7 es wird-sich toi eine Größenordnung von höchstens 10 oder 12 Dkillwuen Goldmark handeln, somit um einen Umfang, vor dem eine industrielle Unternehmung gewissen Um­fangs heule nicht erschrecken würde, um einen Auftrag cho, der für die gesamte deutsche Volkswirtschaft eine keine Bedeutung hat. Wenn es sich lediglich um diese Bestellung und ähnliche Leistungen handelte, so wäre ks um das Reparationsproblrm schwach be­stellt Nufere Hoffnung muh es sein, die Aufgabe tos eine erbeblich breitere Basis zu stellen. Die Grund- sttze, reu y->- :: auszugehen haben, wenn wir das

i Reparakiousprootcm betrachten, sind in erster Linie dkgebcu durch die Frage, die in möglichst weitem Um­fange uns auferlegten Gold- bezw. Devisenleistungen w Sachleistungen zu verwandeln. Hier begegnet te5 die erste Schwierigkeit. Die Leistungen sind hanptsiächlich für Frankreich bestimmt. Sie Kissen, daß sich Frankreichs Anteil an den Repara- Ünosforderungen der Alliierten nur auf 52 Prozent Klaust, das heißt, wenn wir für die ersten Jahre kr. Umfang unserer Leistungen auf etwa 31/« Milliar­den schätzen, daß ein Ausmaß von etwa 1,6 Milliarden tof Frankreich entfällt. Dieses Ausmaß bietet also s die obere Grenze dessen, was Frankreich ohne beson­dere Finanzverabredungen in einem Jahre als Ägrünum au den deutschen Lieferungen aufnehmen Bnn;-, unter der Voraussetzung, daß Frankreich bereit bare seine gesamten Forderungsrechte in ^Cach-odrrArbeitsleistungen zu empfangen, ^as wirs aber Frankreich kaum zuzumuten sein; denn ^WrankrerH hat einen erheblichen Bedarf an Gold eezw. Devisen. So entsteht die erste Frage: Wie ist möglich, den, wenn ich mich so ausdrücken darf, .Wahregen, der an Materialbedürfnissen über ? Paul^ich hereinbricht, wenn die Reparation in drei fcr vier Jahren beendet sein soll, wie ist es möglich, düse gewaltige Masse so zu kanalisieren, daß sie nicht di- Jahres aufn ahm efähigkeit Frank­reichs an Reparationsleistungen erheblich übersteigt? Das wird zu Finanzproblemen führen, die eines beson­deren Studiums bedürfen.

Die zweite Aufgabe besteht in der im Ultimatum L'ibjr vorgesehenen Ersetzung des Index von 86</o durch eine andere Vereinbarung. Diesseits und stnseits der Grenze setzt sich die Erkenntnis durch, diese: Index fein glücklicher Maßstab ist. Zunächst Buttertet er den französischen Kredit. Eine Gefahr kirb auch dadurch entstehen, daß wechselnde deutsche Regierungen diese neuartigen und kaum zu überschauen­den Probleme gegenüber wechselnde Geltungen ein» LXihmen, entweder trotz des Index die Ausfuhrpolitik fordern, oder wegen des Index versuchen, Deutschland toij Binnenwirtschaft zu stellen. Mit der Frage des Tudex hängt eng zusammen das Problem der Gold- ltistnng oder, da das effektive Gold ja nicht vorhanden Jt das der Devisenleistung in diesem gewaltigen Aus­maße Es ist mög'ich und nötig, dafür zu sorgen, daß W uns gegenwärtig obliegende hastige Devisen- ^erkaufe» aus";ort. Auch wenn diese Tevifen- ° Mengen aufgebracht lverden könnten, .wird die Folge Eine vollkommE Zerr iitiit ngdes,nternatio- len Geldmarktes fern, lieber diefen Fragen­

