Amtliches Derkündtgungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
Mr. 138
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Marburg Donnerstag, ieo 16. M Brachmond
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Eine WW Note An LberlAeßes.
Schärfste Verwahrung gegen die gegenwärtigen Zustände.
stachdrückttch« Forderung nach endlicher Säuberung Oberschlefiens.
Berit«, 15. Sunt. Nach Paris, London und ßom ist heute folgende Note abgegangen:
Seit 6 Wochen hat Korfanty die Macht nahezu im gesamten Oberschlesien an sich gerissen und hat in dem, hon seinen Banden besetzten Gebiet tatsächlich alle Be- hlgnissc der interalliierten Kommission übernommen.
6 Wochen erduldet die oberschlesische Bevölkerung hie ungeheuren Leiden, welche dieser Rechtsbruch über alle Teile des Landes herauf beschworen hat. Die Verluste an Menschenleben sind groß. Die Aussrändi- tzhen hänfen Greuel auf Greuel. Hunderte von sried- gchen Bürgern sind verschleppt. Heber ihr Schicksal ist nichts bekannt. Historische Bauten, tote die Schlösser von Schimischow und Stubendors, von Zem- howitz und Kalinow und viele andere sind dem Fanatismus der Snsurgenten zum Opfer gefallen. Den Sauern und Gutsbesitzern sind Pferde und Vieh weg- getrieben, Gebäude und Geräte zerstört. Die Einbringung »er Ernte ist bereits jetzt in vielen Gegenden nnmSgttch. Nicht minder traurig liegen die Ver- dSNuisse bet der Industrie. Auch der Verkehr steht nahem überall still. Der Bolschewismus findet in diesem verwüsteten Lande einen günstigen Boden und Heitel sich in erschreckender Weise aus. Blutenden herzens, ober mit gefesselten Händen soll das deutsche Bott zuseh«t, wie unter den Augen der interalliierten stommisstou, der die Verwaltung des Landes zu treuen Händen übergeben war, seine Volksgenosien trumlster Gewalt ausgclieserr und die Früchte deutschen Fleitzes und deurscher Wirtschaft der Vernichtung dreisgegeben werden. 6 Wochen polnischer Terror sind ver unsere Volksgenoffen hingegangen, ohne das; die vteralliierte Komrnissio« die geeigneten Mittel gesunden hätte, die allein eine Niederwerfung des Aus* Jandes ermöglichen.
Seit Ende Mai sind erhebliche Truppenverstär- dmgeii der Entente mit reichlichem Kriegsmaterial in Oberschlesien eingetrofsen. Mit geringen Ausnahmen und abgesehen von den großen Städte», die noch in der Hand der Deutschen sind, ist jedoch das gesamte lufsiandsgebiet nach wie vor im Besitz der Insurgenten geblieben, welche dort unumschränkt herrschen. Die Grenze nach Polen ist offen. Von dort kommt bauernbet Zuzug an Kämpfern, darunter eine erhebliche Anzahl regulärer polnischer Militärs. Von dort werden Waffen und Munition aller Art herüber ge- tzhasft. Beweise für diese Tatsachen werden den affte imen Regierungen besonders übergeben. Wenn aber «Stierte Truppen bei Ihrem Vorgehen Ortschaften be- sttzten, tonnten die Insurgenten vorher, wie z. B. in Rosenberg, unbehelligt abzieh«« und ihren fanatischen Haß aus dem Rückzüge an den nnfchuldigen Bewohnern freien Lauf lassen. Habe« ab« interalltlerte Truppen ein Gebiet durchzogen, so tauchen tn ihren Rücken alsbald die polnischen Banden wieder auf und treibe» in gleichem Matze ihr Nnwesen wie vorher, iine Befriedigung ist nirgends zu verzeichnen. Längs der ganze» Front sind die Ortschaften tote z. B. Rostellwitz, Wachotoitz, Frei-Pipa, Frei Sadlnb, Scliemrowitz, Waldhäuser, Hohenbirken, Bukau, Merko Ritz, welche vorübergehend von den Polen geräumt Raren, erneut von den Baude» besetzt und schwer deimgefucht worden.
