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DieOberhesiffche Zeitun ' erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich

4.25 Sif, durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr.

fir 191 ausfallende Aummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. Verlag von Dr. C. HItzeroth. Druck der Univ.-Buchdruck«rei von Joh.Aug. Koch,

1921

Markt 21,23 Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

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Polnische Untaten. Französische Parteinahme. Erschiessungen. Terror.

Berlin, 26. Mat. Bläftermcldnngcn aus BreS- lau zufolge sind dort endlich ans Umwegen Zeitungen und Briefe, aus den von den polnischen Insurgenten eingeschlossenen oberschlesisch, n oberschlesischen Jn- dustriestädlcn eingetrossen. Tie' Zeitungen berichten lütiet eine gwe von polnrscycn Unräte», die

Abg. Klotz habe gesagt, die Kammer sei nicht in der Lage, sich über das Abkommen von London auszn- sprechen. Es entspreche nicht dem konstitutionellen Recht, die Kammer nicht wegen der Abänderung zu befragen, die in London am Friedensvertrag vorgenommen tvorden seien. In London sei nur ein politisches Abkommen ge­troffen worden Tas Abkommen entspreche den fran­zösischen Forderungen. Frankreich habe sich geweigert, der deutsche» Regierung Borschläge zu machen, die England bann vorgeschlagen habe. Deutschland habe^eine Frist von 10 Tagen erhalten, um den alliierten Standpunkt anzunehmen. Die Reparationskommission habe Deutsch­land die Entscheidungen mitgeteilt, aber nicht die Ne­gierung. Die Regierung habe das Recht, sich gegen Kritik zu verteidigen. Er habe für den Beitrag von Ver­sailles gestimmt, aber, wieviele Abgeordnete, tveil er das Gefühl gehabt habe, daß man nicht aus das zurückkommen dürfe, was geschehen sei und weil er die Schwierigkeiten erkannt habe, die die Regierung während der Frredensver- handlungen gehabt habe. Er habe auch noch heute die Ueberzeugung, daß die Regierung von damals das Ihrige getan habe. Aber er finde es doch etwas stark, daß ihm Klotz Vorwürfe mache über die mittelmäßigen Ergebnisse des Vertrages, über den er, Klotz, verhandelt habe. Der Vertrau habe es seiner Kommission überlassen, mit Stim­menmehrheit die Höhe der Schuld der Alliierten zu be­stimmen und zu erfüllen habe. Die Kammer muß wählen zwischen der These von Klotz und der m-inigen. Ich halte die Entscheidung der Reparationskommlssion für gut und

fed) dem.Votum fügen, aber die Abstimmung habe sich für Polen ausgesprochen. Das sei aber Irin Grund, baß man Polen diese Gebiete, die ihm zu- I timen, nicht zusprechen werde. (Allgemeiner Beifall.) Der Abg. Lorin dankt dem Ministerpräsidenten für diese Erklärung und geht schließlich dazu über, den fran­zösischen Vertretern auf der Londoner Konferenz zu danken, tiach seiner Ansicht ist das Reparationsproblem nicht ut eint Ziffernfrage, sondern auch eine Frage der Energie. Tie französischen Soldaten, die am Rhein Wache feiten, seien da, um die Ausführung des Vertrages stcherznstcllen. Man verlange, daß die Polen, die auch Frankreichs Verbündete seien, auch von den französi- &6en Soldaten beschützt würden. Die Bemerkung des tibg. Lorin, daß die französischen Truppen auch Polen «schützen müßten, veranlaßt den Ministerpräsidenten * t i a n ö zu der Erklärung, ernste Schwierigkeiten seien

L berschlesien in dem Augenblick entstanden, in dem MeutschiLLd sich h-"'- berechtigt glaubeu können, ein

erleichtern möchte.

