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Amtliches Derkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurheUche) Oberhessen

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Die ^Oberhesftsche Zeituns' erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 4.25 Mk., durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr. Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. Verlag von Dr. E. Hitzeroth. Druck der llniv.-Buchdruckerei von Joh.Aug. Koch, Markt 21,23 Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg MM, 6« 30. M

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,Mtiot MskNiMbW für MMsien in Aerlm. - Eine Dreiteilung LbWlefiess?

Berlin, 29. Mai. Die Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier veranstalteten am Sonn­tag nachmittag im Lustgarten eine fast beispiellose Kundgebung, an der über 100000 Frauen und Männer teilnahmen und die sich gegen die polnische Willkürherrschaft und die Tatenlosigkeit der Ver­bündeten richtet. Von sechs verschiedenen Ver­sammlungsplätzen marschierten unter den Klängen vaterländischer Lieder und Märsche mit weingelben Fahnen und zahlreichen Schildern mit Inschriften ungeheure Scharen Kommunisten und Deutschnatio­nale, Unabhängige und Angehörige des Zentrums einträchtig nebeneinander ihrem Ziel entgegen, ein wahrhaft erhebendes Bild! Redner aller Par­teien, Gewerkschaftsführer aus Breslau, Kattowitz und Oppeln, aberschlesische Kommunisten, sie alle sprachen im Lustgarten allein von 40 verschiedenen Stellen, und alle waren einig in der Verurteilung der polnischen Greuel und der Haltung der Entente. Der Andrang war so ungeheuerlich, daß auch am Nationaldenkmal und auf dem Schloßplatz weitere Redner sprechen mutzten. Flugzeuge kreisten während dessen über den Straßen und warfen Flugblätter ab. Besonders bemerkenswert waren die Ausführungen des Vertreters der kom­munistischen Partei von Kattowitz Dr. Weinberg. Er sagte u. a.: In Oberschlesien herrscht Mord, Vergewaltigung und Totschlag. Der Pole herrscht im Vertrauen auf die französische Bundesbrüderschaft in der fürchterlichsten und un­menschlichsten Weise. In uns allen aber -lebt die Hoffnung, daß es nicht so bleibe« könne. Einst kommen wird der Tag, an dem wir das Joch der Fremdherrschaft abschütteln, und haben wir keine Waffen, so werden wir deutschen Arbeiter zeigen, daß wir noch Mark genug in den Knochen haben, um uns von der Tyrannei un­serer Gegner zu befreien. Wir Ober­schlesier fagen ohne Unterschied der Partei: wir sind Deutsche, wir wol­le» bei Deutschland bleiben.

In der * angenommenen Entschließung heißt es: Das oberschlestsche Volk hatte bestimmt gehofft, dah mit dem Tage der Abstimmung alle Rot ein Ende nehmen wird. Statt design sind seine Leiden bis ins Unerträgliche gestiegen. Korfanty regiert trotz seiner Entwaffnungszusage. Wir ver­stehen, daß das von allen verlassene, auf sich selbst gestellte oberschlefische Volk in höchster Verzweif­lung und aus Selbsterhaltungstrieb zur berech­tigten Notwehr gegriffen hat und fordern, daß.dem "Zustand der Gewalt durch die Garantiemächte so­fort ein Ende gemacht werde. Wir fordern, daß an die Spitze der interalliierten Kommission endlich eine Persönlichkeit tritt, die die Bürgschaft für die ehrliche Durchführung des Friedensvertrags bietet. Wir fordern, daß durch die beschleunigte Entsen­dung ausreichender englischer und italienischer Truppen der gesetzmäßige Zustand in Oberschlesien sofort wiederhergestellt und durch diese die Grenze gegen Polen lückenlos abgesperrt wird.

Nach langanhaltendem Beifall zogen die Masten nach ihren Versammlungsorten ab, wieder mit Musik und unter Absingung vaterländischer Lieder. Die Entgegennahme der Entschließung durch den

Reichskanzler.