komplex werden also Verständigungen getroffen werden müssen. Die Preisfrage bei den Sach­leistungen wird eine große, vielleicht die größte Rolle spielen. Es ist fast unmöglich, durch Anwendung von Gegenofferten den gerechten Preis zu finden. Es muß also ein Maßstab gefunden werden, der Preisfest­setzungen in gerechter Weise ermöglicht und gewähr­leistet, daß die französische Industrie sich nicht be­schweren kann, daß Deutschlands Leistungen erheblich teurer sind als sie in Frankreich sein dürfen. Neben der Preisfrage steht die Finanzierungsfrage. Man kann nicht erwarten, daß Frankreich in einem Jahre gänzlich auf Devisenempfang vernichtet oder ins Debet kommt, falls ohne vorherige Vereinbarung mehr geliefert wird als in dem betreffenden Jahre Zahlungsansprüche gestellt werden. Dir Arbeits­leistungen werden verhältnismäßig zurücktreten. Es wird kaum möglich sein, 100 000 Arbeiter nach Frankreich zu entsenden. Von den Arbeiten, die hauptsächlich für deutsche Arbeiter in Betracht kämen, ist viel bereits geschehen. Bei dem WWerauf- bau wird hauptsächlich Einzelarbeit großen N m f a n g S zu leisten sein, bei der eS schwer sein wird, Tausende von deutschen Arbeitern in französischen Stödten unterzubringen. Gewiß besteht der Wunsch, die Absichten der Gewerkschaften soweit wie möglich zu verwirklichen. Bevor hier aber volle Klarheit über die Grundsätze herrscht, ist nicht zu erwarten, daß groß: Arbeitermassen nach Frankreich geschickt werden. Be­züglich der Beratungen in Wiesbaden hob der Minister hervor, daß bie öffentliche Meinung in Frankreich und einem Teil des übrigen Auslandes setzt noch geteilt sei. Eine Reihe von Blättern, von wirtschaftlichen und politischen Kreisen hält den Weg des Diktats, des politischen Drucks immer noch für den richtigen. Es war deshalb ein« entschlossene und staats­männische Tat des französischen Ministers der befreiten Gebiete, daß er sich entschloß, nach Wiesbaden zu gehen und persönlich Verhandlungen zu führen, eine Tat, die in Frankreich nicht widerspruchloS geblieben ist. Der Minister erklärte, daß er aus diesem Grund« dem französischen Minister in jeder Beziehung den Vortritt der Oeffentlichkrit gegenüber gelassen habe. Bei den Verhandlungen sind auf beiden Seiten mit voller Loyalität die Schwierigkeiten anerkannt worden, die auf Seiten des Gegenparts bestanden. Die Ver­handlungen beschäftigten sich au beiden Tagen mit den siizzierten generellen Problemen. Der Minister betonte, er habe die volle Objektivität empfunden, mit der Herr Loucheur die Interessen seine- Landes ver­trat. was die deutsche Seite das Problem anbelangt, so wird es sich!um die Schaffung eines Organismnsses bandeln, der in großem Umfange in der Lage ist, Aufträge von Frankreich entgegen zu nehmen und sie der Verarbeitung auf deutscher Seite zuzn- führen. Ferner wird in Deutschland eine Organisation geschaffen werden müssen, die den gerechten Ansprüchen genügt, die einerseits von den verschiedenen Landes­teilen auf Mitbeteiligung, andererseits von den ver­schiedenen Berufsständen gestellt werden. Bezüglich der Form der Organisation bemerkt der Minister, daß er toeber eine Wumba noch eine Z. F. G. haben wolle. Dee Minister betonte schließlich daß die Aufgabe des Wiederaufbaues noch nicht gesichert sei. Man könne nicht einseitig Frankreich aufbauen, ohne daß Frank- ceich es wolle, und daß es den ihm gemachen Vor­schlägen zustimme. Er hoffe aber, daß diese Be- gegnung, die die erste in engstem Kreise zwischen ver­antwortlichen Staatsleuten beider Länder seit Beginn des Krieges gewesen tf^ zur Fortsetzung der Bezieh- ungen und zur Auffindung einer Lösung führen wird. Gelingt das und können die Lasten des Ultimatums für Deutschland einigermaßen tragbar gemacht werden, daß sie in Sach- und Arbeitsleistungen verwandelt werden, so liegt nicht mehr allein eine Wirt­schaftsausgabe Der konkurrierenden Wirtschaft, der Geschäftswirtschaft vor, sondern zum ersten Male eine Aufgabe einer großen nationalen Wirtschaft.