Oppeln, 26. Mai. In Zeitungsmeldungen über die Vorgänge in Oberjchlejien ist in den letzten Tage» wiederholt behauptet worden, englische Osfiziere hätte» sich auf Seiten des Selbstschutzes an den Kampfhand­lungen beteiligt. Dieses entspricht nicht den Tatsachen. Richtig ist, daß die interalliierte Kommission de» Seibstschntzorganisationen Kontrollorgane bergab. Diese Offiziere hatten in erster Linie die Ausgabe ihre» Einfluß dahin geltend zu machen, daß unnützes Blut- verzießen unterblieb. Eine Mitwirkung an den Kanff^i Handlungen ist selbstverständlich ausgeschlossen und. «a iu keinem ewjifie» Falle WfletoiJiniaa.

icn. (Beifall.) Der Abg. Lorin schließt seine Rede

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»ächt ungünstig gesinnt wären, wolle man verhindern, daß .tme unerfahrene Leitung das reiche Industriegebiet ver- Irichte. Tie industrielle Durchdringung sei fe, daß diese Befürchtungen gerechtfer­tigt seien. Alle diese Fragen müßten in den Akten Regelt werden, die dem bersten ROat vorgelegt würden, damit er seine Entscheidung treffen könne. Das sei Ach die beste Bedingung für Polen, damit die Frage rechtlich und ohne Zweideutigkeit geregelt werde. Frank­reich habe von der polnischen Regierung verlangt, daß fe Bestimmungen des Vertrages vervollständigt würden, b»mit, wenn Teuffchlaud Oberschlesien genommen werde, .»an ihn nicht auch die Zahluugsmöglichkcit nehme, denn 15 Jahre hindurch müsse Deutschland Rohstoffe zu den fertigen Bedingungen aus Oberschlesien beziehen können fed das Gebiet sei verpflichtet, an den Reparationsver- hstichtnngen Deutschlands paritätisch teilzunehmen. 6r sei fee,zeugt, daß die polnische Regierung geneigt sei, daß feien wirtschaftlichen Bestimmungen Folge geleistet werde, feun verbleibe nur noch die Anterpretierung der fe b st j n: m u n g s z i f f e r n nach Kommunen, sowie eine eographische Gruppierung unter Berücksichtigung der Volkswirtschaft. Ter französische Standpunkt sei der, feß die reichen Minengegenden Polen zuge- ktzrochen werden. Wenn die Abstimmung sich für ^ertschtand ausgesprochen hätte, dann würde sich Frank»

dem Wirtlaut des Vertrags entsprechend. Den Vorschlag von Klotz, aufzuschieben, sei unter solchen Bedingungen vorgebracht worden, daß, wenn es die Regierung für Recht erachte ihn anzunehmen, eine andere Regierung fein würde, mit der es die Regierung dann zu tun habe. Die Regierung lehne jedes dilatorische Verhandeln ab. Die Kammer müsse heute eine Entscheidung treffen. Die Regierung denkt, ihre Pflicht erfüllt zu haben, es sei aber vollkommen berechtigt, daß die Kammer nicht der gleichen Ansicht sei. Die Regierung habe über ihr Handeln Rechen­schaft abgelegt, das gerade und gemäßigt gewesen sei, im Einverständnis mit den Alliierten und ohne ein wesent­liches Interesse Frankreichs geopfert zu haben. Ich nehme die Lage wie sie ist. Ich stnde sie gut, um dem Land Vertrauen einzuflößen. Wenn morgen andere kommen, die eine andere Politik machen als die meinige, eine kühnere Politik, und die Regierung ihnen den Platz räumen muß, rann sagen sie das frei heraus. Enthalten darf sich niemand, dem, wer sich enthält, ist gegen die Regierung. Die Vertreter des Landes müssen Ja oder Nein sagen. (Stürmischer Beifall.)

Andre L e f ev re sagt, wenn man, wie Briand es her langem das Abkommen nicht kritisieren dürfe, dann sei das die Verneinung des parlamentarischen Regime. Wenn man ihm Vertrauen ausspreche, dann gebe mau nach den Worten eines seiner Mitarbeiter das Vertrauen blind­lings. (Beifall rechts unb auf einigen Bänken der Mitte und der Linken. )

Nach Schluß der Debatte werden 12 Tagesordnungen ciugebracht. Ministerpräsident Briand nimmt die Tages­ordnung Arago an, die besagt, die Kammer vertraue darauf, daß die Regiernug durch die streng kontrollierte Entwaffnung Deutschlands und durch die von Deutschland anerkannte restlose Bezahlung der Schuld das Recht Frankreichs durchsetzen toird, und daß sie entsprechend ihren Erklärungeii die unmittelbare Anwendung der Sanktionen verlangen wird, falls Deutsch­land gegen die von den Verbündeten unterzeichneten BerpslichtungendesLondonerAbkommens verstößt. Die Kammer vertraut weiter darauf, daß die Regierung in der oberschlesischen Frage die strikteste und loyalste Ausführung der Bestimmungen. des Versailler Friedensvertrags sichern wird.