Tie oberschlesische Bevölkerung und mit ihr das ge- tzmtic deutsche Volk haben mit einer Selbstbeherrschung, die von der gesamten Welt als be- tzNtn.derustoert anerkannt wird, bisher die Ruhe be- teahrt. Der oberschlesische Selbstschutz hat trotz zahl- tricher Angriffe der Polen und trotz der Httserufe aus den von Korfanty besetzten Gebieten feine Stellungen Nicht weiter vorgettagcn in dem Vertrauen, datz endlich energische Maßnahmen seitens der interalliierten Rsmiuission gegen Korfanty und seine Banden et» griffen werden.
Sie deu-fche Regierung mutz gegen die gegenwär- ägen Zustände in Oberschlesien schärfste Ber- chahrung einlegen. Sie steht sich genötigt, den immer wiederholten Berfuch, den oberfchleflschen Selbstschutz auf gleiche Stufe mit den Insurgenten zu stellen, «leigisch zurückzuweifen und zu betonen, datz der von beut Präsidenten der interalliierten Kommission beab- ßchtigte Weg, die Insurgenten durch Verhandlungen Wrnv Abzug mit allen Waffen zu bewegen, nicht ge- Eignct ist, die Ruhe und Ordnung wieder herzustellen. Dieser Erfolg kann allein erreicht werden, datz mit ernstem Nachdruck durchgegriffeu und Oberschlesien mit allen Kräften von den Infurgenten gefäubert wird. Gestln-Ht dies nicht, so wird bte volle und alleinige Veraniwortung für alle Vorkommniffe und ihre Folgen der interalliierten Kommission und deren Präsidenten zur Last fallen, der die Macht besitzt, durch energische Maßnahmen die Befriedigung des Landes in kurzer Zeit herbeizuführen.
Rach dem Friedensvertrag (Artikel 88) ist die interalliierte Kommission verpflichtet, mit Truppen der alliierten Mächte die Ordnung ausrecht zu erhalten. Die deutsche Regierung hält es nicht mit dem Frie- deiisvertrag für vereinbart, wenn dir interalliierte Kommission ihre Machtmittel nicht gegen die Jnsur- Ser-ien ;um Einsatz bringt. Sie mutz daher erneut und mit allem Nachdruck fordern, daß die Bevölkerung vberschlesieuS, die nach dem Ergebnis der Abstimmung bei weitem überwiegend deutsch ist, endlich überall und restlos von der Jnsurgcntenherrfchast befreit wird.
Frn räjUch-engltsch« Vorstellungen bei Dr. Rose».
Berlin, 15. Juni. Ter französische Botschafter »nb der englische Geschäftsträger haben heute abend die beretes in der Presse aus Varis angeründigte Vor- bei dem Reichst» er des Arswärtiaen ge*^
macht. Im Laufe bet Besprechungen versuchten sie die Verantwortung für die kritische Lage, die durch das Scheitern der Verhandlungen zwischen der interalliierten Kommission und dem 12er Ausschuß in Ober* schlesien zeitweise geschaffen worden war, dem Selbstschutz zuzuteilen. Diesen Ausführungen trat der Reichsminister Rosen mit Nachdruck entgegen. Er teilte dem französischen Botschafter und dem englischen Geschäftsträger, die einzeln bei chm vorsprachen bei diesem Anlaß mit, daß eine Note an die alliierten Regierungen abgegangen sei, in der die unerträgliche Lage in Oberschlesien geschildert ist und erneut das Verlangen an diese Regierungen richtet, Ober- schlesien von denJnsurgentenL» sä»bern.
Inzwischen scheittt sich eine Verständigung der interalliierten Truppenführet mit General Höfer anzubahnen.
Berlin, 15. Juni. Bis heute vormittag wurde von General Le Rand ein Befehl jur Fortsetzung der Säube« rungsaktion nicht gegeben.