Berlin, 29. Mai . Im Anschluß an die gewaltige Kundgebung der gesamten Berliner Bevölkerung am Sonntag Nachmittag im Lustgarten begab sich eine Alvrdnung von Obmchlcffertk in die Reichskanzlei, wo sie bont Reichskanzler Wirth im Beisein des Reicks- winisters des Auswärtigen Rosen empfangen wurde, ftift Führer der Delegation" überreichte dem ReickS- fan^f t die im Lustgarten gefaßte bereits gemeldete Ent­schließung mit solMider Ansprache: In den letzten Stun­den war der weite Raum des Lustgartens gefüllt von einem Meer von deutschen Landsleuten, die begeistert den Rednern lauschten, die noch einmal Zeugnis für die Zu­gehörigkeit Oberschlesiens zum Deutschen Reiche ablegten. Männer und Frauen aller Parteien und aller deutschen Gaue waren als Rainer und Hörer versammelt. Aber fctofit sie sonst in ihren Anschauungen und in ihren Lebensgervohnheiten anseinandergehen mögen, darin baren sie einig, baß alle Versuche, Ober­schlesien vom Reich zu trennen, mögen sie nit Waffengewalt, oder mit listigen Aus­legungen der Abstimmung vom 20. 3. unter- kommet» werden, scheitern müssen an »nsetm klaren Recht. Die heimatstreuen Ober­schlesier gestatten sich, von Dank erfüllt für diese er­hebenden Stunden, in denen der Wille des ganzen deutschen Volkes so einmütig zum Ausdruck ge­kommen ist. Ihnen Herr Reichskanzler die Entschließung tot Kenntnis zu bringen, die von der Versammlung ein»