Namens der Radikalen und Radikalsozialisten erklärt Herriot, die Regierung habe nichts wunderbares voll­bracht, aber angesichts der großen Schwierigkeiten müsse man doch sagen, daß sie ein nützliches Werk geschaffen habe, Frankreich töime mutig in die Zukunft blicken.

Tie Kammer stimmte über vie Tagesordnung Arago getrennt ab. Der erste Teil der Tagesordnung, der bas von Deutschland angenommene Ultimatum von London als das Minimum der unerläßlichen Garantien für die Sicherheit und die Wiedererhebung ^Frankreichs betrachtet, würde mit 403 gegen 163 Stimmen angenommen. Der zweite Teil der Tagesordnung Arago wurde von der Kammer mit 390 gegen 162 Stim­men angenommen. Aich Antrag des Deputierten Mandel wurde hierauf über die gesamte Tagesordnung Arago namentlich ah gestimmt: Dafür erklärten sich 419 und dagegen 171 Abgeordnete.

unter den Augen der französischen Besatzungstruppe» geschehen sind. In Kaitowttz wurde eine ältere Frau, Mutter von 7 Kindern, von polnischen Insur­genten aus der Straße erschossen. Aus der Nicolat- traße brachten Insurgenten eine Bombe zur Explosion, wodurch zwei Personen getötet und drei verwundet wurden. Vor dem Promenadenrestaurant wurde« zwei Personen durch Handgranaten getötet. Gegen ein Wohnhaus des Eifenbahnprästdenten Schumacher wurde ein Bombenanschlag verübt. Die Tätig­keit der Franzosen beschränkt sich darauf, Haussuchun­gen bei deutschen Familien vorzunehmen.

Die Kaitowttzer .Oberschlesische Morgenzeitung' teilt mit, daß im polnischen Hauptquartier in Schoppi- nitz französische Offiziere aus- und eingehen. Das Blait,nennt auch die Namen der französischen Rat­geber 'Korsanths. So befindet sich bei Korfanty der frühere Adjutant des Kreiskontrolleurs von Kattowitz- Stadt, der französische Kapitän L'Alann. Die pol» nisch-oberschlesische Grenze ist sür jeder­mann offen. Im Kreise Hindenburg wurden vo« Insurgenten wiederum 200 junge Leute auS den Häu­sern geholt und zwangsweise an die Front gebracht.

Wie der sozialdemokratische .Kattowitzer Volks­wirten" melbet, verhindern Insurgenten die Verteilung der eintreffenbeit Lebnsmittel. Wasser und Milch wer­den an oie Arbeiterfamilien nur gegen Vorzeigung des l>or \:f>en Verbands-Mitgliedsbuches abgegeben, lobetb zahlreiche Arbeiter aus Rot in die polnische« Verbände eintreten müssen.

Oppeln, 26. Mai. Tie Lage an den Grenze« dc? Anfstandsgebiets istimallgemeinenunver- ändert. Mischen Jamm und Rosenberg versuchten die Bolen aus dem Walde über Albrechtsdorf vorzn- gehen. Sie wurden aber vom deutschen Selbstschutz zvrü'gewiesen. Es liegen Nachrichten vor, daß die Insurgenten starke Banden bei Gr.-Strehlktz verein'gt haben. Es hat den Anschein, daß sie noch größere Angrifse versuchen weichen, bevor die englischen Trup­pen eintreffen. Ein starker polnischer Angriff auf Landsberg wurde znrückgewiesen. Kämpfe bei Mala- pano und Raschau und um den Bahnhof von Groß- Stein, die mit Angriffen der Aufständischen heute früh zwischen 2 und 3 Uhr begannen, waren mittags noch im Gange. Heber ihren Ausgang liegen noch keine bestimmten Nachrichten vor. Bei Cambowitz ist pol- n'sche Artillerie ausgetreten. 2 10,5 Zentimeter- Geschi'chc der Polen wurden festgestellt, welche Radau und Lemke beschossen. Südlich Mosel, links der Oder bis Ratibor lebhaftes Maschinengewehrfeuer der In­surgenten. Kattowitz ist aufs Höchste bedroht. Die Insurgenten stehen unmittelbar am Wilhelrnsplatz und haben dort nicht nur Maschinengewehre sondern auch Geschütze aufgesahrcn. Tie Bevölkerung leidet sehr unter Massermangel. Telegraphen- und Fernsprech­verbindungen mit dem Industriegebiet sind gänzlich unterbrochen.

