Anzeiger für (das früher kurhefsifche) Oberheffen
stk. 135
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Sie skWöM'psUche Lemmiligm AnILIeßM.
Oppeln, 11. Juni. EnglischeTruppen haben mehrere Orte bei Ujest besetzt. Tie Kampf- tSLigkeit W Polen hat heute wieder zugenommen. Im Kreise Rosenberg scheiterte bei Wachowitz ein von polnischer Kavallerie unternommener Angriff unter schweren Verlusten der Insurgenten. Im Kreise Oppeln wurde eine deutsche Postierung von 5 Mann von Aufrührern überfallen. 2 Mann wurden verschleppt, die übrigen 3 würben als verstümmelte Leichen aufgefnnden. Im Kreise Groß-Strehlitz ist in der Gegend von Stubendorf ein polnischer An- gri ff im Gange, lieber seinen Verlauf liegen noch keine Nachrichten vor. Im Kreise Ratibor herrscht an der Oderlinie lebhafteFenertStigkeit. Bei Kiebodfcha« vordringende Insurgenten wurden zurück- gewiesen. Ebenso scheiterten polnische Vorstöße bei Plania.
Beuthen, 11. Juni. Gestern Abend besetzten etwa 100 Insurgenten das Eisenbahnbetriebs- und Eisenbahn Verkehrsamt in der Gartenstraße. Die anivesendcn Beamten mutzten sich eine scharfe Durchsuch- nach Waffen gefallen lassen. Die im Betriebsame Horh.tudene Kasse konnte durch die Umsicht eines Beamten tzerclici werden. Eine Abteilung Franzosen vertrieb' die Insurgenten aus dem Gebäude mit dem Hinweis darauf, daß erst Verhandlungen mit der Beiatzungsbeböroe -epilogen werden mutzten. Nach dem Abzüge der Franzosen besetzten die Insurgenten von neuem das Gebäude «nd zwar, wie sie erklärten, mit Genehmigung des Generals Lecomte-Denis. Später besetzten etwa 80 Insurgenten auch das Eisenbahiimaschtnenamt.
Kattowitz, 11. Juni. Bon den Aufständischen And, wie einwandfrei festgestellt ist, mehrere tzspschütze pnd Minenwerfer ausgebaut worden. Tas Ausheben fern Schützengräben im Südpark dauert an. «ßm Etadtteil Bogutschütz steht ein Panzerauto, das nach allen Seiten Patrouillendienst wahrnimmt. Die Banditen setzten die letzte Nacht ihre Einbrüche und Plünderungen bei Geschäftsleuten und Bürgern fort. Die Insurgenten erheben Fahrpreise nach einem neuen verteuerten Tarif. Seit gestern werden auch Monatskartei' ausgegeben.
Oppeln, 11. Juni. Die Notschreie ber Stabte des Jnbnstriebezirkes werocn immer dringender. Sie fordern Las unverzügliche Einschreiten der englische« Truppen, weil sie vielleicht schon in den Nächsten Stunden der Brutalität und den verbrecherischen Gelüsten der Insurgenten schutzlos ausgeliesert werden. In Glriwitz herrscht nach dem Eintreffen der englischen und italienischen Truppen Ruhe und Ordnung. Eitglische Truppen passierten am 9. Juni mittags auf 33 Lastautos Malapane in der Richtung aus Slanitz. Man kann daraus schließen, daß die Engländer mit größeren Kräften im Vormarsch begriffen sind.
Berlin, 12. Juni. Ratibor und Plania bei Ratibor wurden heute von den Polen beschossen. Birawa Wurde von den Franzosen besetzt. Zwischen Kandrzin und Mednrhülte machten die Polen einen starken Fener- üd er fall. Die Gegend nördlich von Rosenberg wurde von den Polen geräumt. Aus Zembowitz machten die Voten vier Angriffe. B o z i t s ch wurde von den Polen besetzt. Die Brücke bei Lapatfch' wurde von den Polen gesprengt. Von Beniowitz bis zur Grenze Schauz- 1^! igi.lt der Polen.
