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Marburg
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Die „Oderhesiische Zeitung erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 4-25 Mk., durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mit „Oberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr.
klärt, daß dies nicht seine Gewohnheit sei, aber er habe I« der Kammer erklärt, daß, wenn man zum Vertrag zurückkehre, hier nicht nur Vorteile bringe, enthalte doch der Vertrag einen Paragraphen, der der Repavations- kommission das Recht gibt, einen Teil der Schuld Deutschland zu stunden und Abänderungen an den Zahlungsbedingungen vvrzunehmcn. Abg. Barthelemh behauptet, Ministerpräsident Briand habe die Kammer vor ei« fait acvompli gestellt. Ministerpräsident Briand widerspricht. Er erklärt, heute sei ja die Kammer souverän und sie könne ihre Verantwortlichkeit übernehmen. Der Abg. Barthelemh erkennt die Richtigkeit des Standpunktes des Ministerpräsidenten an, aber er wünscht Aufklärung, ob das Abkommen von London für die Zukunft Sanktionen vorsieht, im Falle, daß Deutschland noch einmal seine Verpflichtungen nicht erfüllt.
Di« Frage der Sanktionen.
Ministerpräsident Briand gibt folgende Erklärung ab: In London haben wir eine Erklärung abgegeben, die Deutschland mitgeteilt werden mußte und die , alle Verfehlungen des Schuldners feststellt. Es war genau bestimmt worden, daß Deutschland mit einem Ja oder . einem Nein antworten müsse unö wen» eine der Bedingten- zurückgüoiesen würden, würden die Alliierten alle ihre militärischen und maritimen Mittel bereit stellen, um Genugtuung zu erlangen. Jetzt frage man, was geschehen werde, wenn Deutschland noch einmal seine Verpflichtungen nicht erfülle. Man fragt, ob eine neue Zusammenkunft des Obersten Rates nötig sei, bevor man die Sanktionen ausführe. Wenn cs sich um eine Verfehlung handele, von der in der Erklärung von London nicht die Rede sei, dann Ja. Denn cs sei eine Notwendigkeit des Vertrags, wenn der Botschasterrat nicht zu einem Beschluß kommen könne, dann müsse der Oberste Rat die Entscheidung treffen. Aber wenn es sich um Tatsachen bandle, die in der Erklärung nicht verzeichnet seien, hinsichtlich deren Deutschland Beweise der Nichterfüllung zeigte, dann müsse Frankreich unk die anderen Alliierten diese Verfehlungen seststellen, und dann bestehe für jeden von-ihnen das Recht, zur Ausführung der Sanktionen zu schreiten. Ein Abg. ruft dazwischen: Das ist ein Recht aber keine Pflicht. Briand fährt fort: Erschweren sie mir meine Ausgabe nicht. Wenn also die deutsche Verfehlung an der Erklärung von London festgestcllt sei, bann würde die französische Regierung an die englische und belgische Regierung telegraphieren und ihren Willen znm Handeln aussprechen und sie ersuchen, das gleiche zu tun. Durch dieses Telegramm würden dir Verbündeten in den Stand gesetzt, mit Frankreich zu handeln. Bon der rechten Seit« wird gerufen: Und wenn sie nicht marschieren? Briand fährt fort: Ich will nicht einmal an« nehmen, daß auch ein einziger von ihnen sich der vorgesehenen Sanktionen entziehen will. Wenn wir gestern infolge einer Verfehlung Deutschlands eine Sanktion harten ins Auge fassen müssen und die Städte Ruhrort, Düsseldorf und Duisburg besetzten, hatten die englische -und belgische Negierung loyal den Befehl erteilt, daß .ihre Truppen sich den französischen anschlösfen. Er habe nicht das Recht, daran zu zweifeln, daß dies morgen nicht ebenso der Fall sein werde. Dann könne Frankreich aus eigenen Mitteln Hanseln, also leicht Vorgehen, ohne dadurch gegen seine Verbündeten zu handeln. Das sei der große Unterschied zwischen der Politik der Regierung und einer anderen Politik, die verkündet worden sei. Dieser Unterschied sei gewaltig, denn wenigstens unter dieser Voraussetzung halte man die Kohäsion der Alliierten aufrecht. Tie in London vorgesehene Zahlungsweise und das Annuitätensystem müssen einer Prüfung unterzogen werden. Er befürchtete, daß Deutschland versuchen werde, seinen Export zu verschleiern. Er glaubt -auch, daß es sehr schwer sein werde, die Obligationen unterzubringen. Selbst Loucheur hab« zugegeben, daß es schwierig sei, einige Milliarden von Amerika zu erhalten, wenn diese Obligationen als Garantie dienten. Sei es dann nicht noch viel schwieriger einige Milliarden von Deutschland zu erlangen?
