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Marburg M iti 25. Rai

Amüiches LeMnLigungMatt des Kreises Marburg. .

Anzeiger für (das früher kurheMche) OSerheffen

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56. 3M

1921

Erstes Blatt

Ser MW AMmd in SdnIWen.

Die Sperrung der Erenze.

rob. Paris, 24. Mai. Havas meldet: Der deutsche Botfchofter hat heute vormittag U Uhr dem Ministerium des Aeutzern einen Besuch abgestattet, um die Antwort seiner Regierung auf den Schritt zu überbringen, den er gestern abend auf Anordnung Vriands unternom- »en hatte. Die deutsche Regierung hatte ihrem ..Botschafter bekannt gegeben, daß sie strenge Matz- .«ahmen zur Sperrung der ob er schiess- .scheu Erenz-e vorschreiben wird.

: wb. Berlin, 24. Mai. Die polizeilichen Matz- , nahmen zur Sperrung der oberschlesischen Grenze sind durchgesShrt. Die Grenze ist gesperrt. Das preußische Ministerium des Innern entsandte neun Hundertschaften^itzpolizei an die Erenze, welche den Eintritt von Bewaffneten aus Deutschland hin­dern und aus LBrrsthlesten zurückkehrende Bswaff ;Bet« entwaffne« solle». . ..

Sniklnnns eepen dir Mm nm Frrikdrn;.

' wb. Berlin, 24. Mai. Amtlich. Um eins Hinterlage für hie nachdrückliche Unter- lb i n d u n g der Bildung von Freikorps und krnderen Freiwilligenverbänden für Oberschlesien lzu geben, erlieh der Reichspräsident auf Antrag des ^leichsministeriums in Ergänzung der bestehenden ,Strafbestimmungen eine besondere Verord- nu ng. Danach wird mit Geldstrafe oder Gefüng- ms bestraft, wer es unternimmt, ohne Genehmi- gung der zuständigen Dienststellen Personen zu Verbänden militärischer Art zusammenzuschlietzen, »der wer an solchen Verbänden teilnimmt. Auch jede Art von Gelduntcrstützungen solcher Unterneh­mungen ist danach strafbar, ebenso die Werbung und die Ausnahme von Werbeinseraten in der Presse. Die Verordnung bezieht sich auf das ganze Reich mit Ausnahme des Abstimmungsgebietes selbst, worin die Verwaltung den Alliierten ob­liegt, denen auch die Regelung des Selbstschutzes plstcht.

tob. Berlin, 24. Mai. Die Verordnung des Reichspräsidenten über das Verbot militärischer Verbände vom 24. Mai lautet: Auf Grund des Ar­tikels 48 der Verfassung des Deutschen Reiches ver­ordne ich zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung für das Reichsgebiet fol­gendes:

§ 1. Wer es unternimmt, ohne Genehmigung der zuständige» Dienststellen Personen zu Verbän­den militärischer Art zusammenzuschließen, oder wer an solche» Verbänden teilnimmt, wixd mit einer Geldstrafe bis zu 100 000 Mark oder Eefäng- ms bestraft.

§ 2. Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündigung in Kraft.

Reichspräsident: gez. Ebert. Reichskanzler: gcz. Dr. Wirth. Reichsminister des Innern:

. gez. Dr. Gradnauer.

Sthamer bei Lord Curzon.

London, 24. Mai. Wie Reuter erfährt, stattete !er deutsche Botschafter in London, Sthamer, auf Kunsch Lord Curzons gestern im Auswärtigen Amt einen Besuch ab, bei dem Lord -Curzon hervorhob, wie sehr es erwünscht sei, daß die deutsche Regierung alle Maßnahmen treffe, um zu verhindern, daß deutsche Streitkräfte, insbesondere Formationen des Selbst- fchuhes, Freiwilligentransporte und bergt, in das ober- schlesische Abstimmungsgebiet einrückten, um dort Feindseligkeiten mit den polnischen Insurgenten zu S linnen.