Terror oder die „polnische Gesinnung Oberschlesiens."
Kattowitz, 11. Juni. In Städten und Dörfern des von Insurgenten besetzten Gebietes wecken die Bewohner durch Aickrohung schwerer Strafen gezwungen, die polnische weiß-rote Flagge »u hissen. Sind die Straßen daun geflaggt, so erscheine» Photographen, um Aufnahmen zu machen, die dem Auslande und den neutralen Pressevertretern als Bewe.is für die polnische Gesinnung Oberschlesiens die »e n s o l l e n. So prangen Vismarckhütte und Zalenzc seit den letzten Tagen in weiß-roten Farben. Beioe Orte ergaben bei der Abstimmung eine große deutsche Mehrheit. Es ist eine Verordnung ergangen, die in wortgetreuer Urbersetzung lautet: * 1
Es wird hiermit verordnet, daß alle Aufschriften und Firmenschilder der Kauflente, die in deutscher Sprache geschrieben sind, bis 27. Juni in polnische nmgcändert wecken müssen. Tas ist zu tun auf rotem Untergrund mit weißer Aufschrift. Eßer sich dieser obigen Verordnung widersetzt, wird bestrast mit 2000 bis 10 000 Mark Geldstrafe oder drei Monaten Gefängnis.
N e u d o r f, 8. Juni.
(gez.) Wackawezk, Platzkommandant.
Einbrüche. — NMtdereien.— Schwarze Listen.
Kattowitz, 11. Juni. Tie „Obctschle -- fische M o r g e n ze i t u ng" in Kattowitz wurde Neuerdings auf 8 Tage verboten, angeblich wegen einet unrichtigen Nachricht über die Zurückziehung Nw Bcsatzungstrnppeu. Tic Einbrüche unb,
Räubereien in ber Stadt nehmen von Tag zu Tag einen größeren Umfang an. So wurden eine Fleischerei und das Gasthaus Germania von Banditen heimgesucht, die sich gewaltsam Eintritt verschafften und alles mitnahmen, was an Eß- und Trinkwaren und Wertsachen vorhanden war. Außeckem erbeuteten sie etwa 20000 Mark. Ein französischer Wachposten befand sich kaum 50 Schritt vom Tatort entfernt. Bei polnischen Insurgenten fand man jüngst sogenannte schwarze Listen, die die Namen von Deutschen enthalten, die sich irgendwie für die deutsche Sache eingesetzt haben. Bei den Namen ist neben der genauen Personenbeschreibung noch in einer Sonderrilbrik das Vergehen der einzelnen aufgeführt.
Hallersoldate«.
T a r n o w i tz, 11. Juni. Das Fern sp rech amt Tarnowitz ist von Haltersoldaten, und zwar einem Offizier und 8 Mann besetzt, die den Fernsprechverkehr streng überwachen und jede Verbindung nach außerhalb verhindern. Die ersten Nachrichten über Mißhandlungen der Deutschen bestätigen sich. Etwa 200 Deutsch« wurden festgenommen und teils sehr schwer mißhandelt. Einzelheiten find bisher nicht zu erhalten.
Rekrutterungslisten.
Laurahütte, 11. Juni. Die Behörden der Insurgenten stellten der Gemeinde ein Ultimatum, daß sie bis 10. Juni eine Liste aller dienstfähigen Leute der Jahrgänge 1892 bis 1901 einzureichen habe
Beuthen, 11. Juni. Eine Verfügung der obersten Leitung der Insurgenten an alle Gemrindevorfländ« des von den Insurgenten besetzten Gebiets otönet die sofortige Anlegung von Rekrutierungslisten der Jahrgänge 1892 bis 1901 au.