Verlag oonDr. E. Hitzeroth. —Druck der llnio.-Buchdruckerei von 2oh. Aug. Koch, Markt 21,23 — ,Fernsprecher 55, - Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
Englische Stimmen zur Rede Briands.
London, 25. Mai. Wie Reurer erfährt, hat die Rede Briands in maßgebenden Kreisen Londons emcn ausgezeichneten Eindruck gemacht. Die Lage :n An'ehüna der Beziehungen zwischen Frankreich und England wird durch die Rede und durch die befriedigende Haltung der deutschen Regierung die in dem erneuten Vcrl'vt der Bildung von Freiwilligenverbänden zum Ausdruck kommt, als sehr gebessert betrachtet. Die englische öfsentlickc Meniung begrüßt die Mitteilung, daß die französische Regierung ihre Befriedigung über die Haltung der deutschen Negierung ausgcdrückt habe. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß die französisch« Oeflentlichkeit sich nun vergegenwärtigt, wie nachdrücklich die von der englischen Regierung zur Herbeiführung des Ergebnisses in der vergangenen Woche unaufhörlich gemachten Vorstellungen gewesen sind.
wb. London, 25. Mai. Tie Rede Briands in der französischen Kammer findet in der englischen Presse Zustimmung.
Die „Daily News" schreibt: Die Red« bedeute nicht nur ein« Wendung zum Besseren mit Bezug auf das oberschlesische Problem und so gut wie die Vcrzichtleistung aus die neue Besetzung, sondern auch einen wirklich» Schritt vorcwars zu einem möglichen Einvernehmen zwischen Frankreich und Deutschlands Wenn Briand den Mut habe, sest bei seiner neuen SMungnchme zu verharren, dann habe er
Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
französischer Politik habe das Proletariat von Elsaß« Lothringen nicht die gleiche Zuneigung zu Frankreich bewahrt. Eine ganze Anzahl elsaß-lothringischer Abgeordneter, darunter Weckerle, protestieren gegen diese Worte und sprechen zum Teil von einer bolschewistischen Propaganda, die durch Deutschland bezahlt werde, so vor allem der Abg. Frey. Der Abg. Noblemaire fährt fort und spricht von den Schwierigkeiten einer Besetzung des Ruhrgebiets. Er sagt, man wisse nicht, ob man es nötig haben werde bis zur Elb« oder bis zur Oder vorzugehen. Wenn man aber Gewalt anwenden müsse, um dem Recht zum Siege zu verhelfen, dann dürfe man dieses Mittel nur gebrauchen, wenn die äußerste Not es gebiete. Noblemaire unterstützt Tardieu und Forgeot, die Zweifel darüber geäußert hätten, daß Deutschland bis zur letzten Serie seine Schulden bezahlen werde. Er empstehlt schließlich ein Zusammenarbeiten mit Deutschland und meint, die Zukunst gehöre Amerika. Es habe den Friedcnsvertrag zwar noch nicht unterzeichnet, aber es habe ein Wort mitzuredcn.
Der Abg. Peyroux erhebt sich und erklärt, er wolle auf das Wort verzichten, wenn ihm der Minister» Präsident zwei Fragen beantworte. 1. Ob er dasselbe Vertrauen zu den deutschen Ministern v. Rosen nttfr Rathenau habe wie zum Reichskanzler Dr. Wirth. 2. Ob es richtig sei, was in der „Voss. Ztg." veröffentlicht wurde, daß Dr. Strcsemann erklärt habe, man habe günstige Versicherungen hinsichtlich Oberschlesiens «r- ho.!ten?