Berlin, 15. Juni. Nach einet Blättermeldung aus Oppeln tritt heute nachmittag der Zwölferau s f ch u ß der deutschen Parteien noch einmal zusammen. Man hofft immer noch, daß es ihm gelingen werde, die interalliierte Kvmmfffion von der Berechtigung seiner Forderungen zu überzeugen.
Höfer bei General Henrnker.
Berlin, 15. Juni. General Höfer weilte heute vormittag in Oppeln zwecks Verhandlungen mit General Henniker.
Generalstreik?
Oppeln, 15. Juni. Heute früh ist der Generalstreik für Oberschlesien erklärt worden als Einspruch gegen die Haltung Leronds bei den Verhandlungen mit dem Zwölferausschuß über die Zurückziehung des SelbsLutzes. (Köln. Zeitg.)
Abgeordneter Bias wieder freigesprochen.
Der von den Insurgenten verschleppte Reichstags- abgeordnete Bias ist nach einer Meldung des „Vorwärts" naä) drei Tagen H<Ht wieder sreige- lassen worden.
Nachlassen der KampftStigkekt.
Oppeln, 15. Juni. Nach Verhandlungen, die heute nachmittag stattgefunden haben, stellte General Höfer dem General Hennicker die Ortschaften östlich der Linie 1,3 Kilometer nordwestlich Dollna—Annahof— Westrand Lichinia—Ostrand Kuschnitzka zur Unterbringung englischer Truppen für die Muberungs- aktion zur Verfügung.
Die Kamp ft ätig keil der polnischen Insurgenten hat wesentlich nachgelassen. Im Kreise Rosenberg griffen polnische Bande» eine Höhe bei Jastrzigowitz ohne Erfolg an. Kleinere Vorstöße in der Gegend Bruskau—Zembowitz scheiterten ebenfalls. Der Bahnhof und die Eisenbahnhauptwerkstatt in Gleiwitz wurden gestern früh von Matthesdorf durch einen polnischen Panzerzng der mit 200 Insurgenten besetzt war, angegriffen. Der örtliche Selbstschutz in Gleiwitz umzingelte die Insurgenten und nahm 69 Mann gefangen. Die Insurgenten mürben den italienischen Truppen übergeben.
Im Kreise Ratibor schwache Kampftätigkeit der Polen bei Zarnada und Schimischow. Die Insurgenten haben ihre Rückwärtsbewegung gegenüber der Stadt Ratibor weiter fortgesetzt. Jedoch sind hier, wie auch nn nördlichen Teil des Kreises Groß-Strehlitz polnische Banden zurückgeblieben, die in den geräumten Ortschaften ihr Unwesen treiben. Es ist festgestellt, daß die Insurgenten in Waldstücken östlich Ratibor große Mengen Waffen begraben haben.
Polnische Unmenschlichkeit.
Mislowitz, 15. Juni. In der Nacht zum 7. Juni ist einer der angesehensten Bürger der Buchdruckereibesitzer Rolle von den polnischen Insurgenten grausam ermordet Wochen. Er mürbe auf die grundlose Verdächtigung zweier polnischer Mädchen hin, mit seinem Faktor Kott nach dem Ewaldschacht, einet als Prügelstation und Folterkammer bekannte» Stelle geschleppt. Während es Kott gelang mit dem Leben davon zu kommen, erlag Rolle den furchtbaren Mißhandlungen und Martern, deren er während der Nacht ausgesetzt war. Seine Leiche fand man am 7. Juni in einem Tümpel in der Nähe dec Mordstelle, wohin er in der Nacht geschleppt worden war. Die von verschiedenen Seiten während des Nachmittags angestellten Bemühungen, den Bürgermeister Dr. Radwainiski und den polnischen Stadtkommandanten Blacha zur Rettung Rolles zu veranlassen, blieben erfolglos. Erst am 9.6. fuhr der Bürgermeister mit dem Sohn des Ermordeten nach Schoppinitz, wo man den Fall zur Kenntnis gab. Bei dieser Kundgebung hatte es sein Bewenden. ■ ' - - >■- : - . • • •-
Die Bewegung im bolschewistischen Fahrwasser.