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Der Reichskanzler antwortete mit folgen­den Worten: Mit tiefer Ergriffenheit bin ich dem Ver­lesen dieser Resolution gefolgt. Sie dürfen überzeugt sein, daß das ganze deutsche Völk das Ringen des oberschlesischen Volkes nicht nur, wie man langläufig sagt, mit Interesse verfolgt, sondern die Ereignisse in Oberschlesien geradezu mit wehem Herzen tief ergriffen hinnimmt. Ich habe mich von dieser Bewegung des deutschen Volkes, die eine wahre Volksbewegung ist, auf einer Reise in Süddeutsch­land überzeugen können, wo ich überall gekragt tvorden bin: Glauben Sie, Herr Reichskanzler, daß dem ober- schlesischen Volk das Recht zuteil wird, auf das es wirklich Anspruch erheben kann? Ich bin deshalb auch von Dank und Freude erfüllt über die gewaltige Kundgebung, die Sie im Lustgarten znsammengeführt hat, um für das _ gute deutsche Recht auf dieses alte deutsche Land ihre Stimme zu erheben und mit Nachdruck Einspruch einzulegen gegen die Vergewaltigung, welche unsere Volksgenossen von den polnischen Insurgenten zu erdulden Haden. Heute möchte ich in Kürze nur das eine zu Ihnen sagen: Nach dem Wunsch der Polen ist das Abstimmungsgebiet Ober­schlesien aus der Provinz Oberschlesien herausaeschnitten worden, weil sie glaubten, bei der Abstimmung in diesem willkürlich abgetrennten Teil einer Mehrheit sicher. zu sein. Auf polnische Initiative hin, ist ferner den nicht in Oberschlesien wohnhaften Abstimmungsberechtigten sei­nerzeit das Stimmrecht zuerkannt worden. Hinterher frei­lich, als die Polen sahen, daß diese Karte gegen sie schlagen würde, wollten sie das für ungültig erklären. Da? ist das Gegenteil von jenemfair plav", das in diesen Wochen von hervorragender Stelle in England für Oberschlesien Erlangt worden ist. Die Bevölkerung hat sich mit fast /i Millionen für Deutschland erklärt. Biele von Ihnen meine Herren haben mit dazu beigetragen, daß der 20.3. ein Ehrentag für Obe rschlesien und ein Ebren- taa kür das gesamte deutsche Volk geworden ist, trotz des van den Polen vor und bei der Wahl angestellten uner­hörten Terrors. Die vor aller Welt offenkundige Aus­sprache d^ oberschlesischen Volkes für Deutschland gegen Polen läßt durch nichts fortdebattieren und durch nichts ^ortdiskutieren. Wir haben vieles verloren in Deutschland: deutsches Land, deutsche StammesgenosseninOstundWest.dieWaf- feil,Schäffe,GoldundGeld,aberdieVater- landsliebe, die Liebe insbesondere zur engeren Heimat, zu dem Land, wo man seine Ingend verlebt hat, lassen wir uns nicht nehmen und solange sich diese Liebe ko bewährt wie die von allen Oberschlesiern in Oberschlesien und !m übrigen Deutschland zum Ausdruck gekommen ist, so­lange dürfen wir hoffen, daß es mit unferm Vaterland wieder aufwärts gehen wird. Oberschlesien hat^sich für Deullchla^» erklärt, und zwar aus sämtlichen Schichten der Bevölkerung ist die Mehrheit für Deutsch­land gefallen. Die von manchen Seiten ausgestellte Behauptung, die Arbeiterschaft hätte sich für Polen er­klärt, steht in schroffstem Widerspruch zu den Tatsachen. Hunderttausende und Aberhunderttausende von Arbeitern sind für Deutschland eingetreten. Das eine aber ist richtia und,das hat auch bald nach der Abstimmung ein großes englisches Blatt als bezeichnend hervorgehoben, unter den für Deutschland abgegebenen Arbeiterstimmen beffnden sich vorwiegend die Stimmen der geschulten und damit leistungsfähigeren Arbeiter. Gerade die gesamte hoch­stehende Arbeiterschnft hat für Deutschland gestimmt und ich füge hinzu: Je größer der Stamm deutscher ge- schnlker und leistungsfähiger Arbeiter ist, desto rastcher wird Deutschland und damit ganz Europa von den schweren Wunden genesen, die ihm der Krieg geschlagen hat. Das ist eine Lebensfrage Europas. Deshalb sollte' geradezu die Haltung der geschulten Arbeiter Oberschlesiens den Männern, denen die Entscheidung obliegt, als Fingerzeig gelten und ich sage weiter, eine Welt, in der die Tüchtig­keit des Arbeiters als ein Grund zu politischer Minder­bewertung und damit als ein Mangel gelten würde, eine solche Wnt wäre eine verkehrte Welt. Der jetzige Auf­stand und seine blusigen Folgen können uns unser gutes Recht nicht nehmen. Wir empsinden auf das Hehle die uns gleichen Leiden, die das oberschlesische Volk dnrckmacht. Seien Sie überzeugt, daß nichts, was in unserer Kraft steht, unterlassen wird, was zur Beseitigung der K o r s a n- tyschen Diktatur führen kann und die gesetzmäßige Wiederherstellung der Ordnung gewährleisten könne. Wenn die Polen geglaubt haben, die Welt vor vollendete Tat­sachen stellen zu können, so haben sie sich getäuscht. Es wäre auch der Gipfel der Ungerechttgkeit, wenn aus brutaler Gewalt ein Recht gefolgert werden könne. Ver­ehrte Herren, Oberschlesien ist ein deutsches Land, deutsch ist seine Kultur, sein soziales Leben, sein Empftnden und seine Wirtschaft. Nur mit Deutschland vereint könne es blühen und gedeihen. Unser i st, und das.betonen wir immer wieder, indem wir Hinweisen auf das demokratische Leben in Europa, die Stimmenmehrheit, unser das Recht, unser die Gerechtigkeit, nnd so lassen Sie uns hoffen, daß diese Waffen, auf die wir hier Hinweisen, die Mehrheit und das Recht sich schließlich stärker nnd siegreicher erweisen werden als die Maschinen­gewehre und Bomben fanasischer und irrgeleitctcr Auf­ständischer.