/ „ Polnisch« SchuUwfv-ml :T i ,
Reuthen, 11. Juni. Wie sehr sich die Regierung der Insurgenten um die Oberhoheit der Interalliierten Kommission in Oppeln kümmert und der Entente zum Hohn darauf los regiert, zeigt die Tatsache, daß sie jetzt die Schulreform in Angriff genommen hat. Aus einer in dieser Richtung ergangenen Anordnung ist folgendes bemerkenswert: Der polnische Schulunterricht soll erweitert werden, deutsche Eltern, die deutschen Unterricht für ihre Kinder wünschen, müssen dies sofort dem Schulleiter anzcigen, andernfalls nehmen die Kinder ohne weiteres am polnischen und deutschen Unterricht teil. Es soll ein rein polnisches und ein rein deutsches Schulsystem eingerichtet werden. Ter polnische Sprachunterricht hat )ie Stelle des deutschen einzunehmen. Es wird eine neue Fibel ecngeführt, neue Lesebücher sind in Vorbereitung. Deutsche Kinder, die sich zum polnischen Unterricht melden, erhalten den Religionsunterricht in deutscher Sprache. Deutsch-preußische Geschichte ist verboten. Dafür teilt sofort die Geschichte Oberschlesiens und im Zusammenhang damit polnische Geschichte. Die Schulaufsicht führt der gegenwärtige Schulbeirat. Zu dieser Anorünung sinö noch einige Sonderbestimmungen ergangen, wodurch die alte Schulbehörde als abgesetzt und die rreußischen Ver- Tilgungen als ungültig erklärt werden. Jeder zweisprachliche Lehrer darf sich im Verkehr mit den Schülern nur der polnischen Sprache bedienen. Die Lehrer, die sich den Anordnungen nicht fügen, werden sofort entlassen.
Versprechungen der interalliierten Kommission.
Oppeln, 12. Juni. Bei den Verhandlungen mit General Höfer versicherte die Interalliierte Kommis-sion wiederholt auf das Bestimmteste, daß sie den Insurgenten jede Kampfhandlung untersagen werde. Wie sehr der deutsche Selbstschutz recht hatte, als er diesen Versprechungen Le Ronds mit großem Mißtrauen gcgenüberstand, wird durch das weitere Verhalten der Insurgenten bewiesen. Diese entwickelten heute an der ganzen Kampflinie eine lebhafte Tätigkeit. Auch hinter der Front wurden Bewegungen beobachtet, die keineswegs auf eine Einstellung der Kampftätigkeit oder gar auf Ruhe Hinweisen. Allein Ratibor—Plania wurde nachmittags durch die Polen mit 32 Artillerieschuß belegt. Mehrere Ortschaften, die der deutsche Selbstschutz auf Aufforderung der Interalliierten Kommission für Ententetruppen freigemacht hatte, wurden heute von den Polen erneut besetzt. Diese Tatsache bestätigt, daß die gegenwärtig von der Interalliierten Kommission den Insurgenten gegenüber getroffenen Maßnahmen nicht geeignet und ausreichend sind, um den Insurgenten ein Paroli zu bieten.
Dr. Urbanek über die trostlosen Zustände.