Ministerpräsident Briand sagte, er glaube, baß in --mcr Debatte von so großer Bedeutung es besser wäre, mcht Zeitungsartikel zur Grundlage für die Argumente »u nehmen. Was die Aeußerungen Strese- m a u n s anbetreffe, so erklärte er, daß nach der Londoner Konferenz man Dcutfchlarrd die Beschlüsse der Konferenz übermittelt habe mit der Erklärung, es muffe ja oder nein !agen. Er habe gestern loyal zugegeben, daß Dr. Wirth i'ffeutlich erklärt habe, es sei notwendig für das besiegte Deutschland, seine Verpflichtungen anzucrkennen und zu erfüllen. Er müsse ferner sagen, daß alle Antworten auf die gestrigen Forderungen befriedigend gewesen seien, l s möge Alldeutsche geben, die Hintergedanken hätten, aber er wolle keinen Tendenzprozeß führen, sondern er kwlle nur Realitäten sehen. Es sei Zeit, daß man aus.den Formeln herauskomme und zu Tatsachen zurück« kehre. Die französische Regierung habe ein sehr klares Programm und ihre Entscheidungen seien getroffen. Sie icien Deutschland übermittelt worben. Die Sanktionen könnten spielen. Der Reichstag habe das Ministerium gebilligt und sich bereit erklärt, die Verpflichtungen Deutschlands auszuführen. Wohl gebe es Hintergedanken in Deutschland, aber es seien keine Staatsmänner mit derartigen Hintergedanken und alldeutsche Industrielle an der Macht, die sich den Verpflichtungen entziehen wollten. Mau habe die- erforderlichen Vorsichtsmaßregeln getroffen, und wenn sich Deutschland morgen seinen Vcr- vflichtungen entziehen wolle, dann werde Frankreich da« Nötsge ausführen. (Beifall.) Briand sagt, er hoffe, daß nun endlich das Land Fühlung mit den Realitäten nehme: Das Land sei voll von Vertrauen und Glauben. Man verlange nicht von ihm, daß es einem Optimismus auf Befehl dinstbar sei, aber man habe dock nötig, dem Lande gute Realitäten zu überbringen. Man dürfe es nicht in Wolken hüllen. Man habe nicht das Reckt, im voraus zu sagen, die deutsche Regierung sei aus Männern zusammengesetzt, die versuchen würden, sich ihren Verpflichtungen zu entziehen. Er habe aber auch nicht das Recht, ihre Aufgabe zu erschweren. Auch sie würden Schwierigkeiten mit der Reaktion habe». Tas deutfchc Volk beginne die Augen zu offnen. Die Mehrheit des Reichstages habe dem Reichskanzler Vertrauen entgegen« gebracht. Sie habe gesagt, Deutichland wolle entwaffnen and bezahlen. Man dürst sie nicht entmutige». Würde man es tun, so wäre das nicht nur ein Fehler, sondern auch eine schlechte Handlung. Vielleicht würde man auch tu der Welt sagen, daß dieses Frankreich nicht das richtige sti. ~ Man befinde sich einem Schuldner gegenüber, her erklärt habe, daß er die Tcdingungen Frankreichs annehme. Man besitze die nötig« Kraft, um zu glauben. Briand betont, es gereiche Frankreich zur Ehre, wenn eS einmütig zur Mäßigung anrege. Dies fei gute Politik. Man müsse an ihr ststhalten. Diese Erklärung des Mimsterpräsidenten findet einmütigen Beifall. Der Abg. Peyroux erklärt sich von ihr befriedigt. Es spricht dann der Abg. L a c o t t e von der äußersten Rechten, der sich gegen die englische Polifik wendet, was eine Kritik des Kammerpräsidenten zur Folge hat. Auch Ministerpräsident Briand lagt, die Alliierten Frankreichs seien klug und klardenkend genug, um gewisse Aeußerungen gewisser Deputierter auf das rechte Maß zurückzuführen. Der Abg. Laeottc fährt jedoch fort, England stark anzugreisen. Er wird deshalb vom Kammerpräsidenten zur Ordnung gerufen, aber diese Einwendungen des Präsidenten haben keine Einwirkung auf den Redner. Er fährt fort Clcmcnccan und den Präsidenten Wilson anzugreistn, sodaß der Kammerpräsident gezwungen ist, den Artikel 60 der Geschäftsordnung zu verlestn, der dem Präsidenten das Recht gibt, nach zweimaligen Ordnungsrufen in der gleichen Sitzung dem Redner das Wort zu eutzieben. L a c o t t e antwortete darauf, er werde seine Pflicht bis zum äußersten tun. Schließlich erklärt er, daß er und seine Freunde der Regierung das Vertrauen verweigern.