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Dresden, 24. Mai. In der heutigen Sitzung des Landtages ergriff der Minister des Innern Lipinski das Wort zur Frage der Freiwilligen- und Wafsen- transporte nach Oberschlesien und zu dem Vorfall auf dem Dresdener Bahnhof, wo vor einigen Tagen ein Zusammenstoß zwischen Reisenden aus Bayern And dem Betriebsratsvorsitzenden stattgefunden hatte. Lipinski erklärte, daß die Polizeibehörden angewiesen seien, dauernd auf Verhinderung solcher Transporte bLacht zu sein, nachdem die Reich-rrgierung bereits festgestellt habe, daß die Werbung, Zusammenstellung und der Transport von Freikorps verboten sei, sei in Sachfen eine weitere Berfügung ergangen, die sich gegen etwaige Transporte durch sächsisches Gebiet wendet. Auch in Leipzig und in Chemnitz würden die Zuge scharf überwacht. Es seien bereits mehrere Transporte angchalten worden.

Borzensur im Bezirk Düsseldorf.

mb. Düsseldors, 24. Mai. Seit heute mor­gen ist im Bezirk von Düffeldorf durch den französi­schen Oberbefehlshaber die Vorzensur über alle aus Oberschlesien kommenden Meldungen verhängt.

Zwei französische Roten an England.

mb. Paris, 24. Mai. Havas meldet, daß die französische Regierung gestern abend durch Ver­mittlung des französischen Botschafters dem Foreign Office zwei Noten überreicht habe; in der einen er­sucht sie darum, daß der britische Botschafter in Berlin den von dem französischen Botschafter be­reits unternommenen Schritt unterstütze, um von der deutschen Negierung die Zusicherung zu erhal­ten, daß sie nicht nur die Sperrung der deutschen Grenze nach Oberschlesien sicherstelle, sondern auch für die Versorgung dieses Gebietes und die Absen­dung der Gelder zur Entlohnung der A-r- d e i t e r s ch a f t sorge. Die andere Note behauptet, daß diedeutschen Angriffe in Oberschlesien" nicht nur von den in Oberschlesien lebenden Deutschen herrührten, sondern vielmehr von wohlorganisier- ten F r e i k - r p s, die in dieses Gebiet eingerückt seien.

Englische Truppen nach Oberschlesien.1

London, 24. Mai. Reuter. Im Unterhaus er­klärte Chamberlain tt. a., 4 englische Infanterie-Batail­lone würden vom Rhein nach Schlesien gehen. Es sei in Erwägung gezogen, diese Streitmacht falls mög­lich, zu vermehren. Deutschland werde für den Unter­halt dieser Bataillone keine Zahlungen zu leisten haben. In Warschau seien von den Gesandten der 3 alliierten Mächte, die im Einverständnis Vorgehen, dringende Börstellungen erhoben worden. j .

DieT i m e s nennt den Beschluß der hriti- schen Regierung, Truppen nach Oberschlesien »u entsenden, richtig und klug. Er sei ein sichtbares Zeichen dafür, daß die Verbündeten zusammen­stehen und ihre Autorität gegenüber den Polen so­wohl als auch den Deutschen aufrecht erhalten wer­den.Daily C h r o n i c l e" schreibt, es sei sehr wünschenswert, daß die Verbündeten stark genug seien, um die Deutschen und Polen auseinander zu halten. Sie könnten auch weiter einen Druck so­wohl auf Warschau und Berlin anroenden, damit die polnische dezw. deutsche Erenze geschloffen bleibe. Das Blatt hat den Eindruck, daß sowohl die polnische als'auch die deutsche Regierung jetzt in Bezug auf die Schließung der Grenze aufrichtig handeln, daß jedoch beide nicht genügend Kontrolle über ihre wilden Männer an Ort und Stelle haben.Daily Telegraph" meldet aus Ber­lin, wenn die Freikorps, Orgesch-Abteilungen oder andere derartige Körperschaften auch noch so große Dummheiten begehen würden, so wäre es doch voll­kommen unrecht, wenn man die deutsche Regierung für diese Taten tadeln wollte. In führenden Ententekreisen werde anerkannt, daß Herr Wirth eine vollkommen aufrichtige Politik verfolge. Man dürfe bei dem heu­tigen Wiederzusammentritt des Parlaments eine weitere Erklärung der britischen Regierung über Oberschlesien erwarten. Es erhebe sich auch die bedeutsame Frage der Aufrechterhaltung der Soli­darität der Entente.Daily New s" schreibt, die Entsendung britischer Truppen nach Ober­schlesien werde sicher den Deutschen Vertrauen ein­flößen und sie darin hindern, polnische Ausschrei­tungen mit preußischer Wiedervergeltung zu beant­worten. Die Ankunft britischer Truppen werde auch eine heilsame Wirkung auf die polnischen In­surgenten ausüben, die immer noch zu denken schienen, daß sie die moralische bezw. unmoralische Unterstützung des Obersten Rates besäßen.