Nach einer Meldung des „Berl. Tagebl." aus Beuthen liegen dckrt Nachrichten auS den Landgemeinden vor, die besagen, daß die nationalistische Jnsurgentenbewegung immer mehr in bolschewistisches Fahrwasser gerät. Sogar Korfanty trägt diesem Umstande Rechnung und erklärt in seinem Blatte „SBegtoeifet", daß der Aufstand nicht nur nationalen, sondern auch polittsch-revolu- tionären Charakter habe. Der Kampf gelte vornehmlich den preußischen Grv Industriellen, den Großagrariern und den Verwaltungsbehörden.
3« den Ausschreitungen in Ostrowo.
Berlin, 15. Juni. Im Anschluß an die Schritte des deuffchen KvnsulS tn Posen wegen des Deutscheupogroms in Ostrowo am 8.Juni wurde am 11. Juni nachstehendeWarnungder Wojwodschaft in Posen veröffentlicht.
Die hiesige Bevölkerung ist infolge der massenhaften Landesverweisungen von Polen aus Deutschland beun- rnhigt u* anläßlich der Scharen der zurückkehrenden obdachlosen Flüchtlinge hat fte die Parole der Rache «sgegeben, die bezweckt, die hiesigen Bewohner deutscher Nationalität zu zwingen, Polens Grenzen zu verlassen. Ich halte es für meine Pflicht, auf die Ungesetzlichkeit solcher eigenmächtigen Handlungen aufmerksam zu machen, umsomehr, da die Gefahr vorliegt, daß verbrecherische Elemente solche Vorgänge zu Raub und Plünderungen ausnutzen könnten. Ich rufe alle Bürger auf, die Vorschriften de? Gesetzes und die Ordnung aufrechtzuerhalten und Einflüsterungen kein Gehör zu geben, die oft dahin hinausgehen, dem polnischen Reiche unmittelbar zu schaden. Der Wvjwod gez. t B Dr. Hempowiz.
Hierzu ist zu bemerken, daß die einleitenden Worte eher geeignet sind, aufreizend als beruhigend zu wirken. Eine polnische Behörde sollte nicht öffentlich von maffenhaften Landesausweisungen der Polen aus Deutschland und Scharen der Flüchtlinge sprechen, wenn durch amtliche Feststellungen bereits klargelegt ist, daß derartige Behauptungen falsch sind. Offenbar sollen damit nur die unverantwortlichen Deutschen-Verfolgungen in Ostrowo verschleiert werden. Demgegenüber ist darauf hinzuweisen, daß seit Abtretung des deutschen Teilgebietes an Polen fast eine halbe Million Deutscher unter dem Zwang der unerttäglich gewordenen Lebensbedingungen nach Deutschland zurückgekehrt sind, während mehr als 60 000 der in Deutschland lebenden Polen nach wie vor unbehelligt unter dem Schutz der deutschen Gesetze leben. Zum Schluß sei noch darauf hingewiesen, daß sich die Verfolgung nicht nur auf Deutsche und Juden, sondern sogar schon auf Evangelische polnischer Zunge erstreckt. Es steht zu hoffen, daß die polnische Regierung sich der Gefahr betrugt wird, die in einer weiteren Ausdehnung dieser Vorkommnisse Legen dürste.
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M MMkW dtt WZlllWf.
3» den Wiesbadener Besprechungen.
Paris, 15. Juni. Zu den Verhandlungen zwischen R a t h e n a n und L o u ch e u r berichtet Havas noch, nach dem Eindruck in Paris und den aus Berlin eingegangenen Informationen scheine es, daß der Eindruck aber die ersten erjirften Ergebnisse sowohl auf französischer wie auf deutscher Seite sehr günstig sei. In den Wandelgängen der Kammer habe man sich auch sehr eifrig über die Wiesbadener Besprechungen unterhalten und die Abgeordneten hätten fast einstimmig die Initiative der Regierung gebilligt und sähen darin ein Anzeichen für eine PolitikderRealisation, die.Briand zu feinem Programm gemacht habe.