London , 26. Mai. DieT iin es" meldet aus Oppeln, daß die»Polen mitsystem atisch en Zeo- ftßrungen in der Stadt Rosenberg begonnen Haden. Tie Polen wollen anscheinend den Deutschen und der Welt im allgemeinen einen Geschmack davon geben, was sie aus dem oberschlesischen Industriegebiet mache« würden, wenn man die Polen zwingen würde, etz auszngeben.

Berlin, 26. Mai. In Verfolg eines von de» deutschen Parteien und Gewerkschaften Oberschlesien» an das internationale Komitee vom Roten Kreitz In Genf gerichteten telegraphischen Hilferufes richtete da» Deutsche Rote Kreuz an General Lerond, Oberst Pare eival und General Marini von der Interalliierte» Kommission in Oppeln ein Telegramm, worin es unt die Ermächtigung bittet, unverzüglich die Hilfsaktion zu Gunsten der Bewohner Oberschlesicns, die die Opfer der gegenwärtigen Ilnruhen sind, durchzuführen. Da» deutsche Rote Kreuz stützt sich, wie es in dem Tele­gramm heißt, bei feinem Wunsche auf den Beschluß der am 6. April auf der 10. internationalen Kon­ferenz der Gesellschaften vorn Roten Kreuz in Genf unter PHeiligung von Vertretern von 39 nationalen . Rote Kreuz-Vereinen und von 30 Regiernugen gefaßt wurde. Ter angezogene Beschluß bestätigt das Recht der Pflicht des Roten Kreuzes zu Hilfeleistungen im . Bürgerkrieg und bei sozialen revolutionären Unruhen. Er stellt im übrigen fest, daß es unumgänglich not­wendig ist, daß den nationalen Rote-Krenz-Gesell- schäften des Landes, worin Bürgerkrieg oder Unruhefe vorkommen, die Möglichkeit zu unparteiischem Handel»' im Interesse aller Opfer gelassen wird. Tas Deutsche Rote Kreuz spricht den Wunsch aus, daß die interalli- 1 ifttt Kommission ihm die Durchführung der ihm durch ' die Konferenz iu Gens übertragenen Ausgabe tunlichst

und es wird daraufhin, da teilte Interpellation mehr vorhanden ist, in die. Debatte ringetreten.