Landsberg von den Deutschen besetzt. Polnische Angriffe. Plünderungen und Terror.

O p p e l n, 24. Mai. lieber die Lage in den schwer bedrohten Industriestädten des Zentralreviers liegen auch bis heute Abend zuverlässige Meldungen nickt vor. Im Kreise Rosenberg wurde die Stadt Lands­berg von den Deutschen besetzt. Die das Gebiet räu­menden polnischen Banden haben die wehrlose Be­völkerung in schwerster Weise ausgeplündert und ge- brandschatzt. Eine gxoßc Anzahl Deutscher ist von den Aufständischen in Kraftwagen in das Internierungs­lager Pawonkau, Kreis Lublinitz verschleppt worden. Auch ans dem Steife Oppeln werden Plüirderungen der Polen in der Gegend Turanowa gemeldet. Im Kreise Groß-Strehlitz wurden polnische Angriffe auf Groß- Stein und Zedlitz abgewiesen. In denpolnischen Heeresberichten" wird behauptet, die Ausrührer hätten das Gebiet um Krappitz zur Schaffung einer neutralen Zone auf Verlangen der interalliierten Kommission räumen wollen. Tiefe Meldung entspricht in keiner Weise den Tatsachen, da gerade in diesem Gebiet mehr­fach Vorstöße der Polen stattgefunden haben. Nach dem Heeresbericht der Aufrührer vom 23. der als Warschauer Funkspruch verbreitet wird, hat die Ober­

leitung der Aufständischen eine Verfügung erlassen, die die Zahlung von Steuern an die deutschen Be­hörden verbietet. Tas Ueberschreiten dieses Befehls wird mit einer Geldstrafe bi- zu einer Million deutscher Mark oder einet Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr geahndet. Nach anderen Warschauer Funksprüchen roirb die Wiedereröffnung der Kohlenlieferungen en die Tschecko-Slowakei gemeldet und zwar sollen <ai 22. Mai 5000 Tonnen Kohlen geliefert worden sein, "^e Aufständischen seien mit den Abnehmern in Verbindung getreten, um eine geregelte Kohlenausfuhr zu ermög­lichen. Nach fcfiner weiteren Warschauer Meldung find die Kreistage und Kreisausschüsse in den von den Aufständischen besetzten Gebieten aufgelöst. Tie Ge- meindeverwaltungsbehörden müssen sich in allen An­gelegenheiten nunmehr an die polnischen Kreispräfek- ten wenden, die die Kontrolle über die gesamten Kreis- verwaltnngen ausüben.

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MM Kmnimkde.

Die oberschlesische Frage. Mehrheit der Polen im Bergwerksbezirk. Der Ursprung *er Unruhen.