Paris, 15. Juni. Die „Ch i c a g o T rib » nc" .erttärt, daß bei den Wiesbadener Verhandlungen der Keim gelegt worden sei für künftige unmittelbare und unabhängige Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich ohne Einmischung Großbritanniens, Bel- gifuS und Japans. Die Zusammenkunft bedeute einen großen Sieg für eine mächtige französische Gruppe, der eine Anzahl reicher Fabrikanten angehöre, nach deren Ansicht Frankreich, da es der größte Gläubiger Deutschlands sei, freie Hand haben müsse, mit Deutschland, ohne durch internationale Erwägungen behindert zti sein, in größtem und einträglichstem Maßstabe Geschäfte abzuschließeu. Nach dem Blatte sind in Wiesbaden besprochen worden 1. vas Ersuchen des Ministers Raihenau, daß Deutschland Kolonisation und Ausbeutung in Rußland zugestanden werde, 2. der Ersatz der 26prozent ig e n Abgabe durch eine niedrigere Abgabe, etwa 1 oder 2 Prozent aus den gesamten deutschen Handel, sowohl den Innenhandel als auch den Außenhandel. Loncheur habe seiner Bereitschaft Ausdruck gegeben,' diese beiden Anregungen zu prüfen, ohne der Entscheidung der französischen Regierung vorzugreifen. Was die Haltung der französischen Regierung anlange, so gehe sie dahin, daß die Exportabgabe lediglich den Zweck haben soll, an dem Wohlstand Deutschlands sich einen Anteil zu sichern, daß deshalb kein Grund bestehe, sie nicht von dem gesamten deutschen Geschäft, anstatt von dem Außenhandel allein zu erheben, vorausgesetzt, daß insgesamt dasselbe Ergebnis zustande Jomme.
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Paris, 15. Juni. Die Reparations- k o m m i s s i o n teilt mit, datz die deutsche Regierung demnächst' eine G es a m t schnld-
schreibung über 12 Milliarden Gold- mar k überreichen werde. Die Schuldverschreibung soll später in Obligationen eingeteilt werden. Die deutsche Regierung soll ferner an die strenge Ein- Haltung der Holzlieferungen erinnert werden. Bv zum 28. September d. I. habe Deutschland 960 000 Kubikmeter Holz zu liefern.
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Misch« Mchriir.
Um die Aufhebung der Zwangswirtschaft.
114. Sitzung vom 15. Juni, nach«. 2 U h r.
Zu Beginn der Sitzung wirb der Entwurf über die Abänderung des Wehrgesetzes in allen drei Lesungen angenommen. Dann setzte das Haus die Beratungen des Gesetzentwurfs über den Verkehr mit Brotgetreide fort.
Abg. Bornefeld (Ztr.) betont, baß eS notwendig sei, die freie Wirtschaft einzuführen, denn nicht nur die Landwirte, sondern auch die Verbraucher wünschten eS. Da aber die Reichsvegirrnng erklärt habe, daß wir noch nicht sofort zur freien Mrtschast übergehen könnten, sei seine Partei damit einverstanden, daß die Umlage ein* geführt werde, vorausgesetzt, daß bte Tonnenzahl auf 2,5 Millionen herabgesetzt werde.
Abg. Dusche (D. Bpt.) tritt auch heute wieder f 11 die freie Bewirtschaftung ein, gerade weil die Förderung gehoben werden soll. Redner führt an, daß die Preise sinken werden, gerade tote bei der Butter und dem Fleisch, zumal weil bann kein Betreibe mehr durch unsachgemäße Beharchlung unbrauchbar gemacht werde. Redner wendet sich dann gegen dir Verhetzung der landwirtschaftlichen Arbeiter, statt daß man ihnen klar mache,, daß in der Landwirtschaft der Achtstundentag nicht immer durchgeführt werden könne, besonders mit Rücksicht auf die Aufgaben, die das Ultimatum an uns stM.