Das Wort ergreift darauf der Abg. Barthelemh, der erklärt, man müsse die Tatsache, daß Deutschland bas Ultimatum angenommen habe, als ein ernstes Ereignis ansehen. Der Redner findet es nicht recht, daß man sich bc" Reparationskommission bediene, um eine Scheidewand zwischen der Regierung und der ParlamentSverant- wortlichkcit zn errichten. Ministerpräsident Briand er-
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bedeutsame Erklärungen Briands.
Erneute Mahnung zur Politik der Mäßigung.
Wb. Paris, 25. Mai. Der heutige 4. Tag her Beratung über die Interpellationen über die auswärtige Wolifik in der Kammer begann mit der Rede des Abg. ■ kobl em aire, der an erster Stelle die Lage in Oberschlesien besprach. Es sei gut, daß alle Welt .wisse, daß Deutschland stets Begreife, wenn man laut und jdernehnibar mit ihm sprech«. Das müßten auch die Änglänber verstehen. Aber vielleicht hanbele es sich hier nur um eine vorübergehenbe Lösung. Man müsse die verschiebenen Zwischenfälle in Betracht ziehen, bie bie 'Politik Deutschlands seit zwei Jahren charakterisiere. Mnd immer bedenken, daß die oberschlesische Angelegenheit jtar ein neuer Zwischenfall sti. Der Redner, der eine Kontrollaufgaoe beim Völkerbund in Genf auSgesührt hat, erklärt, man habe in den Kreisen des Völkerbundes •ft gesagt, Frankreich sei durch seinen Heroismus der jLeuchturm gewesen, der es gestattet habe, den Sieg zu er» Minzen. Man werfe jetzt Frankreich vor, daß es die .»»deren Alliierten jetzt etwas aufgegeben habe, und daß fick zu sehr vor England gebeugt habe, namentlich Mas de» Friedensvertrag anbetrefse. Tatsächlich habe Wer Vertrag ja auch England alle Befriedigung gegeben, ^während Frankreich für seine Tapferkeit und seine Opfer, .Hst viel schwerer getoesen seien, heute noch auf das warte, MaS man ihm schulde. Frankreich müsse bekannt geben, idaß es mit England Freundschaft auf dem Fuße der Wlcichheit pflegen wolle, aber man dürfe nicht mehr liegen, die französischen Staatsmänner seien ,im Schlepptau Englands. Der Quai d'Orsay 'Müsse zur traditionellen europäischen Politik Frankreichs vtrückkehren Man habe treue Frcaudsch_> n namentlich »nter den Völker«, für deren Wiederausrichtuug man ge- f»rgt habe, aber der Wechselkurs zwinge diese Leute Handel mit Deutschland zu treiben. Der Redner bespricht dann die Wicderanknüpsung der diplomafischcn B:zichun- n zum VatikM und geht dann zur W i e d e r a u f b a n-
srage über, sie sei nur zu lösen, unter der Mitbeit aller. Er spricht auch von der Politik Frankreichs
Rußland nnb es kommt zu einem Zwiegespräch mit dem Kommunisten C a ch i n, dem Noblemaire vor- rft, er habe seiner Zeit in Straßburg mit Tränen den Auge« erklärt, das sei der schönste Tag seines
Cache» erwidert daraus, natzh zwei. Jahren
si 6iee Stie 9r. SBirtOs.