*

Paris, 16. Juni. Zn Ententekreisen wird der Plan erwogen, anstatt, entsprechend dem Londoner Abkommen, die deutschen Schu'ldverjchrei- bungen auf den öffentlichen Finanz­markt zu bringen, das deutsche Schuldanerkenntnis zurückzuhalten und auf dieser Grundlage besondere Anleihen auszugeben, die die Alliierten zu garan­tieren hätten. Deutschland mime sein: Schulden verzinsen und tilgen.

Sotmotlfi in 6nglinier in torWei.

Keine Kampfhandlungen.

Oppeln, 16. Juni. Mit Ausnahme von Schießereien bei Ellguth, Tworjan und östlich Ra- tibor Hammer ist es heute nicht zu Kampf­handlungen gekommen. Durch das Gin - rücken der Englän'der in Zembowitz sind die Polen genötigt worden, ihre Angriffe auf Pruskau einzustellen. Nach den bisher vorliegenden Meldungen sind jedoch die englischen Streitkräfte zu schwach, um die deutsche Bevölkerung vor den Drangsalierungen der Polen zu schützen. Der ita­lienische Oberst Salvicai hat angeordnet, daß auf dem rechten Oderufer Ortswehren gebildet werden. Der Belagerungszustand für R a t i b o r ist aufgehoben worden. Englische Truppen sind in Ratibor, Kleinalthammer, Ferdinandshof, Salefche, Poppitz, Euttentag und Kostelitz ein- getroffen, französische Truppen ebenfalls in Klein- althanrmer und Kostelitz. Außerdem ist Zakobs- walbe von Franzosen, Lubom und Nensa von Ita­lienern besetzt.

Einigung zwischen Zwölferausschutz und J.A.K.

Berlin, 16. Juni. Wie die Blätter auS Ober- schlefien melden, wurden die Verhandlungen zwischen dem englischen General H e n n i k e r und dem Führer deS deutschen Selbstschutzes General Höfer heute fortgesetzt. Die »Boss. Ztg." berichtet, es fei im wesentlichen eine Einigung erzielt worden, und es sei anzunehmen, datz auch der ZWSlferaus- schutz, mit dem namentlich das englische Mitglied der interalliierten Kommission, Sir Harald Stuart, verhandele, sich mit den Versicherungen, die bet dieser Gelegenheit gegeben wurden, vorläufig einverstanden erkläre. Das sozialdemokratische Mitglied des deut­schen Zwölferausschusses in Oberschlesien Cyrus äußert sich in denOppelner Nachrichten' über die Verständigung mit der interalliierten Kommission da­hin, daß das Verlangen der Kommission, Annaberg zu räumen und durch italienische Truppen besetzen zu laffen, vielleicht doch bei Bietung anderer Garantien angenommen werden könnte, da der Berg als mili­tärischer Stützpunkt nicht mehr in Betracht komme. Eyrus fordert als Garantie, datz die Insurgenten wenigstens als erste Etappe Gleiwitz undHindenburg räumen, und hofft, datz auf der gekennzeichneten Grundlage eine Einigung zwischen dem Zwölseraus- schutz und der interalliierten Kommission möglich ist.

Nach einer Meldung derV o s s. Z t g." aus Breslau scheint eine Einigung zwischen dem 12er Ausschuß der deutschen Parteien in Ober- skblesien und der interallierten Kommission ge­sichert zu sein. Die Engländer sind in Zalenze, einer Borstadt von Kattowitz, eingerückt. Durch. das englische Vorrücken ist auch die Gegend von Lublmitz befreit worden.

Eine Abordn'ung des 12er Aus­schusses hat sich nach Berlin begeben, um ein Einvernehmen mit "der Re'chsregierung zu erzielen.

Bildung einer roten Armee! Korfanty mutz fein <R<ni«"t-*'tnrtiet verlegen.