Berlin, 11. Juni. Dee deutsche Plebiszitkommissar für Lberschlesien, Dr. Urbanek, führt im „Berliner Tageblatt" in einem „Ein Notschrei" überschriebenen Aussatz ans: Arn 3.5. versprach die interalliierte Kommission in kürzester Frist die Wiederherstellung der Ordnung zu sichern. Seitdem sind bald sechs Wochen verflossen. Wir erhalten täglich herzzerreißende Berichte über die unglaublichen, immer trostloser weckenden Zustände. Allein aus der Gemeinde Hindenburg, deren Kern immer noch von den Behörden der interalliierten Kommission gehakten wird, sind über 460 Personen von den Polen lv e g g c s ü h r t werden. Die L e i d e n der Deutschen sind unsäglich. Das blüSnde Land ivanlt de» Ruin entgegen. Das schlimmste sind die politischen,
Gefahren der enbfofen Verzögerung. Diese Verzögerung ist eine verewigt« Provokation der Deutschen. Die Bürger, bie ihre Heimstätten mit dem eigenen Leben zu verteidigen bereit sind, werden hierzu nicht zugelassen. Die Bildung von Bürgerwehren, die in loyaler Weise wiederholl angeboten wucke, ist untersagt. In ber Stadt Beuthen befinden sich etwa 70 Ab- stimrnungspolizisten, bie während der Insurrektion treu ausgeharrt und ihren Posten nicht verlassen haben. Es scheint eine Selbstverständlichkeit zu fein, daß diese ausgebildeten Mannschaften in den Schutz der Stadt eingestellt wecken. Der französische General Leconte-Denis läßt die- nicht zu. Aber die Wohnungen der Deutschen wecken rigoros nach Waffen durchsucht. In den letzten Tagen des Mai wurde eine große Anzahl von Deutschen in Beuthen grundlos inhaftiert. Wir besitzen Protokolle von einer Anzahl von ihnen, die vom französischen Soldaten durch Fan st sch läge, Fußtritte und Schläge mit der Reitpeitsche malträtiert wurden. In Beuthen, Kattowitz und anderen. Orten ist es wickerholt passiert, daß, sobald sich Menschenmassen dichter zusammenfanden, sie mit Kolbenstoßen und durch Schüsse, selbst mit Maschinengewehrseuer auseinander gejagt wucken. Unwürdigkeit, Schmach und Verrat allenthalben. Es ist daS ständige ernste Bemühen aller verantwortlichen deutschen Stellen, den gequälten Deutschen Zurückhaltung und äußerste Disziplin aufzuerlegen. Aber man bewahre unser Volk vor der letzten Verzweiflung! Die Repräsentanten der drei Schutzmächte haben bie stärkste Form gefunben, um dem General v. Höfer Zurückhaltung seiner Truppen aufzuerlegen, von Truppen, die zum großen Teile aus vertriebenen Deutschen des Industriegebiets bestehen, die daraus brennen, ihre Heimstätten zurückzugewinnen. Die englischen Bataillone sind in prächtiger Haltung, mit wundervoller technischer Ausrüstung in Oberschleften eingetroffen. Tie Deuffchen hoffen und harren, daß General Henniker losschlägt. Aber der täglich erwartete Streich ist noch nicht geführt. Das Wort von ber paritätischen Polizei in. Korfantys Flugblatt dürste der Schlüssel sein zu dem „Dekret" der interalliierten Kommission vom 29. Mai 1921 über bie Einrichtung der „Ortswehr" (garde com- munale). Die deutsch gesinnte Bevölkerung Oberschic- schlesiens legt gegen dieses Dekret schärfste Verwahrung ein. Die Ortswehren sollen nichts anderes sein als Vie Kiönung des Aufstandes, als bie Verewigung ber Ergebnisse der Rebellion. Es gibt im weiten Snnbe keine Autorität außer der bewaffneten Faust der Empörer.
Wir vergewaltigten Oberschlesier erbitten die Aufmerksamkeit der Welt für den .Hohn, der unter klingendem Namen mit uns getrieben wirb. Zu Hunderten sind Personen, bie an dem Augustaufstande 1920 blutigen Anteil genommen haben, in die Abstirnrnungspolizei ausgenommen worden. Eine ganze Anzahl von überführten Mördern haben die Ehre gehabt, Mitglied der Abstimmungs- polizei zu werden. Vom ersten bis zum letzten Mann sind die polnischen AhftimmungSpolizisten in der Nacht vom 2. zum 3. Mai in den Dienst der Insurrektion getreten. Die deutschen Apos aber, die allein, dem geschworenen Eide getreu, ihren Posten und das Prestige ber "interalliierten Kommission verteidigt haben, wurden von ihren polnischen Kammeraden entwassnet, ermorbet ober verschleppt.