■- wb. Karlsruh e, 25. Mai. Reichskanzler Dr. Wirth ist auf der Durchreise nach Freiburg freute vormittag hier eingetroffen und hat sich in fräs Staatsministerium begeben. Auf die Begrüßungsrede des Staatspräsidenten Trunk, der aus- Mrte, es gelte jetzt, durch Friedensvertrags- jleistungen, durch Arbeiten, Entbehren und Dulden fric Besetzung deutschen Bodens zu verhindern, Khrte der Reichskanzler folgendes aus: Wir haben Das Ultimatum mit Ja beantwortet. Das war Notwendig und zwar notwendig um der Freiheit fres deutschen Volkes willen. Es war kein an For- frnelkonstruktionen geknüpftes Ja, es war ein aufrichtiges und ein deutsches Ja. Es gibt draußen in der Welt — man kann es freimütig und offen sagen — wohl fast niemand, der Deutschland nicht große Leistungen zutraue. Nun gut: Die Tatsache Pellen wir fest, daß die Welt au ein. wirtschaftliches Erstarken Deutschlands glaubt. Und nun müssen Dir auch selbst daran glauben und die Hände au- ßegen, diesen Wiederaufbau zu beginnen. Ich 'könnte mir nichts Schrecklicheres denken, als daß das große Industriegebiet Deutschlands, Rheinland und Westfalen, wo doch das Herz unserer großen Produktion schlägt, unter die Gewalt fremder Bajonette gestellt zu sehen. Die Waffen werden wir zum großen Teil aus den Händen geben. Umso- Dehr aber werden wir in jedem Augenblick der kommenden Monate und Jahre de» Standpunkt des Rechtes für das deutsche Volk betonen. Ich habe daher auch im Reichstag erklärt, daß es für uns unerträglich wäre, die ober» Ich l e! ische Frage durch die Diktatur eines 'polnischen Insurgenten gelöst werden sollte. Wir verlangen, daß das durch den Friedsnsvertrag ge- Dährte Recht zur Geltung komme. Ich glaube, es kst eine Bahn möglich, die zur Freiheit führt. Sie führt nicht über die Schlachtfelder; dort stehen Kreuze genug. Wir wollen der Toten im Gebet gedenken, nicht auf neue Kriege sinnen. Auf jeden tzall wollen wir jetzt die Freiheit, die uns die Arbeit ;ibt. Das ist der große Gedanke, wie man frurch Arbeit zur Freiheit wieder kommen jkann, zu diesem köstlichsten Gut, das der Mensch ,hat. Die Türen sind für niemand zu, der an des Vaterlandes Freiheit durch Arbeit mithelfen -"'IL Dlbcr irgendwelche wilden Formen des Ausdruckes Apolitischer Betätigung, außerhalb des Rahmens des Gesetzes gar, die uns außenpolitisch nur in Schmie frigkeiten bringen, muffen wir unbedingt ablehnen. Auf dem Vode« des Rechts, auf dem BÄ>en der Ärbeit vorwärts!
etwas getan, was ihn sofort zu einem erfolgreich:» Politikei; zu einem Staatsmann erhebe.
„D aily Telegraph" weist darauf hin, \ j Briand gestern einer unruhigen und argwöhnisch::: Kammer gegenüber stand und daß es seiner ganze»! Kunst und Geschicklichkeit bedurfte, um mit der Lage fertig zu werden. Die .Erklärung Briands, daß er sich, was die Notwendigkeit der Erfüllung des Frie- den-vertrages bei der Regelung der oberschlesischen Frage betrifft, in voller Uebereinstimmung mit Lloyd George befinde, wird vom „Daily Telegraph" mit tiefer Befriedigung ausgenommen. Das Blatt schreibt, daß Oberschlesien geteilt werden müsse, und es scheine absurd, anzunehmen, daß Verwirrung entstehen müsse, weil eine gerechte Teilung unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und ethnologische» Bedingungen nicht erfolgen könne. Während der letzte» zwei Fahr« s^ien schwierigere und heiklere Probleme gelöst worden.
Die „TimeS" sagt, die Rede Briands habe, wie man annchme, dem französischen Premierminister eine Mehrheit der Kammer gesichert. Zu der Erllärung Briands, daß die Aufrechterhallung der Union zwischen Großbritannien unb Frankreich die Grundlage seiner Politik sei, schreibt die „Times", zu dieser Politik werde das englische Volk ebenso treu stehen. Ta- Einzige, was sein festes Vertrauen darin stören könnte, würbe fein, wen» eines der beiden Länder von diese« Politik aügche in Verfolgung, von Zielen und Bestrebungen, die ihre Vernunft und ihr moralisches Urteil verdammen.