Berlin, 16. Juni. Blättermeldungen aus Beuchen zufolge bildete sich im Kreise P l e tz in der nächsten Nähe des Hauvtauartiers KonfantvS eine rote Armee. Der Abteilungskommandant Kor- fontvS wurde abaesetzt. Botschewisttsch« Fnsurgenten- abt»ir'inoen ervresten von 51ndustrieverwaltunaen und der Kaufmannschaft Beträge bis zu 200000 Jt. Auk mehreren Gruben im Zentraltndustrierevter webt seit beute die rote Fahne. Einzelne Fndust^edirekNgnen sind unter der Diktatur der Arbeiter gestellt. Kor- fantv verlegte sein Hauvtauartier nach Blokznttz tm Kreis Grotz-Strehlttz.

Der Oppelner Aerztestreik.

Ovveln, 17. Juni. Der A-»r,teverein hat durch Vermittlung de? deutschen Bedollmächtigt-n eine Er­klärung der interalliierten Kommission erhalten, daß bi- an der Be^bciktung und Mißhandlung deS Dr. Fremd betet (inten Beamten der interalliierten Kommission ans dem Dienst entlassen seien und das Ahstrmmunasaebiet verlassen müstten. Dagegen ist eine Bestraftlng des fran­zösischen Oküziers. der den Mißhandlungen beiwohnte, nicht erfolgt. Da die Haltung der englischen und italieni­schen Mitglieder der Kommission auf die Haltung der iran- zösikch-n Truvven ohne Ein'luß iit hat der Aerztevercin erklärt, die ärztliche Hilfeleistung an Ita­lienern und Engländern wieder aufzuneh­men. Gegenüber den Mitgliedern der französischen Kommission und deren Angehörigen verweigert der Aerzteverein bis auf weiteres jede ärztliche Hilfe.

Ein polnisches Znternierungslkger.

Blättcrmeldungen aus Oppeln zufolge befinden sich in dem polnischen Internierungslager in Neuberun 2000 Deutsche im Alter von 16 bis 70 Jahren, die aus allen Kreisen Oüerjchlestens dorthin verschleppt worden sind. 7-". Internierten sind vollständig ausflc r'a u b t und zum größten Teil ohne Kleioung und Schuh­werk. Die Verpflegung im Lager ist unzureichend und schlechte Die sanitären tzinrichiungen sprechen allem menschlichen Empfinden Hohn. Im Inter­nierungslager bei Zabrze ist der Typhus aus­

gebrochen. Auch leiden die Gefangenen an Krätzß und Ruhr.

Die Zurückziehung des Selbstschutzes.

wb. L o n d o n, 16. Juni.Daily Telegr." meldet, daß die britische Regierung jetzt gemeinsam mit der französischen Regierung auf der Zurück« ziehung der Truppen des Generals Höfer bestehe. Es werde jedoch keinerlei Druck auf den deutschen Selbstschutz ausgeübt werden, damit er sich zurückziehe, wenn die Insurgenten Korfantys ihr Versprechen, sich zurüzuziehen, nicht halten.

wb. London, 16. Juni. aily Telegr." schreibt, in Londoner amtlichen Kreisen sei man durchausabgeneigt, den deutschen Selbst« schütz mit den polnischen Insurgenten auf dieselbe Stufe zu stellen. Inzwischen sei nicht der geringste Fortschritt bezüglich der Festlegung der Grenzen in Oberschlesien gemacht worden, obwohl sechs ver­schiedene Grenzlinien den Alliierten vorgeschlagen worden seien.

London, 16 Juni. Reuter meldet: Die letzten briti­schen Nachrichten au8 Oberschlesien lassen keine Besse­rung der Lage erkennen. ES sind keine Anzeichen dafür vorhanden, daß die Polen ihr vor einigen Wochen gegebenes Rückzugsversprrchen ausführen. Es scheint, daß Korfanty seine Leute nicht mehr in der Hand hat und daß er seine Befehle nicht durchsetzen kann. Diejerügen alliierten Truppen, deren rückwärtige Ver­bindungen von dem guten Willen der Insurgenten ab­hängig geworden sind, wurden toieber zurückgenommen, da ein solcher Zustand auf die Dau« nicht zugelassen werde« konnte.

wb. London, 16. Juni. Im Unterhaus wurde gestern mitgeteilt, daß die durchschnittlichen Monatskosten für die britischen Truppen in Oberschlesien 77000 Pfund Sterling be­tragen.