Der englisch-italienische Dreiteilungsvorschlag.

Paris, 27. Mai. Die britische Regierung nimmt den Vorschlagbet italienischen Regierung, die Teilung Oberschlesiens betreffend, an insoweit, daß sie die sofortige Zuteilung an

Deutschland der zehn Kreise Kreuzburg, Rosenberg, Oppeln-Stadt, Oppeln-Land, Leobschütz, Oberglagau, Kosel, Lublinitz, Ratibor-Stadt, Rati- bor-Land und die sofortige Zuteilung der zwei Kreise Pietz und Rybnik an Polen befür­wortet. Was die Kreise Beuthen-Stadt, Veuthen- Land, Kattowitz-Stadt, Kattowitz-Land, Königs- Hütte, Eleiwitz, Hindenburg, Erotz-Strehlitz, Tarno- witz anbelangt (das sind die strittigen Kreise des Industriegebiets), so schlägt die bri­tische Regierung vor, eine genaue Untersuch­ung einzuleiten, während welcher diese Gebiete weiter unter der Kontrolle der Interalliierten Kommission bleiben werden. Die Untersuchung würde von einer Sachverständigenkommission aus­geführt, die einen Vorschlag, die Grenze betreffend, an die Alliierten machen würde. Der italienische Vorschlag sieht die Bildung des Industriegebiets in Oberschlesien ähnlich wie im Saargebiet vor, unter der Kontrolle der Völkerbundstaaten.

Paris, 28. Mai. Der »Petit Parisien" ver- öffentlicht eine Karie, in der die verschiedenen Ent­würfe für die künftige Grenze zwischen Polen undDeutschland eingezeichnet sind, so wie sie von den Kommissaren ausgearbeitet worden sind. Der fran- zösischeEntwurf gebe Polen außer der Ges am t- beitdesGrubengebiets noch die Landkreise L u 6 - linih und Groß-Sirelitz, der englisch-ita- lienisckseEntwurf gebe Polen nur die Grubenbezirke Pleß und Rybnik und außerdem einen Gebietsstreifen längs der polnischen Grenze. Der italienische General de Marini schlage eineioeitere Gebietszuweisung an Polen vor' und zwar im Kreise Hindenburg, ohne daß dieser Vorschlag eine wesentliche Abänderung bedeutete.

Berli.n, 29. Mai. Zu der Reutermeldung, daß der englische Vorschlag in Oberschlesien drei Zonen zu schaffen, die von den Polen, den Deutschen und Alli­ierten besetzt werden sollen, nunmehr dec Botschafter- konferenz von den englischen und italienischen Vertreter in der Interalliierten Kommission förmlich übergeben worden ist, bemerkt derLo kal a n jeig e t77: Es ist also jetzt offiziell der Vorschlagzueinervor­übergehenden Teilung Oberschlesiens gemacht worden. Er ist gemacht worden als englisch- italienischer Vorschlag, und man muß offen sagen, dah er mit den stolzen Worten Lloyd Georges im Unter­hause für Oberschlesien nicht wohl in Einklang gebrockt werden kann. Ob unter liefen- Umständen das un­geteilte Oberschlesien noch zu retten sein wird, muß als zweifelhaft angesehen werden. Die Pflicht der Reichsregierung ist, jeden Versuch zu machen, der dazu führt, unter allen Umständen die Abstimmung in den von den Polen bei der ersten Mstimmung ter­rorisierten Bezirken zu wiederholen."