Zuerst erhalt das Wort'der Abg. Klotz. Klotz fragt Briand, ob er nicht glaube, daß man England schon genügend Konzessionen gemacht habe? Ministerpräsident Briand ruft dazwischen:Unsere Alliierten haben dien« soviel getan und vielleicht mehr als wir getan haben!" Klotz fährt fort: Die Gründe für die Reibungen seien zwi- chen Frankreich und England immer zahlreich gewesen. So im Abkommen von 1904 seien fie sehr ernst gewesen. Aber dieses Abkommen habe die französisch-englische Al­lianz ermöglicht. Der Abgeordnete spricht dann von bni finanziellen Klauseln des Londoner Abkommens. Durch einen Zwischenruf daran erinnert, daß er früher erklärt habe, Deutschland wolle alles bezahlen, behaup­tet Klotz, man habe diese Aeußerung entstellt. Ter Ab­geordnete wird so off unterbrochen, daß der Kammer­präsident kaum die Ruhe Herstellen kann. Er habe gesagt: Deutschland «volle zahlen, unb es müsse zahlen, denn man habe die Macht, es zu zwingen. Es entsteht wieder eine große Unruhe, sodaß kein Wort des Redners ui verstehen ist. Nach dem Abkommen von London müsse Frankreich, um zu Zahlungen zu gelangen, Lieferungen cutgegennehmen und den Wiederaufbau gestatten. Gr frage, unier welchen Bedingungen btt Schatzbons vlazint werden könnten. Die klardenkenden Fachleute aller Län- o:r hätten gesehen, welch ungeheueren Nutzen man aus der Mobilisierung der Schulden ziehen könne. Frankreich rönne das Geld von Amerika ergingen, aber es müsse sich damit begnügen, wenn es für 100 Goldmart 60 oder 65> Goldmark bekäme. Klotz fragt den Mmisterpräsidenteu ob es falsch sei, daß die englische Hochfinanz gegen die Besetzung des Ruhrgebiets g1* wesen sei. (Beifall.) Briand ruft:Arbeiten Sie doch nicht mit solchen Argumenten!" Klotz erwidert, er vc-- lange einfach, daß man sage, das sei falsch. , Er kritisier' im weiteren die Finanzklauselu und greift die internatio­nale Grvßfinanz «m. Er wolle keine Friedcnsgewinnler Klotz ruft aus, daß Oberschlesien Polen zuge teilt werden müsse. Briand ruft dazwischen' Das hing ja nur von ihrer Regierung ab, uns vor der jetzigen Schwierigkeiten zu bewahren." Wiederum entsteht ein großer Lärm, sodaß der Kammerpräsident die größt' Mühe hat, sich verständlich zu mache«. Er verlangt, haiz man dem Ernst der Debatte Rechnung trage. Abg. Klotz kann alsdann in Ruhe feine Rede fortfefcen. Er stellt fest daß die Regierung wegen der Nichtbezahlung der 12 Mil­lionen Golbmark leine Sanktionen ergriffen hab- Die Regierung habe sogar das getan, was sie nichts hätl» tun dürfen. Sie habe diese Summe zur großen Schuft- geschlagen. Das sei eine Abänderung des Friedens- Vertrages, die ohne die Zustimmung des Parlaments bi» Staatsfinanzen beeinträchtige. Diese Entscheidung wirkt- lauf.bas Budget ein. Aber auf alle Fälle hätte durch Gesetzentwurf der Artikel 235 des Friedensvertrages ab- geändert werden müssen. So muß man aber von dem französischen Steuerzahler verlangen, daß erbeut neues Opfer bringe. Warum habe man nicht die Sanktionen spielen lassen? Hätte nicht die Reparationskommissiou den Weg gezeigt, den man hätte gehen müssen?

Ministerpräiident Briand ergreift das Wort. Trr

Erregte Auseinandersetzungen.

Ariand über Oberschlesien. Die reichen Mtnen- twnben für Polen. Dieloyale" französische

Politik.

I 1 «vb. Paris, 26. Mai. Die heutige Kammersißnng legann unter wesentlich geringerer Teilnahme des Pub- fbm» als die vorangegangenen Sitzungen.

|i Zn der Fortsetzung der Jnterpellationsdebatfe ergreift puächst der Abgeordnete Lorin das Wort, um das Er- gfbnis der Volksabstimmung in Ober schle- h sjen bnrchzufprechen. Das Ergebnis fei. daß das reiche I j gebiet eine polnische Mehrheit ergeben habe. Nach seiner h Nivicht würde es keine Schwierigkeiten haben, wenn die erinliivterfen Gegenden sich für Polen ausgesprochen h litten. Tie oberschlesische Frage interessiere im höchsten grabe oie Sicherheit Frankreichs und di« Aufrechterhaltung feiner Allianz. Die Alldeutschen hätten immer den

L Uersnch gemacht, die Hand auf Mitteleuropa zu legen.

6t hätten auch die A b st i m m u n g in Oberschlesien ge-1 I fälscht unb wenn man nicht achtgebe, so würden sie L thie neue Volksabstimmung in Oberschlesien organisieren, I tie zugunsten eines Auichluffes an Deutschland ausfalle. I kr persönlich habe keine Antipathie gegen den ReichS- I fenjler Dr. Wirth, aber in feiner Umgebung befänden I sich einige Perfönlichtriten, die ihn beunrnbigten. Die h deutsche Regierung habe vielleicht die Absicht, Besriebi- H Mna zu geben, aber habe sie auch die Macht dazu? Trotz

les Schlicßens der ol erschlefischen Grenze bestehe die Ge­fahr fort. Er frage sich, ob man es in Berlin nicht mit euer vorübergehenden Regierung zu tun habe. Minister­präsident Briand nist dazwischen:Das kamt überall Arkommen, selbst in Frankreich." (Heiterkeit.) Der Abg. Lrrin neir.t aber, in Frankreich hätte das eine andere iÜbcyiims. .Schließlich spricht er die Ansicht aus, daß jfrar.freieb das Recht habe, Polen zur Mäßigung und Wr Klugheit anzuhalten. Ter Abgeordnete Lorin setzt