*

Mito HeiflM

115. Sitzung vom 16. Juni, na(6m. 2 Nhr. Aufhebung der Zwangswirtschaft. Umlage auf

Millionen Tonnen festgesetzt.

Hau? und Tribünen sind heute nur schwach befebt Gemäß Antrag deS Geschäftsordnunasausschusses wird ohne Debatte die Genehmigung zur Erteilung des Straf­verfahrens gegen die Abg. Ernst (Unabh.) und Rem- mele (Komm.i abgelehnt, ebenso «egen den Abg. Reich (Komm.) und Mittwoch (Unabh.).

Der Antrag Hoffmann (Komm.) auf Siafkntlaf- fung des Abg. Thomas (Komm.l wird ans dem Wege des Hammelsprunges mit 187 gegen 108 Stimmen abge­lehnt. Dafür stimmt bie Linke geschloffen . Das Ergebnis ber Abstimmung wird auf bet Linken mit laufen Pfui­rufen ausgenommen

Die Beratung deS Gesetzentwurfes über bie Rege­lung deS Verkehrs mit Getreide wird fort­gesetzt und zwar mit der Abstimmung über den Para­graphen 1, b« bie Umlage festfeht.

Zunächst werden hie unabhängigen und sozialistischen Anträge auf Beibehaltung der Zwangswirt­schaft abgelebnt

Der Antrag Dusche auf sofortige Einfüh­rung der freien Wirtschaft, wirb in nament­lich« Abstimmung mit 173 gegen 156 Stimmen ab ge­lehnt bei brtt Stimmenthaltungen. Die sozialdemo­kratischen und unabhängigen Anttäge auf Erhöhung b« Umlage auf 4,5 Mill. Tonnen werden abgelehnt.

Der Anttag Böhme-Burlage, die Umlage aus 2,5 Mill. Tonnen herabzusetzen, wird in namentlich« Abstimmung mit 214 gegen 126 Stimmen angenommen.

Der Antrag Hergt (Deutschnatl.) als ersten Ab- lieferungSter min ben 21. November statt bett den 21. Oktober einzicketzen, wird abgelehnt. Bei b« namentlichen Abstimmung stimmen neben d« Linken auch die Dcutlchnationalen gegen die neue Formulierung des 81. Das Ergebnis bleibt zweifelhaft und es wird wied« zum Hammelsprung gegriffen, gl wird schließlich mit 189 gegen 145 Stimmen abgelehnt.

Präsident Löbe bemerkt, daß damit dem Geketz ja die Seele genommen sei. Der He« Minister wollck aber allem Anschein nach nicht beabsichtige«, den Gesetz­entwurf zurückzuziehe«. Das HauS habe also die Beratung sortzusetzen.

Abg Dr. Heim (Bahr. Bolkspattei) betont, daß die Zwangswirtschaft auch in ihren letzten Resten uner­träglich sei. Das Umlageverfahren habe alle Nachteil» der Zwangswirtschaft, und darin, daß der Sanbnnrt« lcbaft freies Getreide übrig bleibe, liege sein größt« Fehler. Bisher hab« Bayern doppelt so viel wie M übrige Reich abgeliefert, weil die Genossenschaften mit bem Erfassen betraut gewesen wären. Redner betont, daß in 14 Tagen bereits das erste Getreide geerntet werd« und hält es für ausgeschlossen, daß bis dahin alle Vor- Sereitungen für daS Umlageverfahren getroffen totrbea können.

R-:>Ht-crnährungsminist« Hermes: Ter Sofortig Schritt in die freie Wirtschaft ist unmöglich. @ete s ist die Zwangswirtschaft pvKruktionshemm-nd, aber wif müssen die Llelastung der Konsumenten in Betracht ziedeif und beide Momente miteinander verbinden. Ich bi* der Landwirtschaft in der Preisbildung immer so weit toj Möglich eutgegengekomme«. Tas Gau»« iff St Wirf