Wir rufen zum Schuh gegen bie Ko mmunalgardiste« l
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Der Generalstreik.
wb. M ü n ch e n, 11. Juni. Der wegen der Ermordung des Abgeordneten Gareis gestern Abeckd beschlossene General ft reif für München, in den auch die Straßenbahn mit einbezogen ist, hat seine Wirkung dadurch verloren, daß es zu keinem geschlossenen allgemeinen
Streik gekommen ist. Es ruhen nur die großen Betriebe, während die mittleren und kleinen Betriebe arbeiten. Die Straßenbahn fahrt nur mit freiwilligen Leuten in beschränktem Umfang. Eisenbahn, Post, Elektrizitäts-, Gas- und Wasier- fraftwerfe sind im Betrieb. Zu irgendwelchen Zusammenstößen von Arbeitswilligen mit Streifenden ist es bisher nicht gekommen. Eine für heute nachmittag einberufene Versammlung, in der der Abgeordnete Auer sprechen sollte, wurde verboten. Infolge des Streiks sind die Polizeiwehr und die Reichswehr in erhöhter Bereitschaft. Die bürgerlichen Blätter erscheinen nicht, dagegen vereinzelt die linksstehenden Blätter. Ein Extrablatt des unabhängigen Organs „Der Kampf", das gestern Nachmittag erschien, ist wegen seines aufreizenden Inhalts beschlagnahmt worden. Auch in Augsburg wurde heule von den Links-Parteien wegen der Ermordung des Abgeordneten Eareis der Generalstreik proklamiert, der von heute vormittag 11 Uhr bis Montag um Mitternacht dauern soll. Zur Zeit findet im Staatsministerium ein Ministerrat statt. Von dem Mörder des Abgeordneten hat man bis jetzt noch kein.. Spur.
wb. München, 11. Juni. Das heutige Extrablatt der „M ü n ch e n e r Po st" wurde wegen seiner Aufforderung zum Generalstreik der lebenswichtigen Betriebe beschlagnahmt, außerdem wurde die unabhängige Zeitung „D c r Kamp j" ist» auf weiteres verboten.
wb. München, 11. Juni. Nach der „Münch. Post" soll der Generalstreik auch auf die lebenswichtigen Betriebe ausgedehnt werden; nur die drin-, gendste Nothilfsarbeit soll verrichtet werden. In den Krankenanstalten wird der Notbetrieb durchgeführt.
Der Münchener Stadtrat trat heute zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, in der die Fraktion der bayerischen Volkspartei und der Demokraten den Generalstreik für ungerechtfertigt erklärten und entschieden mißbilligten. Darauf verließen die bürgerlichen Mitglieder des Stadtrats den Sitzungssaal. Die sozialdemokratischen Fraktionen beantragten, beim Direktorium des Landtages eine Reihe Forderungen, wie die Durchführung der Reichs- und Landesverfassung, ein tatkräftiges Einschreiten gegen jede Rechtsverletzung, Aufhebung des Ausnahmezustandes ufro. vorzulegen. Wegen der Bc- fchlußunfähigkeit de, Haufe, konnte ein Beschluß nicht gefaßt werden, die sozialistische Stadlratsmehrheit des Hauses beschloß jedoch, diese Forderungen als Kundgebung dem Landtag zuzuleiten. Die sozialistischen Organisationen fordern in der Münchener Post die gesamte Arbeiterschaft Bayerns auf, dem Beispiele der Münchener Arbeiter zu folgen und allerorts den Generalstreik durchzuführen.