Ein Lob für den deutschen Reichskanzler. Für eine Politik derFestigkeit und Mäßigung".

wb .Paris, 24. Mai. In der heutigen Kammer- sitzung wird die Beratung der Jnterpelkattoiren über die auswärtige Politik fortgeietzt. Die. sozialistischen Abgeord­neten Montel und Blum haben eine Interpellation über die Ereignisse in Oberschlesien einge- bracht. Der Präsident der Kammer fragt, ob diese Inter­pellation mit den anderen vorliegenden Interpellationen über den gleichen Gegenstand verbunden werden soll. Ministerpräsident Briand sagt, es fei nicht gut und tätlich, diese Interpellation mit denen zu verbinden, die sich auf die auswärtige Politik im allgemeinen beziehen. Infolgedessen wird über die Weiterberalunz der Inter­pellationen sortgesahren. Es ergreift

Ministerpräsident Briand das Wort. Er erklärt, er begreife die Erregung, die sich angesichts der Ereignisse in Oberschlesien im Lande zeige. Während der Beratungen über ben Friedensvertrag habe eine interalliierte Kom­miss«»., o» oberschlesische Frage genau geprüft. Die Arbeiten hätten mehrere Monate gedauert, und die Mit­glieder dieser Kommission seien einstimmig zu dem Ent­schluß gekommen, Oberschlesien Polen zuzu- sprechen. Auch die Alliierten hätten sich einstimmig diesem Beschluß augeschlossen, und diese Vertragsklausel sei Deutschland übermittelt worden, das dann in Gegenvor­schlägen Anspruch auf dieses Gebiet erhoben habe. Der Oberste Rat habe alsdann, ben Interessen Polens ent­gegen, eine Volksabstimmung zugelassen, nm das Recht Polens zu rechtfertigen. Die Polen hätten starke Gründe gehabt, zu glauben, daß Oberschlesien ihnen zu- satten wert«. Bei der Abstimmung aber hätten 180000 Deutsche, die in Oberschlesien geboren wurden, mitge- stimmt. Frankreich habe immer gewollt, daß der Frie­densvertrag loyal ausgeführt werde. Niemals habe es die Absicht gehabt, Polen Gebiete zurnstellen, dir an die Deutschen abgetreten werden müßten. Nach dieser Rich­tung sei er mit dem englischen Premiermini­ster einig. Oberschlesien fei niemals ein rein deut­sches Land gewesen. Die englischen und die deutschen Autoren, auch der deutsche Atlas .bekundeten dies. Ober» schlesien sei vor 600 Jahren mit Gewalt zu Deutschland gekommen. Der Vertrag sage, daß die Grenzbestimmungen nach geographischen Rück­sichten getroffen werden müßten. Es wäre also keine gerechte Entscheidung, wenn ein Unterschied zwischen dem armen und dem reichen Gebiet gemacht werden solle, zwischen den Stimmen der polnischen Arbeiter und denen der reichen Deutschen. Wenn in. dem Minenbezirk die polnischen Arbeiter die Mehrheit der Stimmen hätten, dann müßten diese Stimmen bei dem Votum den Aus­schlag geben. (Beifall.) Er sage dies nicht in der Absicht, tu polemisieren, denn ut;ty; Alliierten müsse man sich in Ruhe auseinande^etzen unb dürfe keine Sjintergebanfen haben. Man habe behauptet, Frankreich fordere, daß der Minenbezirk Polen zugesprochen würde, und daß es damit Polen begünstige. Nach einem Kriege wie dem letzte» habe Frankreich das Recht, gewisse Befürchtungen zu hegen. Wenn man einem Lande wie Polen das Leben gegeben habe, so sei es nur natürlich, bafrman auch daran denk, ihm seine Existenzmöglichkeit zu geben. Von diesem Wunsche beseelt, hätten die Alliierten Polen einen Zugang zum Meer durch Preußen hindurch gesichert. Das genüge aber nicht. Wenn ein Land nicht die Mittel zum Leben habe, dann sterbe es, ober es falle der Herr­schaft seines Nachbarn anheim. In den Bergwerks- bezirken Oberschlefiens hätten die Polen nicht nur die Gesamtmehrheit, sondern auch die Mehr­heit nach K ommunen erlangt. Der französische Kommissar sei also berechtigt gewesen, seine Konklusionen zu unterbreiten. Es bereite oft Ungelegenbeiten, wenn eine Debatte wie die über die Volksabstimmung aus öffent­lichem Wege erfolge und wenn eine Pressepolemik sich dieser Frage bemächtige. Aber ioenn nach so vielen ge­meinsam niedergekämpsten Schwierigkeiten die Entente sterben müsse infolge einer Schwierigkeit, die den gegen­wärtigen Lage entspringe, bann fehle nur der gute Wille, und dann hätte man nicht den Wunsch, die Entente auf­recht zu erhalten. Tas sei nicht der Gedanke Frankreichs. Geifall.) Er habe gegenwärtig noch eine schwere Stunde, eine dramatische Stunde der Londoner Konferenz. Damals habe es den Anschein gehabt, der Unterschied in btr Auf­fassung zwischen Frankreich und Großbritannien sei so große daß es munögtich sch fic riuander näher zu bringen.