In längeren Ausführungen wendet sich der Abg. Her» sUnabh.) gegen di« Einführung der freie« Wirtschaft, sowie auch gegen das Umlagever». fahren, wenn es nicht in seiner ursprünglichen Form' verabschiedet werden sollte. Redner wirst den Landwirte« vor, daß sie das Jntercffe der Allgemeinheit ja doch nicht im Auge hätten, sondern nur höhere Preise für ihre Erzeugnisse erzielen wollten. Die Agrarier gingen darauf aus. den Export ans dem Auslände zu unterbinden, aber nicht nur für das Getreide, sondern auch für Fleisch, und sie gingen habet Hand in Hand mit ben Zuckervrodnzentetj die die Einfuhr von ausländischem Zucker auch nicht dulde» wollten. Wenn die Rechte immer betonte, daß dir Landwirte während des Krieges immer redlich ihre Verpslichtun* gen erfüllt hätten, fo hätten sie heute das Umlageverfahren ja garnicht zu fürchten.
Abg. Dr. Böhme (Dem.) ist der Ansicht, daß die Landwirte auch jetzt ihre Pflicht erfüllen werden und Betont, daß fern Staub sich kn einer so schwierigen Lage be- sinde, wie gerade der 2anhmannitanb. Redner erklärt, daß seine Partei, da sich in der Komnnsston gezeigt habe, daß die Regierungsvorlage angenommen werde, für die Vorlage stimmen werde, aber unter der Voraussetzung, daß Hörten möglichst vermieden werden, und daß die lleinen Landwirte mögüchst verschont bleiben, besonders die Vieh-. Halter.
Das Haus vertagt darauf nach längerer Geschäfts- orbnung8be6atte die Weiterberatung auf Donnerstag Nachmittag 2 Uhr: Außerdem Gesetz über die Verlängerung des Kvhlensteuergesetzes.
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Dem Reichstag kfi ein Gesetzentwurf zugcgangen, der die Herstellung und die Einfuhr von Luftfahrzeugen und Motoren sowie von Teilen derselben bis ans weiteres verbietet. Die Aushebung des Verbotes faun nnr durch Verordnung der Reichs* regieruttg erfolgen. Das Gesetz ist durch die im Ultimatum übernommenen Verpflichtungen erforderlich geworden. * ;
. Berlin, 15. Juni. Das Körperschaft-- steuergesetz wirt» dem Reichstag durch den Reichswirtschaftsrat zugchen, nachdem es gestern im Kabinett verabschiedet wurde. Weitere Steuergesetze werden im Lause dieser Woche vom Kabinett verabschiedet.
Berlin, 15. Juni. Der Reichstagsausschutz beriet heute das Auslandsschädengesetz. In der Debatte wurde für die Gleichstellung der Ausländsdeutschen mit den aus ben abgetretenen Gebieten und den Kolonien vertriebenen Reichsangehörigen eingetreten. Die Anträge wurden dem Ausschuh überwiesen.
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NMWk MW.
2 8. Sitzung vom 15. Juni, mittags 12 Uhr.
Der Etat des Jnstizmi nisters.
Arbeitergcrichte. — Keine Ausdehnung des Uni» verfitätssiudiums.
Einem Antrag des GeschästsordnnngSausschusses ent* sprechend wird debattelos die Einstellung der Strafverfahren gegen die Abgeordneten Rabold (Unabh.), Buchhorn (D. Vpt.) wnb Abg. Frau Ege (Soz.) beschlossen.
Gleichfalls ohne Aussprache wird die Novelle deS Berggesetzes dem Ausschuß für Handel und Gewerbe, der Gesetz:ictwurs über dir Delegatur für bee Erz-