München, 12. Juni. Der Generalstreik hat bis Sonntag keine bcfonbere Ausdehnung erfahren. Die Straßenbahn und auch die Eisenbahnwerkstätten arbeiten. Doch toitb dort andauernd zum Streik gedrängt. Bis (Sonntag mittag war weder der Möcker des GareiS verhaftet, noch eine Spur enckcckt. Me Gerücht« über Festnahmen und sonstige- sind falsch. Am Sonntag wucke ein Flugblatt beschlagnahmt, in dem zu einer gemeinsamen Kundgebung in 7 "großen Sälen Münchens zu Montag eingeladen Hhtrtx. Eiwaren mit dem Programm bet Leichenfeier, wonach ein Umzug von bet Therefienwiese nach btm Ost- stick geplant wat, versehen. Versammlungen in* Umzug wurden durch die Polizeibehöcke verboten. Di, Gerüchte von einer Koinmunistenjchießerei im Nord- viertel am Sonntag früh sind falsch. Die Fraktion der Bayer. 211 Volkspattei hat an die Fraktion bei U. S. P. ein Schreiben gerichtet, in ^betn sie ihren Abscheu über ben Meuchelmock ausbrückt. Dir voW Streik betroffenen bürgerlichen Blatter haben heut« ein gemeinsames Nachrichtenblatt herausgegeben, bai eine Uebcrficht ber wichtigsten Tagesereignisse bringt
München, 13. Juni. Der Staatskommissar für die öffentliche Ruhe und <Acherheft in Stabt und Laub« Polizeipräsident Pöhner, hat alle für Montag von bm sozialistischen Organisationen zu Kundgebungen einbaufe» neu Versammlungen und den geplanten Umzug verboten und zwar unter Warnung ber Bevölkerung nnb bet Er-i llärung, daß Zuwiberhandlungen mit allen Mitteln unter* brückt würben.
- Interpellation Nr U.S.P.
wb. $er Ii n, 12. Juni. Die Reichstags« ftaktion der unabhängigen sozial« demokratischen Partei brachte eine Inter« pellation ein, in der es u. a. heißt: „Was gedenkt die Regierung zu tun 1. um eine ausgiebige Sühn« für die Ermordung des Abgeordneten Eareis zu: bewirken, 2. die der Sicherheit Deutschlands im Innern und Aeußern gefahrbringenden Einwohnerwehren und Orgefchformationen zur sofortigen Auf-^ Hebung zu bringen und ihre Entwaffnung zu sichern, 3. in Bayern verfassungsmäßige Zustände herbeizuführen durch Beseitigung des Ausnahmezustandes und der Volksgerichte. Was gedenkt sie 4. zu tun, um die verfassungswidrigen, allen reaktionären Umtrieben in Bayern Vorschub leistende Kahr-Re- gietung daran zu hindern, weiteres Unheil anzu- richten." ___
Italien.
Thronrede bei Eröffnung des Parlaments.
wb. Rom, 11. Juni. In feiner Thronrede bei der Eröffnung des Parlaments begrüßte der König die Vertreter der zurückgewonnenen Gebiete. Er fügte hinzu, daß Italiens äußere Politik sich in loyaler Weise bemühen wird, die Gegensätze und Leidenschaften der Interessen zu mildern, in stetem Streben nach Aufschwung des italienischen Volkes, das in dem Bewußtsein seiner moralischen Gesundheit und Stärke erkennt, daß es nut auf den geraden und sicheren Pfaden eines wahrhaften Friedens, die es in frei gewähltem Entschluß beschritten hat, Gedeihen finden wird, auf das ihm feine bin-, tigen Opfer von gestern und seine zähe Arbeit von morgen ein Anrecht geben.
wb. Rom, 12. Juni. In der Thronrede bei Erössnung des Parlaments mies der König weitet darauf hin, daß es darauf ankomme, bie öffentliches Finanzen wieder aufzurichten, sowie Beamtentum, Armee und Marine zu reorganisieren. Gefördert werde» müsse einejn. weiser Selbstzucht geleistet«