Dir Worte der englischen Premierministers lägen ihm noch in ben Ohren, als er gesagt habe, et möchte nicht bet Staatsmann fein, der eS mit seinem Gewissen zu bet« antworten habe, ein so ernste» Ereignis vorbereitet za haben. Wenn man das Gefühl des Ernstes eines solchen Ereigniffes habe, dann sei er sicher, daß man alle» tun werde, um eS nicht zu provozieren. Frankreich verlangt, daß der Vertrag loyal spiele, unb »war iy seinem Geiste und in seinen.Worten. Briand gibt »u, daß die Militär» vielleicht nicht ganz geeignet-, seien, um in voller Gerechtigkeit die Be­st i m m n n g e n bc8 Vertrages zn würdige« undumeineGrenzliniernziehen. Die Alliier­ten müßten sich nach den Akten, wie in allen andere» Fällen, aussprechen. Die Gerechtigkeit mfiffe siege», und an dem Tage, an dem die Gerechtigkeit triumphiert habe, werde Oberschlesien von der Anarchie gerettet sein. zBei- sall. ) Briand kommt sodann auf den Ursprung der polnischen Unruhen zurück und sagt, die Polen seien erregt gewesen, weil sie geglaubt hätten, sie sollten das Opfer des Londoner Abkommens sein. Bon Land«! auS habe er augeo ebnet, daß sofort dem französischen Vertreter in Oberschlesien telegraphiert werde, daß et alles unternehme, was in seiner Macht liege, um die Ordnung wieder herzusiellen unb um die Menschenleben und die Vermögenswerte zu schützen. Hätte man etwa Blut vergießen sollen mit Tanks unb Miirmlleusen? Frankreich habe 12000 Mann in Oberschlesien, die die bedrohten Deutschen geschützt hätten und die Ordnung f ei wieder hergestellt. (?) Alle Welt müsse damit zufrieden fein. Der polnischen Regierung habe man mit­geteilt, daß ihre Landsleute sich inS Unrecht setzten. Die polnische Regierung habe die verlang­ten Maßnahmen ergriffen. Auch die Worte Lloyd Georges seien falsch ausgelegt unb schlecht über­mittelt worden. (Ironische Zurufe rechts.) Briand for­dert die Kammer auf, den Takt, den eine derartige Debatte j verlange, aufrecht zu erhalten und fährt fort: Die ; Worte Lloyd Georges hätten, falsch übernntteft, die deutsche Presse unb die AMteutschen glauben machen können, er habe Deutschland aufgeforbrrt, direkt in Ober­schlesien etwas zu unternehmen, ebentL die Reichswehr; dort eiurücken zu lassen. Briand erinnert an die Er» f fläntng, die er in Abwesenheit des Parlaments in aller' Oefsentlichkeit machen mußte. Er habe Deutschland z», erkennen gegeben, daß, wenn eS Truppen nach Ober-. schiessen entsende, wozu ,wie er wisse, Geneigtheit bestände» habe, würden ernste Ercigniffe dadurch hervorgerusen. Die deutsche Regierung habe begriffen. Er habe mit SeftttbU gung bemerkt, daß in den erregtesten Zeitungen am ander» Tage eine Zurückhaltung zu beobachten gewesen fei. Rach einer Verbreitung über die letzten Ereignisse erklärt btf Ministerpräsident, daß der deutsche LegationSrat vo» Moltke nach einer Unterredung mit der interalliierte»? Kommission Instruktionen erhalten habe, die bereit» be­folgt worden