„Daily Chronicle" schreibt Briand scheine seine gewohnte Geschicklichkeit bewiesen zu haben. Ta- Blatt hofft, daß Briand in seinem Widerstand gegen die Mitglieder, die ihn zur Besetzung des Ruhrgebiet- bewegen wollten, weiterhin fest bleiben werde.
Die Aufnahme in Frankreich.
wb. Paris, 25. Mai. Die gestrige Rede des Mi» nisterpräsibenten findet imallgemeinenZustim- m u n g. Der „M a t i n" sagt, er habe sich über ftine äußere Politik im ganzen ausgesprochen, vor alle» Dingen über das Ergebnis der Londoner Konferenz, von der er glaube, solide Ergebnisse mitgebracht zu haben. Er habe aber auch bie Politik auseinander- gesetzt, bie er verfolgen werde, solange er an der Spitze der Regierung steh«, eine Politik bet Festigkeit, aber auch eine Politik der Einigkeit mit ben Alliierten. Briand habe laut unb vernehmbar gesprochen und seine Sprache sei nicht nur für bie Kammer bestimmt gewesen- Er habe auf bie Worte hingcwiese^ bie von bet Kammertribüne gesprochen worben seien unb bie gewisse Richtigstellungen verlangt hätten. Er habe sie gebracht. <
Das „Echo dc Paris" schreibt, so vollständig auch bie Erklärungen Briands gewesen seien, bas Ergebnis hätten sie boch nicht gebracht, baß bie Abstimmung beschleunigt unb bei Abschluß bet Debatte schneller herbeigeführt werbe. Es seien vielleicht noch zwei Sitzungen nötig, nm mit der Debatte zu Ende zu kommen.
Tas „Journal" nennt bie gestrige Sitzung eine angeregte Sitzung angesichts einer mißtrauischen, wen« nicht feindseligen Mehrheit. Briand habe ben Abgeordneten auseinanbcrgesetzt, aus welchen höheren Gründen das Ruhrgebiet nicht beseht worden sei. Das sei eine schwierige Aufgabe gewesen. Nicht durch feine Redekunst habe der Ministerpräsident bie Versammlung überzeugen können, er habe sich an bie Vernunft der Abgeordneten gewandt unb durch solide Beweis» führung habe er sie dahin geführt, wohin er sie habe führen wollen. Das Blatt ist brr Ansicht, daß der Ministecpräsident gestern bie Zustimmung d:r Mehrheit der Versammlung gefuuben habe.
„Petit P a r i s i e n" vertritt ben Standpunkt, Briand habe gestern in feiner zweistündigen Rede nichts im ©hatten gelassen, weder was das oberschlesische Problem anbetreffe, noch die bebeutenbereu Fragen, bie durch das Abkommen von Loudon unb die Entscheidun» gen der Neparationskommisfiotl ausgeworfen feien. Er habe feierlich die vollkommene Unabhängigkeit der souveränen Entscheidungen der R.patationskemmissiou proklamiert und er fyabe endlich die Kammer vor die Wahl gestellt, zwischen bet Politik des Bruches un> der Politik der Einheit mit den Alliierten zu entscheiden. Der letzteren bleibe er ergeben, denn durch diese fei der Friedcnsvertrag von Versailles etwas wert.
Leon Blum erklärt im „Populaire", Briand habe sich entschlossen, gegen die reaktionären Uebertrn- bungen unb gegen die poincaristischen Angriffe gewandt. Ofienfichllich [,abe et verstanden, daß er das erste Opfer der Torheit fein werde, zu beten Entfesselung er viel beigctrageu habe. Briand habe bie Ereignisse in Obcrschlcsien auf ihre wirkliche Bedeutung zurückgcsührt. Er habe ben guten Willen und ben guten Glauben des dcutschen Ministeriums verkündet unb seinen Entschluß dahin formuliert, baß es nftht nur auf de» Geisteszustand der Verbündete» goti*)
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