Paris, 28. Mai. P e r t in ax erllärt imEcho de Paris", inFeiner heutigen Sitzung habe sich der Bot­schafterrat mit einem Vorschlag des Generals de Mo- tini und des Obersten Percival über Oberschlesien zu beschäftigen. Die Heiden Kommissare hatten den Vor­schlag unterbreitet, unverzüglich die Bezikke, in denen Deutschland eine unbestreitbare Mehrheit erzielt habe, durch deutsche Tnippen und die Bezirke, in denen Polen gesiegt habe, durch polnische^TrpPen besetzen zu lassen. 17 000 Monn seien alsdann in dem stritti­gen Gebiet zusammengezogen, um bann dort eventuell die neue Grenzlinie verteidigen zu können. Pertinox nennt dies eine sehr schlechte Kombination. Tie fran­zösische Regierung werde sie ablehnen, weil die deutschen und die polnischen Führer erllärt hätten, daß fie bereit seien, die Autorität der Volksabstimmungskommissioii anzuerkennen. Es sei deshalb nicht zweckmäßig, eine Lösung anzunehmen, die den Grundsatz in sich schließe, daß der Kampf sortgehe. Auch habe die interalliierte Militär-Kommission in Versailles erllärt, die Soldaten seien in den genannten Gebieten gefährdet. Schlißlich aber wendet sich Pertinax dagegen, daß man die Be­zirke Pleß und Rybnik absplittere. Gerade diese beiden Bezirke hätten eine sehr starke polnische Mehrheft, und wenn man sie absplittere, bann werde oas Stimmenverhältnis für bie Polen ungünstig. Außer­dem lieferten bie Kreise Pleß und Rybnik nur etwa ein Fünftel der gesamten Kohlenprobuttion . Frankreich müsse sich also auf den Grundsatz der Unteilbar» feit der industriellen Bezirke feftkgen.

Som DberfteinRat

Paris, 28. Mai. Nach einer Meldung der Ha-> vas-Agentur ist entgegen anderslautenden $1 älter- melduungen für bie Zusammenkunft des Obersten Rates, bie in Bonulogne stattsinoen soll, noch kein Zeitpunkt festgestellt. Der diplomatische Vertreter der Havas-Agentur glaubt zu wissen, daß die franzö­sische Regierung heute in einer Note an das Foreign Office dahingehend Ausdruck gegeben habe, daß bie oberschlefische Frage nicht sofort gelöst werden kann, da die Gemütsverf^fung in ben beide» beteiligten,

Ländern jede vorschnelle Lösung unburchsührbar z« machen drohe. Ministerpräsident Briand schlage als» vor, die Prüfung der Aufteilungsfrage vorläufig Sach­verständigen anzuvertrauen. Die Konferenz bei Obersten Rates wird sich dann erst nach Kenntnisnahme der Ergebnisse dieser technischen Prüfung dazu aüszu« sprechen haben.

Som Sotschafterrat.

Paris, 29. Mai. Wie Havas mftteilt wird i« der Note, die die französische Regierung gestern dem Foreign Office über bie oberschlestsche Frage über­reichte, bemerkt, daß während die Polen den Vorstel­lungen entsprächen, hätten die Deutschen ihre Opera­tionen fortgesetzt. Briand glaubt deshalb, es vorzn- ziehe», bevor man die Frage regele, zu warten, bis die Ruhe wieder hergestellt fei. Briand glaubt ferner, daß, da bie alliierten Oberkommissare sich nicht hätten auf einen Bericht einigen können, es besser fei, die Prüfung der Frage der Aufteilung einer besonderen Kommission anznoertrauen.

Paris, 28. Mai. (Havas.) Der Botschafteirai nahm in seiner heutigen Vvrmittagssitzung Kenntnis von verschiedenen Telegrammen, die ben Berbandsregie- ntngen aus Oppeln zugegangen sind, und verständigte sich über die Fragen, welche an bie interalliierte Kommis­sion gestellt werden sollen, zwecks Aufllärung über die Maßnahmen, 'welche auf Grund der von her genannte» Kommission unterbreiteten praktischen Vorschläge ergriff fen werden müssen.

Die Lag« ernster als je.