seien. Der Kamps sei eingestellt und die Ruhe wieder hergestellt. (!) Auch der französische Botschafter in London habe Instruktionen erhalten. Er selbst habe gestern den deutschen Bot­schafter gebeten, ihm einen Besuch abzustatten. Er habe ihn auf den Ernst der augenblicklichen Lage hingewiesen und erklärt, wenn nicht in kürzester Frist diedentschenDetachement» enttoaifnettoea» die Urheber der Anwerbungen nicht nach de» deutschen Strafgesetz verfolgt würden unb wenn die deutsche Regierung nicht dieoberschlesischeGrenze sperre, bann könnte die Sage gefährlich werden. Heute vormittag in früher Stunde habe die deutsche Regierung mitgeteilt, daß alle Maßnahmen angeordnet seien und daß die Zeitungen, welche hetzten, verfolgt wür­den. Es sei auch mitgeteilt worden, daß der preußische Minister des Innern Sicherheitspolizei entsandt habe, uin die gegebenen Instruktionen ausführen zu lassen. Sie können mir sagen, daß das Worte sind, und daß wir seit zwei Jahren schon diele Worte gehört haben, die nicht befolgt wurden. Aber heute denke et loyal und aufrichtig von der deutschen Regierung und vonDt. Wirth, detandetSpitzeeineRegie- r n n g st e h e, die sich auf eine andere Mehrheit im Reichs­tag stütze als die letzte Regierung Bis jetzt habe Dr« Wirth Beweise großer Aufrichtigkeit und Loya­lität bewiesen. Er habe seine Versprechungen gehalten und er (Briand) werde nachher daraus bet Besprechung der Londoner Beschlüsse zurückkommen. Er (Dr. Wirth) habe nicht nur die Verpflichtungen übernommen, sondern auch begonnen, sie auszuführen. Frankreich habe die Macht, die es ihm gestatte, Vertrauen zu haben und die ihm Kaltblütigkeit anempfehle. (Lebhafter Beifall.) Er müsse es inrücftoeifen, wenn man sage, die Regierung habe Frankreich in eine erniedrigende Lage gebracht. Er freut sich über die bewunderungswürdige Haltung Der öffent­lichen Meinung. Sie habe begriffen, daß die Interessen Frankreichs vertreten seien. (Beifall links und in der Mitte. ) Briand sagt sodann, er habe seine Politik er­läutert, er übernehme feine Verantwortlichkeit,' die Kam­mer möge die ihrige übernehmen. Sic solle sodann wähle» jUvifchen seiner Politik oder einet anderen. Die andere 'Politik wolle er nicht mitmachen ohne zwingende Not­wendigkeit. (Beifall links und in der Mitte.) Was bit Sicherheit Frankreichs an betreffe, so behalte sich Frank­reich vor, alle ersotderlichen Druckmittel zu gebrauchen, wenn die Deutschen ihre Verpflichtungen nicht halten würden. Wenn feine Sicherheiten in Frage gestellt wer­den, dann werde Frankreich das habe et seinen Ver­bündeten mit geteilt im Rechte sein, feine Sicherheiten kicherzustellen. (Beifall links und in der Mitte. Der Ministerpräsident wird dauernd durch ironische Zwischen- rufe von rechts unterbrochen.) Briand erklärt, er hab« den Jahrgang 1919 mobilisier^ weil eS en-, erläßlich gewesen sei. Er sei beauftragt, den Friedens-, vertrag vo» .Versailles anzuwenden». müsse tz«M