' r seiue Befrachtungen über das Ergebnis der Volksabstim- , *nng in Oberschlesien fort. Briand unterbricht den

, | Kötter und erinnert daran, wi e die schweren Unruhen b» Oberfchlefieir entstanden sind, einmal dadurch feß gewisse Hoffnungen sich ermutigt fanden, während fe Polen entmutigt, sich erhoben hätten. Wiederum .. drückt der Ministerpräsident feine Meinung dahin ans, daß

die Militärs, die in Oberjchlesien feien, k»de m erregten Lande vielleicht nicht fo »earbeitet hätten, «vte man es hätte wün­schen r f e n. Warum solle man nicht Juristen tatb Techniker, das heißt Ingenieure berufen, die die fege prüfen und Vorschläge formulieren sollen, die der Rriebeir§»frfrag vorsebc. Tatsächlich seien die Gebiete, H» bk Bevölkerung sich als polnisch erwiesen habe, Polen denachbart, unb daß die Gebiete, wo sich die Bevölkerung Bk Deutsch land ausgesprochen habe, Deutschland benach- «t seien. WaL die w irt schast lich en^Fr a gen toetteffe, so gäbe es Sorgen, von denen man sprechen Aüsse, ohne die Empfindlichkeit der Polen zu verletzen, tias Industriegebiet arbeite für die ganze Rtd Ans diesem Grunde bestimme auch der Friedens- fetrag, daß auf die wirtschaftliche Notwendigkeit Rücksicht i Icxonuncn werde. In vielen Landern, die den Polen

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Heer nach Oberschlesien zu senden, um die Ordnung wieder herznstellen. In diesem Augenblick habe er T.ntschlaud wissen lassen, wenn es eine derartige Opera­tion unternehme, bann würde es die verhängnisvollsten Kovseguenzen entfesseln. Deutschland habe das vollkom­men verstanden und seit gestern Hütten sich Detachements organisiert, um die unbotmäßigen Alldeutschen zu um» zingeln. Briand sagte, wenn man vielleicht nicht die Jahresklasse 1919, also genügend Kräfte gehabt hätte, Gären derartige Ratschläge nicht gehört worden. Die ranzösiich? Waffengewalt am Rhein aber habe es ge- tattet, Befriedigung zu erzielen. Frankreich sei loyal, wie es immer gewesen fei. Die Wacht am Rhein würde nicht geschwächt, wenn nötig, würde sie angewendet wer-

Amlliches VeMndigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher knrheffische) Oberhessen

Sie tMlirano d» Ultimatums.

Laurent bei Dr. Wirth.

Paris, 26. Mai. DasEcho de Paris" erklärt, daß in Verfolg der vorgestern abend von Briand er­haltenen Anweisungen der französische Botschastcr in Berlin Laurent, gestern morgen mit dem Reichs­kanzler Wirth eine lange Unterredung ge­habt habe, die die praktische Turchsnhning der von der deutschen Regierung gegefcfiten Versprechungen zum Gegenstand gehabt habe.

Berlin, 26. Mai. Tie von der Agentur havas wiedergkgcbcne Nachricht des Echo de Paris, wonach der franzäsische Botschafter in Berlin vorgestern eine Unterredung mit dem Reichskanzler hafte, ist insofern zutreffend, als es sich über eine Aussprache über laufende Angelegenheiten handelte.

London, 26. Mai. Im Unterhaus fragte ein Abgeordneter, ob die Alliierten noch immer überzeugt seien, daß Teutschland das am 5. Mai angenommene Ultimatum ausführen werde. Chamberlain erwiderte, die englische Regierung halte es, solange nicht Be­weise für das Gegenteil vorlicgen, für sicher, daß daß Deutschland die Absicht habe, alle seine Berpflich- tungen zu erfüllen.

Sortenungen des englichen Botschafters in Parks.

Paris, 26. Mai. Wie derOeuvre" mitieilt, er yob Sei der gestrigen Unterredung mit Ministerprä- sidcnt Briand der englische Botschafter in Paris, Lord H ardinge, wegen der Aufrechterhaltung der Be­setzung der Häsen des rechten Rheinufers, also der Städte Düsseldorf, Ruhrort und Duis­burg, durch die französischen Truppen Borstellnngen.

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