London, 28. Mai. DieT i m e 8" meldet aul Oppeln, bie Behauptung, daß die Drbnung in Ober­schlesien wieder hergestellt sei, sei eine vollkommen falsche Darstellung der wahren Lage, bie ernster sei als je. Älbst wenn Korkanty veranlaßt werden würbez sich zum Rückzug bereitzuerklären, abzurüsten und bie von ihm übernommenen Machtbefugnisse an die Kommission zu übertragen, würden Korsantys Leute dagegen meutern, Es ist, derTimes" zufolge, für einen italienischen Ossie zier jetzt nicht mehr möglich, sich innerhalb der Linien der polnischen Aufständischen zu zeigen, ohne baß er zurück­gehalten, bebroht unb von ben Aufständischen beschimpft wirb, bie sich um bie Befehle ihrer Führer garuidjt küm­mern und in deren Augen Engländer unb Italiener nichts anderes sind als Verbündete der Deutschen. Berichten zu­folge, die von britischer Seite aus Berlin und Oppeln hier cingetrorfen sind, finb keine regulären deutschen Truppen nach Oberschlesien eingerückt rnb die Grenzstationen sind nicht verstärkt worden.

Polnisches Eifenbahnunwesen. Terror. Diebstähle.

Oppeln, 28. Mai. Die Lage ist im allge­meinen mit wenigen Ausnahmen unverändert. Der aus Oppeln am 24. Mai mit Lebensmitteln für Gleiwitz abgefahrene Zug wurde in Laband von den Insurgenten angehalten und das Zugpersonal verhaftet. Der Zug wurde von einem englischen und einem italieni­schen Offizier unb sechs Wachmannschaften begleitet. Zwei der Lebensmittelwagen bes Zuges wurden von den Insur­genten völlig ausgeplündert. Am 19. Mai erließen bie Insurgenten eine Verfügung über die Neuord­nung des Eisenbahnwesens in Oberschlesien, «oonach für die Verwaltung der Eisenbahnen, die von den Aufständischen besetzt sind, ein Esttubahnrct eingesetzt ist, der unter Ausschließung der Eiftubahndilektiou in Kattowitz befugt sein soll, verbindliche Anorbmmgen zu treffen. In der Verordnung wirb zugleich den Eisen- bahnbebiensteten her besetzten Linien unter Anbrohung von Strafen verboten, sich an bie Effenbahnbl. ektion von Kattowitz zu toenben itnb von derselben erhaltene Befehle auszusühren. Beim Eisenbahnrat ist eine Zeniraleisen- lmhnkasse gebildet, an welche alle Stasionskasion ihre Einnahmen abführen sollen, während an bie Kaffe bet Eisenbahndirektion in Kattowitz keinerlei Einnahmen über­sandt werben dürfen. Die Umgebung von Rosenberg wurde von den - Aufständischen geräumt, die bei ihrem Zurückweichen Plünderungen unb Brandschop- itnjen beruhten Außer Plänkeleien an ber Bahn- sttaße OppelnGroß-Strehlitz werden keine Kämpfe ge­meldet. Am 23 unb 24. Mai abends wurde das Dienst« gebäube ber Eifenbahnbirektion in Kat­towitz vereinzelt mit Minen beschossen. Am 25. Mai vormittags haben bewaffnete Insurgenten aus ben» Bakmhos Kattowitz 30 Personen-, Pack- unb Güterwagen gestohlen und nach der Ibaweich« ab» geschleppt. Die Wagen stanben auf ben Geleisen inner­halb des Stabtgebi-tes. bas nach ber Vereinbarung bet Franzosen mit den Insurgenten von diesen nicht betret» werden durste. Die französischen Wachen bet» hinderten den Diebstahl nicht, obwohl sie recht­zeitig durch das Eisenbahnaussichtspersonal berstäudigt worden waten. Die ausreichende Wafsetvetsor« gung bon Kattowitz ist anscheinend gesichert. Die von der polnischen Presse gemeldeten Girueltaten von Deutschen an polnischen Gefangenen in Neiße sind in bollem Umfange unzutreffend unir entbehren jeglicher Unterlage.

Ein Warschauer Funkspruch meldet: Die polnisch- schlesische Gt nze tfl geschlossen. Hierdurch toirb verhindert, bie Verluste bet Aufständischen wieher aufiufülle» unb bie Leute mit neuem Kriegsmaterial M